* 8
Erscheimt täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Steßener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Eine Fahrt nach dem zerstörten Ypern. „Ein englischer Offizier gibt in der„Times“ eine eindrucksvolle a 1 3 gefahrvollen Fahrt im Kraftwagen nach Mpern, die er mit drei Kameraden unternahm. Von der Stadt aus, in der sie lagen, fuhren sie erst die Hauptverkehrsstraße entlang, auf der sie Versorgungs⸗ und Munitionskolonnen, Roten Kreuz⸗Automo⸗ bilen und allen Arten von Transporten begegneten, die sie zu einem kriechenden Tempo zwangen Sie kamen durch mehrere kleine Dör⸗ fer, die mit Soldaten angefüllt waren. In der Ferne hörten sie den Donner der schweren Geschütze. Als sie noch eine Strecke weiter jahren, waren sie die einzigen Lebewesen auf der verwüsteten traße. Sie wunderten sich wohl über diese völlige Ruhe, waren aber nicht vor dem Wege gewarnt worden.„Weiter porn“, er⸗ 1— der Offizier weiter, konnten wir wenigstens sechs Flieger ehen, die sich wunder voll klar vom Himmel abhoben. Von über⸗ all war das„Bum“ der Abwehrkanonen zu hören, und hoch oben eine weiße Rauchwolke und dann das eigentümliche Aechzen der platzenden Schrapnells. Wenigstens 50 Granaten wurden auf das eine Flugzeug abgefeuert, das sich in rasender Geschwindigkeit fort⸗ wegte. Die ganze Luft zuckte von berstenden Schrapnells, und es schien, als ob niemand da oben am Leben bleiben könnte. Wir hör⸗ ten die Granaten, die über dem verwüsteten pern platzten, und sahen bisweilen den Blitz, wenn sie zersprangen. Auf eine Eisen⸗ baßmlinie war eine deutsche Granate gefallen, eine der Schienen hatte sich geworfen und hoch in die Luft aufgerichtet. Ueberall tru⸗ die Felder Zeichen des Krieges, sie waren von ungeheuren ae zerrissen Wir mußten sehr vorsichtig fahren, da die Straße stellenweise in Stücke gesprengt war. An einem Felde kamen wir vorbei, auf dem kaum ein Quadratfuß Gras stehen geblieben ist. Die Löcher sind ungeheuer und zum Teil mit Wasser gefüllt. Plötz⸗ lich zuckte eine blendende Flamme auf, ein betäubender Knall, und unser Wagen schwankte. Jeder hatte einen Stoß in den Rücken er⸗ halten und kauerte nieder, als eine furchtbare Ladung Erde, Holz und Steine über uns und um uns her flog. Wir waren in großer Bestürzung. Die Granate war nur etwa 20 Meter von uns ent⸗ t herunter gekommen und explodiert. Ich war halb taub. Wir weiter, jede Minute eine zweite Granate erwartend, da wir wußten, daß wir von den deutschen Beobachtungsposten bemerkt worden waren, und daß sie auf uns zielten, während wir die zer⸗ störte Eisenbahnstrecke photographierten. Wir rasten weiter, ohne zu wissen, wo und wann eine andere zu erwarten war. Die Rich⸗ tung der nächsten Granate war vorzüglich, und nur ein Zwischen⸗ raum von kaum 20 Meter rettete uns. Wir fuhren durch ein zer⸗ störtes Dorf, die Häuser waren alle Ruinen. Vor uns konnten wir die Trümmer der Kathedrale und einen kleinen Turm der wunder⸗ vollen Tuchhalle von Ypern sehen. Der große Platz, die Eisenbahn⸗ station, die Kathedrale, die Tuchhalle, alles ist nur noch ein Trüm⸗ merhaufen. Steine von ungeheurer Größe liegen durcheinander, schöne Säulen, die zu sehr zerschmettert sind, um wiederhergestellt u werden. Nur die e blieben stehen, die Dächer sind weg⸗ E Im Innern ist alles zerstört. Die Kathedrale links von uchhalle ist vernichtet. Gähnende Löcher sind hier und da zu sehen. An anderen Stellen sind die runden Merkmale von Granaten. u sehen, die 1 5 hatten, aber nicht durchschlugen. Alle Türen und Oeffnungen sind verrammelt. Die wunderbaren Glas⸗ enster sind in Atome zersprengt. Außerhalb der Ruinen ist eine Statue, die erstaunlicherweise unberührt blieb, obgleich sich Steine 1 Seiten häufen. Tausende von Granaten sind dort gefallen. ö Häuser auf beiden Seiten sind Haufen von Trümmern und verbogenem Eisen. Erst als wir zurückkamen, hörten wir, wie lebensgefährlich der Weg war, den wir gemacht hatten, daß ihn sonst— 3— 1 und daß es Wahn— e n dort zu Tro waren wir men und einen E Weg wählend, kehrten wir nach Hause zurück, wo wir am Abend wieder sein sollten. Wir kamen an einer Frau vorüber, die a e heraustrug und sie auf einen Wagen lud. Eine 5 ate war in das erste Stockwerk eingeschlagen und hatte es in Stücke gerissen. Betten hingen an den Kanten, das Halfte herabgeglitten, und die Vorderseite war Ziegel und Holz bedeckten den Platz. lötzlich sahen wir alle Men— . in einen tppen stürzen, und in einer Entfernung von etwa 3 100 Meter explodierte eine Granate mit heulendem Geräusch, und Kugeln schlugen in die Dächer und sausten über die Straßen. Als wir weiterführen, konnten wir um die Stadt herum die selballons in großer Höhe sehen, die die Schützengräben fest⸗ llten. Wir machten einen großen Umweg und kamen heil zurück.“
.
*
Dach war zur zersprengt, und
4
1 1 7
Aus der Geschichte des Himmelfahrtsfestes.
Der Himmelfahrtstag ist erst in allmähliger Entwicklung zu dem Feste geworden, als das wir ihn jetzt feiern. Zum ersten
*
erwähnt wird es gelegentlich des Konzils zu Elvira in Spanien, doch bleibt unbestimmt, wie lange vorher es schon be⸗ haben mag. Hundert Jahre später aber war das Fest
nach dem Zeugnis des großen Augustinus schon allgemein ver⸗ breitet und gefeiert. Die„Ascensio Domini“, die Auffahrt des Herrn, nannte man es, und nach dieser lateinischen Form lautet in den romanischen Ländern und in England auch heute noch der Name dieses n Aber in England existiert außer der Be⸗ zeichnung„A cension Day“ noch die Bezeichnung„Holy Thurs⸗ day“, heiliger Donnerstag. Mag es nun Absicht oder Zufall gewesen sein, daß die Kirche das Fest so legte, daß es immer auf einen Donnerstag fiel, jedenfalls ist die Himmelfahrtsseier in den germanischen Völkern schließlich eine enge Beziehung zu dem alten Thiu⸗ oder Donar⸗Kult eingegangen: war doch der Donners⸗ tag im Mythus der Germanen der dem Donnergotte geheiligte Tag. Und so haben sich in die christliche Feier des Himmelfahrts⸗ tages alte Reste heidnischer Götterverehrung hinübergerettet. Nicht umsonst hatten Bonifazius und seine Mitkämpfer ihre Kreuze auf den Bergen, den alten Kultstätten der Germanen, aufgerichtet. Wie man zu Donar gekommen war, so zog man jetzt dem neuen Gotte zu Ehren auf den ehrwürdigen, alten Berg hinauf. Und im Aberglauben herrscht Donar, der Blitze schwingende, weiter. Durfte ch kein Kleid an diesem Tag genäht werden, kein Strumpf ge⸗ strickt; auch heute noch heißt es bisweilen so: das an diesem heiligen Tage gefertigt war, Man hängte Kränze,
„ 1 1 zog der Blitz an. 2 t die am Himmelfahrtstage gepflückt waren, in den Ställen auf, un das Vieh gegen Blitzschlag zu schützen, und selbst in der roten Farbe, die ein Teil der Kranzblumen haben mußte, lebte die heilige Farbe des alten Germanengottes fort.
Andererseits führte die prunkhafte Schauspiele schätzende Art des Mittelalters vielerorts zu dem Versuche, die Glorie der Auffahrt des Herrn dem Auge der Gemeinde anschaulich vorzuführen. Es
eine segneude Christusfigur stand. So gut es eben ging, strebte man, die Seile, die von ihr hinauf zur Kirchenwölbung führten, unsichtbar zu machen, oder das gläubige Gemüt des Zuschauers 4 sette sich bereitwillig über die unzulängliche Irdischkeit des Ganzen, hinweg, und unter dem Jauchzen der Orgel, unter dem Gesange der 2 57 bob sich, von Weihrauchwolket umweht, das Bild des Erlösers und verschwan
d in einer Oeffnung der gewölbten endecke, aus der dann brennend und zerfetzt der Teufel leib⸗ Aber auch diese Darstellung einer rein christ⸗
e, der der schwebende Heiland zuletzt noch sein Gesicht zu⸗
5
ieß
denn ein Kleid, der
wurde demnach am Altar eine Art Oelberg aufgebaut, auf dem l
g herunterfiel. 0 hen Szene verknüpfte sich mit altem Wetterzauber; denn von ft
105. Jahrgang
ener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Mittwoch, 12. Mai 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul-
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Die Technik des Urieges in der Tierwelt.
Auch das Tier hat seine Fernwaffen wie der Mensch, und' es bestehen 1 merkwürdige Aehnlichkeiten dabei, ohne daß natürlich der Mensch das Vorbild aus der Tierwelt nachgeahmt hat. In den westlichen Schützen— gräben werden rauch-⸗ und gasentwickelnde Bom⸗ en geschleudert, die einen betäubenden Qualm verbreiten, unter dessen Schutze der Angreifer vorgeht. Ganz etwas Aehnliches tun gewisse Tintenfischarten— daher der Name dieser Weichtiere— die am Enddarm einen Tintenbeutel besitzen, in dem sie die sogen. Sepia, eine schwarze, pulver artige Masse, produzieren, die bei Gefahr plötzlich aus— gespritzt wird. Während der Verfolger, von dem Strahl erschreckt, sich in einer dunklen Wolke befindet, ent⸗ flieht der auf diese Weise unsichtbar gewordene Tinten- fisch. Geradezu zur Fernwaffe hat diese Methode der ameri— kanische Stinkdachs oder Skunk ausgebildet, von dem W. H. Hudson in seinen Studien über den La Plata allerhand Merkwürdiges erzählt. Dieser Skunk, der übrigens ein ge— schätztes Pelzwerk liefert, schießt„mit Präzision eine wohl- gezielte Ladung des Stinkdrüsensekretes bis auf sechs Meter Entfernung auf seinen Verfolger.“ Mit er⸗ staunlichem Erfolge, der für seine Verhältnisse dem der Kriegs⸗Rauchbomben nicht nachsteht: der Geruch„soll auf Kilometer wahrnehmbar sein und soll über einen Monat lang sich bemerkbar machen. Menschen, die mit ihm in Berührung gekommen sind, sollen auf Wochen für den Verkehr mit anderen Menschen unmöglich sein. Wenn unsere Drahtverhaue vor den Schützengräben ebenso wie die feind⸗ lichen oft mit hochgespannter Elektrizität geladen sind, so führen manche Fische, Welse und Rochen, eine ähnliche elektrische Angriffs⸗ und Verteidigungs⸗ waffe direkt in ihrem Körper mit sich. Alexander ovn Humboldt hat eine klassische Beschreibung der Wirkungen der elektrischen Schläge der Zitteraale usw. gegeben; die Tiere sollten eigentlich bekannter sein; denn von dem latei⸗ nischen Namen einer Gattung, Torpedo, hat eine der furcht⸗ barsten und wirkungsvollsten Fernwaffen des Seekrieges ihren Namen. Prof. Franz Doflein hat den Fernwaffen der Tiere eine eingehende Untersuchung gewidmet. Die Tintenfische sind schon genannt; unter ihren zehnfüßigen, Arten besitzen einige zwei eigentümlich gestaltete Arme, die in eine Tasche zurückgezogen und weit vorgeschleudert werden können. Auf diese Weise wird mancher schnelle Fisch ihre Beute.„Einzelne Meeresschecken spritzen Schleim⸗ fäden nach ihren Opfern und fangen sie sozusagen wie mit einem Lasso; auf dem Lande verfahren manche kleine Spinnen in ähnlicher Weise, die aus ihren Spinn⸗ drüsen Fäden nach Ameisen und anderen kleinen Insekten schießen.“ In den Flüssen Hinterindiens und des malayi⸗ schen Archipels kommt in seichtem Wasser ein kleiner Fisch vor, der Schützenfisch, welcher mit seinem eigenartig ge⸗ stalteten Maul Wasser nach den auf U en sitzenden Insekten spritzt und sie mit verblüffender Sicherheit her⸗ unterschießt. Eine sehr wirksame Waffe bilden die Nesselkapseln der oft so schönen Meeresquallen, die gerade bei den räuberischen Formen unter ihnen in großen Massen
zu„Nesselbatterien“ vereinigt auftreten. Diese ent⸗“
halten auch Gift, und„die Giftwirkung einer großen Staats⸗ qualle, wie z. B. einer Physalia, ist so gewaltig, daß selbst ein erwachsener Mensch durch ihre Berührung betäubt werden kann.“ Die Schwammfischer und Taucher leiden infolge der häufigen Berührungen mit den Gift- stoffen der eben erwähnten Quallenarten, die unter ihnen als„portugiesische Galeeren“ gefürchtet sind, an einer be— sonderen Krankheit, die schmerzhaft und sehr unangenehm ist. Wenn bei allen modernen Heeren aus Rücksicht auf die Geländeanpassung die„feldgraue“ Uniform eingeführt ist, so haben Steppen- und Wüstentiere längst die„Fhaki— uniform der Wüste“, wie Doflein anschaulich sagt, entwickelt, während die Bewohner der Schneegefilde sich in
weißen Nüancen anpaßten(wie berichtet wurde, trugen in den Winterlämpfen der Karpathen manche österreichische Truppen, denselben Gedanken der„Anpassung“ nutzbar machend, weiße Leinenkittel über der Winteruniform), die Urwaldtiere ein grünes oder buntes Kleid anlegten usw. Etwas den Flatterminen Aehnliches hat die Larve des Ameisenlöwen entwickelt, die nicht nur sinnreich kon⸗ struierte„Trichterfallen“ baut, sondern auch aus dem Grunde die sich nahenden Opfer mit Sandkörnern bom⸗ bardiert, daß sie in die Tiefe stürzen. Die kunstreichen Netz⸗ gewebe mancher Räuberspinnen erinnern an die schützen⸗ den Stacheldrahtverhaue vor unseren Linien, an denen Hunderte von Feinden nach den Berichten von Augenzeugen oft verblutend hängen blieben. In manchen Ameisenstaaten, in Mitteleuropa bei einer einzigen Art, ist eine richtige Kriegerkaste, also ein„stehendes Heer“ ausgebildet. Hier hat der Soldat„einen riesigen Kopf, mit dem er im Falle eines Angriffes die schmalen Gänge im Ameisenbau blockieren und mit seinen starken Kieferzangen beherrschen
kann.“ Manche tropische Ameisenformen haben diese Kiefer
„enorm säbelförmig entwickelt“, womit sie den Ge
schwere Wunden beibringen können. Schließlich sei noch erwähnt, daß Gorilla und Schimpanse nach den allerdings von manchen Forschern angezweifelten Berichten Du Chaillus Baumäste als Angriffs- oder Verteidigungswaffe benutzen, das heißt eine„Gewehrkolbentaktik“ an⸗ wenden. So bieten Krieg und Kriegswaffen in der Tierwelt ein merkwürdiges Spiegelbild des menschlichen Kampfes.
vermischtes.
»Eschenholz aus den Argonnen. In sind von der Heeresverwaltung aus strategischen Gründen umsang⸗ reiche Holzsällungen unter Leitung deutscher Forstbeamten vor- genommen worden. Dabei handelt es sich namentlich um hoch- wertige Eschen im Argonnenwalde, die nun, wie die„Holzwelt“ erfährt, zu einem erheblichen Teil in Stämmen nach Hamburg ab- transportiert und dort zur Verwertung zunächst eingelagert worden sind. Wenn sestgestellt ist, daß der direkte Heeresbedarf gedeckt ist, soll das Eschenholz im Wege des Meistgebotes verkauft werden.
»Die Kommandierstimme. Wie wichtig die Aus⸗ bildung des Sprechorgans für den Offizier ist, zeigt das Schicksal des berühmtesten preußischen Husarenführers, des Generals Ziethen, der vom König Friedrich Wilhelm J. mehrmals im Avancement übergangen wurde, weil er eine zu schwache Stimme hatte. Graf v. Schwerin schrieb am 1. Januar 1724 an den König, er möge die offengewordene Leutnantsstelle für den zweimal über- gangenen Ziethen reservieren, nachdem der König bereits den v. Camenz dem Fähadrich v. Ziethen vorgezogen, weil Letzt⸗ genannter„eine schwache Stimme zum Kommandieren hat“. Und er meint in dem Schreiben, daß„v. Ziethen auch sonst außer seiner
kleinen Statur und schwachen Stimme ein tüchtiger Offizier ist“.
Jedoch Ziethen wurde wieder übergangen und einige Monate später nochmals. Er richtete dann ein Immediatgesuch an den König, und da auch dem keine Folge geleistet wurde, ward er auf sein Ansuchen im August 1724 dimittiert, erst zwei Jahre später dann bei einem anderen Regiment reactiviert. Daß er trotz seiner kleinen Statur und trotz seiner schwachen Stimme eine kavalleristische Größe wurde, beweist, daß das Vorurteil gegen die schwache Kom⸗ mandierstimme, die heute noch verbreitet sein soll, ziemlich un⸗ berechtigt ist. 5
Wundsein der Haut ist vielfach ein Mangel an Rein⸗
an Hautflächen, die sich aneinander reiben
findet sich gewöhnlich befonders werden Säng⸗
oder durch Schweiß gereizt werden. Ganz
linge und korpulente Leute von diesem lästigen Uebel geplagt. Bevor
es zu offensichtlichem Wundsein der Haut kommt, bildet sich eine entzündliche Röte an den betreffenden Hautstellen, welche dann zu nässen anfangen. Gegen diese äußerst lästigen Erscheinungen des Wundseins sind Waschungen und Einreibungen von Ober⸗ meyer's Herba ⸗Seise von der vorzüglichsten Wirkung. Für kleine Kinder, korpulente Leute und alle mit reizbarer Haut, namentlich auch für Touristen ist der Gebrauch von Obermeyer's
Herba⸗Seife ein unentbehrliches Hilfsmittel. Herba⸗Seife ist in allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien à Stück 50 Pig,
verstärktes Präparat 1 Mk. erhälttich. 1% hy.
wandte, sollten für das folgende Jahr die Gewitter kommen. Weil aber das Schauspiel mit der Zeit auszuarten begann, auch nicht selten zu Unglücksfällen führte, so setzten bald Verbote dieser Art von Himmelfahrtsfeiern ein, und Friedrich der Große hat das Himmelfahrtsfest in seinen Staaten sogar überhaupt ab⸗ geschafft. Ein Zufall wollte, daß gerade das auf die Abschaffung folgende Jahr ein starkes und ungewöhnliches Zunehmen der Gewitter und Blitzschläge brachte; allenthalben murrte man über die scheinbar vom Himmel selbst 9 4— Beseitigung des hei⸗ ligen Tages, aber Friedrich, der große Vernunftmensch, ließ sich dadurch nicht beeinflufsen. Erst Friedrich Wilhelm II. setzte den e eee wieder in seine alten Würden ein. In katho⸗ i erhalten; erst 1835 wurde ihm z. B. in der Diözese München durch einen Erlaß des Erzbischofs ein Ende gemacht. Wohl die berühm⸗ teste aller Himmelfahrtsfeiern war die Venedigs. Dort wurde an diesem Tage nach alter Sitte der Doge als„Herr und Gemahl“ dem Meere vermählt; auf dem goldstrotzenden Bucentoro stehend, von den Edelsten des Staates umgeben, warf er unter dem Donner der Kanonen, unter dem Läuten der Glocken und dem Jubel der Menge auf den bunt bewimpelten Schiffen ringsumher, am Lido den Verlobungsring in die Wogen. 1797 ist zum letzten Mal diese prunkvollste aller Himmelfahrtsfeiern begangen worden. *
— Ueber die Berliner Phitharmoniker in Br üssel wird uns geschrieben: Die Kunstpionierarbeit der Kölner hatte das Eis geschmolzen, leichter öffneten sich nun die Pforten „Monnaie“ zweimal den sieggewohnten Berliner Philhar⸗ monikern. Fehlte auch das Bedeutsame jenes Gürzenich-Abends als des ersten künstlerischen Vorstoßes im besetzten Brüssel— so hatten doch Künstlernamen von Klang, an der Spitze Wein gartner, im Verein mit dem Bewußtsein eines Wohltätigkeits⸗ aktes ihre Wirkung selbst über die Grenzen der genußfrohen Stadt ausgeübt. Leider beschränkte sich entgegen dem ursprünglichen Pro⸗ gramm der Anteil der zugkräftigen Solisten, Walter Kirchhoff und Artur Schnabel auf den ersten Abend, der sich im wesent⸗ ichen zu einer Huldigung an Beethoven und zu einem Triumph seiner Mittler(Kirchhoff ließ den Liederkreis„An die ferne Geliebte“ hören) gestaltete. Die Gaben des folgenden Abends bestritt Weingartner mit seiner Gattin allein. Das von ihm ele⸗ gant und überlegen geführte Orchester entfaltete wundervolle Klangschönheiten, es genügt, die in ihrer Stimmungssteigerung so recht als Introduktion geeigneten Lisztschen Präludien Nr. 3 zu erwähnen. Dem Dirigenten trat sodann der in Belgien weniger bekannte Komponist zur Seite, dem Gatten als besonders spannen⸗ des Moment die Gattin. Weingartner hat den modernen Lieder⸗ chatz um manche feine Schöpfung bereichert; unter den vier Lie dern, die Frau Lucille mit Orchesterbegleitung unter wechselseitiger
n Gegenden blieb sogar das Schauspiel der Auffahrt noch lange druck
Anpassung ansprechend zum Vortrag brachte, war Gottfried Kellers
besonders schöne, gedankentiefe Dichtung„unter Sternen“, die allein schon Musik ist. Beifall und Blumen dankten den Gästen. Das eigenartige, äußere Bild des Zuschauerraums war ziemlich das gleiche wie bei dem Kölner Konzert. Und wieder sah man in dem geräumigen Haus einige der Rache ihrer Landsleute mutig trotzende belgische Musikenthusiasten. Beide Abende er⸗ freuten sich so starken Befuches, daß nach Abzug der nicht un⸗ beträchtlichen Kosten neben dem national⸗künstlerischen Erfolg auch der tiefere Zweck dieser wirklichen Kriegskonzerte erreicht sei dürfte: das Mitleid mit den Opfern des Krieges findet auf dem Wege über die Kunst in klingender Münze seinen 8 1555
— Die Kriegsarbeat am Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm. Das Riesenwerk des Deutschen Wörter⸗ buches der Brüder Grimm, an dem jetzt im dritten Menschenalter gerbeiatet wird— es erscheint seit 1852— ift von dem Kriege nicht unberührt geblieben. Manche aus der großen Zahl der Mitarbeiter sind zu den Fahnen. Tätigkeit der„Zettelzentrale“ in Göttingen ist eingeschränkt, mit den für das Werk verfügbaren Mitteln muß jetzt sehr haus⸗ hälterisch umgegangen werden: so daß die Vollendung noch in eine ziemlich ferne Zukunft hinausgeschoben erscheint. Wie Geh. Rat Ernst Friedel mitgeteilt hat, ist nach einer Auskunft des Reichs⸗ amtes des Innern der letzte Stand der„leider überaus lang⸗ samen“ Fortsetzung folgender: Die wissenschaftliche Leitung und Aufsicht liegt in den Händen der Deutschen KFommission der preußischen Akademie der Wissenschaften; diese Kommisston wieder hat eine Zentralstelle in Göttingen eingerichtet, die, außer durch einzelne Gelehrte, an den Univerfitäten Berkin, Bonn, Breslau, Göttingen, Heidelberg, Königsberg, Leipzig, Marberrg, München und Straßburg Unterstützung findet. Beteiligt waren vor dem Krrege 165 Ergerptoren, die etwa 1000 Bände zur Durcharbeitung übernommen hatten und von denen bdreits rund 100 000 Zettel eingelaufen waren. Im Durchschnitt wurden wöchentlich 5000 bis 6000 Zettel geliefert, eine Zahl, die jetzt auch nicht annähernd erreicht werden kann. Dir Jon trolle und Einordnung dieser Materialien ist natürlich eine Riesen⸗ arbeit, doch verbürgt die forgfältig vorbereitete Organisation der Sammelarbeit einen regelmäßigen und schnellen Fortschritt.“ Dr. Alfred Götze in Freiburg i. Br. hat den ersten Teil des
Buchstabens Wein Arbeit, der Bremer Stadtbibliothekar Dr. Hei⸗
dendorf die eine Hälfte von Z und Dr. Dollmayr in Wien den Anfang von U. Wenn nach dem Kriege die Arbeit wieder intensiver aufgenommen werden kann, dürfte es vielleicht möglich sein, im lommenden Jahrzehnt das monumentale Werk abzuschließen, dem keine andere Nation für ihre Sprache etwas ähnliches an die Seite stellen kanu. 5 a
——,
lichkeit oder einer überaus feinen Hautoberfläche. Dieses Wundsein
sein
r
N


