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(2.2.1915) 27. Zweites Blatt
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weites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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DieSießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ ragen erschemen monatlich zwernal.

der Anbau von Flachs und han'.

Die Kriegsnot bringt besonders auf wirtschaftlichem Gebiete jetzt mancherlei Erfahrungen, auf die man früher weniger geachtet hatte. Heute, wo wir fast ausschließlich auf unsere eigene Kraft angewiesen sind, gewinnt manches Pro⸗ dukt erhöhte Bedeutung, das wir bisher vernachlässigt haben. Dazu gehören vor allem die Rohstoffe in der Textilindustrie.

lachs, Hanf und Wolle waren in der guten alten Zeit

toffe, die der deutsche Bauer und Landwirt mit Vorliebe zog und pflegte. Besonders in den oberhessischen Dörfern und Landgemeinden wurde der Flachsbau sowie die Schaf zucht bis vor zwei bis drei Jahrzehnten noch überall in einer Weise gepflegt, daß nicht nur der eigene Bedarf an Leinen und Wollwaren gedeckt, sondern darüber hinaus auch noch solche Waren an den Markt gebracht werden konnten. Es steht fest, daß die 9 Messe ihre Bedeutung zu einem großen Teile der Leistungsfähigkeit der hessischen Spinner und Weber im Vogelsberg und in der Wetterau auf der einen Seite und der Kaufkraft dieser Bevölkerung auf der anderen Seite verdankte, die ihre Bedürfnisse an Leder⸗, Schuh-, Ton⸗ und sonstigen nicht selbst verfertigten Waren auf der Frank⸗ furter Messe zu decken pflegte.

Die gute, alte Zeit, wo jeder Bauer in der langen Win⸗ terszeit hinter seinem Webstuhl saß und der weibliche Teil ich mit dem Spinnrad bekannt machte, ist leider vorbei. Der Hauch der modernen Maschinen- und Massenarbeit hat diese Art des Schaffens hinweggefegt. Die Qualität hat der Quan⸗ tität und dem billigen Preis weichen müssen, und so sst der Bauer und Landwirt von dem Anbau von Flachs und Hanf abgekommen; er lohnte sich nicht mehr. Der Flachsbau wird in Deutschland heute eigentlich nur noch in Schlesien betrie⸗ hen, während er in allen anderen deutschen Bezirken mit 2 Landwirtschaft eine untergeordnete Bedeu ung hat.

Der Krieg wendet nun das Interesse der maßgebenden öffentlichen Organe wieder dem Anbau von Flachs und Hanf zu. Es gilt unserer Heeresverwaltung, die vermehrten Men⸗ gen an unentbehrlichen Leinenwaren und Hanfseile aller Art aus dem Inlande zu schaffen. Da ein vaterländisches Inter⸗ esse in Frage steht und erhöhter Bedarf, sowie erhöhte Preise winken, dürfte der Flachsbau für die Landwirtschaft auch wieder rentabler zu gestalten sein. Die Schwierigkeiten, die bisher den Landwirt abhielten, Flachs zu bauen, lag in der schwierigen und umständlichen Art der Zubereitung des spinnfähigen Flachses. Mit dem Verkauf von Stengelflachs aber dürfte der Tandwirtschaft kaum gedient sein. Der Flachs muß aufbereitet, d. h. geröstet, getrocknet, gebrochen und geschwungen werden, um als Spinnflachs Absatz zu fin⸗ den. Denn nur auf diese Weise kann sein Absatz leichter er⸗ möglicht und sein Anbau rentabler gestaltet werden. In wasserarmen Gegenden würden sich für das Röstverfahren Die Tauröste empfehlen, da sie billiger zu ermöglichen sind. Für den Hanf läßt sich die Bearbeitung unter Umständen wesentlich vereinfachen Mit heißem Wasser und unter Be⸗ nutzung von Brechmaschinen ist es möglich, den Hanf in drei bis vier Tagen spinnfähig herzurichten, wodurch dem An⸗ bauer die sonst so lästigen Röste und das Brechen erspart bleiben. Man kann den Rohhanf zu guten Preisen an die Haufbearbeitungsfabriken abgeben. 3 ist, daß zum Anbau in größerem Maßstabe das benötigte Land frei wird. Und da kann darauf verwiesen werden, daß eine Einschrän⸗ kung des Zuckerrüben⸗Anbaues dem Flachs⸗ und Hanfanbau wesentlich förderlich sein kann. Da das Zucker⸗Ausfuhr⸗Ver⸗ bot die Absatzmöglichkeit beschränkt, wird der n Anbau in dem bisherigen Umfang an und für sich nicht mehr möglich sein und ein Teil der Rübenlandfläche zur Verfügung stehen. Tatsächlich sind auch schon Tausende von Morgen zu diesem Zwecke für den Anbau von Hanf zur Verfügung ge⸗ stellt worden. Ein von dem Verband deutscher Hausindustriel⸗ ler in Verbindung mit der Rohstoffabteilung beim Reichsamt des Innern gebildeter engerer N die Angelegen⸗ heit nach jeder Richtung zu jördern. Wie verlautet, sollen diesem Ausschuß bereits 1600 Morgen Anbauzeichnungen vorliegen und zwar meistens von landwirtschaftlichen Ver⸗ einen der östlichen Provinzen. Auch in den westlichen Pro⸗ vinzen und im Königreich Sachsen bringt man den Bewegun⸗

diealtdietsche Bewegung bei den blamen.

Im g ärtigen Augenblicke, wo es eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Politik wie des deutschen Volkes sein muß, die vlämisch sprechenden Teile Belgiens für den germa⸗ ni Gedanken und für den Anschluß an das deutsche Geistes⸗ leben wiederzugewinnen, verlohnt es wohl der Mühe, die älteren Bestrebungen dieser Art auf deutscher wie auf vlämischer Seite kennen zu lernen. Diese Bestrebungen würdigte Prof. Dr. Konr. Borchling in einem prächtigen, der Vereinigun Quickborn zu Hamburg gehaltenen Vortrage. Deutf. Gelehrte und deutsche Dichter haben in allen Entwicklungsphasen der vlämischen Bewegung des 19. Jahrhunderts, ehe sie rein volitisch wurde, kräftig mitgeholfen, den germanisch miederdeutschen Charakter des vlämischen Volkes zu stärken und seiner Kraft bewußt zu machen. In den ersten Jahrzehnten nach 1830, als es galt, dem vlämischen Volk erst einmal wieder ein Stammes⸗ bewußtsein zu schaffen, hat Heinrich Hoffmann von Fallersleben in den 12 Bänden seinerHorae Belgteae die schönsten Denkmäler aus der Blütezeit der altvlämischen Dich⸗ tung zu neuem Leben erstehen lassen. In enger freundschaftlicher Verbindung mit den Führern der vlämischen Bewegung hat er durch seine prachtvollen Lieder an Blaemsch⸗Belgien, durch be⸗ geisternde Trinksprüche, wie durch die zarte Lyrik seiner dem Stil der altniederländischen Poesie täuschend nachgebildetenLo⸗ verkens die junge Bewegung wirksam gefördert. Nicht so ins Auge fallend, aber dennoch bedeutsam genug ist etwas später der Einfluß unseres Klaus Groth gewesen, dessen Stellung als Führer der neuniederländischen Sache wohl nirgends so uneingeschränkt anerkannt worden ist wie in den Niederlanden. Als Groth 1861 zum erstenmal persönlich auf dem Niederlän⸗ dischen Kongreß in Antwerpen erschien, lernte er hier den Stadt⸗ bibliothekar von Antwerpen Dr. C. J. Hansen kennen, der erade ein Jahr vorher durch seineReisbrieven uit Dietsch⸗ and en Denemark ein neues Programm, das derAlldietschen Bewegung, aufgestellt hatte. Ihm schwebte nichts weniger als die sprachliche und literarische Einigung der gesamten niederdeutschsprechenden Lande von Dünkirchen bis Königsberg vor. Zu diesem Zwecke hatte er zunächst einealdietsche Schryfwyze aufgestellt, nach der Blamen, Hol-

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1065. Jahrgang

ießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

gen großes Interesse entgegen und man rechnet damit, dem- nächst 4 bis 5000 Morgen Land zur Verfügung zu haben.

Auch die Beschaffung der erforderlichen Samenmengen, wegen deren man Schwierigkeiten befürchtete, scheint ge sichert zu sein. Vor allem wird es aber auch erforderlich sein, daß die Landwirte den einheimischen Samen für die Aussaat, soweit möglich, festhalten und ihn nicht als Schlaglein ver wenden. Rußland, unser Hauptflachslieferant, wird den Samen natürlich ebenso festhalten wie den Flachs, deshalb kann von dorther nicht mit der Zufuhr von Leinsamen ge⸗ rechnet werden.

Wenn zunächst unsere Landwirtschaft ihr Hauptaugen⸗ merk auch auf den Getreidebau zu richten hat, um unsere Volksernährung in erster Linie sicher zu stellen, so liegt es gleicherweise in ihrem Interesse, sich in der Zukunft wieder mehr mit dem Flachs- und Hanfbau vertraut zu machen, für die heute neue Aufgaben gestellt werden. Vielleicht kann auch daraus unserer Landwirtschaft erhöhter Nutzen erwachsen.

Ein Besuch im Berner postamt der Kriegs vefangenen.

Wie viele Gedanken und Hoffnungen deutscher Herzen, die um ihre kriegsgefangenen Lieben in Sorge sind, schweifen jetzt nach dem großen Austauschpostamt in Bern, wo täglich durchschnittlich 160 000 Postsachen von Kriegsgefangenen einlaufen, um von dort in die feindlichen Länder weiterbefördert zu werden! Das neutrale Bern ist so zum Bindeglied geworden für alle durch die rauhe Hand des Krieges Getrennten, und ein Blick in den riesenhaften Postbetrieb, der sich hier entfaltet, eröffnet zugleich eine Ahnung von unzähligen rührenden und traurigen Schicksalen, die mit diesen Postsendungen verknüpft sind. Der Berichterstatter Ernst Smith, der jüngst durch Vermittlung des Generaldirektors der schweizerischen Posten Stäger und unter Führung des leitenden Direktors der Gefangenenaustauschpost Breny die seltene Gelegen- eit fand, diese Zentralstelle zu besuchen, erzählt von der Unmenge chwarzumränderter Kuverts, die hier durch die Hände der Post⸗ beamten gehen. Die schweizerische Regierung hat die kostenlose Vermittlung von Nachrichten, die Kriegsgefangene an ihre Ange hörigen oder umgekehrt geben wollen, bereits kurz nach Ausbruch des Krieges übernommen. Eine besondere Abteilung beschäftigt sich nur mit der Ueberweisung von Geld an die Gefangenen. In Deutschland sowohl wie in Frankreich müssen Postanweisungen von ganz bestimmter Größe und Färbung für die Geldsendungen an Gefangene verwandt werden; sie sind an dieDurchgangspost in Bern zu adressieren. Hier werden sie durch eine Schweizer Postanweisung auf gelbem Papier ersetzt, auf die hin dann in Deutschland oder Frankreich die Auszahlung erfolgt. Nicht weniger als 40 weibliche Postbeamte sind eifrig damit beschäftigt, die Einzel⸗ heiten der französischen oder deutschen Anweisungen auf die Schwei⸗ zer Formulare zu übertragen, und während die Anweisungen häufig mit einer Verspätung von 1215 Tagen von der ursprünglichen Aufgabestelle nach dem Berner Bureau gelangen, erleiden sie dort keine Verzögerung, die drei Tage übersteigen würde.Neu⸗ 8 sah ich einen. urch, berichtet Smith. fan ganz geringe räge von 1 Mark oder 50 Centimes, aber die durchschnittliche Summe, die an die Gefangenen gesandt wird, beläuft sich auf 5 Mark oder 5 Franks. Vom 1. September bis zum Ende des Jahres 1914 hat die Berner Durchgangspvost 221687 Postanweisungen im Werte von 3 576 756 Franks befördert, die von französischen Ge⸗ fangenen nach Deutschland geschickt wurden, und 61645 An⸗ weisungen im Werte von 1 195 614 Franks, die an deutsche Ge⸗ fangene nach Frankreich gingen.

Seit dem 1. Dezember besteht eine ganz gleiche Organisation, die die Vermittlung von Geld an die russischen Gefangenen in Oesterreich⸗Ungarn und an die österreichisch⸗ungarischen Gefangenen in Rußland in die Wege leitet. Da die schweizerische Postanweisung wieder nach Bern zurückkommen muß zur Feststellung der Summe, die an die Gefangenen des betreffenden Landes ausgezahlt worden ist, so wird sie zugleich zu einem wertvollen Dokument über das Schicksal der 5 Schon oft haben diese Postanweisungen dazu gedient, um Auskunft darüber zu geben, ob ein Vermißter noch am Leben ist. Die andere Abteilung des Austauschvostamts, die die Expedition von Briefen, Postkarten und kleinen Paketen an die Kriegsgefangenen übernimmt, ist nicht weniger interessant. Diese Arbeit wird ebenfalls kostenlos von der Schweizer Militär post geleistet, die von besonders sprachkundigen Sortierern unter- stützt wird. Weder die deutschen noch die französischen Postbehörden sortieren bereits die Korrespondenz der Kriegsgefangenen mit ihren Angehörigen. Wenn der Brief von einem Kriegsgefangenen kommt, so erhält er nur von der Zensur einen Stempel mit dem WortGeprüft. Täglich kommen nun etwa 120 Säcke mit unsortierten Briefen, die in Frankfurt a. M. und in Pon⸗ talier gesammelt werden, auf dem Durchgangs vostamt in Bern an.

länder und Niedersachsen gleichmäßig gut ihre eigene Sprache schreiben und die des andern sollten lesen können. Hanse faßte die e Gemeinschaft aller niederdeutschen Stämme unter der Be⸗ zeichnungDietsch zusammen, seinemDietschland stellte er das hochdeutscheDeutschland und Skandinavien als Schwestern zur Seite Hansen war es heiliger Ernst mit der Verschmelzung der vlämischen und der plattdeutschen Sprachbewegung, aber dieser Idealität hatte leider allzu wenig reales politisches Verständnis. Sein Hauptfehter war die Unterschätzung des Hochdeutschen und seiner Stellung in Deutschland; ihm war Deutschland immer nur das Land der Dichter und Träumer, die deutsche Einheitsbe⸗ wegung des 19. Jahrhunderts war diesemAlldietschen unbe⸗ kannt und unverständlich. So ist denn der Krieg von 1870/71 und die Begründung des neuen deutschen Reiches die stärkste Hemmung des alldietschen Gedankens geworden, wie er ja über⸗ baupt unsere Beziehungen zu Belgien sehr ungünstig beeinflußt bat. Zwar hat Hansens liberaler Antwerpener Kreis seine all⸗ dietschen Gedanken noch bis in die 80er Jahre hinein treu fest⸗ gehalten, aber dieser Kreis verlor in den politischen Kämpfen der letzten Jahrzehnte immer mehr an Zahl und an Einfluß, und das politische Vlamentum verbündete sich immer mehr mit dem Klerikalisfrus, der Deutschland seit dem Kulturkampfe ab⸗ lehnend gegenüberstand. Hansen erlebte es noch, daß im Jahre 1898 eine von deutschen, holländichen und vlämischen Gelehrten und Politikern unterstützte ZeitschriftGermania seine alten Ideen, jetzt aber im Sinne unseresAlldeutschen Verbandes, wieder aufnahm. Aber auch diese Zeitschrift ging nach einigen Jahren wieder ein. Seitdem ist nichts geschehen, um das geistige Band zwischen Vlamen und Deutschen fester zu knüpfen, und es bedurfte erst der gewaltigen Aufrüttelung des Wellkrieges von 1914/15, um uns Deutsche aufs neue unsere heilige Pflicht gegen das vlämische Volk zu lehren.

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Madame Sans ⸗Gene als Oper. Die Urauf⸗ führung der OperMadame Sans-Gene von Umberto Gior⸗ dano hat im New Porker Metropolitan Opera House am Montag mit einem starken Erfolge stattgefunden. Man sah dem neuen

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e.

dienstag, 2. Februar 4015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersiäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschastsstelle u. Verlag: S 5l, Schrist⸗

leitung: 112. Adresse für Draotnachrichten⸗ 4 Anzeiger Gießen.

uchte, waren besonders viele und 5 e da, die alle das Datum von Neujahr trugen und den franzöosischen Kriegsgefangenen in Deutschland Grüße und aute Wünsche übermitteln sollten. All diese Briese werden in Bern sofort sortiert und in Pakete verpackt, die alle Schreiben an ein und dasselbe Gefangenenlager oder Lazarett enthalten, oder die Briefe werden nach den Städten geordnet, in denen die Angehörigen der Gefangenen laut Adresse wohnen. Die wenigen, die übrig bleiben, haben allen Versuchen der Entzifferung widerstanden und müssen als unbestellbar zurückbehalten werden. Von den Schwierigkeiten der Lesung, die häufig vorhanden sind, wußte Direktor Breny viel zu erzählen. Die Leute haben nicht selten nur mündlich den Ort erfahren, in dem ihre Angehörigen sich als Gefangene befinden, und sie schreiben ihn nun, wie sie ihn nach der Aussprache verstanden haben. Da gibt es viel zu raten; aber die Beamten, die über vorzügliche Sprachkenntnisse und große a Uebung verfügen, leisten geradezu Wunder in der Entzifferung der unleserlichsten Adressen. So sind z. B. Dutzende von Briefen 155 aus Frankreich nachSibirien adressiert. Die Bamten wissen schon, daß dasSchlesien heißen so l Das ffanzösischeSils ste klingt leicht wie das bekanntereSibsrie, Im onat Dezember wurden in Bern 2158 240 Briefe und Postkarten und 68 321 Pa⸗ kete an französische Kriegsgefangene in Deutschland und 1871 708 5 Briefe und Postkarten und 50868 Pakete an deutsche Kriegs⸗ gefangene in Frankreich befördert. Die Zahl der Sendungen wächst immer mehr. Die durchschnittliche Ziffer von Postsendungen, die die Berner Gefangenenvost passieren, belief sich im Januar auf 160 000 Briefe und Karten.

Aus Stadt und Cano.

Gießen, 2. Februar 1915. * Aufnahme der Getreide- und Mehlvor⸗ räte. Unter Hinweis auf die Belanntmachungen des Ober⸗ bürgermeisters im Anzeigenteil der gestrigen und heutigen Nummer sei bezüglich der Meldepflicht nochmals dar⸗ auf hingewiesen, daß nach den gesetzlichen Bestimmungen 3 jedermann, auch der Vorstand einer Privat⸗ haushaltung»der in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar irgendwelche Vorräte an Getreide Beizen auch Dinlel und Spelz, Roggen, Hafer; und Mehl(Weizen⸗ mehl, auch gemischt, Roggenmeh., Hafermehl, Gerstenmehl) 33 in Gewahrsam hat, anzeigepflichtig ist. Die Meldevordrucke werden den einzelnen Haushaltungen zugestellt. Wer wider Erwarten bis 5. d. M. keinen Vordruck erhalten hat, hat dies im Stadthaus, Gartenstraße 2 Zimmer 8 an⸗ zuzeigen. Das Gewicht der Vorräte ist in Zentnern oder in 4

Teilen von Zentnern dann anzugeben, wenn die vorhandenen Vorräte insgesamt zwei Zentner und darüber wiegen. Diejenigen, deren gesamten Vorräte an Getreide und 8 Mehl das Gewicht von zwei Zentnern nicht erreichen, oder 3 die gar keine Vorräte haben, haben auf dem vorgeschrie⸗ 5 benen Vordruck durch Unterschrift nach bestem Wissen und Gewissen zu versichern, daß das Gewicht der Vorräte ins⸗ esamt nicht mehr als zwei Zentner beträgt. Die Ein⸗ 5 der Vordrucke erfolgt am 4. und 5. d. M. Es ist dringend notwendig, daß die Formulare alsbald 15 5 Erhalt ausgefüllt werden; die ausgefüllten Formulare sind 5 zu unterschreiben und zur Abholung bereit zu halten.'s wird von der Gießener Bevölkerung erwartet, daß sie in richtiger Erkenntnis der nationalen Notwendigkeit durch ge- naue Befolgung der Gesetzesvorschriften den Zweck dieser Erhebung fördern hilft. Obgleich nicht anzunehmen ist, 1 daß jemand in 1 Stadt seine Anzeigepflicht gar nicht oder wider besseres Wissen und Gewissen nachkommt, sei doch auf die Strafbestimmung aufmerksam gemacht, die im Uebertretungsfalle Gefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu 1500 Mk. vorsieht und die Behörde er⸗

mächtigt, im Zweifelsfalle die Vorratsräume zu untersuchen und die Bücher prüfen zu lassen. 1 ** Die Liebesgaben für das Bischweilen Regiment sind am 16. Januar zur Truppe gelangt und am 19. Januar verteist worden. Nachdem schon in den letzten Tagen an die Angehörigen und das Rektorat der Universität eine Reihe von Bestätigungen gelangt war, die sich alle hocherfreut aussprachen, hat das Rektorat nunmehr von Herrn Oberst Rott ein ausführliches Schreiben er⸗ 5 halten, aus dem wir folgende Sätze als ein Dokument für das Regiment und die Gesinnung seines Führers für seine

Soldaten und ihre Angehörigen hervorheben:

Ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der mächtigen Weih⸗ nachtssendung, die ih heute habe auspacken und aufstapeln lassen.

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An dem Tage, wo ich die Post bes schwere französische Säcke

gekündigt und verschoben worden war; in dieser Spielzeit wird es die einzige Neuheit bleiben. Das Libretto von Renato Simoni schließt sich sehr au an das Schauspiel Sardous an; nur daß der Verfasser versucht hat, es den Bedürfnissen der Oper anzu⸗ 1 passen. Obwohl die englische Uebersetzung sehr unvollkommen war, gefiel die Bearbeitung allgemein; besonders wurde die Lebhaftigkeit des Dialogs, das leichte Dahinfließen der einfachen Verse und die gute Charakterzeichnung hervorgehoben. Das Buch gab für Gior⸗ dano jedenfalls eine gute l für seine gefällige und melo⸗ dische Musik, die von den Sängern sehr gut gesungen wurde. Der Tenor Martinelli stellte den Sergeanten, späteren Marschall Le⸗ febpvre dar, der Bariton Amato war Napoleon, ausgezeichnet in der Maske. Segurola stellte den Polizeiminister Fouchs dar, und die Rolle der Madame Sans⸗Gene war der Farrar anvertraut, die sie mit Feuer und unwiderstehlicher Lebhaftigkeit verkörperte. Auch die anderen weniger wichtigen Rollen waren hervorragenden Künst⸗ lern anvertraut. Die Musik Giordanos zeichnet sich durch ihre Klarheit aus; sie hat eine Fülle von guten, leicht verständlichen Motiven und ist sehr sangbar. Nach dem Erfolg des ersten Abends wird dem Werke von Felice Ferrero im Corriere della Sera eine lange Laufbahn auf der Bühne prophezeit.

Ein neues Drama von Sem Benelli. Wie aus Rom berichtet wird, hat der auch bei uns bekannte Dramatiker Sem Benelli ein neues Drama verfaßt, das sich in einer merkwür⸗ digen allgemeinen Form mit den Kulturproblemen der Gegenwart befaßt, die er natürlich ganz vom Standpunkt der lateinischen Rasse ansieht. Das neue dramatische Gedicht in vier Akten be⸗ titelt sichDie Hochzeit der Centauren. Ex hatte schon früher die Hochzeit der nordischen Eindringlinge auf die Bühne gebracht und dabei zeigen wollen, daß die barbarischen Stämme die lateinische Kultur nicht zu beherrschen vermögen. Auch das neue Drama will, wie versichert wird, in einer sehr ausdrucksvollen Form diese brennende Leidenschaft siegreicher und besiegter Stämme darstellen. Die Uraufführung des Werkes ist in Vorbereitung. Die Wahl der Darsteller stößt auf ziemlich große Schwierigkeiten, 5 deshalb, weil die Schauspielerin, die die Hauptrolle geben soll, von ganz außerordentlicher Schönheit sein muß. g

Werke des italienischen Maestro mit um so größerem Interesse

entgegen, als es schon seit mehreren Jahren immer wieder an⸗