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Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Kamilienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
ießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 1b. Januar 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S8 51, Schrift ⸗
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Statistisches zur Wirkung des Impfgesetzes vom 8. April 1874.
Einer Denkschrift des preußischen Ministe- riums des Innern zu diesem Gegenstande entnehmen wir:
Noch immer wird von seiten der Impfgegner die segens— reiche Wirkung der Schutzpockenimpfung angezweifelt, ob— wohl bei sorgfältiger Prüfung der Verhältnisse nicht be— stritten werden kann, daß die Pocken, welche früher durch— schnittlich jährlich in Deutschland an 60000 Menschen, meist in den Kinderjahren, dahinrafften, seit Durchführung des Impfgesetzes vom 8. April 1874 so gut wie verschwunden sind. Dies lehren deutlich die nachstehenden Tabellen.
Tabelle 1. Königreich Preußen. Es starben von je 100 000 Einwohnern an Pocken:
im Jahre in der Zivil- im
182⁵ 15, 9, 1834 49,1 28,1 1840 16, 17 1850 15% 0. 1860 19% 2,1 1870 177 0 18740 9, 07% 1880 85 0 1890 0 0 1900 5 0 1910 Otdet 0 1911„ora 0 1912 0
2 Preußen, wo seit Anfaug des 19. Jahrhunderts die Schutzpockenimpfung freiwillig vorgenommen wurde, starb noch immer ein ansehnlicher Bruchteil der Bevölkerung an den Pocken, ja es kamen noch immer Pockenepidemien vor, so z. B. in den Jahren 1827, 1832—1834, 1843, 1853 bis 1854, 1864—67, 1871-73, also etwa alle 10 Jahre.
Die Armee war anfänglich ebenso, teilweise sogar stärker, von den Pocken heimgesucht wie die Zivilbevölke— rung. Dies führte zur Einführung der Impfung der Re— kruten durch die Order vom 16. Juni 1834. Der Erfolg war, daß die Armee von 1835 ab von den Pocken fast ganz verschont blieb, während die Zivilbevölkerung nach wie vor von ihnen heimgesucht wurde.
Die schwere Pockenepidemie von 1871—73 gab die Ver⸗ anlassung zum Erlaß des Deutschen Impfgesetzes vom 8. April 1874, durch das die Impfung der Kinder bis zum 31. Dezember des Jahres, das ihrem Geburtsjahre folgt, und ihre Wiederimpfung im 12. Lebensjahre vorgeschrieben wurde. Seitdem sind die Pocken auch in der Zivilbevölkerung verschwunden. Sie werden nur noch durch ausländische Saisonarbeiter bei uns eingeschleppt, ohne daß es zu Epi⸗ demien kommt. Im Jahre 1913 sind im ganzen Deutschen Reich nicht mehr als 12 Personen an den Pocken gestorben.
Tabelle 2.
Deutsches Reich.
Verlauf und Ausgang der Pockenerkrankun⸗ gen unter Berücksichtigung des Impfzustan⸗ des in den Jahren 1966-1911 zusammen. (Nach den„Medizinal⸗statistischen Mitteilungen aus dem Kaiser⸗ lichen Gesundheitsamte“ Band XI, XIII, XIV und XVI.)
Der Erkrankten Es erkrankten 3 Es starben[ schwer ohne 2 Impfzustand bezw. mittel ⸗ leicht An⸗ * 5 schwer gabe 7 7 25 7 26 unbetannt 40— 82,20= 29, 14— 18, 22, 320 ungeimpst 114= 35,120= 37% 81 S 25, 5= 1. 50 erfolglos ge- impft 9= 18,] 26= 52, 15= 30, 0 77 zusspätgeimpft] 21= 27, 17= 22, 36 46, 3 4, 507 einmal ge- impft 430= 2, 126= 24, 828= 64, 10 2, 134 zu spät 5 wiedergeimpftf 10= 7, 20= 14, 98= 73, 6 4, 642 wiedergeimpft! 36= 5, 132= 20, 467= 72, 7 I. 1806 273= 15,] 481= 25, 1035= 57, 33 1,
Von den Impfgegnern wird behauptet, daß die. fung keinen Zweck hat, weil die geimpften Personen 7 8 lich ebenso leicht, ja leichter an den Pocken erkranken und Mi nicht geimpfte Personen. Diese Behauptung ist falsch. 1
In den Jahren 1906—11 erkrankten im Deutschen Reich 1806 und starben 273 Personen an den Pocken. Von diesen waren nur geimpft 507— 134= 641, geimpft und wieder⸗ geimpft 642 Personen. Von den 641 Geimpften starben 43 + 10= 53= 855 von je 100 der Erkrankten, von den 642 Wiedergeimpften starben 36 5, von je 100 der Er⸗ krankten. Dagegen starben von den im ganzen 523 unge⸗ impften Personen(die erfolglos oder zu spät geimpften mit eingerechnet) 184= 35, von je 100 der Erkrankten.
Von den Ungeimpften starben also mehr als viermal soviel als von den geimpften und mehr als sechsmal soviel als von den wiedergeimpften Personen. Durch die Impfung und die Wiederimpfung wird also die Zahl der Todesfälle an Pocken erheblich herabgesetzt.
Aber auch bei den Personen, welche nicht starben, war der Verlauf der Pocken bei den ungeimpften Personen viel schwerer als bei den geimpften und den wiedergeimpf⸗ ten Personen. Denn von den 523 ungeimpften Personen erkrankten schwer bezw. mittelschwer 183= 35, von je 100 der Erkrankten; von den 641 geimpften dagegen er⸗ trankten schwer bezw. mittelschwer nur 146= 22, von je 100, von den 642 wiedergeimpften dagegen nur 132— 20, von je 100. 1
Umgekehrt erkrankten leicht von den 642 wieder⸗ geimpften Personen 467 72, von je 100, von den 641 nur geimpften 426= 66,ß von je 100, dagegen von den 523 un⸗ geimpften nur 146 27 von je 100.
) Einführung der Impfung im Heere durch Ordre v. 18. VI. 1834. Erlaß des Reichs-Impige etzes, das am 1. VII. 1875 in Kraft trat. Darunter 1 an den Folgen einer schweren Mittelohrentzündung.
Aus Stadt und Cand Gießen, 16. Januar 1915.
Hamster.
und legt sich auf den Feldern einen aus geräumi⸗ gen Kammern bestehenden Bau an, in welchem er einen bedeutenden Vorrat an Getreide, Erbsen, Bohnen, Linsen und Wicken sammelt, und wo er auch seinen Winterschlaf hält. Du nun alte Hamster bis zu einem Zentner Getreide eintragen, so ist der von ihnen angerichtete Schaden sehr bedeutend. Der Hamster ist sehr wild und zornig und setzt sich angegriffen heftig zur Wehr, wobei er Hals und Backen aufbläst, sich auf die Hinterbeine setzt und grimmige Bisse austeilt... So steht es in der Naturgeschichte oben auf der linken Seite.
Frau Hamster hält heuer keinen Winterschlaf. Sie ist in die menschlichen Wohnungen gekommen. Sie hat einen ausgezeichneten Dienst organisiert, der ihr das Petroleum schöppleinweise zwar, aber deshalb um so öfter und aus den verschiedensten Quellen und durch die mannigfaltigsten Personen in die eigens gekaufte Riesenkanne im Küchen— spind bringt. Sie hat alte, vergessene, von Urgroßtanten herrührende Verwandtschaften auf dem Lande ausfindig gemacht, die ihr den Tribut für die plötzliche Anerkennung mit einem Säckchen billiger Erbsen oder einer schön ge— räucherten Speckseite bezahlen müssen. Sie hat beizeiten vorgesorgt, daß das Weizenmehl ihr nicht knapp wird, daß sie das schreckliche K- Brot möglichst oft durch die ge— wohnten Kuchen und Küchlein ersetzen kann, daß bei der Kaffeevisite das Selbstgebackene in herkömmlicher Weise paradieren kann. Sie hat das Brötchenbacken im Schweiße des Angesichts ausprobiert, da doch der unzuverlässige Bäcker keine Brötchen mehr liefern will. Sie hat auf dem Boden strahlenden Gesichts gestern den fünften Sack Weizen— mehl zugebunden. Das Fremdenzimmer hat sie ausgeräumt und daselbst ein Spezereiwarenlager von beängstigenden Maßen etabliert, wo sie sich täglich an den geheimen Schätzen berauscht. Ja, manchmal hört man hinter der verschlossenen Tür des Schlafzimmers ein verschwiegenes Klingen und Klirren, als ob zu einem Häuflein Gold— stücke noch ein neues gelegt würde. Nein, sie wird nicht verhungern. Sie hat vorgesorgt. Warum soll sie denn gerade Kartoffelbrot essen, Kerzen brennen, auf Kuchen verzichten? Und ob einer ein bißchen von dem und wenig von jenem auf die Seite bringt, was schadet denn das? Im übrigen tut auch sie doch allerhand fürs Vaterland. Erst neulich gab sie dem Dienstmädchen eine Handvoll Zigarren für den Schatz im Fee Ein wenig beschädigt waren sie ja, aber wer weiß, ob sie überhaupt ankommen, und da kann man doch keine teuren Zigarren verschicken. Und ins Lazarett hat sie vorige Woche noch ein Glas mit Gurken geschickt. Wieviel Mühe hat sie sich gegeben, vorher den Schimmel abzuschöpfen! Ja, man weiß, was sich schickt. Und wehe, wenn einer ihr drein reden wollte. Sie ist sehr wild und zornig... Siehe oben.
Nun, ihre Spezies ist gottdank im Abnehmen, denn die Zeit und vor allem der gesunde Sinn der Mitmenschen stellen ihr energisch nach. Aber ganz ausrotten kann man die beiden Hamsterarten nicht. Es ist zu schön, mit gefüll⸗ ten Backentaschen herumzulaufen, die emsig gehäuften Schätze wohlgefällig anzuknurren und so leicht, die Augen zuzumachen, wenn man etwa in der Zeitung liest, daß der Kaiser— Kriegsbrot ißt.
* Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Ersatzres. Adolf Bayer, Ersatz⸗Rgt. 221, aus Worms.— Unteroff. d. Res. Dr. phil. Wilh. Benthaus aus Dillenburg.— Vizeseldwebel Waldemar Schmaer, Jägerbat. 6, aus Weilburg. Hauptm. d. L. Regierungsbaumeister a. D. Jos. Mallebrein, Landw.⸗Inf.⸗Rgt. 110, aus Darmstadt.— Kriegsfreiw. Abiturient Willi Henrich, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 221, aus Büdingen.— Reservist Ludwig Körber aus Alten-Buseck.— Unteroff. d. Res. Christian Scherer, Res.-Inf.-Rgt. 234, aus Breidenbach.— Tambour Hermann Angersbach, Res.-Inf.-Rgt. 83, aus Biedenkopf.— Oberlt. d. Res. Apothekenbesitzer Heinrich Ruhl, Landwehr⸗-Inf.- Rgt. 110, aus Biedenkopf.— Landwehrmann Heinrich Heid, Res.-Ins.⸗Rgt. 7, aus Zahmen. 5
* Ritter des Eisernen Kreikzes: Offiziers⸗ Stellv. Ingenieur Konrad Meier aus Bad Nauheim. Gefr. Heinrich Seibert aus Ockstadt, Inf.⸗Regt. 116. Wacht⸗ meister Schmiedemeister Gg. Ludwig Weinmann aus Holzhausen v. d. H. Gefr. Richtkanonier Heinrich Weber aus Wallau. Leutn. d. R. Karl Messner aus Wetzlar, 1. Württ. Feldart.⸗Regt. 13. Dr. Weißgerber aus Grünberg, Stabsarzt im Res.⸗Feldlazarett 92. Feldw. Gg. Lang aus Storndorf, Res.-Inf.⸗Regt. 116. Off.-Stellv. und Hauptlehrer an den Techn. Lehranstalten Gustav Ga⸗ briel aus Offenbach. Gefr. Heinr. Weber aus Eschenrod.
* Das Ende der Hasen jagd 1914. Das heute zu Ende gegangene Hasenjagdjahr 1914/15 hinterläßt bei den Jägern kein freundliches Andenken. Ein naßlalter Frühling vernichtete die jungen Hasensätze fast vollständig. An manchen Orten sah man deshalb von vornherein von der Abhaltung größerer Jagden ab, um die kargen Bestände nicht ganz aufzureiben. Wo man aber Treibjagden abzu⸗ halten wagte, erlebte man bittere Enttäuschungen. Winzige Bruchteile von dem Ergebnis früherer Jagden brachten die Jäger zur Strecke. Die Folge war, daß die Hasenpreise eine außerordentliche Höhe erreicht und mancher deshalb auf den altgewohnten Weihnachtshasen seufzend Verzicht leisten mußte. Der Kriegswinter 1870/1 hat es in Bezug auf Wildreichtum besser gemeint als der des gegenwärtigen Weltkrieges. Damals gab es Hasen in Hülle und Fülle, so viel, daß manches Langohr nicht gegessen werden konnte. Freilich waren 1870/71 die jagdlichen Verhältnisse noch weit, weit günstiger als heute, wo in jeder Gemarkung Fabrik⸗ schlote rauchen, Eisenbahnen rasseln und ein dichtmaschiges Wegenetz die Fluren durchschneidet.
Vi be Landkreis Gießen. 5
() Lang-Göns, 14. Jan. Auf Anregung des Orts- vorstandes wurde hier eine Geldsammlung veranstaltet, wobei die Summe von 30009 Mark in Gold an den Gemeinderechner Brückel abgeliefert wurde.— Gleichfalls konnte der Postagent
Schneider von anfangs Januar bis jetzt 2250 Mark in Gold abliefern. 5 Kreis Lauterbach.
Schlitz, 14. Jan. Landwirt Johannes Röhm aus dem benachbarten Hutzdorf geriet gestern im Walddistrikt „Eisenberg“ unter sein schwerbeladenes Fuhrwerk und wurde auf der Stelle getötet. Der Verunglückte war erst 33 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit zwei
kleinen Kindern. Kreis Wetzlar.
() Krofdorf, 15. Jan. Ter frühere Avothekenbesitzer Heinrich Ruhl(Oberleutnant der Res. und Führer der 3. Komp. des Landw.-Ins.-Agts. 110) starb in der Nacht vom 4. zum 5. Januar beim Sturmangriff im Oberelsaß den Heldentod im Alter von 39 Jahren.
Riesenmörser im 19. Jahrhundert.
Die„Dicke Berta“ hat nicht nur in den ersten Jahrhunderten des Artilleriewesens, als man Geschütze mit einem Kaliber von einem Meter oder gar mehr baute, ihre Vorläufer gehabt, son⸗ dern Riesenmörser, die ihrem Kaliber gleichkamen oder es gar übertrafen, hat man auch im 19. Jahrhundert hergestellt und benutzt. Vor der Westfront des Berliner Zeughauses stehen, wie die„Artilleristischen Monatshefte“ berichten, zwei im Jahre 1814 eroberte Bronzemörser von 25 und 28 Zentimetern Seelenweite, im Innenhofe des Zeughauses stehen zwei ebenfalls 1814 und zwar in La Fere eroberte Mörser von noch größerem Kaliber. Sie haben 32,4 Zentimeter Rohrweite. Die beiden Geschütze, die in Lüttich gegossen worden sind, konnten nur unter einem unveränderlichen Winkel von 75 Grad schießen, denn sie waren fest auf einer eisernen Fußplatte angebracht. Gleichfalls in Lüttich wurde 1832 ein glatter Mörser von 60 Zentimetern Rohrdurchmesser hergestellt, und da diese Waffe beim ersten Schuß sprang, stellte man drei Jahre später einen neuen, gleich⸗ kaliberigen Mörser her, der bedeutend stärker war. Auf einem belgischen Schießplatze wurde er tatsächlich ausgeprobt. Sein 460 Kilogramm schweres Geschoß hatte ungesähr das gleiche Gewicht, wie eine moderne 31-Zentimeter-Granate; eine Pulver⸗ ladung von 10 Kilogramm schleuderte es unter einem Winkel von 45 Grad bis auf 1663 Meter. Die Ladung war dabei nur schwach, und es ist wohl möglich, daß man weitere Versuche mit stärkeren Ladungen gemacht hat. Das Geschütz brauchte eine Bedienung von 16 Mann und konnte stündlich nur drei Schüsse abgeben. Den größten Mörser des 19. Jahrhunderts haben die Engländer hergestellt. Im Jahre 1868 wurde„Palmerston's Folly“ fertig, ein Riesenmörser, neben dem die Kruppsche 42⸗ Zentimeter-Waffe klein aussehen würde, denn er hatte ein Ka⸗ liber von 93 Zentimetern und einen Umfang von 3 Metern. Er wog über 93 Tonnen; sein Geschoß war 1587 Kilogramm schwer und die Schwarzpulverladung ug 215 Kilogramm. Weiter hat der artilleristische Fachmann über diesen Riesen⸗ mörser nichts in Erfahrung bringen können. Er vergleicht ihn wie den 60-Zentimeter⸗-Mörser mit modernen Kruppschen Hinter⸗ ladern. Wenn es Krupp gelänge, Geschütze von solchem Kaliber herzustellen, würde der 60⸗Zentimeter⸗Mörser mit einer Ladung von 430 Kilogramm eine Granate von 2900 Kilogramm ver⸗ feuern. Der 93⸗Zentimeter⸗Mörser würde sogar ein Geschoß von 10 800 Kilogramm verfeuern, das also mehr wöge, als das Rohr einer 19⸗Zentimeterkanone 2/40. Das Rohrgewicht eines solchen angenommenen 93⸗Zentimeter⸗Mörsers würde fast doppelt soviel betragen, wie das der größten bis 1913 von Krupp hergestellten 40,64-Schiffkanone, nämlich schätzungsweise 217000 Kilogramm. 1
Austufan die deutschen hausfrauen!
In der Zeit vom 18. bis 24. Januar 1915 soll, unter wärmster Billigung Ihrer Majestät der Kaise⸗ rin, in ganz Deutschland eine
Reichswollwoche
stattfinden. 5
Der Zweck dieser Reichswollwoche besteht darin, für unsere im Felde stehenden Truppen die in den deutschen Familien noch vorhandenen überflüssigen warmen Sachen und getragenen Klei⸗ dungsstücke(Herren- und Frauenkleidung, auch Unterkleidung) zu sammeln. Es sollen nicht nur wollene, sondern auch baum⸗ wollene Sachen sowie Tuche eingesammelt werden, um daraus namentlich Ueberziehwesten, Unterjacken, Beinkleider, vor allem aber Decken anzufertigen.
Gerade an Decken besteht für die Truppen ein außerordent⸗ licher Bedarf, da sie den Aufenthalt in den Schützengräben sehr erleichtern und erträglich machen. Mit großem Erfolg sind be⸗ reits von sachverständiger Seite aus alten Kleidern aller Art Decken in der Größe von 1,50: 2 Meter hergestellt worden, die einen hervorragenden Ersatz für fabrikmäßig erzeugte wollene Decken bilden und deren Herstellungskosten nur ein Viertel einer fabrikmäßig hergestellten wollenen Decke betragen.
Zu dieser Aufgabe bedürfen die unterzeichneten Stellen der tätigen Mitarbeit aller deutschen Frauen.
Die Organisation dieses Sammelwerkes wird sich in den Gauen des Vaterlandes verschiedenartig gestalten— je nach den Eigentümlichkeiten und den besonderen Lebensverhältnissen ihrer Bewohner. 2 5*
Aber Euch Allen wird rechtzeitig die Mitteilung über die Einzelheiten zugehen. Zunächst richtet Euch schon darauf ein, in Euren Schränken nachzusehen, was Ihr entbehren könnt, um es denen zu widmen, die mit ihrer Brust und ihrem Blut uns alle beschützen. Gebt, soviel Ihr irgendwie entbehren könnt!
Nur diejenigen Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, bitten wir, sich im Interesse der Allgemeinheit an dem Liebeswerk auf diese Weise nicht zu beteiligen.
Also nochmals, deutsche Hausfrauen, frisch ans Werk!
Sammelt aus Schränken und Truhen, was Ihr an Entbehr⸗ lichem findet!
Schmürt es zu Bündeln, packt es in Säcke und haltet es zur Abholung bereit, wenn alle unsere Helfer in der Reichs⸗ wollwoche vom 18. bis 24. Januar 1915 an Eure Türen klopfen!
Berlin, den 1. Januar 1915.
Kriegsausschuß für warme Unterkleidung E. V.
Fürst zu Salm⸗Horstmar.
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n e aAltbewahrite Nahrung 2 kürKinderund Krankes
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