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weites Blatt
heint täglich mit Ausnahme des Sonntags. G
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Die„Siehener Famlllendlätter“ werden dem
WAmzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das
Wreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal
wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ tragen“ erscheinen monatlich zweimal.
ieße
PWW
103. Jahrgang
Der Krieg aus bloßem hasse. 8„Italien diesen Augenblick ungenutzt ver-
ließe, würde es Mitschuldiger Oesterreichs, a er der teutonischen Bedrückung seiner e ne, würde es Spießgeselle und Helfer .. Tyrannei.“ So lautet die neueste Fanfare im„Gior⸗ g ende, Hunderte solcher Aufrufe findet
nale d'Italia“. in den italienischen Blättern als Antwort auf die Be⸗ 9 der hochherzigen Zugeständnisse Oesterresch-Un⸗ 955 1 durch den deutschen Reichskanzler. Hat man denn kein 75 ort der sachlichen Erwiderung, der vernünfti Entgeg⸗ nung? Man wird vergeblich jetzt die ganze Presse Italiens 8 daraufhin durchblättern. Was da zu lesen steht, ist nur noch 1 und heller Wahnsinn. Es ist keine Politik mehr, es t das Krankheitsbild einer Geistesstörung der Masse. Der des Italieners gegen den Oesterreicher ist uns in jenen 5 n des Friedens zum ersten Male offenbar geworden, 8 1 2 italienischen Studenten aus Padua in Venedig auf
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als dem Splatze eine schwarzgelbe Flagge verbrannten. Damals zum ersten Male der Versuch gemacht, neben
* politischen Gegensätzen die Abneigung des Blutes, die 85 für den lodernden Haß verantwortlich zu
1 n. Jetzt, da der Krieg vor der Tür steht, fehlt es natür⸗ 92 an neuen Erklärungsversuchen. Von besonderem Jnteresse ist die Untersuchung einer Schweizer Zeitung, also einer vollständig neutralen Seite. Das„Berner Tag- platt“ stellt die Frage: Warum hassen die Italiener so 5 ihre früheren Beherrscher von der Donau, während sie
so schnell die Unterdrückung der Franzosen und Spanier vergessen haben? Und die Antwort lautet: Der Oester⸗
it dem politischen Staatsbegriff, in welchem die Polizei größte Rolle 1515 durch⸗ Achtung für
Behörden mögen so väterlich gesinnt sein, wie sie wollen, sie wurden immer von den Italienern als Unterdrücker an— 3 Und die italienischen Untertanen wurden stets von 0 österreichischen Behörden als eine widerspenstige Ge— sellschaft betrachtet. So werden sich Italiener und Oester— reicher niemals verständigen können.
So weit das Schweizer Blatt. Bleibt aber immer noch die Frage: Woher der Haß des jetzt zum Kriege drängen⸗ den Italieners gegen das„Teutonische“, gegen Deutsch⸗ land, mit dem es keine, auch nicht die mindesten politischen Reibungen hat? Die Antwort soll auch hier eine neutrale Stimme geben. Ein Spanier, J. M. Salaverria, erklärt den neuen Völkerhaß aus dem alten Gegensatz zwischen Ger⸗
manentum und Romanentum, und obwohl er doch selbst ein Romane ist, schreibt er(im Madrider A. b. c.) seiner ee de e rege peil Derlschlan 1. i„g gereizt, wei an 9 das Siunbild der geistigen und körperlichen An⸗
spanmung, der unaufhörlichen und geordneten Arbeit ist, 8 Ausdauer bei jedem angefangenen Werk, mag es ideell oder kommerziell sein, bis zu den 12 Der Romane, oder besser gesagt alle
„verabscheuen an Deutschland diese äußerste Anspannung, durch die sie selber und überhaupt die ganze Welt genötigt wird, sich ebenfalls zu vervielfältigen und Schweiß zu vergießen. Der Romane wird aufgebracht gegen eine Rasse, welche ihre eigene ernste Lebensanschauung und ununterbrochene Tätigkeit seiner frivolen, sorglosen und zur Trägheit neigenden Auffassung gegenüberstellt. Der Süd⸗ länder ärgert sich über sie; denn er schätzt vor allem die Nach⸗ läfsigkeit, die Geste, das Aufschieben, die Trägheit, die Im⸗ provisation ohne mühevolle Vorbereitung, die Lüge und die Nachsicht gegenüber allen Sünden, die aus der Energielosig⸗
keit und dem Fehlen der Willenskraft hervorgehen. Er wehrt sich gegen diese Energie, die immer gegenwärtig ist, und
die ihn, der sie nicht besitzt, gewissermaßen beaufsichtigt und
ihn nötigt, zu erröten. Er wünscht, daß dieses Magazin der Kraft zusammenbrechen oder irgendwie vernichtet würde.“ Hier ist das wahre Wesen der italienischen Kriegshetzer schonungslos enthüllt. Nicht Istrien, nicht die Adria, nicht die„gerechten Forderungen“, nicht der„heilige Egoismus“ ist die Triebfeder des italienischen„Krieges auf jeden Fall“, es ist der Haß gegen die tüchtigere, fleißigere, arbeitsamere Rasse, von der man annimmt, daß sie jetzt im Weltkrieg in Bedrängnis und eher als sonst unterzukriegen sei, eine Annahme, in der man sich bald recht gründlich täuschen dürfte. Berlin, 20. Mai. Giolitti soll laut„Berliner Lokal- anzeiger“ einen Nervenchok gehabt haben, der ihn an der Teilnahme der Kammersitzung verhindere. Demselben Blatte zufolge würden die beim Vatikan beglaubigten Gesandten der Zentral- mächte voraussichtlich mit den Botschaftern beim Quirinal Italien verlassen. Letzteres sei nicht gewillt, das Garantiegesetz während des Krieges zu respektieren. Der Jesuitengeneral Ledrchowski, ein geborener Oesterreicher, hat laut„Vossischer Zeitung“ Rom bereits verlassen. Rom, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agenzia Stefani teilt mit: Die Nachricht von einem angeblichen Zwischenfall zwischen Kaiser Wilhelm und dem Botschafter Bollati, die in einigen Zeitungen ver⸗ öfsentlicht war, entbehrt jeder Begründung. Der Kaiser zeigte dem Botschafter Italiens gegenüber die vollendetste Liebenswürdigkeit. 5
Die Bemühungen des Fürsten Bülow. Rom, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Fürst Bül o w hatte mit Sonnino eine längere Unterredung. Die Villa Malta und das Palazza Caffarelli werden bewacht. Die revolutionäre Presse richtet gegen Bülow nach wie vor heftige Angriffe, die übrigens trotz des Kriegsfiebers in vielen Kreisen mißbilligt und bedauert werden. Selbst der radikale„Messagero“ ermahnt die Gesinnungsgenossen, nicht zu vergessen, daß Bülow seine Pflicht tut, indem er das Interesse seines Vaterlandes verteidigt. Paris, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Matin“ meldet aus Rom: Die Botschafter von Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn haben dem Minister des Aeußern, Sonnino, eine Verbalnote überreicht. In diplomatischen
zwischen Italien und den Zentralmächten für bevorstehend. D' Annunecio beim König.
d'Annunz io in der Villa Ada. Die Unterredung zwischen
Kein Mensch in Italien. daß heute der Krieg beginne. 2 Kundgebungen in Rom.
mehrere Tausend Menschen teilnahmen. ren und Stadträten, von der Höhe der berühmten Doppeltreppe
aber im 1 maßvolle Ansprache. Er sagte u. a.:
daß, wenn er uns die Bahn weist, ihm vertrauensvoll zu folgen.“ Colonna beendigte Rede mit einem begeistert Dann ergriff der sozialistische das Wort zu einer Lobrede die jedoch durch die
Abgeordnete auf Marine
ner Anzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
Kreisen hält man den Abbruch der diplomatischen Beziehungen
Berlin, 20. Mai. Der Hönig von Italien emp⸗ fing, wie dem„Berl. Tagebl.“ gemeldet wird, gestern morgen
dem Monarchen und dem Dichter habe ½ Stunden gedauert. zweifelt laut„Berl. Tagebl“ daran,
Rom, 19. Mai.(Wich Nichtamtlich) Nachdem am Sonn⸗ tag der König die Leibkürassiere besichtigt hatte, die die neue, graugrüne Kriegsuniform erstmalig trugen, be⸗ sichtigte er gestern verschiedene andere Truppenteile und wurde von der Bevölkerung bei den Fahrten durch die Stadt, auch in den Arbeitervierteln, mit Enthusiasmus begrüßt. Gegen Abend fand eine große Kundgebmig auf dem 1 1 statt, an welcher
Dabei hielt Pricipe Co⸗ lonna, der Bürgermeister von Rom, umgeben von allen Assesso⸗
des mit Fahnen geschmückten Senatorenpalastes eine patriotische, gensatz zu manchen anderen Rednern der letzten Tage „„Wir müssen den Blick auf unseren jungen König richten und uns daran erinnern, wir die Pflicht haben, seine aufgenommenen: Viva il Re! Podrecca
und Heer, Ankunft d Annunzios unterbrochen
wurde. Dieser trat neben den Bürgermeister und sprach seinerseits zum Volke, indem er utter lautem, sbets sich 8 Beifall
Donnerstag, 20. Mai 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckere, R. Lange, Gießen.
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straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: Sol, Schrift ⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnach richten Anzeiger Gießen.
den Entschluß des Königs feierte. Nach d'Annunzios Rede zogen die Temonstranten unter Absingen von Nationalliedern, während die große Glocke des Kapitolturmes ertönte, die sonst nur an. nationalen Feiertagen geläutet wird, zur französif chen B ot⸗ schaft, wo die französische Fahne aufgezogen wax. Diese wurde von der Menge unter Neigung ihrer Fahnen mit Hochrufen begrüßt. Der franz. Botschafter Barre re erschien auf dem Balkon des Pa⸗ lais Farnese und warf mit dem Ruf„Evviba l' Italia!“ Blumen auf die huldigende Menge. Dann hielt er eine französische Ansprache, in welcher er sagte, daß er in der Kundgebung des römischen Volkes erfreuliche Auspizien für den gemeinsamen Sieg der Franzosen
und Italiener sehe. Seine erneuten Rufe„Evviva l'Italia“ wurden mit lebhaften Hochrufen auf Frankreich beantwortet, die in nichts
der Begeisterung nachstanden, die sich bei der letzten Kundgebung vor der englischen Botschaft zeigte, als der englische Botschaften Rodd und seine Frau der Menge Blumen und Kußhände zuwarfen.
Nach einem Vorbeimarsch am Ministerium des Innern, wo Sa⸗ landra lebhafte Ovationen bargebracht wurden, löste sich der
Demonstrantenzug ohne Zwischenfälle auf. 5
Bafel, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel⸗ dung der„Basler Nachrichten“ aus Mailand hat in Bologna der Vorstand der sozialistischen Partei mit den tretern des Allgemeinen Arbeiterbundes und der so⸗ zialistischen Parlamentsgruppe über die Haltung be⸗ raten, welche die Partei in der Kriegsfrage einzunehmen habe. Es wurde jeder Gedanke an einen Generalstreik fallen gelassen und eine Tagesordnung angenommen, in der die unerschütterliche Abneigung des Proletariats gegen die Teil⸗ nahme Italiens am Kriege bestätigt und die parlamen⸗ tarische Gruppe verpflichtet wird, gegen jede Kreditforderung für Kriegszwecke zu stimmen. Alle Organisationen werden zur Abhal⸗ tung von neutralistischen Kundgebungen aufgefordert. 1
Der Rücktransport der Italiener.* Bern, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) In Erwartung großer Rücktransporte von italienischen Staats⸗ angehörigen aus Deutschland und Oesterreich⸗-Ungarn durch die Schweiz und zum Teil auch aus der Schweiz selbst, erneuertg die italienische Gesandtschaft in Bern das mit den Bundesbahnen über den Rücktransport von unbemittelten italienischen Staats⸗ angehörigen im August vorigen Jahres abgeschlossene Abkommen. Die mittellosen Italiener werden demnach auf Kosten der italieniu⸗ schen Regierung unter Anrechnung der üblichen Taxe für Gesell⸗ schaftsbillette nach Italien rückbefördert. 5
Austauschvertehr zwischen der Schweiz und Italien. Basel, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Nach den„Basler Nachrichten“ ist zwischen der Schweiz und Italien ein Ab⸗ kommen über einen Austauschverkehr abgeschlossen worden Die schweizerische Bundesregierung wird ausführen lassen: Zucht⸗ vieh, entsprechend dem eingeführten Gewicht des Schlachtviehs, mo⸗ natlich 1200 Zentner, Zelluloidwaren, 3000 Tonnen Abfalleisen, Farben, Anilinstoffe, Oele und 250 Waggon Holz. 2
Aus dem Reiche.
Berlin, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Wiedererö nung des Postdienstes innerhalb des Gebietes des Kaise lich Deutschen Generalgouvernements Bel gien nunmehr vollendet. Sämtliche Orte und Wohnstätten in diesem Gebiet sind an das neugeschaffene Postnetz der deutschen Post⸗- und Telegruphenverwaltung in Belgien angeschlossen. Das Gebiet um⸗ faßt die Provinzen Antwerpen, Brabant, Limburg, Lüttich, Lurem⸗ burg, Namur sowie die Provinz Hennegau mit Ausnahme des
Au Kreises Tournai. In das Gebiet einbezogen sind außerdem d französischen Landesteile von Giwet
und Fumay mit den Posto Aubriwe, Fumay, Givet, Hargnies, Haybes und Vireux⸗Mobha Nicht einbezogen ist Maubeuge mit Umgebung. Dieser franzöfi Landesteil, der dem Generalgonvernement in Belgien zugeteilt i gehört ebenso wie die Provinzen Ost⸗ und West⸗ Flandern der Kreis Tournai noch zum Bereiche der Feldpost der Westarmeen. Görlitz, 19. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Auf die an dei Kaiser und König, den Markgrafen der preußischen Oberlausitz, anläßlich der Hundertjahrfeier der Zugehörigkeit des Mark; tums Oberlausitz zur Hohenzollern-Monarchie gesandten Huldigungstelegram me der Stände der preußischen Obe r⸗ lausitz ist folgende Antwort an die Stadt Görlitz eingegangen: „Landeshauptmann von Wiedebach⸗Nostiz, Stadthalle Görlitz Den Ständen des preußischen Markgrafentums Oberlausitz und der Stadt Görlitz meinen herzlichen Dank für die Erneuerung des vor hundert Jahren meinem Hause geleisteten Treueides und freundlichen Segenswünsche. Gott der Herr sei auch ferner unserer gerechten Sache und schenke unserem Volle nach siegreie Ueberwindung unserer Feinde einen ehrenvollen 3 10 ilhelm R.
grafsen⸗
der
Skizzen aus Lissabon.
Der Ruhm von Lissabons Schönheit, zu dessen Herold sich auch Lord Byron gemacht hat, ist so alt, wie die Geschichte der Stadt selbst; aber es hat eine Zeit gegeben, wo Lissabon zugleich auch den und die Stellung einer der mächtigsten Hauptstädte der Welt genoß. Das war damals, als portugiesische Schiffe eine neue Welt entdeckten und eroberten, und damals, in den Tagen des Königs Manuel, entfaltete sich Portugal als Hauptstadt zu einer glänzenden, an Bauwerken und Schätzen überreichen Kunststadt. Von allem weist das heutige Lissabon nur noch kümmerliche Spuren auf. Das Erdbeben von 1755 vernichtete mit einem Schlage fast alles, was so viele Jahrhundert in dem Kerne der Hauptstadt ge⸗ schaffen aufgebaut hatten. Wer sich heut noch einen Begriff ih Erscheinung verschaffen will, der muß in die nicht chen engen und gewundenen, oft sehr steilen sondere um den erg oder in der Burg selber,
im Osten und Nordosten der Stadt wandern; da findet er manches Häuslein und manche Gruppe aus der Zeit vor dem Erdbeben— schmale, sogar nur einfenstrige,
tiefe, mehrstöckige Häuser und Balkone aus dem 16. und 17. Jahr⸗ hun und felbst noch älter. Und noch stehen an den wichtigsten . Punkten der Stadt diese Massen jener alten Paläste, die nach vorn oft in vielen Stockwerken über die unteren Straßen 55 2 Himmel ragen, von der Rückseite aber vielleicht nur ein g So ging Lissabons alte Stadtherrlichkeit dahin. Allein diese wundersame Stadt, die sich über dem breiten, maiestätischen Tajo an den der letzten Ausläufer des Estremadura⸗ 15 0 über der„Baira“, der Unterstadt, aufbaut— diese Stadt hat eine schier unerschöpfliche Lebenskraft erwiesen. Ein neues Lissabon erstand an der Stelle des alten, zusammengebroche⸗ nen. tenische und italienisch geschulte Künstler errichteten eine an der Stelle des alten Terrriro dos Pacos Praco do Commercio errichtet, heut das Herz der Mitte der—— von 5 7 8 der 2 72 rien umgeben, denkmalgeschmückt, mit Triumphbogen in die regel⸗ wuaßig Stadtteile wetsend
. an
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trefflichen
voll emporreckt.
gar viel Schönes an Straßen und Platzanlagen finde
geschmiedet.“
Und Lissabons i 5 0 durchwandert. Einen der größten Reize besitzt dies einzige Stadt⸗ bild in seinen üppigen Gärten.
übercinander getürmten Häusermassen
reicher Brunnen mit frischem sprudelndem Waller erfreut, ein großer mächtiger Aquädukt ihr zuführt. Die
weißen Mustern, den„Azulcjos“, zu belegen. Diese
seinerten Form zur Anwendung gelommen. Die zahlreichen Kir
ßigen Bau e ist die Schönheit
des Lissaboner Stadtbildes, die in Albrecht Haupt, dem bekannten 0 Kenner der portugiesischen Kunst, dem wir ein aus⸗ gezeichnetes Büchlein Lissabons verdanken, einen begeisterten Schil⸗ derer gefunden hat.„Wie die Stadt rasch vom Flusse aus sich erhebt, die zahlreichen Hügel umfassend und belebend, rings um die Niederstadt, die als kurzes, flaches Tal in die Mitte des Ganzen sich hineinschiebt, erst im Hintergrunde ansteigend, wie das Häuser⸗ meer sich als ungeheures Panorama den Fluß hinauf und hinunter⸗ zieht. überall durchbrochen von den kirchengekrönten viel mehr als sieben Bergen, deren markantester östlich das Kastell trägt, wie an dessen Abhange die alte Kathedrale ihre stumpfen Türme kraft⸗ Alles das ist auch heute noch ein ganz außer⸗ ordentliches, reiz und wechselvolles, zugleich imposantes Bild, eine Freude für das Herz des Städtebauers, der hier denn im Innern t. Wenn man gar abends gegenüber am andern Tejo⸗User auf der Almada steht, und die steil hinaufsteigenden Straßen füllen sich mit funkelnden Lichtern bis hoch hinauf in die Hügellandschaft, wenn die langen Reihen der Laternen leuchtende Perlenketten bilden, wie wenn sie einen Christbaum schmückten, wenn das imposante und herrliche Ganze sich im gewaltig breiten Tejo spiegelt, im Westen ein mäch⸗ tiges Abendrot über dem Atlantischen Ozean langsam vergküht, solches Bild hinterläßt unvergeßliche Eindrücke— ein Meisterwerk aus Natur, Kultur und Kunst zu herrlicher Schönheit zusammen⸗
Schönheit hält stand, wenn man seine Straßen
Hier vereinen sich die graziöse Palme mit ihrer ornamentalen Blätterkrone, strenger Lorbeer und üppige, leuchtend blühende und starke Düfte ausströmende Tropen⸗ gewüchse mit den Sträuchern und Bäumen des Nordens in den schönen öffentlichen und privaten Gärten, die noch hoch über den 0 ihr saftiges Grün auf⸗ bauen. Dazu kommt, daß sich die Stadt infolge ihrer Lage 5 Privathäuser machen einen heiteren und angenehmen Eindruck dank der origi⸗ nellen, wahrscheinlich aus der maurischen Zeit überkommenen Sitte, die Außenwände der Häuser mit Fayence-Platten in 8 1— Art des Schmucks ist übrigens auch in Kirchen mehrsach in einer ver⸗
chen, im Barockstil erbaut, sind interessant; insolge ihrer hohen Ge-] Lage genießt man von ihnen gewöhnlich irgend eine neue und
das Häusergewirr Lissabons, dessen Straßen bisweilen so h übereinander verlaufen, daß die steilen Verbindungsgäßchen ersteigen einem den Atem rauben kann.
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— Ein neuer Beitrag Wilhelm v. Bodes zur holländischen Kunstgeschichte. Wilhelm v. Bode, der schon feit einem Mensckenalter zu den anerkannten Meistern der Folländischen Kunstgeschichtsforsching zählt, veröffentlicht soeben in der bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinenden Jeitschrif für bildende Kunst“ eine neue Studie über einen holländif Künstler, und zwar ist es Jan van der Heyden, mit dem er sich diesmal beschäftigt, jener holländische„Canaletto“, der sich vor allem durch seine überaus fein und sorgsam durchgeführten Stadtanfichten bekannt gemacht, übrigens aber auch als Techniker es zut Ruf und Rang gebracht hat. Er war ein erfinderischer Kopf, der seine Gedanken auch in die Praxis einzuführen und kaufmännisch vorzüglich zu verwerten verstand und der 1672 den Posten eines obersten Brandmeisters und Leiters des Beleuchtm wesens von Amsterdam erhielt. Die Neuerungen, die er dort 0 seinem Gebiete einführte, machten ihn so bekannt, daß er um ihretwillen auch ins Ausland berufen wurde. Namentlich hat ihn der Kurfürst von der Pfalz in Düsseldorf und anderen seiner Städte beschäftigt, wodurch denn van der Heyden wiederholt den Rhein hinaufkam in die malexischen Orte, die er neben den Städten seiner Heimat und gelegentlich auch Belgiens mit be⸗ sonderer Vorliebe in seinen Bildern dargestellt hat. Doch kann, wie Bode hervorhebt, der Maler diese Orte nicht erst damals kennen gelernt haben, denn seine Bilder sind der großen Mehr⸗ zahl nach schon in den Jahren vor seiner Amtstätigkeit ent⸗ standen; ja seine Künstlerschaft liegt überhaupt im wesentliche vor dieser Zeit. Die Bilder, die er später gemalt hat, sind ihrer pedantischen Sorgfalt, ihrer nüchternen Aus führung und ihren trockenen Farbenauftrage in nicht eben erfreulicher Weise erke bar: in den Werken dieser Periode bat van der Heyden Detail so mikroskopisch durchgeführt, daß man wirklich, wie einst von ihm gerühmt worden ist, die roten Klinker der Bauten darauf zählen kann. Für die Datierung der Werke des Malers bietet
nach Bodes Darlegungen, ihre Staffage einen zuve igen Anha van der Heyden ließ nämlich die große Mehrzahl seiner Bilder von anderen Künstlern, wie Adrigen van de Velde, Jan Ling
bach und Willem dan de Velde, mit Figürchen verschen, und nach den Todesiahren dieser Mitarbeiter lassen sich die Arbeiten van der Heydens zeitlich mit Sicherheit staffeln. 3
schöne Aussicht auf die weite Wasserfläche des Tejos und auf
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