Ausgabe 
(20.1.1915) 16. Erstes Blatt
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Nr. 10 Erstes Blatt Der Sleßener Anzei

erscheint täglich, 7 Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Famillenblätter; zweimal wöchentl. Krels⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag). zweimal monatl. Land⸗ Fare Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei n. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Beck, sämtlich in Gießen.

Mittwoch, 2). Januar 1015

Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel · jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pi. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Jeuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H.

Die Russen in Polen unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Ein mißglückter russischer Vorstoß in der füdlichen Bukowina.

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(WTB.) Großes Hauptquartier, 19. Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Auf der ganzen Front fanden, abgesehen von unbedeutenden Schar⸗ mützeln. nur Artilleriekämpfe statt.. b

Oestlicher Kriegs schauplatz: Die Witterung war sehr ungünstig. In Ostpreußen nichts Neues. Bei Rao⸗ zanowo, Biczun und Sierpe wurden die Russen unter schwe⸗ ren Verlusten zurückgeworfen. Mehrere hundert russische Ge⸗ fangene blieben in unserer Hand. Westlich der Weichsel und östlich der Pilica ist die Lage im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung.

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Der günstige Fortgang des Krieges hat es bewirkt, daß die deutsche Sozialdemokratie in Einmütigkeit bei allen anderen bürgerlichen Gruppen verharrt, um durchzuhalten bis zum Siege. Trotzdem erscheinen in auswärtigen Blät⸗ tern gegenteilige Darstellungen, die der deutsche Partei⸗ vorstand in der letzten Nummer desVorwärts zurück weist. Er beklagt es, daß in der ausländischen Parteipresse fortgesetzt Zuschriften veröffentlicht werden, durch welche die ausländischen Genossen über die Lage innerhalb der sozialdemokratischen Partei Deutschlands getäuscht würden. In einem Artikel derHumanité werde behauptet, der Geist der Opposition in den Reihen der organi- sierten Sozialdemokraten mache Fortschritte, die Zeichen

dafür würden mit jedem Tage zahlreicher. Es sei, so erklärt der Parteivorstand, bedauerlich, daß die ausländische Parteipresse von schlecht infor-

mierten Berichterstattern irregeführt würde, die unbedeu tende Vorkommnisse aufbauschten, wirklich bedeutende Tat⸗ sachen aber totschwiegen.

Wir freuen uns dieser rückhaltlosen Feststellung und glauben, daß den ausländischen Märchen bald jeder Boden entzogen sein wird. Nach dem Kriege wird in der Beurtei⸗ lung der sozialdemokratischen Partei wohl ein Umschwung eintreten, wie ja sogar der konservative Führer v. Heyde⸗ brandt jüngst in einer Rede angedeutet hat. Alte Fehler dürfen nicht mehr angerechnet werden. Der frühere Leiter des sozialdemokratischenVolksfreundes in Baden, Anton Fendrich, der mehrere Jahre auch der badischen Zweiten Kammer angehörte, hat in der Sammlung politischer Flug schriften(herausgegeben von Ernst Jäckh) eine Arbeit ver⸗ . welche die Beachtung weiterer politischer Kreise verdient.

Einer der größten Fehler, welche die deutsche Sozialdemokratie bisher gemacht hat, meint Fendrich, war die kritiklose Be⸗ wunderung alles Ausländischen; es galt eher für erlaubt, irgendeine ausländische, an Demokratie und Sozialismus anklingende Unternehmung anzustaunen, als tüchtigern eigenen Einrichtungen Anerkennung zu zollen. Auf der andern Seite wurde von der Sozialdemokratie die Bedeutung des deutschen Bürgertums und die Lebensfähigkeit der heutigen Wirtschafts⸗ ordnung bedeutend unterschätzt. Fendrich stellt die ihn selbst über⸗ raschende Tatsache fest, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung beim Kriegsausbruch nicht zusammenstürzte, wie maßgebende Füh⸗ rer der Sozialdemokratie geglaubt hatten, sondern mit einer wunderbaren Unerschütterlichkeit weiter arbeitete und sich als höchst leistungs⸗ und widerstandsfähig erwies. Die Sozialdemokratie hat es erlebt schreibt Fendriche daß sich das deutsche Heer nicht nur als militärische Organisakion glänzend bewährt hat, sondern daß auch der Geist des Heeres, weit entfernt von allem öden Gamaschendienst, ein menschlich großes und schönes Verhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren offen⸗ barte, daß die Selbständigkeit des einzelnen Soldaten vor dem

Feind gerade von diesem selbst und von neutralen Militärsachverständigen als ein Kennzeichen der deut⸗ schen Armee bewundert wurde. Die Sozialdemokra⸗

tie, sagt. Fendrich, hat es erlebt, daß die Söhne der Fürsten und die Söhne des Volkes, die auf dem Schlachtfelde nebeneinan⸗ der fielen, mit ihrem Tode die Wahrheit des Wortes vom großen deutschen Volkskrieg besiegelten. Daß der Prinz von Meiningen, der vor Lüttich fiel, als letzten Wunsch auf einen Zettel schrieb, er wolle nicht in der Erbgruft, sondern unter den Kriegskameraden begraben sein, hat Fendrich als volkstümlicher empfunden als den zum Glück nicht gelungenen Versuch, Dr. Franks sterbliche Hülle aus seinem schönen Soldatengrab auf den Mannheimer Friedhof 3 holen. Die Sozialdemokratie hat es erlebt, daß genau so, wie ie selbst von ihren politischen Gegnern unterschätzt worden war, sie selber die ganze bürgerliche Gesellschaft in ihrer inneren Festi⸗ gung falsch beurteilt hatte. Den Zusammenbruch derroten Internationale mit Ausbruch des Krieges findet der Verfasser nicht für verwunderlich. Daß die Beziehungen der Ver- treter auf den internationalen Sozialistenkon⸗ gressen mehr auf einer kühlen Gemeinsamkeit des Programm als auf persönlicher Neigung und aufrichtiger Wärme beruhten, ist nach Ansicht Feudrichs ebensowenig ein Geheimnis als die Tat⸗ sache, daß der Sinn für unpolitische Wahrheiten und für das rein Menschliche unter den Mitgliedern jeder Partei leicht als etwas Hinderndes und Schädigendes empfunden wurde. Die neuesten Versuche Bernsteins und Kautskys, sich mit einigen englischen Arbeitern zusammen eine einige Internationale vorzutäuschen, stelle sich als ein Unternehmen von rührender Hilflosigkeit dar, das in seiner Zahmheit nicht besser sei als die Ergüsse einiger wild gewordener Universitätsprofessoren in Deutschland.

Wichtiger als diese Kritik an der bisherigen Haltung seiner Partei sind, so meint dieKöln. Zig., der wir diese Ausführungen entnehmen, die Richtlinien, die Fendrich für die Zukunft der deutschen Sozialdemokratie vorzeichnet. Der roten Internationale mit ihren papierenen

Beschlüssen stellt Fendrich die rote Nationale des Blutes ent⸗

Met Es ist eine innere Notwendigkeit, so meint er, daß die beiter und die Arbeiterparteien zunächst national emp⸗

finden. Nur aus dem Boden des eigenen Landes könnten wirtschaftliche und politische Orgamisationen ihre großen Kräfte schöpfen. Je sozialistischer unsere heutige Regie⸗ rung werde(durch Ausübung des Verfügungsrechts über privates Eigentum usw.), desto nationaler müsse der Sozia⸗ lismus werden. Die deutsche Sozialdemokratie müsse aber auch Zurückhaltung und Ehrfurcht vor dem religiösen Emp⸗ finden des andern lernen. Es sei mehr als wahrscheinlich, meint Fendrich, daß die Hunderttausende sozialdemotrati scher Arbeiter, die im Felde stehen, durch die monatelange vertraute Nachbarschaft mit dem Tode Erlebnisse innerer religiöser Art gehabt hätten. die ihnen selbst noch erstaun licher gewesen seien als das Erwachen ihrer Vaterlandsliebe. Die Sozialdemokratie werde daher nach Friedensschluß nur verlangen, daß aus dem Krieg alle natürlichen Fol- gerungen gezogen würden, nämlich, daß alle Politik von dem Gesichtspunkt aus geleitet werde, ob sie in letzter Linie dern großen Masse des Volkes zugute komme Nach der Erfahrung des Sommers 1914 gelte es, auf Jahr⸗ zehnte gerüstet zu sein. Auf die pazifistische Wirksamkeit des japanischen Sozialismus könnten auch starke Optimisten kein Vertrauen haben. Wehrkraft heiße jetzt die Losung! Dazu brauche es Millionen gesunder Kinder des Volkes. Eine Wohnungsreform größten Stiles sei das nächste, was zur Vollendung von Deutschlands Wehrhaftigkeit verlangt werden müsse. Als gewaltige Reformpartei werde die So⸗ zialdemokratie innerhalb des staatlichen Organismus in den nächsten Jahren nationale Arbeiterpolitik treiben und das Eisen schmieden, solange es heiß sei; aber sie werde auch elastisch und jung genug sein, um dem nahenden Geist der neuen Zeit mit offenen Sinnen entgegen zu gehen und an der Verinnerlichung und Vertiefung des geistigen Lebens Anteil zu nehmen, ohne die Deutschlands Sieg nur ein halber bleiben würde. ***

4 Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Januar mittags. In Polen und in West⸗ galizien Artilleriekampf. In den Karpathen hat sich nichts ereignet. Aus einigen Gegenden wird neuerlich starker Schnee⸗ fall gemeldet. Bei Jakobsny in der südlichen Bukowina wurde ein russischer Vorstoß unter schweren Verlusten des Gegners zurückgeschlagen.

5 25 südlichen Kriegsschauplatz ist die Situation unver⸗ undert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der amtliche französische Bericht.

Paris, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Be- richt von 3 Uhr nachmittags. In Belgien herrscht Schneestur m. Es fand eine zeitweilig aussetzende Kano⸗ nade statt. Schnee fiel auch im Gebiet von Arras, wo unsere schwere Artillerie die feindlichen Batterien mehrmals zum Schweigen brachte. Wie gestern gemeldet, entwickelte sich ein ziemlich lebhaftes Gefecht bei La Boiselles, wo wir infolge des Brandes in der Nacht vom 17. zum 18. Januar unsere Stellungen räumen mußten. Wir er- oberten sie am 18. Januar bei Tagesgrauen wieder. Der Feind erneuerte an diesem Teil der Front seine Angriffe nicht. Im Abschnitt bei Soissons folgte der Beschießung von St. Paul in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar kein Infanterieangriff am gestrigen Tage. Es herrschte absolute Ruhe. Im Aisnetal öst lich Soissons und im Abschnitt bei Reims fanden Artilleriekämpfe statt. Nördlich von Pont⸗)⸗Mousson eroberten wir vier neue Schanzarbeiten im Lepretre-Walde, wo wir jetzt 500 Meter deutscher Schützengräben besetzt haben. In den Vogesen herrschte Schneesturm. Eine Kanonade fand hauptsächlich bei Bandescapt und in dem Abschnitt bei Thann statt.

Aus Soissons.

Lyon, 19. Jan. WTB. Nichtamtlich.)Nouvelliste berichtet aus Paris: Flüchtlinge erzählten, daß sich nur noch 150 bis 200 Einwohner in Soifsons be fänden. Die Verproviantierung sei nahezu unmöglich. Weder Bäcker noch Metzger seien mehr in Soissons.

Deutsche Luftschiffe im Westen. Amsterdam 19. Jan. WTB. Nichtamtlich.)Tele- graaf meldet aus Tarschelling: Hier sind heute nach⸗ mittag drei Luftschiffe durchgekommen, die in westlicher Rich tung fuhren.

Die letzte Schlappe der Inder.

London, 19. Jan.(WT. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter derTimes in Nordfrankreich erfährt über die Schlappe der Inder am 20. Dezember bei Givenchy: Die indischen Truppen griffen die deutschen Schützengräben im Sturm an und besetzten sie. Die Schützengräben waren jedoch unterminiert und wurden von dem Feinde in die Luft gesprengt. Die Inder erlitten hierbei entsetzliche Ver luste. Der Feind, der bedeutende Ver- stärkungen erhielt, unternahm einen wütenden Gegen angriff und überschüttete die indischen Truppen mit einem vernichtenden Feuer. Die Stellung war unhaltbar und es wurde der Rückzug befohlen. Eine Abteilung der Inder wurde vollständig umzingelt und mußte sich ergeben.

Zwei Tage später griff eine kombinierte englische und französische Abteilung von neuem die Stellung an; Teile der Schützengräben wurden wiedererobert und behauptet. An einem Punkte ist ein und derselbe Schützengraben gleich⸗ zeitig von Freund und Feind besetzt. Eine vier Fuß breite und neun Fuß hohe Lehmwand trennt beide Abteilungen. Die Zustände in dieser Gegend sind unglaublich; Schmutz und Wasser machen jede Bewegung unmöglich.

Eine Niederlage der Engländer am Schatt el Arab.

Konstantinopel, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des türkischen Hauptquartiers. Während eines nächtlichen Angriffes gegen die englischen Befestigungen am Schatt el Arab wurde der Feind überrascht. Er verlor 100 Tote und Verwundete. Eine englische Kaballerieabteilung versuchte in der Gegend von Corna eine Abteilung unsecer Infanterie zu überraschen. Der durch das Feuer eines Kanonenbootes gut unterstützte Angriff wurde unter schweren Verlusten für die Engländer zurückgewiesen. Das Kanonenboot wurde gleichfalls gezwungen, fich zurück⸗ zuziehen.

Ein Aufstand in Judien.

Delhi, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ge⸗ meldet: Araberstämme aus Osman griffen, 3000 Mann stark, unter Führung von Ya ben Salehs, am 11. Januar Maskat an. Sie verloren hierbei 500 Mann. Der Anführer wurde verwundet. Die britischen Truppen, die zum Bajonett⸗ tamyf fübergingen, verloren den Hauptmann. 14 Mann sind verwundet 6 Sepoys tot. Das indische Amt meldet hierzu: Der Aufstand der Araberstämme gegen den Sultan von Maskat be⸗ gann im Sommer 1913. Die erwähnte britische Abteilung war ausgesandt worden, um dem Sultan bei der Unterdrückung des Aufstandes zu helfen.

Die Einnahme von Täbris durch die Türken.

Konstantinopel, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber die Einnahme von Täbris erfährt man jetzt Einzel⸗ heiten. Nach der Einnahme von Miandoab zogen alle an dem Heiligen Krieg beteiligten Stämme nach Maraga, wo sie von der Bevölkerung begeistert empfangen wurden. Der Führer der benachbarten Stämme und die Bevölkerung der Städte Bumjan und Scheschwan zogen mit den Truppen ge⸗ gen Täbris. Sie gelangten zunächst nach Gogeban. 800 Mann russischer Infanterie und Kavallerie, die in Täbris standen, und eine Stellung bei Adjkjosprue in der Nähe der Stadt innehatten, zogen sich auf die Nachricht zurück, daß die tür⸗ lischen Truppen mit den Stämmen vorrückten, und zwar nach Sofian auf der Straße nach Dschulfa. Darauf zogen die Trup⸗ pen und die Stämme in Täbris ein.

Verfassungsänderung in der Türkei.

Konstantinopel, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer begann in Gegenwart sämtlicher Mitglieder des Kabinetts die Aussprache über die Abänderung der Artikel 7, 43, 44 und 102 der Verfassung. Die von der Regierung vorgeschlagene Abänderung verfolgt den Zweck, die Vorrechte der Krone zu verstärken und das durch die Verfassungsrevision von 1909, die der Legis lative ausgedehnte Rechte verliehen hatte, gestörte Gleich⸗ gewicht zwischen der vollziehenden und gesetzgebenden Ge walt wiederherzustellen. Der Regierungsentwurf bezweckt, die Sessionsdauer von sechs auf vier Monate herabzu⸗ setzen und das Recht der Krone betreffend die Verschie bung, die Einberufung, die Vertagung und Verlängerung der Session sowie die Einberufung der außerordentlichen Session genau zu bestimmen. Das Abänderungsgesetz wurde mit diesen Zusatzanträgen, denen die Regierung zugestimmt hatte, mit 187 gegen eine Stimme angenommen.

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Teuerung in England.

London, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter be⸗ schäftigen sich mit der beunruhigenden Steigerung der Lebensmittelpreise, die trotz Englands Beherrschung der See eingetreten sei. Sie suchen sich über die Gründe hierfür Klarheit zu verschaffen. Besonders beunruhigend sei die Steige⸗ rung der Weizen preise. Die hierüber veröffentlichte Statistik zeige, daß bester englischer Weizen, der im Vorjahre 36 Schillinge das Quarter kostete, auf 60 gestiegen sei, und daß bester kanadischer Weizen 61 gegen 36 Schillinge in der gleichen Zeit des Vor- jahres koste. Am teuersten ist australischer Weizen mit 62 Schillin⸗ gen pro Quarter. DerTimes zufolge wird in einigen Kreisen eine amtliche Untersuchung über die Gründe der Preissteigerung und eine zweckentsprechende Aktion verlangt. Das Nationalkomitee der Arbeiterpartei empfahl der Regierung, alle Weizen vorräte im Lande zu übernehmen und die Frachtsätze gesetzlich zu regulieren.

DieTimes bringt aus New Pork vom 17. Januar die Nachricht, daß Wilson eine Untersuchung über die Ursa chen der Unruhe auf dem Weizenmarkte anordnete, das hatte eine Verminderung des Preises um bis re zur Folge. Die Untersuchung führt das Justizdepartement. Es handelt sich darum, sestzustellen, ob das Steigen des Weizenpreises am hei⸗ mischen Markte auf gesetzwidrige Kombinationen zurückzuführen sei. Die Androhung des Ausfuhrverbotes hatte ein sofortiges Sinken der Preise zur Folge.

Amsterdam, 19. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Eine De⸗ vesche des Reuterschen Burcaus aus London vom 18. Januar behauptet in einer Polemik gegen die deutsche Presse, daß die

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