Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Ercheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Siegener Famlllenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ tragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Kriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. kunberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, uerboten)
Um La Bassée und Givenchy. l Großes Hauptquartier, den 19. April 1915.
Eine Fahrt dicht an der englischen Front lehrte mich die Brennpunkte der heißen fünftägigen Schlatt von Neuve Chapelle kennen, die insofern von einzigartiger Bedeutung in diesem Feld⸗ zuge ist, als die Engländer zum ersten Male behaupten konnten, einen Geländegewinn errungen zu haben. Freilich war der Ge⸗ winn so winzig, daß die englischen Zeitungen die Karten fälschen mußten, um ihn überhaupt sichtbar werden zu lassen. Die Opfer aber, womit er erlauft war, waren so groß, daß die onglische Heeresleitung sie erst nach und nach einzugestehen wagte, bis dann schließlich die anfängliche Siegesfreude in England in eine ge— waltige Katerstimmung umschlug. Denn wenn es solcher Heka⸗ tomben der englischen Jugend bedurfte, um einigen deutschen Bataillonen ein paar Schützengräben zu entreißen, dann wird man Kitcheners fabelhafte Millionenarmee verfünffgchen müssen, ahne auch nur die sichere Hoffnung zu haben, die Deutschen aus Französisch⸗Flandern zu drängen. Bei allen Mitkämpfern von Neuve Chapelle habe ich die Ueberzeugung gefunden: Laßt die Engländer noch solch einen„Sleg“ gewinnen. Dann wird die ganze Welt erkennen, daß England den Krieg verliert, wie es längst seine Ehre verloren hat.
Aber davon wie vom Gange der Schlacht, den ich nun genauer schildern zu können glaube, als es die bisher vorliegenden Einzel⸗ berichte vermochten, will ich im folgenden Kriegsbriefe erzählen, Fur heute habe ich nur die Absicht, den äußeren Verlauf des Tages zu schildern, der mich über diese weltgeschichtlichen Schlacht⸗ felder führte. Da sie noch immer umstritten sind, muß ich alle Ortsangaben vermeiden, aus denen der Feind irgendwelche Schlüsse ziehen Tönnte.
Wir brachen zur frühen Morgenstunde von Lille aus auf und Datten das Programm, so weit wie möglich gegen Neuve Chapelle und die anderen Brennpunkte der Schlacht vorzukommen. Die erste Fühlung mit den Ereignissen gewannen wir in einem großen alten Kloster, das durch Schenkungen reicher Fabrikbesitzer des französischen Nordens in ein Alters- und Siechenheim verwandelt und jetzt in großzügiger Weise für unscre Zwecke umgestaltet worden ist. Wie alle übrigen Einzelheiten, so will ich mir auch die Mitteilungen über die Arbeit der Verwundetenfürsorge in einer
1 überraschenden Schlacht für spätere Berichte aufsparen. Mich fesselten zunächst die Verwundeten von Neuve Chapelle selbst. Ste schilderten ihre Eindrücke ziemlich gleichmäßig. Der Angriff der Engländer war für alle überraschend gekommen, alle hatten das Bewußtsein, daß sie von einer ungeheuren Uebermacht über⸗ kanmt werden sollten, ja viele haben diese Uebermacht— was ihr Aus harren noch ehrenvoller macht— sogar noch überschitzt. Sie wußten auch alle, bis zum letzten Musketier im Schützengraben, worauf es hier anlam. Die Engländer wollen durchbrechen, und Das soll ihnen gerade nicht gelingen. Koste es, was es wolle, koste es den 72775 Mann und den letzten Blutstropfen, durch
mmen sie nicht! g
Wie das kämpfende Volk doch zu einer Einheit verschmilzt, die ganz einheitlich denkt! Mir sagte ein Mann— der geglaubt hatte,
einer 11 Uebermacht. 1 Wahrheit an dieser Stelle etwa 12 Euglander 8 einen schen 50 8 als ich ihn fragte, wie dieser erbrückende
r ein mögen
nsturm auf ihn und seine Kameraden gewirkt habe:„Zuerst haben wir nns gefreut. daß der dicke gelbe Klumpen uns ein so schönes Schauspiel bot und nachher haben wir gedacht, die Engländer müssen selbek am besten wissen, wie wenig sie wert sind, wenn sie 20 gegen einen von uns kommen. Das haben wir ihnen dann auch gezeigt, wie wenig sie wert sind!“ Später erzählte mir an einer anderen Stelle ein Mitkämpfer, der an einer von uns schwach besetzten Stelle gefochten hatte:„Wir sagten uns, als die Engländer wie die Herden angerannt kamen: die müssen wenig Traute haben, daß
„
105. Jahrgang
Samstag, 24. April 1015
1
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen 85 Universitats- Buch- und Steindruckerei 5 R. Lange, Gießen. 105
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schule
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: ol, Schris-
leitung: 8112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
so viel auf einmal gegen uns paar Kerle anrennen. Die können also nicht so gefährlich sein.“ 1
Bald darauf hatten wir die Feuerlinie überschritten und be⸗ suchten ein Pionierhauptdepot, in welchem die Laufroste für die Schützengräben und eigenartige Kisten hergestellt werden. Da in dieser Gegend vielfach der Grundwasserstand kein Eingraben gestgttet, werden die Annäherungswege aus Kisten errichtet, welche beim Verschieben dieser Wege bis zur notwendigen Höhe aufein⸗ andergestellt und mit Erde angefüllt werden. Zur„Fabrikation dieser Spezialartikel“ ist eine förmliche Industriestadt aus Bretter⸗ buden entstanden, wo vom Zerschneiden der in den benachbarten Wäldern geschlagenen rohen Stämme bis zur Ausstapelung der fertigen Ware alle Einzelheiten einer bedeutenden und sehr fleißig und exakt arbeitenden Holzwarenfabrik zu verfolgen sind.
Nebenbei befindet sich die von rheinischen Mannschaften er⸗ baute Villenkolonie„Neu-Köln“, in der ich eine köstliche Bohnen suppe aus einem Küchenwagen genoß, der vor vielen seines⸗ gleichen einen ganz besonderen Vorzug hat. Er darf nämlich für tapferes Verhalten der Bedienungsmannschaft während der Cham⸗ pagnekämpfe das Eiserne Kreuz am Schornstein führen; das hat der Kommandierende angeordnet, und jeder achtet das Zeichen der Tapferkeit, das hier von den Verpflegungssoldaten wohl⸗ verdient worden ist. 7
Wir erreichten einen Ort, den 925 Feind täglich einige Stun⸗ den lang beschießt. Unterwegs beobachteten wir die Verfolgung eines englischen Fliegers durch unsere Abwehrbatterien. Der Eng⸗ länder stand zuerst fast senkrecht über uns. In kerzengerader Linie hefteten sich die Schrapnellwölkchen an seinen Flug, höher steigend, je höher er selbst stieg. Fast hatten sie ihn erreicht, als der Engländer aus der Feuerzone hinauskam und hinter die eng⸗ lischen Stellungen abstrich.
Etwas abseits von dem schlimm zerstörten Dorfe, über dessen Straßen ein widerlich durchdringender Geruch liegt, der aus den Parfümfässern einer von den Engländern zerschossenen Haaröl⸗ fabrik kommt, liegt ein deutscher Soldatenfriedhof, wie ich ihn ähn⸗ lich schön noch nicht gesehen habe. Das etwa sechs Morgen große Gelände ist von einem an den Kämpfen bei Neuve Chapelle beson⸗ ders beteiligten Regimente durch einen Notar in Lille rechtens gekauft worden. Ein Kunstgärtner, ein wirklicher Künstler in seinem Fache, übernahm die Ausführung. Den Mittelpunkt der einzelnen Viertel des Totendorfes bilden Baumanlagen. Un sie schließen sich, so daß der Blick des auf den Wegen Wandelnden immer ein Bos⸗ kett vor sich hat, die Reihen der Gräber, welche einstweilen durch weiße Holzkreuze gekeunzeichnet sind. Später wird jedes Grab eine Platte aus schwarzem Marmor erhalten, die in dichten Blumen untertauchen wird. Schon arbeitet der Steinmetz, während die Maurer die steinernen Pfosten für das Gittertor aufbauen. Aus einer nahen Gärtnerei, über welche die feindlichen Schrapnells sausen, holen Kameraden der Gefallenen den Blütenschmuck für die
1*—
Gräber. 7 1 So ruhen die Helden angesichts der Walstatt, auf der sie sich und dem Vaterlande um vergänglichen Ruhm geerntet haben. Von
hier nehmen wir den Rundblick über das Schlachtfeld in uns auf, während ein General stabsoffizier uns den Verlauf der Kämpfe schilderte. Vor uns lag der Bois du Biez, nahe genug, daß man hinter diesem heißnumstrittenen Gehölze den Rauch aus den schweren englischen Geschlitzen aufsleigen sah. Sie überschütteten mit ihren Granaten La Bassée, bessen abgeschossener Kirchturmstumpf weit in der umliegenden e sichtbar ist. Vor diesem Orte. der unser nächstes Wegziel war, steht inmitten einiger düsterer Tannen ein chragendes Kreuz, das bisher von deu englischen Grunaten nicht getroffen wurde. Wie es so vom Himmel her die Arme abwehrend und ohnmächtig gegen das Morden ans breitete, schien mir das Bild des an das Marterholz genagelten Heilandes Leben zu ge⸗ winnen. Aber die Granaten feuchten weiter nach La Bassée hinein, und kräftig antworteten unsere deutschen Batterien. g La Bassée mag in friedlichen Zeiten ein gastliches Städtchen sein, wenn in den Musikkiosk auf dem Rathaus platze die Feuerwehr⸗ pelle spielt und die wohlhäbigen Bürgersleute durch die sauberen Straßen spazieren gehen. Hente hängte eine junge Frau, die sich aus der Beschießung wenig zu machen schien, Wäsche in dem
Uriegerisches in deutschen Redensarten. Auch der deutsche Sprachgeist, in dem die Volksseele so zart und doch intrüglich abgedrückt ist, erweist die Deutschen als ein Volk, das dem Kriege stets furchtlos ins Auge geschaut hat. Mlent⸗ halben in Vergleichen, Bildern und Vorstellungen tauchen kriege⸗ rische Ansoielungen auf, die danm nicht selten/ in chrer ursprünglichen Bedeutung abgeblaßt sind und einen viel weiteren Sinn gewonnen baben. Recht bezei⸗ ist es z. B., daß die Redensart„ins Hintertreffen kommen“ heute schlechtweg eine Zurücksetzung bedeutet. Eigentlich hat sie natürlich nur einen militärischen Sinn, da das Hintertreffen die zunächst nicht an der Schlacht teilnehmende Truppenmacht darstellt. Zu⸗ sehen zu müssen und untätig zu sein, während die Gefährten f im fröhlichen Treffen sind, erschien den Deutschen als eine Benach⸗ teiligung, die dann durch die Redensart ganz allgemein aus drückt wird.„Den Kürzeren ziehen“ kommt zunächst von der wohnheit des altdeutschen Rechtslebens her, beim Losen ungleiche Gras⸗ oder Strohhalme zu vernenden. Vom Recht wurde der Ausdruck dann im 17. Jahrhundert auf den Krieg übertragen. So führt Albert Richter in seinen„Deutschen Redensarten“ eine Stelle aus Zinkgrefs„Apophthegmata“ an, in der es vom Mark⸗ grafen Albrecht von Brandenburg nach der Schlacht ber Sievers⸗ hausen heißt:„Als er mit Churfürst Moritz von Sachsen den kürt⸗ zern gezogen, flohe er nach Hannover.“ Hier leuchtet die Vor⸗ stellung, in der das Kriegsglück mit einem Halmziehen der beiden Parteien beim Losen verglichen wird, noch ganz deutlich durch. Rechtliches und Kriegerische berühren sich auch in der Redens⸗ art„den Handschuh hinwerfen“. Im altdeutschen Recht war der 8 schuh ein Symbol, durch dessen Ablegung man sich eines Gutes entledigte, eiin Recht an einen andern abtrat oder auch einem andern eine Beglaubigung für einen bestimmten Auftrag gab. Das Hinwerfen des Handschuhes wird dann zur Aufkündi⸗ gung der Freundschaft und damit zur Aufforderung zum Kampf. Heut ist der mdschuh in unserer Sprache ein Ausdruck, der ee ee ee e l die Fenehe, Sera e an 2 reich ist die ge Spra au Redensarten, die der Freude am fröhlichen Fechten Ausdruck geken. Deutsche Hiebe haben von jeher besonders gut gesessen, und an sinnbildlichen Bezeichnungen, die diese Seite deutscher Tüchtigkeit„konnte man sich nicht genug kun. Die vielgebrauchte Redensart in die Pfanne hauen“ ist zu erklären aus einer älteren Ausdrucksweise„Zur Bank hauen“, die vom Fleischer⸗ men ist. Die Bank war die Fleischbank, auf Metzger die Stücke abhieb, die er verkaufte. In die Pfanne werden diese Fleischstücke damn gehauen, wenn sie zum ' werden. Dies 5 flei
sondern es war mur ein
ingen lassen“ bat man fälschlich dahin
Soldaten vor der Hinrichtung „mit dem sie dann gerichtet natürlich nichts zu tun, son⸗
mend für den Kampfesmut des deutschen Volkes] den
„zur Bank“ oder„in die] Wal
C
Kiosk auf. Sie war eine der wenigen Einwohner, die ich zu
sehen bekam. Auch unsere Soldaten sind in guter Deckung, so daß ihnen der täglich wiederholte Granatenhagel 9g Schaden zufügt. Es ist still auf den Straßen und
einsam auf den Plätzen, am einsamsten in der weiten Kirche, deren Gewölbe von unzähligen Granaten durchschlagen ist, und auf deren Fußboden der durch die Geschosse abgeschlagene Oberteil des Turmes ausgestreut liegt. Beim Durchwandern zeigte mir der Stadtkom⸗ mandant ein merkwürdiges Haus. Es zeichnete sich vor anderen durch weitläufige Anlage aus und war sein Quartier gewesen, bis ihn eine Ahnung veranlaßte, umzuziehen. Und alsbald war ge⸗ rade hier durch das Dach eine Granate gefahren und hatte vom Speicher bis zum Keller alles ohne Unterschied kurz und klein geschlagen. Aber von außen sieht das Gebäude, bis auf das Loch im Dach und die zerschlagenen Fenster, beinahe unversehrt aus. Ein vorgeschobenes, böse mitgenommenes Häuschen, zu dem man nur mit einiger Vorsicht dringen konnte, gewährte einen Ausblick auf die nahen, englischen Schützengräben, die sich als braune Streifen aus dem frühlingsgrünen Weideland abhoben. Hier war es heute ziemlich still, nur vereinzeltes, auf einen ein⸗ sichtigen Platz des Ortes gerichtetes Gewehr⸗ und Masch n⸗ gewehrfeuer klang herüber. 5 Desto reger griff der Feind an einer anderen Stelle der Front an, der wir uns auf dem Wege zu einer Artilleriebeohachtungs⸗ stelle näherten, die leider infolge des in diesem feuchten Niederungs⸗ lande früh aufsteigenden Nebels keine rechte Uebersicht ge⸗ währte. Aber wir begegneten hier Männern, die aus dem Schützen⸗ graben abgelöst wurden, Leuten, die müde waren vom stunden⸗ langen Nahkampfe, aber leuchtende Augen mitbrachten. Denn sie hatten den Feind glänzend zurückgeschlagen. 3 Wie aus Zorn darüber begannen die schweren englischen Batte⸗ rien in der Richtung, von der wir kamen, wieder heftiger anzu⸗ schlagen. Deutlich vernahm man das lange, kreischende Zerreißen der Eisenkolosse: die Engländer hatten La Bassée wieder„ 9
Kamme“, wie unsere Feldgrauen sagen. 5 W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Dermischtes.
»Eine englische Marken ausstellung. Eine Aus⸗ stellung von„Kriegs“-Briefmarken findet eben in London statt. Der Hauptaussteller, Prinz Lasorge, scheint die Philatelie uit der Autographensammlung zu vereinen, denn er zeigt an ihn adressierte Briefumschläge von König Albert, Kitchener, Joffre, French, Jellicoe, Sturden und dem Erzbischof von Reims. Reckitt(der bekannte Wäscheblau- Fabrikant) zeigt die Marken der neueroberten() deutschen Kolonien Togo und Neu-Gumea. Es sind mit G. R. J. überdruckte deutsche Marken von 10 Pfennig bis 3 Mark; außer 8 diesen Buchstaben ist noch der englische Werk aufgestempelt. Diese Marken, die einen nominellen Wert von etwas über dreizehn Mark haben, werden schon im Handel mit einigen tausend Mar bewertet. Auch deutsche Marken mit dem Aufdruck„Belgien“ waren ausgestellt. Irgend jemand glaubte äußerst 92 zu sein indem er deutsche Marken mit dem Ueberdruck„Die Welt“ zeigt. — Marken wurden jedoch zurückgezogen. Auf wessen Wunsch wohl? 8*
Formamint 1 Feldpostbrief⸗Packungen in allen Apotheken und Drogerten. 5 1
dern der über die Klinge Springende ist der abgeschlagene Kop, wie es bei Luther heißt:„Die ihm den Kopf hatten über eine kalte
Klinge lassen hüpfen.“ In der Redensart„beim nehmen“ bedeutet Kragen natürlich nicht unser modernes Kleidungsstück,
sondern den Hals selbst, der im Mittelhochdeutschen„Kruge“ hieß. Der Deutsche liebt es auch, seinem Feinde„heimzuleuchten“ oder „heimzugeigen“. Diese Redensart geht ursprünglich auf die Sitte zurück, daß sich angesehene Leute bei der im Mittelalter mangeln⸗ Straßenbeleuchtung mit der Laterne nach Hause begleiten oder bei Festen durch die Musikanten mit einer besonderen Ehren⸗ musik heimführen ließen. Dieser vornehme Abgang wird dann im höhnischen Spott zu einem recht unsanften Hinausbefördern, bei dem die aus den Schwertern stiebenden Funken die Beleuchtung
die Zukunft gehörte, erschien ihm eine verhängnisvolle„dig
sein Vaterland um seine letzten großen historischen Magee bringen müsse, und als einen itt weiter auf diesem Wege zum Abgrund würde ihm der neue Krieg erscheinen, wie ihm der von 1870 erschien. In einem Aufsatz„Gobineau über Deutsche und Franzosen“, den der um die Gobineau⸗FJorschung so hochverdiente Professor Ludwi Grenzboten“ 2
machen und die Geigen wie bei dem wehrhaften Fiedler Volker früheren
— Rücken der Feinde werden, auf denen die Waffen der Sieger
Am volkstümlichsten ist die Redensart„Wichse bekommen“ ge⸗ worden. Die Stieselwichse bestand ursprünglich aus Wachs, und mit Wachs putzte man auch Dielen und Schränke blank. Das hau⸗ fige und sehr energische Bürsten und Streichen, das bei dieser Prozedur nötig ist, legte den Vergleich mit dem Verhauen eines Gegners sehr nahe. Der Krieger„schlägt sein Leben in die Schanze“. Dieser Ausdruck hat aber mit der Schanze einer Festung nichts zu tun, sondern„Schanze“ ist das französische„chance“,
das zunächst beim Würfelspiel und dann zur Bezeichnung des Kul
wechselnden Spielerglückes gebraucht wurde. Das Leben in die Schanze schlagen“ heißt also so viel, wie alles auf einen Wurf setzen Im 17. Jahrhundert aber vermischt sich die Bedeutung des Wortes„Schanze— chance“ mit der Festungsschanze und wird
nun erst zur eigentlichen kriegerischen Redensart. Wirklich vom Z
Festungskriege her kommt der Ausdruck„vor“ oder„in die Bresche treten“, der verwandt ist mit dem älteren„für den Riß stehen“, nämlich vor die bei der Belagerung der Stadt entstandene Oeff⸗ mung treten.
Zahlreich sind die Redensarten, die mit der mittelalterlichen Turnierlanze und dem Stoßdegen in Verbindung stehen. Jeman⸗ den„ausstechen“,„un Stiche lassen“,„aus dem Sattel heben“, „auf den Sand setzen“, sind alles Redensarten, die vom Turnier, dem„Stechen“, herzuleiten sind Das Stichblatt des Degens, das die Hand vor Stichen schützen soll, erscheint in„zum Stichblatt dienen“,„sticheln“ usw. Das Gewehr, das alte Schießrohr, hat Re⸗ densarten beigesteuert, wie„etwas auf dem Rohre haben“,„aufs Korn nehmen“ oder niederdeutsch„auf den Kieler“. Von den zahl⸗ reichen Redensarten, die den Soldatentod umschreiben, sei mur„ins Gras beißen“ erwähnt, schon bei Homer eine schonende Bezeichnung für das krampfhafte Erfassen der Erde bei sterbenden Kriegern, im Mittelalter ins Religiöse gewendet durch den Glauben, daß Gras⸗ halme oder ein Brocken Erde, von dem Verscheidenden auf der „ e e ee ersetzen.
Gobineau über die Nationaleitelkeit der Franzosen.
Graf Gobineau ist wohl der schärfste und doch zugleich ge⸗ rechteste Kritiker gewesen, den die französische Kultur und die fran⸗ zösische Nation in cinem ihrer Söhne besessen hat. Der fortgesetzte
satz Frankreichs gegen Deutschlaud, dem nach seiner Ansicht
8 1 K 95 1
ganz das
*
Taubstumme als höch Mangel ffer
Gobineau geschildert. keinen Ausdruck der Regierenden sich 6
Feinde und falscher Siegesberichte. Dieser zweite Teil des Krieges war kein Volkskrieg, sondern eine—— der
eine der wichtigsten Triebfedern jene nationale Eitelkeit, die so viel Unglück über Frankreich gebracht hat. 1 a 3
12 138 bVd!ñ?ĩx7


