Ausgabe 
(22.5.1915) 119. Zweites Blatt
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des bisherigen Weltkrie

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Fzhueites Blatt . 0 fen tune m Ausnahme des Sonntags.

DieStehener Famiiiendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen zeit⸗ tragen erscheinen monatlich zweimal.

jeße

105. Jahrgang

Italiens militärische Nachteile.

Die Unvernunft, der Wahnsinn des italienischen Krieges ie Oesterreich-Ungarn liegt nicht nur auf politischem

iete sondern gerade auch auf dem der Heerführung. Das, was Oesterreich freiwillig abtreten wollte, wird im, Kriege zu einer gewaltigen Festun von rund 8000 Qua⸗ dratlilometer umfang, ein K iet, durch Natur und Kunst derart befestigt, daß es auch nach den Erfahrungen gegenüber der entwickeltsten Kriegstechnik als uneinnehmbar erscheinen muß. Wir meinen das Trentino. Die jetzige Grenze Südtirols ist den Italie⸗ nern strategisch außerordentlich ungünstig, weil Oesterreich den ganzen Südabhang jener Alpen besitzt, welcher von vielen wilden und tiefeingeschnittenen Tälern durchzogen ist. Fast sämtliche Straßen führen durch Engpässe, die über⸗ all von den österreichischen Genietruppen in musterhafter Weise befestigt worden sind. Italien ist dagegen in der Richtung der Ostalpen ganz offen. Die italienische Grenze ist in diesem Abschnitt außerordentlich schwer zu vertei⸗ digen, während jeder Schritt der österreichischen Landes- 9 entweder durch natürliche oder künstliche Werke stark v

onaumona Ueberfall auf aufgeboten hat, begegnen. Wi in Sarajewo so tragisch verschiedenen Thronfolgers Franz

5 5 Kriegsrüstung vor. Das war vor dreiundeinhalb

bruch in den Karpathen mit dem preußischen Orden Pour le mérite belohnt, ließ damals in Danzers Armeezeitung mitteilen, daß der österreichische Generalstab im Besitze von italienischen Mobilmachungsbefehlen für Tripolis sei, bei denen unter Ueberklebungen das Datum 1909 sichtbar werde, woraus man schließen konnte, daß Italien schon während der Annexionskrisis von 1908/9 bereit war, dem Bundes⸗ genossen in den Rücken zu fallen! Hötzendorf, der viel

sefeindete, hat Recht behalten. Ihm verdankt man es, daß heute Südtirol nicht nur wie eine ungeheure Trutz⸗ burg auf Norditalien hinabschaut, sondern daß es auch kraftvoll das Gebiet von Triest mitbeschützt; denn es flan⸗ kiert den italienischen Aufmarschraum im äußersten Nord⸗ osten des Königreiches. Ja nochmals: Italien, das zu seiner Mobilmachung mehr Zeit zur Verfugung hatte, als je sonst einem Staate zu Gebote stand, ist strategisch durchaus nicht im Vorteil. Die langgestreckte geographische Gestalt des Landes und die Unzulänglichkeit der Eisenbahnlinien, die von Mittel⸗ und Süditalien nach dem Norden, ins besondere nach dem Nordosten des Landes führen, er schweren den Aufmarsch in empfindlicher Weise. Die in Italien herrschende Kohlennot verlangsamt und verkürzt die Truppenzüge. Der Mangel an Pferden Italien war stets auf die Einfuhr österreichisch-ungarischer Pferde an gewiesen verhindert die Einberufung der Kavallerie⸗ reserven. Soviel vom Landheer. Nicht günstiger liegen die Verhältnisse für Italien in Bezug auf die Küsten des Adriatischen Meeres. Die Ostküste dieses Meeres ist reich an schönen Häfen, welche durch die auf den steilen Gebirgs⸗

abhängen errichteten Werke außerordentlich leicht verteidigt und

werden können und die ganz vorzügliche Stützpunkte fur die nationale Flotte bilden. Selbstverständlich hat Oester⸗ reich diese Küsten mit modernen und sehr widerstands⸗

Pfingsten 1015.

O heil ger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein. O komm, du Herzenssonne! Laß uns dein' edle Balsamkraft Emp und zur Ritterschaft Dadurch gestärket werden. Auf daß unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Trutz Mit freudigen Geberden. Laß dich Reichlich 5 b Auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden!

Um uns grünt, blüht und duftet seit Wochen ringsum in der ganzen Natur alles als eine lichte Offenbarung desEwig⸗Lebendigen und sich stets Erneuernden. Wie ein Zauberer war nach langem Harren über Nacht der Frühling da, und was er mit seinem Stabe berührte, erstand in einer Märchenpracht und Schöne, als wollte er uns alles Leid, alles bange Harren und alle die schweren, schweren Opfer des Winters vergessen lassen.

Und wie der Geist ewiger Wiederkehr und immer neuen Lebensformen sich offenbarte in Busch und Baum, in Blüten- pracht und Vogelsang, in fruchtbarem Regen und sprossenden Saaten, so träufelte er neuen Mut und neues Hoffen in alle Seelen. Er dämpfte kleinmütiges Zagen, linderte

die Seelennot um den Verlust teuerster Menschen und stärkte den großen deutschen Opfermut zu neuer Hingabe. Und

als wollte das Geschick diese Frühlingsstimmung in unserm

Vaterlande noch erhöhen so schenkte es uns die herr⸗ 5 Siege über Rußland, und die Siegesglocken klangen aller Orten zusammen mit dem herzerquickenden Frühlings

.

W

ner Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

Samstag, 22. Mai 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S251, Schrift-

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

fähigen Festungen versehen. Die Westküste des Adriatischen Meeres ist dagegen flach, vollständig dem Feinde offen und ungemein schwierig zu verteidigen. Der Staat, der die Ostküste besitzt, ist auch Herr des Adriatischen Meeres.

Wer diese Dinge auch nur in gedrängter Kürze über schaut und durchdenkt, kommt zu der Ueberzeugung, daß Italiens Waffengang mehr noch als ein völkerrechtliches Verbrechen, daß er eine militärische Torheit ist!

Die Stimmung in Italien.

Rom, 21. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Verspätet eingetrof sen. Obwohl die interventionistische Presse spaltenlange Tele⸗ gramme über eine angebliche Kriegsbegeisterung in der Provinz veröffentlicht, stimmen alle glaubwürdigen Nachrichten darin über⸗ ein, daß im Grunde weder Industrie und Handel in Norditalien, noch die Weinbauern im Süden von einem Kriege etwas wissen wollen. Auch in der Hauptstadt ist die Stimmung gedrückt. Die wüsten Erzesse des Pöbels in den letzten Tagen haben natürlich ihre Wirkung nicht verfehlt. Givlitti, dem Hunderte von Briefen mit Todesdrohungen zugegangen sind, und der a Lebensgefahr das Haus nicht mehr verlassen konnte, ist nach seinem piemontesischen Heimats- ort Cavour zurückgekehrt. Andere Friedensfreunde unter den Deputierten und Senatoren, die an öffentlichen Orten be schimpft und mißhandelt worden sind, können sich kaum noch auf die Straße wagen. Die Kriegspresse richtet fortgesetzt die wüstesten Angriffe gegen diejenigen in der Umgebung des Königs, die für Kriegsgegner gelten, und verlangt ihren Rück tritt. Dagegen wird der König überall, wo er sich zeigt, von denselben Elementen mitEvviva la guerra,Evviva il Re begrüßt, die jeden Abend vor der englischen, französischen und russischen Botschaft demonstrieren und ganz überwiegend der radi⸗ kalen und republikanischen Richtung angehören.

Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß vor nicht langer Zeit die Präfekten des Königreiches, nach der Stimmung ihrer De⸗ partements befragt, mit Ausnahme der Präfekten der vier notorisch revolutionären Provinzen Mailand, Mantua, Revena und An⸗ ona, übereinstimmend erklärten, die Bevölkerung wünsche den Frieden. Jeder weiß auch, daß ungefähr der ganze Senat und die ganz überwiegende Kammermehrheit gegen den Krieg sind. Es ist aber vorauszusehen, daß, wenn das Ministerium heute vor das Parlament tritt, die eingeschüchterten Friedensfreunde schweigen oder aus Furcht, für unpatriotisch zu gelten, in das Kriegsgeschrei mit einstimmen. So ist es tatsächlich gekommen. Wie so oft in romanischen Ländern, terrorisiert die Minderheit die Mehrheit. Die von der englischen und französischen Botschaft inspirierten Blätter lassen sich aus Berlin telegraphieren, in Deut schland herrsche eine namenlose Wut gegen Italien! Ueberall heiße es: Gott strafe Italien! Je ruhiger und würdiger auch weiter die Haltung unseres Volkes gegenüber Italien bleibt, um so rascher folgt in Italien auf den künstl ichen Kriegsrausch, der jetzt hier angefacht wurde, ein gründlicher Katzenjammer. Es wäre itbrigens ungerecht, zu verkennen, daß es in allen Kreisen des italienischen Volkes Männer gibt, die die heutige Entwicklung der Dinge, na⸗ mentlich den Bruch mit Deutschland, auf das tiefste beklagen und die Schwäche der Minister über dem revolutionär⸗chauvinisti⸗ schen Ansturm auf das en

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Berlin, 21. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die bis jetzt vor⸗ liegenden Angaben über den Inhalt des italienischen Grün⸗ busches lassen nicht erkennen, ob daxin die Tatsache erwähnt ist, die den ernsten Willen der österreichisch-ungarischen Regierung zu einer Verständigung mit der italienischen Regierung erweist. Es ist dies die von dem Wiener Kabinett angebotene, aber von Sonnino abgelehnte Entsendung des Grafen Goluchowsky mit weitgehenden Vollmachten zur Führung der Verhandlungen. Am 2. Mai erklärte der Minister des Aeußern auf wiederholte An⸗ frage des Wiener Kabinetts, ob die Entsendung des Grafen genehm sei, daß er dieselbe nicht für opport um halte, weil sie zu großes Aufsehen erregen würde. Am 4. Mai erfolgte die Kündigung des Dreibundvertrages in Wien. Hiernach ist es nicht auf einen Mangel an Entgegenkommen ere igkeit zu ernsthaften Verhandlungen auf seiten der österreichisch-ungarischen Regierung zurückzuführen, daß die Lage damals eine weitere Verschärfung erfuhr.

Aus dem Reiche. Der Kaiser an die Gattin Weddigens.

Berlin, 21. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) S. M. der Kaiser hat an die verwitwete Gattin des Kapitänleutnants Weddigen folgende Order gerichtet:

Es ist mir gemeldet worden, daß bei dem Untergange des von Ihrem Gatten geführten Unterseebootes auch sein Orden pour le mérite und sein Eisernes Kreuz erster Klasse in Verlust geraten sind. Ich bestimme, daß Ihnen die genannten Ordenszeichen als äußere Erinnerung an die Taten des heldenhaft vor dem Feinde Gebliebenen hiermit ersetzt werden und bringe Ihnen bei dieser Gelegenheit noch ganz persönlich zum Ausbruck, wie sehr ich mit Ihnen den herben Verlust empfinde, den Sie erlitten haben. Sie haben Ihr Bestes für das Vaterland hergeben müssen. Möge Gottes Trost Ihnen zur Seite stehen und es Ihnen immer gegen⸗ wärtig bleiben, daß mit Ihnen das ganze Vaterland um Ihren Gatten trauert, der unvergeßlichen Ruhm für sich und die Marine erworben hat und für alle Zeiten ein leuchtendes Beispiel der Kühnheit und ruhigen Entschlußkraft weiter leben wird.

Großes Hauptquartier, 19. Mai 1915.(gez.) Wilhelm 1. H.

Ein Dummerjungenstreich.

Berlin, 21. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Als gestern abend der italienische Botschafter die Botschaft verließ, lief aus einer kleinen Schar, meist aus Frauen und Kindern bestehenden, vor der Botschaft versammelten Neugierigen, ein hal bw ü ch⸗ siger Bursche hinter dem offenen Automobil des Botschafters her und schlug diesam den Hut vom Kopfe, ohne indessen den Botschafter selbst zu treffen oder gar irgendwie zu verletzten. Ein Herr aus dem Publikum ergriff sofort den Jungen und verabreichte ihm, eine Tracht wohlverdienter Prügel, ehe er ihn der Polizei übergab. Sobald der Reichskanzler, von dem Vorfall erfuhr, ließ er dem Botschafter noch am gleichen Abend sein leb⸗ haftes Bedauern über den Zwischenfall durch seinen Adjutanten aussprechen, während der Staatssekretär des Aus⸗ wärtigen Amtes dem Botschafter brieflich seine Entschul⸗ digungen übermittelte.

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Berlin, 22. Mai. Zur Belästigung des italieni⸗ schen Botschafters in Berlin heißt es in derVossischen Zeitung: Ter Vorfall ist beklagenswert, aber er ist und bleibt sicherlich eine Ausnahme. Es handelt sich um einen törichten Streich eines unreifen Burschen, der von unseren erbittertsten Feinden nicht schärfer verurteilt werden kann, als von der Ber⸗ liner Bevölkerung in ihrer Gesamtheit. Wie in Berlin werden überall in Deutschland auch in diesen Tagen die Italiener sich sicher fühlen können. Das sind wir unserer Würde schuldig, ganz besonders auch nach den unwürdigen Ereignissen, die sich in England, Frankreich und Rußland abgespielt haben gegenüber friedlichen Staatsangehörigen der Zentralmächte.

Vermischtes.

Großmama als Bürgermeister. Die oft ange⸗ führte Weisheit, daß alles schon einmal dagewesen sei, ist durch die Bürgermeisterwahl, die kürzlich in dem Städtchen Warren im ameritanischen Staate Illinois stattgesunden hat, doch zuschanden gemacht worden. Dort ist nämlich aus der Wahlurne mit einer Mehrheit von vier Stimmen Frau A. R. Canfield als Siegerin im Wettbewerbe um das höchste städtische Amt hervorgegangen. Frau Canfield aber ist eine Dame, die in dem ehrwürdigen Alter von 74 Jahren steht; sie wird in dem etwa 1500 Einwohner zählenden Städtchen mit VorliebeGroßmama Canfield genannt, und es ist wohl keine Uebertreibung, wenn man behauptet, daß noch kein Ort der Welt je ein solches Oberhaupt gehabt hat. Frau Canfield hat seit mehr als 30 Jahren in Warren das ehrenwerte Geschäst einer Putzmacherin betrieben, im Nebenamte aber sich als Führerin der dortigen Frauenstimmrechtsbewegung besonders her

vorgetan. Sie ist übrigens die erste Frau, die es im Staate Illinois

zum Bürgermeisteramte gebracht hat, und an der Reise der Jahre sehlt es ihr für ibr Amt ganz gewiß nicht.

2 Für Rheumatiker und Neuralgieleidende. Kann seit langen Jahren zum ersten Male 5 wieder gehen. 8 122 Herr Heinrich, München, schreibt:Da ich schon seit mehreren

Jahren fürchterliche Schmerzen in meinem Knie hatte und alle ärztliche Hilse, die ich bis jetzt gebrauchte, vergebens war, wandte ich mich noch in meiner Verzweiflung an Togal⸗Tabletten. Nach dem Gebrauch von ga. 3 Tagen waren die Schmerzen vollständig weg und seit J Wochen empfinde ich nicht den geringsten Schmerz und kann jetzt wieder laufen, während ich früher nicht mehr wußte, wie ich vom Platze kommen sollte. Aehnliche Erfahrungen und noch überraschendere Erfolge erzielten viele andere, welche Togal nicht nur bei Rheumatis⸗ mus, sondern auch bei Kopfschmerzen, Hexenschuß, Ischlas, Schmerzen in den Gelenken sowie bei Influenza gebrauchten. Togal löft die Harnsäure, das verheerende Selbstgift, wodurch ebenso rasche wie anhaltende Erfolge erzielt werden. Alle Apotheken führen Togal⸗ Tabletten. Best.: Acid. acet. salle. Chinin Mg Li. 385088

Da plötzlich türmten sich unheilschwangere Gewitter⸗ wolken. Aus dem Lande der Sonne und der Schönheit, aus dem vielen unter uns so vertrauten Geburtslande abendländischer Kunst braute sich für uns düsteres Unheil zusammen. Der unaufrichtige, wankelmütige d von gestern hat sich in den offenen, haßglühenden Feind von heute umgewandelt.

Bitteres Weh erfüllt uns die Seele um alle die schweren Opfer, welche dieser haßerfüllte Krieg Italiens von neuem unserm Volke auferlegt, aber über dies Weh hinaus wächst mählich und lodernd die heiße Empörung über den frevel⸗ haften Leichtsinn und die verräterische Treulofigkeit des früheren Bundesgenossen.

Noch hat die italienische Nation sich nicht erholt von dem letzten Kriege, da wird es durch die Beutegier und Sensationslust einer Minderzahl hineingetrieben in diesen schändlichen Verrat. Schon sind hüben und drüben viele Tausende von Italienern und Deutschen existenz- und hei⸗ matlos geworden..

Aber so ernst die Lage ist, welche der bloße unselige Entschluß Italiens schon dem eigenen Volke in unserm geliebten, opfergewohnten Vaterlande bereitete wir ver⸗ zagen nicht!

Mit reinem Gewissen stehen wir auch diefsem neuen Feinde gegenüber, und dank der Fürsorge und dem Voraus- blick unserer Führer wohlvorbereitet und gerüstet. Und wenn wir hören, wie unsere tapferen Feldgrauen die Faust ballen und ernst und bestimmt sagen:wir zwingen auch das!, so kommt über uns Daheimbleibende ein Gefühl namenlosen Dankes und der heiße Wunsch, auch an unserm Teil uns dieser neuen schweren Lage würdig 115 zeigen. Und da erscheint uns das Pfingstfest wie ein Markstein, der einlädt zur stillen Einkehr und das alte Pfingstlied, das als Widerhall aller Not des 30jährigen Krieges aus der Seele des deutschen Volkes wie eine ladernde Opfer-

flamme emporstieg, wird auch in uns wieder lebendig. O heil'ger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Woh⸗ nung sein!

Ja, du Geist der Kraft und des Lebens, du Geist aus der Höhe, der alle göttlichen Kräfte in uns wach ruft, gib auch uns Daheimgebliebenen den klaren Blick, der nötig ist, um die Verhältnisse zu überschauen gib uns den festen Willen, im kleinen treu zu sein, damit wir das Große zwingen! gib uns die tiefe Einficht und die große Liebe, damit wir nicht denen, welche schon schwer tragen an den Lasten der Zeit, noch unnötige Lasten aufbürden; gib uns allen in den bescheidensten und den verantwortungs⸗ vollsten Stellungen den Geist des Ewig⸗Lebendigen, der den Augenblick ganz erfaßt und über den Augenblick hinaus auch der Zukunft gerecht zu werden weiß!

Lassen wir uns in dieser Pfingstzeit von neuem ganz durchdringen und erfüllen von dem Geiste, der alles Große, alles Göttliche, alle Kraft und allen festen Willen in uns wach ruft, dann erfüllt sich auch an uns und unserm Volke die Verheißung des alten köstlichen Liedes: Unter dem Schutze dieses Geistes, durch seine uns beselende Kraft, erfüllt jeder daheim freudig seine leinen und großen Pflich⸗ ten nicht um äußerer Ehren und Auszeich- nung willen, sondern um seines Volkes willen und unter dem Schutze dieses Geistes, durchdrungen von der heißen Liebe ihrem Gott und ihrem Volke tun unsere deut- schen Krieger auch ferner ihr äußerstes, um ihr Land vor dem Elende zu schützen, dem jedes vom Feinde er⸗ obertes Gebiet preisgegeben ist.

Der Geist unseres Gottes, der Geist des Lebens, der Kraft und der Wahrheit wird in und durch uns beides wirken, auch in dieser neuen Not: sowohl das feste Wollen als auch das siegreiche Vollbringen! R