Ausgabe 
(1.7.1915) 152. Zweites Blatt
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zweites Blatt Grscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Der Kuhhandel um Skutari.

In Albanien herrschtkleiner Weltkrieg, ein unblu⸗ tiges Komödienspiel⸗ im Zwischenakt der großen Tragödie. Nachdem die Serben Elbassan und Tirana und beinahe auch Durazzo besetzt hatten, zogen die Montenegriner am 27. Juni prunkhaft und feierlich wie Sieger in Skutari ein. Im Grunde war diese Uebergabe Skutaris ein Kuhhandel zwischen Herrn Marinowic, dem montenegrinischen Konsul von Skutari und Herrn Prenk Bib Doda. Verzeihung: dem Fürsten Prenk Bib Doda. Denn dieser gerissenste aller poli- tischen Schieber nennt sichFürst. Er ist wirklich ein Fürst der Hammeldiebe und Balkanspitzbuben. Als der Prinz zu Wied nach Albanien kam, nahm Prenk Bib Doda reichlich Handgeld von ihm, um ihm zu helfen, ließ sich dann aber schnell von den Aufrührern schlagen, weil deren Hinter⸗ männer ihm offenbarerkenntlich waren, und gab das große Balkanehrenwort, daß er nie wieder gegen sie kämpfen werde. Wenige Tage darauf stand er trotzdem gegen sie im Felde. Aber anscheinend nur, um,hartem Kriegsgebote folgend, Dörfer anzuzünden und Hammelherden zusammen⸗

die er nicht zu bezahlen brauchte. Und wieder einige e später ließ er sich von neuem in die Flucht schlagen. Nämlich, er forderte seine Leute, obwohl sie treff liche Stellungen innehatten, zu deren Verlassen auf; und sie schmunzelten und gingen mit. Und nun hat dieser außer- ordentlich vielseitigeGeschäftsmann die Stadt und Festung Skutari dem König Nikola von Montenegro ge geben. Das ist zwar weniger ehrenvoll, aber viel prak tischer und einfacher, als was im Jahre 1912/13 dort ge⸗ schah. Damals mußte Nikita mit 35 000Heldensöhnen ein halbes Jahr lang vor Skutari liegen. Der damalige Ver⸗ teidiger des Tarabosch⸗Hügels, Hassan Riza⸗-Bei, der lange Zeit im deutschen Heere gedient hatte, machte mit seiner Heinen Schar den Montenegrinern die Belagerung sehr . und diese rächten sich auch firr den langen tapferen Widerstand, indem sie den Patrouillen, die sie absingen, Nasen und Ohren abschnitten. Endlich, am 23. April 1913 mußte sich Skutari ergeben. Aber König Nikita wurde seines Sieges nicht froh. Die Großmächte machten ihm den eroberten Brocken streitig, und Nikola, der Dichter des DramasDie Kaiserin des Balkans, mußte zu dem ihm micht ungewohnten Mittel des Federkrieges greisen, um die Beute seines Schwertes zu verteidigen. Er verfaßte eine lan ige Erklärung, in der es hieß:Nicht in der Absicht, den Willen Europas zu mißachten, sondern wielmehr in vollem Bewußtsein seiner nationalen Auf⸗ gaben hat sich die Königliche Regierung geweigert, sich einer Entscheidung ber unterwerfen, welche sie einer Stadt und eines Gebietes berauben würde, deren Besitz von ihr in Uebereinstimmung mit der Meinung der ganzen Nation als von wesentlicher Bedeutung für Montenegro angesehen wird.. Das war zwar wieder einmal ein grober Miß⸗ brauch des taris sind fast durchweg Albanier und haben mit den Montenegrinern und Serben nicht das mindeste gemein, aber Nikita versucht alles, und man muß es ihm lassen: er ist ein geschickter Regisseur.Die warme und einmütige Aufnahme, welche von seiten aller Bevölkerungsschichten, welcher Konfession immer, der montenegrinischen Armee bereitet wurden, sowie die vom Erzbischof von Skutari, von der Geistlichkeit und den katholischen wie muselmanischen Notabeln abgegebene Erklärung der Loyalität und Anhäng⸗ lichkeit lassen keinen Zweifel über die Disposition der Be völkerung Skutaris, welche von dem Wunsche beseelt ist, eine sowohl vom politischen als auch vom wirtschaftlichen Ge sichtspunkt für die Stadt vorteilhafte Annexion verwirklicht zu sehen. So schmuste er damals die Großmächte an. Und heute wird er natürlich, unterstützt von Tschadchen Prenk Bib Doda, wieder alles aufbieten, um Stutari nun end⸗

gültig zu behalten. Bei dem Volke seines Schwiegersohnes sst

Viktor Emanuel hat er sich ja durch seinen neuen Streich höchst unbeliebt gemacht. Die italienischen Blätter bezeich nen sein Vorgehen als eine unerhörte Gewalttat. Das Giornale d'Italia ist empört, daß die Montenegriner und Serben den Vertrag mit Füßen träten, der die Unter⸗ schrift von vier verbündeten Mächten trage, gegen die Mon⸗ tenegro eine ungeheure Dankesschuld habe. Die Besetzung .. die erde 2 5 15 2 ö gegen die Versprechungen, die Cetinje beständig in Rom abgegeben habe. DerCorriere della Sera protestiert im Namen aller Ententemächte gegen das eigenmächtige Vorgehen der Montenegriner und Serben. In Albanien könne keine andere Besetzung als vollzogene Tatsache gelten, als allein die Besetzung Valonas durch Italien!

Uns kann der Streit, der da im Hause unserer Feinde ausbricht, nur größte Freude und Genugtuung bereiten. Nur so weiter! Betrüger, die sich untereinander befehden, werden nach außen hin um so schneller unschädlich.

Rom, 30. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) DasGiornale d'Jta lia meldet aus Skutari: Nach der Besetzung von San Gio⸗ anni di Medua besetzten die Montenegriner Alessio und die von Malissoren bewohnten Dörfer Salac und Temai. Die montenegrinis. Truppen, die vor Skutari standen, näherten sich der Stadt von der Mossibrücke. Die Uebergabc wurde zwischen dem Konsul Martinowitsch und Bib⸗ do da besprochen, der sich in das Hauptquartier begab. Die amtliche Ankündigung der Besetzung erfolgte am 27. Juni vormittags durch eine Proklamation der rwaltung, die die Bevölkerung aufforderte, den Soldaten einen würdigen Empfang zu bereiten Tatsächlich gingen auch die mohammedanischen, katholischen und 5 tabeln, Mönche und Jesuiten, die Stadtbehörden, Mitgli der Regierung, die Gendarmerie, Polizei, Schulen und Bevölkerung mit Fahnen und Musik den Montenegrinern entgegen. Diese hielten um 12 Uhr mittags einen triumphartigen Einzug. Nach der Vorhut von etwa 1000 Mann und nach den Popen in vollem Ornate mit Kreuzen und religiösen Fahnen zog die Hauptmacht des Heeres ein. Der montenegrinische Konsul und der General folgten im Wagen. Danach lamen irreguläre Albaner⸗ banden. Das österreichisch⸗ungarische Konsulat zog hierauf seine Fahne ein und stellte sich unter den Schutz des griechischen Konsu⸗ lates. Ter Generalstab des Heeres nahm Besitz von der Regierung der Stadt und richtete sich im Konak ein, wo er von den Notabeln zupfangen wurde. Der Generalstab erklärte, daß die Bürger der Stadt sich künftig als montenegrinische Untertanen zu betrachten hätten und nach den montenegrinischen Gesetzen ab⸗ seurteilt würden. Wer den neuen Zustand störe, werde nach den

N e eee sandte eine Note der Mächte, in welcher er namens des

esetzen

.

riffsnational, denn die Einwohmer Sku⸗ Kuchen

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Donnerstag, J. Juli 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul-

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Königs Nikita die Besitzergreifung der Stadt anzeigte. Patrouillen bewachen die Konsulate und öffentlichen Gebäude. Eine Abteilung besetzte die Festung, auf der, Freuden⸗Salven abgefeuert wurden.

Aus Stadt und Land. Gießen, 1. Juli 1915.

Hessische Landwirtschaftskammer.

rb. Darmstadt, 29. Juni. Die Landwirtschafts⸗ kammer für das Großherzogtum Hessen trat heute vormittag 10½¼ Uhr im Sitzungssaal der Zweiten Kammer zu ihrer 13. Hauptversammlung zusammen. Präsident Oekonomie⸗ rat Walter Lengfeld eröffnete die Beratung mit einer Be grüßung der Mitglieder und der Regierungsvertreter und gedachte der inzwischen verstorbenen Mitglieder. Weiter führte der Vor⸗ sitzende aus, daß sich auch die deutsche Landwirtschaft an der Lösung der nationalen Aufgaben mit voller Hingabe betätigt habe. Wie wir die schweren Opfer, die bereits aus allen Kreisen der Bevölkerung gebracht wurden, nie vergessen werden, so müssen wir auch alles daran setzen, dafür zu sorgen, daß diese Opfer nicht vergebens ge⸗ bracht wurden. Der Redner gedachte zum Schluß seiner vaterländi⸗ schen Worte der unvergleichlichen Heldentaten unserer wackeren ruppen. In diesem gewaltigen Völkerkrieg hätten Handel und Industrie eine nie geahnte Tätigkeit entfaltet und er hoffe, daß nach dem Kriege auch der deutschen Landwirtschaft für ihre gewal⸗ tige, vaterländische Mitarbeit die ihr gebührende Anerkennung nicht versagt werden würde. Sie haben die Hoffnungen des Reiches auf eine Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes glänzend erfüllt. Mit dem Ausdruck der festen Ueberzeugung von einem vollen Sieg der deutschen Waffen schloß der Redner seine Ausführungen. Dann gab der Vorsitzende einen kurzen Geschäfts bericht über das verflossene Jahr. Von den Beamten der Landwirtschafts⸗ kammer sind zurzeit 24 zur Fahne einberufen. Die Geschäfte der Kammer haben während der Kriegszeit nicht abgenommen, sondern sich erhöht; die Zahl der Eingänge habe sich gegen das Vorjahr um etwa 2000 erhöht. Die Landwirtschaftskammer sei den verschieden⸗ sten Wünschen und Anregungen seitens der Behörden, wie der Be völkerungskreise nach Möglichkeit gerecht geworden und habe auch seitens des Generalkommandos das weitgehendste Entgegenkommen gefunden. Er stelle mit Freuden fest, daß auf den verschiedensten Gebieten der Landwirtschaft kein Stillstand, sondern eine erhöhte Tätigkeit eingetreten sei. Dabei habe sie natürlich nicht wenig durch den Pferdemangel zu leiden. Während 1912 etwa 60 000 Pferde in den landwirtschaftlichen Betrieben vorhanden waren, kann die Zahl derselben zurzeit nur auf etwa 40 000 geschätzt werden; die Kammer habe sich aber um die Neubeschaffung von Pferdematerial bemüht und bereits 2200 Pferde namentlich aus Belgien wieder zugeführt. Oekonomierat Hensel⸗Dortelweil erörtert in Anknüpfung

an diese Darlegungen die Aussichten der diesjährigen Ernte. Der Redner bedauert dann die Festsetzung der Höchstpreise und die Maß⸗ nahme zur Anschaffung von Fleischdauerware für die Kommunen;

es wäre viel besser, wenn die Dauerware noch lebendig wäre. Die i

Landwirtschaft trage an den jetzigen hohen Schweinepreisen keine Schuld, Auch gegen die Zuckerpreissteigerung und besonders gegen die Festsetzung von Höchstpreisen für die Milch wendet sich der Redner. Der Landwirt könne bei den jetzigen hohen Produktions- losten die Milch zu dem seitherigen Preise nicht mehr liefern. Wenn 25 um die Existenz der Landwirtschaft handelt, dann sollte man z. B in W 155 1. 3 von Kaffee und nicht zu nig sehen. Landtagsabg Korell⸗ Angenrod erörterte die Maßnahmen anläßlich der Beschlagnahme der Wolle. Er hätte in diesem Punkte eine mehr organisatorische Tätigkeit der Landwirtschaftskammer unter Mitwirkung der Regierung gewünscht.

Nach einer kurzen Entgegnung des Statistikers Dr. Ham mann auf verschiedene Ausführungen der beiden Redner schloß die Debatte. Bei der Wahl der Mitglieder zum Bezirkseisenbahnrat wurden die seitherigen Mitglieder durch Zuruf wiedergewählt. Die Jahresrechnung für 1913 und der Bericht über die Rechnungsprü⸗ fung wurden vom Vorsitzenden der Prüfungskommission, Bürger⸗ meister Müller- Usenborn kurz erläutert und die Entlastung des Rechners, sowie die Rechnung selber genehmigt; ebenso wurde die nachträgliche Kreditgenehmigung zur Rechnung für 1913 ausgespro⸗ chen. Ueber den Hauptvoranschlag der Landwirtschaftskam⸗ mer für 1915 und in Verbindung damit über den Voranschlag für die landw. Haushaltungsschulen in Langen und Lindheim, sowie über die Zeitschrift für 1915 berichtete kurz der Vorsitzende, worauf 75 Versammlung einstimmig dem Antrag des Vorstandes zu⸗

I. Der Hauptvoranschlag der Landwirtschaftskammer für 1914 wird auf das Rechnungsjahr 1915 mit der Ermächtigung übertragen, daß die vorgesehenen Summen innerhalb der ein⸗ zelnen Rubriken gegenseitig übertragbar sind. Die Staatsmittel können nur mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums über⸗ tragen werden. Etwaige nicht verwendete Staatsmittel sind an die Staatskasse zurück zu erstatten.

2. Im Teil II des Voranschlags für 1915 fallen die in 1914 unter den Rubriken 27 und 31 vorgesehenen Kapital-Aufnahmen und Auszahlungen für den Neubau des Geschäftshauses weg. Wenn die Lage des Geldmarktes die Durchführung der Kapital⸗Aufnahme im Rahmen der Geschäftsführung für 1914 verbietet, sollen die obigen Vorsehungen als Grundlage zur Verrechnung dieser Post in 1915 gelten. 5

3. Tie Voranschläge der Haushaltungsschulen Langen und Lindheim für 1914 werden auf 1915 verlängert.

4. Desgleichen der Zeitschriftsvoranschlag.

5. Die Besoldungen der definitiv augestellten Beamten regeln sich für das Jahr 1915 nach den gesetzlichen Bestimmungen.

6. Bezüglich der an das nicht angestellte Personal zu zahlenden Vergütungen wird der Vorstand ermächtigt, die jährlich üblichen

* zu 3.

Line längere ssprache entspann sich nun noch über den Antrag Viehmann⸗Rumpenheim und Genossen, betr. Ge⸗ währung von Müchvergütungen für aus Belgien ein⸗ geführte Pferde, Die Hauptversammlung wolle beschließen; 1. Der Vorstandsbeschluß, welcher dahin geht, daß eine Rückver gütung bei den aus Belgien, eingeführten Pferden nicht gewährt wird, ist aufzuheben. 2. Auf die ersteigerten Pferde wird der über den Ankauf gezahlte Steigpreis prozentual, abzüglich der der Kam⸗ mer entstandenen Unkosten, dem Käufer zurückerstattet, jedoch derart, daß der Käufer mindestens den Kaufpreis zu zahlen hat. Zu diesem Antrag gab zunächst der Vorsitzende nähere Darlegungen über die bisher ausgeführten Pferdebeschaffungen aus Belgien und die damit erzielten Erfolge. Dann begründete der Antragsteller seinen Antrag des näheren und kritisierte scharf die mancherlen Nachteile der jetzigen Handhabung der Pferdeversteigerungen. Weiter betonte er, daß sich die Landwirtschaftskammer durch den Bezug der e Pferdes für viele Landwirte sehr verdient gemacht habe. Oekonomierat Dr. Dohlinger machte auf die Zweckmäßigkeit der stärkeren Benutzung der Rinder als Zugtiere an Stelle der Pferde aufmerksam und besprach weitere landwirtschaftliche Fragen, desgleichen Landtagsabg. Bähr u. a. Die Tagung wurde darauf gegen 1 Uhr geschlossen.

Die Kommandantur des Gefangenenlagers von Issoudun macht folgende Mitteilung:Wir erfahren, daß in Deutschland eine Photographie des Lagers von Issoudun zirkuliert. Viele Familien, die seit langer Zeit von An

ehörigen im Felde ohne Nachricht sind, glauben nun diese auf der Weieracht zu erkennen und schreiben um Auskunft. Alle

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diesbezüglichen Nachforschungen in der letzten Zeit sind ergebnislos geblieben, da es sich offenbar nur um Aehnlichkeit handelt, Im übrigen können wir bemerken, daß alle Gefangenen, sobald sie hier eintreffen, die Erlaubnis bekommen, nach Hause zu schreiben,

und daß alle bis jetzt davon Gebrauch gemacht haben. Wenn Fami⸗

lien seit mehreren Monaten ohne Nachricht von den Ihrigen sind, können sie demnach mit Bestimmtheit annehmen, daß diese nicht im Lager von Issoudun sind.

* Gießener Freilicht⸗Bühne. Falls das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, sollen an jedem der vier

Julisonntage Aufführungen stattfinden, jedesmal von 57 Uhr.

Wie's mit Beginn der Ferien wird, ist noch unbestimmt; ob in und nach diesen weitere Vorstellungen gegeben werden können, hängt davon ab, wieviel der Mitwirkenden im August⸗September ver⸗ reisen bezw. ins Feld gehen. Es wäre aber im Hinblick auf den edlen Zweck, den die G. F.-B. bei ihren diesjährigen Veranstal⸗ tungen im Auge hat(Kriegsfürsorge), zu wünschen, daß die für Juli vorgesehenen und z. T. schon einstudierten Stücke auch ge⸗ bracht werden könnten. In Fällen, wo dies wegen des schlechten Wetters nicht möglich ist, wird eine darauf Bezug nehmende Mit⸗ teilung rechtzeitig Stunden vor angesetztem Beginn der Vor⸗ stellung am Stadthause(Süd⸗Anlage) angeheftet. Für näch⸗ sten Sonntag stehen auf dem Spielplan:Der Vetter aus Bremen, Die Gouvernante undDer Nachtwächter. Eine Einführung und Empfehlung an dieser Stelle ist überflüssig. Landkreis Gießen.

Lang-⸗Göns, 28. Juni. Am 19. Juni starb den Heldentod fürs Vaterland der Einjährige Musketier Karl Keßler im Insanterie-Regiment 186. In den letzten 14 Tagen sind nicht weniger als fünf tapfere Krieger von hier für das Vater land gesallen, so daß jetzt der Krieg 16 Opser gefordert hat.

* Villingen, 28. Juni. Nachdem am Sonntag vor vierzehn Tagen in der hiesigen Gemeinde eine Sammlung für das Lazarett Laubach stattgefunden hat, die einen guten Erfolg

hatte, ist am letzten Sonntag, den 27. Juni, wieder von den Schul-

kindern gesammelt worden. Ist die Sammlung auch nicht so

reichlich ausgefallen wie die erste, so hat sie doch ein ansehnliches

Ergebnis an Naturalien gehabt.

e. Albach, 29. Juni. Am Sonntag entwickelte sich bei unserem Dorse ein reges Leben. Die Jugendwehrkompagnien

Nr. 632 und 633 waren mit ihren Führern hierher gekommen und exerzierten einige Stunden. Auch die Musik übte einige Märsche ein. Mit großem Interesse sahen Alt und Jung dem militärischen Treiben zu.

m Lollar, 29. Juni In dem benachbarten Staufenberg wurde heute morgen von Gendarmerie-Wachtmeister Vrück-Lollar ein am Sonntag aus der Landesirrenanstalt Marburg entwichener Geistesgestörter aufgegrissen und der Anstalt wieder zugeführt. An seinen im Kampfe fürs Vaterland erlittenen schweren Wunden starb im Lazarett zu Przemyst(Galizien) der 19 jährige Kriegssreiwillige August Zimmermann, Studierender der Forstwissenschast. Kommenden Sonntag nachmittag findet m Saalezur Linde von seiten des Eisenbahnvereins Lollar und Umgegend ein hauswirtschastlicher Vortrag nebst Vorführung 2 1 statt. Auch Nichtangehörige des Vereins haben freien

utritt. 1

Utphe, 30. Juni. Der Landsturmrekrut Gustav Schauß verstarb am 11. d. Mts. im Feldlazarett zu Dobrimil Galizien). Seine Leiche wurde auf dem dortigen katholischen Friedhof beigesetzt.

Aus dem Horlosftal, 30. Juni. Immer noch ist kein durchweichender Regen gefallen. Beim Verpflanzen von Dick- wurz- und Gemüsepflanzen muß tüchtig mit Wasser nach- geholfen werden. Der Roggen beginnt zu reisen und wird in der nächsten Woche die Roggenernte ihren Anfang nehmen.

Hessen⸗Nassau.

X. Hanau, 29. Juni. Die Stadtverordneten haben heute den Lehrer und stellvertretenden Direktor der kausmännischen Fortbildungsschule in Hagen i. W., Teupel, zum Direktor der hiesigen laufmännischen Fortbildungsschule gewählt.

2 Frankfurt a. M., 30. Juni. In der Bürgerstraße wurde gestern abend eine 21jährige Nähterin von einem unbekannten Manne überfallen, beraubt und dann durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Bei Heddernheim er- tränkte sich gestern in der Nidda die 56jährige Ehefrau Emilie 8 aus Niederursel aus Gram über einen kuͤrzlich gestorbenen

ohn.

Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof- Marktbericht vom 30. Junt. Bei einem Auftrieb von 97 Rindern(darunter 11 Ochsen, 11 Bullen und 75 Kühe), 243 Kälbern, 46 Schafen, 188 Schweinen wurde bei mäßig regem Geschäft der Auftrieb langsam abgesetzt. Die Preise hielten die Höhe wie am 28. Juni. ch. Bingen, 30. Juni. Marktpreise. Weizen Mk. 00,00, Korn Mk. 00,00, Gerste Mk. 00,00, Hafer Mk. 00,00, Heu Mk. 0,00, Stroh Mt. 0,00, Kartosseln Mk. 10,50, Erbsen Mk. 00,00, Linsen

. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Mk. 5041, Roggenmehl k. 35,00; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mt. 3,60, Milch 1 Liter 24 Pfg., Eier 10 Stück Mt. 1.55.

8 Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Giestener Fleisch⸗ und Brotpreise am 28. Juni 1915.

Schlachtviehpreise im Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gie zen

½ Kg. 124128 Pi;

Ochsen 50 Kg. Schlachtgewicht

110-133 Met. Kälber ½ Kg. Schlachtgw. 92.133 P. ½ 108-112, Schweine/ 1385150, 156

Getreidepreise in Mann he im

Weizen 100 Kg. 29.40 Mk. Roggen 100 Kg. 25.40 Mk.

Weißbrot 2 Kg. Pf.,

Schwarzbrot 2 Kg. 75 Pfg.

ALirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. Gottesdienst. Donnerstag, den 1. Juli: Nachmittags um 5 Uhr und abends um s Uhr Gelegenheit

zur heil. Beichte. g Freitag, den 2. Juli: Vormittags un 6 Uhr: Segensmesse.

Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatseiee am 3. Juli Freitag abend 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 9.35 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr.

1915

e Od ol Das Beste

zur Zahnpflege

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