Zweites Blatt 15
g Cischs ian löglich mit Ausnahme des Sonntags.
*
Dio Slehener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschastlichen deit⸗ fragen“
erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
der erste Seekampf in der Adria.
W ien, 25. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Bei der Flotten⸗ aktion warf eim österreichischer Flieger vierzehn Bomben bei Venedig. Im Arsenal entstand ein Brand. Ein Zerstörer N Ber Porto-Corsini entstand ein. heftiger Kampf, an dem der Zerstörer„Scharfschütze“, der
wurde stark beschädigt.
General⸗Anzeiger für Gberhessen
entzündete Begeisterung abflauen lönnte, das beweist ein königliches Dekret, wonach jede nichtamtliche Veröffent— lichung über die Zahl der Verwundeten und Toten, über Veränderungen in hohen Kommandostellen von Heer und Marine verboten ist und die Präfekten ermächtigt, sind, jede Druckschrift zu beschlagnahmen, die geeignet erscheint, die Stimmung herabzudrücken oder das Verkrauen in die Staatsbehörden zu erschüttern. f
Kreuzer„Novara“ und ein Torpedoboot beteiligt waren. Die 8
Verluste des„Novara“ betrugen: vier Mann tot, acht Mann ver— wundet. Die Verluste der Italiener sind zehn- bis zwanzigmal
schwerer. Ancona wurde von dem Gros der Flotte beschossen.
Bedeutende Zerstörungen wurden angerichtet, zwer Dampfer ver— senkt, der Neubau auf der Werft demoliert. Bei Barletta wurde der itaienische Zerstörer„Turbine“ lahmgeschossen und ergab sich; 35 Mann der Besatzung, darunter der Kommandant
und die Offiziere, wurden gefangen genommen.
Italien, das war ein schlechter An und scheinheilig wie die italienische Kr auch die italieni wollen. Man Wiener Amtsbericht über den prächti Oesterreichs mit der hanebüchenen Verf
sche Kriegsberichterstattung werden
nische Agentur,
aus militäri schen Effekt“ zu erzielen. Als ob militäri gen im Kriege je ein anderes
Venedig, Porto Corsini, An anderen Nachrichten über unbegründet“. Unterschlag österreichischen Panzerkre die Zerstörungen, die S. Sinareafluß, die S. M. S.„Zriny“ „Radetzky“ am Potenza, dann in miti und Torre di Milato anrichteten. Der richt spricht von„einigen Kanonenschüssen“, „wirklich auf unsere adriatische Küste abgegeben“ erbärmlicher Vertuschungsversuch! Der Wiener ruhig die ö 5 A ö stellt a mit stolzer Siegesfreude fest, daf des Feindes etwa zehn⸗ n 5 a 57 geheuren Schaden melden, den ihre Flotte angerichtet, reden die Italiener von den“. Wir können angesi und Fe end— etrost au rt glauben, ebenso, die italieni K Luftf iffe bei diesen ersten Seeg 22 25 3 beerblatt gepflückt haben. 1 E war also kein Meisterstück, Oktawio, diese Abwehr des schneidigen Ansturms der Hesterreicher, und es läßt sich aus dem beiderseitigen Verhalten bereits manches für die Zukunft schließen. Manches ungünstige für Italien. Die Pariser Presse übt ja schon einige Kritik an dem neuen, Bundesgenossen.„Bei raschem Tempo hätten sich die Stö⸗ 5 rungen des italienischen Aufmarsches im Etschtale und bei
chts der übrigen italienischen Lügen
a Ancona verhindern lassen“, so mäkelt die französische Fach⸗
kritik Auch eine wenig freundliche Voraussage von eng⸗ lischer Seite ist bereits vorhanden. Der Marineschriftsteller Fred Jane hat es den Italienern ins Stammbuch geschrie— ben:„Lissu beendete den letzten Seekrieg der italienischen Flotte, und ein anderes Lissa wird wahrscheinlich ihren nächsten beschließen“. Bei solch schlechter Meinung im Lager der eigenen Freunde ist es wahrlich ein geringer Trost, wenn die italienische Heeresleitung aus Paris Lobspenden erhält, weil Cadorna,„von Joffres Beispiel beeinflußt, den Feld⸗ zug ohne eine blendende Bravourtat eröffnete und sogar der . voll(ape widerstand, den Ruhm des Schlachtortes Ri⸗ voli leonischen Andenkens) durch eine italienische Waffentat zu erneuern“. Es gibt doch noch unfreiwilligen Jumor, auch im traurigsten aller Kriege! Wie groß die Besorgnis der italienischen Regierung ist, daß durch un⸗ günstige Nachrichten gleich bei Kriegsbeginn die künstlich
fang! Ebenso verlogen iegserklärung scheint 0 zu vergleiche nur den ehrlichen und gründlichen gen Flottenangriff 0 ö han chleierungsnotiz, den die„Agenzia Stefani“ in die Welt setzen mußte. Die italie— statt den gegnerischen Erfolg ruhig einzu⸗ gestehen, behauptet, die österreichische Offensive sei weniger
schen Rücksichten erfolgt, als um einen„morali⸗ 6 sche Unternehmun— 5 eir Ziel hätten als die moralische Wirkung! Der römische Bericht gibt nur zu: Angriffe auf cona, Barletta und Jesi.„Alle Operationen in dieser Nacht sind en werden also die Angriffe des uzers„St. Georg“ auf Rimini, M. S.„Admiral Spaun“ am in Senegallia, S. M. S. Campo Marino, bei Tre⸗ italienische Be— die der Feind habe. Ein er Bericht gibt Schäden bekannt, die die österreichische Flotte engen Kanal von Porto Corsini erlitten, aber er die Verluste ö zwanzigmal schwerer sind. Genau das Gegenteil verkünden die gegnerischen Be⸗ te über Ancona. Während die Oesterreicher einen un⸗
„nur leicht auszubessernden Schä⸗ auch hier den Wiener Nachrichten ten kein einziges Lor⸗
Wien, 25. Mai.(WTB Nichtamtlich.) Bericht über die Flottenaktion am Mor hat folgenden Wortlaut:
Heute vor Sonnenaufgang, also genau zwölf Stunden nach der Kriegserklärung von seiten Italiens, führte die K. K Flotte gleichzeitig eine Reihe erfolgreicher Aktionen an der O st⸗ küste Italiens von Venedig bis Barletta aus. In Ve⸗ nedig warf ein Marineflieger 14 Bomben ab, erzeugte im Ar- senal einen Brand, beschädigte einen Zerstörer stark, bewarf den Bahnhof, die Oelbehälter und die Hangars am Lido. In den sehr engen Kanal von Porto Corsini war der Zerstörer„Scharf⸗ schütze“ eingedrungen, bis er sich plöplich unmittelbar neben einem voll besetzten Schübengraben sah. Von der völlig überraschten Be satzung wurde ein großer Teil niedergeschossen, worauf jedoch drei ganz versteckte Strandbatterien ein heftiges Feuer aus zirka 12 Zentimeter⸗Geschüßen auf den vor der Kanalmündung liegenden Kreuzer„Novara“ und das Torpedoboot„Achtzig“ eröffneten. Lebteres erhielt einen Treffer in die Offiziersmesse, wobei ein Mann schwer verletzt und das Boot leck wurde. Die„Novara“ führte das Feuergefecht fort, um dem Zerstörer und dem Torpedobood aus ihrer mißlichen Lage herauszuhelfen, bestrich mit ihren Ge⸗ schützen den Schützengraben und demolierte die Kaserne, erhielt aber viele Treffer. Der Linienschiffsleutnant Persich und vier Mann. sind tot, vier Mann schwer und mehrere leicht verwundet, aber die Verluste des Feindes sind vielleicht zehn⸗ bis zwanzigmal schwerer.„Scharfschütze“ kam vollkommen un⸗ versehrt davon, Torpedoboot„80“ fuhr mit einem Leck⸗ tuch nach Pola. In Rimini wurden vom Panzerkreuzer„Kt. Georg“ der Bahnhof und die Brücke beschossen. In Senigal⸗ lia wurden von S. M. S.„Zrinvi die Eifendahnbrücke“, der Wasserturm, die Hafenanlage, das Stationsgebäude und ein Zug demoliert. In Ancona wurden vom Gros der Flotte die alten Befestigungen der Artillerie- und Kavallerielager, die Werften, die elektrische Zentrale, Bahnhof, Gasometer, Petroleumdepot, Semaphor und Radiostation beschossen. Durch abirrende Geschosse und Brände ist ungeheurer Schaden angerichtet wor⸗ den. Zwei Dampfer wurden im Hafen versenkt; ein auf der ft neugebauter Dampfer, der schon für den Stapellauf fast klar war, wurde demoliert. Widerstand wurde nur von einer leichten Batterie und einigen Maschinengewehren gegen zwei Zerstörer geleistet. In dem einzigen modernen Fort „Alfredo Savio“ stand zwar bei Beginn der Beschießung die Besatzung an den Geschützen, aber zwei im richtigen Augen⸗ blick erscheinende Flieger vertrieben sie mit Maschinengewehrseuer so gründlich, daß sie nicht wieder zurückkehrten. Diese Flieger und ein dritter bewarfen auch die Ballonhalle in Chiaravalle landeinwärts und mehrere militärische Objekte mit 30 Bomben. Das Luftschiff„Gitta di Ferrara“ warf mehrere Bom⸗ ben glos gegen die„Zrinyi“ und versuchte die abziehende Flotte anzugreifen, ö 8 ger herbeiflogen, die übrigens alle Bomben schon verworfen hatten. Dasselbe, oder ein anderes Luftschiff war schon eine halbe Stunde nach Mitternacht von der Flotte auf halbem Wege Pola⸗ Ancona im Gegenkurse gesichtet worden und war zweifellos auf dem Wege nach Pola. Als aber drei es begleitende Fahrzeuge vor dem Geschützseuer entflohen, kehrte das Luftschiff auch gleich um und verschwand gegen Nordwest, ohne, wie es scheint, die Flotte selbst gesehen zu haben. Die Eisenbahnbrücke über den Potenzafluß wurde von dem Schiff„Radetzky“ beschossen und beschädigt. Das Schiff„Admiral Spaun“ mit vier Zer⸗ störern beschoß die Eisenbahnbrücke über den Sinarcafluß, die Eifenbahnstation, Lokomotiven, Pumpenhaus usw. in Campo Marins ind demolierte den Semaphor von Tremili, beschädigte den von Torre di Mileto. Das Schiff„Helgoland“ mit drei Zer⸗ störern beschoß Viesti und Manfredonia und stieß bei Bar⸗ letta auf zwei italienische Zerstörer, die es sofort unter Feuer nahm und verfolgte. Der eine entkam, der zweite,„Turbine“, wurde von unseren Zerstörern„Csepel“ und„Tatra“ gegen Pela⸗ gosa abgedrängt und durch einen Granattreffer in die Maschine und in einen Kessel lahmgeschossen; er blieb gestoppt, brennend und sinkend, liegen. Er ergab sich.„Csepel“,„Tatra“ und „Lika“ retteten 35 Mann der Besatzung, darunter den Komman⸗
„und nahmen sie gefangen. Das Rettungswerk wurde von zwei von Nordost bis auf 9000 Meter herangekommene Schlacht⸗ schiffe vom Typ„Vittorio Emanuele“ und einem Hilfskreuzer gestört. Im darauffolgenden Fenergefecht erhielt nur„Cse⸗ pel“ einen unbedeutenden Treffer, wobei ein Mann schwer und zwei Mann leicht verwundet wurden. Das Feuer wurde von „Helgoland“ und den Zerstörern anscheinend mit gutem Erfolg er
Der telegraphische gen des 24. Mai
suchte aber fchleunigst das Weite, als zwei Flie⸗ und Erklä
mittwoch, 26. mal 10
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei— R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrift
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
waren unsere Schiffe außer Schußdistanz. Außer den angegebenen hatte die K. u. K. Flotte keinerlei Verluste.
Die italienische Darstellung. 0 85
Berlin, 25. Mai. letr. Blu.) Der italienische Bericht über
die Operationen der österreichisch-ungarischen Flotte zeigt einige 1 geistige Verwandtschaft mit den Meldungen der jetzigen Ver⸗. bündeten Italiens. Nach einem Telegramm des„Berl. Tagebl. aus Chiasso lautet diese erste amtliche Kriegsnachricht der„Agen⸗ zig Stefani“: Es war erwartet worden, daß sofort nach Kriegs⸗ erklärung eine Offensive gegen unsere adriatische Küste erfolgen würde, weniger aus militärischen Rücksichten, als um einen mo⸗ ralischen Effekt zu erzielen. Aber man hatte bereits vorge⸗ sorgt, ihr zu begegnen und sie nur kurz dauern zu lassen. Wirk⸗ lich haben einige kleine Einheiten, hauptsächlich Torpedojäg, und Torpedoboote, zwischen 4 und 6 Uhr am Morgen des 24. Mai einige Kanonenschüsse auf unsere adriatische Küste abgegeben. Auch Flugzeuge haben versucht, das Arsenal von Vene⸗ dig anzugreifen. Die feindlichen Schiffe wurden nach kurzer Be⸗ schießung von unserer Torpedoflottille gezwungen, sich zu entfernen. Flugzeuge wurden von unseren Abwehrkanonen beschossen, ser⸗
ner von Gewehrfeuer angegriffen und von einem über die 77 fliegenden Luftschiff. Die angegriffenen Ortschaften sind Porto Corsini, das sofort antwortete und den Feind zwang, sich sofort zu entfernen, Ancona, wo der Angriff hauptsächlich den Zweck hatte die Bahnlinie zu unterbrechen und wo nur leicht auszubessernder Schaden angerichtet wurde, und endlich Barletta, wo der Angri von einem Aufklärungsboot erfolgte, das durch ein Schiff in Be⸗ gleitung eines Unterseebootes in die Flucht gejagt wurde. In Jef warsen Flieger Bomben auf einen Hangar, aber ohne ihren Zweck zu erreichen. Alle anderen Nachrichten über Operationen in dieser Nacht sind unbegründet. ˖ 1 Der Korrespondent meldet privat aus Barletta: Gestern morgen erschienen einige feindliche Schiffe vor Barletta, die mit wenigen Schüssen die Station, das Schloß und das Naphtha lager beschossen, aber wenig Schaden verursachten. Die feindlichen Schiffe wurden darauf von unseren Schiffen verfolgt. 10 Basel, 25 Mai.(WTB. Nichtamtlich) Dem„Fiornale
d Italia“ zufolge hat die Beschießung Anconas nicht unbeträcht⸗ a lichen Schaden angerichtet. Die Eisefbahnstation ist teilweise zer⸗ stört worden. Bei dem Maschinendepot ist ein Pfeiler eingedrückt worden. Fünf Lokomotiven wurden vernichtet. In der Stadt ist der Schaden noch beträchtlicher, da sie von mehreren Seiten beschossen worden ist. Ein fahrender Zug wurde ebenfalls getroffen. Der„Corriera della Sera“ hebt in einem Kommentar z der ersten Aktion in der Adria hervor, daß die erste Aufgabe der italienischen Marine eine unvergleichlich schwierige war, indem Italien an der Küste noch ungünstiger stehe als an der Grenze.
* 7
1
Kriegsbriefe aus dem Osten. 4 „ unmsereß zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter In Libau.. Libau, den 9. Mai 1915. Der erste Offizier machte sich klar, um an Land zu gehen. Ver⸗ abschiedung vom Kommandanten, der mir in diesen Tagen auf der Flotte so freundlich und bereitwilligst 1 f Unterstützung ärung zuteil werden lassen. Die Pinasse ging längs⸗ seits, wieder die kurze Turnübung an der Jakohsleiter herunter Wir fuhren auf den mittleren Hafeneingang zu. Man konnte durch das minenverseuchte Hafenwasser in Sicherheit die Einfahrt zum Kaiser Alexander-Kanal gewinnen und den langen Kaual, der sich 1 durch die ganze Stadt zieht, entlang fahren, bis zur Stadtbrücke. In den langgestreckten Kais des Kanals lagen noch große neu⸗ trale Dampfer, meist waren es Schweden und Norweger, ein paar Dänen darunter. Die Fahnen flatterten in dem 5 5 aufkommen⸗ den Wind überall vom Heck. Ein paar große Russen lagen auch noch dort, sie hatten schon deutsche Wachen an Bord Hocherfreut stellte der Kapitän auch ein paar kleinere russische Dampfer fest, die sich ausgezeichnet für Transportzwecke als Leichter verwend t ließen. Ein großer, mächtiger alter Kasten war durch das au weißem Grund aufgemalte rote Kreuz als russisches Hospitalschiff gekennzeichnet. N ö 1. An der Stadtbrücke landeten wir. Eine große Menschenmeng sah sich neugierig die Pinasse an, wie so die Bevölkerung einer Großstadt eben fremde Marineoffiziere neugierig betrachtet, di an Land gehen. Wir fragten nach dem„Petersburger Hof“, wo der Stab der Landtruppen lag. Der Kapitän hatte dort Besprech ungen, die sich auf gemeinsame Arbeit mit der Landarmee bezogen. Man gab bereitwilligst Auskunft.„Aber nehmen Sie doch ein Kibitka: Herr Kapitän,“ sagte ein älterer Herr zu dem Offizi und dann verstauten wir uns in die schmalen Droschken. Die ru sischen Kutscher prügelten unbarmherzig auf die Pferde, und in ku zem Hundegalopp ging es durch die Hauptstraße nach dem Hot Es war wirklich kaum zu merken, daß Libau soeben in deutsche Hände übergegangen war, daß gestern die schweren Schiffsge schütze stundenlang im Norden und Süden der Stadt gef
5 e
Aus den münchener Theatern. Ein neuer Einakter von Ludwig Thoma.
Aus München wird uns geschrieben: Im Rahmen einer vom Schutzverband deutscher Schriftsteller veranstalteten Wohl⸗ tätigkeitsvorstellung im Hofthgater erlebte Einakter von Ludwig Thoma seine Uraufführung. Er nennt sich„Christ⸗ nacht und hat als Schauplatz einen deutschen Schützengraben in Frankreich. Zwei ländliche Landwehrleute halten in freien Versen
mit mehr oder weniger guten Reimen Zwiesprache in ihrem hei⸗ matlichen Idiom. Christnachterinnerungen erfüllen die Gespräche unterm Sternenhimmel, und die Heimat mit ihrem lieben Drum und Dran ersteht vor den Augen der Landwehrmänner. Zu den CCC und eine„ e 7 lige Nacht“ i ie ützen⸗ graben-Episode. Selbst für eine Gelegenheitsarbeit war der neue Thoma zu stoff⸗ und humorlos.* Im Verlaufe des Gastspieles Kayßler⸗Fehdmer im Schauspielhaus kam auch das vom Residenztheater befannte Auordische Schicksalsstück„Berg⸗Eywind und sein Weib“
von Sigurjonsson zu einer erfolgreichen g., Mit kräfti⸗ ger Natürlichkeit auf der einen und weichen Leidenstönen auf der anderen Seite zeichneten die Gäste das voll Schuldbewußtsein in die Berge fliehende Paar. Ein besonderes Geschenk wurde der im⸗ mer wachsenden Münchener Strindberg Gemeinde liner Künstler spielten den ersten Teil der Trilogie„Nach Da⸗ maskus“ Eine dankenswerte Tat für alle, die durch den Zyklus in den Kammerspielen dem so ganz auf 5 gestellten aufwühlenden Dramatiker näher getreten sind. Im Vergleich zu den früheren Versuchen des Schauspielhauses bedeutet die Aufführung des ge⸗ JJV sic im wesentlichen au„die — des Unbelannten in den 14 Bildern der Autobiographie in rt und Gebärde in ihrer tiefen Tragik zu vermitteln. Frau Fekdmer begleitete den Unbekannten auf seinem Wege nach Da⸗ skus mit N 1 45— eee 8. sammengesebte! ikum Schauspi ses folgte in seinem Teile mit starkem Interesse den wechselvollen Bildern. ngen jenigen, die immer noch vermeimen, sich einem
1
zuteil: die Ber- denn auch
den anhaltenden Beifall am Schlusse erstickt. 5
Die Kammerspiele hatten es sich angelegen sein lassen, Ernst v. Wolzogen zu seinem 60. Geburtstage mit einer milieuechten Aufführung seiner Bohsme⸗Tragikomödie„Lum⸗ pengesindel“ nachträglich zu ehren. Die launige, zur Senti⸗ mentalität neigende Schriftsteller⸗Ehegeschichte fand herzliche Auf⸗ nahme.
*
— Wieder einmal das deutsche Muster in Eng⸗ land! Kürzlich hat sich in London eine Gesellschaft gebildet, die sich unter dem Namen„Design and Industries Association“ die Aufgabe gestellt hat, Fabrikanten, Kunstgewerbler und Käufer miteinander in Verbindung zu setzen und ein dauerndes Zu⸗ sammenwirken dieser drei Faktoren zu ermöglichen. Das Inte⸗ ressante daran ist, daß der Gedanke zugestandenermaßen auf das deutsche Vorbild zurückgeht. Vor einiger Zeit hat in der eng⸗ lischen Hauptstadt eine Ausstellung von modernen deutschen In⸗ dustrie⸗Erzeugnissen stattgefunden, die in England offenbar Ein⸗ druck gemacht hat: hat sich doch selbst britische Beschränktheit der Einsicht nicht verschließen können, daß in Deutschland das innige, sich ergünzende Zusammenwirken von Kunst und Handwerk zu sehr günstigen Ergebnissen geführt habe. Die„Times“ gesteht ein, das moderne Kunstgewerbe sei zwar in England geboren, aber in Deutschland in die Praxis umgesetzt worden; eng⸗ lische Werkkunst habe jenseits des Kanals weit mehr befruchtend gewirkt, als in Großbritannien selbst. Den Grund sieht die„Times darin, daß das deutsche Kunsthandwerk geistig in der Lage gewesen sei, die neuen Anregungen zu verwerten, die englische Industrie aber sei dazu nicht imstande gewesen. Die Verhältnissie lagen nämlich bisher in England so, daß sich der Künstler vielfach für zu vornehm hielt, dauernde Beziehungen mit den heimischen Werkstätten zu unterhalten, die ihrerseits fähig waren, seinen Ideen zu folgen. Umgekehrt war der Fabrikant der Ansicht, daß der Künstler ihm nur dazwischenreden wolle, und in der Tat hatte er damit nicht unrecht, denn bis jetzt war es den englischen Zeich⸗ nern nicht gelungen, praktisch brauchbare und zugleich gefällige Vorlagen zum Gebrauch der heimischen Industrie herzustellen.
Strindberg gegenüber abwartend verhalten zu müssen, wurde durch!
ge⸗
angelegen sein lassen, N deutschem Muster miteinander in
E. Ver
du Point d Argentan“(französisch);
England bekannte und beliebte Opern
Butterfly“ gewählt. Die englischen Zeitungen begrüßen das nehmen besonder? auch deshalb, weil dadurch 400 Künstlern, die sonst ohne Beschäftigung sein würden, eine Anstellung
boten wird, Tamit auch die Japaner nicht zu kurz kommen, wird die japanische nna Tamak⸗Miura Sondervorstel lungen von„Madame Butterfly“ veranstalten. Unter den herei gewonnenen Künstlern, deren Namen im allgemeinen unbekannt sind, wird ein neuer englischer
Senor Forte, ein spanif 7 Sopran, Miß Sylvia Nilis, und Senor Fortea, ein spanischer Tenor, Schüler von Jean de Reszbe, hervorgehoben.* 1
5
—————*


