weites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „»kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit ⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
1 Rußland und Rumänien.
Während in Galizien die Armee des Generals von Leinsingen den heißumstrittenen Dujestr⸗Fluß auf ihrer —— Front überschritt, saßen im Wiener Ministerium
des Aeußern Herr v. Bethmann Hollweg und Staatssekretär
v. Jagow mit Freiherrn von Burian zusammen, um den entscheidenden Schachzug gegen die Balkanpolitik des Vier⸗ verbands zu beschließen. Auch hier, auf dem Gebiete der Diplomatie, ein gewaltiges Ringen. Der Umschwung ist eigentlich schon da, alle Vorteile sind in unseren H n. Es gilt nur noch, diese Tatsache den Zweifelnden und Zö⸗ . zu Gemüte zu führen. Und hier liegen eben die Ebhwerigkeiten, die überwunden, hier liegen die Aufgaben, die gelöst werden müssen. Die erste, harte Nuß, die da zu
2 ist, heißt Rumänien. Noch im Besitze von
Przemysl und Lemberg hat Rußland mit seinen Angeboten in Bukarest nur diplomatische Niederlagen erlitten. Nach
den galizischen Niederlagen mußte es, gedrückt und ge⸗
sto von seinen„uneigennützigen“ Freunden, die An⸗ erhöhen und erweitern. Und es ist geradezu tragi⸗
komisch, wie der aus tausend Wunden blutende russische Bär den Rumänen, die ihm helfen sollen, einen gestohlenen Bienenkorb anbietet, in dem gar kein Honig mehr ist. Ru⸗ mänien soll von einem„siegreichen“ Rußland die Bukowina bis zum Pruth, mit dem bisher verweigerten Czernowitz
— dazu auch noch, wie versichert wird, das Temes⸗ varer Banat, alles schöne Gegenden, die das besiegte Ruß⸗ land nicht besitzt und nicht beherrscht, die nur das soeben von Sieg zu Sieg fortschreitende Oesterreich-Ungarn ab⸗ geben könnte, wenn— es will, wenn es das für gut und tunlich erachtet. Man greift sich an den Kopf, wie es nur möglich sei, daß man in Bukarest die betriebsamen Agenten der Entente über noch anhört, ihnen nicht lachend die Türe weist. Und es gibt für dieses Rätsel auch keine andere Erklärung als das Vorhandensein jener Impondera⸗ bilien der Politik, mit denen schon Bismarck rang und rechnete und mit denen wir Rumänien gegenüber bisher vielleicht zu wenig rechneten. Wir haben zu wenig deutsche Propagandaarbeit in Rumänien getrieben, nicht immer die nationalen Eigenarten und sagen wirs ruhig: nationalen Eitelkeiten der Rumänen in Betracht gezogen, nicht scharf nug auf die Verschiedenartigkeit der Gewohnheiten, des
0 ers, der Lebensauffassung geachtet. Vor allem ist die Aufklärung der rumänischen Presse nach einer unbrauchbaren Schablone geschehen. Man hat sich begnügt, von Deutschland aus Berichte in deutscher Sprache, von Deut⸗ schen geschrieben, den rumänischen Zeitungen zu schicken, und hat damit natürlich keinerlei Ergebnisse erreicht. Denn die im russischen Solde stehenden Blätter brachten die Berichte über⸗ haupt nicht, oder verfälschten sie, und die deutschgesinnten Blätter konnten mit diesen in Deutschland verfaßten Be⸗ richten kein Interesse bei ihren Lesern erwecken, da sie viel
u trocken und sachlich verfaßt waren. Man hätte z. B. ent⸗ schieden weniger von der Zerstörung Löwens und von der Beschießung der Kathedrale von Reims gesprochen, wenn rechtzeitig in Bukarest ein ausführlicher, rumänisch gut⸗
eschriebener Bericht darüber erschienen wäre. Statt dessen
t man sich erst spät entschlossen, näher an die
— und die französische Darstellung abzu⸗ chwächen.
And in vielen anderen Angelegenheiten hat man von Deutschland aus versäumt, den richtigen Weg einzuschlagen. Gerade in einem Lande wie Rumänien, wo nur die in den Städten lebende Bevölkerung, die 20 Prozent ausmacht, über Wohl und Wehe des ganzen Landes entscheidet, hätte man mit allen Mitteln versuchen müssen, diese städtische Bevölkerung für sich zu gewinnen, und sie nicht in die Arme des russischen Gesandten, des freigebigen Herrn Pok⸗ lewsky⸗Koziel zu werfen. Es ist doch nicht zu leugnen: Die öffentliche Meinung Rumäniens(d. h. die Mehrzahl der städtischen Bevölkerung, die wie die meisten Leute im euro⸗ . Orient keine politische Reife besitzen), diese„öffent⸗ iche Meinung“ wurde von den Lügen des„Universul“ und den Einseitigkeiten des„Adeverul“ derart benebelt und
Sache vollzog sich diese gewaltige Bewegung, so daß, nachdem die Stadt
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105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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betrunken, daß es ihr noch nicht möglich ist, den Gang der Weltgeschichte vor Türe Rumäniens 0 zu er⸗ kennen und für das Land ersprießlich zu beurteilen. Es ist ein wahres Glück, diesmal(im Gegensatze zur italienischen Harlekinade) 5 ein Ghick, daß nur eine Minder⸗ heit über das Schicksal des Landes entscheidet, daß diese Minderheit geschlossen hinter der Regierung steht und ver⸗ nünftig genug ist, sich mit aller Kraft der immer noch nach Krieg dürstenden, nach Krieg schreienden Menge entgegen⸗ zustemmen. Mit dieser Minderheit un f a muß das Ministertriumvirat, das jetzt in Wien tagte, sein Spiel machen. Und wenn alles gut geht, wenn der Bann gelöst, die Binde von so mancher rumänischen Stirn ge⸗ nommen wird, so vergessen wir für andere, noch nicht er⸗ ledigte Balkan⸗Fälle nicht, daß diesmal in Umkehrung des bekannten ichwortes das Schwert unserer herrlichen Truppen wieder gut machen mußte, was die Feder(nicht gerade verdorben, aber doch:] versäumt hatte.
Siegreiche Kämpfe am Dnjestr.
Unser Sonderberichterstatter Richard Schott drahtet uns:
Mit ungeheurer Zähigkeit suchen die Russen ihre Stellungen am Dnujestr zu halten. Erst nachdem das südliche Ufer des oberen Dnjestr ganz vom Feinde gesäubert war, konnte die Armee des General v. Linsingen darangehen, ihren mit beispiellosen Schwierig⸗ keiten verknüpften A csu vom Zwinin über Stryj bei Stanis⸗ lau und Halicz über das schwere Hindernis des großen brücken⸗ losen Stromes hinweg fortzusetzen. Schon am 24. Juni war bis Halicz hinab das ganze südliche Ufer vom Feinde gesäubert und an vielen Stellen der Uebergang erzwungen. In der Nacht zum 25. Juni gelang dann ein siegreicher Vorstoß in breiter Front in der Gegend von Bukaczowce, nördlich Kalußz, der unter den aller⸗ größten Schwierigkeiten von württembergischen, ost⸗ und west⸗ preußischen Truppen un glänzender Weise durchgeführt wurde. Das Gelände bietet hier den digern des Stromes außer⸗ ordentliche Vorteile. Schroff fällt das meist mit Hochwald be⸗ standene Südufer fast unmittelbar in den breiten erst sich in mehrere Arme teilenden Fluß ab, der reißend und an vielen Stellen tief ist. Meterhohe, zuweilen beinahe senkrechte Lehm⸗ wände am Nordufer. Dahinter deckungsloses Wiesengelände, ein bis anderthalb Kilometer breit, das dann von dicht bewaldeten stachlichen Höhen abgeschlossen wird, von denen aus der Feind seine Geschütze und Maschinengewehre nur allzu sicher wirken lassen konnte. Uneinnehmbar erscheint diese Stelle, besonders da der Flußübergang selbst überall unter zielsicherstem feindlichen Feuer gesche muß. Doch unsere braven Truppen kennen den Begriff der Uneinnehmbarkeit nicht. Unter dem Schutze der Nacht wagten sie das kühne Unternehmen, und ein dichter Nebel, der in den ersten Morgenstunden die Wiesengründe bedeckte, kam ihnen zu Hilfe. Noch vor Tagesanbruch waren die ersten Linien über den Strom und im Vorgehen auf die Waldhänge an den steilsten Uferhängen gelang es dem Gegner, der seine Vortruppen schnell hatte verstärken können, unsere Sturmkolonnen längere Zeit aufzuhalten. So hat ein westppeußisches Regiment den ganzen Tag hindurch bis über die Brust im Wasser stehend kämpfen müssen, wobei zum schießen ein Mann den anderen hochheben mußte. Doch auch diese schwierige Lage wurde überwunden, und trotz des bei den Russen so beliebten Flankenfeuers von einer westlich vorsprin⸗ genden Höhe aus gelangte auch diese Truppe an die feindliche Hauptstellung heran, die mit unwiderstehlicher Wucht gestürmt und genommen wurde. Mit einer Ruhe, wie auf dem Exerzierplatz,
Bukaczowce und die umliegenden Ortschaften, soweit sie der Feind, der hier seine besten Truppen, finnische Schützenregimenter, ein⸗ setzte, als Stützpunkte benutzte, von unseren schweren Batterien in Brand geschossen worden waren, die Russen auf der ganzen Linie den Rückzug antreten mußten. Nur in einer Schleife des Flusses hatte sich bis zuletzt eine Ab⸗ teilung Scharfschützen gehalten, die unseren Truppen eine Zeitlang viel zu schaffen machte, bis sie endlich gefangen genom⸗ men werden konnte. Auch sonst werden zahlreiche Gefangene ge⸗ macht. Allein bei dem hier fechtenden Korps zählte man bis gegen Abend über Tausend. Im Laufe des Nachmittags war in dieser Gegend das ganze nördliche Ufer des Dujestr kilometertief mit dem ganzen vordersten Höhenrücken in unserem Besitz, der sofort durch starke Verteidigungsanlagen gegen die unausgesetzten russi⸗ schen Gegenangriffe gesichert wurde. Ein herrlicher Erfolg, der dem trefflichen Geist und der siegesgewissen Tüchtigkeit unserer hier fechtenden Truppen, die sich übrigens bester Gesundheit er⸗ freuen, glänzendes Zeugnis ablegte.
dieser Regierung] kopfto
Der Deutsche Kaiser bei den österreichisch⸗ungarischen Truppen.
Wien, 28. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs pressequartier wird gemeldet: 1
Am 19. Juni traf der Deutsche Kaiser mit militärischem Gefolge in Przemysl ein. Nach der Besichtigung der wieder⸗ eroberten Festung, insbesondere der Forts an der Nordfront, begab sich der Monarch auf den Tatarenhügel, wo der k. und l. Brücken⸗ b mmandant die Entstehung und Geschichte der Festung, sowie ihre Schicksale und ihre Bedeutung im jetzigen Kriege in über⸗ sichtlichem Vor Interesse folgte.
korps des Generalleutnants von der Marwitz. Der Kaiser beglückwünschte den General zu der erfolgreichen Führung und zu den hervorragenden Leistungen der ihm unterstellten Truppen und ließ sich über den Verlauf des Gefechtes genauen Bericht er⸗ statten. Als der Kaiser erfuhr, daß sich unweit von ihm das seinen Namen tragende k. und k. Infanterieregiment Nr. 34 in heißem Kampfe befinde, ließ er dem Regiment seine kaiserlichen Grüße übersenden. Dem Obersten des Regimentes, der sich bald hiernach Zur Meldung eingefunden hatte, äußerte der Kaiser seine besondere Freude darüber, sich auf dem Kampfplatz seines schönen Regimentes zu befinden. Mit großer Befriedigung nahm der Kaiser zur Kennt⸗ nis, daß das Regiment sich während des ganzen Feldzuges durch eiserne Pflichttreue, vorzüglichen Geist und hervorragende Tapfer⸗ keit ausgezeichnet habe. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt gewesen sei, dem Regiment schon so zahl⸗ reiche Eiserne Kreuze zu verleihen. Auf dem Kampfplatze meldete
Kaiser nahm die Meldung mit großer Befriedigung entgegen und äußerte den Wunsch, nun auch die österreichisch⸗ungarische Ar⸗ tillerie im Kampfe zu sehen.
Unweit vom S des Kaisers war eine schwere Haubitz⸗ batterie im Walde aufgefahren, dahinter eine Kanonenbatterie,
haupteten Stellungen. Der Monarch begab sich zunächst zur
Offiziers entgegen und betrachtete aus unmittelbarer Nähe, mitten
nonenbatterie, welche die Haubitzbatterie beständig überschossen hatte, verweilte der Kaiser längere Zeit und verfolgte die Feuer⸗ leitung und Feuerwirkung, sowie die Tätigkeit der Offiziere und
hatte, österreichisch-ungarische Truppen im Kampfe zu beobachten,
es nicht, sich namentlich auch zu dem zur Meldung erschienenen k. und k. Korpskommandanten über die gewonnenen Eindrücke in
Batteriestellungen verweilt,— ein deutliches Zeichen seines Inter⸗
der k. and k. Truppen. Als der Kaiser mit Anbruch der Dunkelheit die mustergültig gewählten und ausgestalteten Artilleriestellungen
vorwiegend Ungarn, mit vielstimmigen Hurra⸗, Hoch⸗ und Eljenrufen begrüßt.
und ihm fenden österr ichisch⸗ungarischen Streitkräfte in der Verteidigung ihres Vaterlandes zu leisten vermögen. 25
Mustergültig war die Haltung der Offiziere und Mannschaften. Alle voll Kampfeslust und Siegeszuversicht, keine Spur von Er⸗
wärtsbewegung. Ueberall nur der unbeugsame Wille, für Kaiser und Vaterland den Siegeslauf fortzusetzen. Bei dem hohen Ver⸗ ständnis des deutschen Kaisers für militärische Leistungen, ins⸗ besondere auch für die sittlichen Kräfte einer Armee, darf behauptet
wonnen hat, die allerbesten waren. Nicht nur die vom Kaiser be⸗ suchten Truppenteile, sondern auch die gesamte k. und k. Armeg
ihrer Mitte auf dem Kampfplatze erschienen ist.
Aus dem Reiche.
Bundesratsbeschlüsse.. Berlin, 28. Juni.(WTB. Nichtamtlich.)
Die deutsche Sagenwelt der Urn⸗ und Triglavlandschaft.
der gefürsteten Grafschaft Görz und Gradiska, einem der stärksten Bollwerke des Habsburgerreiches gegen Italien— Kaiser Max, der„letzte Ritter“, hat es vor 400 Jahren zu Oesterreich agen— in den jetzt umkämpften Landschaften des Triglav, und oberen Isonzo, blüht die Sage, rankt die Legende, die die versonnene Erinnerung an die alte, rein 1 Zeit bevorzugt, 5.—. 5 diesen—— 4 1 2 1 und ihren ischty pen en älern ist. Die merkwürdige Vorstellung von der„letzten Schlacht“, die weit verbreitet und für die mitteldeutsche Legende z. B. unter den uralten Birnbaum von Chorinchen in der Mark Brandenburg lokalisiert ist, findet sich auch bier und zwar mit Motiven der Faustsage vermischt. Bauersleute dus Trenta, unweit der Quellen des Isonzo, ließen ihren Sohn in Udine studieren und sorgten, wie bei Landleuten üblich, durch reich⸗ liche„Naturallieferungen“ für seinen Unterhalt. Da fiel eines
Winters so iger Schmes, daß alle Pässe ungangbar wurden u und den*„Liebesgabe“ mehr 3 7 2 hu. e
Er hungerte sich redlich durch. so lange es ging, und schloß schließlich in der höchsten Not 2 Pakt mit dem Bösen. Anders als Faust gereute ihn aber das Geschäft bald, und er machte es auch glücklich mit Hilfe der großen Sibylle, zu der er wie Faust zu den„Müttern“ niederstieg, wieder rückgängig. Die Sibylle hatte dem Stubenten aus Trenta auch die Gabe der Weissagung geschenkt, und der hatte u. a. eine Bion, es würden einst von Westen zahllose Scharen von Feinden mit Bocksbärten über das Gebiet von Tol mein(tal⸗ abwärts von Karfreit am Isonzo) hereinbrechen; sie würden es ——— 3 455—. so daß die
Zurückbleibenden nach der letzten im Schatten cines einzigen Nußbaumes Platz fänden. Das war die Franzosenzeit um die Wende des 19. Jahrhunderts. Aus Huda Juzna in der 8 stammt eine Sage, die das Motiv von gers„Lenore“— an⸗ scheinend das Stück eines allen arischen infamen Sagenkreises— getreu bis auf die Worte wiedergibt?„Sieh nur, wan Jener died ene weer end bes Hachen ert reiten.“ ö ingt itli aus: das Mü ingt sich am Grabe dem Gespenst des Liebsten und kehrt in die grau und tert, und niemand lebt mehr, ger im Görzer Lande gelten
Heimat La aber 1 sie i er von Sebrelji im Idriatal. Einmal wollten sie das eld des Mondes,
der sie kannte. Als eine Art Schi „das sie für einen großen Laib Käse hielten, eben aber iopffhatelnd die force
4 4 D
Fischerei auf, als der Bürgermeister dabei ins Wasser gefallen war. Ein berieten sie darüber, wie sie mit geringen Kosten ihre Kirche erweitern könnten. Da erschien ein Fremder und machte ihnen die Sache plausibel: sie sollten draußen nur ihre Röcke ab⸗ legen und sich dann in der Kirche drinnen mit den Schultern gegen die Mauer stammen, bis er ihnen zuriefe, es sei genug. Aber sie warteten„Fund als sie schließlich den Schaden 9 waren der schlaue Ratgeber weg und ihre Röcke auch Etwa
slawischen Einschlag hat die schöne Sage vom Sarda die Rudolf Ba in einer einst viel 2 Dichtung gestaltet—
efen macht *. 1 des Krnstoch
gelungen.
. seinem Zorn zer⸗ e er wo er zu gewohnt war, und so entstand hier eine Wüstenei. Nach 700 Jahren aber— die Zeit mag jetzt gekommen sein— wird aus den Stein⸗ halden des Triglav eine Tanne erwachfen; sie wird gefällt werden, um aus ihrem Holze eine Wiege anzufertigen, und das Kind, das da hineingelegt wird, dereinst den Schatz des Bogatin heben Die Veste des jetzt vi. falcone soll der Amalunge von Bern, der große König der r Wahrheit stecken; an den einsam unweit der italienischen Grenze gelegenen Berg Medea aber knüpft sich eine merkwürdige Argo⸗ nautensage: die rote Erde in seinen Spalten soll ihre seltsame Farbe erhalten haben, als ste das Blut der hier von Meden ge⸗ schlachteten Kinder Jasons trank: aus Jasons Stamm aber ent⸗ N i merkwürdigen zlande alkhellenische Mythe mit ur⸗ germanischen Erinnerungen. *
— Aus der Chemie des Rosenrots. Dies Kriegs⸗ jahr ist ein Rosenjahr, wie es selten vorkommt, und überall in
schrift“ berichtet, hat ergeben, daß der isolierte Farbstoff der Rose mit dem Zyanin der Kornblume, das Willstätter mit Everekb . schon früher untersucht hatte, identisch ist; doch war die
durch eine andere, zweifellos richtige ersetzt worden. Die Rein⸗ darstellung von Blütenfarbstoffen erfordert von Fall zu Fall eine a besondere Methode. Es wurden ee Rosenblätter von der
Rosa gallica mit einem sauren Mittel extrahiert; das Farbsalz wurde dann, freilich in sehr unreinem Zustande, durch gefüllt und die syrupöse erste Fällung in Gegenwart von Salz⸗ säure mit Holzgeist und Eisessig behandelt, wodurch die unlös⸗ lichen Neben produkte allmählich in Lösung gehen, während sich zu⸗ gleich das Farbsalz in schöne Kristalle verwandelt. Die Farbe
Rose ist zwar grundverschieden von der der Kornblume, dennch sind die beiden Blütenfarben zugrunde liegenden Stoffen ddentisch. Die Verschiedenheit und die Variationen der Blütenfarben erklärt sich— nicht bloß bei diesen beiden Blumen verschiedener Anthozyane in einer Blüte, aus Schwankungen des Gehaltes an Farbstoff, aus gleichzeitigem Auftreten gelber Pig⸗ mente, vor allem aber aus der Reaktion mit dem Zellsaft, jenach⸗ dem saurer, neutraler oder alkalischer Zellsaft vorhanden ist, zu einer verschiedenen Blütenfarbe führt. Weiße und gelbe Rosen enthalten fast gar kein Anthozyan, rosafarbene wenig, und dunkel⸗ rote sind reich an einer Säureverbindung des Zyanins, während ein Altana, der gleichen Verbindung die Farbe der Kornblume bedingt. Bei der Herstellung des Zyanins aus der Rose entstand übrigens die Vermutung, daß neben diesem Stoffe ein noch un · bekanntes Anthozyan auftritt, das sich vielleicht später isolteren läßt. Entsprechende Farbstoffe haben Willstätter und seine Mit⸗ arbeiter auch noch aus einer Reihe anderer Blumen und Beeren⸗ früchte isolieren fönnen, so bei der Preißelbeere und dem Nittersporn. Was die färbenden Eigenschaften aller diefer
Zeiten besangen ihre Reize— heuzutage dringt die Wissenschuft
Dienstag. 29. Juni 10
beide im heftigen Feuer gegen die von den Russen noch zähe be? schweren Haubitzbatterie, nahm die Meldung des feuerleitendenn
der Mannschaften. Der Monarch, der zum ersten Male Gelegenheit 3
schien von dem Gesehenen überaus befriedigt zu sein und unterließ 2
anerkennendster Weise zu äußern. Lange hatte der Kaiser in den
esses und wohl auch seiner Befriedigung über die Kampfestätigkeit
verließ, wutde er von den eben nicht im Kampfe stehenden Truppen,
Aus dieser spontanen Huldigung sprach der freudige Stolz unserer braven Truppen, den hohen Verbün⸗ 22 deten ihres geliebten Kaisers und Königs in ihrer Mitte zu sehen u zeigen, was die im Vereine mit den Deutschen kimp⸗
mattung trotz wochenlanger oft Tag und Nacht währender Vor⸗
werden, daß die Eindrücke, die der Kaiser bei seinem überraschendes 1 Erscheinen im Bereiche der österreichisch-ungarischen Truppen ge⸗
empfindet es voll Dankbarkeit als eine besondere Ehrung, daß Kaiser Wilhelm in Stunden heißesten Kampfes und Ringens in
In der heu⸗ tigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur An⸗ indiskret in die Geheimnisse der schönen Frau Rose ein, und so 5 denn Professor Richard Willstätter, der berühmte Erforscher des Blattgrüns, jetzt im Vereine mit einigen Mit⸗ arbeitern auch das Rätsel der Farbe der Rosenblüte gelöst. Die 3 Untersuchung des Rosenrots, über die das neue Heft der bei Gustav Fischer in Jena erscheinenden„Naturwissenschaftlichen Wochen⸗
ormel, die damals aufgestellt worden war, falsch, und sie ist jetzt
Aether aus⸗ — e
— durch die Bildung
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darstellte, dem der Kaiser mit lebhaften un ging es an die Front zu dem westlich von Janow gerade in heftigem Kampfe stehenden Beskiden⸗
sich auch der k. und k. Gruppenkommandant, der eine Darstellung des bisherigen Gefechtes und der augenblicklichen Lage gab. Der 1
in der Batterie stehend, deren Feuertätigkeit. Auch bei ber Ka⸗
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Farhstoffe angeht, so haben Anthozyane den Charakter von Beizen⸗ sarbstossen; fie färben die Faser gut, schön, doch mit stumpfer Farbe. Versuche mit zinngebeizten Wollstoffen und tannierten Baumwollgeweben haben gezeigt, daß die Farbstoffe lichtecht, aber weder wasser⸗ noch seifenecht sind. 8 7 3 1 1— 0 a 4


