Ausgabe 
(16.6.1915) 139. Zweites Blatt
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DieGießener Famllienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zett⸗

fragen erscheinen monatlich zweimal.

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165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

mittwoch, Ib. Jun! 1915

Rotattonsdruck und Verlag der Brühl Universitäts- Buch- und Steindruckere R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Scheu

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: Ss, Schrift

leitung: 112. Adresse für Trahtnachrichten. Anzeiger Gießen.

Hönig Konstantins Wahlsieg.

Die Wahlen in Griechenland hatten diesmal eine ganz besonders persönliche Zuspitzung erfahren, wenn sich frei lich in diesem Fall auch die Person mit der Sache deckte, um die bei den Wahlen gekämpft wurde. Hie König Honstantin! hie Venizelos! lautete die Gegenüber stellung, und für die große Masse deckte sich das im wesent lichen mit der Losung: Hie Frieden! hie Krieg! In Wahr- heit freilich traf diese letztere Gegenüberstellung wenigstens zum Schluß nicht mehr so schroff zu, als es noch bei dem Anfang März erfolgten Sturz des Dreiverbandfreundes Venizelos der Fall gewesen war. Auch dieser schlaue Kreter hatte viel Wasser in seinen Wein gegossen, und er hatte bei den Wahlen nicht mehr den bedingungslosen Anschluß an den Dreiverband, den Krieg um jeden Preis gepredigt, sondern die griechischen Söldnerdienste immerhin von einigen Bedingungen abhängig machen wollen. Der Veni zelos-Partei stand in heftigem Kampf die Gunaris-Partei 1 die man freilich richtiger als die Königspartei

ezeichnet, denn der Ministerpräsident Gunaris vertritt das Programm des Königs Konstantin, das Programm der Neutralität, des Friedens und damit der Wahrung der wirklichen griechischen Interessen. Die anderen kleinen Grup⸗ pen, die Theotokisten, Zaimisten, Navromichalisten, spielten bei den Wahlen keine wesentliche Rolle, und auch die von dem Generalgouverneur Dragomis begründete neue Partei der Unabhängigen, auch mazedonische Partei genannt, hat einen Mißerfolg zu buchen, der schon dadurch gekennzeichnet wird, daß sowohl der Parteigründer wie sein Sohn, der * griechische Gesandte in Petersburg, durchgefallen sin

Der Zweikampf zwischen König Konstantin und Veni zelos, der Anfang März zum Rücktritt des Kabinetts Veni⸗ gelos führte, hat nunmehr mit dem endgültigen Siege des König, mit der Niederlage der Venizelos-Partei, geendet, welche bisher über die überwältigende Mehrheit in der Kammer verfügt hatte. Es ist der Regierung gelungen, aus eigener Kraft die Mehrheit zu erringen. Zwar kehrt die Venizelos⸗Partei mit einer stattlichen Minderheit zurück, doch könnte sie selbst mit Hilfe aller anderen Gruppen die e nicht hemmen. Eine solche Kombination wäre schon deshalb ausgeschlossen, weil die anderen Partei⸗ . sämtlich im Gegensatz zu Venizelos stehen, so daß

zu rechnen ist, daß die kleinen Gruppen mit dem 5 8 gehen und dessen Mehrheit somit noch verstärken wer 5

Wir betonten schon, daß der Wahlsieg der Regierung

Peg geh einen Sieg des Königs Konstantin und den Sieg

s Friedens darstellt. Daß dies zugleich der Sieg der wah⸗ ren Interessen Griechenlands ist, hat der Ministerpräsident Gunaris in einer sehr verständigen Rede hervorgehoben, worin er den von i mit seiner Veröffentlichung der e nen Noten begangenen Vertrauensbruch kennzeichnete. t Recht betonte Gunaris, daß Griechenland alles ge⸗ wonnen habe, indem es nicht der Politik Venizelos' gefolgt sei, denn das Land habe seine Flotte vor der chmetterung an den Dardanellenforts bewahrt, und es habe nicht eine einzige Division verloren. Man braucht sich in der Tat nur zu erinnern, daß Venizelos Anfang März gestürzt wurde, während am 18. März die vernichtenden Niederlagen der Ententemächte an den Dardanellen einsetzten. In diesem eitlichen Zusammenhang erkennen alle vernünftig Denken⸗ n in Griechenland die weise Voraussicht des Königs Konstantin, dessen Volkstümlichkeit und Beliebtheit ange⸗ sichts der schweren Erkrankung in geradezu überwältigender Weise zutage getreten ist. 5

Was die zukünftige Politik der Regierung betrifft, so hat Gunaris erklärt, daß er nur dann daran denken würde, Griechenland den Gefahren eines Krieges auszusetzen, wenn

italienisches Blatt, derSecolo, von der Neutralitätspolitik Gunaris' sagt, daß unter ihrdas griechische Staatsschiff in die fürchterlichsten Stürme der hohen See hinausgetrieben werde, statt, wie es unter Führung Venizelos geschehen wäre, in den sicheren Hafen einzulaufen. Daß der Friede ein fürch terlicher Sturm und der Krieg ein sicherer Hafen ist, stellt eine Erfindung der Italiener dar, aber wir zweifeln nicht daran, daß sie nach wenigen Monaten Erfahrung am eigenen Leibe das Patent darauf abmelden werden. Was die Griechen betrifft, so hat der Ausfall der Kammerwahlen gezeigt, daß sie es ablehnen, die undankbare Rolle der Genossen im Un- glück zu spielen, und wenn der Vierverband bei seiner Aus schau nach solchen, die nicht alle werden, bisher auch das Land der Griechen mit der Seele suchte, so wird er das jetzt, nach der Niederlage des Venizelos, wohl als verlor'ne Liebesmüh' erkannt haben.

e h Wie bergen wir in diesem Jahre den Erntesegen, wenn er glücklich zur Reife gediehen ist?

Man schreibt uns:

Eine bedeutsame Frage! Von den Landwirten, die bis her unsere Felder bestellt und bearbeitet haben, ist ein gro ßer Teil dem Rufe zur Verteidigung des Vaterlandes ge folgt. In einzelnen größeren Dörfern sind bis zu 100 und 1 Landwirte eingezogen, und wenn auch seitens der Militärbehörden Beurlaubungen der Landwirte zur Ernte zeit stattfinden werden, so wird doch ein nicht unbeträcht licher Bedarf an Erntearbeitern entstehen, der auch durch die Heranziehung von Kriegsgefangenen nicht voll gedeckt werden kann. Zweifellos werden sich auch in diesem Jahre

wieder viele freiwillige Hilfskräfte zur Mitarbeit bereit

erklären, und das erhebende Bild, das sich vor der letzt⸗ jährigen Ernte in der Bereitschaft vieler Kinder zur Hilfe zeigte, wird sich sicher in diesem Jahre wiederholen. Es wird niemanden geben, der die Opferwilligkeit der städti⸗ schen Jugend nicht im vollsten Umfange anerkennt, und doch wird bei der Einbringung der Ernte deren Beschäfti⸗ gung nur in stark beschränktem Umfange möglich sein. Es wäre insonderheit verfehlt, wahl⸗ und planlos einen Strom von Kindern aus der Großstadt aufs Land hinaus zu leiten. Man könnte da mehr Schaden als tiften. Die Land⸗ arbeit ist ja nicht so einfach und so leicht, daß sie von jeder⸗ mann ohne weiteres verrichtet werden kann. Vor allem aber erfordert sie tüchtige Kraft und Ausdauer. Diese Aus⸗ dauer will durch längere Gewöhnung erworben sein. Wer sie nicht besitzt, wird bereits nach einer Arbeitsleistung von ein paar Stunden am Ende seiner Kräfte sein. Ein Versuch wird fast stets lehren, daß ein an landwirtschaftliche Ar⸗ beiten 12 kräftiger Landjunge von 13 Jahren auf dem Acker mehr, sorgfältiger und besser schafft, als ein junger Mann von annähernd 20 Jahren aus der Stadt ohne Erfahrung in solcher Arbeit. Insonderheit stellt die andauernde angestrengte Arbeit im heißen Sonnenbrande große Anforderungen an die Widerstandskvaft dessen, der solche Arbeit nicht gewohnt ist. Es würde deshalb völlig ver fehlt sein, 1113 jährige Jungen aus der Stadt zur Hilfe⸗ leistung bei der Erntearbeit aufs Land hinausschicken zu

Gegen die deutsche Schneiderei!

DasKunstgewerbeblatt bringt nähere Mitteilungen über den Feldzug gegen die deutsche Schneiderei, den das Pariser Beklei⸗ gewerbe organisieren will. Die Beratungen über die zu nden Maßnahmen fanden in einer Sitzung statt, auf deren Tagesordnung die FrageDie Bekleidungsindustrie und die Deut⸗ schen stand, und als Hauptrufer in dem Streite trat Herr Aine, der Borsitzende des Syndikats der französischen Schneiderei, auf. Aus seinen Ausführungen ergab sich, wohl unfreiwilligerweise, das Anerkenntnis, daß die Deutschen im französischen Bekleidungsge⸗ werbe im Laufe der Jahre zu ganz außerordentlicher Bedeutung gekommen sind. Nach Herrn Aine ist ihr Eindringen auf diesem Gebiete, das sich auf so hinterlistige Art vollzogen hat, als eine Folge der mangelhaften Orggnisation der französischen Syndikate anzusehen. Zunächst hält es r Aine für selbstverständlich, daß die Wiederkehr der Deutschen, deren Habe unter Zwangsverwaltung gestellt wurde, verhindert werde. Die Bevölkerung, so meint er, würde meutern, wenn die Deutschen, nachdem sie die Konzentra⸗ tionslager verlassen und Aufenthaltserlaubnis erhalten haben, in gewisse Werkstätten zurückkehren würden. Allein das ist nur die eine und vielleicht noch nicht entscheidende Maßregel, zu der Herr Aine rät. Sein Schlachtruf geht dahin:Wir müssen endgültig die Ulanen des Handels ausstoßen, fortab ihre Ware ver⸗ weigern und nicht mehr die Ergänzung ihres Geschmackes durch den unseren dulden(Bescheidenheit ist eine Zier..). Als Haupt⸗ mittel zur Besiegung der Deutschen auf dem Gebiete des Beklei⸗ dungsgewerbes bezeichnete Herr Aine etwa die folgenden. In die fremden Länder soll die französische Schneiderei rdnungen sen⸗ den, um ihre Bedürfnisse zu studieren. Die Angehörigen der fran⸗ 3ösis. Schneiderei sollen gemeinschaftliche Reklame treiben, ge⸗ meinschaftliche Preisverzeichnisse und gemeinschaftliche Reisende ausschicken. Die französischen Konsuln im Auslande haben Forde⸗ rungen dieser Art schon aft und seit langem aufgestellt, aber die Pariser Schneider haben sich nie einigen und organisieren können: und der unbefangene Beurteiler wird auch jetzt seine Zweifel daran haben, ob der Organisationswille der Pariser Schneiderei über die Gegensätze und Rivalitäten der verschiedenen Häuser wird siegen önnen. Aber freilich: jetzt liegt Gefahr im Verzuge, denn, wie Herr Aine gesteht,um die sich anhäufenden Zusammenbrüche wieder gut zu machen, die jeden Tag zahlreicher und schwerer wer⸗ den, können wir nicht genug gemeinsame Tatkraft in unseren Ver⸗ * en aufbringen. Auch auf ein gemeinsames Syndikats⸗ plakat fol die französische Schneiderei sich vereinigen, das dann als französisches Fabrikzeichen zu gelten haben de. Dies Plalat solle ein Privileg der französischen Häuser sein und würde also eine Rücklehr zur körperschaftlichen Verfassung bedeuten So wird auf der ganzen Linie gegen die deutsche Schnei⸗ derei mohil e Die französischen Schneider haben allerdings, so bemerkt Kunstgewerbeblatt hierzu, alle Veranlassung, den

19 5 anzugreifen gelernt haben. Wenn eine Schar solcher Jüng N unter Führungund Anleitung eines

stützung von Frauen ländlicher Besitzer, die ihren Gatten und Knecht beim Heere stehen haben. Erhöht würde der Wert ihrer Hilfe noch, wenn sie i wenig Anforderungen bezüglich ihrer Unterbringung und Verpflegung stellen, vielleicht ihr Essen sich selbst bereiten würden, worin sie ja mehr oder weniger erfahren sind. Wenn sie im Bauernhause selbst essen und schlafen, was im allgemeinen das Gegebene sein wird, muß völliges Einfügen in die Hausordnung vor allem auch in den bäuer⸗ lichen Küchenzettel selbstverständliche Voraussetzung sein. Viele Landwirte haben in der Ernte 1914 die städtische Hilfe abgelehnt, weil sie befürchteten, der Gast aus der Stadt könne Ansprüche erheben und dadurch die Arbeit mehr hin⸗ dern als fördern.

Im höchsten Maße verfehlt würde die von manchen Sei ten empfohlene Verlegung der Sommerferienzeit der groß⸗ städtischen Schulen in die Erntezeit sein. Wer auf dem Lande groß geworden ist, weiß, wie sehr ohnehin oft schon die Landbewohner unter dem zahlreichen Besuch naher Ver⸗ wandten aus der Großstadt in den Sommerferien außerhalb der eigentlichen Erntezeit seufzen. Daß die Großstadtfrauen auf dem Lande die Wirtschaft führen und die Landfrau für die Feldarbeit frei machen können, kann nur jemand be⸗ haupten, der die Verhältnisse nicht aus eigener Anschau ung kennt. Einen großen Teil der Arbeitskraft der Frau auf dem Lande beansprucht während des ganzen Tages die Ver- sorgung des Viehes. Sie wird sich sehr hüten, diese Sorge Unerfahrenen zu überlassen.

Von Vorteil würde es sein, wenn junge Mädchen, die auf dem Lande und in ländlicher Arbeit aufge⸗ wachsen sind und sich noch nicht zu lange in der Großstadt aufgehalten haben, in möglichst großer Zahl in diesem Sommer aufs Land zurückkehren würden. Vielleicht könnte man ihnen diesen oder jenen Vorteil ge⸗ währen, um sie dazu zu veranlassen. Jedenfalls wäre eine Beurlaubung seitens der Dienstherrschaften warm zu emp⸗ fehlen. R. M. V.

Rumäniens Geheimverträge.

Der rumänische Abgeordnete Basilescu, Professor an der Universität Bukarest, versorgt die Pariser Presse mit poli⸗ tischen Artikeln über Rumänien. Natürlich schreibt er nicht in deutschfreundlichem Sinne und gilt deshalb bei den Franzosen als maßgebender mann. Kürzlich verlangte derTemps Auf⸗ klärung über die fortdauernde Gültigkeit des einst zwischen dem Dreibund und Rumänien geschlossenen Vertrages. Basilescu erklärt diensteifrig, der Vertrag bestehe allerdings noch, aber er trage nur die Unterschrift des Königs Carol und des damaligen Mi⸗ nisterpräsidenten. Das rumänische Pavlament sei nicht be⸗ fragt worden und dieses wahre seine Willensfreiheit. Diese für einen Staatsrechtslehrer ganz ungeheuerliche Darstellung erscheint anderen rumänischen Stagtsmännern gefährlich genug, um sie zurückzuweisen. Ganz abgesehen vom Völkerrechtsstand⸗ punkt, so erklären sie, besitze Rumänien ein lebhaftes Interesse daran; den Geist des Vertrages zu achten. Wie dunkel es im Kopfe des Professors Basilescu aussieht, zeigt übrigens die Tatsache, daß er fast gleichzeitig im PariserFigaro verkündet, das ru⸗ mänische Volk erkenne zwar die Gerechtigkeit(1) der Sache des Dreiverbandes an, aber das Eingreifen Rumäniens werde nur von der Regierung entschieden werden. Also nicht vom Parla- ment? Man sieht, eine solcheAutorität sollte nicht ernst ge⸗

deutschen Wettbewerb zu fürchten, da auch in Deutschland bereits

sehr fleißig und erfolgreich gearbeitet wird. Die unlängst abge⸗[ O

haltene Modeschau des Deutschen Werkbundes war, woran in die⸗ sem Zusammenhange wohl erinnert werden darf, ein voller Erfolg.

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Ehrenscheiben Münchener Künstler. Aus München wird uns geschrieben: In einer wirklich reizenden Weise haben die Münchener Künstler sich wieder einmal in den Dienst der Kriegszeit gestellt. Eine große Anzahl unserer besten Maler hat eine Reihe entzückender Schießscheiben gemalt, die als sogenannteEhrenscheiben von den besten Schützen des 2. Ersatzbataillons des 2. bayrischen Infanterie⸗Regimentes aus- geschossen werden sollen. Diese Schießprämien können nun in reizvoller Anordwung in der Kunsthandlung von Littauer von jedermann betrachtet werden, der für die Hinterbliebenen der Unteroffiziere des Regimentes zwei Groschen übrig hat. Er wird das kleine Opfer aber auch im eigenen Interesse kaum bedauern. Denn aus allen Stücken der Ausstellung spricht die innere Herzensteildie jeden der Künstler befeelte. Meist sind es zeitgemäße ive, die das Holz zieren, Kriegsbilder in ernster oder heiterer Deutung. England wird natürlich nicht sehr zart behandelt. Schmidthammer malte einen Hochländer, der gerade tapfer Reißaus nimmt und derJuhn Bull Pro⸗ fessor Zügels ist ein veritabler Ochse. Mit welchem Genuß aber wird der glückliche Gewinner nach dem riesenhaften, weit⸗ geöffneten Munde zielen, der auf der Th. Heine'schen Scheibe mitten in dem anmaßungsvollen Gesichte eines Englünders steht. Lustig ist Feldbauers etwas trottelhaftes Bruderpaar. Brit und Franzmann, während Firles Franzosenoffizier Weinfröhlichkeit doch ernst aufzufassen ist. Einen Schl. larfenden Turko stellt der Landschafter R. Sirck lein Neu⸗ Sezessionist) in den Mittelpunkt seiner Tafel i russische Gefangene. E. Thöny einen fliehenden Kosak, Putz einen von Väterchens Offizieren. Lyrisch ist das SerbildU 21, dessen pathetische Symbolik den Pinsel des Prof. v. Haber⸗ mann verrät, lyrisch auch, auf stillere Art, die Scheibe trefflichen Hoeß der einen Hirsch über einen Schützengraben springen läßt. W. Püttner, der Jüngeren einer, gibt ein utbeleuchtetes Stadtbild, während Gröber!s Scheibe ländlichen harakters ist und, sehr dekorativ, die patriotischen er an⸗ bringt. Wenn ich noch erzähle, daß Künstler wie Stuck, Defregger, Angelo Jank, Messerschmidt, Dietz

vielen anderen Beiträge gestiftet haben, so wird man vol⸗ lends überzeugt sein, daß sich hier die Besten zu edler Tat zu⸗ sammengefunden haben.

Das Kriegsherz. Die ungeheuren Strapazen, die der Krieg für die Soldaten mit sich bringt, haben es von vorn⸗ herein wahrscheinlich gemacht, daß die Herzen der Kriegsteilnehmer

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des] Herzerweit

7 J Denn das Herz ist das erste rgan, an dem die Zeichen der Ueberanstrengung zum Ausdruch kommen. Es war daher naheliegend, um den Einfluß des Krieges auf ein gesundes Herz zu studieren, Soldaten zu unterfuchen, die zeitweilig in die Heimat zurückgekehrt waren. Dies haben nun Dr. Carl Maase und Dr. Hermann Zondek von der 1. medizini⸗ schen Klinik der Berliner Charité, wie sie in der Zeitschrift für klinische Medizin mitteilen, an 40 Verwundeten vermittelst von Röntgenau und Elektrokardiogrammen getan. Die Ver⸗ wundeten kamen teils aus dem Osten, teils aus dem Westen. Ihre Marschleistungen betrugen im Durchschnitt etwa 30 bis 40 Kilo-

in Mitleidenschaft gezogen würden.

Röntgenaufnahmen zeigten, war in der großen Mehrzahl der Fälle einheitlich: Es fand sich fast überall eine Verbreiterung (Dilatation), und zwar gewöhnlich eine allgemeine Verbreiterung des Herzens, in einer Anzahl von Fällen aber nur des rechten Vorhofs. Während die durchschnittliche Länge der Basis des nor⸗ malen Herzens mit 12 Zentimeter bei einer Körperlänge von 175 Zentimeter und mit 13,1 Zentimeter bei Leuten bis 182 Zentimeter egeben wird, wurden bei den Untersuchten, die keineswegs größer als 175 Zentimeter waren, Basallängen von 12 bis 13 Zentimeter nur ganz selten gefunden. Das Mindestmaß 13,8 bis 14,0 Zentimeter, das Höchstmaß 16 Zentimeter und über. Diese Veränderungen sind zweifellos auf die An⸗ strengungen des Feldzuges zurückzuführen. Verwundete, die gleich zu Beginn des Krieges in die Klinik eingeliefert wurden, also nicht viel marschiert waren, zeigten solche Herzbefunde nie, ebensowenig wie Feldartilleristen. Die Arbeitsleistungen des Soldaten über⸗ treffen alle sportlichen Leistungen wie Schi⸗, Dauer- Wettlaufen, Radfahren um ein beträchtliches. Bei diesen liegt die Gefahr für das Herz mehr in der akuten Ueberanstrengung, weil plötzliche Höchstleistungen verlangt werden: bei den Soldaten ist es eher die chronische Ueberanstrengung, welche das Herz schädigt. Bei akuten 2 tritt aber nach neuesten Untersuchungen im 2 zu älteren Anschatungen keine Exweiterung, sondern viel⸗ eine Verkleinerung des Herzens auf. Eine Rückbildung der cverweite n konnte bei den Untersuchten in einer Frist von drei bis vier M noch nicht konstatiert werden, man muß 15 ee 25 15* verkleinern urückge Der s dieser Herzen zeigte weder nach Schrelligfelt noch nach Größe, Spannung und Rhythmus Ab- weichungen vom normalen Zustande. Bisweilen wurden Verlang⸗ sammungen gefunden. Die Funktion und die Leistungsfähigkeit der Herzen all dieser Patienten war eine erfreulich gute. Einige aber, bei denen die Pulsfrequenz nach Uebungen stark anstieg, die schlecht aussahen und sich unwohl fühlten, besserten sich im Laufe des Aufenthaltes durch Ruhe so, daß sie trotz ihres großen Herzens wieder als selddienstsähig entlassen werden konnten.

meter täglich, etwa 3 bis 4 Wochen lang. Das Bild, das die

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