Drittes Blatt
nr. 68
Erfcheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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105. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger
für Oberhessen
Montag, 22. März 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Ariegsbriefe aus dem Osten.
Bon unsetem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.)
Der Zusammenbruch der russischen Offensive von Grodno. III.
Suwalki, 12. März.
. 9 55 1.. 1 n 8 vom 10. zum 11. ging die t nfanterie 3 ea Beni vor. Es war 2 Uhr, als die ersten Schützen in die langgezogene Hauptstraße eindrangen, die Russen leisteten schwachen Widerstand. Am Ende des Ortes liegen ein wenig höher ein paar Scheunen. Von hier, bei dem unsicheren Licht der Sternennacht, suchten die Russen noch einmal ein Feuer⸗ gefecht Sie wurden verdrängt und zogen sich in der Richtung auf den Niemen zurück, ein Regiment mit einem vollen Zug von Ma⸗ schinengewehren in dem dichten Wald nach Norden hin zu zer⸗ splittern. Die deutsche Infanterie ging auf dem Weg durch den Wald nach Kopijowo weiter, um den Fliehenden keine Zeit zur Sammlung zu lassen. Die drei Bataillone, waren es überhaupt drei Batgillone? Das Licht war so ungewiß, es war eine wirre Masse, die nach dem nördlichen Tannendickicht zustrebte, diese Ba⸗ taillone konnte man ihrem Schicksal überlassen. Die Artillerie rückte nach. Sie hatte den ganzen* gefunkt. Sie war froh. als sie in Berznicki einrückte. Heilfroh. Man war noch kaum richtig auf Stroh, die Pferde waren gerade abgeschirrt, da fielen vom Dorfrand Schüsse. Ein russisches Regiment rückte in voller Stärke über die Höhe, die ersten Häuser waren schon besetzt. Die Russen fielen über die Artilleriepferde her und stachen sie ab. Einen Teil ihrer eigenen Maschinengewehre hatten sie unter Bedeckung einer Kompa nie im Walde gelassen. Die Russen fingen an, die deut⸗ schen Munitionswagen zu zerstören. Da, mitten durch das Dröh⸗ 2 klang fern, bald deutlich das Tak— tal— kak von Infanterie⸗
sen.
Im langer Schützenlinie suchten die Russen den Hügel zu hal⸗ ten. Da fielen auch im Walde ein paar vereinzelte Schüsse. Die Bedeckungsmannschaft der Maschinengewehre er⸗ schoß ihren eigenen Hauptmann, um sich zu er⸗ geben. Der russische Leutnant, der als einziger Offizier noch blieb, erschoß sich selbst. Ein Unteroffizier führte die übrigen
152 Mann, die die Hände hoch hoben, aus dem Walde heraus. Die Schügenreihe auf dem Hügelrand, die sich in dem hart⸗ gefrorenen Boden nicht eingraben konnte, wurde inzwischen in flankierendes Feuer genommen. Sie boten in dem beginnenden Morgenlicht gutes Ziel. Die Verluste waren furchtbar. Das Regiment war von drei Seiten eingekesselt. Um 6 Uhr morgens ergab sich der Rest des Regimentes mit allen noch lebenden
Offizieren.
Die deutschen Artilleristen fanden ihre Batterien im Morgen⸗ licht noch in tadellosem Zustand. Nur Pferde waren schossen oder abgestochen. 8 7 85 Vevegte sich viellenhe 5 Kilometer vorwärts brah den Wald anf die Niemenlinie zu, hinter der dann die geschlagenen und zer⸗ rütteten Teile des 15. Korps, das hier im Gefecht gestanden
Auf dem fleinen Marktplatz standen neun erbeutete Maschinen⸗ Eben wurden die Russen des gefangenen Regiments ge⸗
sammelt. Die Wälder steckten noch voll von Versprengten. Etwa 2— 195 an 5 i 12 5 ie gefangenen russi iere zu sein en, i
konnten ihre Niebergeschlagenzeit. 1 das Schicksal ihrer erschossenen Kameraden erfahren. Ein An⸗ zeichen mehr, daß die schwerste Erschütterung durch die russische Armee geht, ein Anzeichen mehr, daß der Zusammenbruch vor der Türe steht. Dieses neue 15. Korps scheint ein Beispiel für die nenen russischen Truppen zu sein, die man jetzt aufstellt. Rußland ist am Ende. Man hat diese Lockerung des russischen Armeever⸗ bandes oft vorausgesagt, ohne dabei in Wage zu stellen, daß die Uebung der Russen, in korrumpierten und faulen Verhältnissen doch
Bismarck und Hindenburg. Von Fritz Bley.
„Die Freude an Helden und Heldentum, die in der wie ein wüster Traum hinter uns liegenden Zeit unserem Volke tief ver⸗ funken zu sein schien, hebt in der Weihe dieser Tage mit besonders inniger Verehrung zwei Reckengestalten empor, in denen die Größe von einst und heute verkörpert erscheint. Sicherlich ehrt dies unser Volk und bleibt, querweg über allerhand Ki ien philisterhaften Kleinkram, altjüngferliche Betulichkeit und ge⸗ schmacklose Aufdringlichkeit, durchaus berechtigt. Denn wenn auch zu wünschen stünde, daß manche Kundgebungen an den Sieger von Tannenberg, Lyck und Augustowo in eine würdigere Form und eine mehr dem Geiste des großen Feldherrn entsprechende
g geleitet würden, so bleibt für Jetztzeit und Nachwelt doch als köstlicher Gewinn dieser Ausbrüche des Volksjubels die Freude an der herrlichen in sich geschlossenen Persönlichkeit!
Auch daß die schwärmerische Verehrung des Helden der Ver⸗
sischer Phrasenmacher war wie Napoleon III., sondern ein baltischer Edelmann, der die Mahnun, 2 und Hand an schmach nicht überleben zu müssen.
Jeder Verg schätzun 0 ebensolcker Unfug, wie die
kbrer überragenden Größe liegt nicht in ihren geschichtlichen Taten, sondern in deren ih en 2 55 ut
ßt. Schon burgs zeigt aber
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das gerade noch Notwendige zu erreichen, schon im Frieden außer⸗ ordentlich gut ausgebildet ist. Man durfte jetzt im Kriege nicht von den zutage tretenden einzelnen Zersetzungserscheinungen sofort auf die Zersetzung des Ganzen schließen. Schon vor längerer Zeit wies ich darauf hin, daß die Zeitdauer, bis die moralische Lockerung zur Katastrophe der Armee führen könnte, gar nicht abzuschätzen wäre, weil der deutsche Maßstab eben durchaus nicht anlegbar ist. Das war bis jetzt. Nach den letzten Erfahrungen hat die Schluß— phase des Widerstandes der russischen Armee begonnen. Auch die russischen Offiziere verschließen sich nicht der Einsicht, daß der Feld⸗ zug für Rußland verloren ist, Wir haben ihn noch nicht gewonnen, man verstehe recht, aber Rußland hat ihn verloren. Es handelt sich darum, auszuharren, noch den letzten Teil dieses Riesenkampfes gegen Rußland durchzuhalten, dann muß die völlige Kata⸗ strophe für Rußland eintreten. Auf allen diesen letzten Schlachtfeldern, über allen diesen Zügen von Gefangenen, auf diesen Beutestücken, die beim Artilleriematerial oft noch nicht einmal die Fabrikplombe gelöst haben, steht der Anfang der Auf⸗ lösung des russischen Widerstandes zu lesen. Wenn eine russische Kompagnie, um sich zu ergeben, ihren Hauptmann erschießt— wie es einwandfrei feststeht—, dann dürften selbst die strengsten Be⸗ fehle von Nicolai Nicolaijewitsch das Ende nicht mehr aufhalten.
Langsam setzte sich der Zug der Gefangenen in Bewegung. Der russische Oberst sah noch einmal angestrengt zurück nach dem sonnen⸗ beschienenen Waldrand, wo seine Leute seinen Hauptmann erschossen
ten. Eine Kugel, die mehr traf als den schwarzbärtigen russischen inienkapitän.
ie da. das 5 obne Erde 1 5 8 Wir
e artgefũ 8 Schimmer sich verklärt. Beiden steht die unerschütterliche Treue pupillarisch im Auge. Beiden zuckt aber auch um den Mund der stolze Trotz der so gar nichts von Geschmeidigkeit weiß und die eigene Würde unverletzlich hütet. Beiden liegt auf der Stirn ein Gewölk von Ernst und gelassener Entschlossenheit. Aber während es in Bismarcks Antlitz wetterleuchtet wie Wolkenzorn, vor dessen Schloßengeprassel alle Hammel sich zu Klumpen ballen, gleicht Hindenburgs Bild einer Landschaft, über die hinter abziehendem Unwetter und vergrollendem Donner bereits wieder die helle Sonne fröhlichen Schalkssinnes huscht. Bismarcks Humor hatte alle⸗ zeit etwas von Urzeitwucht, die mit Felsblöcken zerschmettert. Hindenburgs Lächeln erregt den brennenden Wunsch, ihm die Hand drücken zu dürfen. Und doch bleibt ar er immer, wie eine Herrin ihn mir dieser Tage schilderte, ig gemütlich und furchtbar nett“. Damit stimmt überein, was sie mir über seine Stimmung im Hause ihrer Frau Schwester erzählte; vor der Schlacht von herzbeklemmendem Ernste, in einer geistigen lung, der man anmerkte, wie gewaltige Bilder sein inneres nen erfüllten, wach der Schlacht in einer wohligen Spannungslösung, die das alte Behagen mit sich brachte und auch den 5 Tropfen im ge⸗ schliffenen Glase wieder zu würdigen wußte. Die starken hier hervortretenden und doch im Letzten wieder sich ergänzenden Gegensätze zwischen 1 burg erklären sich ja auch aus ihrem Lebensschicksale. Der Be⸗ gründer des Deutschen Reiches ist unter Hünenkämpfen von Erfolg zu 9 7 geschritten und hat erst am Abende seines Lebens die Tragik seiner Größe erfahren. Des Feldmarschalls Leben ist eine einzige Kette von Vorbereitungen gewesen, der die Krönung durch große Taten am Ende vorbehalten war.
Noch stärker ist der Gegensatz zwischen Bismarck und Hinden⸗(G
burg in ihrem Erziehungsgange. Bismarck hat zwar einmal aus⸗ gesprochen, daß er lieber mit dem Degen in der Hand auf dem Schlachtfelde für seinen König gestritten haben würde, als sich mit der Diplomatie e Aber dies Gefühl hat sich doch wohl erst spät in ihm ausgereift. Denn was in einen Träumen lebte und seinen Ehrgeiz lockte, lag von vornherein in Preußens politischen Riesenaufgaben, an die er mit der selbstverständlichen Siegeszuversicht des Landjunkers herangetreten ist, der den vom Kutscher verfahrenen Karren mit fröhlichem Zurufe an die zittern⸗ den Gäule ins Gleis bringt. Auch in Hindenburgs Zügen triti uns etwas von diesem unbezähmbaren Willen entgegen, und wir können uns wohl vorstellen, daß es auch in ihm zur Jünglings⸗ zeit ähnlich rumort haben mag wie in Bismarcks Seele. Aber ganz anders wie dieser hat er als Kadett frühzeitig Selbstüberwindung üben gelernt.
Auch sein Leben ist, gleich dem Bismarcks, Arbeit und aber⸗ mals Arbeit gewesen. Aber diese Arbeit hat doch zur Vereinheit⸗ lichung seines Wesens sehr viel besser beitragen können als die
geschirrt vor dem Wagen. Ein Reitpferd ist an einer Tanne fest⸗ gebunden. Ein paar Pferde sind gestürzt und atmen schwer neben⸗ einander zwischen den jungen Tannen eingeklemmt. Optische In⸗ strumente liegen auf dem Wagen. Nicht einmal die Plombe ist von der Umhüllung entfernt, die ein Rundblickfernrohr schützt. Alles ist funkelnagelneu. Das Lederzeug von ungewöhnlicher Güte und tadelloser Arbeit. Das 15. Korps ist wirklich gut ausgerüstet worden an totem Material.
Die Pferde haben noch etwas Hafer, den man vor ihnen auf den Waldboden geschüttet hat. Ich mache mich daran, zwei famose Braune, die gestürzt sind, von ihrem schweren Sielenzug zu be⸗ freien. Sven Hedin hilft auf der anderen Seite und zeigt mir die Schnallen, die wir lösen müssen. Die Pferde halten still. Nur manchmal versuchen sie, aufzuspringen.„O la, la! Ruhig, ruhig!“ und Sven Hedin beruhigt die Braunen auf russisch, was sie sicht⸗ lich besser verstehen. Ein Kollege, dessen große Tierliebe ich stets bewundert habe, hat inzwischen schon vier Gäule in Ordnung auf das freie Feld gebracht. Ich gehe etwas tiefer in den Wald. Da steht noch ein wunderhübscher Fuchs neben einem Baum. Er ist zu kurz angebunden, so daß er den Hafer, der verschüttet umherlag, nicht fassen konnte. Ich führe ihn zu einem vollen Sack. Er gsieht sich nach mir um, kommt zutraulich mit dem Kopfe näher. Gestern hat er vielleicht den Kopf mit dieser schönen Bewegung zu einem russischen Offizier gewendet, heute mir. Die Spätnachmittagssonne liegt warm und rot über dem Fell Tieres und über dem Grün der Tannen und dem weißen Schnee. Wenn nicht von ferne immer wieder die Geschütze ihr Rums, Rums, Rums sprächen mit diesem erschütternden Tone, der über ganz Polen liegt, dann könnte man an irgend ein Märchen⸗ idyll glauben. Aber da steht noch ein Maschinengewehr. Nachdem die Pferde abgeliefert sind— die ie, die sie bekommt, wird sehr stütrmisch vor Freude— fahren wir, der österreichische Kame⸗ rad und ich, zurück und schleppen im Schweiße unseres Angesichts, jeder in einen Gurt sich spannend, das Maschinengewehr zum Auto. Wir liefern die Waffe, aus der noch nicht geschossen zu sein scheint, ab und bekommen unsere ersten Beutescheine. Spen Hedin gesteht da, daß er des Morgens auch Beute gemacht habe Zwei Russen sprangen seitwärts von seinem Auto auf, warfen das Gewehr fort und hoben die Hände hoch. Der große Schwede rief den beiden auf russisch zu, daß sie gefälligst näher kommen sollten, und der famose schwedische Kollege, der sich in dem gleichen Auto befand, schrie, daß sie gefälligst ihre Gewehre mitbringen sollten. Was sie taten. Doch muß gesagt werden, daß die Schweden selbst⸗ e 1 deutscher militärischer Führung standen.
r ren Sejny zu, die dunkel und hoch sich vom Himmel abhoben. An uns vorüber rasselte ununterbrochen Artillerie, die weiter vorrückte. Wann kennen diese Truppen Müdigkeit? Ich habe den Augen⸗ blick in den Tagen dieser Gefechte nicht finden können. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Heer und Flotte.
Auszeichnungen. i ich.) Der„Reichsanz.“
Berlin, 20. März.(WTB. e teikt mit, dem Generaloberst 1 v. Rothmaler, Oberbefehlshaber der dritten Armee, General der Infanterie Rie⸗ . dem Führer des 8. Korps, und Generalleutnant Fleck, dem General der Infanterie v Bahrfeldt, dem Kommandeur . ße e Eichert e dem General mal
. mit ern, eral major b. Altrock, dem Kommandeur der 16. Reservedivision, der Rote Adlerorden 2 Kasse mit Eichenlaub und Schwertern, sowie dem Königlich Sächsischen Generalleutnant und Generaladjutanten von Tettenborn, Kommandeur der Königlich Sächsis 19. Ersatz⸗ division, die Schwerter zum Roten Adlerorden 2. Klasse und der Stern mit den Schwertern dieses Ordens verliehen worden.
80 Kirche und Schule.
Berlin, 21. März.(WTB. Nichtamtlich.) Hente wurde das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht und die Zentral⸗ Sammel-, Arbeits⸗ und Auskunftsstelle für das gesamte Er⸗ ziehungs⸗ und Unterrichtswesen vom Kultusminister eröffnet.
dann in die sinkende Nacht auf die Türme von
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des 8. Reservekorps, ist der Orden Pour lemérite, zum Roten Adlerorden
nervenfressenden Seelenkämpfe, unter denen Bismarck in dem Worte
des Lateiners von sich sagen mußte, daß er sich im Dienste des Vaterlandes verzehre. 6
Grundverwandt ist das aufrichtige, von aller Frömmelei freie,
felsenfeste Gottvertrauen, in dem die Selbstsicherheit beider großer
Männer verankert ist. Aber während dies in Hindenburgs bibel⸗
fester Art von vornherein unerschüttert geblieben zu sein scheint, Aachener
hat Bismarck es sich nach den Wirbelwinden der Aack 0 dem Sturme und Drange von Kniephof über Spinoza hinweg unter philosophischer Zerlegung der Leidenschaften erst wieder er⸗ obern müssen. Und ganz gelungen ist ihm dies doch nur unter dem Einflusse des Taddenschen Kreises und in dem Werben um die innere Seelengemeinschaft seiner Johanna. Aber Bismarck in seinem Seelensturm, wie Hindenburg in seiner feierlich ausgegliche⸗ nen Religiosität sind sich wieder beide gleich in ihrer Stellung zur Natur. Den Alten von Friedrichsruh kann man sich nicht anders denken, als im Rauschen seiner Eichen und Buchen, den Gutsherrn von Varzin nicht anders als unter den Kronen feiner Föhren, die er in ihrer zähen Genügsamkeit als das echte Sinnbild preußischer Eigenart liebte Hindenburg erwähnt, wie er bei der Ausfahrt im Hinblicke auf seine ostpreußischen Wälder wieder so recht gefühlt habe, daß er ein Sohn der Provinz sei, deren 9 vom Feinde ihm Gott zum Werke 3 Lebensabends gesetzt hat.
Beide, der Staatsmann wie Feldherr, sind sie tüchtige Jäger. Ein Jagdgehilfe, der Hindenburg im Tänne ebirge auf Gamsjagd geführt hat, erzählt uns viel Ruͤhmendes von seiner Aus⸗ dauer, Ruhe und Sicherheit Bismarck ward einmal von einem Russen, der ein Bärenfell unter dem Billard erblickte, gefragt, ob er auch Jäger sei. Bekannt ist seine Antwort:„O, ich jage sehr ern. Wenn nur die politischen Nebengeschäfte nicht wären!“ Endenbfrgs Heim schmückt manches gute Geweih. Aber ein Schießer ist er ebensowenig, wie Bismarck es gewesen ist, von dessen pfleglicher Hege noch weit über seinen Tod hinaus der Varziner Forst glänzende Beweise liefert; zur Posener Ausstellung hatte die räfin Wilhelm Bismarck eine Rehkrone geschickt, die nach Maß und Gewicht den ersten Sieger der deutschen Erinnerungs⸗Ausstellung weit hinter sich läßt. 5
Der beiden großen Männern eigene Gewalt des Willens und Kraft des Gemütes ist es, die bei jedem Siege Hindenburgs ebenso wie bei jeder Seeschlappe des meerbeherrschenden Englands uns Bismarcks gedenken läßt. Denn das bleibt das gewaltigste an seiner das Jahrtausend überragenden Erscheinung, daß jede Aeußerung deutschen Heldentums von ihm auszustrahlen scheint. In dieser Ver⸗ einigung aller höchsten deutschen Männlichkeit liegt das Geheimnis der mythenbildenden Kraft, die den Alten von Friedrichsruh schon bei Lebzeiten mit dem Kranze grauer Sage umwoben hat. Wir müß⸗ ten schon auf Kaiser Rotbart im Kyffhäuser und auf Hermann den Befreier zurückgreifen, um auf jene Unmittelbarkeit zu stoßen, in der Bismarcks Gestalt sich hineinreckt in das Gebiet der Sage als Bringer alter Herrlichkeit, als warnender Ekkehart und als Ver⸗ heißer besserer Zukunft, wie sie das Sehnen unserer Tage als Krö⸗ nung seines Lebenswerkes von Gott erfleht.
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