zweites Blatt Erschetnt alle mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Siezener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Tandwirtschaftlichen zeit fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
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165. Jahrgang
ießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Gberhessen
Der Kampf gegen die englischen Truppentransporte.
Der Kampf gegen die englischen Truppentransporte wird vielleicht die größten Ueberraschungen 4 sem furchtbaren Kriege bringen. Er spielt an Küsten, die ur⸗ sprünglich nicht oder doch nur wenig für den Krieg her⸗ gerichtet waren, und er wird zum größten Teile wahrschein⸗ lich mit Mitteln geführt, die aus dem Stegreif ersonnen und sozusagen über Nacht hergestellt werden Reich und vielgestal⸗ tig sind ja die Hilfsquellen der modernen Technik. Und doch wird sie im Grunde auf Pläne zurückkommen müssen, die schon mehr als 100 Jahre alt sind und die keinen andern als— Napoleon J. zum Urheber haben. Auch Napoleon sah den Aermelkanal als den Punkt an, von dem aus man England aus den Angeln heben kann. Schon nach dem Ab⸗ schluß des Friedens von Campo Formio hatte er dem Direk- torium seine Pläne eingereicht und dazu geschrieben:„Der Augenblick ist günstig, bieten wir alles auf zur Stärkung unserer Marine und zerstören wir England. Ist das ge⸗ schehen, so liegt Europa zu unseren Füßen!“ Alsbald, schon im nächsten Jahre. die Rüstungen, und da⸗ mals tauchte schon der erste Vorschlag auf, wie man das eng⸗ lische Rätsel lösen, wie man der Insel zu Leibe rücken könne. Es sollten gewaltige Flöße gebaut werden, die in der Mitte und an den Seiten mit starken Aufbauten und Befestigungen versehen waren. Auf diesen Flößen sollten die Truppen nach Napoleons Angaben in zwei Flügeln Aufstellung finden. An der Rückseite der Riesenflöße waren die Pulvermagazine vor⸗ gesehen. Starke Geschütze sollten jede Annäherung der englischen Flotte verhüten. Zur Fortbewegung der — 4 waren Tausende von Rudern vorgesehen. Außerdem ollte auch die damals noch neue Dampfmaschine auf den Flößen aufgestellt werden und sie gleichfalls vorwärts trei⸗ den. Napoleon veranlaßte eine ernsthafte Prüfung dieses
rojektes. Seine am 19. Mai 1798 erfolgte Abreise nach
legypten ließ den Vorschlag jedoch wieder in die Versenkung verschwinden. Im Jahre 1804 folgte ein zweiter Plan. Man wollte große Luftballons, sogenannte„Montgolfieren“, bauen, von denen jede nicht weniger als 3000 Soldaten zu tragen imstande war Bei günstigem Wind sollten sie auf— steigen und dann in England landen.
i 810 der Gefangenschaft auf St. Helena kam der geschla⸗ gene Korse nochmals auf die Pläne zurück, die er einst in Be⸗ zug auf England gehegt hatte. Er erzählte am 18. Febr. 1818 dem irischen Arzt OMeara:„Wäre es mir gelungen, in England zu landen, so hätte ich es zweifellos unterworfen. Dreitausend Boote, jedes groß genug für 20 Mann, Pferde und die nötigen Geschütze waren bereit. Die englische Flotte war durch falsche Nachrichten fortgelockt worden. Ich war Herr des Aexrmelkanals, sonst konnte ich den Versuch allerdings nicht wagen. In vier Tagen wäre ich in London gewesen. In einem fo ebenen Lande wie England ist eine Verteidigung schwierig. Ich zweifle keinen Augenblick, daß die englischen Soldaten ihre Pflicht getan hätten, aber eine einzige von den Engländern verlorene Schlacht hätte die Hauptstadt in meine Gewalt gegeben. Die Engländer hätten nicht Streitkräfte genug aufbieten können, um mich in offener Feldschlacht zu besiegen“. 5
Soweit Napoleon. Die Deutschen sind heute, schon vor Beginn des großen Kampfes um den Aermelkanal, viel wei⸗ ter. Sie haben den wichtigsten Teil der belgischen Küste in Besitz und mit ihrer Artillerie gesichert. Sie verfügen über Unterseeboote, die unheimlich wie Gespenster plötzlich da auf⸗ tauchen, wo der Feind sie am wenigsten vermutete. Sie kommen hoch in den Lüften in Zeppelinen und Flugmaschinen über den Gegner und werfen ihm die zündenden Bomben auf die Kriegsschiffe und in die menschengefüllten Transport- dampfer. Was die deutsche Marineverwaltung sonst noch an neuen Minen⸗ und Torpedomaschinen vorbereitet haben mag, wissen wir nicht. Und wenn wir es wüßten, würden wir uns hüten, dieses„Dessert“ der Ueberraschungen dem Gegner vor⸗ her anzukündigen. Es genügt ihm wohl die unerbittliche Dro⸗ hung, die in der Bekanntmachung des deutschen Admiral⸗ stabs liegt. England, jetzt hüte dich! Es geht aufs Ganze!
Donnerstag, 4. Februar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uniwersitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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Kriegsbriefe aus dem Westen.
Känig Ludwig von Bayern im Felde. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
. Metz, 1. Febr.
König Ludwig von Bayern besichtigte heute die hier auf der Esplanade in Paradestellung stehenden bayerischen Truppen und sprach sich über deren Haltung und Geist zu dem die Paradestellung befehligenden Kommandanten von Metz Exzellenz von Ingerleben sehr lobend aus. Hierauf fuhr der Monarch, der vorher schon seine in der Feuerlinie vor Verdun stehenden Truppen besucht hatte, im Kraft⸗ wagen zu auswärts liegenden österreichischen Motor⸗ mörserbatterien. Begrüßt von einem österreichischen Wachtkommando und dem von einem österreichischen Trom— peter geblasenen„Hab⸗acht“-Signal, nahm der König, ge⸗ führt von Oberst Langer und Hauptmann Ranciglio, das Geschützexerzieren einer Batterie ab. Der König zog hier⸗ bei auch die jüngeren Offiziere und einzelne Mannschaften ins Gespräch und zeigte sich sehr genau unterrichtet über alle technischen Einzelheiten der modernen Artillerie und ihrer Geschoßwirkung. Hierauf zog eine der anderen Batte⸗ rien in Marschkolonne vorüber, wobei die erstaunliche Be⸗ weglichkeit dieser gewaltigen Geschützriesen voll in Erschei⸗ nung trat. Der Monarch hielt mit seiner Anerkennung nicht zurück. Er sagte, daß es ihm eine besondere Freude gewesen sei, die österreichischen Motormörser mit eigenen Augen zu sehen; denn er schätze ihre Leistungen sehr hoch. Er hoffe, daß sie auch in der jetzt folgenden Kriegsperiode, welche dem deutschen Volke und seinen österreichisch-ungarischen Verbündeten den entscheidenden Sieg bringen möge, viel Großes und Schönes leisten würden.
Nachdem sich der König noch den jüngsten Unteroffizier des deutschen Heeres, Armin Krause, hatte vorstellen lassen, einen Gymnasiasten, der infolge besonderen Schneids im Feuer als Mitglied der Jugendwehr befördert worden ist, schied er mit gnädigen Worten des Dankes und der Segens⸗ wünsche von den österreichischen Offizieren.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Aufzeichnungen eines englischen Offiziers aus dem Gefecht bei Helgola d.
Während in der Nordsee das deutsche Geschwader mit dem englischen im Kampfe lag, hat ein Offizier des englischen Kriegs⸗ schiffes„Indomitable“ Muße gefunden, den Verlauf der Schlacht, wie er ihn sah, aufzuzeichnen, und auf Grund dieser⸗ Aufzeichnungen schildert er das Seegefecht in einem Briefe an seine Familie fol⸗ gendermaßen:. 5
„Gegen 7.30 Uhr erhielten wir Signale der Torpedoiäger⸗ flottille, die meldete, feindliche Schiffe, sieben Linienschiffe und 16 Torpedojäger, seien gesichtet worden. Mit großer Geschwindig⸗ keit begannen wir sogleich die Jagd auf den Feind, der bereits um⸗ gekehrt war und sich so schnell wie möglich auf seine Basis zurück⸗ uziehen suchte. Alles, was wir sehen konnten, war Rauch am Vortzont und Aufblitzen von Kanonenschüssen. Augenscheinlich griffen einige unserer leichten Kreuzer und Torpedoiäger den Feind an.„Lion“,„Tiger“ und„Princeß Royal“ gingen an die Spitze, ihnen folgte die„New Zealand“, und wir bildeten den Beschluß. Wir fuhren so schnell wie nie zuvor. Um 9.05 Uhr eröffnete der „Lion“ das Feuer auf mehr als 13 Meilen(20,8 Kilometer) und der„Tiger“ folgte. Ihre ersten Schüsse waren zu kurz Um 9.15 Uhr eröffnete das feindliche Spitzenschiff das Feuer, und seine Geschosse fielen 900 Meter vor uns nieder. Um 9.24 Uhr gelang es uns, das Ziel zu erreichen. Einige Geschosse fielen dicht beim Feinde ein, ein oder zwei trafen das Ziel. Noch waren die Schüsse des Feindes zu kurz: man bemerkte, wie sein letztes Schiff zurückblieb. Um 9.44 Uhr gelang es dem Feinde, mit seinem Feuer den„Lion“ zu erreichen Um 9.54 Uhr waren„Lion“,„Tiger“,„Princeß Royal“ der„New Zeäland“ weit voraus und im hestigen Gefechte, während „New Zealand“ dann und wann feuerte. Wir waren noch außer Schußweite. Um 9.55 Uhr geriet das Spitzenschiff des Feindes in Brand. Auch auf dem zweiten und dritten Schiff brach Feuer aus, aber die Deutschen fuhren fort, zu feuern. Um 10.45 Uhr brach an Bord des„Blücher“ Feuer aus, und 10 Minuten später drehte dieses Fahrzeug um und suchte sich der Schlacht zu entziehen. Um 11.10 Uhr veränderten wir unseren Kurs gegen die feindliche Linie, griffen das vierte Schiff an und konzentrierten uns dann
f den„Blücher“. In diesem Augenblicke war der„Tiger“ in
auf *—
Aus neuen Prozeßakten üden Beethoven.
Die zahlreichen Akten über Beethovens Prozesse, dis Mer Reinitz in den verschiedenen Archiven Wiens aufgefunden hat, beleuchten die Gestalt des Meisters von einer neuen Seite und zeigen, wie sehr ihm fein Leben gerade durch diese ewigen Strei⸗ tereien vor eee einem e ö der„Deutschen Rundschau“ gi r Entdetler der neuen a en einen genauen Ueberblick über die verschie⸗ denen Prozesse, in die wir hier Einblick erhalten Grade im Zenit seines es, im Kongreßjahr 1814, war Beethoven in eine Menge persönlich und vermögensrechtlich unangenehmer Pro⸗ zesß verwickelt. Von seinem Prozeß mit der Schwägerin Jo⸗ hanza von Beethoven und den sich daran anschließenden Streitig⸗ keiten mit dem Verleger Steiner ist bereits berichtet worden. Dazu kamen die beiden großen Gehaltsprozesse, die Beethoven um zahlung seiner Penston mit ürsten Lobkowitz und
Pension sehr schmolz. Fürst L aus reiner Liebe Seethoven unterstützte und Sinfonia Eroica und gewidmet hat, war damals geraten und
Bezahlung Versprechen zeit
au das Kläger kein Recht für Lebens⸗
eg also die Sache für Beethoven schlecht gerichtlich seinen Willen durch, indem volle Pension zu zahlen. icher Musiffreund“ Beethoven
denn neue Gehörmaschine versprach,
der] Jahre und endete schließlich
all seine Schmähungen und Drohungen nicht nachtrug, bemühte sich sogar, da er selbst unter Kuratell gestellt war, bei seinen Hauptgläubigern die Bezahlung der vollen Pension durchzu⸗ setzen, und diefe ist sogar noch nach dem Tode Beethovens an die Hinterlassenschaft entrichtet worden. In dem andern Pensions⸗ prozeß hatte Beethoven keinen persönlich so liebenswürdigen und versöhnlichen Gegner. Fürst Kinsky, der ihm die Pension aus⸗ gesetzt hatte, war gestorben, und seine Erben hatten kein Inter⸗ esse an dem Mrister, wollten also nicht mehr zahlen, als nötig war. Da Beethoven keine Beweise für das Recht seiner Forde⸗ rungen vorbringen konnte, mußte er nach einem langen. drei⸗ jährigen Prozeß einn maegern Vergleich schließen, indem die Kinskyschen Erben eine Aufbesserung der Pension um 471 Gul⸗ den gewährten. Ein dritter Prozeß, den Beethoven zur selben Zeit führte, spielt bereits auf künstlerisches Gebiet herüber; es war der Rechtsstreit mit dem Hof mechaniker Mäl⸗ zel wegen der Schlachtsinfonie. Die Gelegenheitskom⸗ position„Wellingtons Sieg“ oder„Die Schlacht bei Vittoria“ hatte Beethoven große Einnahmen gebracht. Nun nahm aber der bekannte Mechaniker Mälzel das Eigentum an diesem Ton⸗ werk für sich in Anspruch und führte es tatsächlich in München unter seinem Namen auf. Mälzel, der Beethoven für den von ihm konstruierten Metronom interessierte und ihm dafür eine 1—— 2„ 1 diese Schlachtsinfonie gefaßt; er soll auch alle Tromme märse
und a der französischen und englischen Melodien geliefert und noch verschiedene Ideen für die Ausführung gegeben haben. Beethoven selbst gesteht, daß ihm Mälzel für die Aus⸗ führung 30 Dukaten in Gold angeboten habe, und auf einer von ihm revidierten Partitur der Sinfonie steht sogar ausdrück⸗ lich der Vermerk:„Auf Wellingtons Sieg bei Vittoria geschrie⸗ ben für Herrn Mälzel von Ludwig van, Beethoven.“ Der Mecha⸗ niker hatte also jedenfalls ein tautorrecht an der Schlacht⸗ sinfonie, und der gegen 52*—9 1 8
rt wenig Aussicht auf Erfolg. Er lerte volle
Ae 2 mit einer Versöhnung beider Geg⸗ einem fröhlichen Feste. Zu all dem kamen dann noch Streitigkeiten mit seiner Schwägerin um den Behörden mit Eingaben, Klagen und Be⸗ Sogar nach seinem Ableben hatte Streitsachen Beethovens zu erle⸗ übersah Beethoven, Gesetze der rabulistisch.
ner bei die gerichtlichen St Neffen, wobei er die schwerden förmlich überflutete. das Gericht noch verschiedene Sti hen digen.„In Rechtsfragen,“ so urteilt Reinitz,„übersa wie dies bei genialen Menschen oft der Fall ist, die Kausalität Motivation; er handelte unklug, ja
ein Gefecht mit dem größten der feindlichen Schiffe verwickelt, dessen Geschosse um ihn herum einschlugen, ohne jedoch schweren Schaden zu tun. Um 11.15 Uhr verließ der„Lion die Schlachtlinie. Um 11.25 Uhr machte ich folgende Aufzeich- nung: Der Feind liegt im heftigsten Feuer. Es kommt gerade ein Zeppelin auf dem Schlachtfelde an. Beiden Türmen wird Be⸗ fehl erteilt, auf ihn, sobald es möglich ist, zu feuern. Wenige Mi⸗ nuten später wirft der Zeppelin Bomben auf unsere Torpedojäger, die sich angriffsbereit zwischen beiden Linien be⸗ finden Der„Meteor“ wird getroffen, entweder durch eine Bombe oder durch ein Geschoß des„Blücher“, und nimmt am Gefechte nicht weiter teil. Eine Minute später fällt eine Bombe etwa 35 Meter von unserer Brücke entfernt nieder. Unser hinterer Turm versucht das Lenkluftschiff mit einer kreis⸗ förmigen Schrapnellsalve zu entfernen, die gleichzeitig mit einer anderen, vom„Tiger“ abgegebenen erfolgt, und deren Geschosse ringsherum krepieren und zu dem Erfolg führen, daß das Luftschiff zum Rückzug gezwungen wird, ohne uns weiter belästigen zu können. In diesem Augenblicke steht der„Blücher“ in Flammen und wird seinem Schicksale überlassen; doch fährt er noch fort zu feuern, bis eins unserer Lydditgeschosse seinen Hauptmast über dem Be⸗ obachtungsturme trifft, der in Stücke geht. Der Anblick des „Blücher“ ist sehr eindrucksvoll. In seinen Seiten sieht man ge⸗ waltige Löcher, die Kanonen sind in unwahrscheinliche Winkel zu⸗ rückgezogen, und gewaltige Rauchmassen dringen aus seinen Flanken. Die Mannschaft ist auf dem Hinterteil versammelt, bereit, ins Meer zu springen. Die letzte Anstrengung des„Blücher“ gegen uns ist ein Torpedo, der beinahe das Vorderschiff getroffen hätte. Das Schiff hängt jetzt schwer über Ein leichter Kreuzer und zwei Torpedojäger nähern sich dem„Blücher“, um die Ueberlebenden aufzulesen, und um 12,25 Uhr verschwindet das Schiff im Wasser. Wir befinden uns in feindlichem Gewässer, nur 40 Meilen(64 Kilo⸗ meter) von der„Ems“, wahrscheinlich inmitten kreuzender Unter⸗ seeboote. Die großen Schiffe haben Kehrt gemacht, um den„Lion“ zu erreichen, und lassen eine kleine Einheit hinter sich, um das Rettungswerk zu Ende zu führen.“
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Zandel und verkehr, Bolkswirtschaft⸗
Fahrplankonferenz für den Sommerdienst 1915.
begann im Verkehrsministerium die Fahrvlankonferenz für den Sommerdienst 1915. Die Vertreter der deutschen und österreichisch-ungarischen Staatseisenbahnverwaltungen sowie der größeren Privatbahnen beider Länder und der Schiffahrtsunter⸗ nehmungen, ferner die Vertreter Dänemarks, Italiens, Lurem⸗ burgs, der Niederlande, Norwegens und der Schweiz nahmen an der Konferenz teil. Für die zweitägigen Beratungen sind bisher 102 Einzel vorträge angemeldet worden. Verlehrsminister v. Seid ⸗ lein begrüßte in der heutigen Hauptversammlung die
und führte aus:„Wenn wir beim Kriegsausbruch noch annehmen mußten, daß die für November vorigen Jahres in Aussicht ge⸗ nommene europäische Fahrplankonferenz gegenstandslos wäre, so ergab doch schon die im Dezember vorigen Jahres in Berlin ab⸗ * Fahrplanbesprechung der Eisenbahnverwaltungen von eutschland, Oesterreich⸗Ungarn, den Niederlanden und der Schweiz
regelmäßigen Fahrplanes Inzwischen hob sich das Wirtschaftsleben Deutschlands in erfreulicher Weise weiter. Wir stehen im Güter⸗ verkehr nur noch wenige Prozente hinter den gewohnten Ziffern des normalen Verkehrs. Auch der Personenverkehr auf den deut⸗ schen 8 übersteigt schon drei Viertel des Verkehrs in den gleichen Monaten des Vorfahres. Wenn auch der Reiseverkehr jetzt naturgemäß eine wesentliche Einschränkung erleidet, so sucht sich doch der internationale Verkehr in zunehmendem Maße innerhalb der durch den Krieg nicht geschlossenen Grenzen zu entfalten. Diese Entwicklung tunlichst zu fördern und zu unterstützen, wird die Auf⸗ 55 der Verhandlungen sein, zu denen wir Sie geladen haben.“— Darauf spra 0 1 bahnen den Dank der Versammlung aus Im Verlauf der weiteren Verhandlungen wurde beschlossen, die Wagenbeistellungs⸗ konferenz für Sommer 0 ö Uebergang direkter Wagen über die deutschen Reichsgrenzen wesent⸗ lich eingeschränkt worden ist. Hinsichtlich der für den Winterdienst notwendigen großen Fahrplankonferenz behält die baye⸗ rische Staatseisenbahn verwaltung zunächst die Geschäftsführung bei Sofern es die Verhältnisse gestatten, wird im Namen der Schweiz Konferenz tungen nach Bern einberufen.
aßnahmen, und zu
3 2* Heftige Affekte führten zu unvernünftigen M 1 wenn er mitunter
solchen zählten die Prozesse, die er geführt, auch den Zweck erreicht hatte.“
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„Feinde ringsum“ Von Alexander von Gleichen-Rußwurm. Uraufführung im Kasseler Hoftheater.
Aus Nassel wird uns geschrieben: Nun ist auch Urenkel Alexander von Gleichen⸗Rußwurm unter Bühnendichtern zu nennen, die eine fruchtbare Anregung aus dem großen Kriege unserer Tage empfingen. Freilich nur die Anregung, nicht etwa den Stoff. Ein Ereignis der antiken Welt wird in seinem „Spiel für ernste Zeit“— Feinde ringsum— zum Sym⸗ bol für die Gegenwart: 2.
„Nur einmal— blicken wir in ferne Zeiten— Stand ein gebildet Volk so in Gefahr
Und mußte sich zum höchsten Kampf bereiten,
Der ihm für höchstes Gut ein Ringen war.“(Prolog.)
In einer kleinen Folge knapper, lebendiger Szenen sind Her⸗ gänge vor und nach dem Kampfe bei Termopylä und der See⸗ schlacht bei Sala mis dargestellt: die Bedrängnis des Griechen⸗ volkes, seine wachsende tatenkräftige Begeisterung, seine über Partei⸗ gegensätze fortschreitende Einigung in der großen Schicksalsstunde, sein Wille zum Sieg über die persische Uebermacht. Am herrlichsten verkörpert sich dieser Wille in Themistokles, Durch seine Mutter dem Feinde verwandt, ist er doch keinen Augenblick darüber im Zweifel, welches sein wahres Vaterland ist. So spiegeln sich allent⸗ halben in dem Werke Stimmungen der Gegenwart wider Und durchaus ungesucht kommt diese Symbolik noch in mancherlei Gegen⸗ sätzen zum Bewußtsein: Hier wahrhafte Menschlichkeit und Durch⸗ geistigung der Kämpfer, dort asiatischer Despotismus, der nur auf das llebergewicht seiner stumpfen
Massen zählt, hier eine groß⸗ artige Steigerung und Zusammenfassung der im Volke vorhan⸗ denen sittlichen Werte, dort nur die kalte, schlaue Berechnung. Ohne im eigentlichen Sinne dramatisch zu sein, hat sich die Arbeit Gleichen⸗Rußwurms bei ihrer Uraufführung im Hoftheater doch als recht hühnenwirksam erwiesen. Die Uraufführung unter der Regie des Herrn Sieg war reich an Stimmung. Als* mistokles gab Herr Hahn einen kraftvollen, begeisterten und be⸗ geisternden Helden. Der lebhafte Beifall des Publikums rief am Schlusse die Hauptdarsteller und mit ihnen den Verfasser häufig vor den Vorhang. E. P. Z.
Schillers
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München, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Heute vormittag 1
die Möglichkeit der Herstellung eines den Verhältnissen angepaßten
Generaldirektor Zingg der schweizerischen Bundes⸗
1915 entfallen zu lassen, da zurzeit der 7
den
Anwesenden
die Generaldirektion der Schweizer Bundesbahnen diese rechtzeitig unter Beiziehung aller beteiligten Verwal⸗
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