Ausgabe 
(3.6.1915) 128. Zweites Blatt
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s öhueites vlatt

Erscheint täglich itt Ausnahme des Sonntags.

DieGlehener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit fragen erscheinen monatlich zweimal.

105. Jahrgang

Gießener Anzeige

General⸗Anzeiger für Gberhessen

Przemysl und Lemberg. 8

ehn Wochen sind es her, daß die Festung Przemyfl

sich den Russen ergeben mußte, vom Hunger bezwungen, 8 durch die Tapferkeit des Feindes. Wie jubelte damals, Ende März, ganz Rußland! Die Städte des Zarenreiches

mußten flaggen. Dankgottesdienste und Freudenfeste wechsel- ten ab, und Generalissimus Nikolai lud seinen gekrönten Vetter ein, dieeroberte Feste zu besichtigen. Ob der Zar wirklich in 1 tat war, ist fraglich. Die Bevölkerung der vielgeprüften Stadt 11 nach verschiedentlichen zuverlässigen Berichten keinen Nikolaus II. zu Gesicht bekommen. Der Besuch scheint also, wenn er tatsächlich stattgefunden hat, in großer Eile und Heimlichkeit unter Ausschluß der Oeffent⸗ lichkeit bewerkstelligt worden zu sein. Jedenfalls ist der Zar längst wieder in Zarskoje Selo und nicht mehr an der russlschen Front. Die große russische Offensive, die Nikolaje witsch vorzuführen versprach, hat Väterchen nicht mehr gesehen. Er kam wohl gerade noch recht, um Augenzeuge der furchtbaren Verwirrung zu werden, in die das herrliche Anstürmen der deutschen und österreichisch-ungarischen Trup⸗ 501. den mürben Koloß des russischen Heeres versetzte. Nun oll der Beherrscher des sechs⸗ und siebenmal besiegten Moskowiterreiches in sehr gedrückter und verärgerter Stim- mung zurückgekehrt sein und über sein und seines Landes Schicksal selbst recht düstere Meinungen aussprechen. uch im befreundeten Paris scheint man endlich die Binde von den Augen genommen zu haben. Derstark be stürzte Botschafter Iswolski, so heißt es in einer über Genf eingetroffenen Meldung, stellt die russischen Niederlagen bei Stryj und Przemysl nicht in Abrede. Er verweist nur auf eine Petersburger Depesche, wonach die russische Heeres⸗ leitung auch jetzt noch auf eine Aktion jenseits des Dujestr volles Vertrauen eber Aber während die Russen noch vom Ruhm ihres kleinen Erfolges bei Sieniawa zehrten, während die Pariser noch hoffen und vertrauen, haben die Preußen in gewaltigem Ringen die Stadt Stryj gestürmt, haben die Bayern die Nordwerke von Przemysl überrannt und die russischen Geschütze in den dortigen Panzerkuppeln um 8 um sie gegen die flüchtende Russenarmee zu richten. raumhaft rasch spielen sich diese Erfolge ab. Es ist ein Sturm und Zug in dieser Offensive, wie voriges Jahr das Burgenbrechen in Belgien und Nordfrankreich. Die mili⸗ tärise e Fachpresse Frankreichs fragt verwundert, warum es en Russen nicht eingefallen wäre, genügend starke Streitkräfte aus der Richtung Lemberg na Przemysl hineinzuwerfen, um die Woge der verbündeten ruppen aufzuhalten. Man kann darauf auf Grund der vorliegenden Nachrichten ausführliche Ant- wort geben: Sowohl die doppelgleisige Bahn als auch die Heerstraße LembergPrzemyfl geriet so gründlich unter das Feuer der österreichischen Artillerie und der Flieger⸗ bomben, daß die Russen es vorzogen, die ausgesandten Transporte von Truppen und Vorräten 1 schleunig wie öglich zurückzuziehen. Man scheint nach dem Falle Prze mysl sich über nicht sonderliche Mühe mit der Neuein richtung der Festung gegeben gu haben, weil man alles von der großen Karpat noffensive erhoffte und es für aus- geschlossen hielt, daß die Oesterreicher je wieder gen Lem erg zu vorgehen könnten. Man schleppte zwar Panzerkup⸗ Geschütze nach Przemyfl, Zement wurde in großen engen zur Betonierung aufgefahren, aber man hielt es doch im Grunde für überflüssige Arbeit. Manches gelang den russischen Pionieren auch nicht, so die Errichtung einer Holzbrücke an Stelle der von den Oesterreichern gesprengten en Sanbrücke. Man begnügte sich mit einer Ponton⸗ rücke und im übrigen mit möglichst zahlreichen Erdwer len, in denen ja die Russen manches leisten, was der die eldschlacht und den Sturm liebende Deutsche in diesem eg erst lernen mußte. Genug, es kam das große Gewitter aus Westgalizien. Die Russen stellten ihre Schanzarbeiten ein und schickten Hals über Kopf alle Transporte über Lemberg zurück. Merkwürdigerweise hat auch die russische Befestigungstätigkeit vor Lemberg aufgehört. Hält man au Lemberg nach dem Fall der Grodecker Linie für unhaltbar? Soll der russische Rückzug sich noch schneller abrollen, als unsere kühnste Hoffnung erwarten wagt? Schneidet doch

der 0 Stryj die in Südostgalizien kämpfenden rus⸗ äfte von ihrer

sischen

letzten direkten Verbindung mit

deutscher Vesth in non. isse seitens des römischen Pöbels g t die italienische Regierung zur ng deutschen Eigentums ihre N 42 77 mach 5 8 nt um wichtiger, da der deutsche Besitz i Otallen Sun h. nennenswerte italienische vat⸗ igentum auf deutschem Boden. Zumal in Rom, mit dem si e altersher ein köstliches Sele: dulce erbindel. fuß

Boh des er 0 römi Herrscha

itz der kaiserlichen deutschen Botschaft und Grundeigentum des Deutschen Reiches bildet. So thronte dicht beim römischen Adler 8 iter den Besiedlung Symbol römischer Macht stand, und dessen Grund⸗

1 e kenhaus angekauft wurde. Auch

irgt, sowie für an 8 ang wurde.

eine der interessantesten Barockvillen Roms befindet sich im Besitz des preußischen Staates: Villa Bonaparte bei Porta Pia, wo unser Gesandter am Vatikan residiert. Garten dieser Villa durchbrachen

8 35 die 9 ranzosen Macht gebrochen

des Barock sich die geistige Elite Roms zusammenfand,

erhielt später ihren Namen von Pao

Gartens dient. Eine Monaten bekanntlich

ch] Offiziere, die ihren Tee trinken un

Lemberg ab. Jede Stunde fast bringt einen neuen Schlag, den die stürmenden, verbündeten Truppen dem Gegner zu fügen. Schon gehen die russischen Gefangenen wieder in die Zehntausende unddie Beute ist noch nicht zu übersehen. Die neuen Kämpfe bei Przemyfl und Lemberg reihen sich würdig an die großen weltgeschichtlichen Schlachten des bis herigen Krieges im Osten. Französische Bilder aus dem russischen Lemberg.

Der galizische Berichterstatter desTemps, Edmond Privat, hat dieser Tage eine Schilderung des Lebens und der Zustände in dem noch russischen Lemberg veröffentlicht. Wer in der Hauptstadt Ostgaltziens die vielen russischen Inschriften, Schilder, Anschläge usw. sieht, lönnte auf den ersten Blick wohl glauben, daß Lemberg schon ganz verrußt sei. Das ist jedoch ein Irrtum. Russisch sieht man in Wirklichkeit nur auf den neuen Ladenschildern einiger Geschäftsinhaber, die damit die russische Kundschaft anlocken wollen; dazu kommen die amtlichen Bekannt machungen, die zweisprachig, in Russisch und in Polnisch ge geben werden, und ferner die Schilder der Straßenbahnen und der Straßennamen, die vor dem Kriege nur auf Polnisch zu lesen waren. Vom Rathause flattert die rotweißblaue Fahne Rußlands, und Lemberg ist überfüllt von russischen Soldaten und Offizieren. Alle besseren Hotels sind längst in Anspruch genommen; kaum ist noch in einem Gasthofe dritter Klasse Unterkunft zu finden. Ueber den Maryacki⸗ Platz, der die schöne, bis zum Theater reichende Parkanlage abschließt, marschieren unaufhörlich die Truppen. Zuweilen rückt auch ein Trupp österreichischer Cefangener ein, die durch die Stadt befördert werden. Nach den Beobachtungen des französischen Berichterstatters wird ihnen möglichste Freiheit gelassen. Sie dürfen in den Läden Einkäufe machen und mit den Ladeninhabern sich unterhalten; die milikä rische Begleitmannschaft der Gesangenen ist(vermutlich aus naheliegenden Gründen) sehr wenig zahlreich.

Oberflächlicher Beobachtung kann das Leben in Lemberg ganz normal erscheinen. Alle Läden sind geöffnet der russische Gouverneur hat den Geschäftsleuten, die nicht öffnen wollten, einfach mit der Einziehung ihrer ganzen Warenvorräte gedroht; und wenn der Inhaber des Ge schäftes etwa geflohen war oder der Drohnng doch nicht nachgeben wollte, so hat sich schließlich irgend ein Freund oder Verwandter gefunden, der das Geschäft wieder öffnete und weiter führte. Im Gerichtsgebäude wird auch jetzt noch in polnischer Sprache und nach dem österreichischen Gesetze weiter verhandelt, aber das Recht wird nicht mehrIm Namen Seiner Apostolischen Majestät, sondern nur noch Im Namen des Gesetzes gesprochen. Auf die Richter ist ein sanfter Druck, Russisch zu lernen, ausgeübt worden, und die armen Herren müssen nun ihre kargen Mußestunden dem Studium derslawischen Schwestersprache widmen. Dabei erhalten sie kein Gehalt mehr und sie setzen ihre Tätigkeit nur aus Pflicht- und Ehrgefühl

Einen neuen Zug im Stadtbilde ge die russischen Polizisten in schwarzer Uniform, die flache Mütze auf dem Ohre. Sie sind aus View herbeigeholt worden und patroul- lieren durch die ganze Stadt. Von den kirchlichen Behörden sind der armenische und der römisch-katholische Erzbischof in Lemberg geblieben; der der unierten Kirche hingegen ist nach Kursk verschickt worden, weil das orthodoxe Rußland in bekannter Duldsamkeit die Unabhängigkeit dieser Dissi⸗ dentenkirche nicht anerkennen will. Als der Berichterstatter desTemps den schönen Blick von der unierten Kathedrale genoß, störte ihn ein dumpfer Donner, der die Luft erfüllte. Es war der Donner der Kanonen von den Karpathen, die in der Gegend von Stryj ihr Wort sprachen.Ich hatte mir nicht vorgestellt, daß Lemberg der Front so nahe liege, sorsbemerkt Herr Privat etwas kleinlaut. Um 10 Uhr wird in LembergSchluß gemacht. Dann werden alle Straßen vollkommen leer, und 1105 in den Kaffeehäusern herrscht nur noch sehr wenig Verkehr. Die russische Polizei hält dort Durchsuchungen, die die Zivilisten sehr fürchten, und daher sieht man dort kaum noch andere Personen, als dazu Karten spielen. Alle Lichter sind ausgelöscht und wer in diesem Dunkel durch die Stadt zu gehen hat, mag zusehen, wie er von einem Bürgersteige zum andern turnt, um sich vor den militärischen Kraftwagen in Acht zu nehmen, die mit rasen der Geschwindigkeit das nächtliche Lemberg durchsausen.

Villa Malta, der römische Prioatsit bes Fursten Bülow. in der sich die letzten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland abspielten und schließlich schmachvoll seitens der italienischen Regierung verraten wurden.

Zu den und Gärten uns alle von dem intimsten Geistes⸗

N ˖ Bergnatur mit ihrer weiten Aussicht über die Campagna und das ferne Rom Er⸗ frischung fanden. Von der Villenterrasse aus überblickt man auch einst die Lieblingsstreifzüge deutscher Landschaftsmaler Josef Anton Koch im Jahre 1797 dieSerpentara, einen kleinen Eichenhain bei on dice ln der den deutschen

Künstlern inmitten der fremdländischen Landschaft eine traute Eri i darin seine preist seine voman⸗ 0 iede. wurde die Serpentara auf Betreiben des Malers Kanold dem Deutschen Reiche erworben und entging so der Abholzung durch römische Spekulanten. Möge er auch diesen Krieg überstehen, obwohl er in schutzloser Einsamkeit den auf sein schönes Gehölz seit langem gierig lauernden

ern ausgesetzt ist. In Rom war die den deutschen Künstlern

Sep⸗ für Studienzwecke gemietete Villa Strobl⸗Fern in der Valle Giulia

durch die Villa Arnhold abgelöst worden: eine Stiftung des Kom⸗ merzienrates Arnhold, die den prächtigen Ausbau einer alten Bau⸗ anlage nahe bei Via Nomentana bildet und mustergültige Atelier räume, Ausstellungshalle, Wohnzimmer usw. für die in Rom

leben deutschen Stipendiaten umfaßt. Diese neue deutsche Aka⸗ demie in Rom stellte sich sowohl in Bezug auf landschuftliche

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Donnerstag, 3. Juni 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. 1

Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrift-

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

Aus Stadt und Cand. Gießen, 3. Juni 1915.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Kriegssreiw. Otto Roeschen, Inf.-digt. 136(Abiturient der Oberrealschule in Gießen), aus Friedberg-Fauerbach. Unteroff. Lehramtsassessor W. Geist, Inf.-Agt. 126, aus Darmstadt. Kriegsfreiw. Gefr. Wilhelm Kerler, Bayr. Inf.-Agt. 20, Kriegs- freiwilliger Karl Keim, Res.-Inf.-Agt. 222, Kriegssreiw. Unteroff. Georg Mayer, Res.⸗Ins.-Agt. 222, Res. Karl Wagner, Res. Ins.-Rat. 116, Res. Heinr. Hofmann II., Inf.-gt. 116, Ersatz. Res. Gust. Wirth, Res.-Inf.-Rat. 222, fämtlich Angestellte der Papierfabrik Oberschmitten bei Schotten. Musk. Heink. Schmid 2 Inf.-Agt. 55, aus Burg-Solms. Lt. d. L. Wilhelm Dumont, Fuß, Art.⸗Agt. 3, aus Worms. Landsturmmann Aug. Elsner, Landw.-Ins.-Rgt, 87, aus Offenbach a. M. Ers.-Res. Wilhelm Bauscher, Res⸗Inf.⸗Qgt. 116, aus Offenbach a. M. Gefr. d. Res. Gotth. Klein aus Miederscheld.

1

* Ritter des Eisernen Kreuzes: Gefr. Heir. Scherer aus Wetter, Garde-Gren. Regt. Oberleutn. d. R. Jul. Karl Schramm und Leutn. Erich Noll, beide von Dillenburg. Leutn. Wilh. Christ aus Elpenrod, Führer der Maschinengew.-Komp. des Landw.-Inf.-Regts. 116. Stabs⸗ apotheker Weil aus Herborn. Rittmeister Auler aus Bensheim. Rittmeister Jakob Moench jun aus Offenbach. San.⸗Feldw. Köhler aus Offenbach. Feldw. Otto Bokel faus Wetzlar, Res.-Inf.⸗Regt. 234. Offizierstellvertreter Dr. O. Haupt, Kustos der mineralogisch-geologischen Abtei lung des Landesmuseums in Darmstadt. Uffz. Aug. Stein aus Bad⸗Nauheim. Leutn. Otto Stein aus Friedberg, Inf.⸗Regt. 171. Leutn. d. R. im Leibg.-Inf.-Regt. 115 Ernst Arnold, Dipl.⸗Ing. aus Bensheim(I. Kl.). Uffz. Bat.

Nr. 49.

Amtliche herzog hat zum 1. Juni d. J. dem Kreisamtmann bei dem Kreisamt Erbach Dr. Wilhelm Anton Diehl und dem Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gie ßen Karl Hem⸗ merde den Charakter als Regierungsrat erteilt. Durch Entschließung Großh. Ministerisums des Innern wurde der Referendar Reinhard Koch zu Nidda zum Re⸗ gierungsassessor ernannt.

* Gießener Freilichtbühne. Seit Anfang Mai werden fast täglich Anfragen an die Waldbühne gerichtet, wann die diesjährige Spielzeit eröffnet werden solle. Man machte dabei geltend und dies wohl mit Recht daß die Aufführung geeigneter Stücke, rezitatorische und musi kalische Darbiekungen u. dgl. m., gerade im der Jetztzeit, wo man fast nur von blutigest Kämpfen höre und lese, als ein willlommenes Gegengewicht, als eine Art wohltuender Ab- lenkung durchaus angebracht wären. Die erste Veranstaltung soll nun nächsten Sonntag, den 6. Juni(Anfang 4 Uhr) auf der Freilichtbühne stattfinden und ist als Unter⸗ haltungsnachmittag gedacht, wobei in erster Linie dem Ge⸗ schmack unserer Feldgrauen(Verwundeten) Rech⸗ nung getragen werden soll. Diese haben(auf un numerierten Sitzplätzen) freien Zutritt. Die Preise fürgewöhnliche Sterbliche sind aus dem heutigen Inserat ersichtlich. Nach Deckung der Unkosten wird am Ende der Spielzeit ein etwaiger Ueberschuß der K riegsfürsorge überwiesen.

Kreis Alsfeld.

Wettsaasen, 1. Juni. Schwere Opfer hat unsere Ge- meinde bis jetzt im Weltlriege bringen müssen. Jüngst traf hier die Nachricht ein, daß der Wehrmann Meckel den Heldentod in Rußland erlitten hat. Es ist das achte Opfer aus unserem etwas über 300 Einwohner zählenden Orte.*

m R uppertenrod, 2. Juni. Der Unterseebootsmatrose Karl Kratz von hier erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

Hessen-Nassau.

h. Herborn, 2. Junt. Die hiesigen der Herabsetzung der Mehlpreise eine Verbil ligung des Brotes ab. Insolgedessen plant die Stadtverwaltung, die ge⸗ samte Brotversorgung der Einwohnerschaft in eigene Ver waltung zu übernehmen. Im nahen Sinn setzten die Väcker⸗ meister auf Veranlassung der Bürgermeisterei den Brotpreis von 70 Pfennig auf 65 Pfennig herab.

h. Frankfurt a. M., 2. Juni. In der Clisabethenstraße bantierte der Metzgerbursche Franz Rausch mit einer Scha ch t⸗ vistole. Plötzlich entlud sich die Wasse und das Geschoß drang dem jungen Manne in den Unterleib, so daß er sofort tot zu Boden stürzte.

Bäcker lehnten trotz

Lage wie auf innere Einrichtungen denjenigen Frankreichs, Ameri⸗ kas und Spaniens würdig zur Seite. 8 Eine weitere Reihe deutschen Privatbesitzes, der durch den Ausbruch des Krieges in Rom gefährdet ist, ließe sich noch an⸗ führen. Abgesehen von vielen wertvollen privaten Häusern und Villen dort lebender Familien, dem Hause des preußtsch histori⸗ schen Institutes und dem des Deutschen Künstlervereins haben wir in dem Palazzo Zuccari in der Via Sistina eine der schönsten Schenkungen, die das verstorbene Fräulein Hertz samt einer von Prof. Steinmann mustergültig eingerichteten Bibliothek dem deutschen Leben in Rom zuführte. Von Federigs Zuccari in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut, bil⸗ dete er zurzeit des kunstsinnigen Konsuls Bartholdy den Mittel- punkt des deutschen Lebens in Rom. Die Sammlungen des her⸗ vorragenden Mäcens, darunter die berühmten Gemälde der Naza⸗ rener(Cornelius, Overbeck, Veit u. a.) gelangten in die Berliner National-Galerie. Lange Zeit diente der Palazzo deutschen, und nordländischen Künstlern zur Studien- und Wohnstätte, auch Winkelmann schrieb hier seine archäologischen Studien. Später in Verfall geraten, ließ ihn Fräulein Hertz wiederherstellen. Einen schönen Neubau endlich besitzen wir in Rom an der protestantischen Kirche, die vor Ausbruch des Krieges leider nicht mehr ganz be⸗ endigt werden konnte. In ihrem einfachen feierlichen Stile sollte 5 ein lang gefühltes Bedürfnis der protestantischen Deutschen er⸗ üllen, während dem deutsch⸗katholischen Wirken bereits seit alters her die herrliche Kirche S. Maria dell Anima sowie der stille Heine Friedhof am Vatikan mit seiner großen Bibliothek vor⸗ behalten war. Das großartigste Anerbieten jedoch machte die Stadt Rom selbst anläßlich der Cinquantenarfeier allen denjeni⸗ gen Nationen, die sich an der Weltausstellung in der Valle Giulia beteiligten. Sie alle sollten den für ihre Kunstpavillons inne⸗ gehabten Raum als Geschenk behalten unter der Bedingung, dort im Laufe von 5 Jahren je einen Kunstzwecken dienenden Bau auf⸗ zuführen. Man gedachte durch dies kluge Geschenk Rom zu einer einträglichen, internationalen Kunstausstellungsstadt ersten Ranges zu erheben. Während England sogleich einwilligte und heute seinen Ausstellungspalast in der Valle Giulia nahezu beendi

hat, zögerte die deutsche Regierung glücklicherweise, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen.

Tambour Ludwig Jost aus Herchenhain, Brig.⸗Ersatz⸗Bat.

Personalnachrichten. Der Gro ß⸗

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kunsthistorischen

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