Ausgabe 
(14.1.1915) 11. Zweites Blatt
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Ark der Veubenbung von kriegs gefangenen gelernten Fr⸗ beitern enstellen. Es seien nur genannt die Aus⸗ übung der Ueberwachungs tätigkeit, die Verpflegung, die Unterbringung; weiter das Vorhandenseim einer event Unlust von seiten des deutschen Arbeiters, mit demFeinde Seite an Seite seine Arbeit zu verrichten.

Das Reichsamt des Innern und das preußische Kriegs⸗ ministerium haben im Dezember vori Jahres Grund- sätze über die Beschäftigung Kriegsgefangener aufgestellt. Damit die Unternehmer aus dieser keinen finanziellen Vor teil ziehen können, besteht von seiten dieser die Verpflich⸗ tung, angemessene festgelegte Löhne zu bezahlen und zwar für ungelernte Arbeiter den vollen ortsüblichen Tagelohn. ç die gelernten Arbeiter dagegen sind wesentlich höhere söhne angesetzt. Hier müssen die gleichen Löhne bezahlt werden wie für unsere deutschen Arbeiter im Stück⸗ oder Tagelohn in dem betreffenden Arbeitsorte.

Die Verrechnung der von den Unternehmern zu zahlen⸗ den Löhne erfolgt mit der Heeresverwaltung Dipl.-Ing. Dr. Stöckle.

Aus Feld postbriefen.

Aus der großen Zahl der uns neuerlich wieder zum Abdruck überlassenen Feldbriese seien folgende Ausschnitte wiedergegeben:

Ein gefährlicher Patrouillengang.

Von unseren Horchposten wurde gemeldet, daß der Feind die ganze Nacht hindurch geschanzt hatte. Da ich in meiner Kom⸗ vagnie als Draufgänger bereits bekannt bin, wurde mir der

envolle Auftrag zuteil, mt unserem Leutnant und ein paar ann zu erkunden, was da los sei.

Wir traten um 8 Uhr früh den Gang zum Feind an, gingen, gedeckt durch den Wald, im Bogen an die feindliche Schützenlinie heran. Wir waren kaum 300 Meter vorgeschritten, da sahen wir einen französischen Toppelposten, mußten ihn aber umgehen, denn wenn wir ihn abgeschossen hätten, wären wir verraten und

wieder zurück. Wir gingen weiter vor, Schluchten und

sebüsche als Deckung benutzend. Als wir ein gutes Stück wieder hinter uns hatten, erklomm ich eine Höhe und sah 150 Meter vor mir den Schützengraben, der frisch aufgeworfen war, und hinter diesem, im Wald versteckt, noch einen. Ich sah mich um und gewahrte, daß der Wald, in dem ich mich befand, mich noch näher an den feindlichen Graben heranbringt. Das meldete ich unserem Leutnant und wir gingen noch weiter vor bis ans Ende des Waldes. Von dier führte ein Hohlweg zum Feind. Ich chte mich mit einem Kameraden bis auf 50 Meter an den zützengraben heran. Wir verhielten uns mänuschenstill, konnten aber keine Stimmen aus dem ercken Graben vernehmen, desto mehr aber aus dem zweiten. Ta wir nun auch noch fest⸗ stellen sollten, ob in dem Graben Franzosen oder Engländer

SSSZrrre

waren, gingen wir noch weiter vor, jetzt aber auf freiem Feld. Auf einmal entdeckte ich kurz vor uns wieder einen Schüten⸗

graben, an den wir uns heranschlichen. Ich nahm mein Fern- glas, um den Graben zu besichtigen, fand aber nichts. Plötzlich sagte mein Kamerad:Hier sind Franzosen! Die Augen traten ihm dabei ordentlich aus den Höhlen. Wir gingen sosort zurück. Ich wollte es jedoch durchaus nicht glauben, denn ich sagte mir, wo wir beinahe auf 15 Schritte dran waren, hätten sie uns doch runtergeknallt. Ging also mit meinem treuen Krause wieder vor bis an den Schützengraben, warf einen Blick hinein und sah ihn leer. Dann kroch ich auf allen Vieren zu dem vorderen langen Graben und fand ihn ebenfalls leer. Es war also nur ein Scheinschützengraben und alle 5 Meter lag eine leere Konserven⸗ bückfe, welche die Gewehre darstellen sollten. Da ich in dem anderen vorspringenden Graben ein kleines Schild sah, ging ich wieder zurück. Kaum aber tat ich den ersten Schritt in den Graben, als auf einmal sieben Franzosen direkt vor uns aus dem Unterstand, den ich zuerst nicht sehen konnte, err aner Auf den Tod gefaßt, standen wir da und sahen

Feinde ins Auge. Fest umklammerten wir den Griff des Wewehres und legten an. Doch eine blitzschnelle 3 uns, daß jetzt Schießen Wahnsinn und gleichbedeutend mit Selbst⸗ mord wäte, denn durchlöchert wie ein Sieb würden wir ent⸗ seelt in die Hände des Feindes gefallen sein. Es gab nur die eine Möglichkeit, sich s eunigst durch die Frucht zu retten,

mal wir deutlich sahen, daß sich bei den Rothosen eine große bemerkbar machte. Also Gewehr ab und los. Wie die Besessenen schossen die 28 hinter uns her. Jeden Augenblick dachten wir, die Kugel wird dich gleich durchbohren, mach dich bereit, du fährst jetzt in die Ewigkeit. Aber wie durch ein Wunder entkamen wir glücklich und langten unbeschädigt wie⸗ der bei den Unsrigen an, von allen freudig begrüßt. Der Auf⸗ trag war somit erledigt und am 21. v. Mts. erhielt ich dafür das Eiferne Kreuz, das mir vom Herrn Oberst meines Regiments persönlich überreicht wurde. Unsere Artillerie aber feuert jetzt in die zweite Schützenlinie der Rothosen, in die wirklich besetzte. Wahrscheinlich werden sie sich nicht schlecht darüber wundern.

Ein Heer auf dem Marsche.

Gestern morgen verließ unsere mit enthüllter Tabne das Dorf. In einer der nächsten Ortschaften war der Sammelplatz für das Bataillon. Bald gings weiter nach X., wo wir mit den beiden andern Bataillonen zusammentrasen. Mit klingendem Spiel wurde der Marsch fortgesetzt. Unterwegs mußten wir meistens neben der Straße über die Felder mar⸗ schieren, da uns Artillerie und endlose Züge von Autos be⸗

eten. Da uns immer mehr Artillerie überholte und auch 5 ganze Bagage mitfuhr, glaubten wir, es ginge zur Bahn

dann nach Rußland. Stundenlang marschierten wir über usorweichte Felder und auf schlechten Feldwegen. Unsere Feld⸗ waren gleich zu Anfang stecken geblieben und kamen erst

viel später nach. Endlich nach langem Marsche kamen wir tod⸗ an unserm Bestimmungsorte an. Wir fünfe sollten in

einer Schule nächtigen, aber die Lehrerin, die da wohnt, wollte uns nicht haben. Sie meinte, es wäre kein Platz da, und es müßte wahrscheinlich ein Verseben sein, daß wir zu ihr geschickt worden wären. Wir ließen uns aher nicht abweisen, sondern die Wohnung einer gründlichen Untersuchung vor. Es

e sich dabei heraus, daß sie für dreimal soviel Menschen Plat batte. Wir machten kurzen Prozeß, räumten ein Zimmer aus und richteten uns darin nach Wohlgefallen ein. Die bekam vor uns eine solche Angst, daß sie die Nacht nicht schlief. Man hörte sie andauernd beten. Am nächsten Morgen, nachdem wir alles varademäßig in Stand gesetzt hatten, ging es wieder fort. Schon den ganzen Morgen kam ein A rtillerie-Regi⸗ nach dem andern durch. Auf allen Straßen, die nach St. führten, sah man endlose Daker aller Waffengattungen. Aus allen Richtungen klang der Paukenschlag der Regimentsmusiken an das Ohr. Es war ein unvergeßlich großartiger Anblick, der sick uns bot, als wir auf einer Anhöhe vor der Stadt rasteten und hon 5 e e g Massen des 8 Ubersehen konnte. Alle Straßen waren von Landwehr und Leicht⸗ verwundeten abgesperrt. Im Gleichschritt gings über das hol⸗ perige Pflaster der Stadt, von der Bevs staunend be⸗

tet. Auf einem freien Platze, vor dem Rathbause, nahm n General v. B. die Parade ab. Die vielen fungen Leute

en dem General Freude zu machen, denn er nickte uns

wohlwollend zu. Eine Weihnachtsfeier.

.. Es war wunderschönes Weihnachtswetter. Kein Wölk⸗ chen war am Himmel, die Sterne gliterten und der Mond warf seinen silbernen Schein auf die feindliche Landschaft, und alles dies kam einem vor, wie ein großer Weihnachtsbaum. Und wenn nicht in dieser stillen Nacht ein französischer Vorpvosten auf uns geschossen hätte, so hätte man glauben können, daß der tiefste

jeden herrsche. Am 1. Feierta gen wurde es neblig, so daß man nichts auf 10 Meter sehen konnte. Alles war mit einem dichten Reif bedeckt. Am 2. Feiertag war das Wetter Vvenau so. Am dritten wurde es wieder wärmer und sing an

zu lauen. Während diefer Jeit mußte alles auf dem Posten sein und wachen. Am dritten Feiertag abend wurden wir aus dem nun nassen Schützengraben abgelöst. Als wir wieder unserm Qunttier zumarschierten, war ein jeder froh, denn am nächsten Abend wollten wir ja Weihnachten feiern, und dann wurden ja auch die großen Weihnachtspakete aus det Heimat ausgegeben. Als wit in unser kaltes Quartier kamen, wickelte sich ieder in eine Dede und Mantel und schlief einen ruhigen Schlaf Am nächsten Tag reinigte man seine Kleider und Stiefel und zuletzt das Gesickt gründlich vom Schützengrabendreck. Abends gegen 8 Uhr traten wir ein zur Bescherung. Sie fand in einem grofen Stalle statt. In der Mitte stand der schlicht geschmückte Christbaum auf einem großen Tisch, auf dem unsere Geschenke lagen und an den Wänden standen noch die Krippen und Naufen, mit Liebesgaben gefüllt. Wir stellten uns um den brennenden Baum, die glten bärtigen Landwehrmänner bis zu uns jungen Kriegsfreiwilligen. Wir fangen einige Weihnacktsktieder, dann trug einer unseter Kameraden ein selbstversaßtes Gedicht vor. Es ging jedem von uns zu Herzen. Jeder dachte an die lieben Seinen im teuren Vaterland, und jeder war daheim in Gedanken. Als die kleine Frier beendet war und wir den traulichen Stall versießen, empfing uns draußen ein Wetter, das genau so in grellem Gegeusatz zu dem Stalle mit dem Weihnachtsbaum stand, wie der rauhe Krieg zum Frieden. Der Sturm heulte von der französischen Seite her und jagte die Wollen am Mond vor⸗ über. Spater, als man sich auf das harte Lager legte, batte sich genau mie das Wetter, auch das Herz von gar manchem beruhigt. Ter Mond schien vom klaren Himmel durch unser gefligtes Fenster auf unser Strohlager und beschien die Gesichter der Krieger, von denen man lesen konnte, daß sie selig träumten. Ein Weihnachtsgeschenk aus dem Felde. An die Leitung des Kriegskindergartens Gießen.

In den Monaten August und September hatte ich öfters Gelegenheit, von den Fenstern der damals in der Aula ein⸗ erickteten Schreibstube aus dem Spiele der Ihnen anvertrauten inder zuzuschauen. Ich konnte so recht ermessen, wie aufopfernd und mit wie viel Liebe die jungen Damen sich in den Dienst der guten Sache stellten. Wenn ich den Damen damals nur im stillen meine Hochachtung widmen konnte, so gestatte ich mir hierdurch, diesem Gedanken Ausdruck zu geben, und ich würde mich sehr freuen, falls ich den verehrten Leitern und Leiterinnen in der Ausübung ihres schweren Berufs durch Uebersendung von 1 Feldbriefen, die Bilder zum Ausschneiden und Spielen ent⸗ halten, dienlich sein könnte. Wang N

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Neujahrsgruß eines 222 ers.

Rußland in einer Waldhütte auf Vorposten um ½ nach 12. 1915. Prost Neujahr!

Liebe Verwandte!

Das neue Jahr glücklich mit dem Gesang Deutschland, Deutsch⸗ land über alles angefangen. Fin Hurra auf den K und das Vaterland, wie zu Hause. Die Stimmung ist sehr gut. Viel Glück und Segen im neuen Jahre!

Die Heizungsanlage im Schützengraben. Auferdem habe ich nun noch eine sogenannte Schreib- stu be, die aber sehr luftig gebaut ist. Bei dem Nordwind, der in den ersten Tagen wehte, zog es in der Bude ganz gewaltig, 2 daß wir uns genötigt sahen, eine Feuerung anzulegen. Diese bestand zuerst aus einem einfachen Holzfeuer, wobei uns aber die Augen und Nasen sehr feucht wurden. Dann erwischten wir eine alte Benzinkanne, an welcher der Deckel abge⸗ und unten ein Feuerloch angebracht wurde. Aber auch abei hatten wir denselben Rauch, so daß) wir einen Kamin bauen mußten, Wir setzten also auf die Benzinkanne Rasenstücke, bekleideten auch die Wand damit, und oben durch die Deckung kamen zwei leere Fettbüchsen, von denen der Boden entfernt war, und unser Kamin war fertig. Nun haben wirs wenigstens warm. 2

Aus Stadt und Cand.

Gießen, 14. Januar 1915. Der Gießener Landsturm in Feindesland.

VII.

Ein neues Jahr! Verklungen die Wünsche der Kameraden untereinander auf Deutschlands Sieg und eigene gesunde Heim⸗ kehr, verweht auch die derer, denen selbst an dieser bedeutungs⸗ vollen Jahreswende nichts anderes einfiel als das üblicheProst Neujahr! Naßkalt und windig 55 der Neujahrsmorgen herauf und das militärische Uhrwerk die Stunden des Dienstes mit gewohnter und selbstverständlicher Pünktlichkeit abschnurren. Doch auf dem geräumigen Bahnhofsplatze von V. drängte sich eine selt⸗ same Schar zusammen, von den Einwohnern der Stadt mit teil⸗ nahmsvoller Neugier betrachtet und angeredet. 33 Männer und Frauen, meist schon mit den Gebresten des Alters behaftet, dazu 3 Kinder, erwarteten unter der schützenden Obhut eines Kommandos Gießener Landsturmleute die Dampfstraßenbahn, um durch sie weiterbefördert zu werden. Ihr heimatliches Dörschen in der Nähe von A. das sie zu so unfreundlicher Zeit verlassen mußten, lag unter dem Feuer der Geschütze ihrer eigenen Landsleute und bot darum dem eden des häuslichen Herdes keine Stätte mehr. So wurden die Beklagenswerten von denbarbarischen Deut⸗ schen zu ihrer eigenen Sicherheit in Haft genommen und zunächst nach. gebracht, wo sie die letzte Nacht des alten Jahres in der

roßen Halle um den wärmespendenden Ofen gedrängt zubrachten. er Neujahrsmorgen würde den des Reisens Ungewohnten ein neues vorläufiges Heim im Kreise ihrer Volksgenossen bescheren.

Wie eine Verkörperung der gemütlichen Großväterzeit rum⸗ pelte die Bahn unter greulichem Fauchen und Pfeifen heran und nahm die müde Last auf, um mit ihr die in endlos langer, ununterbrochener Reihe aneinandergestellten Ortschaften ihres Be⸗ reichs zudurchsausen. In dieser 2 beherrscht der Fabrik- betrieb Welt und Leben. Erz⸗ und Kohleuminen schicken Dut⸗ zende von Schloten in die dicke Luft, und seitwärts der schlecht⸗ epflasterten, kaum mit einem Bürgersteig versehenen Straßen,

inter schablonenhaft unschönen Arbeiterhäusern häufen sich Schutt⸗ und Schlackenmassen mitten in der reizlosen Ebene berghoch zum Himmel. Wurden auch viele der Betriebe durch die Einberufung ihrer besten Arbeitskräfte schwer getroffen, so sind die menschen⸗ freundlichen Bemühungen der deutschen Behörden, die zurück⸗ gebliebene Bevölkerung nicht ganz ohne Arbeit und Brot zu lassen, von manchem Erfolge gekrönt. Die Pulse des Verkehrs schlagen, wenn auch in verlangsamtem Zeitmaß, weiter, und auf den Esenbahnschienen wie auf der kanalisierten Schelde 5 sich Güter mancherlei Art. Die deutschen Lands chen, die von ferne zu begrüßen die Fahrt Gelegenheit gibt. haben es sich im ganzen recht gemütlich gemacht und stehen mit Groß und Klein bestem Fuße.

au Plötzlich zwischen den entlaubten Bänmen ein neues Bild. C, heute ein stilles Städtchen von 5600 Einwohnern, kündigt sich als das an, wirs es im der guten alten Zeit der Geschitze beschei⸗ denen Kalibers und der Geschosse geringerer Durchschlags⸗ und Zer⸗ störungskraft war: eine bedeutende Festung. Außenwerke mit Wall und Graben, Kasematten und Schießscharten recht wie sie die Phantasie des Knaben beschaftigen gebieten drohend Ach⸗ tung. Aber die neue Zeit, die Wehemutter einerdicken Berta, spottet aller Befestigungsfünste von einst und verdammt die einst so oft und heiß umstrittene Grenzfeste zu völliger Bedentungs⸗ losigkeit. Vor ihr haben die Cer Kürassiere ihre Garnison kampf⸗ los geräumt, und heute genügt ein verhältnismäßig schwaches deut⸗ sches Kommando, das dort errichtete, meist aus verwundeten Gäulen bestehende Pferdedepot zu sichern. Vor einem der von Sauban unter Louis XIV, aufgeführten Festungstore als am Ziele feiner . bielt der Zug und ließ die Alten, von den sie betreuenden ndstürmern dienstwillig geleitet und gestützt, in den bergenden Raum. Ueber eine von den abziehenden l höchst über⸗ flüssigerweise Ade nde von den nachrückenden deutschen Pionieren mit leichter Mühe wieder fahrbar gemachte Scheldebrücke ging es im Schneckentempo auf die Mairie, wo die jetzt Heimatlosen zu weiteret Versorgung belassen wurden und sich mit Dankesworten

Einnahme eines Imbisses 22 Zeit zu einem Rundgang durchs Städtchen. Das leine eum mit seinen bescheidenen Kunstwerken und allerlei Merkwürdigteiten, das Denkmal des Soldaten vaters Kommandierenden Generals des 12. Armec⸗ korps Léon de Poilloue de Saint⸗Mars und das der in den flassischen Rollen der Zaftr, Tancrsde, Semiramis, Didon ge⸗ schäßten Tragsdin Clatron konnten in Augenschein genommen Verden, ehe der undantbare, weil trotz allen Verbrauches an Nervenftaft häufig mif achtete Wachdienst im alten Standort die in erster Linie zu ihm Berufenen wieder in die geöffneten Arme nahm. Ganz im Zeichen der blau- weißen Farben stund der 7. Ja- mar, der siebzigste Geburtstag Ludwigs III., Co- nigs von Bayern. Nur der Dimmel machte eine Aus⸗ nahme und hatte eine unausstehlich grämliche Miene aufgesteckt. wie sie wirkungsvoller auch kein Franzmann fertig bekommen hätte. Ader was macht deutschen Soldaten schlechtes Wetter, was machen ihnen Regen und Wind aus, wenn es die Feier eines natienalen Ehren- und Festtages gilt! Auch der bessische Landsturm nahm an der Freude der ganzen Armer, der er zugeteilt ist. gern und freudig teil. und wenn ihm bier wie bei ähnlichen Gelegenheiten eine nicht unwichtige Rolle zuftel, so dankt er das wohl im erster Linie seiner samosen Bataillons musik, der einzigen im näheren Etappengebiet Schon morgens durchzog sie die Dauptstraßen der Stadt zum militärischen Wecken. Aber wie wäre ohne sie der große Fest⸗ akt und die Parade auf der Place d Armes überhaupt dankbar grwesen! Die Herren Franzosen haben sicher gestaunt, wohl auch die Faust in der Tasche geballt. als sie die dienstlich ablömm⸗ liche deutsche Garnison in so stattlicher Menge aufziehen sahen. Dennoch umrahmte ein dichter Kranz von Männern in der Uniform des deutschen Soldaten und Beamten das weite Rechteck. und an den hoben Fensterreihen das Stadthauses drängten sich die Köpfe Roter Krruz⸗Schwestern. Nach der feurigen Ansprache des katbolischen Feldgeistlichen von dem in den Reichs- und Landessarben prangenden und mit dunklem Wrün umpflanzten Altar herab und Schlufigebet, Vaterunser und Segen des evange⸗ lischen, ergriff der Kommandeur der Inspektion das Wort, um mit weithinschallender Stimme noch einmal der Bedeutung des Tages vom Standpunkt des Kriegers. gedenken. Er schloß mit einem Hurra aufLudwig den Deutschen, das während die Truppen präsentierten und alle Glocken der Stadt läuteten dreimal hell und scharf wie Salvenfeuer über den Markt rollte und im ang der backerischen National homme seine Krönung fand. Endlich ging die Musit in die flotten Klänge des Parademarsches über, und die teder der verschiedenen mili⸗ 2 ordneten sich zum 8 ch 9 a olonne vor Sr Exzellenz, der vorzügli appte. ange aber sang und klang es in der Stadt zum Preise desBayern⸗ lands im deutschen Kranz. R

*

Ritter des Eisernen 3 Schulamts⸗ landidat 8 Otto Hedrich aus Bellersdorf, Inf Regt. 223. Uffz. Schnorr aus Garbenheim, Königin⸗ Augusta-Garde-Grenadier-Regt. 4. Oberlt. d. L. Viebahn aus Friedberg. Res. Christoph Huth aus Langenhain. Leutn. d. R. im Eisendahn⸗Regt. 2 Ludwig Krantz aus Marburg. Uffz d. R. Lind aus Villingen, Inf.⸗Regt. 116.

Sergeant Phil. Keil, uffz. Herm. Keil und Uffz. Herm. Opper aus Ettingshausen. Vizefeldw. enträger Diehlmann aus Unterschmitten, r Lehrer Heinrich Jung aus Lützendorf, Inf. Regt. 87. Landsturm⸗

Gefr. Peter Heibel aus Herschbach, Großh. Hess. Landst. Inf. Bat. 4. ug d. R. dab ere(bisher im Haufe Edg. Borrmann in Gießen). La Heinrich Noth nagel IX. aus Griesheim. Drogist M. Medicke aus Heppenheim. Eduard Oppermann und Musketier Klip⸗ ert aus Langen, Inf. Regt. 117. Freiw. Gefr. Ernst auschkolb aus Offenbach, Inf.-Regt. 221. Leutn, d. R. Lehrer Emil Armbrecht aus Mudersbach. Off. Stellv. d. R. Wilhelm Waldeck aus Alsfeld.

Im Gießener Soldatenheim(Cass Ebel, Burggraben, Eingang von der Marktstraße aus) wird am nüchsten Samstag, den 16. d. M., um Uhr eine Nachmittagsunterhaltung stattfinden. Außer must⸗ kalischen Darbietungen werden ernste und heitere Dichtungen seitens des Herrn cand. phil. Goettig und 2 oecker zum Vortrag kommen. Alle.

ranken der Gießener Lazarette, aber auch alle Angehörigen der Gießener Garnison sind hierzu eingeladen.

* Personal für die Etappen. Nach Mitteilung des stellvertretenden Militärinspekteurs der freiwilligen Krankenpflege ist die Gewinnung von Depotpersonal und Köchinnen um Dienste in der Etappe nötig, wobei insbesondere anzustreben ft Persönlichteiten, die bereits im Etappengebiet tätig waren, u erneuter Verpflichtung zu veranlassen. Anmeldungen werden m Geschästszimmer des Roten Kreuzes, Alte Klintt, entgegen genommen.

* Reichsgründungsfeier. Man schreibt uns: Der Ernst der Zeit legt dem deutschen Volke Zurückhaltung in Festen und Feiern auf. Aber eine Feier wollen wir uns doch nicht nehmen lassen: die der Gründung des Reiches. Des Reiches, das eie zum ersten Male die Prüfung zu beste hat, ob es auf festem Boden und mit starken Quadern gebaut ist. Nach 5/ Kriegs⸗ monaten trotz der 11 Feinde kein Feind, trotz der bri⸗ tischen Herrschaft über die See und des 1 mancher de keine wirtschaftliche Not im Land: mit Stolz und Freude über unser Reich können wir die Feier begehen! In Deutschland sollte dieses Tages, nicht auch in diesem Jahr, sondern in diesem Jahr e rst 57 055 festlich gedacht werden; keine bessere Antwort gäbe es auf die Nachrichten von der ckten und mutlosen Stim⸗ mung in Deutschland, mit denen unsere ihrer eigenen Be⸗ vofkerung Mut einzuflößen suchen. Die vom Alldeutschen Verband veranstaltete allgemeine Reichsgründungs feier findet am Montag, 18. Jamiar, im Saal des Gesellschaftsvereins statt.

Landkreis Gießen. 1

Lich, 13. Jan. Oberleutnant Amtsrichter Robert Weitert

ein Sohn des ehemaligen Vorstehers der hiesigen Präparanden⸗

Anstalt, ist als Kompagnteführer im Insanterte⸗Regiment 221 auf

dem russischen Kampsscha gefallen. R. Weitert war lange

Jahre in Schlig als Amtsrichter tätka, wurde dann nach Ossen⸗

dach a. M. versetzt, von wo er vor wa einem halben Jahre nach

Darmstadt übersiedelte. Der Pesallene war sowohl in er beruf; lichen Tätigkeit, sowie auch als Offizter sehr beliebt.

J Holzheim, 12. Jan. In unserer Gemeinde wurden

bis jetzt rund 10 000 Mart Gold in Papier umgewechsell.

a Kreis 2 Bobenhausen, 13. Jan. Vorige Woche war der junge K. Kraft, Sohn des Musikers Konrad Kraft, im Walde mit Schießen von Eichhörnchen beschältigt. Er hatte kaum sein Gewehr geladen, als es auch schon los ging. Das Geschoß durchbohrte ihm die dand. Er achtete die Wunde wenig. Es entstand Blut- vergiftung; vergangenen Samstag trat Starrkrampf ein. Kurz darauf ist er gestorben.

O Aus demoberen Vogelsberg, 13. Jan. Begünstigt durch das gelinde Wetter im Spätherbst und Vorwinter blühen hier schon an geschützen Hecken die Kätzchen des Haselnußstrauches.

Helen Nassan

h. Höchst a. M., 13. Jan. Aus dem Main wurde die Leiche der 15jährigen Clisabeth Ambrosi aus Bieber ge⸗ borgen. Das junge Mädchen wurde seit Ende November

vermißt. d. Frankfurt a. M., 13. Jan. Aus dem Eisenbahn⸗

direktionsbezirt Fraukfurt ging heute jrsüüh abermals ein großes

und Händedrücken von chren bisherigen Begleitern verabschiedeten.

Diesen aber blieb nach Erledigung der dienstlichen Geschäfte und

Kommando Cisenbahner zur Dienstleistung nach Belgien ab. g

stud. theol. erwundeten und