Jueites Blait
Erscheiut täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gleßener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Areis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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105. Jahrgang
Kriegsbriefe aus dem Osten.
Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.) Lazarettwesen und Hygiene in Nordpolen.
Armeeoberkommando 10, 8. Febr.
Es war Frühstückstafel beim Stab der Mlawa-Armee. General Suren hatte an sein Glas geklopft und um Aufmerksamkeit für die neuesten Meldungen der obersten Heeresleitung ersucht; die Vorlesung war vorbei, das Gespräch bewegte sich wieder in leb⸗ haften Bahnen, und ich klagte dem liebenswürdigen und jovialen Armeeintendanten, daß mir die zweite Choleraimpfung ziemlich schlecht bekommen wäre. Vielleicht läge es an meinem Herzen, das eine bedenkliche Neigung zur Insubordination habe.„Das hat damit aber gar nichts zu tun,“ sagte auffallend bestimmt ein Stabsarzt, der mir gegenüber saß. Ich versuchte zu widersprechen und gab ein paar Beispiele von bekannten Offtzieren, die sich nach der Impfung auch nicht gut gefühlt hätten.
„Sie sollten das wirklich nicht sagen,“ meinte mein Gegen⸗ über,„der Nutzen der Cholera-Impfung steht unbedingt fest. Selbst wenn der eine oder der andere infolge besonderer Disposition für kurze Zeit eine kleine körperliche Unbequemlichkeit hätte, die bei sehr sorgfältiger Ausführung der Impfung kaum eintreten kann, so hat das mit dem unbestreitbaren Wert der Maßregel nichts zu tun. Im übrigen sind mir bei zwanzigtausend Fällen keinerlei bedenkliche Nacherscheinungen zu Ohren gekommen. Die Armeen, die die Impfung eingeführt haben, z. B. die griechische im letzten Balkankriege, haben die denkbar günstigsten Erfahrungen mit ihr gemacht. Man muß natürlich von der A irkung der Imp⸗ fung nichts Unmögliches verlangen, ein unbedingter Schutz, so daß jeder nun auf seine Gesundheit lossündigen könnte, ist sie nicht, aber sie mindert die Möglichleit der Ansteckung außerordentlich herab und läßt, wenn die Ansteckung trotzdem erfolgt sein sollte, den Krankheitsverlauf so verhältnismäßig leicht erscheinen, daß fast stets auf glücklichen Ausgang zu rechnen ist.“
Ich merkte schon an der Art des Vortrags, daß dieser Herr Stabsarzt mir da gegenüber diesen Fragen persönlich außer⸗ ordentlich nahe stände, gleichzeitig fuhr mein Gegenüber fort: „Aber vielleicht besuchen Sie mich heute nachmittag einmal in meinem Laboratorium; der liebenswürdigen Fürsorge unseres Generalarztes verdanke ich es, daß ich hier in Mlawa in un⸗ mittelbarer Nähe der Front ein wissenschaftliches Laboratorium einrichten konnte. Ich hoffe, daß meine Arbeiten für die ge⸗ samten polnischen Verhältnisse von Nutzen sein können.“
Jetzt erfuhr ich auch von meinem Nachbar, daß mein Gegen⸗ — Professor Michaelis vom Kaiser⸗Wilhelm⸗Institut in Dah⸗
wäre.
Am nachmittag sah ich zunächst das ett in Mlawa. Ich habe ja in diesen 5— Monaten, da ich auf dem Kriegsschauplatz weile, oft genug Gelegenheit gehabt, Lazaretteinrichtungen zu sehen. Dieser Besuch hier war mir deshalb interessant, weil ich wußte, daß die Armeeteile, die hier standen, ursprünglich nicht besonders mit sanitären Vorrichtungen ausgestattet waren. Das deutsche Organisationstalent, das sich auf so vielen Kriegsgebieten bewährt hat, zeigt auch hier seine schaffende Kraft. Das Lazarett, das die Russen in dem üblichen verdreckten Zustande zurückge⸗ lassen hatten, war geradezu vorbildlich. Immer wieder nur kann man denen in der Heimat versichern, daß für ihre verwundeten Männer, Söhne und Brü⸗ der im Felde in jeder Weise gesorgt wird, wie es ärztliche Kunst und Menschenkraft überhaupt vermag. ie deten— meist vom letzten Gefecht bei Bierzun und Wkra⸗Abschnitt— lagen in den hellen und luf⸗ tigen Sälen, die mit Tannengrün geschmückt waren. Selbst schwie⸗ rige Operationen wie Nervenzusammennähungen werden hier doch fast unmittelbar hinter der. mit Erfolg durchgeführt. Der leitende Chirurg, der mit außerordentlicher Ruhe die Operationen leitete— ich war gerade in dem Augenblick einer Blinddarm⸗ operation dort— ist allerdings nicht das erstemal im Kriege, da er den Balkankrieg auf türkischer Seite als Chirurg mitge⸗ macht hatte. Ich te es nicht für meine Aufgabe, auf die ein⸗ zelnen Fälle, die die hohe Entwicklung der Kriegschirurgie zeigten, näher einzugehen. Jedenfalls waren mit schweren Bauchschüssen als hoffnungslos Eingelieferte schon wieder transportfähig nach einem der großen Lazarette in der Heimat.
Mit welchen Schwierigkeiten bei dem Abtransport der Ver⸗ wundeten bei den grundlosen polnischen Wegen zu rechnen ist, deutete mir der Generalarzt an, indem er mir die Mühe schilderte, bis er einen brauchbaren„Lazarettleiterwagen⸗Fuhrpark“ zusam⸗ mengestellt hatte. Neben dem Hauptlazarett mit seinen schönen, warmen, russischen Oefen und seinen hellen breiten Fenstern hat man noch mehrere Nebenlazarette eingerichtet, auch eine Anzahl von Isolier⸗Baracken für ansteckende Krankheiten geschaffen.
In großen Räumen werden die Arzneimittel, die einem Ober⸗ Apotheke unterstehen, aufbewahrt. Man hat es gelernt, alle mög⸗ lichen Medikamente in praktischer und leicht aufzubewahrender Pillenform herzustellen. Die Zeiten, da Rizinusöl das Kardinal⸗ mittel der„militärisch gebändigten“ Medizin war, ist endgültig dahin. Es ist außerordentlicher Reichtum und Mannigfaltigkeit an Medikamenten vorhanden, selbstverständlich wäre es unbillig und unpraktisch, die allerkompliziertesten und in der Wirkung 1585 völlig ausgeprobten Heilmittel in einer Kriegsapotheke zu verlangen. 8.
Neben den Räumen für die Apotheke befindet sich das Labora⸗ torium von Professor Michaelis, das imstande ist, die notwendigen Blutuntersuchungen, die sonst nach zeitraubenden Wegen in der Heimat gemacht werden mußten, hier im Felde auszuführen Zwei Assistentinnen unterstützen den Professor in seiner Arbeit. Dörfer, in denen Cholera oder Typhus festgestellt sind, werden nach Mög⸗ lichkeit nicht belegt, wenn es sich irgendwie mit den strategischen Operationen vereinigen läßt. Die Russen verfehlen nicht, die Aufgabe solcher verseuchter Orte jedesmal als russischen Erfolg hinzustellen, während das einzige Ergebnis eine Zunahme der Seuche in der russischen Armee zu sein pflegt. Es gibt Leute, die bei der Erörterung solcher Dinge, die doch nun einmal mit dem Kriege verknüpft sind, unruhig werden, aber ich kann nicht helfen, es gibt Cholera und Typhus in Polen, doch ebensogut gibt es Schutzmaßregeln dagegen, die wir in aus⸗ giebigster und umsichtigster Weise anwenden, so daß unser Heer in Polen entgegen allen Schwarzsehern in erstaunlich geringer Weise unter Krankheiten zu leiden hatte. Nicht nur unsere Technik, sondern auch unsere Wissenschaft arbeitet in und für den Krieg..
Es war zunächst ein sonderbarer Anblick, die vielen Phiolen und Gläser, die Glasplatten mit Nährböden für Bakterien, die Lymphen und fertigen Präparate, die Mikroskope und Instrumente
u sehen, während die Fenster ünter dem Donner der fernen Ge⸗ schuße leise zitterten; aber bald schien mir diese gründliche Go⸗ lehrtenarbeit genau so den 0 Sich in diesem Kriege zu gewährleisten und ebenso zum zu gehören, wie das erzene Heldentum des Schützengrabens.
Auf dem Bahnhof und auf dem Marktplatz sah ich dann überall die Beispiele hygienischer Fürsorge: mächtige, tausend Liter fas⸗ sende Tankwagen mit keimfreiem Wasser standen bereit, die Bade⸗ einrichtungen des städtischen Bades standen unter ärztlicher Kon⸗
trolle, die Einwohner wurden gezwungen, Latrinen anzulegen und zu reinigen.
Mein letzter Eindruck, als ich von Mlawa wieder zum Ober- kommando fuhr, war der, daß man es fertig bringen wird und es zum Teil schon fertig gebracht hat, soviel Ordnung und Sauber⸗ keit zu schaffen, soviel Desinfektions- und Reinigungsmittel be⸗ reit zu stellen, als für die Gesundheit unserer Truppen notwendig sind. Wir können auch in dieser Hinsicht dem polnischen Feldzug mit jeder Ruhe und jedem Vertrauen entgegensehen.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Aus Hessen.
Wochenhilfe für Frauen von Kriegsteilnehmern. Der Abg. Adelung hat in den Zweiten Kͤammer folgende dringliche Anfrage eingebracht:
„Der Bundesrat hat auf Grund des§ 3 des Gesetzes betr. Er⸗ mächtigung des Bundesrates zu wirtschaftlichen Maßnahmen, vom 4. August 1914 eine Verordnung erlassen, die die Gewährung einer Wochenhilfe an solche Frauen vorsieht, deren Ehe⸗ männer 1. in diesem Kriege dem Reiche Kriegs⸗, Sanitäts⸗, oder ähn⸗ liche Dienste leisten oder an deren Weiterleistung oder an der Wie⸗ deraufnahme einer Erwerbstätigkeit durch Tod, Verwundung, Er⸗ krankung oder Gefangennahme verhindert sind und
2. vor Eintritt in diese Dienste auf Grund der Reichsversiche⸗ rung oder bei einer knappschaftlichen Krankenkasse in den voraus⸗ gegangenen 12 Monaten mindestens 26 Wochen oder unmittelbar vorher mindestens 6 Wochen gegen Krankheit versichert waren.
Wöchnerinnen, die selbst in Kassen versichert sind, erhalten auf Grund des§ 8 der Verordnung vom 3. Dezember 1914 eben⸗ falls die Wochenhilfe, unbekümmert darum, ob ihre Ehemänner am Kriege teilnehmen oder nicht und auch unbekümmert darum, ob die Kassen satzungsgemäß Wochenhilfe, bestehend in Still- und Hebammengeld, zu gewährleisten verpflichtet sind.
Diese sämtlichen Mehrleistungen an Wöchnerinnen werden von den Krankenkassen vorlagsweise betätigt und aus Reichs⸗ mitteln ersetzt.
Durch eine weitere Verordnung vom 28. Januar 1915 wurde die Wochenhilfe auch auf die Ehefrauen der Besatzung deutscher See⸗ fahrzeuge ausgedehnt, die nicht krankenversicherungspflichtig sind, wenn der Jahresgehalt 2500 Mk. nicht übersteigt.
Trotzdem die Wochenhilfe aus allgemeinen Reichsmitteln gewährt wird, bleiben davon im wesentlichen alle Kriegsteilnehmer⸗ frauen von nicht krankenversicherten Gewer betreibenden, deren Einkommen oftmals sehr gering ist, ausgeschlossen. Ferner bleiben davon ausgeschlossen die Frauen kleiner Landwirte. Auch auf zahlreiche unständige Arbeiter und Taglöhner in Stadt und Land, die Kriegsteilnehmer sind, findet die Wochen⸗ hilfe keine Anwendung, weil sie es oftmals aus Unkenntnis der gesetzlichen Bestimmungen unterließen, von der Versicherungsmög⸗ lichkeit Gebrauch zu machen.
Das sind Ungerechtigkeiten und Härten, die der Bundesrat sicher nicht mit Absicht in der Verordnung belassen hat. Die Wochenhilfe müßte ausnahmslos an alle Ehefrauen der Kriegs⸗ teilnehmer gewährt werden, deren Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteigt. Eine Beschränkung lediglich auf die Frauen der Versicherten erscheint schon deshalb ungerechtfertigt, als die Kosten der 3 doch vom Reich getragen werden.
Ich frage aus diesem Grunde an:
1. Sind der Großh. Regierung diese Mängel der Bundesrats⸗ verordnung vom 3. Dezember 1914 betreffend Gewährung von Wochenhilfe an Kriegsteilnehmerfrauen bekannt?
2. Ist die Großh. Regierung gewillt, im Bundesrat dahin zu wirken, daß die Wochenhilfe an die Frauen sämt licher Kriegsteilnehmer gewährt wird, wenn das Einkommen eine be⸗ stimmte Grenze nicht übersteigt?
Aus Stadt und Kand. Gießen, 13. Februar 1915.
Vorfrühling. Goldne Sonnenlichte huschen Ue er braune Knospen hin; Leise suchend, ob schon Leben In der harten Hülle drin
Können nicht die Zeit erwarten, Wo der Lenz das Leben schenkt, Und in beller Frühlingswonne Bluütenschnee hernieder senkt.
Und mit lieben weichen Händen Kosen sie die Knospen all.— Gleiten weiter, bis hinunter In das traumumjfang'ne Tal.
Möchten hier so gern verkünden Ihres Frühlinas Zaubermacht, Und den gold'nen Sonnenlichtern Weicht die längste Winternacht.
Und mit lieben Händen kosen
Sie die wunden Seelen nun—
Und erzählen von den Wundern,
Die der Frühling einst wird tun. *
A. R.
* Keine Einschränkung des Universitäts⸗ Lehrbetriebs. Der Rektor der Landesuniversität Geh. Rat Prof. Dr. Sommer hat folgendes Rundschreiben an die Studentenschaft erlassen:
Wie mir mitgeteilt wird, geht in der Studentenschaft das Ge⸗ rücht, daß im kommenden Sommersemester der Unterricht an unserer Universität eine weitere Einschränkung erfahren werde. Ich stelle fest, daß dieses Gerücht jeder Grundlage entbehrt. Der Unterricht wird mindestens in demselben Um⸗ fang fortgeführt werden wie im laufenden Halbjahr. Es sind auch Schritte eingeleitet, um ihn in l erhöhtem Maße wieder auf⸗ zunehmen. 0.
Gießen, den 8. Februar 1915.
Der Rektor der Landes⸗Uniwersität: Sommer.
* Die Beurkundung der Sterbefälle der Kriegsteilnehmer soll nach Mitteilung der amtlichen Statistik in Kriegszeiten für sämtliche deutsche Kri teilnehmer alsbald erfolgen, einerlei, ob innerhalb oder außerhalb des Reichsgebietes der Tod erfolgt ist. Die Sterbe⸗ fälle der deutschen Kriegsgefangenen werden voraus sichtlich erst, wie 1870/1, nach Beendigung des Krieges erfolgen können. Die Sterbefälle der feindlichen Kriegs⸗ gefangenen werden in denjenigen Gemeinden beurkundet, in denen sie sich zutragen. Die auf deutschem Boden in der Schlacht gefallenen Soldaten der feindlichen Nationen blei⸗ ben für die Beurkundung unberücksichtigt. Die Sterbefälle der deutschen Kriegsteilnehmer aber werden am letzten Wohnort resp. Wohnsitz des Gefallenen oder Gestorbenen beurkundet. Die Anzeigepflicht besteht nach den neuesten militärischen Bestimmungen für die Regimentskomman⸗
er Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
R* 8 2 1 8
Samstag, 15. Februar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. 14 R. Lange, Gießen. 5
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrift. 4
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten⸗ 5 Anzeiger Gießen..
reichen haben. Dieses übermittelt dann die Auszüge den zuständigen Ministerien der Bundesstaaten. Hier werden weitere Auszüge hergestellt und durch die Amtsgerichte den Standesbeamten zugesandt. Nach Jahresschluß, wenn alle Sterbefallzählkarten vorliegen, wird dann eine selbständige f Bearbeitung vorgenommen werden. 4
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1 f deure, welche die Listen an das Kriegsministerium einzu⸗ l 1 0
* Gefangene in Japan. Von jetzt an können Postpakete an deutsche Kriegsgefangene in Japar auch zur Beförderung über Schweden und Ruß- land angenommen werden.
* Sieben Brüder im Felde. Sieben Söhne des früher in Niederkleen(Kreis Wetzlar) tätig gewesenen, in⸗ zwischen verstorbenen Kreisrentmeisters Wahlmann stehen teils bei der Marine, teils beim Landheer im Kampfe fürs 5 Vaterland. Obwohl alle gleich zu Kriegsbeginn ins Feld 9 zogen, ist noch keiner verwundet oder gefallen. Einer soll f allerdings in englische Gefangenschaft geraten sein. 5
* Stadttheater. Für das Kindermärchen„Tisch⸗ 5 lein deck dich. Esel streck dich und Knüppel aus 5 dem Sack“ am morgigen Sonntag nachmittag gibt sich, f wie uns geschrieben wird, lebhafte Teilnahme kund, die durch die sorgfältig vorbereitete Aufführung auch sicher* befriedigt werden wird, zumal die Spielleitung auf ver⸗ 4 schiedene Ueberraschungen bedacht war.— Die Aufführung l des Sonntagabend bringt das Schauspiel„Grüne f Ostern“, das durch fesselnde Charaktere, spannende Hand⸗ 5 lung und überaus wirksame Bühnenbilder— es sei an den. Abt im Breslauer Ratskeller erinnert— bereits bei zwei 1 Aufführungen außerordentlichen Beifall errungen hat. Die glückliche Mischung von volkstümlichem Humor und Ernst empfehlen das Stück, das übrigens über die meisten größeren deutschen Bühnen gegangen ist, weitesten Kreisen.
Landkreis Gießen.
F. Geilshausen, 12. Febr. Eine Sammlung von Goldgeld hatte ein Ergebnis von mehr als 1500 Mk., die so— gleich durch die Post an die Reichsbank abgeführt werden konnten. Auch die Reichswollwoche lieserte einen schönen Ertrag, denn 58 schöne warme Decken, von hiesigen Frauen und Jungfrauen hergestellt, konuten mit einem Poslen guter Kleidungsstücke ab—
geliefert werden. Kreis Lauterbach.
O Wernges, 12. Febr.»ei einigen gut begüterten hiesigen Landwirten, die nach ihren Verhältnissen einen auffallend ge- ringen Vorrat von Körnerfrüchten bei der Zählung angaben, wurde durch die Lauterbacher Gendarmerie eine Nach- revision abgehalten. Das Resultat war, wie man im voraus vermutete, ganz überraschend; es wurde eine große Menge Frucht der verschiedensten Geireidearten entdeckt, die zum Teil in Räumen versteckt waren, wo man sie vor den Augen der Gendarmerie absolut sicher glaubte.
fe. Aus Oberhessen, 11. Jebr. Sicherem Vernehmen nach ist der Zeitpunkt der Eröffnung der Ersenbahnstrecke Niederaula-Grebenau, Teilstrecke von Niederaula— Als⸗ feld, wiederum verschoben wor en. Es ist der 15. April eventuell der 1. Ma in Aussicht genommen.
Starkenburg und Rheinhessen.
Offenbach, 11. Heor. Unter dem Vorsitz des Fabrikanten Feldmeier sand beute abend im Hotel Degenhardt die Haupt⸗ versammlung des hiesigen Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei statt, die verhältnismäßig recht ant besucht war, trotzdem sehr viele Mitglieder zu den Fahnen einberusen sind. Nach dem durch den Stadlverordneten Rechtsanwalt Dr. Eulau gebotenen Jahres- und Kassenbericht hat sich der finanzielle Stand des Vereins in günstiger Weise entwickelt. Bei der Vorstands wahl wurde der bisherige Vorstand durch Zuruf einstimmig wieder- gewählt. Nach Erledigung des geschästlichen Teiles sprach Haupt- lehrer Bechtolsheimer über die innere Wandlun Deutschlands, welcher Auigabe er sich mit größtem Geschid und unter lebhastem Beifall der Versammlung entledigte.
Hessen⸗Nassau. a
II Marburg, II. Febr. Als Ergebnis der Reichs woll⸗ woche wurden von hier aus 500 Wolldecken, 140 Westen und 46 Unterbosen, sowie eine Waggonladung Teppiche zum Heer ab— geschickt, außerdem eine Menge Kleidungsstücke nach Ostpreußen und Elsaß⸗Lothringen.— Gestern gab hier ein Schwindler eine Gastrolle, indem er einen Schuhmacher um fünf Paar Schuhe prellte. Er hatte sich die Visitenkarte eines Offiziers verschafft.
(m) Kirchhain, 12. Febr. Gestern gingen weitere 320 Stück Decken, die aus der Sammlung der Reichs⸗ wollwoche im Kreise Kirchhain hergestellt waren, an das 11. Armeekorps ab. Es sind damit bisher 695 Stück abgelie⸗ fert worden. Eine weitere Sendung wird im Laufe der Woche folgen.— Im Sitzungssaal des Kreishauses fand gestern eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises statt. Es handelte sich um Erläuterungen über die Brot⸗ und Mehlversorgung, die nach Beschluß des Kreisausschusses den einzelnen Gemeinden übertragen ist.
b. Btedenkopf, 18. Febr. Die erste Getreide⸗Kon⸗ fiskation erfolgte in Rombach, wo ein Landwirt nur die Hälfte seines Bestandes angegeben hatte. Eine Bezahlung hierfür wird gemaß§ 16 der Bundesratsverordnung nicht geleistet.
h. Weilmünster, 12. Febr. Der bekannte Gasthof „Zum Einhaus“ an der Möttauer Straßenkreuzung ist in der vergangenen Nacht durch ein Großfeuer zer⸗ stört worden. Das Vieh konnte gerettet werden, doch wur⸗ den die Vorräte und alle landwirtschaftlichen Maschinen ein Raub der Flammen.
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