Ausgabe 
(1.2.1915) 26. Zweites Blatt
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Hermann Albrecht aus Dübelsbeim. Musketier Friedr. Zimmermann aus Friedberg. Kriegsfreiw. Georg Kru p⸗ pert, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Hartershausen. Kriegsfreiw. Emil Ziesing, Res.⸗Inf⸗Regt. 116, aus Darmstadt. Ersatz⸗ Res. Oskar Preuß, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Darmstadt. Kriegsfreiw. Harry Bauer, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Weil⸗ burg.. Vizefeldw. d. Landw. Bauführer Herm. Otto Schmidt aus Pohl⸗Göns Bürgermeistereigehilfe Friedrich Reifen⸗ berg, Res.⸗Inf.⸗Regt. 221, aus Worms. Res. Carl Dil l⸗ mann aus rndorf.

* * Ritter des Eisernen Kreuzes: Vizewacht⸗ 5 meister Nagel aus Bad Ems, Hus.⸗Regt. 11. Musk. Josef 4 Schneider aus Thalheim. Uffz. d. R. Joh. Malm aus 5 Weroth, Kreis Westerburg, 5. Garde⸗Regt zul Fuß. Erich g Hanner aus Büdingen. A. Manz aus Württemberg, 4 langjähriger erster Verwalter auf dem Erbacherhof bei Büͤ⸗ 1 dingen. Gefr. Habermehl vom Stadtbauamt Wetzlar, 2 Pion.⸗Regt. 25. Lehrer Anton Viehmann, Vizefeldw. im 5 Res.⸗Inf.⸗Regt. 118, Lehrer Wilhelm Viehmann, Vize⸗ feldw. im Res.⸗Inf.⸗Rgt. 118, Pionier Johannes Reitz, sämtlich aus Hochelheim. Res⸗Leutn. Fr. Schmalz aus Hungen, Res.⸗Inf.⸗Regt. 222. Oberlehrer Dr. Hasler aus Büttelborn, Leutn. in der gemischten Ersatz⸗Brig. Regt. 87. Gefr. im Res⸗Regt. 202 Jost Klein aus Bracht. Einjähr. Ufsz. im Inf. t. 118 Johannes Raab, Lehrer an der Knabenschule in Offenbach. Führer der Fernsprechabt. im Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116 Vizefeldw. August Langsdorf. Vizefeldw. Gg. Lang und Uffz. J. Noll aus Storndorf. Unterförster 91515 Eiffert aus Strebendorf. Vizefeldw. Feik aus Gießen, Inf.⸗Regt. 116.

Hohe Brotpreise. Eine Folge des Weltkrieges sind u. g. die hohen Brotpreise. In Gießen kostet heute ein fund Kriegsbrot, wie es unsere Bäcker herstellen, 18 Pfg. Das erinnert an frühere Zeiten. Vor uns liegt eine in Zinn geprägte Medaille, deren Rückseite folgenden Text hat: 1772. Das J. Viertel Jahr Da War Die Theu⸗ rung Sogrohs Das Viel 1090 Für Hunger Ver⸗ 0. Das Pfd. Brod kostete 12 Kr. In Saxen 18 Pfennig. Joh. Ch. Reich in Fürth. Auf der Vor⸗ derseite der Medaille hält ein aus Wolken gestreckter Arm eine Wage; in deren einer Schale, die hoch geschnellt ist, liegt ein Brot, in der andern befindet sich ein Gewichtsstück. Der hin⸗ zugefügte Text dieser Seite weist auf Psalm 34, 11. Vers, hin, dann heißt es: Die Reichen Müssen Darben und Hungern. Interessant ist, was die auf Anordnung des Stadtvorstandes 1865 herausgegebene Uebersicht aus der Geschichte Gießens sagt. Aus dem Jahre 1777 berichtet diese allerdings lückenhafte Chronik von keiner Not in unserer Stadt, wohl aber heißt es darin: 1817 Eine große Teuerung folgt dem Krieg. Das Malter Waizen galt 30 fl. Korn 20 fl. Man zeigte uns aber aus jener Zeit nach dem Freiheits⸗ 15 1818. eine kleine Kupfermünze, die nach ihrer Aufschrift 18161817 der Elberfelder Korn⸗Verein zur Erinnerung an die damalige schwere Not hatte prägen lassen. Auf den beiden Seiten der Münze steht die Mahnung: Kauft In Der Zeit 1816, So Habt Ihr in der Not ein Brod 1817. Ob sich jemand findet, der zur Erinnerung an

das teure Brot heuer auch eine Medaille prägen läßt?

0* Das Deutschtum im Auslande. Im Frank⸗ urter Völkermuseum wurde Freitag mittag eine Ausstellung eröffnet, die in hervorragender Weise einen Ueberblick über die Verbreitung der Deutschen auf dem Erd⸗ balle darbietet. Zahlreiche Karten und anschauliche Sta⸗ tistiken führen in das Verständnis für die Bedeutung des Deutschtums um die Kultur ein; sie bringen aber auch die überraschend und weiteren Kreisen nur wenig be⸗ kannte Verbreitung der Deutschen über die Erde und ihren Anteil an der Zusammensetzung der n Nationen 0 Veranschaulichung. Auf der Erde sind rund 95 Millio⸗ nen Deutsche; davon wohnen 63 lionen im Deutschen Reich, 32 Millionen im Auslande, von letzteren besitzt nur 1 Million die deutsche Reichsangehörigkeit. Am stärksten vertreten ist das Deutschtum in der Schweiz, in den russi⸗ schen Ostseeprovinzen und Polen. In den Vereinigten Staa⸗ ten stehen die Deutschen an zweiter, in Kanada erst an fünfter Stelle. Vortrefflich ist die Sonderausstellung der Baseler Mission, die in das geistige Arbeitsfeld des Dieutschtums einführt und ihre gesegnete Arbeit an einer Fuülle von Dokumenten erhärtet. Die Mission arbeitete vor dem Kriege auf 71 Hauptstationen mit 425 europäischen Ie sie stellte in allen ihren Feldern Wörter⸗, ks⸗ und Schulbücher, Bibeln und Grammatiken in der Sprache der Eingeborenen her. Ein Engländer tat das bisher nicht. Ein Meisterstück deutschen Fleißes ist das 1200 Seiten starke, in Englisch⸗Tulu⸗Canaresisch verfaßte Wörterbuch, die Lebensarbeit des Missionars Kittel. Wert⸗ volle Proben deutscher Kulturarbeit aus Kamerun, China, Persien, Südamerika usw. usw. schließen 5 an. Im Hin⸗ blick auf die gegenwärtigen Zeitumstände besitzt die Aus⸗ 3 einen Wert, der weit über das lokale Interesse inausragt. * Bekleidungsbeschaffungsamt. Es wird von der Handwerkskammer Darmstadt nochmals darauf hingewie⸗

n *

5 sen, daß vom 1. Februar 1915 ab das neu errichtete Be⸗ kleidungsbeschaffungsamt in Berlin, Budapester⸗ 0 straße 132, den Bedarf an verschiedenen Heeresausrüstungsgegen⸗ ständen, z. B. Helmen, Tornistern, Trägerriemen, Patronen⸗ llaeaschen, Pistolentaschen, Leibriemen, Säbelkoppel, Ueberschnall⸗ koppel, Mantel⸗ und Kochgeschirriemen, Karabinerhalterriemen, 5 den Krieg trefflich durch. In anderen Orten unseres Vater⸗ landes ist es sicherlich ebenso.

5 Französische Pensionäre. Frankreich war seit jeher . geneigt, sich mit einer glänzenden Vergangenheit über trübe gegen⸗

wuärtige Zustände hinwegzuhelfen. Die Heerführer und Marschalle des ersten Kaiserreiches spielen noch heute in der Volksphantasie eine ungeheure Rolle und nicht allein das: ihre lachenden Erben machen sich aus der Dankbarkeit des französischen Volkes vergnügte Tage. Es dürfte kaum allgemein bekannt sein, daß die heute le⸗ benden Nachkommen Alexandre Berthiers, des Fürsten von Wagram, außer dem Präsidenten der Republik, das höchste Staats⸗ einkommen in Frankreich beziehen. Der Urenkel Berthiers be⸗ kommt heute dreimal soviel, wie der Präsident der Deputiertenkam⸗ mer. Den Erben des Marschalls und Fürsten von Eßlingen, Masséna, wird ein jährliches Gehalt von etwa 84000 Fran⸗ 15 70 P während sich z. B. der Präsident des Senats mit 72 Franken begnügen muß. Die Nachkommen Mortiers, des Herzogs von Treviso, erhalten etwas weniger, 66 000, die des Herzogs von Massa 51000 Franken. Neben diesen Enkeln Aaiserlicher Heerführer beziehen a eine Anzahl ganz obskurer Leute Pensionen, weil ihre Groß⸗ oder Urgroßväter vielleicht Kammerdiener oder Leibkoch beim Kaiser gewesen sind. Der selt⸗ samste Name auf dieser Liste der französischen Pensionäre aber ist zweifellos der des Königs von Schweden. Als Nachkomme Bernadottes bekommt er jährlich 16 468 Franken und 45 Cen⸗ times, wie er sich auch immer der französischen Republik gegenüber verhalten mag. Und Bernadotte selbst, der ja später gegen Frank⸗ reich kämpfte, hatte nie über eine Unregelmäßigkeit in der Aus⸗ zahlung seines Gehaltes 1 Hagen. Die Ney, Masséna, Berthier gehören heute zu den offensten Gegnern der Republik ihre Einkünfte werden dadurch nicht geschmälert.

Feldflaschen, Trinkbecher, Kochgeschirre usw. decken wird. Die An⸗ gebote auf derartige Ausrüstungsgegenstände können an die Hand⸗ werkskammer Darmstadt unter genauer Angabe, welche Gegenstände und für welchen Heeresbezirk geliefert werden soll, gerichtet wer⸗ den. Die Handwerkskammer vermittelt die Weitergabe. Die Korpsbekleidungsämter, die seither in dieser Hinsicht zuständig waren, scheiden vom 1. Februar 1915 ab für die Dauer des Krieges für diese Gegenstände aus. Dagegen verge⸗ ben diese Aemter nach wie vor die Lieferungen von Uniform⸗ stücken, Mäntel, Röcke, Hosen und dergl. Da nach Bekanntgabe der Heeres verwaltung fortgesetzt an die Korpsbekleidungsämter irrtüm⸗

genstände gerichtet werden, die bei der enormen Arbeitsbelastung keine Beantwortung finden können, so wird den Handwerkszweigen im eigensten Interesse empfohlen, sich mit den neu getroffenen Anordnungen vertraut zu machen. Die Handwerkskam⸗ mer Darmstadt ist jederzeit bereit, zur Erlangung von Aufträ⸗ gen behilflich zu sein, wie sie es sich auch angelegen sein läßt, durch Schaffung geeigneter Organisation einem möglichst großen Kreis von Handwerkern Arbeitsmöglichkeit zuzuführen. Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M., 1. Febr. In der Offenbacher Faß⸗ fabrik Wilhelm Vogler in der Sandgasse, die in dem ältesten Stadtteil gelegen ist, war am Samstagabend kurz nach Feier⸗ abend ein Großfeuer ausgebrochen, das bei den reichen Holz⸗ vorräten rasch um sich griff und alsbald einen recht bedrohlichen Charakter angenommen hatte. Im Nu stand das vor einigen Jahren neuerbaute Fabrikgebäude, in dem die sogen. Zylinder⸗ fässer hergestellt werden, in hellen Flammen. Diese drohten auf die übrigen Gebäude sowie anschließenden Wohnhäuser der Alt- stadt überzuspringen. Die Situation war außerordent⸗ lich gefährlich, da der ganze Straßenzug der Altstadt mit seinen alten Gebäulichkeiten und seiner dichten Bevölkerung stark gefährdet wer. Dem Fabrikgebäude, in dem das Feuer zum Ausbruch kam, sind zwei Wohnhäuser vorgelagert, von denen das eine nur wenige Meter von diesem getrennt ist. In dem einen waren bereits sechs kleine Kinder zur Ruhe gebracht, während dicht daneben die Flammen hoch aufloderten. Glück⸗ licherweise aber konnten diese sowie die übrigen Hausbewohner gerettet werden. Als die Feuerwehr, die mit der Motorspritze, der Dampfspritze sowie der übrigen Löschbereitschaft ausgerückt war, auf der Brandstätte erschien, brannte das Anwesen bereits lichterloh. Sie hatte einen recht schweren Stand, da dem Feuer schlecht beizukommen war. Schließlich wurde in die Mauer des dem Brandherde nächstgelegenen Wohnhauses eine Bresche ge⸗ schlagen, um auf diese Weise von verschiedenen Seiten das Feuer mit mehreren Schlauchleitungen bekämpfen zu können. Den vierstündigen angestrengten Bemühungen der Feuerwehr ist es allein zu verdanken, daß das Großfeuer auf seinen Herd be⸗ schränkt werden konnte. Von dem Fabrikraum stehen nur noch die Umfassungsmauern, die darin befindlichen Holzteile sowie die gesamten elektrisch betriebenen Maschinen sind von dem Feuer völlig vernichtet worden. Von einem angrenzenden Gebäude wurde der Dachstuhl erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die durch den Brand obdachlos gewordenen Familien wurden in Nachbarhäuser untergebracht. Die Eutstehungsursache des Feuers ist auf Kurz⸗ schluß der elektrisch betriebenen Anlage zurückzuführen. Der Brandschaden ist recht erheblich, aber größtenteils durch Ver⸗ sicherung gedeckt. Die in dem Hofraum lagernden reichen Holz- bestände blieben von dem Feuer verschont. 5 m. Offenbach a. M. 30. Jan. Zu einer Massenkund⸗ gebung der Frauen Offenbachs gestaltete sich die in der Goetheturnhalle veranstaltete Hausfrauen-Versammlung, in der die überaus wichtige Frage der Ernährungsweise im Kriege eingehend erörtert wurde. Der außerordentlich starke Be⸗ such der von der Frauenkriegshilfe veranstalteten Kundgebung 8 mögen an die Frauen gewesen sein brachte den deutlichen Beweis dafür, daß alle Frauen den siegreich im Felde stehenden Truppen nicht nachstehen wollen und mit aller Entschiedenheit den Kampf in den Küchen gegen jede Verschwendung aufnehmen, um durchzuhalten und die Hoffnung unserer Feinde auf Aus⸗ hungerung zu Schanden zu machen. Die Referenten waren Redak⸗

teur Kaul, Sanitätsrat Dr. Pullmann und Frau Henriette Fürth Frankfurt, die die Haushaltung in der Kriegszeit vom volkswirtschaftlichen, gesundheitlichen und haus⸗ und küchenwirt⸗

schaftlichen Standpunkte behandelte. Beigeordneter Ernst Weil, . der Reserve, wurde zum Hauptmann

Gießener Strafkammer. 8 th. Gießen, 29. Jan. Wegen Vergehens gegen das Viehseuchengesetz wurde der Viehhändler Jakob L. aus Gießen zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. In einer zweiten Sache wegen desselben Ver⸗ gehens erhielt der Ziegeleiarbeiter Chr. Sch. aus Angersbach die niedrigst zulässige Strafe von 15 Mark bezw. 1 Tag Gefängnis. Er hatte von dem Beigeordneten in Fraurombach, das sich im Beobachtungsgebiet befand, eine Kuh gekauft und diese auf einem Umweg durch den Wald nach Angersbach getrieben. Der Ver⸗ käufer des Tieres, der als Zeuge zum Termin geladen war, ver⸗ zichtete auf Zureden des Vorsitzenden der Strafkammer auf Reise⸗ kostenentschädigung und Zeugengebühr zugunsten des Verurteilten. Wegen einer Fälschung 15 sich die Dienstmagd Elisabeth H. aus Gießen strafbar gemacht. ie hat in ihrem Gesindedienstbuch das Zeugnis der Dienstherr⸗ schaft, welches aufnicht zufrieden lautete, inrecht zufrieden geändert. Der Schwindel war übrigens sehr plump ausgeführt, doch war immerhin eine Täuschung möglich. Die junge Sünderin leugnete die Tat und erklärte, es sei ihr zufällig ein Regentröpf⸗ chen auf das Wort nicht gefallen, dies habe sie bloß mit der Schürze weggewischt, und dadurch sei die Aenderung des Wortes entstanden. Der Augenschein im Buch lehrte aber, daß an der Stelle radiert war. Als ausreichende Sühne erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe von 5 Mark ev. 1 Tag Haft.

Als russischer Staatsbürger

gegen das deutsche Automobilgesetz gefehlt zu haben, wurde dem Mühlenbesitzer Ed Kr. aus Lublin zur Last gelegt, der in Bad⸗ Nauheim, als der Krieg ausbrach, zur Kur sich aufhielt. Er war mit einem Opelwagen aus Rußland nach dem hessischen Badeort gekom⸗ men. Am 1. August, als der Kriegszustand erklärt war, wollte der Ausländer mit seinem Auto zurück in die Heimat fahren und wählte die Route über Schotten nach Fulda, um von da über Norddeutschland zu reisen. In Schotten aber wurde er von der Gendarmerie angehalten und dem Kreisamt vorgeführt, welches den Fremden nach Prüfung der Papiere weiter fahren ließ. In Fulda war dem Manne das Benzin knapp geworden, er hatte auch dort Schwierigkeiten, weiter zu kommen und beschloß, nach Nauheim zurückzufahren, um dort die Entwicklung der Dinge abzuwarten. In Schotten wurde der Reisende aber zum zweiten⸗ mal festgehalten. Die Gendarmerie witterte in ihm einen russi⸗ schen Spion. Das Kreisamt belegte das Automobil mit Beschlag und überwies es dem Generalkommando. Der Eigentümer wurde nach einigen Stunden nach Bad⸗Nauheim entlassen. Der Wagen ist vom Generalkommando enteignet und der Erlös dafür an den Ausländer ausgehändigt worden. Der Gendarmeriewachtmeister Kaiser in Schotten mußte aber gegen den Russen eine Anzeige erheben, weil dieser ohne einen internationalen Fahrausweis in Deutschland herumgefahren ist und weil an dem russischen Abzeichen, das der Wagen führte, das R(die Bezeich⸗ nung für Rußland) fehlte. Der Ausländer bekam für diese 3 durch Strafbefehl die Aufforderung, eine Ge⸗ samtstrase von 250 Mk. zu bezahlen Er weigerte sich dessen und brachte die Sache an das Schöffengericht, das die Strafe auf die Hälfte ermäßigte. Dagegen verfolgte Rechtsanwalt Stahl⸗Bad⸗Nauheim als Vertreter des Angeklagten Berufung an die Strafkammer. Die Strafkammer stellte an Hand der Verordnung über den Kraftfahrerverkehr in Deutschland fest, daß ein Ausländer überhaupt keinen internationalen Ausweis als Legitimation brauche, wenn er beim Ueberschreiten der deut⸗ schen Grenze eine Steuer von 40 Mk. bezahlt und dafür einen i legitimierenden deutschen Fahrtausweis erhalte.

U lee. Fall liege aber hier por, der Angeklagte habe gleichzeitig

licherweise Gesuch eum Arbeitsübertragung auf erstgenannte Ge⸗f

mit dem Fahrtausweis beim llamt gegen 5 Mk. eine deut Nummerplatte erhalten und die e außer der in Rußland er⸗ haltenen Nummerplatte am Wagen befestigt. Es sei ihm zu glauben, daß an der Grenze von der russischen Nummerplatte der Buchstabe R von dem deutschen Beamten entfernt worden sei. Es sei aber auch die Entfernung der n nach den gegebenen Vorschriften nicht einmal strafbar. Aus diesen Grün⸗ den habe auf Freisprechung erkannt werden müssen. Der Staatsanwalt wollte die Sache vertagt haben, um beim deutschen Zollamt an der Grenze neue Informationen einziehen zu können. Die Strafkammer ließ sich darauf aber nicht ein, weil es zweifels⸗ frei ganz unmöglich sei, Auskunft von einer Behörde an der russi⸗ schen Grenze zu erhalten, deren Bücher und Beläge wegen der Invasion der russischen Truppen gar nicht mehr zur Stelle sein können.(Der Fall zeigt, wie beiuns Barbaren auch gegenüber den Angehörigen eines Staates, der mit uns im Kriege liegt, objektiv und ohne Ansehn der Person Recht ge⸗ sprochen wird.) 8 Candwirtschaft.

Zur Bekämpfung der Obstbaumschädlinge im Winter.

Der aufmerksame Natur- und Gartenfreund hat auch im Winter, besonders an trockenen, hellen Tagen, in seinem Garten gute Gelegenbeit zu recht interessanten Beobachtungen. Da um diese Zeit sonst wenig im Garten zu tun ist, so wendet er seine Aufmerkfamkeit auf die Schädlinge des Obstbaumes und deren. tilgung. Viele Insekten überwintern in den Eiern, welche die Weibchen an geschützten Stellen abgelegt haben, andere überdauern den Winter in der Puppensorm, eine ganze Anzahl im lebendigen Zustande als Schwetterling oder Raupe. Wer nun mit forschendem, prüsendem Blick durch seinen Garten schreitet und auf alle Er- scheinungen genau achtet, der kann viel schädliches Ungeziefer ohne viel Mühe vernichten und sich vor großem Schaden bewahren. Vor allem sind es die großen und kleinen Raupen nester, die zu vernichten sind. In ihnen überwintern viele Hun⸗ derte von jungen Räupchen, die im April und Mai durch ihren Fraß ost großen Schaden anrichten. Die großen Raupennester stammen vom Goldafter, die kleinen vom Baumweißling, welch letzterer in unserer Gegend seltener geworden ist. An dünnen Zweigen findet man die kittartigen Eierringe des Ringel⸗ spinners, eines braunen Nachtsalters, dessen Raupen, die so⸗ genanntenLivreen, uns so oft die Obsternte streitig machen; serner sind für ein geübtes Auge auch die Eierschwämme des Dickkopfs oder Schwammspinners leicht zu sehen, die als braune, unregelmäßige Flecken an den Stämmen eine gewisse Aehn⸗ lichkeit mit einem Stückchen Feuerschwamm haben. Fest an die kleinsten Zweige der verschiedensten Obstarten angeschmiegt, kann man auch die jungen, überwinternden Räupchen der Kupfer⸗ glucke erspähen, denen die größte Winterkälte nichts schadet. Alle diese Schädlinge kann man jetzt im Winter leicht ver- nichten: man schneidet die besetzten Zweige mit der Raupen schere ab und verbrennt sie. Tie Eier der Blattlaus die wie Pulverkörnchen die Rinde der jungen Triebe der Obst- bäume und der Nosen bedecken, sowie die Schildläuse am alten Holz der Johannis- und Stachelbeeren und der Weinreben sind leicht abzukratzen und zu vernichten. Wer nun gründlich auf- äumen will mit all diesem schädlichen Ungeziefer, auch mit den Flechten und Moosen an Stamm und Aesten, der nehme die Weinbergspritze oder die Baumspritze und gehe mit einer 10proz. Lösung des wasserlöͤslichen Obstbaumkarbolineums aus der chemischen Fabrik von Schacht in Braunschweig gegen diese tierischen und pflanzlichen Obstbaumschädlinge vor. Im blattlosen Zustande der Bäume und Sträucher werden die Eier, Puppen und Larven leicht mit diesem Spritzmittel getroffen und getötet, die Bäume selbst aber erleiden keinen Schaden. Wenn so der Obst⸗ züchter immer offenen Auges, beobachtend und überall hin aus- schauend, auch im Winter den Kampf gegen die Schädlinge un⸗ ermüdlich fortsetzt, dann wird reicher Segen seine Arbeit lohnen. Aber nur der Kundige sieht, was dem Unkundigen und Unwissen⸗ den verborgen bleibt. Deshalb sollten die Belehrungen über der⸗ artige Erscheinungen in der Natur schon bei der Jugend beginnen. Rur wer in der Jugend gelernt hat zu sehen und zu beobachten, der wird in späteren Jahren mit sicherem Blick sich vor manchem Schaden bewahren und manches Unheil leicht abwenden und ver⸗ hindern können. Auch in der jetzigen schweren Kriegszeit dürfen die Daheimgebliebenen die Arbeiten an den Obstbäumen nicht ver⸗ gessen, die die Vorbedingung sind für eine gute Ernte Zur Ver⸗ tilgung der hauptsächlichsten Schädlinge ist aber der ganze Winter geeignet, und es wird sich immer einmal eine Stunde finden für diese Arbeiten.

Standesamtsnachrichten. Gießen. f Aufgebote: Januar 25. Johann Georg Amann, Stein⸗ richter, mit Elisabethe Bickert, beide in Gundernhausen. 26. Johannes Otto Walter S dt, Kaufmann in Gießen, mit Jo⸗

hanna Margarete Auguste Neumann in Breslau. Wecken geg Januar 23.. Peter Weil, Bäcker in Friedberg(Hessen), mit Johanna Maria Wagner in

Gießen.

Januar 19. Dem Lokomotivheizer Joh, Veith ein Sohn, Georg Fritz. Dem Buchbi ter Hugo Sann 2[ Dem K 9 b i ter, Margarete. 22. Dem omotivheizer ri⸗ 1 Cohn, Anton. Dem Ernst

ahre alt, Landgrafenstraße 5. 1 5 * Felde gefallen: September 19. r berger, Geschäftsreisender, Feldwebel der Lan 5 018 alt, Landgrafenstraße 7, bei Cernay gefallen.. 8. Otto Joseph Nahrgang, Kellner, Musketier, 19 Jahre alt, Kirchen⸗ platz 10, bei Pont de gefallen. 19.

bei Mal ca⸗Mierzonska in 9 Polen gefallen. Au

Gorr, Kaufmann, Kriegsfreiwilliger, 17 alt, Ebelstraße 37, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska in Russisch⸗Polen gefallen. Adolf Heinrich Kaspar e Wagner, Musketier, 21 re alt, Lahnstraße 10, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska in Russisch⸗Polen ge⸗ fallen. Heinrich Theodor Christian Walter, Kaufmann, Kriegs⸗

eiwilliger, 19 Jahre alt, Kaplansgasse 23, bei Mala⸗Duca⸗ e inenschlosser, eg williger, ahre alt, Sonnenstraße 11, be bal Be Aierzens la un Nufstsch⸗ Wien gesellen. Friedberg.

Eheschließungen: Januar 22. Peter Johann Bayer, Bestte 2 Karoline Schäfer, beide in Friedberg. 12 n Gall Ehrmann

Geborene: Januar 20. Dem Kau ein Sohn, Kurt. i a Sterbefälle: Dezember 3. Gottfried Otto Scriba, Mus⸗

ketier, Kandidat der Thevlogie, 24 Jahre alt, gefallen. 5.

8 Ehrmann, geb. Marxsohn, 54 Jahre alt. 27. Dorothea n

gel, geb. Pfeifer, 84 Jahre alt.

Apotheker Neumeler's Asthma- Caso g, n. Cigarillos Papier) J M. 1. 80 D. R. G. M. No. 26122 und 26617 loongg Aeratlich Ane Deutsches Erzeugnis. Erhältlich in den Apotheken.

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