nur zugunsten solcher Firmen,
r. 40 viertes Blatt Die„ Sießener Famllienblätter⸗ Weben ben „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Areisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal
wöchertlich. Die„Tandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erschemen monatlich zent.
.
5 165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Rotationsdruct und Berlag der Brübl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straze 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrift-
leitung: 2112. Adresse für Draytnachrichten: Anzeiger Gießen.
Kriegsorganisationen. Bon Dipl.-Ing. Dr. Gustav Stöckle.
Mit dem Ausbruche des heutigen Weltkrieges, vor welchem Kulturvöller in einem regen Handelsaustausche sich befan⸗ en, wurden mit einem Schlage alle wirtschaftlichen Bande, welche die deutsche Industrie und Landwirtschaft nit dem Auslande ver⸗
n„ gelockert, und bisweilen auch ganz gelöst. Unser grim⸗ urigster Feind, England, hat es meisterhaft verstanden, die neu⸗ tralen Staaten zu Ausfuhrverboten zu bewegen und zu drängen. sollte dem bestgehaßtesten deutschen Gegner überall ge⸗ f und er auf die Knie gezwungen werden. Kein Mittel ist und dünkt ihm schlecht genug, dieses Ziel zu erreichen. Während wir in früheren Kriegsjahren lediglich mit der Waffe in der
Krieg führen konnten, K es auch heute, weiter 255 bewer⸗ wie hoch unsere inneren Kräfte, die Kräfte unserer Volkswirt⸗ schaft, zu bewerten sind. Das in langjährigen Friedensjahren ge⸗ übte wirtschaftliche Ringen— nach außen und nach innen—
die Erstarkung seiner Mobilität, seine innere Kraft im V
jetzigen Wirtschaftskriege, dem Gegner entgegenzusetzen. Soweit wir heute in der Lage sind und die Tatsa überblicken können, 15 die ftprobe auch bis hierher zu unseren Gunsten ausge⸗
Die so plötzlich auftretenden neuen Wirtschaftsproblente zu lö⸗ sen, war für unser gesamtes Erwerbsleben keine Kleinigkeit, war doch großen Teile unsere Industrie und unser Handel auf den Auslandserport eingestellt und damit auch alle die kleineren Erwerbszweige, die mit Rücksicht auf unseren Export gegründet worden waren. Wir können sagen, daß es nach dem ersten An⸗ sturm alle Erwerbsstände meisterhaft verstanden haben, sich den neuen Möglichkeiten alsbald anzupassen. Jetzt war und ist der Zeitpunkt gekommen, der den Beweis erbringen soll, wie segens⸗ reich unsere Industrie neben der Landwirtschaft für unser Vater⸗ land arbeitete. Die in den* angelegten hoben Kapi⸗ talien, welche in der Hauptsache für die Exportmöglichkeiten nutz⸗ bringend angelegt worden waren, bilden heute mit das Rückgrad unserer nationalen Verteidigung. Wäre das Durchharren bis ans Ende möglich, ohne im Besitz einer sol⸗ Industrie und Land⸗ wirrschaft zu sein? Bei dem ungeheueren Bedarf an Kriegsmaterial und der pflegung jeder Art müßte man mit nein ant⸗ worten, ganz abgesehen von den Bedürfnissen der Volkswirtschaft.
Die Industrie verstand es geradezu meisterhaft— und darin ist deutscher Geist und deutsche Schulung zu erkennen—, sich den veränderten Erwerbsmöglichkeiten rasch anzupassen. Trotz all dieser großen Anpassungssähigkeit gibt es auch wieder Industrien, be⸗ sonders in der Holzwarenbranche, die sich infolge ihrer inneren Einrichtungen sehr schwer an die veränderten Verhältnisse anpas⸗ sen können. Im großen ganzen ist es bis hierher doch immerhin gelungen, die Betriebe auch in Kriegszeiten weiterzuführen. Aus einer Friedensindustrie hat sich eine Kriegsindustrie entwickelt.
Und daß diese Tatsache zu verzeichnen, ist ein Erfolg unseres deutschen Organisationstalentes, das in der militärischen Mobil⸗ machung bereits zum glänzenden Ausdruck gekommen ist. Die seit dem Kriegsausbruche sich aufdrängenden Aufg bestanden ein⸗ ntal 1 2 15— 5 3 9 uns
ü te itte! urchgeführt en, und wie — den e von erwerbstätigen Arbeitern und Ange⸗ — bei der gewaltsamen Unterbindung des Außenhandels, der Sperrung der Grenzen und der erlassenen Ausfuhrverbote— die Arbeitsgelegenheit erhalten bleiben, bezw. neue geboten werden. es
den Organisationen uud Synditate der Industrie, des Handels und der Landwirtschaft; und es soll die schen sein, sich
Das Ziel der anisationen mußte einerseits für die Industrie darin bestehen, alle Betriebe möglichst weiter beschäftigen zu kön⸗ nen, und ferner die Schaffung eines neuen Arbeitsmarktes zu er⸗ möglichen. Die Lösung wurde bald durch eine Betätigung für die Meeresbedürfnisse gefunden. Die Bewilligung der Milliarden⸗ kredite durch den Reichstag eröffneten zudem gung Aussichten. Heute arbeiten die meisten industriellen Firmen viele Hand⸗ werkszweige für das Heer. Wie mannigfach aber auch die Er⸗ sordernisse eines Heeres sind, davon macht sich ein e kaum einen Begriff. Die erhöhte Herstellung von Munition, Ge⸗ schützen und Gewehren, Automobilen, Motoren, Flugzeugen, Fahr⸗ rädern, Kameras, Ferngläsern, Objektiven, elektrischen 1 Werkzeugen und Maschinen, pharmazeutischen und chemischen Prä⸗ paraten, dann die Beschaffung von Uniformen, Unterkleidern, Decken, Ausxrüstungsgegenständen aller Art, geben schon Produk⸗ Honsgelegenheiten in Fülle. Die anfänglichen Schwierigkeiten, für die vorhandenen Betriebe Aufträge in ihrer früheren Produktion zu erhalten, mußten von den zu schaffenden Organisationen erst überwunden werden. Die Industrie selbst mußte sich andererfeits wieder den neuen Verhältnissen anpassen, was sie auch in sehr kurzer Seeber enter ür bee abet wel fi Serrenlies ge, von er Wichti ür di riken. mi 0 gen, Hirelt oder indirekt, bea n, bei Mangel an Roh⸗ stoffen diesen zu beheben. Diese gnahmen erforderten immerhin umsomehr Umsicht und auch unter Umständen eine besondere Or⸗ ganisationsart, als unbegründete Eingriffe in die Lagerbestände prater Besitzer auch für die Bedürfnisse der Bevölkerung in Abzug kamen. Die Regierung und die Militärbehörden mußten dieser⸗ balb— und hatten es auch zweckmäßigerweise getan— Hand in Hand mit geschäfts⸗ und wirtschaftskundigen Personen, Ver⸗ einigungen und Korporationen zusammenarbeiten. Die Markt⸗ und Wirtschaftsverhältnisse und die tnisse von der Warenkunde und Fabrikation sind doch heute so vielgestaltige, daß eine solche Lösung — der Arbeitsgemeinschaft— die beste schien. 8
Aulgemein ging man dazu über— mit Rücksich 2 sonderen Verhältnisse— die Organisationen in die Form von gemeinnützigen Gesellschaften, mit der Rechtsform einer Altien⸗ gesellschaft, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder m. b H. zu kleiden. Diese erhalten gewöhnlich behördlichen Charakter der⸗ art, daß, soweit es sich um eine Material- oder Nahrungsmittel⸗ beschaffung handelt, eine Aufforderung zur Ueberlassung der ge⸗ wünschten Gegenstände dieselbe Wirkung hat, wie eine behördliche Aufforderung und diese einer Beschlagnahme gleichkommt. Soll die Beschlagnahme über eine gewisse Zeit hinaus Geltung erlan⸗ gen, dann bedarf es hierzu der Bestätigung der zuständigen Be⸗
örde. Hat der Besitzer einer bestinnnten Ware eine solche Auf⸗ örderung erhalten, so hat er die Pflicht der Aufbewahrung bis
zu der behördlich festgesetzten Frist, wofür ihm allerdings eine Ber⸗L und
gütung gewährt werden kann.
Die Ueberweisung von beschlagnahmten Rohstoffen geschieht sind und Rohstoffe e e i een Nea— traut 5 1 ane Firma zur Fabel ation gewarnt. Fregsrohftvffe, Jo ift in
U: l es wäre zu empfehlen, solche Belegscheine bei allen Organisationen, für die
zur ten Rohstoffmengen genau anzugeben sind. Auf diesen Belegscheinen sind auch die näheren Erläuterungen, was alles als Kriegsliefe⸗ rung im Sinne der Beschlagnahmevergütung zu gelten hat.
Als Mitglieder gehören den einzelnen Organisationen außer industriellen Unternehmungen meistens der Staat und die Städte an. In der Mehrzahl 1 5 nur eine Verzinsung des Gesellschafts⸗ kapitals, während ein evtl. verbleibender Gewinn der Kriegsfür⸗ sorge zufällt.
„Die weitere Aufgabe der gebildeten gemeinnützigen Organi⸗ sationen besteht, außer in der Beschlagnahme, in der Zuweisung an die Heereslieferungen ausführenden Firmen. Die Tätigkeit dieser Organisationen ist eim um so ersprießlichere, als auch die Rohstoffbestände in eroberten Gebieten, für die Beschlagnahme und erteilung, in Frage kommen Die Einnahme von Antwerpen, von Roubaix, von Czenstochau in Russisch⸗Polen förderten be⸗ deutende Mengen an Rohstoffen, wie Wolle, Leinengarne, Jute usw. zutage.
Weiter hat sich das Reichsamt des Innern Vertrauensmänner für Ausfuhrbewilligungen verpflichtet, zur Bearbeitung der An⸗ träge auf Bewilligung von Ausnahmen von den Ausfuhrverboten. So wurden im Einverständnis mit den beteiligten Stellen für die chemische Industrie, die Papierindustrie, die Kautschuk verarbeiten⸗ den Betriebe, die Zuckerindustrie, für Wollwaren, für Gerbstoffe, Häute und Felle zur Lederbereitung, für Eisen⸗ und Stahlerzeug⸗ nisse Zentralstellen für Aus fuhrbewilligungen errichtet, deren Leiter meistens zugleich die Geschäftsführer der betreffenden Interessen⸗
verbände sind.
Als eine der ersten Kriegs⸗Organisationen aus den Kreisen der Industrie, und ohne Mitwirkung der Regierung, wurde der „Kriegsausschuß der deutschen Industrie“ ins Leben gerufen Diese Gründung verdankt zwei großen, bereits vorhande⸗ nen Organisationen— dem Zentralverband deutscher Indu⸗ strieller und dem Bund der Industriellen— seine Entstehung. Die Tätigkeit, welche dieser Kriegsausschz bis jetzt entfaltete, bestand in der Hauptsache in der Arbeitsbeschaffung für die In⸗ dustrie, der Art der Vergebung der Heeresdc,erung, der Förderung des Außenhandels, der Gründung von Kriegskreditkassen, der Roh⸗ stoffversorgung, der Gestaltung des Eisenbahnverkehrs, der Ver⸗ ständigung zwischen Rohstoffverbänden und Verbrauchern, den Ver⸗ geltungsmaßregeln gegen das Ausland, der Feststellung von Scha⸗ denersatzansprüchen, in Fragen der Rechtsprechung usw. Da die meisten Maschinenfabriken den früheren Organisationen bereits als Mitglieder beizählten, so war hier für eine zweckmäßige Arbeits⸗ verteilung schon gesorgt. Natürlich finden auch solche Firmen Be⸗ 5 welche einem der vorgenannten Verbünde nicht an⸗ gehören..
In enger Verbindung mit der„Nohstoff⸗Abteikung“ im Kö⸗ niglichen Kriegsministerium, welche die Bewirtschaftung der Roh⸗ stoffe im Interesse der Heeres verwaltung übernimmt, sichert und re⸗ gelt, steht die„Triegsmetall A G. Berlin“, durch welche die Versorgung der metall verarbeitenden Industrien nach einheit⸗ lichen Grundsätzen erfolgt.
Ebenso wichtig, C nen, welche die Beschaffung der Rohstosse von Militärbefleidungs⸗ maberial 9 Hier ist es insbesondere die Textilindustrie, welche der Organisationen in hohem Maße umfo mehr bedar), als die zur Herstellung von Gespinsten und Gen— aus Wolle, Jute, Leinen und Flachs— notwendigen Rohstoffe vom Aus⸗ lande eingeführt werden. Hier galt es für die Textilindustrie,
eeignete anisationen zu schaffen, war doch allein die deutsche
inenweberei bereits in Friedenszeiten zu 40 Prozent ihres Garn⸗ bedarss auf die Auslandseinfuhr angewiesen. Auch bietet die Verschiedenartigkeit der Garnnummern inbezug auf den Bedarf und die durch die Beschlagnahme entstehende Entschädigung so viele Schwierigkeiten, daß es gerade hier empfehlenswert schien, sich der vorhandenen Sachverständigen und beslehenden Organisationen zu bedienen. Die Verhandlungen mit der Rohstoffabteilung des Kriegs⸗ ministeriums, welche auf Veranlassung des Verbandes deuts Leinenwebereien zu Bielefeld erfolgten, führten zu der Gründung einer„Lernengarn⸗Abrechnungsstel ke“, welche die Verteilung der beschlagnahmten Flachs⸗ und Werkgarne an die Webereien besorgt.
Während hier eine Bedarfsregulierung in Garnen erfolgt, hat die„KFammwoll A.⸗G. Berlin“ und die„Kriegswoll⸗ bedarfs⸗A⸗G. Berlin“ die Aufgabe, den Spinnern, die heute in der Mehrzahl, direkt oder indirekt, nur Militärlieferungen ausführen, Kammzug und Wolle zuzuführen. Die Kriegswollbe⸗ darfs A. G. befaßt sich nur mit der Zuteilung von Wolle an die Unternehmer, welche Lieferungen in Militärmannschaftstuchen er⸗ halten haben. Die Kammwoll A. G. soll dagegen auch anderen Be⸗ trieben Wolle zuteilen.) 45
Erwähnenswert sind noch zwei neue Gründungen in der Textil⸗ industrie. Zur Versorgung unseres Heeres mit den notwendi Bekleidungsgegenständen ist mit Zustimmung des Kriegsministe⸗ riums und im Anschluß an die Kriegswoll⸗A.⸗G. der„Friegs⸗ weberverband“ det worden, welcher die Aufgabe hat, die Verteilung von Aufträgen der Heeres verwaltung in. garnstoffen, auf die einzelnen Betriebe vorzunehmen.
Die andere Gründung betrifft den„Friegstuchver band E. V. Berlin“.
Außerdem ist noch eine„Jute⸗Abrechnungsstelle“ bei der Direktion der Diskontobank in Berlin, und eine„Flachs⸗ Abrechnungsstelle“ in Berlin errichtet worden.
Von einschneidender Wirkung sind die neuen Organisationen, welche auf dem Ledermarkte erfolgen. Die bestehenden Organi⸗ sationen waren so innig mit dem Handel, der Industrie und dem Handwerk verknüpft, daß die Befürchtung von entstehenden Schwie⸗ rigkeiten nicht umsonst gehegt wurde, weil der ungeheuer große Leder⸗ und Schuh„welcher in der Zivilbevölkerung vor⸗
nden ist, auch bei einer Beschlagnahme der vorhandenen Leder⸗
ände mit berücksichtigt werden mußte. Ferner galt es für die Gerbereien die Existenzfrage zu prüfen, denn auch auf die Gerbstoffe war man im Frieden auf das Ausland angewiesen. Die Beschlagnahme mußte auch hier eintreten. Es kann daher e wenn die 3* ie teuren 1 im Publikum nicht verstummen wollen, iese zum Teil auf das Konto der neuen Organisation der Lederbranche gesetzt werden. In der Hauptsache galt es natürlich auch hier, zuerst die Heeres⸗ bedürfnisse zu berücksichtigen. 3 5
Das Kriegs ministerium nun, daß alle Häute von Grofwieh, also Häute von Ochsen, Kühen, Bullen, Rindern, so⸗ fern das Grüngewicht der vollständigen Haut mindestens 10 Klgr. beträgt, beschlagnahmt werden, und weiter auch die Gerbstoffe. Diese Gefälle an Häuten werden durch Vermittlung, zu festen Preisen näheren Vereinbarungen, von der„Deutschen Roh⸗ haut⸗Gesellschaft m. b. H.“ übernommen und der Kriegsleder⸗ A. ⸗G.“ zugeführt. Dieser ist eine Verteilungs⸗ kommission angegliedert worden, die nach einem vom Kriegs⸗
ministerium gebilligten Verteilungsschlüssel, den einzelnen Ger⸗ berelen, weldiz Kriagslieserungen haben aber usch erbnltrn, die
Häute zuweisen Zur angegebenen Vermittlung bediente man sich auch bereits bestehender Organtsetionen, nämlich der„Häutever⸗ wertungsverbände“ und der ihnen angeschlossenen Vereinigungen. sowie der Großhändler. Heute unterscheidet man nur noch zwi⸗ schen einem Auktions⸗ und einem sogenannten freien Gefälle. Die Innungen und Verwertungsgesellschaften, einerlei ob diese einer Organisation angehörten und bereits auch Auktionen abgehalten haben, sind verpflichtet, ihr Gefälle einer Verwertungsgruppe zu überweisen. Einzelbetriebe der Fleischerei sowie freie Innungen, Sammler und Kleinhändler, die nicht an Innungen und Auk⸗ tionsverbände lieferten, geben die Häute an die vom Kriegs⸗ ministerium zugelassenen Großhändler, oder die am Wohnsitz be⸗ stehende Verwertungsgruppe. Alle Verwertungen und Innungen Deutschlands sind in 6 Gruppen eingeteilt worden, d. i. Nord⸗ deutschland, Gliddeutschland⸗ Westdeutschland, Mitteldeutschland, Berlin 1 und die zugelassenen Großhändler.
„Ferner hat man auch Vorschriften über die Behandlung und Aufzeichnung des in⸗ und ausländischen Gefälles getroffen, sowie Erläuterungen herausgegeben, was als Kriegslieferung im Sinne der Verordnung zu gelten hat.
Im Anschlusse und auf Veranlassung und Mitwirkung des erst kürzlich gegründeten„Bekleidungsbeschaffungs⸗ amtes“ ist der„Kriegsleder⸗Ausrüstungs verband“ auf breitester Grundlage gegründet worden. Mitglied des Ver⸗ bandes kann jeder Betrieb werden, der bei Ausbruch des Krieges zur Lieferung von Lederausrüstungsgegenständen an Militär⸗ behörden zugelassen war, ferner solche Betriebe, welche geeignete maschinelle Einrichtungen selbst besitzen oder Betriebe, die vom Kriegsministerium als geeignet angesehen werden. Tie Anträge zurr Aufnahme in den Verband haben durch die Vermittlung der 1 7 Handels⸗ und Handwerkskammern zu erfolgen. Die Mitglieder müssen, wenn es notwendig erscheint, ihren ganzen Betrieb in den Dienst des Verbandes mit voller Betriebsleistungs⸗ fähigkeit stellen. Das Bekleidungsbeschaffungsamt, Sitz Berlin, ist nicht zu verwechseln mit den Korpsbekleidungsämtern, die die Vergebung von Uniformen und sonstigen Bekleidungsstücken bewerk⸗ stelligen. Das Bekleidungsbeschaffungsamt hat zur Aufgabe die Vergebung und Bedarsspeckung von Tuchen, Leinen⸗ und Baum⸗ wollstoffen, Helmen, Tschakos usw., worauf besonders verwie⸗ sen sei.„
Von großer Wichtigkeit ist die Gründung der„Kriegs⸗ chemikalien A. G.“ zu Berlin, die mit einem Aktienkapital von 6 Millionen Mark die Beschaffung, Verteilung und Verwer⸗ tung von chemischen Rohstoffen und Erzeugnissen, soweit dieselben zur Sicherstellung des industriellen Bedarfs für Heer und Marine erforderlich sind, vornimmt. Die Aktien sind Namensaktien, Mit⸗ glieder find unsere größten chemischen und Sprengstoffabriken.
Samstag, 27. Februar 1015
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Dem Aufsichtsrate steht eine„Schätzungs⸗ und Verteilungskom⸗
mission“ zur Seite.
Eine„Kautschukabrechnungsstelle“ wurde bei der Deutschen Bank in Berlin errichtet.
Zur leiblichen Versorgung unserer im Felde stehenden Sol⸗ daten mit Tabakmaterial wurde als eine der ersten Oraginsatio⸗ nen die„Zentrale für Tabaklieferungen, in Min⸗ deu i. W.“ gegründet als Resultat von Verhandlungen, welche im Reichsamt des Innern, zwischen den Interessenten und den be⸗
teiligten Dienststellen statlfanden. Die Zentrale bezweckt die Her⸗
beiführung einer möglichst gleichmüßi Beschäftigu im In⸗ teresse der— 3 i 5 8 E der
Zigarrenfabrikanten. Die der Ben⸗
trale zugewiesenen Aufträge werden nach Maßgabe der in den
einzelnen Fabriken tätigen Arbeiter und Hausarbeiter verteilt. Der Einfachheit halber werden nur 4 Sorten Zigarren hergestellt. Die Zahlungen erfolgen durch die Zentrale. Aehnlich geschieht die Verteilung der Kriegslieserungen von Rauch⸗, Kau⸗ und Schnupf⸗ tabak. Für die Lieferungen kommen etwa 2000 Fabriken in Frage.
gesagt. Ob 2 für die Dauer des Krieges mit der jetzigen inneren rganisation den Bedürfnissen weiter entsprechen, muß die Erfah⸗
Soviel wäre kurz über die industriellen Kriegsorganisationen
rung lehren, welche auch hier, wie überall, den Lehrmeister ab⸗
zugeben hat.
„Ebenso wichtig und als Gegengewicht gegen den Plan der „wirtschaftlichen Aushungerung Deutschlands“ sind die Organi⸗ sationen zu bezeichnen, welche die Volks⸗ und Heeresernährung zum 1 haben. Diese Organisationen, weniger manigfach, sin ie„Triegsgetreidegesellschaft m. b. H. Berlin“,
die„Zentralstelle zur Beschaffung der Heeres ver?
pflegung“ und die„Trockenkartoffelverwertungs⸗ gesellschaft m. b. H. zu Berlin“. Alle diese Organisationen haben, wie die industriellen Organisationen, das Recht der Beschlag⸗ nahme. Die Trockenkaxtoffelverwertungsgesellschaft ist ermächtigt,
die Besitzer von Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl, Kartoffelstärke
und Kartoffelstärkemehl aufzufordern, ihr bestimmte Mengen zu überlassen. Die beiden erstgenannten Gründungen können eine Be⸗ schlagnahme von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer herbeiführen. Gerade die Kriegsgetreidegesellschaft soll die Volksernährung für die letzte Zeit vor der Ernte sicherstellen, indem die gekauften Mengen gelagert und erst bei Bedarf abgegeben werden sollen. Durch die neue Bundesratsverordnung nun, welche die Regelung des ehrs mit Brotgetreide und Mehl verfügt, wird die Tätig⸗ keit der Kriegsgetreide A. G. noch etwas erweitert. Die Beschlag⸗ nahme erfolgt allerdings zu einem Zeitpunkte, bei deen wesentlich höhere Preise als Höchstpreise notieren, als vor Monaten, zu welcher Zeit das Getreide evtl. schon an den Händler verkauft worden war. Die Preisdifferenz soll nach einer Bekanntmachung nicht dem Landwirte, bei dem das Getreide beschlagnahmt wurde, tgeschrieben werden, sondern dem Käufer, der zuerst von dem andwirte das Getreide erwarb und den im Grunde genommen die Veräußerung trifft. Nach Möglichkeit wird die Kriegsgetreidegesellschaft die Käufe freihändig oder durch Vermittlung des deutschen Getreidehandels vornehmen. Der Be⸗ schlagnahme und der Enteignung kann auch ungedroschenes Getreide anheim fallen. Zur Feststellung von Vorräten sind für die Bürger⸗ meistereien monatliche Vorratserhebungen angeordnet worden. Daß diese Listen anscheinend nicht immer sorgfältig aufgestellt worden sind, darauf lassen öffentliche Bekanntmachungen schließen.(Auch hierin wird durch die Bundesratsperordnung eine Aenderung ein⸗ treten.) Die„Zentralstelle zur Beschaffung der Heexesverpflegung“ ist außerdem noch berechtigt, neben Getreide auch Mehl und Vieh 1 ie(Dieser Organisation haben sich nicht ange⸗ schefken; die Kgl. Bayr. Heeresverwaltung, 2. die Kgl. Würt⸗ tembergische Heeresverwaltung, 3. die Kaiserliche Marine.) Der Gang der Geschäfte ist folgender: Die Heeresverwaltung meldet ihren Monatsbedarf der Zentralstelle an, und diese verteilt
30 Pfg.
„Auch als Liebesgabe im Felde begehrt!“ D 1


