Ausgabe 
(17.6.1915) 140. Zweites Blatt
Seite
107
 
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Gegner hab

ungen i die eigentlichen blen ren poste Die Beförderung von

erscheinen monatlich zweimal.

vomEisenbahnkrieg

1 Großen Hauptquartier wird uns ge⸗

Um einen Ueberblick über die Vorbereitungen für denEisen⸗

Tagen 8 g aut 1814 ad 825 6 10 5

Anfang Augu Ain Deut aussah: Es war Ferien⸗

und Reisezeit. Die großen Truppen⸗Uebungsplätze in jedem Korps⸗

firk waren mit ruppen voll belegt. Der Güterverkehr stand

* Höhe. Bis zuletzt 2 alles an die Erhaltung

des ns; auch sonst hätten Kriegsvorbereitungen der Eisen⸗ bahnen aus politischen Gründen unterbleiben müssen.

Am 2. August wurde der Krieg erklärt. Alles, was unter⸗

war, eilte zur Bahn, um die Heimat vor dem Einsetzen der großen Militärtransportbewegungen zu erreichen, Angehörige such⸗ ten ihre Söhne und Brüder auf, ihnen vor dem Ausrücken ins Feld noch Lebewohl zu sagen. Die nach den Uebungs plätzen aus⸗ . Truppen wurden schleunigst in ihre Garnisonen zurück⸗ dert.

Die Bereitstellung unserer Armeen mußte zum Teil im in⸗ dustriereichen westlichen Grenzgebiete erfolgen. Tausende langer Militärzüge sollten dorthin fahren. Die Bahnhöfe mußten bis dahin von den großen Mengen beladener und unbeladener Güter⸗ sein, um einer unentwirrbaren Verstopfung im Au schgebiet vorzubeugen.

Gleichzeitig setzten andere große Transportbewegungen ein, die unser Vaterland in allen Richtungen durchzogen. Lange Züge mit leeren Wagen und Reihen zusammengekoppelter Lokomotiven . dorthin, wo nach sorgfältiger Berechnung beim Beginn des 5 agen- oder Lokomotivmangel eintreten mußte. Die Lage unserer

die Hauptrichtu

verkehrsreichen und verkehrsarmen Gegenden läßt dieser Eisenbahnbewegungen erraten. Dann

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Millionen von Reservisten und Landwehrmännern zu ihren Ge⸗ stellungsorten; daneben die Zufuhr von Gerät und Material für die Truppen und die Armierung der Festungen. Die ganz ver⸗ schiedene Bevölkerungsdichte unseres Vaterlandes läßt auf die hauptsächlichsten Wege dieser Transporte schließen. Aus den Gegen⸗ den schlands, wo unsere Pferdezucht blüht, rollten die Züge wach feststehendem Plan an alle die Orte, wo zur Aufstellung der 9 gegenüber dem Friedensbestande bedeutend mehr

Pferde gebraucht wurden. Aus viehreichen Gegenden gingen lange Züge mit Schlachtvieh zu den Armeelonservenfabriken. Schließ⸗ lich sei noch der gewaltigen Bewegung gedacht, welche die Kohlen aus den großen Bergwerksrevieren den Häfen der Marine vom

ersten Tage ab ohne Unterbrechung zuführt. g Wenige Stunden nach dem Ausspruch der Mobilmachung . die ersten Züge an unsere Grenzen, um sie gegen feind⸗ lichen Einfall zu schützen. Von Tag zu Tag schwoll diese Auf⸗ marst g an, bis zu dem Zeitpunkt, wo unsere Armeen vormarschbereit an den Grenzen standen und unzählige Magazine hinter ihrer Front bis tief nach Deutschland hinein planmäßig mit Vorräten an Verpflegung, Munition usw. gefüllt waren.

Ein Durcheinander gewaltiger Bewegungen auf den deutschen Schienenwegen! Zug um Zug unter Berücksichtigung der je⸗ weiligen, mit den Jahreszeiten sich verschiebenden Verhältnisse, im 5 dur selegt und nach Ausspruch der Mobilmachung

Das war in großen Zügen die Friedensarbeit der Eisenbahn⸗ abteilung des Großen Generalstabes in Berlin und ihrer Organe, der Linien⸗Kommandanturen. Daß diese Arbeit ein enges Zu⸗ sammengehen mit vielen anderen Behörden, namentlich den Eisen⸗ bahnverwaltungen, zur Vorbedingung hat, liegt auf der Hand.

Die Transportbewegungen auf den Eisenbahnen sind glatt verlaufen. Wie leicht konnte aber durch höhere Gewalt, menschliches Versehen oder auch verbrecherische Hand an irgend einer Stelle unseres engmaschigen Bahnnetzes eine ernste Störung eintreten, welche die rechtzeitige Bereitschaft des Heeres an der Grenze in Frage stellen konnte. Die Eisenbahnabteilung mußte daher bei ihren Vorarbeiten die nach unseren geographischen Verhältnissen ehest zu erwartenden und schwerwiegendsten Störungen berücksich⸗ tigen. Die Organe der Eisenbahnabteilung mußten auch durch

igfache Friedensübung so geschult werden, daß sie mit sach⸗

i Hand, mit Geschick und Verantwortungsfreudigkeit bei allen Störu so eingriffen, daß trotzalledem das Ziel unserer Trausportbewegungen pünktlich erreicht wurde, Wenn auch die Erwartungen eines glatten Aufmarsches nicht getäuscht sind, so darf man doch zuversichtlich annehmen, daß man etwaiger Störungen Herr geworden wäre, und daß trotz aller Hemmnisse die Armeen zur rechten Zeit an der Grenze bereit gestanden hätten.

Diese Schulung der Militär⸗Eisenbahn hat sich aber auch

des Krieges belohnt, gemacht. Wie die Truppenführer die Marschkolonnen auf den Straßen je nach den eintreffenden Nach⸗ richten vom Feinde auf neue Marschziele leiten, so werden die auf den Schienenwegen laufenden Heeresverbände unter Berück⸗ sichtigung der besonderen Eigenarten der Eisenbahnen je nach der operativen Lage in andere Richtungen gebracht. Die Ge⸗ schicklichkeit der beteiligten Offiziere und Beamten in der Führung derEisenbahnmarschkolonnen hat zu den herrlichsten Erfolgen im Osten und Westen wesentlich beigetragen, ihren schönsten Lohn aber in den letzten Siegen in Galizien geerntet. Die Vorbedingung für diese Beweglichkeit und Wendigkeit der Eisenbahnmarschlolonnen ist ein gut entwickeltes Bahnnetz. Das führt uns zur letzten großen Friedensaufgabe der Eisenbahn⸗ Abteilung: der Ueberwachung des Bahnausbaues. Die Schwierig⸗ keit dieser Aufgabe lag darin, daß die Wege des deutschen Handels oft andere gewesen sind, als die Wege zu unseren Feinden im Westen und Osten. Weit vorausschauend mußten die für die mili⸗ tärischen Bedürfnisse und die für die Entwickelung von Handel, Fuduscrie und Landwixtschaft erforderlichen Bahnbauten festge⸗ stellt und die Dringlichkeit gegenseitig sorgsam abgewogen wer⸗ den. Auch die Berücksichtigung der militärischen Interessen bei kleineren Ausbauten mußte überwacht werden. Als der Aufmarsch unserer Armeen an den Grenzen vollzogen

war, und der Vormarsch begann, begab sich der Chef der Eisen⸗ bahni-Apteilung mit seinem Stabe alsChef des Feldeisenbahn⸗

41K lge Seiner Majestät ins Feld.

wesen 8 per me U ole der 3 Eisenbahnbehörden gegenüber Eisenbahnverwaltungen völlig geändert. Sümliche Eisenbahnen Deutschlands befinden sich seitdem im Kriegsbetriebe, d. h. die Bahnverwaltungen sind be⸗ züglich der Einrichtung, 1 Einstellung und Wieder⸗ e eee e et bes Felbeisenbahnwesens unterworfen. Die Ausführungsanweisungen, ür die Regelung des Kriegsbetriehes gibt er durch die Linien⸗ komtandanturen; auch steht für die Arbeit in der Heimat die Eisenbahnabteilung des stel Großen Generalstabes 5 E u hem ernie Bahn etz trat bald iet in eroberten

Zu 0 i een e d 5 nnere n. ndes vor, ingen, a ie PFF e mei r. en Brü zu sprengen und viele mnels zu sperren. Die Schienen müssen den vorwärts Armeen dicht auf den Fersen bleiben, wenn anders Vormars 2 sch 15 gen t werden soll. Dies bedingt schnellste

betriebnahme der feindlichen Bahnen. waren nach Ausspruch der Mobilmachun senbahn⸗ Direktionen.

zeiger für Oberhessen

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Anzeiger Gießen.

140 270 5 15 Hf e* N 5 142 5 T 7. 0 zqmetlles Blatt 165. Jahrgang Donnerstag, 17. Juni 1015 2 5 8 75 Erschetnt tagiich mit zlus nahme des Sonntag 2 2 Rotationsdruck und Verlag der Brühlischen 8 Universitäts- Buch- und Steindruckerei 3 e eee eee werden dem R. Lange, Gießen. eee e 8 Schriftleitung, Geschaftoftelle u. Druckerei: Schul wochentli DieTandwirtschaftlichen zeit r e ee eee 3 General⸗An leitung: 112. Adresse sür Drahtnachrichtem.

gestellt, die den Eisenbahnbetrieb in dem eroberten Gebiet so ein⸗ richten sollten, wie etwa die Eisenbahn⸗Direktionen in der Heimat. Die eine der beiden Militär⸗Eisenbahn⸗Direktionen wartete in Aachen auf den Zeitpunkt, wo sie nach Belgien vorgehen könnte. Die mit den Truppen in vorderster Reihe vorgehenden Offiziere der Eisenbahn⸗Regimenter erkundeten die Bahnzerstörungen an den völli verlassenen Eisenbahnlinien, zunächst bis in die Gegend Hasselt Löwen NamurMarloie. Abgesehen von vielen kleineren Störungen, aufgerissenen Gleisen, umgeworsenen Maschinen usw. fand man 13 Brücken gesprengt und einen Tunnel durch mehrere, mit Volldampf ineinandergefahrene Lokomotiven gesperrt. Die Tele⸗ graphen⸗- und Fernsprechleitungen waren heruntergerissen, die hier⸗ zu gehörigen Anlagen auf den Bahnhöfen unbrauchbar gemacht. Außerdem befanden sich die Gleisanlagen in Belgien zum größten Teil in einem recht vernachlässigten Zustande; die Schienen waren schadhaft und in schlechter Gleislage. Häufig brachen die Weichen unter der Last unserer Lokomotiven. Da mußten die Eisenbahn⸗ truppen ans Werk; sie haben fast übermenschlich gearbeitet, um den vordringenden Armeen die Nachführung von Munition und Verpflegung zu sichern. Oft mußten lange Militärzüge in dichter

(ge über die Bahnen geleitet werden, nachdem notdürftig ein

leis freigemacht, und auf den Bahnhöfen Unteroffiziere mit einigen Leuten den Betrieb übernommen hatten. Noch hatte z. B. keine deutsche Maschine Lüttich nach Westen hin überschritten, als schon der erste Zug mit deutschen Truppen, die den bei Brüsfel Kämpfenden Unterstützung bringen und bis Löwen vorfahren soll⸗ ten, in den Bahnhof einlief. Die vorliegende Strecke war gerade eben eingleisig in Ordnung gebracht, Betriebspersonal fehlte ganz, die Telepvhon⸗ und Telegraphen verbindungen zwischen den Sta⸗ tionen waren noch nicht wieder hergestellt. Trotzdem fuhr Zug auf Zug auf Löwen vor, die entleerten Züge kehrten auf demselben d zurück. Obwohl aus den Häusern auf die Züge geschossen und fortgesetzt feige Anschläge gegen die Bahnen von einer sinnlos verhetzten Bevölkerung ausgeführt wurden, kam die Truppe doch

rechtzeitig an den Feind und konnte zum entscheidenden Siege noch beitragen. l Schritt für Schritt ging es mit der Wiederherstellung und

Inbetriebnahme der Bahnen vorwärts. Am 1. September zog die Militär⸗Eisenbahn⸗Direktion in Brüssel ein, Ende Oktober rückte sie nach Lil le vor. An ihre Stelle traten in Lüttich und Brüssel neugebildete Linien⸗Kommandanturen. 1

Südlich der Militär⸗Eisenbahn⸗Direktion 1 wurde die Militär⸗ Eisenbahn⸗Direktion II am 20. August in Ulflingen eingesetzt, am 25. August nach Libramont und am 4. September nach Sedan vorgeschoben. Ihr folgte bis Luxemburg eine neuformierte Linienkommandantur. Die Gebiete der beiden Militär⸗Eisenbahn⸗ Direktionen wurden mit der Zeit so umfangreich, daß zwischen beiden noch eine dritte mit dem Sitz in Charleroi ein⸗ geschoben werden mußte. 0 g g

Im Osten ist für das eroberte Gebiet Russisch⸗Polens eine Linienkommandantur in Lodz eingesetzt. 5 8

Alle diese Behörden sind militärisch organifiert. Der Eisen⸗ bahnbetrieb ist militärisch und wird in den Gebietsteilen dicht hinter der Front durch Eisenbahntruppen, weiter rückwärts durch Personal, das von den deutschen Eisenbahn⸗Verwaltungen ab⸗ gegeben ist, geführt f 5

Die Bautätigkeit der Eisenbahntruppen erstreckte sich in den ersten Monaten des Krieges vorzugsweise auf die Wieder⸗ herstellung zerstörter Eisenbahn⸗Kunstbauten, um überhaupt mit Hilfe feldmäßiger Mittel schnell Bahnverbindungen für die Zwecke der Armeen zu schaffen; in den folgenden Kriegsmonaten galt es, diese Bahnverbindungen zu größtmöglicher Leistungsfähigleit aus⸗ zubauen. Neue Vollbahnen wurden gelegt, wo die vorhandenen im militärischen Interesse der Ergänzung bedurften, oder wo unsere Bahnen in das eroberte Land hinein keine Fortsetzung hatten.

Bei den ungünstigen Geländeperhältnissen und dem schlechten Zustande der durch den nassen Winter aufgeweichten Wege war man im vordersten Teile des Operationsgebiets zur Anlage eines vielmaschigen Netzes von Klein bahnen, von Feld⸗ und Förder⸗ bahnen gezwungen, um Munition und Verpflegung bis dicht an die Stellungen unserer Truppen vorzuführen. Eine längere Feldbahn hat nur in Polen für den Nachschub einer Armee vorübergehend Bedeutung gewonnen.

Anstelle der Notbrücken mußten im Laufe der Zeit zur Er⸗ höhung der Betriebsleistung und Betriebssicherheit Brücken mit permanentem Charakter treten. Die Durchführung dieser Bauten geschah vorn im Operationsgebiet durch die Eisenbahntruppen, im weiter rückwärts gelegenen Etappengebiet durch deutsche Priwat⸗ firmen. Im Laufe des Krieges sind bisher 104 grö⸗ ßere Brücken gebaut, 8 Tunnels wieder herge⸗ stellt und 14 größere Vollbahnen dem Betriebe übergeben. Etwa 160 Bahnhöfe sind hinsichtlich ihrer Gleis⸗ entwickelung, ihrer Aus⸗ und Einlademöglichkeiten ausgebaut, zahl⸗ reiche Ueberholungsgleise für die langen Militärzüge und eine Reihe von Verbindungskurven zwischen wichtigen Bahnlinien gelegt.

Die nachstehende Zusammenstellung gibt einen Ueberblick über die Entwickelung des Militärbetriebes in den von uns besetzten feindlichen Gebieten, hierbei sind die russischen an Ost⸗ und West⸗ preußen östlich der Weichsel angrenzenden Bahnen unberücksichtigt geblieben. 7

Betriebsergebnisse im eroberten Bahngebiet für Monat April 1915.

(Zahlen abgerundet.) J. Streckenlängen am Monatsende.

ein⸗ zwei- zu⸗ gleisig gleisig sammen a) im Militär⸗Betribktbbb 3000 4100 7100 km F 8 450 150 600 nicht denn: 8 550. d) nicht wiederhergestellt... 90 110 F 4 0⁰ 15 415 zusammen: 4490 4305 8795 km II. Betriebs verwaltung. a) Betriebsämter b) Maschinenämter 2⁵ c) Werkstättenämter ß d) Besetzte. 2 1200 e) Betriebswerkstätten.. G 70 f) Gasanstalten 3 5 g) Elektrische Krastanlage 00 III. Wohlfahrts einrichtungen. a) Entseuchungsanst alten 3 20 . Fp ĩ 130 e) Kriegs verpflegungs⸗Anstalten.. 35 d) Verband- und Ersrischungsstellen vom Roten Kreuz 30 e) Uebernachtunganstalten für Eisenbahnpersonal. 135 Eisenbahner eee 4 5 IV. Leistungen der Fahrzeuge. Geleistete Wagenachs kilometer. 170 500 000 km Geleistete Zugkilometer 8 3 000 000 km

Bei der Bewe der Betriebsergebnisse muß in Rechnung gestellt werden, daß seit Uebernahme der Bahnen in ihrem oben e Zustande erst acht Monate vergangen sind, und daß

r öffentliche Personen- und Güterverkehr noch im Entstehen begriffen ist. Die Eisenbahnen würden sicher schon jetzt größeren Anforderungen des öffentlichen Verkehrs entsprechen können. Diesen von Monat zu Monat in festere Bahnen zu bringen, ist Aufgabe der Militär⸗Generaldirektion in Brüssel, die ebenfalls dem Chef des Feldeifenbahnwesens untersteht. WTB.

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viele Millionen Mark schätzen.

gessen werden, ihre Treue zum Vaterlande. So wollen auch

Kriegsbriefe aus dem Often.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Russische Dum⸗Dum⸗Geschosse.

Armee⸗Oberkommando.. den 16. Juni.

Schon unter den Munitionsvorräten, die in Libau er⸗ 1 beutet wurden, sah ich Patronen, deren Bleispitze breit ab⸗ gefeilt war. Es handelt sich um Geschosse des alten russischen 8⸗Millimeter-Gewehrs, das die Reichswehr benutzt. In einem der letzten Gefechte an der Njemen⸗Dubissa⸗Front sind nun zahlreiche Taschen mit der regelrechten russischen Infanterie⸗ Munition erbeutet worden, die in großem Maßstabe zu Dum⸗Dum⸗Geschossen umgearbeitet waren. Es handelt sich nicht mehr um einen vereinzelten Fall, sondern um regel⸗ rechte maschinelle Umänderung, die keineswegs ohne Wissen und Unterstützung höherer Offiziere vor sich gegangen sein 1 lann. An einer Stelle allein sind 20 Tas aufgelesen worden. An den Patronen, die ich sah, waren scheinbar dureh besondere Instrumente die Spitzen abgebrochen, so daß dern weiche Bleikern zusammen mit der härteren Umhüllung ein 8 breites zackiges Geschoßprofil ergab. Die Verwundungen mit diesem niederträchtigen Geschoß müssen grauenhaft fen Ich glaube nicht, daß solche Feststellungen, die unantastbal

sind, irgendwie russische Kriegsmethoden ändern werden, aber da sich ja die Regierung eines großen neutralen Staa⸗ tesum nichts weniger Erhabenes und Heiliges als die Rechte der Menschheit und deren Achtung bekümmert, sei diese unerhörte und unmenschliche Kriegsführung unserern Feinde doch einmal wieder in diesen Tagen vor aller Welt festgestellt. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. 3 * 45 Aus dem Reiche. 3 Das Ergebnis derReichswollwoche. 3 Berlin, 14. Juni. In der zweiten Ausgabe derNord⸗ deutschen Allgemeinen vom 13. d. M. Nr. 161 wird eine Reihe von Photographien mitgeteilt, die in der französischen 8 ZeitungMiroir(Nr. 60 vom 28. 2. d. J. Seite 9) ver⸗ öffentlicht worden sind. Diese Bilder sollen gegen unsere tapferen Truppen den augenfälligen Beweis erbringen, sie hätten in Frankreich und Belgien systematisch die fried⸗ 173 liche Bevölkerung ausgeplündert, um die vorhandenen Bet⸗ ten, Wollsachen und Kleider fortzuschleppen, die dann in Deutschland für den militärischen Gebrauch weiterverarbei⸗ tet worden seien. Tatsächlich stellen die Bilder aber Vor⸗ gänge aus der Reichswollwoche dar. Im Zusammenhang hiermit ist es vielleicht von Interesse, etwas näheres über das Ergebnis der Reichswollwoche zu erfahren. 3 Pach Schätzungen kann man annehmen, daß das Er⸗ gebnis der Reichswollwoche, auf eine kurze Formel gebracht, sich wie folgt darstellt: 1. Rund ½ Million Decken wurde den Truppen zugeführt. 2. Hunderttausende von Westen, Jacken und Hosen gin den Soldaten im Felde zu. 3. Der aus der Ansertigung Decken, Westen, Jacken und Hosen übriggebliebene Rest von nicht verwendbaren Stücken, Ab⸗ fällen und Lumpen wurde für mehrere Millionen Mark an die Kunstwollsabriken verkauft. Der erzielte Erlös ist wie⸗ derum den Truppen in Form von Liebesgaben oder Woll⸗ sachen zugute gekommen. 4. Durch die Reichswollwoche ist mittelbar und unmittelbar Tausenden von Heimarbeiter⸗ innen und vielen Tausenden von Arbeitern in Kunstwoll⸗ fabriken auf Monate hinaus lohnender Verdienst geschaffen worden. 5. Die gut erhaltenen Sachen(Männer⸗, Frauen⸗ und Kinderkleider) wurden in vielen Tausenden von Stücken an die ostpreußische und elsaß⸗lothringische Bevölkerung ab⸗ gegeben. Ein bedeutender Rest, der sich schätzungsweise min⸗ destens auf mehr als 100 000 Anzüge dieser Art beläuft, ist zurückgelegt worden, um den aus Anlaß des Krieges invalide gewordenen Soldaten oder nach Schluß des Krieges

den heimkehrenden Kriegern übergeben zu werden. Das Ergebnis aus der Reichswollwoche darf man somit auf

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Braunschweig, 16. Juni.(WTB. Nichtamtl.) um Gedächtnis des Heldenherzogs, Friedrich Wilhelm von Braunschweig, der am 16. Juni 1815 bei Quatre⸗ bras fiel, fand heute vormittag vor dem Denkmal dern Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelm auf dem Löwenwall eine schlichte, eruste Gedächtnis⸗ feier statt. Der Herzog legte an dem Denkmal einen großen Eichenkranz mit einer Schleife, die die Initialen des Herzogspaares trägt, nieder. Der Hof- und Domprediger v. Schwartz hielt die Festrede. Nach dem Gesang richtete Herzog Ernst August folgende Worte an die Festversamm⸗ lung:Nach dem Vorbild unseres Heldenherzogs und nach alter Väter Art beweisen unsere Brüder im Felde durch bewunderungswürdige Heldentaten, die wir ihnen nie ver⸗

wir, jeder an seinem Platz, durch treue Pflichterfüllung der geliebten Heimat dienen! Im Bewußtsein unserer inneren Einheit mit unseren Kriegern draußen erneuern wir unser Treugelöbnis in dieser Feierstunde durch den Ruf: Der Kaiser hurra, hurra, hatrra! Die Festversammlung stimmte begeistert ein und sang schließlich die National⸗ hymne:Deutschland, Deutschland über alles!

Stuttgart, 16. Inni.(WTB. Nichtamtlich.) Der König hat lautStaatsanzeiger dem General der Kaval⸗ lerie Graf Zeppelin die Schwerter zum Großkreuz des Ordens der württembergischen Krone verliehen.

Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsge aft.

6 Gottesdienst. senldast a abbatseiee am 19. J i 1918:

Freitag abend 8.00 Uhr.*** 2

Samstag vormittag 8.00 Uhr. 9

Samstag nachmittag 4.00 Uhr. 7

Sabbatausgang 9.40 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr.

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