Ausgabe 
(9.3.1915) 57. Zweites Blatt
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l Iweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiegener Famislenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sießen zweimal wöchentlich. DieLandwilrtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

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165. Jahrgang

ießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

die Siegesbeute von Augustow.

Berlin, 7. März(WTB) Aus dem Großen Haupt⸗ duartier wird uns über den Untergang der russischen

zehnten Armee noch folgendes geschrieben:

Am 21. Februar hatten die Reste der zehnten Armee im Augustower Forste die Waffen gestreckt, nachdem alle Versuche des russischen Armeeführers Generals Sievers, mit den ihm verbliebenen über den Bobr und nach Grodno enttommenen Armeeteilen die eingetesselten vier Divisionen herauszuhauen, unter schwersten Verlusten gescheitert waren. Der Wald von Augustow barg nun eine ungeheure Beute. Sie zu bergen war keine Kleinigkeit, da die deutsche Truppe auch in den auf die Kapitulation folgenden Tagen eine Anzahl russischer Angriffe abzuwehren hatte, die von frischen feindlichen Truppen aus der Festung Grodno heraus und über den Bobr hinweg geführt wurden. Trotzdem trafen schon vom 23. Februar ab die er erbeuteten Geschütze in Su⸗ walki und 1 ein, deren Zahl sich von Tag zu Tag ver⸗ mehrte, so daß hier große Parks von je achtzig bis hundert Ge⸗ schützen jeden Kalibers entstanden. Längere Zeit beanspruchte die Bergung der übrigen Beute. Da 11 70 ungeheure Mengen in dem Waldgebiete östlich von stow, bis hinauf nach Makakze. Auf der großen Straße nach Grodno zwischen Augustow und Lipszk waren allein et wa eben ah vollgefüllte russische Mu⸗ nitionswagen stehen geblieben. Auch der Weg über Czarny⸗ brodRudafka Supotzkin zeigte auf Schritt und Tritt die Spuren des russischen Rückzuges. Nahe diesen beiden Straßen begegnet man im Forste überall flüchtig aufgeworfenen russischen Schützen⸗ gräben und Schützenlöchern sowie notdürftig errichteten Erdhütten oder Erdlöchern. Schier unermeßlich wurde die Beute in dem Grodno zugelegenen südöstlichen Teil des Augustower Forstes, wo die eingekesselten vier Divisionen die letzten Tage zugebracht und wo sie schließlich auch kapituliert haben. Bei dem Vorwerke Lju⸗ binowo zählte man allein hundert Kriegs fahrzeuge aller Art. Losgerissene Artillerie⸗ und Bagagepferde umf Dutzenden das Vorwerk, viele davon trugen noch i anzen Ge⸗ schirre, andere hatten sich dieser schon entledigt. Aehnliche Bilder waren bei den Dörfern Markowitz und Bogatyri zu beobachten. Bei Wolkusch betrug die Zahl der liegengebliebenen Munitionswagen und Fahrzeuge der Gefechtsbagage mehrere hundert. Ganze Stapel russischer Gewehre waren hier aufgeschichtet, daneben lagen

sprechgerät und Geschirre in großer Zahl. Am größten aber war das Bild der Zerstörung in dem Waldgelände zwischen Gut Wolkusch und Vorwerk Mlyneck. Hier lagen ganze russische Bagage⸗ kolonnen, die vom deutschen Artilleriefeuer niedergemacht worden waren. Bei Vorwerk Mlyneck erlitt eine anscheinend im Ueber⸗ gang über den Wolkuschbach begriffene Munitionskolonne ein glei⸗ ches Schicksal. Die gefüllten 1 lagen hier teilweise unmgestürzt rechts und links des Weges beiderseits des Baches.

2 Fahrzeuge wurden von den durchgehenden Pferden bis ans

Wasser gezogen und kippten hier um. In dem tiefen Mühlenschachte hingen zwei Pferde, die in ihrer 5 sineingesprungen und hinuntergestürzt waren. sie anscheinend die Brücke selbst versperrt vorgefun hatten. Bei Vartinicki und Staroshintzy findet man die Spuren des letzten russischen Widerstandes in Ge⸗ stalt von Schützengräben und Erdlöchern. Von hier aus machten die Russen die letzten Versuche, den eisernen deutschen Ring zu durch⸗ brechen. Auf der Wegstrecke zwischen Mlyneck und Bartinicki lagen hunderte schwerer russischer Granaten, die hier von den Kano⸗ nieren entweder fortgeworfen oder bei der lation liegen⸗ geblieben waren. Nussische Tages befehle.

Von nicht unerheblichem Interesse ist eine Reihe russischer Be⸗ fehle, die in den Befehls- und Telegraphenbüchern der Bagagen der höheren Stäbe gefunden wurden. Wir geben den Wort⸗ laut von einigen dieser ehle hier wieder: Das Oberkommando der russischen 5 Armee erläßt am 5. Dezember den solgen⸗ den Befehl: Oberbefehlshaber hat pünktliche Befolgung des Befehls der Sbersten Heeresleitung angeordnet, wonach beim An⸗ griff alle männlichen Landeseinwohner im arbeitsfähigen Mter vom zehnten Lebensjahre ab vor sich herzutreiben sind.

. Befehl vom 5. Dezember:

Der Oberbefehlshaber der Nordwestfront teilt telegraphisch niit, daß bei i täglich Klagen der Landeseinwohner über Plün⸗ derung einlaufen. Es sollen dagegen die schärfsten Maßnahmen ergriffen werden. Es sind Fälle vorgekommen, daß feindliche Trup⸗ pen unsere Dörfer durchzogen und diese völlig unberührt ließen, während unsere eigenen Truppen diese Dörfer hinterher ausgeplün⸗ dert haben. Es ist sehr bedauerlich, daß solche Fälle in unserer Armee mmen.

. Befehl vom 7. Februar: 5

Der Höchstkommandierende hat befohlen, auf die sich häufen⸗

den Fälle des Fehlens jeder Verbindung längs der Front und bei

ärmten zu 1

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Dienstag, 9. März 1915 f

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. 7

R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschͤftsstelle u. Verlag: Sol, Schrist

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

den hintereinanderliegenden Truppenteilen hinzuweisen. In dieser Hinsicht ist die. soweit gegangen, daß letzthin zwei zum Angriff angesetzte Truppenteile statt gegen den Fein 2 einander selbst vorgegangen sind und sich im ergefecht Verluste zufügten, wobei sie erst auf Entfernung eines Bajonettangriffs halt machten.

Befehl vom 9. Februar(Rückzugsbefehh:

Geschütze, die nicht mitgenommen werden können, sind zu ver⸗ graben, Verschlüsse und Aussätze sind herauszunehmen und wenn möglich in den nächsten See zu versenken. Die Geschosse find mit⸗ . und wenn dies unausführbar, zu versenken.(Nach Ge⸗ angenenaussage wurden in Ostpreußen schwere Geschütze vergraben und die betreffende Stelle mit einem Holzkreuz versehen, um ein Russengrab vorzutäuschen.)

Der Chef der Gendarmerie des Kreises Suwalki ordnete an: In letzter Zeit beginnen Briese unserer Kriegsgefan⸗ genen einzutreffen. Es ist aufgefallen, daß Briefschreiber, um ihre Briefe schneiler zum Ziele gelangen zu lassen, zu der List greifen, das Leben in der Gefangenschaft in günstigem Lichte er⸗ scheinen zu lassen. Die unintelligenten Empfänger dieser Briefe kön⸗ nen sich hierdurch eine verkehrte Vorstellung der wie bekannt sehr schweren Lebensbedingungen unserer in feindlicher Gefangenschaft befindlichen Soldaten machen und auf diese Weise eine verfüh⸗ verische Wirkung auf unsere Truppen ausüben. Die Verbreitung solcher der Wahrheit nicht entsprechenden Mitteilun⸗ gen bei den Truppen und Dienstpflichtigen erscheint unerwünscht.

Dieselbe Stelle erließ am 29. Januar 9 als ganz ge⸗ AT bezeichnete Weisung über die Behandlung deutscher riegsgefangener Offiziere:Nach Mitteilungen, die dem Stab des Dünaburger Militärbezirks zugegangen sind, sind in letzter Zeit wieder Falle beobachtet worden, in denen Kriegs⸗ gefangenen, besonders Ofsizieren, zu weitgehende Aufmerksamkeiten und Vergünstigungen zuteil wurden. Der Oberkommandierende des Bezirks besiehlt daher die strengste 1 solgender Vorschriften: Kriegsgefangene Offiziere sind in Wagen dritter Klasse, aber getrennt von den Mannschaften, zu befördern. Sie dürfen ihre Bur⸗ nicht bei sich behalten; diese sind velmehr mit den übrigen annschaften zu befördern. 2. Als Offiziersquartiere sind die gleichen Räume wie für Mannschaften auszusuchen, aber getrennt von diesen 3. Die Offiziere erhalten dasselbe Essen wie die Mann⸗ schaften. Besondere Vergünstigungen sind durchaus unstatthaft.

Aus Oessen.

Aus der Zweiten Kammer.

rm. Darmstadt, 8. März. Die Großh. Regi hat der weiten Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, wel⸗ er die Wertzuwachssteuer betrifft. Danach soll es den Ge⸗ meinden gestattet sein, an Stelle der jetzt aufgehobenen Wert⸗ zuwachssteuer bis auf weiteres die Sätze der Reichs wert⸗ zuwachssteuer zu erheben. 0

Den Erlaß eines Kriegsnotgesetzes, betr. die Verhinderung des Zusammenbruches des mit Hypotheken belasteten Hausbesitzes be⸗ treffend, hat der Abg. Eißnert der Zweiten Kammer vorgelegt. Danach soll die Regierung ersucht werden, den Bundesratsbevoll⸗ mächtigten zu W dahin zu wirken, daß der Bundesrat ein Gesetz schafft, in dem festgelegt wird, daß Banken und andere Hyvothekengläubiger den belasteten Hausbesitzern mindestens die Hälfte des durch den Krieg gehabten Mietausfalles an den Kapital⸗ zinsen nachlassen bis zum Höchstbetrag von 25 Proz. des Gesamt⸗ 3 In der ündung wird u. a. ausgeführt, daß durch

chassung des vorgeschlagenen Gesetzes den betressenden Haus⸗ besitzern ein Teil des Ausfalles wieder ersetzt wird, so daß sie weiter leistungsfähig bleiben. Massenhafte Zusammenbrüche würden verhindert und dem Reich, den Einzelstaaten und den Gemeinden würde die Steuerkraft erhalten bleiben.

Der Abg. Korell⸗Ingelheim hat einen Antrag an die Kammer eingereicht, in welchem die Regierung ersucht werden soll, beim Bundesrat alsbald eine angemessene Erhöhung des Ver⸗ pflegungssatzes für a e und zwar mit Wirkung vom 1. Februar ab. In der Begründung wird besonders auf die Notwendigkeit der Erhöhung dieses Sages für die Orte der Umgebung der größeren Städte hingewiesen. Die Er⸗ höhung soll rückwirkend erfolgen.

Heute früh fand in den Räumen des Bureaus der Zweiten Kammer eine Feier statt. Kammerpräsident Köhler hatte die sämtlichen Beamten und Bediensteten zu sich gerufen, um den Abschied des seit über 35 Jahren in den Diensten der Kammer

ehenden Dieners Christian Rebsohn, der mit Rücksicht auf ein Alter zurücktritt, feierlich zu begehen. In einer Ansprache wies

Präsident auf die nahezu ein Menschenalter zurückliegende, mit Treue und Eifer vollzogene Dienstzeit hin und sagte dem Scheiden⸗ den unter Ueberreichung des ihm von der Großherzogin verliehenen

Aus Briefen Scharnhorsts.

Die erste Sammlung der Briefe Scharnhorsts erscheint zur rechten Zeit: mehr als je ist gerade jetzt das deutsche Volk gestimmt, sich die geniale Persönlichkeit des Mannes zu ver⸗ gegenwärtigen, der in rastloser Arbeit die Grundlage zum deut⸗ schen Volksheere und dessen Größe gelegt hat. Von den Briesen Scharnhorsts waren bisher nur verhältnismäßig wenige verössent⸗ licht, und so kann Karl Linnebach in seiner Ausgabe des Briefwechsels Scharnhorsts, deren ersten, die Priwatbriese umfas⸗ senden Band der Verlag von Georg Müller in München dem⸗ nächst erscheinen lassen wird, eine reiche Fülle noch unbe⸗ kannter Brie fe des großen Strategen zur Mitteilung bringen. Mit packender Anschaulichkeit tritt die markige, durch und durch originelle Heldengestalt Scharnhorsts in seinem Briefwechsel her⸗ vor. Es sind keineliterarischen Briefe. Scharnhorst war kein Meister der Sprache, wie etwa Gneisenau oder Clausewitz; seinen Briefen fehlt, wie der 1 bemerkt, alles Glänzende, Witzige und Unterhaltsame, die leichte Beweglichkeit, das Spiel der Bbantafte Sie eutschädigen uns aber dafür durch innere Ge⸗ diegenheit und edle Schlichtheit. Nur der einzig bekannte Brief aus seiner Bräutigamszeit hat etwas Literarisches an sich Er stammt aus dem Jahre 1784 und ist an seine damalige Braut Klara Schmalz gerichtet.Ueber den Teister ist es rot und so wölkigt helle, als wollte es eine beständige gute Witterung werden und so ungefähr ist mir diesen Abend meine Gesundheit, von der ich jetzt überhaupt zufrieden bin. Mein Leben ist jetzt ein ruhiger Traum eines schwachen, aber ruhigen und zufriedenen Genesenden, den seine Phantasie zwar nicht in muntere, frohe Oerter bringt, den sie aber in dunkelen Gegenden weidet und erauickt Man verg

Gedanken führt Scharnhorst in dem Briefe des weiteren aus, um schließlich den Menschen von der Selbsiqual an die allgütig wir⸗ kende Natur zu weisen. Der 3 lyrische oder 1 1 Er⸗ güsse gehören in Scharnborsts riefen zu den größten Selten⸗ heiten; sie sind ein Zoll, den auch dieser starke Geist dem Zeit⸗ geschmacke entrichtet hat. Als Kind seiner Zeit wird er auch in dem Geiste humaner Aufklärung erkennbar, der z. B. in seinem Briese an den Obersten von Tempelhof in Berlin vom 27. Januar 1793 u spüren ist:In 20 Jahren, hosse ich, werden die höheren Stände chon ildeter und billiger denrfen. Dagegen te ich es Pflicht, wo man kann, den höhern Ständen in schlechte Denkun

J art, ihre Ungerechtigkeit vorzuhalten, und zu zeigen, da

dies nicht mehr so in der Folge bestehen

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eicht oft das menschliche Leben mit einer Pflanze, und der M Mensch hat auch in der Tat vieles mit der Pflanze ähnlich. Diesen] der M

esellschaften] Uns

kann. Ich habe dieses freimütig getan; denn diese zum Teil argen Menschen verführen überdies noch die 1 und stehen der mensch⸗ lichen Glückseligteit dadurch auf manche Art im Weg.

Die Zeit war nicht danach angetan, Scharnhorsts ideale Wünsche und te zur Wirtlichkeit werden zu lassen. Den tatfrohen Mann ergriff beim Anblicke des Zeitjammers mehr und mehr tiefer Mißmut. Als sein in Halle studierender Sohn Wilhelm im Jahre 1805 ihm gegenüber geäußert hatte, wenn allesüber und über ginge, könne er sich nicht enthalten mitzufechten, da mußte ihm der Vater schreiben:Dies macht Deinem Mute und Deinem Pa⸗ triotismus Ehre. Lerne aber, mein Sohn, diese Tugenden früh besiegen. Sie haben mir von jeher, und vorzüglich auch in diesem Augenblicke, mehr Kummer als irgend ein Laster gemacht. Uebri⸗

ens wünsche ich nicht, daß Du jemals als Soldat auftrittst; schwer⸗ ich würdest Du hier Befriedigung finden. Den Franzosen würdest Du nicht dienen, und die übrigen Armeen befinden sich größten⸗ teils in 14 Verhältnissen, daß auch bei ihnen in der Zukunft wenig Ehre zu ernten ist. Alter, Schwäche, Untätigkeit, Unwissen⸗ heit und Unmut auf der einen Seite, Tätigkeit und Entschlossen⸗ heit auf der anderen. Schon das nächste Jahr sollte Scharn⸗ horsts trübste Ahnungen bestätigen. Er erlebte den Zusammen⸗ bruch des preußischen Staates bei Jena⸗Auerstädt mit und er empfand als ein Glück, daß er die Ehre der 1 9 Waffen durch eine Teilnahme an Blüchers kühnem Rückzuge retten konnte. amals lernte er diesen Mann gründlich kennen und würdigen. vor dem er dann in der entscheidenden Stunde des Jahres 1813 bescheiden zurückgetreten ist. Nach den er seiner Tochter über Blücher:Nie 0 5 nigere Freundschaft und Zutrauen stattge unden, als zwischen diesem braven mutvollen Mann und mir. Wir allein waren immer gutes uts, wenn die Not am höchsten war; nie war eine Differenz 8 einung zwischen uns, nie verschiedene Gefühle; wir waren eine Seele, ein Gedanke, ein Entschluß. Die Tage, die ich bei ihm gewesen, waren mühsam und satiguant für mich aber mir merk⸗ würdig, 10 lange ich leben werde. 1 a Es folgte die Zeit seines großen Reorganisationswerkes, die der schmachvs

Neider e seines Herzens schüttete er einmal im März 1812 in einer Aufzeichnungan Freunde(vielleicht Gneisenau und Boyen) aus:Mit wehmütigem Herzen nähere ich mich Ihnen, um mit Ihnen zu trauern über das Schicksal der deutschen Völker. Nichts hält jet den großen Gang der Weltbegebenheilen auf. nsere Regensen kennen keine Ruhmbegierde; sie wurden von Schulmeistern und Stocktorporalen gebildet; unsere Großen kennen keine Rittersitte, wollen bloß die Welt genießen. Die Gefühle

eine größere und in⸗

Tagen von Lübeck schrieb] 3

lastenden Fremdherrschaft. Die ganze mich

Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen 0 herzlichen Dank mit dem Wunsche, daß der Fünfundsiebzigjährige es noch recht lange tragen möge.

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Aus Stadt und Land. Gießen, 8. März 1915.

* Kriegssammlung im Museum. Im hiesigen Museum am Brandplatz soll zur Erinnerung an die Kriegszeit und zum Gedächtnis für spätere Generationen eine Sammlung aller den Krieg betreffenden Gegen⸗ stände veranstaltek werden. Vor allem werden Photo⸗ graphien von ausziehenden Truppen und Gefangenen, ferner N Aufnahmen aus dem Felde usw. gesucht. wird von der Museumsleitung gebeten, diese Bemühungen zu unterstützen und Kopien derartiger Auf⸗ nahmen, event. gegen Entgelt, dem Assistenten Mu- seums Cand. phil. Meyer, West⸗Anlage 6, zu über⸗ mitteln. 13

Warnung.Taschensilter oderFeldfilter werden häufig als geeignete Gegenstände zum Nachsenden an Heeres angehörige im Felde angepriesen. Mit ihrer Hilie kann sich angeblich jeder Soldat sein Trinkwasser frei von Krankheitserregern und sonstigen schädlichen Stoffen machen. Vor dem Ankauf solcher 1 Hilter muß jedo gewarnt werden, denn sie leisten nicht das, wan an ihnen gerühmt wird. Die Kle nfilter vermögen zwar trüben Wasser zu klären, sie sind aber nicht imstande, krankmachende Bakterien oder Stoffe, wie sie häufig im verschmutzten Wassen sich vorfinden, mit Sicherheit abzufangen. Ein Taschenfilter kann 1 die Gesahrlichkeit unreinen Trinkwassers höchstens etwas vers mindern, sie aber nicht beseitigen. Ja, ein nicht peinlich sauber gehaltenes Taschenfüter ist sogar imstande, das Tri kwasser 5 zu verschlechtern, weil in ihm Krankheitserreger weiterwuchern, sich vermehren und das durchfließende Wasser infizieren können. Taschen⸗ fülter wiegen somit ihre Vesitzer in eine salsche Sicherheit und ver⸗ siioren sie zur Leichtserttikeit beim Wassertrinken. Abgekochte 5 Wasser(Kaffee, Tee) ist solchem, das durch Tascheufilter gegangen ist, unbedingt vorzuziehen. 1

Landkreis Gießen. 2

m. Ruttershau en, 7. März. Gestern wurde unsere Gemeindejagd zum zweiten Male verpachtet, nachdem die erste Verpachtun, bei der Krämer und Genossen hier mit 320 Mk. Vochsibtetende waren, vom Gemeinderat nicht genehmigt worden war. Meinbietender wurde diesmal Rechtsanwalt Jung⸗ Gießen mit 230 Mt Der seitherige Pachtpreis veirug 480 Mk. 5 Beuern, 9. z. Am Samstag Abend unternahm die hiesige Jungmannschaft eine Nachtübung, wobei in der Nähe von LondorfAbkochen stattsand. Sie rückte dann nach zirka 18 Kilometer Marsch gegen Sonntag früh frohen Muts wieder ein. 2

Albach, 9. März. Der Turnverein veranstal⸗ tete kürzlich im Lauerschen Saale einen Vaterländi⸗ schenabend. Der Vorsitzende Lehrer Groh begrüßte die Anwesenden und hieß sie herzlich willkommen. Dann er⸗ öffnete er die Feier mit einem Vortrag über den 5 1 machung, zu dem Tage, wo die ersten Siegesglocken durchs Land ertönten und zu den herrlichen Siegesnachrichten aus Masuren. Auch erinnerte er an die Tapferen, welche fern den Heimat in Afrika und China für des Vaterlandes Ruhm und Ehre gekämpft und geblutet haben Turnerische Auffüh⸗ rungen, vaterländische Gedichte und Lieder verschönten die Feier und hielten die Anwesenden lange beieinander. Auch das TheaterstückDes Kriegers Heimkehr fand großen Bei! fall. Zuletzt dankte 2 Lehrer Groh den jungen Vereins⸗ mitgliedern für ihre Opferwilligkeit und ermahnte sie, in 0 diesem Geiste weiter zu arbeiten, damit sie einst, wenn das Vaterland auch sie rufe, treulich ihre Pflicht erfüllen könnten. Auch vergaß man nicht bei der Feier der Vereinsmitglieder zu gedenken, die draußen in N treulich die Wacht halten für die Lieben in der Heimat, besonders der vier G e⸗ zum Vaterland schon mit dem Tode

Kreis Schotten. 5

. Herchenhain, 7. Nirz. Am 20. Februar fiel in den Kämpfen vor Verdun Reservist Otto Appel. Schon am 15. Sep tember v. J. fiel ein Bruder von ihm bet einem Sturmangrisse in Nordfrankreich, und am 26. Oktober wurde sein Schwager in Kamose gegen die Engländer in Wesiflandern tödlich getroffen.

und der Geist der höheren Stände bezeichnen eher den Sklaven, 8 7. 7 8 3 aber, aller Unmut waren vergessen, als lich, nicht zum ingen Teile dank seiner unausgesetzten Wirksamkeit, die. 7 3 erlösenden Tat schlug. Unter ungezählten Widrigkeiten schuf er Preußens neues Heer. Am 19. März 1813 schildert er selbst in einem Briefe an seine Tochter mit kurzen, markigen Worten eine Wirksamkeit:Ich habe mit unbeschreiblicher Anstrengung r König und Vaterland gearbeitet, ich habe mein vornehmstes Augenmerk auf die Belebung des Geistes gewandt, und durch die Herbeiziehung und Enthusiasmierung der jungen Männer meinen Zweck erhalten und so das Interesse aller Familien an den Krieg 5 gekettet. Alles ist im Fortschreiten, nun gehe ich gegen den 2* ich 1 die Gelegenheit, auf die Operationen einen ent⸗ scheidenden Einfluß zu haben, die unzähligen Schwierigkeiten des Fortganges dersel zum Teil 1 heben, wenigstens viel Gutes u stiften. Die Hemmungen, auf die er bei der Erfüllung dieser ufgabe stieß, waren freilich schier unermeßlich.Ich ärgere mich unaufhörlich so schrieb er der Tochter am 2. April über die Unwissenheit und Schlechtigkeit, werde aber dagegen durch den guten Geist, der im all nen herrscht, wieder erguickt. Trafen ihn schon die vielen Fehler, die von seiten der Verbün⸗ deten gemacht wurden, als schere Schläge, so verzehrte sich dieser Feuergeist dann vollends, als er verwundet, ohnmächtig auf dem Krankenbette lag und den Dingen untätig zuschauen mußte, die er, wie er fühlte hätte meistern können. Damals schrieb er aus naim am 21. Mai 1813 an seine Tochter jenen Brief, der wohl den tiefsten Einblick in die Tragik dieses Helden lebens eröffnet.Ich will nichts von der ganzen Welt; was mir wert ist, gibt sie mir ohnehin nicht. Mir ist eine Stelle, wenn ich bergestellt bin, bestimmt. Eine sonderbare. Mir ist das aber gleich⸗ giltig. Könnte ich das Ganze kommandieren, so wäre mir daran viel gelegen, ich halte nrich in aller Vergleichung ganz dazu fähig. Da ich das aber nicht kann, so ist mir alles gleich. An Di⸗ stinktionen ist mir nichts gelegen; da ich die nicht erhalte, welche ich verdiene, so ist mir jede andere eine Beleidigung und ich würde verachten, wenn ich anderes dächte. Alle 7 Orden und mein Leben

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fallenen, die die Liebe besiegelt haben.

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gäbe ich für das Kommando eines Tages. Daß N was ich hier schreibe, ganz meinem Wesen zuwider, daß ich nichts verlange, nie mich unzufrieden dußerte und jetzt so n ee Dir schreibe, wird Dich befremden. Es ist aber dies kein ef, sondern eine eigentliche Nachricht für Dich,

wie Dein Vater dachte, wenn ich einst nicht mehr da sei 75 Wenige Wochen pater war Scharnbortt 11 N