Ausgabe 
(23.2.1915) 45. Zweites Blatt
Seite
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Zweites Blatt Erscheint täglich nett Ausnahme des Sonntags. DieSiezener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sießen zweimal

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

General⸗An

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105. Jahrgang

ießener Anzeiger

zeiger für Oberhessen

Dienstag, 25. Februar 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S sl, Schrift

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

Aus dem Reiche.

Mitteilungen der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft. Berlin, 22. Febr.(WTB. Amtlich.) Die Kriegs⸗ idegesellschaft m. b. H. hat auf die häufigen Anträge von mmunalverbänden um Ueberlassung von Mehl durch das Wolffbureau zur Kenntnis gebracht, daß diesen Anträgen stattzugeben, nicht Aufgabe der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft sei. Die Kriegsgetreide⸗Gesellschaft macht wiederholt darauf auf⸗ merksam, daß noch große Mehlvorräte im Lande sind. So haben Mitglieder des Vereins deutscher Handels⸗ müller nach einer heute gemachten Mitteilung der Ge⸗ schäftsstelle desselben über 10000 Tonnen Mehl zur Ver⸗ fügung, die an notleidende Kommunalverbände abgegeben werden können. Es wird weiter darauf verwiesen, daß auf Grund der Bundesratsverordnung vom 18. Februar die Lan⸗ deszentralbehörden, oder die von ihnen bestimmten Behörden im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses ge⸗ statten können, daß die Mühlen Weizenmehl in einer anderen Mischung, als bisher vo geschrieben war, ab⸗ geben dürfen, und daß Weizenbrot aus einer Mischung her⸗ gestellt wird, die weniger als 30 Gewichtsteile Roggenmehl unter 100 Teilen des Gesamtgewichts enthält, ferner daß an Stelle des Roggenmehlzusatzes Kartoffeln oder andere mehl⸗ artige Stoffe verwendet werden. Durch diese Verordnung wird dem augenblicklichen Bedarf der Kommunalverbände 5 2 Roggenmehl wohl wirksam gesteuert werden, da auf diese rt lich weiterer Spielraum gelassen ist. Es wird auch daran er⸗ innert, daß nach§ 5 Abs. 4 der Bekanntmachung über die Bereitung von Backware vom 5. Januar 1915, die Landes⸗ zentralbehörde gestatten kann, daß bei der Bereitung von Roggenbrot Roggenmehl bis zu 30 Gewichtsteilen durch Weizenmehl ersetzt wird.

Deutsche Verwaltung in Russisch⸗Polen.

Wie dieSchles. Ztg. schreibt, ist der freikonservative Landtagsabgeordnete Professor Bredt, Staatsrechtslehrer an der Universität Marburg, für Anfang März in den Ver⸗ waltungsdienst für Russisch⸗Polen berufen worden. Er be⸗ kommt hiermit die Stelle, die der freikonservative Reichs⸗ tagsabgeordnete Schultz⸗Bromberg inne hatte, aber aufgeben mußte, damit er sein a en Eiern ausüben kann. Bredt, der bekanntlich mit dem Eisernen Kreuz a i net worden ist, war in Ostpreußen als Mitglied des Auto⸗ mobilklubs durch einen Unterkieferschuß schwer verwundet worden und weilt augenblicklich zu seiner Erholung in Berlin. 5

Berlin, 22. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das erfreu⸗ liche Ergebnis der Reichswollwoche, das in ganz Deutschland gleichmäßig hervortrat, zeigte sich auch in den

ndesteilen, die vom Feinde 0 am meisten be⸗ droht waren. So wird aus Ostpreußen gemeldet, N Ergebnis in Allenstein ein sehr günstiges war; aus Elsaß⸗ Lothringen liegen ähnliche richten vor. Dem Kriegs⸗ ausschuß für warme Unterkleidung gingen beispielsweise aus dem Reichslande, aus Kolmar, der Heimat des Landes⸗ verräters Blumenthal, i gons Wolle und Tuchsachen u. Reiche Sendungen lieferten Saarburg, Diedenhofen, und . der Kreis Thann, der bekanntlich unmittelbar im Operationsgebiet liegt, veranstaltete eine Sammlung, die einen guten Ertrag zeitigte. Auch bei der Reichswollwoche ergab sich neuerlich, wie alle Teile und alle Stände Deutsch⸗ lands in edlem Wetteifer bestrebt waren, die Kriegshärten zu mildern und zu lindern.

Berlin, 23. Febr. Die Gumbinner Regierung. die zeitweise nach Insterburg verlegt war, ist, wie das Berl. Tagebl. erfährt, wieder unh Gumbinnen über⸗ gesiedelt.

Kiel, 22. Febr. WTB. Nichtamtlich.) Der frühere Reichstagsabgeordnete Gustav Adolf Thomson ist heute früh in Heide gestorben. Er vertrat von 1881 bis 1898 den fünften schleswig⸗holsteinischen Wahlkreis Dithmarschen⸗ Steinburg. 5

von Kriegslisten unserer Feldgrauen

erzählt Albert Oertel in einem Aufsatz von Ueber Land und Meer(Deutsche 1 5 Stuttgart). Die List als ein N Mittel im'iege hat Friedrich der Große gleichsam ofstziell anerkannt, wenn er im 11. Artikel seinerGeneralprin⸗ zipien vom Kriege sagt:Man bedient sich im Kriege der Löwen⸗ und der Fuchshaut, eines um das andere; die List gelingt öfters, wo Gewalt Schiffbruch leiden würde; es ist also schlechterdings nötig, sich beider zu bedienen, weil öfters die Gewalt durch die Gegengewalt abgetrieben werden kann, wo hergegen zum öfteren die Gewalt der List weichen muß. In dem großen Weltkriege bestätigt sich diese Anschauung mehr denn je, und eine kleine Aus⸗ lese aus der Fülle der angewandten Kriegslisten zeigt, wie er⸗ finderisch unsere Feldgrauen in der Täuschung des Feindes sind. Eine gelungene strategische List war z. B. die Vernichtung der

11 russiscken Kavalleriedivision bei Soldau. Eine ganze Division russischer Reiter griff damals ein Häuflein Litauischer Dragoner au, die dem übermächtigen Feind ruhig mit eingelegten Lanzen eutgegensprengten, um auf ein Hornsignal rechts und links auseinander zu fliegen, so daß nun versteckte deutsche Maschinen⸗ gewehre ihr Machtwort sprechen konnten. Aehnlich erging es der 2. englischen Kapalleriebrigade bei Thulin Die britischen Reiter wollten gegen ein paar scheinbar nur schwach durch Infanterie gedeckte deutsche Batterien eine tadellose Attacke durchfuhren und = fegten zu ihrem größten Schrecken in deutsches Maschinengewehr⸗ feuer hinein. Unsere Reiter sind ja überhaupt groß in Listen, und an erster Stelle stehen die Ulanen. So sahen sich drei Ulanen auf einem nächtlichen Patrouillenritt plötzlich entdeckt und von starken russischen Kavalleriepatrouillen verfolgt. Zwei von ihnen verloren kurz vor einem D ihre Pferde. Schnell entschlossen eilten sie in die vom Feinde besetzte Ortschaft hinein, in der Hoffnung, dort ein paar Pferde auftreiben zu können. Sie kommen bis vor ein Stallgebäude, treten ein und finden sich einer großen Anzahl pon Russen gegenüber. Schrecken auf beiden Seiten. Unsere kühnen Ulanen aber verlieren ihre Geistesgegenwart nicht, sondern der eine macht den Russen verständlich, die Deutschen hätten das Dorf genommen, und wer sich widersetze, werde er⸗ schossen. Das Schießen und Herumjagen der russischen Patrouillen, die die drei Deutschen draußen wie Stecknadeln suchten, ließen die Russen glauben, daß die Feinde wirklich im Dorfe seien; sie

und Weise der Verwendung des Weizenmehls ein wesent⸗ B

Kirche und Schule. Evangelischer Bund. Ortsgruppe Gießen.

Zum erstenmal in diesem Winter tagte gestern der Evan ge⸗V

2 Bund was u. a. in der Tatsache seine Erklärung findet, daß der erste Vorsitzende Professor Dr. Schmoll infolge seiner schweren Verwundung nicht in der Lage war, eine Versammlung einzuberufen. Die diesmalige Tagung trug, wie dies nicht anders zu erwarten war, der ernsten Kriegszeit entsprechend, ganz den Charakter einer vaterländischen Feier. Ter zweite Vorsitzende Pro⸗ fessor D. Schian hielt eine tief durchdachte Ansprache über das Thema:Unsere evangelische Kirche und der Krieg. Er führte aus, wie die evangelische Kirche durch den Krieg innerlich gefesligt worden ist. Deutsch und evangelisch gehöre zusammen. Nicht als ob außerhalb der Grenzen keine evangelischen Christen wohnten, aber das Evangelium habe die Kraft, gerade dem Wesen des oeutschen Volkes sich anzupassen. Es verlangt und hofft, es hat sich ein schönes Verhältnis von Vertrauen zwischen der Kirche und dem Volk herausgebildet. Das Volk hat den Weg zur evangelischen Kirche wieder 2 Wir wissen heute, daß es für lange Zeit ausgeschlossen ist, den Gedanken von der großen evangelischen Welt⸗ kirche in die Tat umzusetzen. Es war nur ein Traum, der aller⸗ dings etwas Verlockendes hatte, und es wird vorläufig auch nur ein Traum bleiben. Es liegt übrigens in dem Wesen und der geschichtlichen Entwickelung der evangelischen Kirche begründet, daß eine enge Verbindung aller epangelischen Christen kaum möglich sein wird. Aber wie ist es nun gekommen? Abgrundtief scheint der Riß zu sein, der sich zwischen den zwei größten evangelischen Völ⸗ kern, zwischen Deutschland und England, aufgetan hat. Ob dieser Riß wieder überbrlickt wird? Wir müssen alles weitere Gott dem Herrn befehlen. Aber für den, der sich den Ideen des evangelischen undes gemäß auf den Standpunkt stellte, daß unsere Arbeit inner⸗ halb der Grenze liege, ist kein Grund zur Klage vorhanden Wie der evangelische Bund, so hat auch die Kirche ihre Arbeit auf unser eigenes Volk einzustellen. Das Volk verlangt Hilfe, es hofft auf eine große Zukunft. Darum muß ihm die Hand gereicht wer⸗ den. Wir freuen uns dieser Arbeit und hoffen, daß das evangelische Volk und seine Kirche zu einem Ganzen zusammengeschweißt werde.

Geheimer Kirchenrat Professor D. Eck sprach über das Thema Unser deutsches Volk und der Krieg. Anschließend an die Worte seines Vorredners beantwortete er die Frage:Sind Arbeit und Hoffnung erst durch den Krieg geworden? und kommt zu der Antwort:Es ist das Verdienst großer Männer, unser Volk wehr⸗ haft und stark gemacht zu haben. Er beleuchtet dies durch das Wirken und Kämpfen des größten Volksmannes der Deutschen, unseres Dr. Martin Luther. Man brauche nur einmal nach⸗ zulesen, was er über den Krieg geschrieben hat. Religiöse Ur⸗ sachen der Kriege verurteilt er scharf. Unter dem Zeichen des

ich⸗ Kreuzes den Türken bekämpfen, wie dies zur Zeit der Kreuzzüge

geschah, weist er mit Entschiedenheit zurück! Aber wenn die Türken mit großer Heeresmacht ins Land eindringen, da haben der Kaiser und die Fürsten die Pflicht, Haus und Herd zu schützen, mit aller Macht gegen sie zu ziehen und nicht zu rasten und tzu ruhen, bis der Feind vertrieben ist. Wann wird das Kriegsvolk siegen? Wenn der Landsknecht von der chten Sache überzeugt ist, wenn er ein gut Gewissen hat, daun hat er kecken Mut und ein starkes Herz, mit Gottvertrauen wird er in die Schlacht ziehen und siegen. Luther vergleicht den Soldaten mit dem Märtyrer der drei ersten Jahrhunderte, der aber vor jenem voraus habe, daß er in Masse den schönsten Tod erleiden dürfe, den Tod fürs Vaterland. Wenn Luther heute lebte, dann würde er die kräftigen Worte Fürsten und Kriegsvolk nicht reden, er würde sehen, wie Fürst und Volk eins sind, wie jeder bereit ist, für das be⸗ drohte Vaterland Gut und Leben zu opfern. In dankenswerter Weise hatte der Chor des evangelischen Arbeitervereins unter Leitung von Herrn Musiklehrer Gern⸗ ardt den gesanglichen Teil übernommen. Er entledigte sich einer Aufgabe mit gewohnter Meisterschaft. *

Breslau, 22. Febr.(Win Nichtamtlich.) Der Schles. Volksztg. zufolge ernannte der Papst den Seminarregens Domherrn Prälaten Dr. Jedzink, Posen, zum Weih⸗ bischof von Posen. Kurz vorher ist Dr. Jedzink durch

allerhöchste Entschließung zum Domprobst von osen er⸗ nannt worden.

Uuniversitäts- Nachrichten.

37 000 deutsche ene und 8000 Techniker im Krieg. Die Besuchsstatistit der 22 Universitäten und der 11 Technischen Hochschulen des Reichs ergibt, daß von den 52 500 Universitätsstudenten(worunter 4000 Frauen) und von den

werden von den beiden Ulanen entwaffnet und eingesperrt, wäh⸗ rend unterdessen der dritte die Pferde aus dem Stall zieht, auf denen sie dann wohlbehalten davonsprengen. Ein andermal stehen ein paar deutsche Jäger in den Vogesen auf Vorposten und find plötzlich von französischen Alpenjägern umzingelt, die sich un⸗ bemerkt herangeschlichen haben. Die Franzosen haben sie noch nicht entdeckt; aber jeden Augenblick können sie gefangen werden, und wer wird dann die Meldung von dem Herannahen des Feindes nach den deutschen Stellungen bringen? Ein Jäger findet den Ausweg. Nachdem er seine Kameraden verständigt hat, springt er auf, eilt auf die Franzosen zu, wirft sein Gewehr weg und abt sich mit lauten theatralischen Gebärden als Elsässer zu er⸗ ennen, der von den Deutschen desertiert ist, um sich den Franzosen anzuschließen. Während die Alpenjäger den vermeintlichen De⸗ serteur umringen, damit er ihnen die Stellung der Feinde verrate, entkommen die beiden andern unbemerkt. Der Brave aber führt nun die Feinde direkt in das Feuer der Deutschen hinein, so daß sie die schwersten Verluste erleiden. Er selbst freilich wird dabei tödlich verwundet, und das Eiserne Kreuz konnte nur noch den Sterbenden schmücken. g

Sehr häufig haben unsere Feldgrauen den Feind durch Stroh⸗ puppen getäuscht, mit denen sie z. B. bei La Bassée ganze Schützen⸗ gräben ausfüllten; Puppen und auf Stöcken getragene Mäntel und Mützen wurden auch bei Angriffen benutzt, indem die Un⸗ serigen sie aufrecht vor sich herschoben. Im Argonnenwald hat man einmal mit solchen Puppen einen prachtvollen Sturmangriff

unternommen. In einen weiten Durchblick, in dessen Mitte sich] P

eine kleine Erhebung befand, gruben unfere Feldgrauen viele Gänge bis dicht vor den Hügel und bauten Holzwellen hinein, über die fe endlose Seile laufen ließen. An die Seite wurden nun die Puppen gebunden, so daß ihr Oberteil deutlich zu sehen war. Dann setzte man die Maschinen in Bewegung, und wild stürmten nun die Puppen vor; das mörderischste Feuer konnte ihren Angriff nicht aufhalten. Eiligst zogen die Frunzosen dort starke Trupben⸗ massen zusammen, so daß die Unsrigen einige benachbarte ent⸗ blößte Stellen ohne große Mühe und Verlust nehmen konnten. Die Oesterreicher verwendeten bei Progar gegen die Serben, um über die Save zu kommen, eine große Anzahl von Holzstücken, Säckchen mit Kork und Schweinsblafen, denen Soldatenmützen aufgepaßt waren. Diesee ließ man in der Dunkel⸗

9996 Technikern(9920 Männer und 76 Frauen), die im laufen⸗ den Winter an ihnen eingeschrieben sind, 22 600(darunter 3700 Frauen) an den Universitäten und 3294 und 45 an den Hoch⸗ schulen sich befinden, d. h. tatsächlich studieren. In militärischer erwendung oder im Dienst der Sanität stehen demnach 29 800 (300 Frauen) und 6702(21). Zweifellos ist aber die Zahl dern Kriegsteilnehmer höher, weil von den zum Semesterdienst an⸗ wesenden Studierenden indessen noch etwa ein Drittel in den Dienst des Vaterlands getreten ist und den Hochschulbehörden nicht alle militärisch verwendeten Studierenden bekannt geworden sein kön⸗ nen. Im Sommer 1914 wurden etwa 53 000 reichsangehörige Universitätsstudenten und gegen 10 000 deutsche Techniker gezählt, von denen sich e nach Abzug der seit Feststellung der Vesuchs⸗ 15 ziffern(etwa 3 ezember) ausgezogenen Studenten noch eta 15 000 und 2000 an den Universitäten bezw. Hochschulen befin⸗ den, so daß insgesamt etwa 38 000 und 8000, zusammen 46000 Studenten, im Felde, in der militärischen Ausbildung oder im 8 Krankendienst stehen mögen, zwischen 70 und 80 Prozent der G⸗ samtzahl. 1 In der Besetzung der einzelnen Studienfächer sind 5 keine wesentlichen Aenderungen eingetreten. Von Interesse ist, wie die einzelnen Anstalten zur Kriegszeit befucht sind. Die Abweichungen von dem Stande in Friedenszeiten be⸗ 3 ruhen z. T. auf der Abwesenheit zahlreicher Ausländer(so insbe.. bei Heidelberg, Halle, Göttingen, Karlsruhe, Darmstadt, Berlin, Leipzig und München), z. 2. auf der Lage der Hochschulen an g den Reichsgrenzen(Straßburg, Königsberg, Breslau). 9 Die Universitäten sind folgendermaßen besucht: Berlin zählt 8057 Studierende, wovon 4344 in vaterländischen Diensten stehen, in München sind 3460(3034) eingeschrieben, in Leipzig 4515(2575), Bonn hat 1334(1862) Studenten, Breslau 2704 (1237), Münster 2361(822), Halle 2312(1519), Göttingen 2263 (1385), Freiburg 2237(1526, Tübingen 2056(1589), Mar burg 2049(1448), Heidelberg 1984(1190), Kiel 1734(1284), Jenn Königsberg 1260(1057),

1666(955), Würzburg 1535(798), 9 39 Gießen 1 214(900), Straßburg 1155(535), Erlangen 1118 8 1109(757), Rostock 820(568% und Franfurt 7 75 77 Die Besuchsziffern der Technischen Hoch schulen sin? Berlin 2365, wovon 1733 im Heeresdienste stehen, Dresden 1165 (690), Hannover 1046(770, Dar m stadt 936(680, München 9 883(299), Karlsruhe 849(593), Stuttgart 716(557) Aachen 635(380), Danzig 669(497), Braunschweig 406(253), und Bres⸗ lau 276(205). i 1 Die Zahl der an den Universitäten eingeschriebenen Gäste beträgt diesen Winter nur 2500(darunter etwa 1000 Frauen) gegen 5200(1400) im Winter 1913/14. An den Technischen Hochsulen sind 1900 800 Frauen) Gäste eingeschrieben gegen 4100(1800).

Märkte. 1

FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 22. Febr. 15

Auftrieb: Rinder 311(Ochsen 51, Bullen 42, Kühe und Färsen 218),

Kälber 401, Schafe 91, Schweine 932. 2 Marktverlauf: Mittelmäßig, bei Großvieh verbleibt Ueberstand.

Preise für 100 Pd.

Lebend⸗ Schlacht-

ochsen

e wicht. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht N wertes im Alter von 47 Jahren. 5356 90101 Die noch nicht gesgßen 1(ungejochte). 50-54 8894 ullen. Vollfleischige, ausgew. höchsten Schlachtw. 14448 7986 Färsen. Kühe. Vollfleischige, ausgemästete Järsen höchsten Schlachters 8796 Voll fleischige ausgemästete Kühe böchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 40-46 7582 Kälber. Mittlere Mast- und beste Saugkälber. 5658 9597 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 4550 7583 Scha se. Weidemastschase: Mastlämmer und Masthammel. 46,00 00,00 9400 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Abendde wirt 96100 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 78 75 95 96 Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebend gewicht 96 100

Sparsamkeit mit dem Brote ist eine patriotische Pflicht. Jeder gebe ein gutes Beispiel. d

heit über den Fluß treiben; die Serben schossen wie toll auf die Soldatenmützen, unter denen sie Angreifer vermuteten, verschossen sich, und nun unternahmen die Oesterreicher mit Glück den Angriff.

* N

eeUhland und der Umgang mit Engländern. 7 Knigges 1 mit Engländern könnte man eine kleine Epi⸗ sode aus Ludwig Uhlands Leben nennen, die der Münchener Dichq⸗ ter George Morin in dem demnächst erscheinenden Hefte des 8 Türmers erzählt und die die prächtige deutsche Gesinnung dieses schwäbischen Dichters erkennen läßt. An einem Sommertage des Jahres 1848 machte Morin als 171ähriger Jüngling eine 3 Fahrt auf einem Rheindampfer, als in Speyer Ludwig Uhland und seine Frau einstiegen. Plötzlich begann es zu regnen und alles 5 eilte in die unteren Schiffsräume. Uhland und seine Frau, ein Heidelberger Student und Morin suchten in der kleinen Kajüte des Kapitäns Unterkunft. In ihr befand sich als einziger Sitz⸗ platz ein Diwan, auf den sich ein himmellanger junger Engländer hingefläzt hatte und nicht die geringsten Anstalten machte, sich zu erheben. Er tat, als ob er eifrig in einem Buche läse.Da hörte ich so erzählt Morin, wie Uhland zu seiner Frau sagte: Wo England Platz genommen, da hat Deutschland immer das Nachsehen! Da ging ich, ärgerlich über solche Rücksichts⸗ losigkeit, welche selbst einer Dame den Sitzplatz mit den Füßen verlegte, auf denselben zu und bat ihn zuerst höflich, der Dame Platz machen zu wollen. Der Engländer, der, wie ich aus einem kurz vorher gehörten Gespräche desselben mit einem anderen assagier wohl wußte, gut Deutsch verstand, gab keine Antwort und rührte sich nicht; nun fragten der Heidelberger Student und ich denselben in kategorischer Weise, ob er Platz machen wolle. Als uns darauf ein barschesNein entgegentönte, wechselte ich mit dem Hei rger einen verständnisinnigen Blick: der Student packte den englischen Grobian unter den Armen, ich denselben 8 gleichzeitig bei den Füßen und plumps, da lag er auf dem, Boden, von dem er rasch aufsprang und mit einem Fluch zur Türe hinaus⸗ eilte. Nun trat ich mit entblöstem Haupte auf Uhland zu und sprach:Sehen Sie, mein lieber Herr, wenn Deutschland ordent⸗ lich auftritt, muß auch England Platz machen! Lachend gab mir Uhland die Hand mit dem Bemerken:Sie sind ein wackeren

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Junge; wenn Deutschland viel tausend solcher Jungens a dann können wir getrost auf die Zukunft Deutschlands Pott *