Erschein! tiguich mit Ausnahme bes Senutags.
Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
Kriegszeiten in väterchens Reich.
Von Balticus.
Die Jagd auf deutsche Flieger.— Die Hetze gegen die Deutsch⸗ balten.— Die drohende Revolution.— Die„geschenkte“ Kriegs⸗ anleihe. Die Herrschaft der Panslawisten.
Weil das nun einmal so im Zarenreiche der Regierung Brauch ist, alles ihr besonders unbequem und gefährlich Tünkende durch „Herrn von Rubliewitsch“, Rußlands eigentlichen und unbedingten Herrscher, zu bekämpfen, so bot sie auch jetzt diesen ihren treuesten und ältesten Verbündeten gegen unsere Luftfahrzeuge auf. Der Silberklang oder vielmehr, da die Zeiten schlecht sind. das Papiergeknister, sollte die furchtbarste und vor allen Dingen wohl unheimlichste Waffe der Deutschen— denn als das werden unsere famosen, blitzschnellen Wolkensegler von Väterchens Heeres⸗ leitung angesehen— niederringen.
Riesige Plakate an den Straßenecken, die Popen und die übrigen Geistlichen Rußlands, alle Ausrufer der Gemeinden und sonstige Eröffnungswege des Herrscherwillens gaben den Unter- tanen kund und zu wissen: daß tausend Rubel Belohnung jeder erhält, der eine solche Höllenmaschine herunterschießt; aber auch dem war reichlich Geld zugesagt, der nur eins dieser Luftfahrzeuge meldet. Tausend Rubel ist ein schier unermeßliches Vermögen für Rußlands Landbevölkerung, denn schon hundert dieser Münzein⸗ heiten machen ihren Besitzer zum reichen, angesehenen Mann; aber zehnmal mehr läßt ihn natürlich gar als Krösus, den Gipfelpunkt alles zu Verehrenden, erscheinen. So kam os, daß die Regierung mit ihrem Aufruf ein wahres Fieber entfesselte. Jung und Alt, Gesunde und Kranke, Mann, Weib, Greis, Kind und Kegel wurden höllisch scharf auf alles, das da fleucht.
Sehr große Vorteile nun, das kann man wohl ruhig sagen, hat Väterchens Heeresleitung aus diesem von ihr entfesselten Sturme der Leidenschaft wirklich nicht gezogen. Zwar wußte ein lettisches Bäuerlein zu melden, und wurde ob dieser wichtig scheinenden Nachricht sogar von Seiner Exzellenz dem Herrn Gouverneur selber empfangen, daß es Luftfahrzeuge gespürt. Bei näherem Befragen stellte sich aber heraus, daß vom Lettensohne weder die Höllenmaschine gesehen, noch das Geknatter der Motore gehört oder der Geruch des Benzins wahrgenommen sei. Ledig⸗ lich das Verhalten seines Truthahnväterchens, das nach den Be⸗ 11085 des Besitzers ein ganz ungewöhnlich kluges Tier
sollte den erschöpfenden Dewer dafür bilden, daß die Flug⸗
5 5 auch wirklich dagewesen. Der Vogel fresse seit mehreren
Tagen nichts und starre nur immer bang zum Himmel auf. Grund
— diesem sonst ganz unerklärlichen Verhalten könnte doch nur
der Schreck über die Flugmaschinen sein, die er gesehen. Das
wäre ja ganz klar und er, das Bauerlein. bitte jetzt um die aus⸗ gesebte Belohnung.
Solche und ähnliche Fälle haben sich zu tausenden in Ruß⸗ land ereignet, oft sogar Untersuchungen nach sich gezogen. So ge⸗ gen einen Deutschbalten, der astronomische Studien treibt, des⸗ halb hümfig ganze Nächte auf dem Turme seines Schlosses zu⸗ bringt Deutsche Flieger nun sollten ihn da besucht und Aus⸗
won ihrem Stammes genossen über 5 Age cube
bietet, 5 erwidert: Die Deut⸗ — 1 so vervollkommnet, daß sie den
ul* Ae e eigener Flugmaschinen von russis. Soldaten heruntergeschossen
taucht irgendwo so ein Ding am Himmel auf Salven⸗ feuer überall. Jeder will Erste sein Die tausend Rubel locken. Niedriger kommt der Apparat. Die Insassen winken wie toll, ent⸗ falten Fahnen.„Wir erkennen eure Schliche, Feinde seid ihr, wollt nur besser Bomben so. auf uns werfen können! Feuer, Feuer! End⸗ lich Treffer. Zu Boden Fa e zerschmettert der Wolkensegler. Hier
ich nun heraus, daß es ein russischer ist. bel sich die Sales abgespielt. Das Schießen auf Flugzeuge ist l ee heute, ohne ausdrücklichen Befehl der höchsten Obrig⸗ leit hierzu, im Zarenreiche bei Todesstrafe verboten.
Gießener Anzeiger.
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Die russische Mepierggs bot aber nicht nur Herrn von 1 2 gegen unsere Flugapparate auf, sondern machte auch
die Letten durch die Inaussichtste ellung klingender Händedrücke ganz* So hoffte sie die Deutschbalten, die heute sogar noch zäher als je zu ihrem Volks tum, ihrer Muttersprache, ihrer Religion halten, mit einem Scheine des Rechts vernichten zu können. Beweise für die een dieser loyalsten Untertanen, die der Zar überhaupt hat, sollten— das ist der Regierung Wille — durch die ständige Ueberwachung herbeigeschafft oder wohl rich⸗ tiger— herbeigefälscht werden. Der Rubel leistet alles.
Zum offenen Aufstande nun, wie 1905, ist es zwar nicht ge⸗ kommen, aber wir stehen am Ostseestrande unmittelbar vor einem solchen Ausbruch. Mordtaten, Raubüberfälle beginnen bereits. Die Schuldigen werden, wenn die Leidtragenden Deutschbalten find, mie gefaßt. Das Volk stellt seine Gesinnung zur Schau. So pflegen jetzt die Letten vor den Deutschbalten auszuspucken, sie auf der Straße, natürlich besonders gern bei Dunkelheit, und Damen— denn feige sind sie— anzurempeln. Die Behörden versagen unseren Stammesgenossen vollständig ihren Schutz Das ganze Bild hat mit einem Worte erschütternde Aehnlichkeit mit dem unmittelbar vor dem Aufstande von 1905.
Das Spitzelwesen treibt tolle Blüten. So wurde das Ver⸗ fahren gegen einen Deutschbalten eröffnet, der in der Kapelle auf seinem Gute elektrische Beleuchtungs- und Läutanlagen legen ließ. Eine Verbindung mit„Deutschland, so wurde behauptet, sollten die Drähte herstellen. Die Strafanzeiger, zwei Letten, beschworen, daß sie eine Unterredung, die der Angeklagte mit dem Aus⸗ lande durch die unterirdische Leitung gehabt, belauscht hätten. Daraufhin erfolgte die Verhaftung des Deutschbalten. Zwar wurde er schließlich, als sich die Unmöglichkeit einer Schuld gar zu klar herausstellte, wieder auf freien Fuß gesetzt, doch hatte der Auf⸗ enthalt im Gefängnis lange gedauert. Den beiden Letten aber, von denen es doch durch das Verfahren ganz klar wurde, daß sie einen Meineid geschworen, geschah nichts.
Die Regierung hat jetzt den Gemeindevorstehern der Ostsee⸗ propinzen Petroleum gegeben, drei Tonnen für jedes Gut, mit dem Auftrage: alle Häuser in Brand zu stecken, falls die Deutschen einrücken. Diese Maßregel nun richtet sich selbstperständlich nur gegen zie Teutschbalten, Denn daß die n die ja alle selber Letten, vielfach noch gerade die Träger des deutsch⸗ feindlichen Gedankens sind, nicht ihren eigenen und den Besitz der übrigen Bauern, ihrer Verwandten und Freunde anstecken werden, ist ja selbstverständlich. Die Regierung will aber auch nur die Deutschbalten treffen, denn würde sie wirklich eine all⸗ gemeine Verwüstung aus Gründen der Landesverteidigung be⸗ absichtigen, so hätte sie doch den Brennstoff in die Hände der Staatspolizei des Landes, die keine Sprossen der örtlichen Bauern⸗ schaft sind und wörtlich den Befehl ausführen würden, und nicht in die der Gemeindevorsteher gelegt.
Die kommenden Unruhen künden 1 aber nicht nur in den
Baltischen Provinzen und zwar durch das Verhalten der Letten an, sondern merkwürdig ist es, wie schnell und gut die Bewohner⸗ schaft des ganzen Reiches über alle Vorgänge auf den Kriegsschau⸗ plätzen unterrichtet wird, trotzdem die Zeitungen Rußlands doch nur von angeblichen glänzenden Siegen des Zarenheeres und der ihm verbündeten Armeen zu berichten wissen. Ungeachtet aller Lügen und Vertuschungsversuche der Regierung dringt die Wahr⸗ heit durch, das Volk kennt sie. Diese Tatsache findet ihre Erklärung darin, daß der Partei des Umsturzes sehr viele und Leute aller Ge⸗ sellschaftsklassen angehören. Glänzend unterrichtet sind diese Perso⸗ nen sie mm die Wahrheit unter das Volk bringen, nehmen sie ihm die Furcht vor der Stärke der Regierung, machen ihm vielmehr klar, daß diese schwach ist und es immer mehr wird. Auch Kenntnis von den furchtbaren Ent⸗ behrungen, die der russische Soldat und zwar gerade durch die mangelnde Vorsorge, die schamlosen Diebereien seiner Vorgesetzten erdulden muß, geben sie den Massen.
Die zweite Reservistenaushebung zum Heere legte von der wahren Stimmung der Bewohnerschaft beredtes Zeugnis ab. Während die erste verhältnismäßig ruhig verlief, das gewohnte Bild der Leute bot, die sich mit allen Mitteln dem Militärdienst entziehen wollten, ging es bei der zweiten ganz anders her. Viele Personen drängten sich förmlich dazu, angenommen zu werden, zeigten aber dabei solche verbissene Wut, daß unter den Herren
35 510755 ei Schädlingen der Landwirtschaft Abbeu 8 5 5 Es wird dieses Opfer um so leichter gebracht werden, sobald man durch wissenschaftliche Be⸗ obachtungen und aufmerksame Wahrnehmungen in Wald und Feld dem Vorurteil entsagen wollte, als ob das den Landbau vor Scha⸗ den behütende Raubwild der Jagd hochgradig gefährlich sei. Hier⸗ auf zielt die nachfolgende Kennzeichnung der en Vertreter des Haarraubzeugs und des. soweit sie bei uns in Betracht kommen.
Der Fuchs ist ein hervorragender mae ige er frißt auch eine 3 von Kerbtieren und ihre Larven, wie Maikäfer, Saateulenraupen und Drahtwürmer, die mehrfach in großen Men⸗ gen in erlegten Füchsen gefunden worden sind. Nebenbei ver⸗ zehrt der Fuchs auch Wild, wovon aber das angeschossene sowie das kranke und gefallene einen beträchtlichen Bruchteil aus⸗ 9 so daß der Fuchs zur Reinhaltung von Fäulnisstoffen
Von den Marderarten: dem Dachs, Baum- und Stein⸗
marder, Iltis, Wiesel, 1 5 ungefähr das gleiche Das Eichhörnchen stell t jungen Vögeln in den Nestern nach,. Knospen und bucht die Spitzen der Tannenzweige
massenhaft ab, tut dem Obste Schaden. Es ist zu verfolgen.
Otter tut der Fischzucht bedeutenden Abbruch und ist
deshalb niemals zu schonen
Die Katzen sind der Jagd und den viel Ungeziefer verzehren⸗ den Singvögeln, also auch der Landwirtschaft sehr schädlich. Eine Katze, die in den Wald und das Feld geht, sucht dort nach ihrem 8 edlere 1. als Mäuse, die sie auch in der Nähe
Wohnungen h unte. Man stelle ihr auswärts nach ge der Landwirtschaft wie der Jagd.
Ein wildernder Hund ist als Schädiger der Wildbahn gefahrli r als alles andere bei uns heimische Raubzeug. Durch das von Hunden entsteht ach fn 5 3 Gefahr für das 5 91 Wild, sondern auch gesamten übrigen r ge bezirk verläßt und zugnahme auf§ 228
des bürgerlichen duch von der e schon Freispruch des— e 5 71—.— Wert des 7 nen nicht ein eisch bemessen wurde, sondern nach seiner
1 55 den fraglichen Bezirk, die z. B. in einer ausge-
Bedeutung 09 98158 eine recht hohe sein k.
dem Federraubzeug iu Buffarve und Sue mfal⸗ ken J einigen Jahren ee lich ge weil man ihren fast gusschließlichen Nutzen erkannt batte trutz der früheren gegentei⸗
ligen Ansicht der meisten Jäger. 1 Hühner habicht richtet gleich dem Wander fal⸗ en vielen
Schaden an, wirkt aber auch nützlich durch Greifen Er ist aber schon so 11 80 geworden, 85 der Jäger haben wird, ob er schießen soll oder nicht.
wirtschaft erheblichen Schaden durch Abpflücken reifender Aehren, durch Abbrechen von Fruchtreisern an den Obstbäumen, Ausziehen der aus dem Boden herauswachsenden zarten Maispflanzen, um auch das Setzkorn zu ergattern. Auch ist ihr jagdlicher Schaden nicht unbedeutend. Sie nützt zwar auch durch Vertilgung von Mäusen und Ungeziefer. Da sie sehr zahlreich vorkommt und scheu ist, so vernichte man sie, wo es angeht. Es werden immer noch mehr als genug Krähen übrig bleiben.
Dem Nutzen gegenüber, den die Weihen durch Vertilgung von Mäusen leisten, ist es belanglos, wenn sie die zahlreichen Lerchen und Ammern um einige mindern.
Der Sperber möchte weit davon entfernt sein, seine Schäd⸗ lichkeit 8 seinen Nutzen begleichen zu können.
Der Häher ist als Jagdschädling bedeutungslos. Ex kann aber die Landwirtschaft schädigen durch Plündern von Saatfel⸗ feldern. Auch ist er gegen die jungen Singvögel in den Nestern nicht harmlos. Als Radaumacher trägt er in gerade nicht melo⸗ discher Weise zur Belebung des Waldes bei und kündigt das Wild 1 schieße ihn gelegentlich, zumal er ziemlich zahlreich auftritt
Bei dem unzweifelhaften Nutzen der Eulen sollten Eisen⸗ fallen, in denen sich hauptsächlich Eulen fangen und die zudem jedem hineingeratenden Vogel die Beine zerbrechen, längst gesetz⸗ lich verboten sein. Wo besondere Verhältnisse einen planmäßigen Raubvogelfang gebieten, sollte der Habichtskorb oder eine andere Falle angewandt werden, die den Vogel unversehrt fängt, so daß harmlose und nützliche Stücke, wie Eulen, Steinkänze, Turmfal⸗ ken usw. wieder in Freiheit gesetzt werden können.
Nach vorstehenden, aus langjährigen wissenschaftlichen Unter⸗ suchungen der Mageninbalte der Raubtiere, aus den Beobach⸗ tungen bewährter Jäger und Jagbschriftsteller und aus eigenen Erfahrungen geschöpften Angaben beruht die frühere blinde Ver⸗ urteilung der Raubtiere als hervorragende Jagdschädlinge meist auf einem Irrwahn. Erfreulicherweise bricht sich die begründete Meinung immer mehr und mehr Bahn, daß das Raubzeug jagd⸗ lich nicht so 1 ist, wie der Durchschnittsjäger meist an⸗
nommen hat. Der Jäger darf die Raubtiere überhaupt mehr chonen. Insbesondere aber ist während der Kriegszeit ihre Hegung geboten, mit Ausnahme des Otters, der Katze und des wildernden Nundes, des Eichhörnchens, des Fischreihers, der Krähen, des
Sperbers und etwa roch des Hähers. Der Jäger wird keinen
schwer empfindlichen Nachteil erleiden, wenn er das übrige Raub⸗ wild in höherem Grade unbehelligt läßt und damit zur Hebung des Ackerbaues wesentlich beiträgt.
Sollte aber ein Jagdbesitzer 2 Jagdpüchter, der natur⸗ wissenschaftlich der Raubzeugfrage noch nicht näher W 105 auf seiner alteingefleischten, irrigen Ausichr beharren, so b er wenigstens für die Dauer der Kriegszeit zur Minderung* Aushungerungsgefahr ein vermeintlich größeres Opfer. Es set ihm umso höher angerechnet, wenn er dabei seine Ueberzeugung
prei 8 ist ein Mansjahr zu befürchten. Eichen und
Die Kr ä he, vielfach auch Rabe genannt, bringt der Land⸗
Samstag. 8. Februar ois Kotattonsdrud unb Verlag der Dr ü heschen g
Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: e 851, Schrift ⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten:
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Anzeiger Gießen. f 5
des Aushebungsausschusses einstimmig die Anficht herrschte:„Sol⸗ sollen, haben wir ausgehoben. 5
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daten, die für den Zaren kämpfen Gegen wen aber werden sich diese Leute wenden, sobald ihnen die Gelegenheit dazu günstig erscheint, und welchen Geist bringen sie in das Heer?“ Beispiele dafür, daß sich die russischen Umsturzkreise, nur um Einfluß auszuüben und die Massen gegen die 1 — ustacheln, noch viel furchtbareren Martyrien unterwerfen, wie
r Eintritt in das jetzige Zarenheer bedeutet, sind ja aus den en von 1905 genügend bekannt.
An Waffen herrscht großer Mangel in Rußland. So werden jetzt Gewehre älterer Systeme, aber ganz neuer Aus⸗ führung, denen man es ansieht, daß sie noch nie im 1 waren, also nicht den 8 entnommen sind, an die Sol⸗ daten ausgeteilt. Woher aber diese Büchsen eingeführt werden, a ist unbekannt.
Das Unterbringen der inneren russischen Kriegs⸗ anleihe stieß auf große Schwierigkeiten. Da wurde unter dem g Volke das Gerücht ausgesprengt: daß man die Zeichnungsscheine nur unterschreiben und 20 Prozent des Betrages einzahlen— 19 der Rest aber werde geschenkt und die Wertpapiere so verabfolgt 1
Neben diesen— auch das wurde betont— auf der Hand liegenden 2 Vorteilen, die sich der Unterzeichner durch die w einer Unterschrift und der paar Rubel, die auch oft n wurden, sichere, machte er sich noch bei der Wee erwerbe eine gute Note in Petersburg. Unter diesen Uußender unterschrieben zahlreiche Leute, vielfach Personen, die nichts in ihrem Besitze haben. Heute nun herrscht große Empörung unten ihnen, daß sie den Rest zahlen sollen. Unbarmherzig werden die Forderungen beigetrieben.
Das Volk erklärt sich jetzt das Verhalten der Regierung A. und auch in diesem Falle ist ebenso wie von der wahren La 3 dem Kriegsschauplatze die Ansicht überall verbreitet: Die Regie⸗ rung habe Geld gebraucht und dieses aus dem Auslande. wollen: dort aber forderte man Unterlagen zur Sicherung des Darlehns. Diese nun seien durch die Zeichnungsscheine geschaffen. denn daß diese von Vermögenslosen unterschrieben wurden, sei selbstverständlich den Geldgebern verschwiegen worden. Aber der Appetit kommt beim Essen. Denn jetzt, wo die Regierung durch ihr Betrugsmanöver Geld erhalten, versuche sie noch, was sich auf Grund der Zeichnungsscheine aus den eigenen. heraus⸗ pressen lasse.
Toll sind die Treibereien der Panflawisten, also einer Partei, die, im Volke selber keine Wurzel gefaßt, nur wenige zu ihren Auhängern zählt. Aber eine e gan; ungeheure Macht ent⸗ wickeln jetzt diese wenigen Leute. Die Vertreter ihres Haupt⸗ blattes, der„Nowoje Wremja“, bereisen das ganze Land, zwingen die Gouverneure, unter Androhung eines Pressefkandels 8, zum schärfsten Vorgehen gegen alles Fremdvölkische und Andersgläubige. Zu widersetzen aber wagt sich den Anordnungen der Panslawisten kein Beamter, obgleich ihm bekannt, daß der Selbstherrscher an⸗ derer Ansicht ist als die Hetzer. Die Zarengewalt geht ihrem vollständigen Verfall entgegen. Zwar war Nikolaus II. selbst⸗ verständlich nie der unbedingte Gebieter, aber doch stets recht eigenwillig und herrschsüchtig. Von alledem ist heute wenig übrig
geblieben. Der Zar kümmert sich um nichts, läßt alles geschehen. — 1 In englischer Gefangenschaft. 2 Aus unserem Leserkreise gehen uns 2— 9 zul, die 17 8
von dem Geschick eines deutschen der Handels-
marine handeln, der durch Venbunbischuft baude mit einer Reihe Gießener und oberhessischer Familien verbunden ist. Den Briefen, die die Mutter des Gefangenen an eine m. Gießen lebende Freundin richtete, entnehmen wir folgende
Stellen: a Z., 29. 1. 15.
Inmitten all der Arbeit kam Anfang Dezember ein Brief von L., von dem wir bis dahin noch nichts gehört hatten. Er hatte diesen Brief über Bord geschmuggelt vermittelst Flaschen po st und schrieb darin, daß er an Bord eines Schiffes auf dem Weg nach England sei als Kriegsgefangener mit etwa 600 Leidensge⸗ fährten. Sie alle hätten nichts gerettet, als was sie am Leibe hät⸗ 5 ten: dünne Tropensachen. Daß sein Schiff bei Kamerun versenfttk
Buchen haben reichlich getragen. Da werden die Mäuse gut. mintern und einen beträchtlichen Stamm bilden für eine starke Vermehrung im nächsten Sommer. Auch die Roggenfelder, soweit sie wieder vom ersten Schnee entblößt sind, zeigen zahlreiche Mäuse⸗ löcher. Mithin schone man vor allem als geschickten Mäusever⸗ tilger den Fuchs. Jedenfalls zerstöre man nicht im nächsten Frühjahr seine junge Nachkommenschaft 1711 Graben der Bäue. Auch vergifte und fange man die Füchse nicht. Soweit letzteres durch die üblichen, die Beine zerschmetternden Eisenfallen bewerk⸗ stelligt wird, stellt es eine gefühllose Tierschinderei dar, die keine Rücksicht nimmt auf die pfindung der Tiere. Wo man Fallen anwenden muß, wie z. B. in Gärten gegen Katzen, welche den Singvögeln nachstellen, wähle man die Kastenfalle, in welcher das Tier sich unversehrt fängt, oder die Knüppel⸗, Mord⸗ und Würge⸗Fallen, die es sofort se 5 töten.
Größere Schonung der als vorwiegend nützlich gekennzeich⸗ neten Vertreter des Haar⸗ und Federraubzeugs wird auch die Jagdgefilde nicht immer mehr veröden lassen, sondern mannig beleben und für den Naturfreund anziehender gestalten. 5 seltener gewordenes oder fast ausgestorbenes Nanbwig würde sich ein zeitweiliger Natur⸗Denkmalschutz empfehlen. Die Er⸗ haltung und Wiedervermehrung verschwindender Tierwelt würde dienlicher und für viele Besucher von Wald und Flur erfreulicher sein als der auf manchen alten Kasten ausgedehnte Denkmalschutz. Dem Jagdpächter würde kein unerträglicher Schaden z werden. Worauf es aber bei der gegemwärtigen von England mit allen Mitteln versuchten Aushungerung Deutschlands am meisten ankommt, so würde die un bare und mittelbare reichlicher Vertilgung der Ackerbauschädlinge: der Mäuse, des Hamsters, der Kerbtiere und ihrer Larven usw., von dauerndem Belang sein für die erwünschte Förderung der Landwirtschaft.
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Akademie⸗Reform in Dresden. Ueber 257 innere Umgestaltung der 2 l Akademie der bildenden Künste“ in Dresden schreibt 5 uns unser dortiger Mitarbeiter: Am 16. Februar wird der 5 Akademische Rat der Königl. Kunstakademie Satzungsände⸗ 1 rungen von großer Wichtigkeit beraten. Gs handelt fich 1 dabei um nichts geringeres als den Abschluß der seit Jahren 5 in die Wege geleiteten und exst kurz nach dem vorjährigen 5 Jubiläum der Akademie von einem Teil der Lehrerschaft neu geforderten Reformen der inneren Organisa⸗ g tion. Diese Reform setzt, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, an zwei Punkten ein. Einmal wird der Lehrer⸗ schaft eine Mitbestimmung bei inneren Angelegenheiten der 2 Anstalt eingeräumt werden, zum andermal solten künftig die Unterklassen. die eine Art Vorschule zur Akademie binde wegfallen. Die erste Neueinrichtung kann man erst in i ganzen Bedeutung verstehen, wenn man bedenkt, daß— 5 schließlich der Akademische Rat, der direkt von der Krone
sächs.
berufen wird, den Studienplan bestimmte, die Aufnahme *


