Ausgabe 
(22.5.1915) 119. Drittes Blatt
Seite
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Erscheiut tüglich mit Ausnahme des Sonntags. Die Sletzener Familiendlütter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Krefsblatt für den Ureis Gleßen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Gieße

s. Jahtgnng

5 Dom Generalstabschef des italienischen Heeres. Der italienische Generalstabschef, Graf Luigt Cadorna, ist ein tppischer Lombarde, mit energisch geschnittenen Zügen, rfen Augen und blondem Haar. Seine sehnige, straffe Er⸗ ung verrät, daß er sich gerne sportlich betätigt, und in der Tat ist er ein glänzender Reiter und geübter Hochtvurist, der mach heute, trotz seiner 64 Jahre vor schwierigen Bergbesteigungen nacht zurückscheut Zum Charafter dieses Bildes paßt es, daß er iim persönlichen Umgang südliches Temperament mit der abwar⸗ benden Zurückhaltung verbindet, die seine Stellung gebietet. Im Demiltenkreise ein glänzender Plauderer, der von seinen ausge. behuten Reisen in Belgien und England, in Algier und Tunis Fülle amüsanter Einzelzüge zu berichten weiß; von liebens⸗ würdigem en, wenn es sich darum handelt, einem ehemaligen Untergebenen oder Kameraden zu helfen, bleit er sich och stets der 8 die sich mit jedem in der 5 brett Worte n

gesprochenen Woeine Klugheit, die u der italienischen Presse zunächst nicht hat. Es liegt e i

unbedingten Anklang ge⸗ ben nicht in Cadornas Natur, sich vorzu⸗ u. Er legt keinen Wert darauf, als Redner zu glänzen, er das Wort nötigenfalls wohl meistert und z. B. Ma⸗ 55 itiken zu halten pflegt, die an Schärfe und Eindringlich⸗ t der Gedanken nichts zu wünschen übrig lassen. Auch nach i geizt er nicht; es sind nur fachwissenschaftliche die seiner Feder entflossen sind. eine rein Iiterarische Arbeit plant er für seinen Lebensabend, eine Arbeit, dir für die Geschichte des itulienischen Risorgimentos von Bedeu⸗ werden ditrfte: die Herausgabe der noch un veröffentlichten

1 seines Vaters, des Grafen Raffaele Cadorna. Der stalienische Generalstabschef stammt nämlich aus einer chschen Familie Sein Oheim war jener Graf Carlo Cadorna, Kultusminister Cavours das Schlagwort von der freien dun freien Staat geprägt und durchgeführt hat und dem zu ein in Pallanza errichtet worden ist; sein Vater,

Raffaele, gehörte zum engeren Kreise Viktor urnels und ist 1870 an der Spitze des italienischen Heeres in

zu klamm waren, um die Schüssel zu fassen, auf ihm seine kärgliche Gefangenenkost gereicht wurde. Aber wissenschaftliche Ausbildung hat unter derartigen Erleb⸗

ördert, mit 31 erhielt er als Major ein Bataillon Von da ab datiert der Einfluß, den er auf die at nämlich kriegswissenschaftliche Vorträge für die Regiments,

Brarts Ausgezeichnetes leistete, bewies er 1895, als er als Oberst Feindes durchz

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die er 1907 mit der neapolitanischen vertauschte. Dort

wirkte er, als General Saletta qus Gesundheitsrücksichten von Leitung des Großen Generalstabes wurde

als so die blaue Partei in den Königsmanövern von in 8 einen vielbeachteten, von der Fachpresse als ich hervorgehobenen Rückzug seiner Truppen über den

Verheiratet ist Cadorna mit der Marchesa Giovanna Bal di dent Genta, die er als Hauptmann im Hause ihrer Großmutter, der Marchesa Campanari, kennen lernte. Vier Kinder sind aus Dieser Ehe hervorgegangen. Der einzige Sohn steht bei den Lan⸗ ciers in Florenz und hat mit Auszeichnung am lybischen Feld⸗ g teilgenommen. Von den Töchtern haben zwei den Schleier benommen, die Dritte hat sich als Dichterin hervorgetan.

Die schwarzen Fahnen von nisch.

Ein düsteres Bild von Nisch, der Kriegshauptstadt Serbiens, i Mario Bassi in einem Briefe an die TurinerStampa. Namen von Städten und Dörfern in Serbien, so führt er aus,

durch eine Waffentat berühmt geworden; Nisch wird eine

ige Berühmtheit erlangen durch eine schreckliche Schlacht,

de ohne Blut aber mit einer ungeheuren Vernichtung des Lebens

mit dem traurigsten Opfer von Tausenden seiner Söhne, ohne Heldenmut und Ruhm gekämpft wird. Nisch ist die Stadt der Seuchen. Hier stirbt man nicht unter dem Tonner der Knnonen

f ind dem knatternden Gewehrfeuer, im Getümmel gegenüber dem Feind, das Herz von Begeisterung 1 hier stirbt man

Ringenden wird. Wie viel so gestorben sind? Wie viel noch immer j Dag sterben? Ich weiß es nicht; aber es n 0.* vori ol D. Erkrankten erreicht 5 9 und die Zahl der Todesfälle auf

e unter so 4 ie nötige städti rdnung zu sorgen, in un⸗ 05 1 5 umd die Epidemi

e

rüthrung, die am meisten zur Aufteckung führt, zu vermeiden und

um die Säuberung und Des der Räumlichkeiten zu er⸗ möglichen. Diese 9 ichleit ist allerdings nie allzu sichtbur; aber

immer spitrt man, wenn man it in eine Wirtschaft geht,

ril 7 9 1 fünsten, die einem die Kehle zudrücken und die Augen zum Tränen bringen. Setzt man sich dann an den Tisch, so sieht man den Nach⸗ bar, der ein Fläschchen Alkopol herauszieht, etwas davon auf die Schüssel und in das Glas gießt und ihn anbrennt, um durch das Feuer zu desinfizieren; über die Flamme werden auch Gabel und Messer gehalten, und das Brot wird darllber geröstet. Der Anblick

und die Ausführung dieser Vorsichtsmaßregeln ist wahrlich nicht

geeignet, den Appetit anzureizen... Draußen auf den Straßen sieht man unter einem ständig bleigrauen Himmel, unter Steinen und schwärzlichem Morast, längs der Häuserreihen, die mit ihren pergitterten Fenstern einen verzweifelten Todeskampf zu bergen scheinen, manchen Krüppel, dem eine Kanonenkugel das Bein fort⸗ genommen hat, müde dahinschleichen; der Soldat, dem der Brand als Folge einer Wunde den Arm verkürzt hat, geht langsam, mit unbeweglichen traurigen Augen dahin, und hinter ihm kommt ein anderer Verwundeter, dessen Kopf von weißen Binden um⸗ hüllt ist, dann eine Frau in Trauer, dann wieder zwei Kinder in Trauer, und wieder ein Krüppel.. Ist dies noch eine Stadt, oder ist es ein ungeheurer schrecklicher Zufluchtsort von Invaliden, von Witwen, Waisen und der Seuche Verfallenen? Es ist das andere Gesicht des Krieges, nicht das erste des Schlachtfeldes mit den Fanfaren, der heldenhaften Aufopferung und dem Ruhm des Sieges, sondern die in ein Lazarett verwandelte Stadt, mit dem Zug der Verstümmelten, den schwarzen Schleiern der Witwen, mit Hunger und Clend, mit der Trostlosigbeit, die keine Tränen mehr findet! ImLazarett am Schädeltor waren die Betten elende Lagerstätten ohne Wäsche und Kissen zuerst mit je zwei Kranken belegt; dann wurden immer zwei und zwei zusammengestellt,

damit man in zwei Betten fünf Kranke legen konnte. Und es kam.

vor, wenn einer der fünf starb, daß er zwischen den anderen her⸗ vorgezogen und unter das Bett gelegt wurde, bis er zum Begräb⸗ nis abgeholt werden konfte. Sein Platz, der von seinem Todeskampt noch warm war, wurde se von einem der Kranken ein⸗

genommen, die auf Aufnahme in das Lazarett warteten.. Wie⸗

viel Tote? Wer zählt die schwarzen Fahnen, die längs der Straßen an den Fenstern der Häuser als düstere Zeichen eines Todesfalles hängen? Ich sehe aus dem Fenster meines Gast⸗ 1 eine schwarze Fahne weht im Abendwinde aus dem Fen⸗ ster zu meiner Rechten, eine andere schwarze Fahne ist in dem dritten 8 zu meiner Linken. Und so geht es fort, zu beiden Seiten Straßen in jedem vierten oder fünften Fenster in endloser Reihe schwarze Fahnen, die einen groß wie Bettücher, andere kurz wie Standarten, die einen ganz entfaltet, andere um die Stange gewickelt. Es ist die schreckliche Weihe des Todes, der so seine Fahnen aufzieht, in der Kriegshauptstadt, in der Hauptstadt der Vernichtung!

Aus Stadt und Cand. Gießen, 22. Mai 1915. Sountagsarbeit.

Gurt unseres Vaterlandes

ein ist der Sonntag. Er stellt neben die Gemeinschaft der Arbeit die Gemeinschaft der Ruhe und der Freude Die Gemeinschaft r Arbeit hat dies gewaltige ge das sie alle beneiden, das so unerschüttert der Welt trotzt. Die

lber Son

ntags⸗

einen Tages, weil

man den Lebens⸗

ft und die Lebenssorge des Alltags zur Seite und gehört sich selb Fr.

wegung setzen. Aber snit rauher Hand griff der Gang des Weltenschicksals in dies stille Leben hinein. Unsere Arbeit muß mit ihrer ganzen Kraft dem Zerstören dienen, dem Zerstören der Feindesmacht, die uns vernichten will. Nicht neue Werte dürfen wir schaffen für lange, lange Zeit, alles was wir schufen, miifsen wir einsetzen, damit die Zukunft erhalten werde. Raubbau treiben wir an den Erträg⸗ nissen unserer Arbeit und setzen sie alle zu, damit wir später in Frieden und für den Frieden arbeiten dürfen. Wie froh und stolz sind wir, daß so ungeheirrr Werte geschaffen sind, daß wir zusetzen können, ohne zu erliegen. rns ebenso in der Welt des Gemütes. Des Sonntags Gemeinschaft der Riche and Freude hat viel Gutes, Edles, Hei⸗ liges uns fnrmer wieder gegeben und geschassen. Gerade jetzt müffen wir alles ausbieten, um die daraus wachsenden innern Kräfte zu stärken. Aber Raubbau müssen wir auch hier treiben, denn viel Arbeit will getan sein zur Rettung des Vaterlandes, draußen im Kampf, hier im Herstellen von Kriegsbedarf, hier vor allem in der 4 r 3 5 kommende Ernte. , Alle Gemeinschaft der Ruhe und Freude, alles Sonntagsglück und alle Sonntagsfeier müssen dabei zurückstehen. Zuerst muß für die Erhaltung des Vaterlandes alles aufgegeben werden. Zu⸗ erst müssen die Felder bestellt sein, und muß für die Lebensmittel gesorgt werden, daun darf man an den inwendigen und seine Pflege denden. Aber Raubbau ist es. Schmerzlich missen wir das empfinden, jetzt, wo wir alle inwendigen Kräfte so nötig haben. So muß duch ein jeder alles aufbieten, sie in sich, der Gemeinschaft seines Hauses, desgleichen bei öffentlichen Gemein⸗ schaften so stark zu pflegen als möglich. Nicht ein Vor wand darf uns der Krieg sein, unnötig des Sonntans Feier zu stören. Dazu ist sie dem Vaterlande zu nötig. Pur das Arbeiten am Sonntag, wo es unbedingt wötig ist, dann aber auch ohne Zagen und Bedenken. 5

Freuen wir uns, daß der Krieg es uns schon zeigte: Groß und gewaltig sind auch die innern Kräfte des deutschen Volkes. Wenn vor der äußeren Not ihre Pflege eine Weile zurücktreten muß, die innere Quelle ist da und springt weiter, quch uber solche Arbeitszeit hinans. Und in unserrm Herzen sammelt sich die

ner Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

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Samstag, 22. Mai 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S951, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: 8 Anzeiger Gießen.

Sehnsucht wie nach dem Frieden so nach der Zeit, wo auch der Sonntag nicht mehr der Arbeit dienen darf, sondern wieder ganz der Gemeinschaft der Freude und Ruhe gewidmet ist. Mit der Sehnsucht nach dieser Zeit im Herzen tue die Sonntagsarbeit, die notwendig ist, daß du deine Pflicht gegen das Vaterland er⸗ füllst, dann ist das Heilige um dich und in dir und deine Seele verarmt nicht, sondern wird gesegnet durch solche Arbeit.

*

Der Pofstvertehr in Gießen. Postbeförderungs- Gelegenheiten in Gießen, nach dem Sommer- Fahrplan 1915 zusammengestellt.

Jolgende Eisenbahnzüge werden zur Beförderung von Post⸗ sendungen bebenutzt. Es bedeuten: Beförderung von Postsendungen jeder Art, Beförderung von Briessendungen jeder Art und Beutel⸗ stücken, OJ Besörderung von gewöhnlichen und Einschreibbriefen, E. Beförderung von Paketen, e Beförderung von Briesen in ge⸗ schlossenen Beuteln,» Beförderung von Sendungen jeder Art in geschlossenen Wagenabteilungen,() Benutzung nur an Werk- tagen. Die mit,[J, dund U bezeichneten Züge führen Postwagen mit Brieskasten.

a) Richtung nach Frankfurt: 2.20, 621U◻, 8100, 1000, 10²⁵, 1205[, 110, 277, 506, 55³0 0, 720, 820 8, 926. b) Richtung nach Rassel: 1220, 12, 1, 222L, 526, 810%, 8156, 10169, 1210, 1[J, 0

245 ++ gb, 86, 10ʃ2U0 1 e) Richtung nach Köln? 5 55, 646, 87, 120, 3%), 62, 1020. 5

d) Richtung nach Koblenz:

45 G, 623, 12226, 604 0, 826. e) Richtung nach Fulda: 5400, 812, 1208.6), 228(..), 6400. f) Richtung nach Gelnhausen: 540, Sites, 1234(0), 5100, 844). g) Richtung Gießen Lollar Grünberg: 50, 215(0). b) Richtung nach Rodheim(Bieber): V 535(), 830 nur Sonn⸗ und Feiertags, 1215),(62²) nur Briefe und Pakete für Heuchelheim. i) Landposten:

1. GießenWieseck Alten⸗Buseck: 600, S500), 320%), 6) Sonn- und Feiertags Botenpostl.

2, Gießen Steinberg Grüningen: 8%)[Sonn- und Feiertags Beförderung mit Schaffnerpost

Zug 5% V.]

3. Gießen Klein ⸗Linden: 680 Kariolpost, 250 s Votenpost.

Beim Postamt 1 reten die Schlußzeiten im allgemeinen ein: für gewöhnliche Briessendungen 1020 Minuten, für Einschreib briefe 2530 Min., für Wertbriese und Pakete 30 60 Min, vor 1 Abgang der Züge.*

Die Stadtbriefkasten werden geleert: 1 Werktags zwischen 530 und 635 V., 8is und 920 B., 102

4. und 1280 N., 246 und 350 N., 5 und

645 und 755 N., 915 und 10 N.

und 1115 V., 1120 Sonntags zwischen 530 u. 650 V., 1015 und 1130 B., 70 und 820 N. Genaueres ergeben die Leerungstaseln an den Briefkasten. Die eingesammelten Briese gelangen mit der nächsten Beför⸗ derungsgelegenheit zur Absendung. 1 Vom Postamt 2(Schulstraße) gehen werktags Versande nach dem Postamt 1 und dem Bahnhof 916, 1130, 1250, 345, 550, 645, 7, 875; 7 an Sonn- und Feiertagen: 915, 120. 8 Die Schlußzeiten treten ein: für gewöhnliche Briese 5 Minuten, für Einschreibbriefe 15 Minuten und für Wertbriese und Pakete 30-40; Minuten vor Abgang der Versande. Briesbestellung: g Um das Publikum über die rechtzeitige Bestellung der Briese zu unterrichten, geben wir nachstehend eine Uebersicht, welche Briese bei den einzelnen Bestellgängen planmäßig abgetragen werden. Letzte Post Letzte Brieskastenleerung 1. Bestellung 705 V. Post mit Zug 180 530 635 V. von Kassel 61 B.

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2. 1030 V. Briespost mit Zug 71 815920 V. von Frankfurt 1080 P. 3. 5 N. Posten mit den Schnell- . zügen von Frankfurt und Kassel 544 N. 56 N. * Auf dem Felde der Ehre gefallen. Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Res. Hans Wirth, Res.⸗Inf.⸗Regt. 206, aus Frischborn. Kriegsfreiw. Jak. Schmitz, Res⸗Inf,⸗Regt. 221, aus Worms⸗ Neuhausen. Kriegsfreiw. Gefreiter Heinrich Krug, Res.⸗Inf. Regt. 88. Lt. d. L. Wilhelm Theodor Hoffschmidt, Inf.

et fur. Adolf Reitz aus Res.⸗Inf.⸗Regt. 262, aus

Ritter des Eisernen Kreuzes. Schütze Georg Stock aus Blitzenrod. CEinj.⸗Gefr. stud. thedl. Haber mehl, Kriegsfreiw im Inf.⸗Regt. 264, aus Wallenrod. Unterseeboots⸗Obermatrose Karl Kratz aus Ruppertenrod. Vizefeldwebel 0 Zinser aus Nellstadt bei Marburg. Unteroffizier KHleinsscchmidt aus Dietes heim

fur die Zaßinpflege

giebl es Aab.