1 7
Drittes Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
1 **
165. Jahtgang
Gießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 27. Februar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Napoleon und Hindenburg.
Der militärische Berichterstatter der„Times“ hat auf die merkwürdige Aehnlichkeit hingewiesen, die zwischen den strategischen Operationen Napoleons im Juni 1812 und denen Hindenburgs im Februar 1915 vorhanden ist. Die Stellungen der verschiedenen Heeresgruppen auf demselben Gelände waren fast völlig die gleichen. Diese Parallele führt nun ein Mitarbeiter des„Journal des Debats“ des Näheren durch. So standen am 12. Juni die Kavpal⸗ leriekorps, die die Bewegungen der Großen Armee verschleiern sollten, in Ostpreußen auf einer Linie von Tilsit bis zu den Ma⸗ surischen Seen und von Gumbinnen bis Johannisburg. Die Hauptkräfte der hier von Napoleon zusammengezogenen Heere hatten hinter den Seen Aufstellung genommen und waren von der Ostsee bis vorwärts gegen Soldau gruppiert. Das ist ungefähr die gleiche Verteilung der Kräfte, wie sie die Deutschen zu Anfang Februar durchgeführt hatten. Im Süden besteht freilich ein Unter⸗ schied; denn die Franzosen hielten 1812 Warschau mit 2 Armee⸗ forps besetzt und hatten 2 Kavallerielorps mehr nach Osten ge⸗ worfen, während die Deutschen sich etwa 50 Kilometer östlich von Warschau zusammenzogen. Aber dieser Unterschied ist für die Durchführung des Kriegsplans ohne Bedeutung. Weiter nach Suden hatte Napoleon ein Korps, das 7., gegen Radom geschickt, so wie die Deutschen und Oesterreicher heute Kräfte gegen Opotsch⸗ now und an der Nida operieren lassen. Der Fürst Schwarzenberg endlich ging in Gemeinschaft mit der Großen Armee mit einem Isterreichischen Hilfsheer in Galizien vor und stand bei Lemberg, ahnlich wie heute die Oesterreicher am Dunajec stehen. Wie die Klufstellung so weisen auch die strategischen Operationen eine große Aehnlichkeit auf. Napoleon hatte heimlich seine Hauptkräfte auf feinem linken Flügel zusammengezogen, im Norden der Seen⸗ gegend, so wie irschall Hindenburg im Januar seine Korps in diesem Gebiet massierte. Der französische wie der deutsche Stratege manövrierten also von ihrem linken Flügel aus. Der Plan Napoleons ging dahin, über den Niemen nach Kowno vor⸗ zudringen und dann im Norden den äußersten rechten Flügel der Russen zu überflügeln, von dem er annahm, daß er mehr südlich bei Grodno stände; er wollte dann weiter nach Wilna vorrücken, die Russen aus Furcht vor einer Umgehung zu einer Wendung zwingen und sie dann in einer Entscheidungsschlacht vernichten. Man darf annehmen, daß der Plan des Feldmarschalls Hinden⸗ burg in großen Zügen ähnliche Ziele verfolgte. Der Weg, den die Hauptmacht der französischen Truppen einschlug, ist der von Gumbinnen nach Kowno. Am 20. Juni findet man die Truppen in diesem Vormarsch begriffen: das erste Kavalleriekorps steht als Vorhut vor Kowno, hinter ihm das erste Armeekorps unter dem Befehl von Davouts in der Gegend von Wilkowitzky. Dieses aus 6 Divisionen bestehende Korps war eine ganze Armee von 100 000 Mann; hinter dem ersten Korps steht die Garde bei Stallupönen, hinter der Garde das zweite Korps bei Gumbinnen, wo auch Napoleon sich mit dem Hauptquartier befindet. Gumbinnen, Stallupönen, Wilkowitzky und Kowno sind ebenso Hauptetappen in dem Vormarsch, den die deutschen Heere bei der Offensive im Februar antraten. Im Norden dieser Haupt⸗ nacht steht 1812 das 10. französische Korps vor Tilsit, im Süden das 6. französische Korps vor Lyck. Die Flügel der deutschen Heereskörper waren genau in denselben Gegenden angesetzt. Na⸗ poleons Hauptziel gestand nun darin, den stärksten Teil des russi⸗ schen Heeres bei Warschau festzuhalten, während er seine Um⸗ gehungsbewegung gegen den Nordflügel 1 Um dieses Ziel zu erreichen, hatte er zu einer List ffen. hatte den Glau⸗ ben erweckt, daß er seinen Hauptstoß von Warschau aus ausführen würde, hatte schon im April Davouts den Befehl gegeben, den Anschein zu erwecken, als ob das Hauptquartier in Warschau auf⸗ geschlagen werden würde zugleich aber von Thorn nach Nordosten zu marschieren. Am 26. Mai befiehlt er dem Prinzen Eugen, der das Zentrum kommandierte, von Plock nach Soldau zu mar⸗ schieren, fügt aber hinzu:„Verbreite das Gerücht, daß du nach Warschau marschierst.“ Zu gleicher Zeit mußte der König Jéröme, der Befehlshaber auf dem rechten Flügel, eine Scheinbewegung zur Bedrohung Lublins ausführen, wie wenn er sich mit dem öster⸗ reichischen Korps in Galizien vereinigen wollte Die Russen aber ließen sich nicht täuschen, sondern wichen dem Vorstoß Napoleons aus, indem sie sich zurückzogen. Der französische Beurteiler gesteht zu, daß Hindenburg den Plan Napoleons verbessert habe, da es ihm gelang, die Russen vor Warschau festzuhalten, während 11—— Norden seine entscheidenden Operationen siegreich durch⸗ ührte.
Die Walstatt am Dnjester.
Auf dem Südufer des Dnjester tobt eine gewaltige Entschei⸗ dungsschlacht. Ist der Dnjester bis zum Zufluß der Bystreyza ein ausgesprochener Gebirgsfluß, so ändert er hinter Mariampol seinen Charakter vollständig. Er wird zum Plateaufluß, der sich sein Bett 100 bis 150 Meter tief in die Hochebene von Podolien gegraben
und in einem bald kanonförmigen, bald etwas erweitertem Tal eine grünlichen Fluten ostwärts zum Schwarzen Meere wälzt. Rot, grün und wieder rot, das sind die Farben des Dnjestertales. Alles, was nicht zur Flora, zu dem dichten Gestrüpp und den bochragenden Nadelhölzern gehört, ist rot und abermals rot: so die Tal wände, die Einschnitte, ja sogar der Staub auf den Straßen, woher sich auch die vielen podolischen Orts⸗ und Völkernamen mit dem Beinamen rot erklären. Lassen wir unseren Blick auf dem rechten Ufer in die Ferne schweifen, so wird am Horizont der dunkelblaue Wall der Karpathen sichtbar, der wie eine zum Him⸗ mel aufsteigende Wolke die Landschaft abschließt. Vor ihm dehnt sich Pokutien, jenes fruchtbare Gebiet Ostgaliziens, das im Westen die Stadt Stanislau, im Süden Kolomea und unweit des Dnjestertales die Stadt Horodenka als größte Orte aufweist. Es ist eine baum⸗
arme, wellige„in der der türkische Weizen vorherrscht. Meilenweit erstr sich die Kulturen des„Kukuruz“, der die Hauptnahrung i
0 der niedrigen Volksklassen ausmacht. Diese Mais⸗ jelder bringen im Sommer eine angenehme Abwechslung in die Landschaft, denn der hohe Kukuruz, in dem sich ein erwachsener Mann bequem verstecken kann, vertritt auf der baumlosen Fläche gleichsam die Wälder. Von den Hausdächern hängen die zrößten Maiskolben, die zur nächsten Saat bestimmt sind, herab; ie werden mit Waldkräutern in der Sonne getrocknet. Und an
Lehmmauern, die das Besitztum des Bauern einfrieden, liegen große Haufen von Kuchen aus dem 5 als Brennsto Gegend,
zu neuem
etem Kuhdünger, der bei
Schlachtgräber, für einerne und metallene Werk-
Aus dem Reiche.
Verbot von Mitteilungen über Preise von Wertpapieren.
Berlin, 26. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Wie schon kurz gemeldet, hat der Bundesrat auf Grund des 8 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrates zu wirtschaftlichen Maß⸗ nahmen ein Verbot betr. Mitteilungen über Preise von Wert⸗ papieren usw. erlassen, dessen Uebertretung mit Geldstrafen bis zu 1000 Mark oder mit Haft oder mit Gefängnis bis zu 6 Mo⸗ naten geahndet wird. Die wichtigste Bestimmung dieses Verbotes hat folgenden Wortlaut: So lange für ein Wertpapier, das an einer deutschen Börse zum Börsenhandel zugelassen ist. infolge des gegenwärtigen Krieges eine amtliche Feststellung des Börsenpreises nicht stattfindet, dürfen in öffentlichen Bekanntmachungen oder in Mitteilungen, die für einen ßeren is von Personen bestimmt sind, zahlenmäßige Angaben darüber, welcher Preis für den Umsatz des Wertpapiers in Betracht komme, insbesondere zahlenmäßige An⸗ gaben, die als Anhalt dafür dienen, zu welchem Preise das Wert⸗ papier in letzter Zeit gehandelt worden ist, nicht gemacht werden. Dies gilt auch für zahlenmäßige Angaben über Veränderungen der Preise. Ferner ist es verboten, sich in öffentlichen Bekannt⸗ machungen oder in Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind, zu Angaben der in Abs. 1 bezeichneten Art au erbieten. Der Reichskanzler kann Ausahmen zulassen. Der Grund zu dem Erlaß des Verbotes ist nicht darin zu suchen, daß wir uns der Kurse, die im freien Verkeßhr genannt werden, zu schämen brauchten. Diese Kurse sind vielmehr für un⸗ sere heimischen Staatsanleihen, Stadtanleihen usw. insbesondere auch im Vergleich mit den Preisen der ausländischen Werte durchaus befriedigend. Für manche Industrieaktien sind aber sogar Preise bezahlt worden, die auf eine stark spekulative Bewe⸗ gung einer Anzahl Werte schließen lassen. Gerade dieser speku⸗ lativen Bewegung gilt es, in der jetzigen Zeit entgegenzutreten. Sie ist bisher dadurch, daß verschiedene Bankfirmen im Gegensatz zu der Mehrzahl der Zeitungen Preise veröffentlicht und dem Publikum zur Kenntnis gebracht haben, in unerwünsch⸗ ter Weise gefördert worden. Infolgedessen ist es für zweckmäßig erachtet worden, ein generelles Verbot über Preispubli⸗ kationen Verboten sind nicht nur
kehr des Bankiers aus besonderer— 2 Kunden gemacht werden, t ni zeitig mit der Verhängung des Verbotes hat
folgende Ausnahme zugelassen: Belan 9 M teilungen über Kurse ausländischer Börse Wertpapiere, Geld⸗ sorten, Noten, 8 gen find bis auf weiteres
53 und Auszahlungen
dan iz Danach können Zeitungen usw. 6 ausländischen Börsen bis auf weiteres fortsetzen.
Bon der Spirituszentrale.
Berlin, 26. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Spiritus⸗ ufuhren bleiben andauernd unzulänglich und soweit hinter dem Bedarf zurück, daß die Spirituszentrale, die in erster Reihe den Bedarf der Heeres verwaltung sicher stellt, sich genötigt sieht, die Zuteilung von Branntwein für die mit unvergälltem Branntwein bedienten Verbrauchszwecke, insbesondere auch für den Trinkverbrauch, erheblich einzuschränken. Für März ist die Zu⸗ teilung von etwa 40 Prozent des durchschnittlichen Monatsbedarfs der Großbetriebe, und ein etwas höherer Satz für Kleinbetriebe vorgesehen. Auch der Brennspiritusbedarf wird nicht mehr in dem bisherigen Umfang befriedigt werden können; besonders werden allmählich die Lieferungen für solche Zwecke wegfallen, für welche ein Ersatzstoff vorhanden ist. Die weitere Versorgung des Brannt⸗ weinverbrauchs wird im wesentlichen von dem Erfolge der auf die Belebung der Branntweinerzeugung gerichteten Bemühungen ab⸗ hängen Hierbei sollen aber die in den Brennereien noch vorhan⸗ denen Kartoffel vorräte nach Möglichkeit für Speisezwecke zugunsten
reichen Nebentälern eine besondere Anziehungskraft; denn Schwarz⸗ wild, Rehe, 14 gibt es in Hülle und Fülle. Das größte seiner
Seitentäler ist das des Strypa, an dessen Ufern kleine Dörfer aus netten, reinli Häusern stehen, mit Blumengärtchen, in denen
weder die Malve, die Pfingstrose noch die Gartenraute fehlen darf; weite Scheunen und Getreideständer und gut aussehendes Vieh zeigen aber, daß die„schwarze Erde“ im Frieden ihren Mann wohl zu nä vermag. Und wer vom Norden, etwa aus der Lemberger kommt, dem fällt es besonders auf, daß das in wenig gutem Rufe stehende rauhe Klima Galiziens wärmeren Lüften weicht. Zum ersten Male sieht er im Dnjestertal kleine Weinkulturen, und in den Obstgärten der Stadtbewohner prangen Pfirsiche und Marillen. Unweit Uscie Biskupie macht sich jedoch schon ein neues landschaftliches Element geltend; ein nach Russisch⸗ Beßarabien hinüberstreichender cast wird sichtbar und deutet an, daß mit der veränderten Landschaft der Fluß auch ein anderes politisches Gebiet betritt.
—. Der Tod der Miß Braddon. Dieser Tage ist in England Miß Maxwell gestorben, die unter ihrem Verfassernamen Miß E. Braddon, man kann wohl sagen, einen Weltruf erlangt hatte. Sie war die populärste Romanschriftstellerin Englands, und es verkörperte sich in ihr geradezu ein englischer literarischer Typus. Man kann sie die Königin des englischen Gouvernantenromanes nennen; ungezählte Romane von dem stets wiederkehrenden Nor⸗ malumfange von drei Bänden sind ihrer Feder entflossen, und diese Romane find in Uebersetzungen in den Feuilletons der Zei⸗ tungen fast aller Kulturnationen erschienen. Miß Braddon, die ein hohes Alter erreicht hat, hatte sich bis zuletzt ihre Gesund⸗ heit und ihre geistigen Fähigkeiten frisch erhalten und war noch bis in ihre letzten Lebensjahre hinein schriftstellerisch tätig. Die Gebrechen des Alters fühlte sie vornehmlich darin, daß sie nicht mehr imstande war, zu reiten, und daß sie nicht mehr ebenso tätig wie früher für die Vergrößerung ihrer geliebten und reichhaltigen Sammlung von Porzellanen sorgen konnte. Ihren letzten Roman bat sie kun 75. Jebensjahre peröffentlich; er eng ben Titel „Miranda“ und zeigte, daß Miß Braddon ihrem Stile bis zuletzt treu geblieben ist. Eine englische Wi die Verstorbene als Romandichterin geradezu eine britische Einrichtung genannt. Es hat eine 9— gegeben, sie liegt nun freilich doch schon etwas zu⸗ rück, wo jährliche Roman der Braddon von weiten Kreisen in England als ein literarisches Ereignis erwartet wurde. Tas waren die Kreise, die keine Lust haben, sich mit„Problemen“ in der Dichtung abzuquälen, und die nach dem Muster des edlen Mr. Podsnap bei Dickens von allem was irgendwie als nicht ganz gerespectable“ angesehen oder beurteilt werden könnte, sich mit pein⸗ licher Angst fernhalten. Für diese Kreise war Miß Braddon ge⸗ rade das Richtige. Mit Problemen, mit Erörterungen schwieriger Fragen, mit irgend welchen Tendenzen oder Theorien hat sie sich in ihren anen nie geben; für sie war die Hauptsache. eine spaunende Geschichte zu schreihen, wobei sie in ihren Mitteln
der Volksernährung aufbewahrt werden. Die Brennereien werden
deshalb in verstärktem Maße auf die Verarbeitung von Rohzucker
hingelenkt. Um die hiermit verbundenen erheblichen Aufwendungen
zu decken, sind die Verkaufspreise durchgängig um 10 Mark für
das Hektoliter bzw. 10 Pfg. für das Liter Brennspiritus erhöht. *
Berlin, 26. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der verstärkte Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses beendete heute nachmittag die Beratung des Etats der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten. Bei dem Kapitel„höhere Lehr⸗ anstalten“ teilte der Minister mit, daß von 11 600 Direktoren, Professoren und Oberlehrern 4000 in der Armee stünden; von 4300 in der Vorbereitung befindlichen Kandidaten stehen ein Drittel in der Armee. Bei Ausbruch des Krieges seien 22 600 Primaner und 15 600 Obersekundaner vorhanden gewesen, die über 17 Jahre alt waren. Von diesen stünden 20 000 als Kriegsfrei⸗ willige in der Armee, so daß angenommen werden könne, daß sast alle diensttauglichen Schüler im Felde ständen.— Ueber den Zustand der Kunstschätze in Belgien erklärte der Minister, daß er auf den Wunsch des Generalgouverneurs von Belgien Beamte dorthin geschickt habe, um den Zustand der Kunstgegenstände unter⸗ suchen zu lassen. Auch andere Heere hätten sich daran beteiligt. Die Angelegenheit sei unermeßlich übertrieben worden. Die Zerstö⸗ rung sei gering und könne repariert werden. Die Bevölkerung könne die Museen heute ebenso besuchen, wie ehedem. In Nord⸗ frankreich werde die gleiche Untersuchung über den Zustand der Kunstgegenstände vorgenommen werden.
Berlin, 26. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Kreuzzeitung“ meldet, ist ihr früherer Chefredakteur, Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Ministerialdirektor a. D. Dr. Justus Hermes, heute früh in fast vollendetemm 62. Lebensjahr plötzlich an Herzschlag gestorben.
Hamburg, 28. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Ham⸗ burger Nachrichten“ melden: Major v. Tiedemann, der zurzeit in Lübeck wohnt und schwer krank darnieder⸗ liegt, hat an Lord Kitchener, dessen Militärattachs er während des Sudanfeldzuges war und von welchem er in seinem Werke„Mit Lord Kitchener 1 den Mahdi“ ein Charakterbild gegeben hat, über Amerika folgenden Brief geschrieben:„An Lord Kitchener! Sie auf einer Seite mit Mongolen und Königsmördern! Wo findet die bren⸗ nende Scham einen Platz, sich zu verbergen. Hiermit schicke ich den Orden zurück, den ich an einem Tagr erhielt, der einer der stolzesten meines Lebens war. v. Tiedemann, ehe⸗ maliger Major im preußischen Großen Generalstab und Ihr Militärattachs während des Sudanfeldzuges.“—— v. Tiedemann hat den Orden, da sich ihm keine Gelegenheit zur Rückgabe dot, dem Roten Kreuz übermittelt.
Bandel. rg i. Be., 20. Jebr.(W. B. Nichtamtlich.) Der ober dad ischen Brauereien hat beschlossen, den Bier⸗ preis vom 1. März ab per Luer um 4 Pig. zu erhöhen.
mache keine Experimente mit anderen Mitteln, andere Leute haben dies zuvor getan, und alle nehmen Sie jetzt Togal. Es gibt nichts bessexes. Der billige Preis ermöglicht es jedem, sich von der vor⸗ züglichen Wirkung zu überzeugen. Es wird garantiert, daß es hilft und daß es unschädlich ist. Togal⸗Tabletten sind in jeder Apotheke erhältlich. den cid. acet ae Chinin Mg Li. 1298 nicht allzu wählerisch war. Auch um den Stil hat sie sich nicht eben viel gekümmert; es genügte ihr, klar zu schreiben und ihrem Stile einen gewissen malerischen Schwung zu verleihen. Um so
5 Gewicht legte sie darauf, alle Personen ihrer Romane so sompathisch wie— 5 zu gestalten. Ihre Helden waren geradezu englische Normalhelden; ganz und gar„respectable“; aus guter Familie, von gutem Charakter und von guter Gesundheit. Und ihre Heldinnen waren so, daß jedermann Lust bekommen mußte, diese Musterbilder englischer Schönheit und Tugend zu heiraten. So lieferte sie jahraus, jahrein, Jahrzehnt nach Jahrzehnt brei⸗ ten Schichten des englischen Publikums das Lesefutter, das ihnen die„Abende am Kamine“ verschönte, und bis zuletzt ist ihr Publi⸗ kum ihr treu geblieben. Der Gouvernantenroman wuchert ja nach wie vor in England auf das üppigste, aber der Verlust ihrer„dear Miß Braddon“ wird von ihrem breiten Verehrer⸗ und Leserkreise im englischen Publikum wie eine Art Nationalunglück empfunden.
— Wie die deutschen Barbaren in Lille hausen. Wie weitschauend die deutsche Militärverwaltung für die Stadt Lille und deren 5 sorgt, geht aus dem vom Buchhändler⸗ Börsenblatt veröffentlichten Brief eines Landwehr⸗Unteroffiziers Greßmann hervor. Die Schulen, die mehrere Monate infolge des Mangels an Lehrkräften geschlossen waren, haben jetzt den Unterricht wieder aufnehmen müssen und die Zeiten sind vorüber wo jeder Knirps auf der Straße auf die Frage nach seinem Lehrer mit tiefer Befriedigung antworten konnte:„Parti à la guerre, pour faire pouf.“ Sodann haben die Gespanne der deutschen Artillerie und des Trains während des trockenen Wetters die vernachlässigten Felder der französischen Bauern bestellt und die Aussaat vorbe⸗ reitet, damit die Bevölkerung nicht Hunger leiden muß, wenn andere ernten. Eines besonderen Schutzes erfreuen sich aber die Bücher und Kunstschätze der in der Umgebung liegenden Schlösser altfranzösischer Welsfamilien, die ein beliebtes Ziel der englischen Geschütze bilden. Ihre Bibliotheken und kostbaren Kunstwerke sind von den Deutschen größtenteils in Sicherheit gebracht worden. Das deutsche Gou⸗ vernement hat angeordnet, daß der Direktor des Liller Museums in Begleitung eines Offizters die in Frage kommenden Schlösser durchgeht und alle diejenigen Sachen bezeichnet, die vorläufig in Sicherheit gebracht und dem Besitzer nach Beendigung des Krieges wieder zugestellt werden sollen.„Ich selbst,“ so schreibt der in Friedenszeiten als Buchhändler tätige Landwehr⸗Unterofft⸗ zier,„habe den Auftrag gehabt, die Bibliothek eines Schlosses auf wertvolle Bände durchzusehen und weiß, daß dort allein viele hun⸗ dert Werke, worunter sich eine ganze Reihe Erstausgaben fran⸗ zösischer Klassiker befinden, vor der Zerstörung durch den Krieg be⸗ wahrt worden sind.“ Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, daß wir Deutschen den Krieg gegen feindliche Heere, nicht aber gegen Kunstwerke führen. Haben sich die Russen, als sie die Schätze des Lemberger Museums fortschleppten, vielleicht durch dieselben selbst⸗ losen Beweggründe leiten lassen?
S—
.
d


