Ausgabe 
(25.3.1915) 71. Erstes Blatt
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154
 
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Nr. 71

Der Sießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Sleßener Famillenblätter; 1 latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Cand⸗ 0 Zeitfragen Fernsprech- Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdrud und verlag der Brühl schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruderei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Beck, amtlich in Gießen.

25. März 1915

Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H.

Donnerstag,

Hilfe der Marine bei den Kämpfen nördlich von Memel. Eine

0

WTB.) Großes Hauptquartier, (Amtlich.) 5

Westlicher Kriegsschauplatz. 0 In der Champagne fanden nur Artilleriekämpfe

Im Priester⸗Walde, nordwestlich von Pont⸗ à-Mousson, wurde der Feind, der uns einen Geländegewinn streitig zu machen versuchte, zurückgeworfen.

Erneute feindliche Angriffe nordöstlich von Badon⸗ viller und am Reichsackerkopf bruchen in unserem Feuer zusammen.

Am Hartmannsweilerkopf wird zurzeit wieder gekämpft.

24. März.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Unsere nördlich von Memel verfolgenden Truppen mach⸗ ten bei Polangen 500 Russen zu Gefangenen, erbeuteten 3 Geschütze und 3 Maschinengewehre und jagten dem Feind viel geraubtes Vieh, Pferde und sonstiges Gut ab. Bei Laugszargen südwestlich von Tauroggen und nord östlich von Mariampol, wurden russische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Nord⸗ westlich von Ostrolenka scheiterten mehrere russische Angriffe. Hier nahmen wir dem Feind 20 Offiziere, über 2500 Mann und 5 Maschinengewehre ab.

Auch östlich von Plock mißlangen mehrere feindliche Vo rstö ße.

Das deutsche Heer zollt herzlichen Dank der tapferen Besatzung von Przemysl, die nach vier opfervollen Mo⸗ 9 der Verteidigung nur der Hunger niederzwingen

onnte. Oberste Heeresleitung.

*

(WTB. Berlin, 24. März.(Amtlich) Bei den Kämpfen nördlich von Memel haben unsere See⸗ streitkräfte die Operationen von See ter stũ tz

2 wurd und

b bau un ter Fe uer ftellvertretende Chef des Admiralstubes gez. Behncke.

***

Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz geht es siegreich vorwärts. Die Russen sind aus Memel vertrieben und, wie wir aus dem neuesten Tagesbericht erfahren, sehr erfolg⸗ reich verfolgt worden. Dabei ist zu beachten, daß keines⸗ wegs große Truppenmassen in den Nordzipfel Ostpreußens entsendet werden mußten; wie der Chef des Admiralstabs der Marine mitteilt, hat die Marine von der See aus wirksam in die Kämpfe eingegriffen. Von unserem Kriegs⸗ berichterstatter aus dem Osten erhalten wir heute inter⸗ essante neue Einzelheiten über die Maßregeln, die zur Ver⸗ geltung der russischen Schändlichkeiten in Memel angeord⸗ net worden sind. Suwalki hat den angerichteten Schaden mit Geldopfern bezahlen müssen und zur Sicherung der Schuld hat man russische Geiseln festgenommen. Wenn dieTimes nun schreibt, die russische Ostseeflotte werde vielleicht, nachdem das Eis sie nicht mehr an die Häfen fessele, sich stark genug fühlen, um zur Offensive vorzu⸗ gehen, so können wir das beruhigt abwarten. Besonders, da unser Admiralstab uns gestern mitgeteilt hat, daß die Ma⸗ rine auch an der Memelmündung auf der Wacht steht.

In den westlichen Karpathen tobt eine große Schlacht, wobei die Russen alle irgendwie verfügbaren Kräfte ein⸗ gesetzt zu haben scheinen. Der österreichisch-ungarische Tages⸗ bericht erklärt, daß um die Höhenstellungen erbittert ge⸗

der

kämpft werde. Auch in der nördlichen Bukowina wird wieder

gekämpft, und zwar ist das Gebiet nördlich von Czernowitz durch unsern Bundesgenossen vom Feinde gesäubert worden.

Die Welt starrt noch in Waffen auch im fernen Osten mehren sich die Anzeichen drohender kriegerischer Auseinandersetzung zwischen China und Japan, da klingt es ziemlich aussichtslos, wenn man von Holland her den Wunsch nach friedlicher Vermittlung hört. Das holländische BlattNieuwes van den Dag veröffentlicht, wie wir der Frankf. Ztg. entnehmen, einen Brief des holländischen Ministers des Aeußern Loudon auf eine Eingabe an die Hönigin, die mit vielen Tausenden von Unterschriften bedeckt war, und in der die Königin um ihre Hilfe zur 1 des Friedens ersucht wurde. Der Brief des Ministers des Aeußern lautet:

Durch Sie und viele andere ist an Ihre Majestät die Kö⸗

konferenz, fen, die für Friedens dienlich sein können. In Bezug auf diese durch Ihre Majestät in meine Hände gegebene Adresse habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß die Regierung die darin ausgedrückten Ge⸗ le vollständig teilt und den feurigen Wunsch hegt, zu ge⸗ legener Zeit, soweit es in ihrer Möglichkeit(der Königin) liegt, im Interesse des Friedens und der einträchtigen Zusammen⸗ arbeit der Völker wirksam zu sein. 5 Das heißt, die holländische Regierung hält es im jetz i⸗ den Augenplick für aussichtslos, einen Waffenstillstand zu erwirken. Ein solcher läge augenblicklich nicht im

zu tref⸗

rend die Besatz

schen Interesse, denn wir dürsen den Engländern und Russen keine Zeit zu neuen Rüstungen lassen. Wir wollen in Geduld die nächsten Wochen, wenn es sein muß, die nächsten Monate durchhalten. Wenn dann Deutschland durch neue Erfolge der Welt seine überlegene Macht gezeigt hat, könnte eine holländische Vermittlung vielleicht gute Dienste leisten, besonders, wenn sie darauf ausgeht, einen Sonderfrieden eines unserer Feinde mit uns anbahnen zu helfen. Denn bevor ein solcher Sonderfriede geschlossen ist, bevor einer unserer Gegner vollständig bezwungen am Boden liegt, halten win eine Weltkonferenz für unzweckmäßig.

***

Der amtliche Bericht über den Untergang derDresden.

WTB.) Berlin, 24. März.(Amtlich.) Der Komman⸗ dant S. M. S. Dresden, der mit der Besatzung des Schiffes an Bord eines chilenischen Kreuzers in Valparaiso eingetroffen ist, berichtet dienstlich folgendes:

Am 14. März vormittags kam S. M. S.Dresden zu Anker in der Cumberland⸗Bucht der Insel Juan Fernandez. Hier wurde das Schiff von den englischen KreuzernKent, Glasgow und von dem HilfskreuzerOrama angegriffen. Der Angriff erfolgte aus einer Richtung, in der S. M. S. Dresden nur ihre Heckgeschütze verwenden konnte.Dres⸗ den erwiderte das Feuer, bis alle verwendbaren Geschütze und drei Munitionskammern unbrauchbar geworden waren. Um zu verhindern, daß das Schiff dem Feinde in die Hände fiel, wurden Vorbereitungen zum Versenken getroffen und gleichzeitig ein Unte auf dieGlasgow! gesandt, der darauf hinwies, daß sich in neutralen Gewässern be⸗ finde. DaGlasgow trytz dieses Hinweises den Angriff fort⸗ setzen wollte, wurde S. M. S. Dresden gesprengt und ver⸗ sank um 11 Uhr 15 Min mit wehender Flagge, wäh⸗ 8 auf Se. Majestät den Kaiser

Hiermit ist die von englischer Seite gebrachte Darstel⸗ lung, daß S. M. S.Dresden unter Hissen der weißen Flagge kapituliert habe, nicht zutreffend.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Behncke.

Französische Fliegerbomben auf Verwundetenzüge.

Berlin, 25. März. Ueber das Werfen von französi⸗ schen Fliegerbomben auf Verwundetenzüge heißt es in einem Baseler Telegramm derMorgenpost: Als am Dienstag nachmittag Verwundetenzüge in den Bahnhof Müllheim einfuhren, fielen auf das Bahnhofsgebiet mehrere von fran⸗ zösischen Fliegern geworfene Bomben nieder; sie explodier ten nicht. Es hat fast den Anschein, als ob die französischen Flieger es auf die Verwundetenzüge abgesehen hätten, denn als diese in den Bahnhof Freiburg einfuhren, fielen in der Nähe des Bahnhofes ebenfalls mehrere Bomben nieder. Sie platzten in den Anlagen des Stühliner Stadtteiles, ohne Personen zu verletzen. Die Mehrzahl der in den Zügen be⸗ findlichen Verwundeten waren Franzosen, die in große Auf regung gerieten und von dem Vorgehen ihrer eigenen Lands⸗ leute wenig erbaut waren.

Zeppeline über Paris.

Paris, 24. März.(WB. Nichtamtlich.)Echo de Paris berichtet, daß am Montag abend Zeppeline zwei Gruppen bildeten und Paris in weitem Um⸗ kreise umflogen, ohne das befestigte Lager überfliegen zu können.Petit Parisien sagt, daß Zeppeline über Prechy sur Oise, 48 Kilometer von Paris, gesehen worden seien.

Lyon, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.)Progrés meldet aus Paris: Die Behörden veröffentlichen folgende Statistik der in Paris und Umgebung gefun⸗ denen Zeppelinbomben: In Saint Germain zwei Brandbomben und fünf Explosivbomben, in Courbevoie drei Explosivbomben, in Gennevilliers eine Explosivbombe, im Gebiet von Neuilly eine Explosivbombe, in Asnisres vier Brandbomben und fünf Explosivbomben, in Levallois⸗ Perret zwei Explosivvbomben, in Nanterre zwei Explosiv⸗ bomben und eine Brandbombe, in St. Quen⸗Ceinture eine, in Enghien und Montmorency vier Explosivbomben, in Paris sechs Brandbomben, von denen nur drei Brände ver⸗ ursachten, welche schnell gelöscht werden konnten.

Ein Luftkampf. Bergen op Zoom, 24. März.(WTB Nichtamtlich.)

Heute vormittag fand zwischen einer Taube und einem englischen Zweidecker ein Luftkampf statt. Der

Zweidecker mußte ni ederge hen, die Flieger wur⸗ den interniert. Die Taube verfolgte einen Kurs in west licher Richtung.

Die englischen Offiziers verluste.

London, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem letzten Ausweis des Kriegsamtes sind die Offiziers⸗ verluste in den Kämpfen um Neuve Chapelle auf 748

große Schlacht im westlichen Karpathenabschnitt.

Bruch der schweizerischen Neutralität durch einen feindlichen Flieger? Romanshorn, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern abend acht Uhr überflog ein Flieger Ro⸗ manshorn. Das Geräusch des Motors war deutlich hörbar, das Flugzeug muß mit Scheinwerfern ausgerüstet gewesen sein, denn man sah mehrfach Lichtbündel die Wol- ken beleuchten und den Seespiegel absuchen. Das Geräusch des Motors entfernte sich ostwärts quer über den See.

Wahrscheinlich handelt es sich um einen Friedrichshafen zu⸗

gedachten feindlichen Besuch. Längs des ganzen deutschen 1

Seeufers waren alle Lichter ausgelöscht. war der Flieger vom Elsaß her angemeldet.

Bern, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Schweiz. Depeschenagentur teilt mit, daß an zuständiger Stelle die von ihr gestern verbreitete Meldung von der Ueberflie- gung von Romanshorn durch ein fremdes Flugzeug in allen Zeilen als falsch bezeichnet wird.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 24. März 1915. Im westlichen Karpa⸗ thenabschnitt hat sich an der Front bis zum Uzsoker Paß eine Schlacht entwickelt, die mit großer Heftigkeit andauert. Starke russische Kräfte gingen zum Angriff über, um die Höhenstellungen wird erbittert gekämpft.

Zwischen Pruth und Dujester kam es im nörd⸗ lichsten Teil der Bukowina zu mehreren Gefechten, in denen der Feind aus einigen Orten vertrieben wurde und gegen die Grenze zurückweichen mußte. Die nördlich Czernowitz

Wahrscheinlich

jenseits des Pruth liegenden Ortschaften, die dem Feind als

Basis für Unternehmungen gegen die Stadt dienten, sind vom Gegner gesäubert.

In Polen und Westgalizien keine Veränderung.

Die bei Otfinow am unteren r ane: r der Russen wurde gestern durch unsere Artilleri Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die letzten Tage in Przemysl.

Wien, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kriegsbericht⸗ erstatter derNeuen Freien Presse meldet: Die letzten beiden aus Przemysl entkommenen Flieger berichten folgende erschüttern⸗ den Einzelheiten über die letzten Stunden der Festung: Der Gesundheitszustand der Besatzung war, wenn man den außer⸗ ordentlichen Umständen Rechnung trägt, recht gut zu nennen. Die letzten Wochen aber füllten die Spitäler immer mehr infolge der furchtbaren Entbehrungen mit vor Hunger erschöpften Leuten. Fast jeder zweite Mann war im Spital. Vor dem letzten Ausfall am Vormittag erhielten die Leute je zwei Konserven. Sie stürzten sich heißhungrig darauf. Mancher ausgedörrte Magen konnte das un⸗ gewohnte Maß von Nahrung nicht mehr ertragen. Es gab Erkrau⸗ kungen, sogar Todesfälle. Alle Pferde waren schon geschlachtet und verzehrt. Zuletzt kamen die der Generale an die Reihe. Der letzte Hafer wurde zu Schrot zermahlen und zugleich mit Pferdefleisch

an die Hungernden für die Zeit der Uebergabe verteilt, bis dig

Russen für sie weiter zu sorgen hatten. Man erzählt, daß man dem Kommandanten am Sonntag eine gebratene Brie ftaube aufgetragen habe, das einzige, was es außer Pferdefleisch noch gab. General Kusmanek wies den Braten ab und schickte ihn den Schwerkranken im Spital.

Die Verkehrsergebnisse der österreichischen Staatsbahnen. Wien, 25. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Wiener K. K. Telegr.⸗Korr.⸗Bur. veröffentlicht folgendes: Die Spannkraft und Widerstandsfähigkeit, die unsere Vol bs⸗

te Kriegsbrüc aer

wirtschaft auf allen Gebieten in den gegenwärtigen Zeiten bekundet, kommt auch in der günstigen Verkehrs⸗

entwickelung auf den österreichischen bahnen sichtlich zum Ausdruck. Waren die Einnahmen im August des Vorjahres, im ersten Kriegsmonat, begreiflicher⸗ weise ungemein stark gesunken, so setzte schon im Monat

September eine wesentliche, infolge der Wiedereröffnung

des wirtschaftlichen Verkehrs, natürlich sprunghafte Zu⸗ nahme ein, die sich hinsichtlich in stetig aufsteigender Linie bewegte. Mit Ausschluß der im Operationsgebiet gelegenen Linien der Staatsbahnen zeigt der Monat September 1914 für den Personenverkehr rund 59 Prozent, für den Güter⸗ verkehr 75 Prozent, insgesamt 70,5 Prozent der im Sep⸗ tember 1913 erzielten Einnahmen, während die vorläufig ermittelten Einnahmen des Monats Februar 1915 für den Personenverkehr 119,5, für den Güterverkehr fast 88 Proz., insgesamt 94,5 Prozent der Einnahmen des vorjährigen Vergleichsmonats ergaben, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß aus dem wirtschaftlichen Verkehr noch wesentlich günstigere Ergebnisse zu erzielen wären, wenn die in erster Linie zu befriedigenden Bedürfnisse des Kriegsverkehrs eine ausgiebigere Wagendotierung des Zivilverkehrs ermög- lichen würden. 5

Die Verteidigung der Dardanellen. Dardanellen, 24. März.(WTB. Nichtamtlich.) Nach

hier gemachten Aufstellungen sind die Verluste des Feindes am 18. März auf 134 Geschütze, 1200

To te zu schätzen, darunter allein 50 Tote auf dem Schlacht⸗ kreuzerInflexible.

London, 24. März.(WTB. Nichtamtl.) DieTimes

Staats-

melden aus Tenedos vom 22. März: Heftiger Nordost⸗

sturm macht seit drei Tagen Unternehmungen zur See unmöglich. Man vermutet, daß die Türken dadurch