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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
07„Giehener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen eit⸗ tragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Uriegsbriefe aus dem Osten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kri⸗ i se egsberichterstatters. (unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Kämpfe südlich W Njemen. u 1 1 are Jurburg, den 26. Mai. erfolgreichen Vormarsch in Kurland suchten die Russen mit starken Kräften gegen unseren Nordflügel zu drücken. Das führte lr der nöpdlichen Seite des Njemen zu den heftigen Kämpfen im Du⸗ viß sa-Abschnitt bei Szawle und Rossienje, bei denen wir in über⸗ raschenden Vorstößen und Ausweichen den Russen sehr starke Ver⸗ luste zufügten, so daß ihre Offensire, die letzten Endes auf die Befreiung Libaus zielte, nicht vorwärts kam, zumal die an sich erheblichen russischen Kräfte die zunehmende Minderwertigkeit des russischen Soldatenmaterials erkennen ließen, da ganz junge Bürsch⸗ gen, die kaum das Gewehr handhaben konnten, sich in großer Meuge unter diesen Truppenteilen befanden. Auf der südlichen Seite des Njemen machte sich schon seit längerer Zeit eine lebhafte Jätigkeit der Russen bemerkbar, die sich zunächst im verstärkten Artilleriefeuer zeigte. Die Orte Marjamrol, Ludwinow, Kal⸗ waria wurden der Reihe nach unter Aufwendung riesiger Muni⸗ tionsmengen beschossen. Da die Belegung der Orte mit Granaten in fast regelmäßiger Folge vor sich ging, konnten deutscherseits rechtzeitig alle Truppen aus den Plätzen entfernt werden, so daß während der Beschießung kaum ein Dutzend Mann deutscher Trup⸗ pen in den Städten, blieb, diese selbst wurden auf das Furchtbarste 1. 8 Angst 10 Fr die Einwohner, denen viele mn ement zum Opfer fie deutschen Stellungen. 15 u Während dieser einleitenden Artilleriekämpfe, in denen wir uns auf gelegentliche Erwiderung beschränkten, fühlten sich stär⸗ kere russische Truppenmassen in den Wäldern westlich von Kowno vor. Es war augenscheinlich das Bestreben der russischen Heeres⸗ leitung, nicht so sehr aus militärischen wie aus politischen Grün⸗ den, an irgend einer Stelle ostvreußischen Boden zu erreichen und etwa über den Neu⸗Luböner Forst über die Grenze zu dringen. Auf unserer Seite hatten an der Memel hinter Schillehnen und in der Gegend von Schirwindt inzwischen Truppenzusammenziehun⸗ gen stattgefunden, Gleichzeitig waren größere Kräfte nördlich von ilkowischki bereitgestellt worden. g Nachdem die Russen bei Wilken und weiter westlich mehrere Niemenbrücken geschlagen hatten, begann ihr Vormarsch in nord⸗ westlicher Richtung. Kavalleriemassen verschleierten den Aufmarsch der deutschen Kräfte hinter Wilkowischki, die den marschierenden Russen allmählich genau in der Flanke standen. Die Aufklärung der russischen Kavallerie versagte völlig; sie meldeten nur das Vorhandensein von stärkeren deutschen Kavallerieabteilungen. Am 17. begannen. unsere Truppen in der Richtung Gryszka⸗ buda, Syntowty, Szaki den Angriff gegen die vordringenden Ruf- sen; der Stoß von Jurburg her wurde gleichzeitig mit dem von Sloboda und Tilwischki geführt, so daß sich die Russen von zwei, fast drei Seiten angegriffen sahen. Die Truppen, die sich in eiligem Rückzug von Syntowty zurückdrängten, trafen mit denen bei Gryskabuda und Szaki angegriffenen und flankierten Teilen zu⸗ sammen, so daß eine regellose Flucht einsetzte. Die Niemenbrücken bei Wilki waren nicht mehr zu erreichen; es blieb keine Wahl, die russischen Korps mußten sich in das enge Walddreieck zwischen der Eisenbahnlinie Pilwiszki— Kowno und dem Njemen zurückretten. In diese Rückzugsstraßen schlugen schon die deutschen Granaten und streuten bald auch Schrapnells, so daß die russischen Verluste außerordentlich blutig waren, wenn auch die Zahl der Gefangenen sich nur auf etwa über 2000 hielt. „„Die schützenden Wälder vor Kowno, in denen die schwere Ar⸗ tillerie von Kowno den Rückzug deckte, geboten schließlich der deut⸗ schen Verfolgung Einhalt, sodaß sich ein Teil der zerrütteten russischen Kräfte wieder nach der Festung retten konnte. 3 deutsche Kavallerie ging inzwischen längs des Niemen in ziemliche Nähe von Kowno bis über Sapieszyszki vor. Alle Stel⸗ lungen, die zu einer Belagerung von Kowno notwendig waren, sind nach dieser kurzen und glänzend abgeschlossenen Aktion in unserer Hand. Die Russen bereiten sich auch nach ihrer Art auf einen etwaigen deutschen Vormarsch vor. Als ich gestern in das Quartier des an dieser Stelle kommandierenden Generals fuhr, einem wunderschönen Schloß, brannten am Horizont meilenweit die Dörfer und ganze, Waldstücke, um den deutschen Truppen die Unterkunftsmöglichkeiten zu nehmen. Bei dem außerordentlich warmen und trockenen Wetter, das hier jetzt schon seit über vier⸗ zehn Tagen herrscht, fangen die Truppen aber schon längst an zu biwakieren, ß die grausamen russischen Maßmahmen nur die eigene schwer leidende Bevölkerung treffen. Rolf Brand, Kriegsberichterstatter.
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vernichtenden Niederlagen in Galizien und unserem d
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 20. Mai 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul-
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S5, Schrist ·
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Aus Stadt und Cand.
Gießen, 29. Mai 1915. 5 Kleinpfingsten.
Weil mit dem Pfingstsest der christliche Festkreis für abgeschlossen galt, wurde der nächstfolgende Sonntag in en ersten Jahrhunderten des Christentums der„leere Sonntag“ genannt. 2 gingen die Gläubigen auch an diesem Tage zur Kirche, der Gottesdienst ging aber doch in einfacheren Formen vor sich, als an anderen Sonn- und Festtagen. In manchen Klöstern von Frankreich und Deutsch⸗ land entstand dann aber im zehnten Jahrhundert der Ge— danke, zu Ehren der heiligen Dreieinigkeit einen besonderen Festtag einzusetzen. Dazu wurde der Sonntag nach Pfingsten ausgewählt. So entstand das Trinitatis fest, das in Deutschland auch den Namen Kleinpfingsten erhielt. Die hohe Geistlichkeit Roms konnte sich zunächst mit diesem Fest nicht befreunden, und noch auf einem Konzil vom Jahre 1179 sprach sich der Papst Alexander III. dahin aus, daß ein besonderes Trinitatisfest nicht notwendig sei. Aber wie es scheint, ist es doch vielerorts erhalten geblieben. Um nun wieder eine Einheitlichkeit herzustellen, wurde dann im vierzehnten Jahrhundert vom Papst Johann XXII. die all- gemeine Einführung des Festes gut geheißen. Indessen in der katholischen Kirche kam es nie zu jener Bedeutung, die es nachher in der evangelischen Kirche erreichte. Das lommt auch darin zum Ausdruck, daß in der katholischen Kirche die Sonntage nach Pfingsten bereits von diesem Feste an gezählt werden, wogegen ihre Zählung in der evange— lischen Kirche erst nach dem Trinitatissest beginnt. Auch in der griechisch-orthodoxen Kirche ist der Sonntag nach dem Pfingstfeste ein hoher Festtag, aber nicht als Fest der hei— ligen Dreieinigleit, sondern als Jahresgedenktag der ver— storbenen Heiligen und Märtyrer. Der Sonntag heißt des— halb dort auch der Allerheiligensonntag.
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Auszeichnung. Dr. Curt Koch, Frauenarzt zu Gießen, Inhaber des Cisernen Kreuzes 2. Klasse, wurde das hessi— sche Sanitätskreuz am Bande der Tapferkeits- medaille verliehen.
Zweite Deutsche Kriegsan leihen Die Aus— gabe der Stücke war im Prospekt für den Monat Mai 1915 vorgesehen. Wie jetzt verlautet, ist es nicht möglich, diesen Termin einzuhalten, weil der Riesenerfolg der Anleihe nicht geahnt wurde. Die Herstellung der Stücke und deren Aushändigung an die einzelnen Zeichnungsstellen dürfte sich daher wohl noch bis in den Juli oder August ds. Is. hin ausziehen. Die Zeichner werden sich gedulden müssen, bis die betreffenden Bekanntmachungen der hiesigen Banken in unserer Zeitung erscheinen werden.
* Dste Familien- Uunterstützungen an die An⸗ gehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen für die Zeit vom 1. bis 15. Juni werden wie folgt gezahlt: Reichs- und Kreisunterstützung an diejenigen, deren Namen beginnen mit A—K Dienstag, den 1. Juni, L—3 Mittwoch, den 2. Juni; Städtische Unterstützung(Mietzuschuß) an diejenigen, deren Namen beginnen mit A- Donners— tag, den 3. Juni, L—3 Freitag, den 4. Juni; an Ver⸗ mieter, die Mietbeträge abholen: Samstag, den 5. Juni. Die Auszahlungen finden vormittags von 8—1 Uhr im Stadthaus, Zimmer Nr. 16, statt. Die Beteiligten wer— den ersucht, sich nach der Einteilung zu richten, damit Störungen bei dem Zahlgeschäft vermieden werden.
* Bücher an die Front. Der Dank des Kriegsministeriums an den„Gesartausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten“ kommt in nachfolgendem Schreiben an dessen Geschäfts— führer zum Ausdruck: großzügiger Weise bisher ausgeübte Tätigkeit auf dem Gebiete der Versorgung der Lazarette und Feldtruppen
mit Lesestoff spricht das Kriegsministerium dem Gesamt⸗
ausschuß seinen verbindlichsten und aufrichtigsten Dank aus mit der Bitte, allen Mitarbeitern an diesem edlen Werke
Aus den Tagen der deutschen Besetzung ö Frankreichs 1870
bringt das Juniheft dar bei der Deutschen Verlags Anstalt in Stuttgart erscheinenden Monatsschrift„Deutsche Revue“ bemerkenswerte Veröffentlichung von Aktenstücken, die durch den Vergleich mit den großen Ereignissen unserer Tage eine besondere Bedeutung erlangen. In einleitenden Bemerkungen weist der Her⸗ ausgeber Karl Alexander v. Müller darauf hin, daß trotz der Ver⸗
schiedenheit der Verhältnisse sich doch inanche Verwandtschaft der] T
Aufgaben und Schwierigkeiten zeige. Auch 1870 galt es, nach den großen Einmarschschlachten im August die Hilfsquellen der be- setzten feindlichen Landesteile für die eigene Kriegsführung nutzbar zu machen und den Einwohnern durch eine geordnete Verwaltung soviel als möglich das Gefühl der Ruhe und Sicherheit wieder ugeben. Es wurden verschiedene Generalgouvernements für die erwaltung der Provinzen eingerichtet, deren Aufgaben die jetzt veröffentlichten Aktenstücke kennzeichnen. Sie zeigen deutlich die ursprüngliche deutsche Absicht weitgehender fürsorglicher Schonung von Land und Volk, und sie zeigen auch, wie die neue Krieg⸗ führung Frankreichs nach Sedan diese Schonung mehr und' mehr erschwerte und die deutsche Verwaltung zu immer härteren Maß⸗ regeln zwang. Nachdem der Krieg einmal in diesen zweiten Ab⸗ schnitt getreten war, war Bismarck für unerbittliche Strenge und rücksichtsloses Durchgreifen auf allen Gebieten. Trotzdem blieb aber die deutsche Verwaltung mit Bewußtsein billig und mild; das eht besonders aus einem Schlußbericht des Zivilkommissärs Graf Tauffkirchen, der an der Spitze der e im Reimser Generalgouvernement stand, an König Ludwig II. von Bayern hervor, in dem festgestellt wird, daß der nationale Wohlstand der besetzten Gebiete, von den eigenen französischen Verwüstungen rund um Paris abgesehen, noch nicht berührt sei und daß sich das Land nach Eintritt des Friedens in nicht langer Zeit erholen werde. Unter den Aktenstücken erregen besonders einige von Bis⸗ marck herrührende Interesse, weil sie seine Auffassung in diesen 3 5 erkennen lassen. So ließ er durch den Legationsrat Graf eudell dem Grafen Taufflirchen am 17. Oktober mitteilen, daß ein Stillstand der französischen Gerichte in der jetzigen Lage durch⸗ aus nicht unerwünscht erscheine und deshalb in Bezug auf die Ein⸗
. gangsformel„au nom de l'Empereur“ keine Konzessionen zu
ma wären; die Intexessen der Deutschen seien durch die Kriegs-
gerichte auch gegen die Franzosen geschützt, und wenn die franzö⸗
sischen Gerichte bei Streitigkeiten unter Franzosen nicht einschreiten
könnten, so würde dieser Zustand in der Bevölkerung den Wunsch ach Beendigung des
eine sehrs fr
3 1 und das brauchen wir, die
müßten sich regen und die Machthaber zum Frieden drängen.
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In einem zweiten Aktenstück von Bismarck selbst an den General- gouverneur Graf von Bismarck-Bohlen in Straßburg heißt es: „Versailles, den 8. November 1870. Euer pp. erwidere ich auf den gefälligen Bericht vom 2. d. M., betreffend die Form der Rechtsprechung, daß ich mich mit der Formel au nom du peuple⸗ ancais oder de la nation francaise nicht einverstanden erklären kann, weil in derselben Aussicht auf die Fortdauer der Zugehörig⸗ keit des Elsaß zu Frankreich gefunden werden würde, während wir das Interesse haben, die Bewohner des Elsaß und das französische Volk an die Vorstellung zu gewöhnen, daß die faktisch eingetretene rennung eine unwiderrufliche sei. Wenn die Gerichtsbehörden sich nicht zur Annahme der Formel au nom de loi verstehen wollen; so wird es bei dem Institium verbleiben müssen, dessen Nachteile übrigens helfen werden, den Frieden wünschenswert zu machen. Den Ersten Präsidenten des Appellhoses in Kolmar und den General- prokurator, welche die Untergerichte angewiesen haben, die Rechts⸗ pflege im Namen der französischen Republik auszuüben, bitte ich aus dem Bereiche des Generalgouvernements auszuweisen. (gez.) v. Bismarck.“
In einem zweiten Schriftstück an den Generalgouverneur von Bonin in Nanzig vom 10. November wendet sich Bismarck gegen die Bedenken, in den französischen Staatsforsten über die franzö⸗ sischen Wirtschafts⸗ und Hauungspläne hinauszugehen.„Es unter⸗ liegt keinem Zweifel, daß wir nach Völkerrecht und Kriegsgebrauch keine Verpflichtung haben, die Staatsforsten nach den Betriebs- plänen des Feindes oder überhaupt wirtschaftlich zu benutzen, viel⸗ mehr das Recht, die Forsten wie alles andere Staatseigentum der Befriedigung unserer Bedürfnisse dienstbar zu machen, selbst bis zur völligen Vernichtung oder Veräußerung der Eigentumsobjekte. Der große Aufwand, den der Krieg uns verursacht, neben dem ge⸗ ringen Ertrage, den die okkupierten Landesteile bis jetzt liefern, macht es uns zur Pflicht, von jenem Recht einen ausgiebigen Ge- brauch auch in betreff der Forsten zu machen. Euer pp. ersuche ich daher ergebenst, jede Gelegenheit zur Versilberung des Holzes zu den unter den obwaltenden Umständen zu erwartenden Preisen zu benutzen und dergleichen Gelegenheiten aufsuchen zu lassen und der Abfuhr und Flößung der veräußerten Hölzer nach Möglichkeit Vor⸗ schub zu leisten.(gez.) v. Bismarck.“
In einem dritten Schriftstück beschäftigt sich Bismarck auch mit der Frage der Franktireurs, über die er an den Generalgouverneur von Rosenberg⸗Gruszeynski am 22. November aus Versailles schreibt:„Endlich erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, daß in dem Generalgouvernement Lothringen eine Einrichtung ge— troffen ist, welche sich gegen das Unwesen der Franktireurs gut be— währt hat. Es werden Präsenzlisten über die waffenfähige mäun⸗ liche Bevölkerung geführt und für jeden von seinem Wohnsitz Ab—
„Für die in so hochherziger und
wesenden eine Geldstrafe von 50 Franken aus seinem Vermögen
diesen Dank im Namen der Heeresverwaltung übermitteln zu wollen.“
Unseren Kriegern— mitten im fremden Land und in Kampfpausen oder in abwartender Stellung nichts weiter vor Augen als immer wieder die furchtbaren Bilder des Krieges— sollen unsere Bücher in jeder Beziehung die so nötige Ablenkung, Unterhaltung, Erholung und Er- 8 bieten. Trotz der bisher geleisteten Arbeit(über 2½ Millionen Bücher und ungezählte Mengen Zeitschriften, Broschüren und Hefte wurden ihren Zwecken zugeführt!) bleibt noch viel zu tun; in Belgien sollen dank des Entgegenkommens der obersten Behörde alle Stellen von Grund aus und restlos, gleichmäßig und ausreichend mit Büchern versehen werden; an die in den Dardanellen kämpfenden Deutschen soll Lesestoff abgehen; die nach Ita⸗ lien kommandierten Truppen sollen ausreichend mit unseren Liebesgaben versehen und unsere in Feindesland befindlichen gefangenen Deutschen müssen noch versorgt werden. Große Mittel sind dazu nötig, anderseits sind gute neue Bücher in Mengen zu sehr vorteilhaften Vor⸗ zugsbedingungen vom Buchhandel angeboten. Darum bittet der Gesamtausschuß(Geschäftsstelle: Berlin NW. 7, Reichs⸗ tagsgebäude, Zwischengeschoß Nr. 8) herzlichst, ihn auch bei der Durchführung dieser großen Aufgaben, die gleichzeitig der Verbreitung und Vertiefung deutscher Kultur dienen, in recht reichem Maße mit Geldgaben unterstützen zu wollen. N
» Anlagemusik. Am Sonntag vorm. 11 ¼ Uhr findet am Landgraf-Philipp-latz Konzert, ansgesührt von der Kapelle des Landsturm-Jufanterie-Ersatz-Bats. Gießen, statt. Die Sprel⸗ solge verzeichnet: Choral: Lobe den Herrn; Ouvertüre zur Oper „Des Teufels Anteil“, von Auber; Paraphrase über das Lied: „Ein Vöglein sang im Lindenbaum“, von Eberle; Frühlingsgruß, Walzer, von Depret; Soldatesta 1870-71, Marsch-Potpourri von Seidenglanz; Barataria-Marsch aus der Operette„Die Gondeliere“, von Sullivan-Komzak.— Ferner findet am Nachmittag von 4 bis 6 Uhr im Garten des Kausmännischen Vereinshauses Frei- konzert für verwundete Soldaten statt.
Landkreis Gießen. — Grünberg, 27. Mai. Wiederum hat der Krieg ein Opfer aus unserem Städtchen gefordert. Gefr. d. R Engelhard Weber von der Marine⸗Infanterie, der bei den Kämpfen iw Flandern durch einen Schrapnellschuß schwer verwundet wurde, erlag am 24. Mai seinen Wunden im Lazarett zu Unna in West⸗ falen. Unter Begleitung von Musik⸗, Krieger- und Gesangverein, sowie eines großen Trauergefolges wurde er in der Heimat be⸗ erdigt. Sechs Mann vom Landsturm⸗Ersatz⸗Bataillon Gießen er⸗ wiesen ihm die letzten militärischen Ehren. Weber ist der zweite Gefallene aus unserer Stadt, dem es vergönnt ist, in heimatlicher Erde zu ruhen. Der erste war Polizeidiener Semler, der, als Landsturm⸗Unteroffizier auf dem östlichen Kriegsschauplatze ver⸗ wundet, im Lazarett zu Kiel starb und ebenfalls hier beerdigt wurde. Die Gräber beider Gefallenen sind auf Beschluß der Fried⸗ hofskommission an einen besonderen Platz des Friedhofes gelegt, an dem nur Gefallene aus dem jetzigen Kriege ihre letzte Ruhe⸗ stätte finden sollen, deren Ueberführung in die Heimat möglich ist. — Gerichtsschreiber⸗Aspirant Karl Heutzenröder, der den Feldzug beim Landwehr⸗Inf.⸗Regt. 116 mitmacht, wurde zum Leutnant befördert.
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Für Rheumatiker u. Neuralgieleidende- In einem Tage von N entsetzlichen Schmerzen efreit.
Herr Josef Wilhelm, München, schreibt:„Seit 2 Monaten litt ich derart an Ischias, daß ich nicht gehen und nicht stehen, und das Bett nicht verlassen konnte. Ich hätte ausschreien mögen vor Schmerzen. Kein Mensch glaubt, was ich gelitten habe. Nichts balf mir. Da brachte mir meine Frau aus der Apotheke Togal mit. Die Wirkung war geradezu wunderbar. Nachdem ich nur wenige Tabletten genommen hatte, war ich vollkommen wieder bergestellt. Ich gebe daber jedem Leidenden den Rat, sich sosort aus der nächsten Apotheke das überaus billige und unsehlbar wirkende Togal zu besorgen. Niemand wird diese Ausgabe be⸗ dauern.“ Aehnlich berichten viele andere, welche Togal gegen Rheumatismus, Hexenschuß, Schmerzen in den Gliedern und Ge⸗ lenken sowie bei Influenza und Kopfschmerzen gebrauchten. Es gibt nicht besseres. Alle Apotheken führen Togal-Tabletten. Best.: Aeld. ncet. salie. Chinin Me Li. 385088
subsidiarisch von der Gemeinde eingezogen.“ *
— Entdecktes und wieder verschollenes 8 Peary, der bekannte Entdecker des Nordpoles, hatte auf ein seiner Expeditionen im Jahre 1906 von Kap Thomas Hübbard aus in nordwestlicher Richtung gebirgiges Land gesehen und es auf der Karte in einer Entfernung von 130 Meilen von Rap Thomas Hübbard als Crockerland eingezeichnet. Um dieses neuentdeckte Land näher kennen zu lernen, haben nun im vergangenen Jahre die Amerikaner eine Expedition unter Donald B. Mac Millan aus⸗ gerüstet, die im März von Grönland aufbrach und über das Polar⸗ eis landeinwärts vorstieß. Die Expedition legte unter großen Schwierigkeiten und Gefahren 125 Meilen zurück, aber das Crocker⸗ land wurde, wenigstens an der Stelle, die Peary bezeichnet hatte, nicht wiedergefunden. Möglicherweise deruht die Entdeckung Pearys auf einer Sinnestäuschung. Auch den Teilnehmern der Crocker⸗ land⸗Expedition erschien es zwei Tage lang, als ob sie gebirgiges Land in der Ferne vor sich hätten. Die Expedition, die, wie das Bulletin der Amerik. Geograph. Gesellschaft weiter mitteilt, 2 Mo⸗ nate dauerte, verlor die meisten ihrer Hunde. Einen Tag nach der Rückkehr an den Ausgangspunkt brach das Eis auf. Wäre dies auch nur einen Tag früher geschehen, so wäre die Expedition verloren gewesen. Im übrigen ist es in der Geschichte der Polarforschung kein allzu seltenes Ereignis, daß neuentdeckte Länder nicht wieder gefunden werden können, da sie nicht existieren.
— Die stärkste Radiumquelle der Welt. Seit kurzer Zeit ich Deutschland und speziell das Königreich Sachsen um eine Heilquelle reicht, die den Anspruch darauf erhebt, die stärkste Radiumquelle der Welt zu sein. Es ist dies die Wettinquelle des in der sächsischen Kreishauptmannschaft Zwickau gelegenen Bades Brambach. Nach Analysen des Wiesbadener Institutes von H. Fresenius stellte sich ihre Emanation auf 2230 Mache⸗ Einheiten, d. h. sie ist 3 mal so stark wie die bisher als stärkste bekannte Quelle, die Wernerlaufquelle zu Ipachimsthal in Böhmen. Erst am 27. Januar 1911 erbohrt, hat sie sich, wie Prof. Dr. E. Roth in der Zeitschrift für physikalische und diätetische Therapie schreibt, rasch Eingang in die Therapie verschafft. Die Wettinquelle ist ein alkalisch⸗salinischer Eisen⸗Säuerling von schwach
ozaleszierendem Aussehen und weichem prickelnden eisen haltigen 3
Geschmack. Die Wirksamkeit der Quelle erstreckt sich auf Leiden wie chronische Gelenkentzündungen und Gicht. Auch gegen andere Krankheiten, wie die aus Erschöpfungszuständen hervorgehenden⸗ hofft man sie mit Erfolg verwenden zu können.
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