Ausgabe 
(7.4.1915) 81. Zweites Blatt
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N.. 3 1 5 5 Aa 15 täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSleßener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit tragen! erscheinen monatlich zwermal.

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165. Jahrgang

Londoner Uatzenjammer.

Unser Berliner er.⸗Mitarbeiter hatte Gelegenheit, einen

Herrn zuder soeben aus London auf Umwegen nach Wand kommen ist. Dieser Herr, Angehöriger einer neutralen Nation, weiß über die letzte Lage und Stimmung in England Interessantes zu berichten. Er er⸗ 2 Auf Trafalgar Square werden wieder hitzige An⸗ sprachen gehalten. Es bilden sich Gruppen. Aus der An⸗ sprache wird eine Rede, aus der Gruppe eine Volksversamm⸗ lung. Handwerker, Geschäftsleute, Prediger, Lehrer reden in feurigen Zungen, auch Arbeiter und Soldaten. Ein Soldat ruft: Wir haben nicht lange mehr Lust, für die Könige der City unser Blut zu verspritzen. Wenn man den Deutschen gute Geschäfte abjagen will, mag es mit anderen Mitteln geschehen. Der Krieg muß endlich ein Ende nehmen! Und ein Arbeiter, ohne Hut, klettert auf die steinernen Stufen des Nelsondenkmals und schreit: Glaubt nicht den Lügnern, die uns Streiker verdächtigen, daß wir das Vater⸗ land verraten wollen. Wir streiken nicht, um die Kohlen⸗ förderung, den Eisenbahndienst, die Munitionszufuhr zu hemmen. Wir streiken, weil wir Not leiden, weil unsere Frauen das Brot nicht mehr kaufen können, während unsere Fabrikherren dreifache Gewinne einstreichen.... Ein Herr in tadellosem Anzug mischt sich ein: Wir werden be⸗ e Wir erfahren nicht die Wahrheit. Das Spiel ist schon verloren. Der Krieg war eine Dummheit der Regierung. Wir haben vertraut, daß French die Deutschen über den Rhein treibt, daß die deutschen U-Boote vernichtet werden und daß der Frieden von uns in Berlin diktiert wird. Es ist wahr, was man uns versprach. Wir fordern Rechenschaft.

Die Menge klatscht Beifall. Der Tumult und Groll bricht über alle Schranken. Alle fühlen, daß es gar nicht gut mehr steht. Die Leitartikel der Londoner Presse schwei⸗ 1 oder lügen, aber die Kurse und Zahlen sprechen mit

* saunenstimmen. Seit dem 1. April sind die Versiche⸗ rungsprämien für Schiffe im Kanal und in der irischen See um weitere 18 Prozent erhöht worden. Es ist die neunte Steigerung seit August vorigen Jahres. Als Deutschland vor zwei Monaten seine lockade-Erklärung in die Welt schickte, stellten die mächtige White Star⸗ Linie und 27 andere englische Schiffahrtsgesellschaften ihren Betrieb ein Der Verkehr mit den Kolonien ist heute auf ein erschreckendes Mindermaß zurückgegangen Schon im Februar kam wöchentlich nur ein Schiff von Südafrika an. Vor dem Kriege waren es etwa zehn pro Woche. Heute ist der Verkehr bereits s i

die trotz mäß enorme

len Nachsch Dampf halten muß,

in tragikomischer Weise umschnappt. Da liest man u. a.

folgendes glabet: 1 Der Dienst auf den Kriegsschiffen Sr. britischen Ma⸗ jestät ist zunächst eine hohe e, Gentlemen! Nicht jeder kann blue jacket werden, der gern möchte. Bewahre! Dazu gehört Unbescholtenheit, persönlicher Schneid, Gesundheit und noch manches andere, worauf wir noch zu sprechen kommen. Aber dann die vielen, vielen Vorteile andererseits! Bedenkt, Gentlemen, für zwölf. lange Jahre ein Dasein ohne Sorgen, was sage ich: ein Leben voll interessanter rbeit, und zum Entgelt: Ehre, Ansehen, hoher Sold, Komfort, gutes Essen und Trinken, well, Roastbeef und f ing erster Qualität und soviel Sie wollen, Gent⸗

en!

Auch diese Lockungen werden nichts mehr nützen. Nie

mand will mehr seine Haut zu Markte tragen. Was an

Patriotismus und Kriegsbegeisterung gemacht wurde,

bricht jämmerlich zusammen unter dem Eindruck der wirt-

schaftlichen Notlage, der mangelndenSiege auf dem

flandrischen e der furchtbaren Offiziersver 1

luste, dann der durchsickernden schlechten Nachrichten aus Aegypten, aus dem Aegäischen Meere und aus Indien. Wahrlich, wenn die Deutschen die schlechte Angewohnheit der englischen Presse hätten, nämlich zu prahlen und sich Vorschußlorbeer zu winden, so könnten sie sich heute schon des vollen Triumphes über England rühmen. Sie tun es nicht. Sie warten noch ruhig ab Die Sache geht ihren Gang. Der Tag ist nicht weit, an dem die Londoner Regie- rung sich von einem drohenden Heere der Unzufriedenen, der Getäuschten und Mißbrauchten umringt sieht.

Uruiegsbriefe aus dem Westen

Von unserm zum Westheer entsandten Kriegsberichterstatter. Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Aus dem Tagebuch eines Franzosen vom 20. Linien⸗Infan⸗ terie-Regiment. Großes Hauptquartier, am 31. März. (Schluß.)

4. und 5. Februar. Nichts Befonderes. Völlige Ruhe.

6. Februar. Eine Neuigkeit. Man hat uns Duschen ein⸗ 28 die wir besehen im Kostüm des entschlafenen Adam. Ein gut

Lanzer gibt uns einen Eimer lauwarmen Wassers, das tut man scherzt.

7. Tebrua r. Etwas Exerzieren am Morgen, abends Ruhe. 8. Februar. Vormittags Ruhe; nachmittags Exerzieren. 9. Februar. Exzerzieren, Verteilung von Munition. Es

fängt wieder an, schlecht zu riechen.

10. Februar. Der Regiments⸗Kommandeur führt uns selbst beim Exerzieren. Er hat kein Herz für seine Leute, ebensowenig, wie die Kanone es hat. Niemals ein Wort der Aufmunterung, niemals eine Anerkennung. Er findet alles schlecht. Zunächst ge⸗ schlossenes Zugsexerzieren. Das ermüdet die Leute. Ihm aber macht's Spaß. Es 00 das denkbar unnütz in dieser Zeit. Als wir einrücken, husteten die meisten von uns bei einem Halt. Das ge⸗ fiel ihm nicht.Wenn Sie weiter husten, sagte er schreiend mit seiner scharfen Stimme,wird weiter exerziert. Der Husten ist aber schwer zu unterdrücken, man hustete also weiter.Kehrt marsch! und er hat uns noch einige Zeit weiter exerzieren lassen ur Strafe für unseren Husten. Das kennzeichnet den Mann.

ich finde es nicht 8 sich von so einem Manne beim Angriff führen zu lassen. Er liebt es sehr, sein Pferd vor unseren Augen zu dressieren oder querfeldein zu galoppieren, bis seine knöcherne kegelförmige Gestalt am Horizont verschwindet. Man kann aber beobachten, daß er stets dorthin reitet, wo keine Granaten hin⸗ fallen. Aber eines Tages, als er in den Schützengraben kam, in die erste Linie, war er weit davon entfernt, den Stolzen zu spielen und wir sahen selbst, wie er sich bog wie eine 8, wenn eine Granate kam oder eine Kugel(Dinge, auf die wir gar nicht mehr aufpassen), so daß unwillkürlich ein Lächeln um unsere Lippen spielte.

1I. Februar. Mittags Appell. Der Leutnant teilt uns mit, daß wir mo angreifen werden, am 12. Abmarsch um Mitter⸗ nicht. egung im Brotbeutel. Die Patronen sind unzählig. Decke und Zeltbahn auf dem Tornister derart, daß sie sofort ab⸗ genommen und nötigenfalls am Bande umgehangen werden können. Man sieht nach daß das Gewehr in Ordnung ist und daß das Bajonett auf den Seitengewehrhalter paßt. Es war ernst. Man weiß sehr gut, daß man im Begriff ist, Verrückte aufzuspießen. Man wartet jeden Augenblick darauf; ich möchte fast sagen, es scheine daß man sich darauf freue Denn es ist unerklärlich. Ich weiß wahrhaftig nicht, ob wir dazu eigen, infolge blutdürstiger und roher Herkunft oder weil wir Tiere sind(ja, das muß es sein); man hat Gefallen an der Gefahr.

12. Februar. 1 Uhr morgens. Tornister auf! Wir legen die Strecke zurück, etwa 8 Klm. in einem Marsch ohne Halt. Man weiß, daß unser Prachtkommandeur an der Spitze chiert. Die Mühsale seiner Leute kümmern ihn wenig. Aber beim Angriff wird man ihn kennen lernen. Laßt sehen, ob er da an der Spitze laufen wird. Am Anfang des Laufgrabens legt man die Tornister ab und hängt Decke und Zeltbahn gerollt um. Wir fassen Ergänzungs⸗ munition und fädeln uns in den unendlichen unbekannten Lauf⸗ raben ein, der nach. führt. Noch vor Tage langen wir im

orfe selbst an, einem Haufen von Mauern, die schon seit lan und auch jetzt noch Zielpunkt für die deutsche Artillerie sind. Kampf war dort besonders heftig. In den zur Hälfte zerstörten Häusern findet man noch Leichen von Franzosen und Preußen, die dort zusammenkamen, bevor sie starben und die jetzt durch die grausame Ironie des Schicksals sich brüderlich zu vertragen schei⸗ nen. O Krieg, welch häßliche Dinge tust du! Große, leichte

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5 Der erste Kunstkritiker. Den ersten Kunstkritiker hat einmal Geßner den Jüngling

genannt, der das Schattenbild der Geliebten an der Wand be⸗ Ir

wunderte, und in diesem Sinne wäre die Kunstkritik so alt wie die Kunst selbst. In Wahrheit aber hat es einer Entwicklung durch Jahrtausende bedurft, bevor als reife, viel geschmähte und doch seitdem unentbehrliche Frucht des europäischen Kunstlebens die Kunstkritik entstand. Mit dem interessanten 1 ihres all⸗ mählichen Werdens und Wachsens, der nur aus der Geschichte der Kunsttheorien, des künstlerischen Geschmackes und des Kunst⸗ publikums zu begreifen ist, beschäftigt sich nun zum erstenmal ein⸗ ein gelehrtes WerkDie Kunstkritik. Ihre Geschichte und

rie von Dr. Albert Dresdner, dessen erster Band soeben bei

F. Bruckmann in M erschienen ist. Wie das Altertum eine Kunstkritik im ei 2 auch Mittelalter und Renaissance noch nicht den Boden ihre Entstehung Erst in Frankreich zu Anfang des 18. Jahr⸗ hunderts war das Ausstellungswesen so entwickelt, und das Kunst⸗ interesse der Gesellschaft so gesteigert, daß ein Bedürfnis nach regelmäßigen Berichten über Kunst vorhanden war. Der Mercure de France, der zuerst solche Artikel über die Ausstellungen der Akademie brachte, 55 ehr behutsam vor, machte nur rein tatsächliche und historische Mitteilungen,. eine andere Auffassung von der Kritik verlangte, daß sie nur von den Schönheiten und Vollkommenheiten der Kunst⸗ werke reden dürfe. Mit dieser öden Loberei waren nun sogar die Künstler nicht zufrieden, und der Direktor der Pariser Akademie, Coypel, erklärte, solch unmotiviertes Lob mache kein Vergnügen und errege nur die unwürdigen Wallungen der Eifersucht. Wige ae den Neger au dee Traaaf In debe 174 eich 5 er aus e in e. Im Jahre 1747 erschien eeine Schrift,Betr⸗ gen über einige Ursachen des nwär⸗ tigen Zustandes der Malerei in Frankreich. Mit einer Prüfung der Hauptwerke, die im Louvre im Mai 1746 ausgestellt wur⸗ den. Es ist diesdie erste Kunstkritik im modernen Sinne, die die Geschichte kennt, und der erste Kunstkritiker war ihr Ver⸗ jasser La Font de Saint. Nenne. Hier wird das Grund⸗ der freien Kritik 5 0 Wer e n 5 Grund-

ist ein zum Druckes

auf ber Bühne dargestelltes Stück jeder

gentlichen Sinne nicht hervorgebracht hat, La Font

Mann hat das Recht, darüber zu urteilen. Seine Betrachtungen sind ein getreues Spiegelbild der Kunstideen, die die damalige Zeit beherrschen; er hält mit seinem Tadel durchaus nicht zu⸗ ück und erkennt bereits scharfsinnig die Grenzen und Schwächen des damals eben zum Triumph gelangten Rokokostils. Der Erfolg dieser freimütigen Urteile beim Publikum war außerordentlich Vielen, die bisher stumm gewesen waren aus Furcht vor

Künstlern und den Theorien der Kenner, fanden, daß ihnen aus der Seele gesprochen sei, und fühlten ihre Zungen gelöst. Das Buch war das Tagesgespräch von Paris und rief bald eine Fülle von Nachahmungen hervor. Die Künstler aber schrien Zeter⸗ mordio über diese neue Erscheinung. Sie erkannten sogleich in der jungen Kritik ihren Erbfeind und bekämpften ihn mit allen Mitteln. Mam erklärte diese Art des Urteilens als eine direkte Beleidigung, die nur die Künstler entmutigen und das Publikum irreführen könne. Der Akademiedirektor Conpel trat selbst gegen auf und wies diese öffentliche Beurteilung als eine unerträgliche ädigung des Renommees und Geschäftsbetriebs der Künstler zurück. Die Maler behaupteten, nur ein ausübender Künstler könne ein richtiges Urteil über ein Kunstwerk fällen,

und La Font solle erst einmal malen und zeichnen lernen, bevor erf

so keck aburteile. Doch diese Proteste nützten nichts; sie offen⸗ barten nur die Kliquenwirtschaft und den Eigennutz der Künstler; die Kritik war nicht mehr tot zu machen, und La Font f.

immer mehr Anhänger. Nun suchten die Akademiker zunächst ein

Verbot der kritischen Broschüren durchzusetzen, die im Anschluß] Schn

an La Font erschienen waren, und als dies nicht gelang streikten die erbitterten Kilnstler und veranstalteten im Jahre 1749 keine Ausstellung. Doch auch dies letzte Mittel versagte denn als 1750 wieder der Salon eröffnet wurde, da waren au

8 wieder die bösen Kritiken da, und alles blieb beim D en

llten Zu Anfang der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts war die Kunstkritik, die bald darauf in den Schri Grimms und Diderots ihre erste Hochblüte erleben sollte, in Paris bereits eine fast selbstverständliche Einrichtung, und niemand kümmerte sich mehr um den heftigen Streit der Geister, der vor wenigen Jahren darüber geherrscht. Auch La Font, der die Bahn ge⸗ brochen, war vergessen, und nur die Kütnstler gedachten noch mit Ingrimm desMannes, der zuerst den gehässigen Brauch gedruckter Kritiken gegen die Künstler eingeführt hatte. In eier Satire rächte sich Cochin an dem bereits Dahingegangenen, indem er tüm in der Unterwelt die Höllenstrafe zubiltterte,

ner Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

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mittwoch, 7. April 10

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschastsstelle u. Verlag: l, Schrist⸗

leitung: 12. Adresse für Draytnachrichten. Anzeiger Gießen.

Schneeflocken beginnen ganz leise zur Erde herabzufallen, fast, als bedauerten sie in Berührung zu kommen mit dem vom Ehrgeiz der Menschen beschmutzten Boden. Der Tag ist da, man wartet. Die Artillerie soll zunächst eine halbe Stunde lang die feindlichen Grä⸗ ben beschießen, dann wird das dritte Bataillon angreifen. Wir anderen, das 1. Bataillon, sollen als Rückhalt dienen; wenn nötig, wollte man uns in die Lücke einschieben, die entstünde, wenn der Durchbruch gelingt. Eine Batterie der 75er eröffnet das Feuer, dann eine andere, dann der 120er, ja sogar der 150er macht den Tanz mit. Sie speien alle einen wahren Geschoßhagel über uns hinweg aus. Unsere Herzen schlagen; der wichtigste Augenblick 28 sich. Es schneit weiter, stärker und gewissermaßen leichter, so daß der Boden schon mit einer undurchdringlichen Schneedecke be⸗ deckt ist Es vergeht eine halbe Stunde, ja eine ganze Stunde. Die Batterien spucken unentwegt. Sener bekommen wir den Be⸗ fehl, wieder abzurücken. Der starke neefall machte bei der Unter⸗ nehmung zu viel Schwierigkeiten. Wir rückten ab nicht ohne Be⸗ dauern. Wir waren bereit gewesen, unsere Gedanken waren darauf gefaßt, da hätte es auch beendet werden sollen. Wir kehrten nach zurück. Die Straße ist hart, der an unseren Füßen klebende Schnee macht den Marsch äußerst beschwerlich; man kommt aber doch an, aber recht müde. Ruhe.

13. Februar. Nichts Bewerkenswertes. Es regnet..

14. Februar. Das schlechte Wetter dauert an in dieser Gegend Regen, Schnee, Wind Tag und Nacht. Furchtbar für die armen Soldaten, in den Schützengräben. Es ist Sonntag. Abends gehen wir ins Konzert. In einer geräumigen Scheune, wo eine Bühne hergestellt worden ist, ausgeschlagen mit Tüchern in den Landesfarben und einigen Flaggen in den Farben der Ver⸗ bündeten, alles geschickt und anmutig überdacht mit undurch⸗ 8 lässigem 2 Dort haben uns Künstler vom Theater aus Toulouse mit vom Schützengrabenleben unbeeinträchtigter Stimme einige Stücke aus Opern, komische und patriotische Lieder vor⸗ getragen.(Diese Herren sind alle eingereiht unter den Kranken⸗ wärtern oder in den Geschäftszimmern, um den Herren Offizieren einige angenehme Stunden bereiten zu können.) 8

Aus den Brieftaschen französischer Gefangener. Lieber Onkel! Da Du von uns ein wenig Geld verlangst, so schicken wir Dir heute 20 Franken, aber davon ist nur die Hälfte f für Dich, die andere Hälfte ist von Vater L. für seinen Sohn be⸗ stimmt, der auch wieder Geld braucht. Gib ihm also 10 Franken ab. Wir bekommen häufig Nachrichten von Jean, dem Bräutigam meiner Schwester, der auch im Marne⸗Departement steht. Sie liegen dort fast beständig im Walde, inmitten großer Leiden. Nur von Zeit zu Zeit können sie sich in das Dorf X. zurückziehen, um sich ein bißchen zu erholen. ö 1 3 Wir werden versuchen, Dir besseres Schuhzeug zu verschaffen, und wenn es möglich ist, werden wir Dir Schuhe mit Holzsohlen besorgen. Wir werden Dich gleichzeitig mit B. mit Schuhen ver⸗ sehen, denn Ihr habt die gleiche Fußnummer. N Ich sende Dir in diesem Briefe eine kleine Medaille: Trage auen, wenn Du ins Feuer kommst, denn sie bringt

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sie mit Glück!* 55 Lieber Silvain! Wir senden Dir 5 Franken, und wir werden uns beeilen, Dir, soweit wir können, noch mehr zu schichen. Da Du über das Essen klagst, so werden wir Dir noch 20 Franken schicken, Du sollst nicht Not leiden g 5 Denke Dir, J., der bisher Offizierskoch war, ist unglück⸗ licherweise in die Front lgesteckt worden und hat ins Feuer müssen, wie seine Kameraden. hat am 12. Februar an einer großen Attacke teilnehmen müssen, und seither hat man keine Nachricht mehr von ihm. Nur hat ein Nachbar einen Brief geschrieben. daß die Kompagnie, 500 Mann ausgerückt ist und daß davon nur 100 Mann übrig geblieben sind, am Abend zum Appell st Du etwas über ihn

antraten. Der arme J.! Vielleicht

e e aber wahrscheiw⸗ . ehr lange N

n e e e o br wie Du.

Lieber Kamerad! Im Schützengraben erfahre ich Deine Adresse durch den Zufall, daß in einem Briefe aus unserer Heimat an mich eine Postanweisung für Dich liegt; wahrscheinlich ist durch ein Versehen unserer Heimatpost die Anweisung für mich in Deinen Brief geraten. Wenn das der Fall ist, so schicke mir sofort meine Anweisung, dann werde ich Dir Deine schicken.

Alles, was ich Dir über diesen traurigen Krieg erzählen könnte, mußt Du gerade so gut wissen wie ich selbst. 5 1

Was uns betrifft, so sind wir die ganze Zeit in den Schützengräben.

Und wir fangen an, davon gründlich genug zu kriegen! Wir haben den ganzen Winter im Wasser und immer wieder im Wasser gesessen. Ich versichere Dich, das war sehr hart! . 7 15 5 13 5 f wir häufig

griffe und versuchen Feind aus seinen Stellungen quszu⸗ mieten. Aber wir haben sehr ernste Verluste erlitten.

Dein Kamerad, der Dir die Hand drückt.

Josephe S. XX. Kolonial-Regiment.

alle die törichten und langweiligen Kritiken, die durch ihn her⸗ vorgerufen, lesen zu müssen.

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gsgeschichte. Die Stadt

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geführt werden können. Vom kriegsgeschichtlichen Standpunkt ist Beéthune aber auch als alte,*

Aung Sie liegt westnordwestlich einer Verbindungslinie Lille Ukrras und ist ein Eisenbahnknotenpunkt, der auch t

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5 8 4 2 5 2 8 E 2 = 4 E. 2 2 8 8 8 2 8 5

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2 3 8 8 2. E 2. 85 2 8 2 2 2 2. 2 2 2 2 EA 2 75 7 2 4

888 unterirdisch geführt. Dem westlichen Belagerer, von der enburg, gelang es endlich, die Festung sturmreif zu machen. er Sturm wurde in der Nacht zum 29 angesetzt, und als Vauban, dem die Munition ausgegangen war, dies merkte, schlug er Scha⸗ made. Und nun ereignete A das Kuriosum, daß Fagel, der andere Angreifer, das Feuer nicht einstellte, so daß für ihm an der Sild⸗

front noch besonders Schamade geschlagen werden mußte. g 31. zog die Besatzungmit Ehren ab, wofür der sonderbare Aus⸗ druckKugel im Munde üblich war. Dieser stammt von der da⸗ maligen Kriegssitte, im Gefecht stets einige Kugeln im Munde zu haben, um rascher laden zu können, war also gleichbedeutend 8 mit Munition 8 8 Ein olcher Abzug wu natürlich nur Besatzung wirklich tapfer verteidigter. gewaͤhrt. 4*

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