Ausgabe 
(27.1.1915) 22. Zweites Blatt
Seite
162
 
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DieSießener Famillenblätter werden dem

» Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das

Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal

N wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ 1 fragen erscheinen monatlich zweimal.

Rußlands Wirtschaftskrieg.

Je mehr die militärische Offensive Rußlands nachläßt und wie ein verlöschender Brand in sich zusammenfällt, desto eifriger wird in Petersburg der große wirtschaftliche Krieg

vorbereitet, der sofort nach Friedensschluß gegen uns ein⸗ setzen soll. DieNowoje Wremja, ein Blatt, das nebenbei gesagt ganz und gar in Besitz und Leitung von Englän⸗

ern ist, verrät uns, daß die Regierung des Zaren soeben einen Gesetzentwurf über die künftigen Handelsbeziehungen mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Türkei aus⸗ gearbeitet habe. Man kann sich denken, daß der ganze Ent- wurf vom ersten bis zum letzten Wort ein Gesetz gegen alle Handelsbeziehungen mit uns dalstellt, und seinefreund⸗ lichen Absichten gehen schon daraus hervor, daß es bereits in Kraft treten soll, wenn die Feindseligkeiten eingestellt werden, also schon lange vor der endgültigen Neuregelung der Zustände. Der Grund dafür: Wir sollen gar keine Zeit mehr finden, wirtschaftlich in Rußland wieder Fuß zu fassen, wie ja die russische Presse auch hofft, daß die zu Anfang des Krieges erfolgte Ungültigkeitserklärung deutscher Patente und Privilegien noch auf mehrere Jahre nach Friedens⸗ schluß hinaus wirken wird. Der Gesetzentwurf, der den Zaren⸗ staat zu einem in sich vollständig abgeschlossenen Wirtschafts⸗ gebiet ausbauen möchte, verlangt für alle Bodenprodukte und Industrieerzeugnisse der jetzt im Krieg mit Rußland stehenden Länder, ja auch für alle Waren, die durch Deutsch⸗ land, Oesterreich⸗Ungarn oder die Türkei gekommen sind, eine Verdoppelung des Einfuhrzolles. Waren, die früher keinem Einfuhrzoll unterlagen, werden nach einem neuen Tarif verzollt!Von den Waren, die auf Schiffen unter der Flagge Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Türkei eingeführt oder nach dem Ausland versandt werden, wird die doppelte Taxe per Pud erhoben werden. Waren der gleichen Kategorie, die auf Flußdampfern transportiert werden, sind nach den Tarifen der Seefahrzeuge zu verzollen. Von allen ausländischen Schiffen, die unter den genannten Flaggen segeln, wird eine besondere Schiffssteuer in der Höhe von zwei Rubeln pro Tonne erhoben werden.

Deer ganze Haß und Zorn des Krieges drückt sich in diesem Gesetzesmachwerk aus. Es ist aber noch etwas ande⸗ res, was die Russen zu ihrem jetzigen Wirtschaftskrieg an⸗ stachelt, es ist verblendeter Egoismus und Hochmut. Die geistigen Führer des neuen Feldzuges bilden sich wirklich ein, z. B. so ungeheures technisches Kulturwerk wie die deutsche Farbenindustrie über Nacht nachzuschaffen, d. h. eine selbständige Farbengewinnung aus dem Boden zu stampfen und sich von uns unabhängig zu machen. An Far⸗ ben herrscht zurzeit in der russischen Verarbeitungsindustrie Lin solcher Mangel, daß der Stillstand vieler Fabriken droht.) Die Lächerlichkeit dieses Planes erhellt schon daraus, daß

man, wie die diesbezüglichen Vorschläge und Resolutionen lauten, damit beginnen muß:die geologische Erforschung Rußlands zu beschleunigen. Vorläufig will man Farben aus Asien, Afrika und Amerika über Wladiwostok beziehen. Das ist natürlich viel zu teuer. Zu kostspielig wäre es auch, Anilinfarben aus England kommen zu lassen. England

N verspricht seinem lieben russischen Bruder, es werde, um

Deutschland auch in diesem Punktetödlich zu treffen, ein Riesenunternehmen schaffen, an dem die Regierung und große industrielle Konzerne beteiligt seien und womit man die Kon⸗ kurrenz von Höchst, Ludwigshafen usw. glatt aus dem Felde schlagen werde. Wir können dieser Mobilmachung der Gegner mit Gelassenheit entgegensehen. Deutsche Kraft und Tüchtig⸗ leit wird sich zu wehren wissen. Eines allerdings dürfen wir auch bei dem künftigen Wirtschaftskrieg nicht vergessen: Die russische Politik hat von jeher nicht, wie sonst üblich, mit Handel und Flagge oder Flagge und Handel gearbeitet, son⸗ dern hat sich stets bei ihrem Vordringen anderer Mittel be⸗ dient. Die russisch⸗zarische Expansionspolitik arbeitet mit Schienenstrang und Bajonett oder mit Bajonett und Schie nenstrang, wie es gerade die gegebenen Verhältnisse mit sich

Gießener Stadttheater.

8 Grüne Ostern. g Schauspiel von Heinrich Lee.

1 Alt⸗Breslau im Jahre 1813, als aus Schmach und Schande der Volkswillen wie eine Phönix aus der Asche stieg, die Be⸗ geisterung der Befreiungstriege geboren wurde, der König den fruf an sein Volk erließ, und dem Korsen der Vernichtungs⸗ krieg angesagt wurde. Bürger von kleinem und höherem Stand mit all ihren ergötzlichen Fehlern und stählernen Tugenden, Studenten in Jugendherrlichkeit und Vaterlandsjubel, Schlachten⸗ und Weiberhe aus den alten Troupiers der Napoleonischen Armee, Veteranen von Jena und Auerstädt, die von altem Ruhm oder von Verbitterung zehren, naseweise, schlechterzogene Backfische, klatschende, selbstsüchtige Mütter, Lützower Jäger, böhmische Musikanten und viel Volk alles das wirbelt durcheinander, verflicht sich zu Szenen von hohem Schwung und mikrosfopisch geschauter F von Leidenschaft und Pathos und von Sofaecken⸗ und Stammtischgemütlichkeit: donnert mit Kanonen, Kampfliedern, vatriotischen Reden, säuselt mit der unverstandenen Empfindsamkeit von Salonmusik, Taschen⸗ almanach und Spitzentüchlein, poltert und lacht mit dem Drauf⸗ gängertum eines kriegsgewohnten Geschlechts und findet neben dem Hurrarausch der Königstage in Breslau immer noch Zeit, an Kauf⸗ N teuren Zucker und warme Würstel zu denken. Mit Mann und Roß und Wagen geschlagen sind Trümmer der französischen Armee aus Rußlands Schneegefilden in Breslau, der Stadt des alliierten Preußenkönigs, eingefallen. Unter ihnen Frank Dorfmüller, dereinst Kaufmannslehrling beim Kommerzien⸗ rat Schöller, jetzt ordengeschmückter Oberst von Napoleons Gnaden, dem die Kommerzienrätin seinerzeit nicht verzeihen konnte, daß er Justinchens ihres Töchterchens, Herz gewann. Frank mußte wan⸗ dern, und seine Briefe blieben bei der, ach, so sorglichen vräsum⸗ liven Schwiegermutter hängen. Nach enn Jahren finden sich die Lerzen im Sturme wieder, um sich sogleich aufs neue zu verlieren: Denn Justine trägt das Bild der 14. Luise im Herzen und erwartet nach der weißen Weihnacht für das heißgeliebte Vaterland SBeonnenschein und Freiheit grüne Ostern. Frank aber trägt ein Kreuz, das ihm le petit caporal selbst auf die Brust geheftet hat, und wer dem einmal ins Auge geschaut, zu wem der ceimnmal gesprochen hat: Leutnant Dorfmüller, Sie sind Kapitän der ist sein. Nein, es. nicht, es hat nicht sollen sein. Die Liebesleute wollen sich nie mehr wiedersehn. Aber die Stadt Breslau gibt dem General Kamptz, dessen gute Laune im Interesse einer erträglichen Kriegssteuer erhalten wer⸗ den muß, eine assemblée; und vor dem Wüstling Kamptz und

ieße

General⸗Anzeiger

2 1 1*

165. Jahrgang

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4 N E z el ger Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul

r Oberhessen

Mitwoch. 27. Januar 40g

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.

bringen Man konnte diese Expansionspolitik ebenso in Ost asien wie in Persien oder am Kaukasus beobachten. Recht klar zeigt sie sich gegen Finnland und Schweden. Zunächst wird Schienenstrang und Bajonett vorgeschoben und dann folgt der russische Handel hinterher, nicht wie wir mit der offenen Tür arbeitend. Stets unmittelbar, nachdem Bajonett und Schienenstrang das ihrige getan haben, sehen wir den russischen Handel sich des Landes bemächtigen, dann wird die offene Tür zugeschlagen, die Alleinherrschaft in politischer, kultureller und volkswirtschaftlicher Hinsicht wird angestrebt. Für Deutschland ergibt sich aus dieserEigenart der russischen Politik für die Zukunft nur eins: Auf der Hut zu sein mit eiserner Wehr, sich schon jetzt Garantieen zu erstreiten, die einst im kommenden Frieden eine unumstöß⸗ liche Bürgschaft und ein sicherer Hort gegen moskowitische Begehrlichkeit und Verschlagenheit sein werden.

Die Stimmung in Amer ka.

Daß die Lage der Deutschamerikaner gegenüber den Hetzereien und Lügereien der englischen Blätter noch immer unangenehm und schwierig ist, geht aus einem Briefe her vor, den Herr Peter Nicklas, Professor an der High School in Newark(New Jersey), früherer Gießener Student und Mitglied der Burschenschaft Alemannia, an Geh Hofrat Prof. Dr. Haupt in Gießen gerichtet hat. Herr Geheimrat Haupt hat uns den Brief freundlichst zur Verwertung vor gelegt, und wir entnehmen daraus folgende interessante Aausscbrungen a

Die Lage von uns Deutsch-Amerikanern ist keineswegs an genehm. Die enalisch gedruckte Presse ist ausna l mslos anglophil und veröffentlicht unter 23 Zentimeter gronenbead ines jede Nachricht aus Europa so, wie sie in London fabriziert wird. Ebenso sind die Leitartikel nicht nur nicht unparteiisch, sondern england freundlich und deutsch'eindlich. Was uns an Neuigkeiten vom Kriegs schauplatz aufgetischt wird, ist für einen gewesenen Soldaten sehr oit naiv, meistens unwahischeinlich, immer aber gehässia.

Wie beneiden wir Sie, die Sie diese große Zeit miterleben dürfen in inniaster Fühlung mit der Vegei kerung und Opier freudiakeit, wie sie alt und jung im lieben Vaterlande durchalüht. Sie lönnen handeln, etwas tun für die roße Sache. Wir stehen drangen, hungernd nach jeder Nachricht, die uns Kunde von drüben bringt.

Die Geldleistungen, die wir auf Basaren, in Vereinen und Gesellschasten als bescheidener Obolos zur Linderung des Clends unter Verwundeten, Witwen und Waisen fürs Rote Kreuz bei tragen, sind unge ähr alles, was wir tun können.

Wir versuchen ja auch hier, so z. B. in einem Vereinfür Wahrheit und Gerechtiakeu, die Sache Deutschlands zu vertreten und den Amerikaner englischer Abkunst von seiner Voreingenommen beit gegen Deutschland zu überzeugen. Aber was erreichen wir? Unsere wöchentlichen Versammlungen werden nur von Deutschen besucht, und die brauchen wir nicht zu gewinnen. Einmal hatten wir eine glänzende, auch von Amerikanern bes achte Versammlung, in der Prof. Kuehnemann(Breslau) und Dr. Dernburg sprachen.

Was wir hier in Newark tun, geschieht allerwärts, aber mit demselben mangelhaften Erfolg. Die deutsche Presse, die New Yorker Staatszeitung an der Spitze, versucht ihr Bestes, aber uns se elt eine große englische Zeitung, die die deutsche Seite hier schon seit den letzten 10 Jahren hätte vertreten sollen. Die Verletzung der Neutraluät Belgiens und deutscher Militarismus sind die zwei Jelsen, hinter denen sich unsere Gegner verschanzen, und an denen alle unsere qutgemeinten Belehrungen zerschellen.

Ganz ohne Freunde sind wir unter den gebildeten Amerikanern nicht. Ich höre manchmal von diesem oder jenem meiner Schüler, daß seine Eltern unterer Sache freundlich gegenüber ehen. Das tut einem qut. Amtlich sind wir gehalten, uns äußerster Un- partei it keit zu befleißigen und den Streit nicht in die Klassen⸗ zimmer und die Kinderherzen hineinzutragen. Diese Vorschrist ist sehr zu billigen, und ich bestrebe mich, ihr voll und ganz gerecht zu werden

Wir brauchen einen für Deutschland glorreichen Ausgang des Krieges hier ebenso nötig wie Sie drüben, und hoffen zu Gott, daß das Jahr 1915 in seinen ersten Monaten uns eine ruhmvpolle Ent scheidung bringe. 7 N N

Wir möchten im Anschluß an diese Veröffentlichung die Bitte an unsere Leser aussprechen, ähnlich bemerkens⸗ werte Kundgebungen aus dem Auslande, seien sie in

seinen nach Böttchergesellenherkunft und zügellosem zwischen Zelt und Boudoir geteiltem Lebenszweck duftenden Komplimenten muß rank Justine bewahren. Er und der General geraten aneinander, rank reißt Napoleons Orden von der Brust, entdeckt nach einen bis dahin geäußerten Ansichten kommt dies etwas über⸗ raschend sein kerndeutsches Herz und wandert allez-vous-en! sortez! ins Gefängnis. Die Kugel ist ihm gewiß. Als aber nach Wochen die Hinrichtung stattfinden soll, ist nur mehr ein Funke nötig, das Pulverfaß zu sprengen: Göttinger, Leipziger und Hallenser Studenten verdreschen unter Führung des alten Bumke, Mitkämpfers von Jena und Markt⸗ und Herzensfakto⸗ tums bei Schöller nach allen Regeln der Kunst die Wachen und befreien den damit zum Volkshelden avancierenden Gefangenen. Der Todeskandidat und Justine werden die Kriegstrauung be⸗ kommen, und am Horizont wetterleuchtet mit heiligen Zeichen bereits die neue Zeit, grollen die aufsteigenden Gewitter der Befreiungskämpfe.

Man glaube nun nicht, daß sich das alles mit der Glätte und Selbstverständlichkeit dieser Schilderung vollzieht. Es sind im Gegenteil, ehe die Handlung soweit gedeiht, ganz erhebliche Quer⸗ und Winkelzüge nötig, die eine wunderliche Verschwommen⸗ heit des ganzen Bildes im Gefolge haben. Lee ist alles andere denn ein tiesschürfender, schwierigen Seelenproblemen nachgehen⸗ der, tragische Konflikte ausdeutender Gestalter. Nicht, als ob er die Menschen nicht kännte; im Gegenteil, er kennt sie und vor allem die Menschen gegenüber dem Vorhang so gut, daß ihm Typen von photographischer Bildtreue gelingen solange bei diesen Gestalten die Seele herkömmliche Wege wandelt. In diesem Sinne sind der französische General, der alte Bumle, der Wein⸗ . Prill sprechend und lebenswahr, wie nur eine Photographie ein kann. Dann kommt das große Aber: Die Bilder werden un⸗ sicher, fremd und ungleichmäßig, wenn ihr Ausdruck echten, psy⸗ chischen Wallungen sein Dasein danken soll. Beweis: Frank und Justine. Man kann deshalb Lee einen äußerst geschickten Photo⸗ graphen nennen; ein Maler ist er nicht. Aus dem Gesagten er⸗ geben sich ohne weiteres die Vorzüge seines Werks: Bunte, lebens⸗ treue, abwechselungsreiche Szenen voll Licht und Schatten, mit Sorgfalt gestrichelt und liebevoll koloriert und die Nachteile: Ein loser, bilderbuchartiger Zusammenhang, nur blasses Durch⸗ 1 des Motivs. In allem: Aeußerst starker Eindruck bei

er Aeußerlichkeit der Mittel.

Mit viel Sorgfalt und Mühewaltung brachte unser Theater das anspruchsvolle Stück, das mit verschwindenden Ausnahmen das ganze Personal und eine Unzahl Statisten beschäftigt, zu einer freudig anzuerkennenden Wiedergabe, deren ehrlich verdienten, stür⸗ mischen Erfolg sich Direktor Steingoetter mit seiner über⸗

Briefen, Zeitungen oder anderen Schriften enthalten, eben⸗ falls uns zum Abdruck zur Verfügung zu stellen. Es emp⸗ fiehlt sich auch, solches Material den Bibliotheken, Lese⸗ hallen oder Leseklubs zur allgemeinen Benutzung zu über⸗ lassen.

Württembergische Ehrung Hindenburgs und Ludendorffs. Stuttgart, 26. Jan. Priv.⸗Tel.) Der König hat dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg, wie das Kriegsmimi⸗ stertum mitteilt, das Großkreuz und seinem Generalstabschef, Generalleutnant v. Ludendor ff das Komt urkreuz des Mili⸗ tärverdienstordens verliehen. 5 Berlin, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) DerReichsanz. meldet: Der Kaiser hat den Staatssekretär des Reichs⸗ schatzamtes Kühn mit Ablauf des 31. Januar auf seinen An⸗ trag von seinen Aemtern unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers entbunden und ihm die Brillanten zum Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone verliehen. Der Kaiser ernannte den Direktor der Deutschen Bank Wirkl. Leg.⸗Rat Dr. Helfkerich unter Verleihung des Charakters eines Wirkl. Geh. Rats mit dem Prädikat Exzellenz zum Staats⸗ sekretär des Reichsschatzamts und beauftragte ihn mit der Stell⸗ g vertretung des Reichskanzlers im Geschäftskreise des Reichsschatz⸗ amtes nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878. f Berlin, 26. Jan. Priw.⸗Tel.) Oberbürgermeister Wer⸗ muh äußerte sich über die neuen Bundesratsbestimmungen. Die Beschlagnahme sei durchaus erwünscht und werde unbedingt helfen, uns die notwendigen Quantitäten an Brotgetreide bis zur nächsten Ernte zu erhalten. Lediglich von dem Verhalten des Publikums werde es abhängen, ob die Verwaltung von Berlin von einer zu strengen Handhabung der neuen gesetzlichen Bestimmungen absehen werde oder nicht. Eine Kontrolle werde vielleicht durch die Ausgabe 8 ausgeübt oder ausschließlich den Bäckern überlassen eiben. 2 1 Stuttgart, 26. Jan.(Priv.⸗Tel.) Der König hat sich, wie bereits kurz gemeldet wurde, gestern früh in Begleit. des Generaladjutanten, Flügelad utanten, des Korps⸗ und Leib⸗ arztes Obermedizinalrat Dr. v. Gußmann nach dem westlichen Kriegsschauplatz begeben und der 26. Kavalleriebrigade einen Be⸗ such abgestattet. Herzog Robert empfing den König und ge⸗ leitete ihn in sein Quaxtier, worauf die Begrüßung der beiden 5 Regimenter stattfand. Später frühstückte der König im Kreise der Offiziere. Bei der in der Nacht erfolgten Rückfahrt erschien am Bahnhof in Karlsruhe der Großherzog von Baden zur Begrüßung des Königs.

Verlustliste. Infanterie-Regiment Nr. 116.

Wehrmann Fuchs(ohne Angabe der Komp.), low. Wszeliwyh am 8. Dez. 1914, gemeldet vom Inf.-Regt. 168..

f Landwehr⸗Infanterie-Regiment Nr. 116. Gefechte am 1., 2., 4., 8., 9., 10. u. 13. Januar 1915. 1 Wehrm. Joh. Phil. Müller(1. Komp.), Lampertheim, Bens⸗

heim, low. Wehrm. Jakob Grünewald(3. Komp.), 5 3

Bensheim, tot. Gefr. Engelbert Brehm(3. Komp.), Oberroden,

Dieburg, Ivw. Wehrm. Joh Aug Grimm(3. Komp.), Münster,

Dieburg, low. Wehrm. Johs Fell(3. Komp.), Gernsheim, Groß⸗

Gerau, schuww. Wehrm. Georg Feith(4. Komp.), Schaarhof,

Baden, tot. Wehrm. Heinr. Lud. Freund(4. Komp.), Groß⸗

Neustadt, 7 5 low. Wehrm. Emil Gottfr. Heyl(4. Komp.),

Groß⸗Neustadt, Dieburg, low. Ers.⸗Res. Joh. Lud. Albert

(J. Komp.), Dietesheim, Offenbach, low. Ers.⸗Res. Wilhelm

Nungesser(4. Komp.), Niederramstadt, Darmstadt, low. Wehrm.

Heinrich Bach(5. Komp.), Ulfa, Schotten, low. Gefr. Jakob

Dingeldein(5. Komp., Erbach, schow. Gefr. Karl Seim J.

(5. Komp.), Kestrich, Alsfeld, low. Wehrm. Heinr. Seipp III.

(5. Komp.), Ehringshausen, Alsfeld, low. Wehrm. Heinr. Pirr

(5, Komp.), Großen⸗Linden, Gießen, low. Wehrm. Walter

Hieronymus(5. Komp.), Michelstadt, Erbach, schow. Gefreiter

Philipp Müller(6. Komp.), Heidelbach, Alsfeld, luv. Wehrm.

Heinrich Strobel(11. Komp.), Wetzlar, low. 8

Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 222.

Musk. Hermann Scheel(1. Komp.), Ruppertsburg, bisher ver⸗ wundet, gestorben am 30. Dezember 1914.

legenen, dem bewegten Wechsel der Handlung stets gerechten Spiel⸗ leitung mit gutem Gewissen auf der Habenseite buchen darf. Unsere Künstler taten samt und sonders ihr Bestes, die Spiel- leitung zu unterstützen. So erwuchsen die lebendigen Szenen zu einem stellenweise berauschenden Bild der Zeit, deren Riesengröße wir augenblicklich staunend wiedererleben, zu einem Bilde, zu dem man nicht ängstlich erst den richtigen Abstand zu nehmen brauchte, es in seiner Schönheit zu genießen, sondern in das wir uns als Mitratende und Handelnde fast hineinversetzt fühlten. a Bei der Zahl der Mitwirkenden sei es uns erlgubt, die Wür⸗ digung der Einzelleistungen diesmal mit einem rückhaltlosen Ge⸗ samtlob zu ersetzen. Nennen möchten wir nur Walter Dwor⸗ kowskis famose Darstellung des Polterpatrioten Prill mit dem deutschen Mannesherzen und Clemens von Ro ggenhau- seus geschickte und geschmackvolle Wiedergabe des Obersten Dorf⸗ müller, der die Schrecken des weißen Todes Moskau! Len' noch ein paar Buchenscheite auf das Feuer! zu einem gerade augen⸗ blicklich rechtverstandenen Erlebenlassen gestaltete. a

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Drei Uriegseinakter.

Aus München wird uns geschrieben: Theodor von Wundts EinakterDisziplin kam im Münchener Schau spielhause zur Uraufführung. Die Einakter geben in drei kurzen Abrissen Paraphrasen ihres Themas. Sie kümmern sich nicht um arge Bühneneffekte und springen bisweilen, um den Ring ihres Geschehnisses zu schließen, ein wenig willkürlich mit Zeit und Zufall um. So gibt das erste Stück,Die Krisis betitelt, in zwanzig Minuten die Entwicklung und Entscheidung einer mo⸗ dernen Schlacht. Es zeigt, das Prinz von Homhburg⸗Motiv auf⸗ greifend, daß Disziplin der Persönlichkeit und die Fähigkeit, im rechten Augenblicke selbständig zu handeln, über dem fklavischen Haften am Vorgesetzten⸗Worte steht. Das beweist General Larek, von Peppler in guter Haltung und Hindenburg⸗Maske gespielt. Das zweite Stück, vor Paris anno 70 spielend, gibt eine Episode der Belagerung, das dritte,Geschlagen, schildert den schwe⸗ ren Kamyf eines besiegten Feldherrn, der höheren Rücksichten zuliebe nicht die hinterlistigen Machenschaften aufdecken darf, die aus politischen Gründen Mitglieder der eigenen Regierung ins Werk setzen, um eine gedeihliche Kriegführung unmöglich zu machen, von einem Feldherrn, der nun, selber falsch angeklagt, auch seine Ehre verliert. Die drei Stücke, die schon ihres Stoffes wegen heut⸗ zutage interessieren müßten, errangen trotz der geringen künst⸗ lerischen Bewältigung einen Achtungserfolg. R. R

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