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Ur. 50 Erstes Blatt
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165. Jahrgang
0 2 jährl. Me. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg.
1 Zeilenpreis: lokal 15 U., ausw. 20 Pi.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz.
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druderei: Schulstr. 7.
Donnerstag, II. März 1915
Geznaspre* monatl. 75 Bj., viertel⸗
Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämilich in Gießen.
Furchtbare verluste der Franzosen in der Champagne. Ein Deutsches Unterseeboot untergegangen. Die dritte Kriegstagung des Reichstags.
1 Großes Hauptauartier, 10. März.
(amtiich f Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Gefechtstätigkeit war durch Schnee und starken Frost einerschränkt. in den Vogesen sogar fast behindert. Nur in der Champagne wurde weiter gekämpft.
Bei Souagin blieben bayerische Truppen nach lang undauerndem Handgemenge siegreich. Nordöstlich von Le Mesnil drang der Feind an einzelnen Stellen vorüber⸗ gehend in unsere Linien ein. In erbittertem Nahkampfe, bei dem zur Unterstützung heraneilende französische Reserven durch unferen Gegenstoß am Eingreifen verhindert wurden, warfen wir den Feind endgültig aus unserer Stellung.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Ein erneuter Versuch der Russen, bei Au gu sto w durch⸗ zuftoßen, mißlang.
Der Kampf nordwestlich von Ostrolenka dauert
an. Die Gefechte nordwestlich und westlich von Prasz ny sz n writer einen für uns günstigen Verlauf.
Ein Angriff von uns nordwestlich von No wo Miast o macht Fortschritte. 1
Mit den heute und in den letzten Tagen gemeldeten Kämpfen ist die Winterschlacht in der Champagne soweit zum Abschluß gebracht, daß kein plötzliches Aufflackern mehr an dem Ergebnis etwas zu ändern vermag.
Die Schlacht entstand, wie hier schon am 17. Februar mitgeteilt wurde, aus der Absicht der französischen Heeres⸗ leitung, den in Masuren arg bedrängten Russen in einem ohne jede Rücksicht auf Opfer angesetzten Durchbruchsversuch, als dessen nächstes Ziel die Stadt Vouzier bezeichnet war, Entlastung zu bringen.
Der bekannte Ausgang der Masurenschlacht zeigt, daß die Absicht in keiner Weise erreicht wurde. Aber auch der Durchbruchsversuch selbst darf heute als völlig und kläglich gescheitert bezeichnet werden. Angesichts aller Angaben in den offiziellen französischen Tagesveröffentlichungen ist es dem Feinde an keiner Stelle gelungen, auch nur den geringsten nennenswerten Vorteil zu erringen.
Wir verdanken es der heldenhaften Haltung unserer Truppen, der Beharrlichkeit ihrer Führer, in erster Linie dem Generalobersten von Einem, den kommandierenden Generalen Riemann und Fleck. In Tag und Nacht un⸗ unterbrochenen Kämpfen hat der Gegner seit dem 16. Februar nacheinander mehr als sechs voll aufgefüllte Ar- meekorps und ungeheure Massen schwerer Artillerie— Munition eigener und amerikanischer Fertigung, oft mehr als 100 000 Schuß in 24 Stunden, gegen die von z wei schwachen rheinischen Divisionen verteidigte Front von 8 Kilometern Breite geworfen.
Unerschütterlich haben die Rheinländer und die zu ihrer Unterstützung herangezogenen Bataillone der Garde und an— derer Verbände den Ansturm sechsfacher Ueberlegenheit nicht nur festgehalten, sondern sind ihm oft genug mit kräftigen Vorstößen zuvorgekommen. So erklärt sich, daß, trotzdem es sich hier um reine Verteidigungskämpfe handelte, doch mehr als 2450 unverwundete Gefangene, darunter 35 Offiziere, in unsern Händen blieben. Freilich sind unsere Verluste einem tapferen Gegner gegenüber schwer. Sie übertreffen so⸗ gar diejenigen, die die gesamten an der Masurenschlacht be⸗ teiligten deutschen Kräfte erlitten. Aber sie sind nicht umsonst gebracht.
Die Einbuße des Feindes ist auf minde- stens das Dreifache der unseren, d. h. auf mehr als 45 000 Mann zu schätzen.
Unsere Front in der Champagne steht fester als je. Die französischen Anstrengungen haben keinerlei Ein⸗ fluß auf den Verlauf der Dinge im Ssten auszuüben ver⸗ mocht. Ein neues Ruhmesblatt hat deutsche Tapferkeit und deutsche Zähigkeit erworben, das sich demjenigen, das fast zu derselben Zeit in Masuren erkämpft wurde, gleichwertig an⸗ reibt.
Oberste Heeresleitung.
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Seit Wochen hörten wir von heißen Kämpfen in der Champagne, und die deutschen Meldungen darüber sowohl wie die französischen buchten die Erfolge auf ihrer Seite. In dem gestrigen Tagesbericht der deutschen Heeres⸗ leitung ist nun der Beweis geliefert, daß die Durchbruchs⸗ versuche der Franzofen kläglich und mit furchtbaren Ver⸗ n
lusten gescheitert sind. Obgleich wir dabei erfuhren, daß auch die deutschen Verluste„einem tapferen Gegner gegen⸗ über“ schwer gewesen seien, durften wir die ausführliche Nachricht doch als eine hocherfreuliche Siegeskunde be— trachten. Die Einbuße des Feindes betrug mehr als das Dreifache der unsrigen, d. h. mehr als 45 000 Mann! Drei Wochen lang, seit dem 16. Februar, hat der Feind mehr als sechs voll aufgefüllte Armee⸗ korps und ungeheure Mengen Artilleriemunition ein— gesetzt, aber die von zwei rheinischen Divisionen vertei⸗ digte Front, nur 8 Kilometer breit, wankte nicht! Voll Stolz dürfen wir das Wort unserer Heeresleitung verneh— men, daß in diesen Kämpfen deutsche Tapferkeit und deutsche Zähigkeit sich ein neues Ruhmesblatt erworben haben, das sich dem in Masuren erkämpften gleichwertig anreiht. Kein Wiederaufflackern der französischen Angriffe vermag an dem Ergebnis noch etwas zu ändern. Vouzier, das Angriff⸗ ziel der Franzosen, liegt etwa 12 Kilometer nordwestlich vom nördlichen Teil des Argonner Waldes.
Ein deutsches Unterseebbot ist uns verloren gegangen: wir sind auf solche Nachrichten gefaßt, da wir wissen, wie tapfer und unermüdlich unsere Unterseebvote bei der Arbeit sind. Hat die britische Admiralität doch erst gestern wieder bekanntgegeben, daß drei britische Schiffe mit Erfolg tor⸗ pediert worden sind, und dabei ist wohl daran festzuhalten, daß man in London keineswegs alle Verluste der Handels⸗ schiffahrt bekannt macht. Dadurch, daß die Briten nur über einzelne Vorkommnisse Bericht erstatten, wollen sie der Welt Sand in die Augen streuen und es so hinstellen, als ob die deutschen Unterseebvote nicht sehr viel ausrichten könnten. Den Gipfel der Unritterlichkeit aber erklimmt die englische Marineverwaltung damit, daß sie amt⸗ lich erklären läßt, sie könne den gefangenen Offizieren der deutschen Unterseeboote nicht die gleiche ehrenvolle Be⸗ handlung zuteil werden lassen wie den übrigen Gefangenen. Charles Beresford stellte sogar den Antrag, man solle die gefangenen Offiziere der Unterseeboote als Seeräuber auf⸗ hängen! Nun, dagegen einzuschreiten hätten wir ein gutes Mittel: Die deutsche Heeresleitung würde sicherlich unverzüglich dieselbe Anzahl gefangener englischer Offi— ziere die gleiche Todesart sterben lassen. Die Engländer scheinen schöne Begriffe von Subordination in Heer und Flotte zu haben, ganz abgesehen von ihrer Willkür, mit der sie den Seekrieg führen ohne Rücksicht auf Völkerrechts⸗ grundsätze! Die deutsche Regierung wird vermutlich auch
gegen die schimpfliche Behandlung Gefangener unserer Unterseeboote die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen wissen.
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Unterseeboot„u 20“ untergegangen.
Berlin 10. März.(WTB. Amtlich.) Einer Bekannt⸗ machung der britischen Admiralität zufolge ist das deutsche Unterseeboot„u 20“ durch den englischen Zerstörer„Wiel“ gerammt und zum Sinken gebracht worden. Die Besatzung
ist gerettet.. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes gez. Behncke.
Paris, 10. März.(WTB. Nichtamtlich)„Echo de Paris“ meldet, daß Admiral Beresford auf Grund eines alten See⸗ kriegs⸗Gesetzes, welches bestimmt, daß Seeräuber gehängt werden sollen, verlangt, daß dies Gesetz auf die gefangenen Offi⸗ ziere deutscher Unterseeboote angewendet werde.
Hamburg, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das „Hamburger Fremdenblatt“ meldet aus Rotterdam: Vom 1. bis 6. März sind auf der Fahrt von England nach Holland und England nach Skandinavien neun eng⸗ lische Dampfer überfällig. Die Londoner Reede⸗ reien schränken auch weiterhin die Annahme von Fracht⸗ stücken nach Holland und Skandinavien ein.
Kristiania, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der„Sjöfahrts Tidende“ soll nachgewiesen sein, daß eines der auf dem Dampfer„Bellridge“ nach der Explosion gefun⸗ denen Metallstücke deutscher Herkunft war, da es eine deutsche In⸗ schrift trug. Ob der Schaden von einer Mine oder einem Torpedo herrühre, sei noch unbestimmt. Außer dem hierher geschickten Me⸗ tallstück seien noch andere gefunden worden, als das Schiff in New Castle ins Dock ging. Das Metallstück sowie der entstandene Schaden würden von Sachverständigen untersucht.
Spionage eines englischen Vizetonsuls.
Berlin, 11. März. Die„Voss. Ztg.“ berichtet aus 5
Hamburg über die Spionage eines englischen Bizekonsuls. Danach haben Kapitäne deutscher Dampfer dem Rotterdamer Korrespondenten des„Hamb. Fremden- blattes“ mitgeteilt, daß der englische Vizekonsul Dijjon am 22. Februar die Liegeplätze der deutschen Schiffe feststellte und sich besonders für den Maashafen interessierte, wo 15 deutsche und 3 österreichische Dampfer liegen.
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Die neuen Reserven Frankreichs. Frankreich hat soeben die Musterung der Jahresklasse 1916 beendet, und ein der Kammer vorgelegter Gesetzentwurf soll den Kriegsminister ermächtigen, diese Klasse einzuberu⸗
fen. Zugleich soll der Jahrgang 1917 gemustert werden. Welcher Zuwachs an Mannschaften ist nun aus diesen ver⸗ zweifelten Anstrengungen zu erwarten? Die französische Volkszählungsstatistik bietet nicht so genaue Unterlagen wie die deutsche, und die Resultate beider lassen sich nicht so ohne weiteres vergleichen, da die drei letzten französischen Zäh⸗ lungen in die Jahre 1901, 1906 und 1911 fallen, von denen die letztere noch nicht bearbeitet ist. Doch ist festzustellen, daß die Ziffer für den Geburtsjahrgang 1879 im Reiche 509 200, in Frankreich 314 300 war, Deutschland also ein Mehr von 194 900 hatte. In den folgenden 6 Jahren schwankte dieses Mehr zwischen 197300 im Jahre 1883 und 221 400 im Jahre 1885. Da die Sterblichkeit in den in Betracht kommenden Jahrgängen ziemlich gleich sein wird, so wird auch das Verhältnis der Rekrutenzahlen entsprechend sein. Um die Wende des 20. Jahrhunderts betrug also das männliche Menschenmaterial des Reiches in den vorerwähnten? Jahr⸗ gängen etwas über 3690 000, das französische nur 2 255 000, also 1435 000 weniger. Verschiebt man zur Fortsetzung des Vergleiches diese sieben Jahrgänge um zehn Jahre, so ergibt sich unter Benutzung der Anhaltspunkte aus der französi⸗ schen Volkszählung von 1906 und der deutschen von 1910, daß die Gesamtsumme in Deutschland auf 4300 000 ange-
wachsen, in Frankreich auf 2 240000 vermindert ist. Der
Jahrgang 1916 wird ganz sicher, selbst wenn an die Taug⸗ lichteit die allergeringsten Ansprüche gestellt werden, den Franzosen kaum 240 000 Mann bringen, wobei noch gar nicht berechnet ist, daß ein Teil dieser Rekruten schon jetzt freiwillig dient.
Berhaftungen in Paris.
Berlin, 11. März. Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Stockholm: In Paris sind eine Reihe Anarchtisten verhaftet worden unter der Beschuldigung, den Deutschen Mitteilungen über französische Kriegsmaßnahmen geliefert zu haben.
Das siegreiche 21. Armeekorps.
Berlin, 10. März.(Priv.⸗Tel.) Nach der„Voss. Ztg.“ meldet die„Köln. Ztg.“, daß das 21. Armeekorps im Osten vom 18. bis 21. Februar, also innerhalb drei Tagen, 84 Geschütze, über 30 Maschinengewehre und unzählige Mu⸗ nitions⸗ und Proviantwagen, sowie einige tausend Pferde und etwa 24000 Mann mit 200 Offizieren erbeutete.
Russischer Offiziersmangel. Petersburg, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Im „Rußki Invalid“ werden die Bestimmungen über die be⸗ schleunigte Ausbildung von Offizieren bekannt gegeben. Es wird eine nur viermonatige Vorbereitung vor⸗ gesehen. Auch Landstürmer, die den nötigen Bildungsgrad haben, werden zum Offiziersstande zugelassen.
Austausch von Gefangenen mit Rußland.
Berlin, 10. März.(WTB. Amtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Die durch Vermittlung einer neu⸗ tralen Macht mit der russischen Regierung gepflogenen Verhand⸗ lungen wegen Austausches der zum Waffendienst untau g lichen Zivilpersonen sind nunmehr zum Abschluß ge⸗ kommen. Es dürfen jetzt auch alle im Alter zwischen 17 und 45 Jahren stehenden männlichen deutschen Staatsangehörigen Ruß⸗ land verlassen, wenn sie militäruntauglich, krank oder verkrüppelt sind ebenfalls zur Abreise aus Rußland berechtigt. Die Abreisenden sind ebenfalls zur Abreise aus Rußland berechtigt. Die Abreißenden dürfen ihr ganzes Gepäck, Geld, Wertsachen mit Ausnahme von Goldgeld und Bankeinlagen mitnehmen. 8
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
(TB.) Wien, 10. März. Amtlich wird verlautbart, 10. März 1915: An der Front in Russisch⸗Polen herrscht auch weiter lebhafte Gefechtstätigkeit.
In Westgalizien wurde das von unseren Truppen südlich Gorlice eroberte Gebiet noch erweitert. Ein anschlie⸗ zender Schützengraben des Feindes wurde erstürmt und 200 Mann zu Gefangenen gemacht.
Bei günstigeren Sichtverhältnissen hatte gestern in eini⸗ gen Abschnitten der Karpathenfront unsere Artillerie durch gute Wirkung sichtliche Erfolge. Eine nahe vor der eigenen Stellung liegende Bergrückenlinie, die von feindlicher Infanterie besetzt war, wurde infolge des flankierenden Feuers unserer Artillerie fluchtarti ggeräumt. Der Feind erlitt hierbei unter wirksamstem Schrapnellfeuer chwere Verluste. Bei der Eroberung einer Stellung an dieser Front wurden 300 Mann gefangen diel Kriegs⸗ material erbeutet.
Vor unseren Stellungen in Südostgalizien herrscht im allgemeinen Ruhe. Nördlich Nadworna wu' de ein Vorstoß schwächerer feindlicher Kräfte abgewiesen, gleichzeitig an an⸗ derer Stelle mehrere feindliche Bataillone, die gegen die eigene Front vorgegangen waren, zurückgeworfen, in der Verfolgung 190 Mann gefangen.
In der Bukowina hat sich in der letzten Zeit nichts ereignet. Am nördlichen Pruth⸗lfer bei Czernowitz fanden nur unbedeutende Plänkeleien statt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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