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Erstes Blatt
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165. Jahrgang
Anzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
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Noch keine Entscheidung Italiens. Die Deutschen in Libau. Der deutsch⸗öͤsterreichische Siegeszug in Galizien. Neue Angriffe auf die Dardanellen abgeschlagen.
Großes Hauptquartier, 8. Mai.(WTB.
Amtlich.). Westlicher Kriegsschauplatz.
3 rügge brachten unsere Küstenbatterien ge— stern abend einen feindlichen Zerstörer zum Sinken. Auf dem größten Teil der Front fanden die üblichen Artil— leriekümpfe statt, die sich an einzelnen Stellen— so bei Ypern nördlich Arras, in den Argonnen und auf den Maashöhen— zeitweise steigerten. Zum Infanteriekampfe kam es nur in den Vogesen. Hier griffen die Franzosen unsere Stellungen bei Steinabrück beiderseits des Fechttales nach stundenlanger Artillerievorbereitung abends an. Sämt⸗ liche Angriffe scheiterten unter starlen Verlusten für den
Feind. 5 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Unsere gegen Libau vorgehenden Truppen setzten sich in Besitz dieser Stadt. Hierbei fielen 1600 Gefan⸗ gene, 12 Geschütze und 4 Maschinengewehre in ihre Hünde. Südöstlicher Kriegsschauplatz. l
Die Verfolgung des geschlagenen Feindes durch die Armeegruppe Mackensen und die anschließenden Ver⸗ bündeten ist auch gestern— von einigen erfolgreichen Nachhutkämpfen abgesehen— in stetem Fluß geblieben. Unsere Vortruppen haben am Abend bereits den Wislok in Gegend Krasno überschritten. Das gemeinsame Handeln aller beteiligten Heeresteile im Vorwärtsdrängen führte zum Abschneiden nicht unbeträchtlicher russischer Kräfte, wodurch die Gesamtzahl der seit dem 2. Mai auf dem galizischen Kriegsschauplatz gemachten Ge⸗ fangenen bis jetzt auf etwa 70 000 gestiegen sein dürfte. Allein wurden den Russen 38 Geschütze, darunter 9 schwere, abgenommen. a Oberste Heeresleitung.
Berlin, 8. Mai.(WTB. Amtlich.) Am 7. Mai wurde vor Zeebrügge der englische Zerstörer„Ma⸗ ori“ durch das Feuer unserer Küstenbatterien zum Sin- len gebracht. Der Zerstörer„Crusader“, der zur Unter⸗ stützung heranzukommen suchte, wurde gezwungen, sich zurück⸗ 7 und seine ausgesetzten Rettungsboote im Stiche zu assen.
Die ganze Besatzung des„Maori“ sowie die Boots— bemannungen des„Crusader“ wurden von unseren Fahr⸗ zeugen gerettet und nach Zeebrügge gebracht, im ganzen 7 Offiziere, 88 Mann..
Bei dem Vorgehen unserer Truppen gegen Libau haben unsere Ostseestreitkräfte den Angriff durch Be⸗ schießung von See unterstützt.
Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Behncke.
9. Mai.
Westlicher Kriegsschauplatz.
J Bei der Fortsetzung unserer Angriffe auf Hpern war⸗ sen wir den Gegner aus seiner stark befestigten Stellung zwischen den Straßen Fortuin—Wieltje und Ghelu⸗ velt—Ypern heraus, nahmen die Orte Frezenberg und Valorenhoet und setzten uns hierdurch in den Be⸗ sitz wichtiger, die Umgegend von Ypern im Osten beherr⸗ schender Höhenzüge. An 800 Engländer, darunter 16 Offiziere, wurden bisher gefangen genommen. Französische Angriffe westlich von Lievin nordöstlich der Lorettohöhe scheiterten unter starlen Verlusten für den Feind. Bei La Bassce und bei Vitry söstlich Arras) wurde je ein feindliches Flugzeug von uns zur Landung gezwungen. Ein unter Ausnutzung von Nebelbomben unter⸗ nommener französischer Teilangriff westlich Perthes
Großes Hauptquartier,
(WTB. Amtlich.)
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wurde mit Handgranaten abgewiesen.
In den Argonnen, zwischen Maas und Mosel so⸗ wie in den Vogesen verlief der Tag ohne besondere Ereig—
nisse. Oestlicher Kriegsschauplatz.
In Libau haben wir große Lager von Kriegs⸗ vorrüten beschlagnahmt. Vor starken Kräften aller Waffen, die der Gegner bei Mitau gesammelt hat, weichen unfere gegen diese Stadt vorgeschobenen Abteilungen lang⸗ sam aus. Nordöstlich von Kowno wurde nach Vernichtung eines russischen Bataillons die Bahn Wilna—Szawle gründlich zerstört. Am Niemen bei Srednili griffen wir die ersprengten Reste von vier russischen Bataillonen, die wahr⸗
einlich zu den am 6. und 7. Mai bei Rossieny geschlagenen
Truppen gehören, auf. Erneute russische Angriffe gegen un⸗ sere Stellungen an der Pilica wurden unter großen Ver⸗
lusten für den Feind abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
In der Verfolgung des geschlagenen Feindes über⸗ schritten die Truppen des Generals v. Mackensen nach
2 Kampf den Wislok zwischen Besko(östlich Rymanow) und en Vor dem Druck der östlich und nördlich Tarn o w
nden Verbündeten weicht der Feind auf Mielec r die Weichsel zurück. An der wankenden 5
nd 9 henfront wurfen andere deutsche Truppen den
aus seinen Stellungen an der Bahn Mezoelaborcz—
Sanot. Die Beute an Geschützen und Gefange⸗
nen vergrößert sich noch fortgesetzt. Oberste Heeresleitung.
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Noch hat Italien nicht den Weg beschritten, der ihm von England unter Verlockungen und verhüllten Drohungen gewiesen worden ist, ja, in der Tatsache, daß der italienische Ministerpräsident in amtlichen Anweisungen an die Be— hörden vor Ausschreitungen gegen Angehörige fremder Staaten gewarnt hat, kann man, wenn man will, ein An- zeichen des Fortdauerns der Neutralität erblicken. On Deutschland ist über dieser großen Spannung weder das Voll noch die Regierung nervös geworden. Mit unvermin⸗ derter Freude sehen wir auf den Kriegsschauplätzen Fort- schritte überall. Libau wurde mit großen Kriegsvorräten in deutschen Besitz genommen, um Ppern sind neue Stütz⸗ punkte genommen worden, und wenn die französische Re— gierung in einer längeren Auslassung, deren Einzelheiten wir nicht wiederzugeben brauchen,„feststellt“, die deutschen
Ofsensivbewegungen, die keine Erfolge, sondern nur Verluste und Schlappen erlitten hätten, seien aus politischen Gründen eingeleitet worden, so
dürfen wir darüber verständnisvoll nicken und lächeln. Zu⸗ guterletzt wird der Krieg ja überhaupt aus politischen Grün⸗ den geführt; wohl dem, der dabei zul gelegener Zeit die kraft vollste Offensive führen kann! In Galizien schreitet der Vormarsch unserer und der verbündeten Truppen ungewöhn⸗ lich schnell voran. Mack bereits den Wislok über⸗ schritten und steht etwa ilometer vor Przemysl. Auch weiter südöstlich, an der Bahn Mezoelaborcz-Sanok, wurde, an der wankenden Karpathenfront, der Feind von deutschen Truppen aus seinen Stellungen geworfen. Ebenso meldet der Wiener Tagesbericht, daß öst lich des Uzsoker Passes, der von den Verbündeten von Westen her schon erreicht worden ist, ebenso wie in Südostgalizien heftige Kämpfe im Gange sind, wobei russische Stellungen genom⸗ man wurden. Neben Mackensen wirkt bei dem Siegeszug in Galizien auch der Erstürmer Lüttichs, General v. Emmich, mit. Die Zahl der Gefangenen, 70 000, wird bald noch erheb- lich überschritten werden. Auch an der Pilica äußern sich die Einwirkungen des großen Sieges in Westgalizien.
In England herrscht großes Gezeter über die Ver⸗ senkung der„Lusitania“. Wir brauchen uns darüber nicht aufzuregen und auch nicht in langen Widerlegungen uns zu ereifern. Die Deutschen sind konsequent; was sie ankün⸗ digen, das führen sie auch aus. Die„Lusitania“ konnte als englischer Hilfskreuzer gelten, führte Konterbande und war ganz besonders gewarnt worden. Die Art und Methode un— serer Kriegführung zur See war genugsam bekannt und erörtert. Die unverschämte Geringschätzung, mit der man die deutschen Warnungen in den Wind geschlagen hat, sind hart gestraft worden. Hoffentlich werden die amerikanischen Waffenlieferanten jetzt vorsichtiger! Wie sehr die Engländer zu Mißverständnissen und Wahnideen neigen, zeigen die Er⸗ eignisse, die an der Spitze des zweiten Blattes dieser Num⸗ mer besprochen werden. Sie verwechseln ihre eigenen Kriegs⸗ schiffe und feuern gegeneinander. Wir können die Treffsicher⸗ heit derjenigen, die„Superb“ und„Warrior“ beschossen und versenkt haben, nur loben und hoffen, daß sie von ihren Künsten weitere solche Proben liefern werden!
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Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.
Wien, 8. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Mai 1915, mittags. 3
Die Folgen der Schlacht von Tarnow und Gorlire über⸗ tragen sich nunmehr auch auf die Karpathenfrontöst⸗ lich Lubkow. Unsere Truppen, die auch hier zum Angriff übergingen, eroberten nachts den Grenzkamm nördlich der aus den letzten erbitterten Karpathenkämpfen bekannten Orte Telepocz, Zellö und Nagypolani.
Während der Wintermonate haben die Russen unter den schwersten Verlusten in wochenlangen Kämpfen südlich des Grenzlammes der Karpathen Fuß gefaßt und durch Ein⸗ seben aller verfügbaren Reserven ihre Front in den Ober⸗ läufen der Ondawa, Laborcza und Cziroka nach Süden vor⸗ geschoben. Trotz aller Stürme und wütenden Angriffe des Feindes konnte der Uzsoker Paß uns nicht entrissen werden. Nördlich und beiderseits des Passes hielt unsere Gruppe, die hier monatelang focht, felsenfest stand. Derganze Raum⸗ gewinn der Russen ist nun in wenigen Tagen verloren gegangen. Unter den großen Verlusten, die ein so eiliger Rückzug bedingt, räumte der Feind den Strei⸗ fen ungarischen Bodens, den er so mühsam erstritten hatte.
In Westgalizien nahmen die Kämpfe an der gan⸗ zen Front weiter einen erfolgreichen Verlauf. Krosno wurde gestern durch unsere Truppen erobert. Wie groß die Verwirrung und Unordnung bei der auf der 3 1 Front in schleunigem Rückzuge befindlichen Armee Radko Dimitriew ist, beweisen die im Ortskampfe um
Brzostek gemachten Gefangenen, die den sechs russischen Divi⸗ ionen Nr. 5, 21, 31, 52, 63 und 81 angehören. Teile der aus den Beskiden zurückflutenden russischen Truppen wurden an mehreren Stellen umzingelt und gefangen ge⸗ nommen.„
Die Gesamtzahl der seit dem 2. Mai Gefange⸗ * He bisher 70 000. Die Verfolgung wird fort⸗
etzt.
In Südostgalizien wurden auf den Höhen beider⸗ seits des Lomnicatales starle russische Angriffe zu⸗ rückgeschlagen. Ein russischer Stützpunkt bei Zales⸗ czuybi wurde von uns erstürmt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 5
Wien, 9. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. Mai 1915, mittags. In Verfolgung des aus seinen Höhenstellungen geworfenen Gegners haben unsere Ko⸗ lonnen den Grenztamm der Karpathen über⸗ schritten. Ungarn ist vom Feinde frei. f
Auf galizischem Boden dauert die Schlacht fort. In einem Frontraume von über. 200 Kilometern von der Weichsel bis zum Uzsokervaß weicht der Gegner zu rü. Die verbündeten Armeen haben unter siegreichen Kämpfen ungefähr die Linie Ufzokerpaß Ko man⸗ cz a- Kro sno—Debica—Szezuein überschrit⸗ ten. Im Karpathenabschnitt östlich des Uszolerpasses und an der Front in Südostgalizien haben sich nun eben⸗ falls heftigere Kämpfe entwickelt. Unsere Truppen er⸗ oberten mehrere russische Stellungen. Starke feindliche Kräfte greifen unsere Truppen auf den Höhen nordöstlich Otty⸗ nia an. Dort Kampf im Gange. Der stark befestigte Brük⸗
lenkopf Zaleszezyki den der Gegner in wochenlangen, verzweifelten Kämpfen festzuhalten versuchte, wurde gestern
von unseren Truppen erstürmt. Die Russen über den Injestr verfolgt, 3500 Mann gefangen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Ein Glückwunsch Hindenburgs.
Wien, 8. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Generalkom⸗ mandant Zeldmarschall Erzherzog Friedrich erhielt folgende Depesche Hindenburgs: Ew. Hoheit bitte“ ich, zu⸗ gleich im Namen des mir unterstellten Ostheeres, unter⸗ tänigste Glückwünsche zu den großen, von uns mit Jubel begrüßten Erfolgen in den Karpathen aussprechen zu
dürfen. 8
Der Erzherzog antwortete: Ich danke Ew. Ex⸗ zellenz für die mir auch namens des tapferen Ostheeres itbersandten herzlichen Glückwünsche zu den Erfolgen in den Karpathen, die unsere heldenhaften verbündeten Trup⸗ pen mit wahrem Heroismus erkämpften, von ganzem
Der russische Bericht.
Petersburg, 8. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab meldet; In der Gegend von Mitau schließen unsere Truppen den Feind weiter eng ein. In der Richtung auß, Mlawa nutzten wir die frisch errungenen Erfolge aus und be⸗ setzten dort am 6. Mai die Dörfer Mirrcisze und Grzymki. Wir wiefen in dieser Gegend drei Gegenangriffe des Feindes zurück. Wiederholte deutsche Versuche, die Meierei Pominni zurück⸗ zuerobern, waren vergebens. Am 6. Mai versuchte der Feind die Pilica bei Kezlovetz zu überschreiten. Er wurde aber durch unser Feuer zurückgeworfen. In Galizien, zwischen der Weichsel und den Karpathen, dauern die Kämpfe mit gleicher Erbitterung fort und haben den Charakter einer großen Schlacht angenom⸗ men. In dieser Gegend ist das Eintreffen mehreren deutscher Korps gemeldet worden. In der Richtung auf; Mezolaborcz wiesen wir sechs heftige Angriffe des Feindes mit dem Bajonett zurück. Die Zahl der Verwundeten aus der Gegend von Makuwka wächst. Im Tale der Lomnica errangen wir
auch einen wesentlichen Erfolg.
Ein nicht mehr zeitgemäßer Erlaß des Zaren.
Petersburg, 8. Mai.(WTB. Nichtamtlich) In einem an den Generalissimus Großfürst Nikolai Nikolaijewitsch gerich⸗ teten Erlaß sagt der Zar, der Generalissimus habe die Wünsche der Altvorderen verwirklicht, Rotrußland erobert uiid setzte die Befreiung des noch unter fremdem Joche schmachtenden Rußland erfuͤlgreich fort. Der Zar erklärt, diese Tat werde für immer eine der bedeutungsvollsten Blätter der Geschichte Rußlands blei⸗ ben. Ueber den persönlichen Eindruck von seiner Reise in dem eroberten Lande äußert der Zar, daß Ordnung herrsche und der Großfürst der Organisation und Verwaltung des Landes Sorgfalt angedeihen lasse. Der Zar dankt dem Generalissimus und verleiht ihm den Säbel des heiligen Georg mit Diamanten und der In- schrift„Für die Befreiung Galiziens“. Ein ähnlicher Erlaß erging an den Oberbefehlshaber an der Südwestfront, General Iwanow, dem der Alexander-Newsky-Orden mit Dia⸗ manten verliehen wird. 5


