Ausgabe 
(8.4.1915) 82. Zweites Blatt
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n eltes Blatt Erfsche int taglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGleßener Famlllendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Sießen zweimal wöchentlich. DieTCandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Die deutschen Truppen in den Karpathen. II

Mit denselben treuherzigen Liedern, mit denen sie in Belgien, in Frankreich und in Polen eingezogen sind, kommen unsere Regi- menter und Ersatzmannschaften in die kleinen ungarischen Städte hereinmarschiert und bringen außer ihrem schweren Gepäck ein 1 unverlierbares Stück Heimat mit in die Karpathenwelt.

ie Menschen haben gewechselt, viele sind vor. diesen neuen An⸗ kömmlingen für immer dahingegangen, aber das deutsche Heer ist dasselbe geblieben: starke, getroste, fröhlich gelaunte Männer in Reih und Glied, die meisten mit einem solchen Ueberschuß an Frische und Munterkeit, daß auch die zarteren Jugendlichen und die ernsten und stillen Vertreter eines älteren Jahrgangs davon angesteckt und fortgerissen werden. In ihren festen Schritten kündigt sich ein mannhaftes Selbstbewußtsein an. Sie wissen, zu welcher ritter⸗ lichen Sendung sie berufen sind, nämlich ihr Leben einzusetzen für die Befreiung der dem Deutschen Reiche verbündeten Monarchie. Und an den Fenstern und vor den Türen der Häuser stehen die Leute und rufen es sich zu: Die Deutschen kommen! Kaifer Wilhelm schickt uns seine Deutschen!

Das Leben in der Truppe, das gemeinsame kameradschaftliche Auftreten erleichtert es dem Soldaten, sich überall zurechtzufinden und in die neuen Verhältnisse ebensoviel von seinen heimischen Ge⸗ wohnheiten hineinzutragen, wie er von ihnen annimmt. Auch in der

emdesten Fremde. Und dieses östliche Karpathenland ist für den eutschen Soldaten zwar Freundesland, aber doch Fremde. Wen er auch anredet, er vernimmt zunächst nur unverständliche Laute. Hat er sich mit aller List und Kunst der Zeichensprache zu dem Ver⸗ ständnis einzelner Wörter durchgekundschaftet, so muß er beim nächsten Laden wieder umlernen, denn der eine spricht nur un⸗ garisch, der andere nur ruthenisch. Aber es gibt einen Vermittler, soviel hat er bald heraus. Das sind die Juden, die in der Stadt die Mehrheit der Bevölkerung bilden und als gewandte Dolmetscher den Handel und Wandel in allen Sprachen beherrschen unver⸗ geßliche Charakterköpfe, vom Johannes bis Ischarioth, angetan mit Kaftan und Schabbesdeckel und Knabe wie Greis mit der lang⸗ edrehten Locke vor dem Ohre herunter Mit ihnen handeln unsere

daten wie die erfahrensten Geschäftsleute, durch die Not des . laß hinreichend gewitzt, sich nicht jeden Preis vorschreiben zu lassen.

Das Bild einer solchen kleinen Stadt ist bald gekennzeichnet. Eine übermäßig breite, ausgebuchtete alte Hauptstraße, auf der sich der Trödelmarkt abspielt und wo die ländliche Bevölkerung zum Einkauf zusammenströmt. In sie einmündend und von ihr abzweigend ein ziemlich einfaches Netz kleinerer Gassen, gekreutzt und durchschnitten von der sschnurgeraden Bahnhofsstraße. Ueberall hat sich der Typus des niedrigen einstöckigen Hauses bewahrt, mit derselben Erscheinung, die sich in der ganzen Welt wieder⸗ die alten Gebäude bescheiden, einfach, anständig, von guten

hältnissen; die neuen anspruchs voll, unbeholfen, mit schlechten Dächern und albernen Verzierungen aus der Formensprache dend entlegensten Stile. Ueber die flache Masse der Wohn⸗ und Ge⸗ schäftsstadt ragen hervor: ein neumodisches Rathaus, die Syna⸗ goge, die Kirchen ber drei vorwiegenden Konfessionen und etwa ein erstes übermütiges Warenhaus von mehreren Stockwerken oder eine vornehme Landesbank. Auf die iten einer von der Natur begünstigten Lage wird wenig Rücksicht Was

früher in diesem Sinne gewirkt haben if langst verban oder von den Ausgeburten krasser 1

Nützli in den Schatten

gestellt worden. 0 und deshalb meistens

Auf der breiten, kaum gepflasterten aufgeweichten Marktstraße wimmelt es von den wunderlichsten das sind W. Naben mg weißen

. in 2 nen, die in ihren f tzig⸗weißen Ziegenfellen aus den Dörfern inkommen und langsam aus⸗ suchend von einem Krämerladen andern, von einer Ver⸗ kaufsbude vor die andere treten. Männern fällt aus ihrer Pelzmütze das Haar 3 Nacken, sie sehen dürftig und

au ergelt aus. Die i scheinen selbständiger und ener⸗ ischer; über dem Kiepe, die bloßen

cher: 1 eine große schwere eine in plumpen Wasserstiefeln, gehen sie ganz tatkräftig auf ihr Ziel los und besorgen ihren Hausbedarf unter Lachen und Ge⸗ schwät. Beide, Männer und Weiber, tragen an ihren Kleidern und Mänteln allerlei bäurischen Metallschmuck und schöne farbige Stickereien, auch sehr ausdrucksvolle bunte Säume und Besätze. Aber die städtischen Trödler bieten ihnen zu billigen Preisen die übelste Fabrikware an, triviale Stickmuster, unechte Blechbroschen und Glasperlen, und wir fürchten, die betrogenen Landbewohner lassen sich mit ihnen auf einen kümmerlichen Tauschhandel ein.

Mitten auf diesem östlichen Theater bummeln unsere Feld⸗ grauen mit der Gemittsruhe eines Weltreisenden herum und ge⸗

Auf der Reede von Mudros. Lemnos Mudros seit Wochen sind einem jeden diese Namen vertraut, seitdem der Dreiverband es für gut befunden hat, den Hafen von Mudros und die Insel Lemnos als Stützpunkt für den Angriff auf die Dardanellen zu verwenden. Wie mag es jetzt dort aussehen? Den Kriegsberichterstattern war es bisher anscheinend nicht vergönnt, einen Fuß auf den Boden von Lemnos zu setzen, und auch O. Bitetti, der Berichterstatter desCorriere,

das Leben im Hafen und am Ufer iffes von der Reede aus zu betrachten; wegen des schlechten Wetters war nämlich eine Landung unmöglich. Er kam, so schildert er in einem Briefe an sein Blatt, mit dem französischen Postdampfer Memphys vom Pyräus. Die Reise bis zum Hafen von Mudros ging auch ohne Unfall vonstatten, allein er mußte unfreiwillig dach dem bulgarischen Hafen Dedeagatsch weiterfahren. Nur eine kurze Spanne Zeit weilte er mit dem Schiffe im Hafen. Die Zahl der Schiffe, die in den verschiedenen kleinen Häfen der Bucht vor Anker lagen, so erzählt er, mochte etwa hundert betragen; es sind Fahrzeuge jeder und jeder Größe, der Hauptmenge nach

an Bord eines Sch

Kriegsschiffen sah man nur vier englische Panzer eines alten Typs und ein Schlachtschiff; dieses war an seinen Wänden von einer Unzahl von Geschossen getroffen und sah infolgedessen gestreift aus wie ein Zebra. DieMemphys fuhr an einem englischen und einem französischen Truppen⸗ transporte vorbei Wahrscheinlich waren es die ersten, die eine Landung an den Dardanellen ausführen sollten, und sie begrüßten begeistert den aus Marseille kommenden Postdampfer. Die Mem⸗ 5 ging in der Nähe derProvence vor Anker, an deren Bord eral d' Amade mit seinem Stabe desLandungsheeres weilte. Der Nordwind stand aber so auf der Bucht von Mudros, daß man das Gefühl hatte auf hoher See zu sein; obwohl viele Fahrzeuge hier zusammengekommen sind, läßt das schlechte Wetter den 0 wenig belebt erscheinen. An Bord der Truppentransportschiffe sieht man die Soldaten in Mäntel gehüllt dal iegen: sie suchen Schutz dor dem Winde, wo sie können Auch die Besatzungen der eng⸗

sieht Schlepper große Pon⸗ 5 Df Tiere

wo man sie frei sen, sandigen

der jüngst nach Lemnos woll, hat sich darauf beschränken müssen, dem

französische Transportdampfer und kleine Minenfischer. An bek

nießen die Freuden des fremdartigen Städtchens, so lange sie dauern. Bald heißt es weitermarschieren in die armseligen Dör⸗ fer, in denen kein Laden und keine Gastwirtschaft ist, und über die Dörfer hinaus in die Einsamkeiten des Waldgebirges, wo es, ohne Uebertreibung, noch Wölfe und zuweilen noch Bären gibt. Morgen muß ich fort von hier, zum Städtchen hinaus und wer weiß, wann ich eine Stadt, ob ich jemals eine Stadt wieder⸗ sehen werde! ö C. M.

In der Heimat, in der Heimat Die Kämpfe zwischen mosel und Maas.

Berlin, 7. April.(WTB. Nichtamtlich.) Aus demse

Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Be⸗ reits vor Ostern war zu erkennen, daß die Franzosen zu einer neuen großen Unternehmung gegen die von den Deut schen befestigten Maashöhen und die Cötes Lorrains schrei ten würden. Wie aussichtslos ein bloßer Frontalangriff sein würde, hatten die Erfahrungen des Winters gezeigt. Der neue Versuch wurde deshalb gegen die beiden Flanken der deutschen Kräfte zwischen Mosel und Maas unter- nommen und eine neue Armee hierfür, wie Gefangene aussagen, gebildet. Nach den ersten tastenden Versuchen und den gleichzeitig von unseren Fliegern beobachteten Verschiebungen hinter der französischen Front, sowie ein⸗ leitenden Infanteriekämpfen im Priesterwalde und west⸗ lich davon begann am 3. April eine heftige Tätig⸗ keit der französischen Artillerie im Norden bei dem vielumstrittenen Combres und auf der Südfront zwi⸗ schen Mosel und Maas. Die deutschen Vorposten gingen, als sich die feindliche Infanterie entwickelte, planmäßig von Regriéville und Fey⸗en⸗Haye auf die Hauptstellung zurück. Am Ostermontag, 5. April, begann der eigentliche Angriff der Franzosen auf die Sübdfront, zunächst nördlich Toul, dann auch im Priesterwalde, gleichzeitig am Nordflügel, südlich Orne, sowie zwischen Les Eparges und Combres. Erfolg war den Franzosen nirgends be⸗ schieden. Wo kleine Trupps an einzelnen Stellen bis an die deutschen Gräben oder selbst in sie hineingelangten, wurden sie überall wieder N e Am heftigsten entbrannte der Kampf an zwei Punkten. Zwischen Maas und Apremont kamen in dem waldigen Gelände die Franzosen nahe an die deutschen Stellungen heran, ehe ein vernichtendes Feuer sie auf kurze Entfer⸗ nung empfing. Besonders östlich Flirey entwickelte si eine regelrechte Schlacht. Den französischen Schützen, die, geschickt jede Geländefalte ausnutzend, vorgingen, folg⸗ ten starke Reserven, um den Angriff nach Norden vorzu⸗ tragen. Hier fand die deuts. rtillerie große Ziele und langte zu gewaltiger Wirkung gegen sie. Nach kurzer it waren die französischen Reserven in wilder Flucht, während der Schützenangriff im deutschen Ge⸗ Wan Ie ee ee, 1 1 8 nötig, im n i zum Bajonett zu greifen, um die deutschen Gräben zu behaupten. Sobald der Infan⸗ teriekampf am 5. April erloschen war, verstärkte sich au beiden Seiten die Tätigkeit der Artillerie. Mit welchem Erfolge für die deutschen Geschütze, geht aus der Beobachtung hervor, die am 6. April morgens gemacht wurde. Hun⸗ derte von Leichen wurden aus den französischen Grä⸗ ben nach vorwärts hinausgeworfen. Am 6. April schei⸗ terten bei Fliren drei neue französische An⸗ griffe. Auch im Priesterwalde griff der Feind von neuem an. Hier warf sich dem französischen 13. Infanterie-Regi⸗ ment ein rheinisches Bataillon,Die Wacht am Rhein singend, mit der blanken Waffe ent⸗ gegen und schlug den Feind in die Flucht. Südlich von Orne entwickelte sich am 6. April ein neuer Kampf, der für uns günstig steht. In der Mitte der Stellungen längs der Maas war nur Artillerie tätig. Bisher haben die Franzosen nur neue Mißerfolge in dem schon oft umstrittenen Gebiet zu verzeichnen, doch scheint es, als sei ihr Angriff noch nicht zu Ende.

Strande sieht man daher sich stattliche Pferdeheerden tummeln, wie in den Pampas Südamerikas; der Instinkt läßt die Pferde jedoch in der Nähe der Menschen bleiben, und so sam⸗ meln sie sich immer um das Heerlager von Mudros, das die australischen Truppen aufgeschlagen haben. Den Australiern war nämlich der Aufenthalt an Bord furchtbar langweilig geworden, so daß sie landeten, und nun haben sie ihr Lager um die kleine Dorfkirche von Mudros herum gebaut. Es sind alles Leute, die vorher in Aegypten waren. Sie waren froh, als der Kampf mit Sande am Kanal von Suez aufhörte und meinten, in ein Paradies zu kommen. Natürlich gab es eine riesige Enttäuschung, denn die Gegend von Mudros ist noch trauriger als der Sand, und außerdem weht seit Tagen ein eiskalter Wind: die Berge des nahen Samovthreke scheinen sogar mit Schnee bedeckt zu sein. Auf ein Zeichen der Memphys kommen von den Kriegsschiffen Dampfbarkassen herbei, um über die erregten Wogen hinweg ihre Post abzuholen. Dabei sieht man eine Reihe französischer Sol⸗ daten, unter denen einige sehr vedselige Zuaven sind, die voller Ungeduld von derberühmten Landung sprechen. Einige Regi⸗ menter sind schon seit einem Monat an Bord und langweilen sich natürlich fürchterlich. Seit sie hier warten, haben sie keine Post ommen, und alle verlangen mit begreiflicher Spannung nach Zeitungen.. Die Verteilung der Post ist vorbei und der damit betraute Beamte stellt fest, daß ein Postsack nicht abgeholt worden ist. Seine Aufschrift lautet: Bouvet. Die Seeleute nehmen die Kopfbedeckung ab, der eine oder der andere bekreuzigt sich auch wohl und betet. Auf Lemnos sind die Nachrichten erst recht spärlich. Wegen des schlechten Wetters der Kapitän der Memphys überhaupt nicht, ein Boot auszusetzen, die Uferbewoh⸗ ner schicken auch kein Boot ab, und so ist es, als ob die Memphys für Lemnos nicht vorhanden gewesen wäre Eine englische Dame, eine Offiziersfrau, hat ihr Gepäck schon bei der Treppe bereit, denn sie glaubte, in Mudros könne man landen, wie in einem ihrer Heimat. Sie sieht aber, daß niemand an sie denkt und wendet sich an zwei englische Offiziere, die eine Schaluppe eines Kriegs⸗ schiffes besteigen. Die Offiziere dürfen aber ihrem Wunsche nicht willfahren; so muß die Dame sich darauf beschränken, ihnen einen Brief anzuvertrauen, an Bord bleiben und den Kampf mit der See⸗ krankheit weiter kämpfen. Ihr Schicksal teilen Bitetti, ein französi⸗ scher Kriegsberichterstatter, und eine Reihe Einwohner von Mudros, die aus Amerika zurückkommen.

** Die e der Pariser Hand⸗

schriften Lionardos da Vinci. Die italienische Regierung hat, wie Ewald Rappaport im neuesten Hefte der bei E. A. See⸗

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Donnerstag, 8. April 1015

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

Unwersitäts- Buch- und Steindruckeren. R. Lange, Gießen.

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Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ 580 straße 7. Geschastsstelle u. Verlag: Sol, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Draytnachrichtem

Anzeiger Gießen. 5

Baudel. 7 rb. Dar mstadt, 7. April. Die Bankfür Handel und Industrie trat heute mittag in ihrem biesigen Geschäftshause zur 62. Hauptversammlung zusammen. Es wiren 43 Aktionare 5 mit 134057 Stimmen anwesend. Als protokollführender Notar war Rechlsanwalt Kalbhenn zugegen. Der Prästoent des Auf⸗ sichts fats, Reichstagspräsisent Dr. Kämpf, eröffnete die Sitzung 1 mit einer kurzen Ansprache, in der er auf den jetzigen gewaltigen 1 Krieg hinwies und betonte, daß dieser auch auf den Personal⸗ bestand der Bank stark eingewirkt habe; von den über 3000 Be⸗ 0 amten der Bank seien nicht weniger als 1275 zur Fahne einbe⸗ rusen und von diesen seien bisher 90 auf dem Felde der Ehre efallen. Durch diese große Zahl würden tiefe Lücken in den Be⸗ 0 stand der arbritsfreudigen Beamten der Bank gerissen. Die Ver⸗ sammlung ehrte das Andenken der tapferen Gefallenen durch Er⸗ 1 heben von den Plätzen und stimmte zu, daß deren Namen im 3 Sitzungsprotokoll verzeichnet werden. Der Präsident teilte dannn mit, daß ein langjähriges Vorstandsmitglied, Geh. Rat An⸗ dreae, der 44 Jahre hindurch der Bank angehörte, gestorben sei, dessen Andenken ebenfalls durch Erheben von den Sitzen ge⸗ ehrt wurde. Die Versammlung nahm darauf Kennt⸗ nis von dem gedruckt vorgelegten Bericht des Vorstandes und Aufsichtsrats über den Geschäfts⸗ und Vermögens⸗ stand im verflossenen Jahre. Der Bruttogewinn der Bank belief sich auf 24 018 942 Mark, gegen 27 213 708 Mark im Vorjahr, wovon an Handlungsunkosten 10 851063 Mark, ann Steuern 1 247406 Mark, an Zuwendungen für die Beamten (Weihnachten, Abschluß), Invaliden⸗ und Krankenversicherung, Reichs versicherung, Ehrengaben an Beamte, Zuwendungen an die Pensionskasse und für wohltätige(Kriegs⸗) Zwecke 2 436 980 Mark, für Abschreibungen auf Immobilien und Mobilien 615931 Mark, an Rückstellung für die Talonsteuer 160 000 Mark, an Verlust und Effekten 861 760 Mark und an Verlust aus Finanz⸗ operationen 965 657 Mark abgehen, und mithin ein Ueberschuß 92 von 6880 141 Mark verbleibt. Es wird beantragt, hiervon eine Dividende von 4 Prozent= 6400 000 Mark zu ver⸗ teilen und den Rest von 480 141 auf neue Rechnung vorzutragen. Auf die Verteilung einer Tantieme an die Mitglieder des Auf⸗ sichtsrats, die im vorigen Jahr 280 000 Murk betrug, ist in diesem Jahr verzichtet worden. Die Versammlung genehmigtg die vorgelegte Bilanz, die in Einnahme und Ausgabe mit 77 990 893 834 Mark abschließt und das Gewinn⸗ und Verlust⸗Konto für 1914, sowie die Verteilung einer Dividende von 4% und erteilte 7 den Mitgliedern des Vorstands und des Aufsichtsrats Entlastung. 2 Bei der Ergänzungswahl des Aufsichtsrats wurde beschlossen, die Zahl 8 der Mitglieder desselben von 19 auf 21 zu erhöhen. Die aus⸗ scheidenden Mitglieder: H. Bachstein⸗Berlin, Dr. Graf v Brock⸗ dorff⸗Charlottenburg, Fürst zu Erbach⸗Schönberg, Geh Kommer⸗ zienrat Dr. Gans⸗Frankfurt a. M., Generaldirektor Dr. Nasse⸗

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ch Schädlitz, Direktor Parcus und Erz. Frhr. v. Stengel, sowie die

freiwillig ausgeschiedenen Mitglieder Dr. Brettauer⸗Wien und Dr. 3 Frhr. v. Stengel⸗München wurden wiedergewählt, und als neue Mitglieder das seitherige langjährige Vorstandsmitglied Hermann Marx und Bergassessor a. D. Dr. Jäger⸗Breslau ahl In der allgemeinen Aussprache stellte Wolfskeht Darm: stadt in Anknüpfung auf die S Aufsichts⸗ rats auf eine Tantieme den Antrag, den 8 23 der Banksatzungenn dahin abzuändern, daß den Wifstebtsratsmitglledern eine seste 1 Besoldung statt der jetzigen Tantieme ährt werde. Der Präsi⸗ dent dankte dem Vorredner für diese regung; der Aussichtsrat habe aber auch seinerseits sein Kriegsopfer beitragen wollen, er müsse eine nachträgliche Entschädigung für seine Mübewal- dann nen. an sich richtigen Gedanken einer festen Ent⸗ schädigung werde man in Erwägung ziehen. In ähnli Weise sprach sich auch Geh. Rat v. Klitzing aus und die Versam 5 stimmte in diesem Sinne der Anregung auf Abänderung des 8

der Statuten zu. 7

Märkte. 8 3 X Groß⸗Felda, 7. April. Den gestrigen Oster markt be⸗ günstigte kein schönes Wetter, das Sudelwetter der Ostertage hielt auch gestern noch an. Trotzdem war die Auffahrt an Jung⸗ schweinen gut. Da die Nachfrage stark und die Preise auf der 1 Höhe waren, entwickelte sich ein flotter Handel. Es wurde bezahlt für das Paar Ferkel erster Sorte Mk. 5560, zweite Sorte Mk. 1 5055, dritter Sorte Mk. 4050. Das sind Preise, wie man sie in der jetzigen Zeitlage wohl kaum erwartet hatte. 2 ch. Bingen, 7. April. Marktpreise. Weizen Mk. 00, 0 Korn Mk. 00, 0, Gerste Mk. 00,00, Hafer Wk. 00,00, Heu Mt. 0,0, Stroh Mk. 0,00, Kartosseln Mk. 10,25, Erbsen Mk. 00,0), Linsen 5 Mk. 00,50, Bohnen Mt. 00,00, Weißmehl Mk. 00,00, Roggenmehl Mk. 00,00; alles für 100 Klar. Butter 1 Klgr. Mk. 3,20, Milch 1 Liter 25 Pfg., Eier 10 Stück Mk. 1,15.

mann in Leipzig erscheinendenZeitschrift für Bücherfreunde be⸗

richtet, die Erlaubnis erlangt, die wertvollen Handschriften Lou nardos da Vinci, die sich im Besitze der franz. Akademie befinden, Fammpenglhsch aufnehmen zu lassen. Die Einwilligung seitens Frankreichs ist gern und mit dem größten Entgegenkommen ge⸗ 1 geben worden, um auf diese Weise in etwas die Bereitwilligleit zu erwidern, mit der Italien dem französischen Volke die aus dem Louvre verschwundene Gioconda unlängst zurückgegeben hat. Wie allgemein in den Handschriften des Meisters, so finden sich auch in diesen Pariser zahlreiche Zeichnungen, Skizzen und Augenblick⸗ eindrücke, zum Teil Phantasien, zum Teil Studien nach dern Natur, die sowohl künstlerisch wie auch für die Geschichte der N Technik von größtem Werte sind. Die Pariser Handschriften bilden eine Sammlung von 12 Bänden, die seit dem Jahre 1796 im Besitze der Bibliothek des Instituts sind. Wahrscheinlich wird das italienische Unterrichtsministerium in nicht ferner Zeit eine voll? ständige Wiedergabe der Handschriften herausgeben, womit der ietzt systematisch betriebenen Lionardoforschung ein großer Dienst geleistet sein würde. 0 0 Die Entdeckung eines neuen Gemäldes von Rembrandt. Aus Stockholm wird berichtet, daß der dor⸗ tige Kunsthistoriker Olof Granberg ein neues Gemälde von Rem⸗ brandt entdeckt hat. Das Bild mißt 61: 75 Ztm. und stellt eine Anbetung der Heiligen Drei Könige dar. Herr Granberg hat das Werk um billigen Preis von einem Sammler in Stockholm er⸗ standen, und nach vorgenommener Reinigung soll es sich als eine unzweifelhaft eigenhändige Schöpfung des Meisters erwiesen haben, 1 2 2

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die aus dem Jahre 1631 stammt. Bestätigt sich die Entdeckung, so würde das Bild natürlich einen ganz gewaltigen Wert reprä⸗ sentieren. Die Oeffnung des Schreines Erichs des Hei⸗ ligen. In der Domkirche von Upsala wurde dieser Tage der dort aufbewahrte Schrein Erichs des Heiligen geöffnet. Der Oeff⸗ nung wohnten der Kronprinz, der Erzbischof und mehrere Vertreter der Wissenschaft bei. Der Schrein sollte der Ueberlseferung nach die Ueberreste König Erichs des Heiligen bergen, der im Jahre 1160 von einem dänischen Prinzen ermordet worden ist. Die Unter⸗ suchung der aufgefundenen Reste hat diese Ueberlieferung bestätigt. Die anatomische Prüfung ergab, daß dem Könige der Hals durch⸗ f geschnitten worden war, und die in dem Schreine aufbewahrte ver⸗ 3 goldete 8 stellte sich in der Tat als ein Werk aus dem 10 12. Jahrhundert heraus. Von dem Schädel des Königs wurde

ein Gipsabdruck genommen, die Skeletteile wurden photographiert 155 2 wurde dieser ehrwürdige Königssarg wieder ver⸗ en.

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