Ausgabe 
(13.1.1915) 10. Zweites Blatt
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Ipweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Areis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

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Rotattonsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: e 51, Schrift

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Darf London bombardiert werden?

Die englische, insbesondere die Londoner Presse beschäf⸗ tigt sich seit einigen Tagen eifrig mit dem inhaltsschweren Problem, darf London bombardiert werden?

A3deifellos hegt man die Besorgnis, daß dies geschehen könne, und man beruft sich dabei auf ein Wort des Grafen Zeppelin, der auf die Frage, wo denn unsere vielen Luft⸗ kreuzer blieben, geantwortet haben soll: Die kommen noch alle, aber später. Vor diesem später grault man sich in Lon⸗ don, wenn man das auch noch nicht offen zugibt, sondern man handelt dabei nach der Taktik jener Frau, die beschuldigt worden war, einen Kupferkessel unterschlagen zu haben und vor Gericht die Erklärung abgab, daß sie den Kessel erstens gar nicht bekommen, daß sie ihn zweitens wiedergegeben habe, und daß er drittens so wertlos gewesen sei, daß es sich nicht lohnte, ihn wiederzugeben. So versichert man jetzt in London, daß ein e der englischen Hauptstadt durch Zeppeline erstens praktisch kaum durchführbar, daß es zweitens völkerrechtlich unstatthaft sei, und drittens hat man auf zahlreichen Baulichkeiten Ballonabwehrkanonen zur Be⸗ 5 12 eines etwaigen deutschen Luftgeschwaders auf⸗ ge

Was die Frage der Durchführbarkeit eines Luftbombar⸗ dements von London betrifft, so wird man aus militärischen Gründen gut tun, die Erörterung dieser Frage zu vertagen, bis ein solches Bombardement erfolgt ist. Die englischen Militärbehörden haben freilich in gewissem Sinne eine Ant- wort auf jene Frage gegeben, denn wie man sich erinnern wird, haben sie sich schon Ende September v. J. von einem, belgischen Luftschiffer auf Grund der Antwerpener Erfah rungen ein Gutachten hierüber erstatten lassen. Der Sach⸗ verständige kam zu dem Ergebnis, es bestehe wenig Hoffnung, ein Bombardement Londons durch Zeppeline wirksam zu verhindern: insbesondere seien die Verfolgungen der deut⸗

schen Luftschiffe durch Flugmaschinen so gut wie nutzlos, weil

ein lenkbarer Ballon immer schneller entkomme als ein Flug⸗ K

schiff. Die Beschießung eines Zeppelins erscheine ganz aus⸗ sichtslos,weil die nutzlos gegen den Ballon geschleuderten Geschosse wieder auf die Stadt niederfielen und mehr Scha⸗ den anrichteten als der Zeppelin selbst angestiftet hat.

1 Was nun weiter die völkerrechtliche Seite der Frage be⸗ trifft, so klingt es ja heutzutage fast wie ein Witz, wenn die Engländer, die Erfinder und schosse, die Engländer, die sich rücksichtslos über das gesamte Seekriegsrecht hinwegsetzen, wenn dieselbenEngländer sich auf das Völkerrecht berufen. In diesem Fall haben sie aber die Antwort auf die Frage, ob London bombardiert werden darf, felbst gegeben und zwar durch das Luftbombardement von Düsseldorf, Freiburg, Langebog und Friedrichshafen, in welch letzterem Fall die englischen Flieger sogar neutrales Gebiet überflogen. Doppelt grotesk wirken die vorzeitigen Proteste Englands gegen ein Luftbombardement Londons, wenn man fich erinnert, daß auf der ersten Friedenskonferenz, die 1899 in Haag stattfand, die Mächte unter Führung Deutschlands das Werfen von Geschossen und Sprengstoffen aus Luftschif⸗ fen für die Dauer von fünf Jahren vertraglich ausschließen wollten, und daß England es war, welches eine solche Ab⸗ machung durch seinen Einspruch verhinderte. N

erwender der Dum⸗Dum⸗Ge⸗

Trotz alledem beruft man sich im Britenreiche auf den Art. 25 des vierten Abkommens der zweiten Haager Kon⸗ ferenz vom 18. Oktober 1907, welcher besagt:Es ist unter⸗ sagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu beschießen. 5

Nun, die Engländer haben durch das Luftbombardement von Düsseldorf, Freiburg, Friedrichshafen usw. selbst ge⸗ zeigt, daß sie entweder wie auf das ganze Völkerrecht so auch auf diese Bestimmung des Haager Abkommens pfeifen, oder daß sie Städte, in denen sich ein Soldat oder ein Gewehr befindet, nicht als unverteidigt gelten lassen. Wenn aber auf irgend eine Stadt, so trifft das auf London zu, denn nach englischen Berichten hat man diese Stadt zum Schutz gegen etwaige deutsche Lundungsversuche mit Feldbefestigun⸗ gen und, wie schon betont, zum Schutze gegen Luftschiffe und Flieger mit Ballonabwehrgeschützen reichlich versehen, wozu dann noch kommt, daß sich in der englischen Metropole und ane zahlreiche Kasernen, Arsenale, Werften usw.

efinden.

Im übrigen haben die Engländer selbst uns ja gelehrt, uns von allzumenschlichen Anwandlungen, von übertriebenen humanitären Rücksichten freizumachen. Die im englischen Heere dienenden Inder könnten vielleicht die Engländer dar⸗ über belehren, daß diese einst die indische Hauptstadt Delhi ebenso rücksichtslos bombardiert haben, wie dies zur Kenntnisnahme für die italienischen Französlinge die Franzosen Rom zerstörten. Und als die Deutschen im Kriege 1870/1 solange mit der Beschießung von Paris zögerten und diese so schonungsvoll durchführten, bezeichnete der Eng⸗ länder Sinclair das als eine Donquixoterie. Nun, wir wer⸗ den uns in diesem Kriege, der von unseren Gegnern mit den niederträchtigsten Mitteln geführt wird, und in dem die an⸗ geblich für die Zivilisation kämpfenden Engländer und Fran⸗ zosen die Farbigen aller Weltteile bis zu den Menschen⸗ fressern gegen uns aufbieten, vor solchen Donquixoterien hüten und uns an die Losung derTimes erinnern: Im riege gelte nur Gewalt und jede Mäßigung sei Dummheit! Diese Anschauung wird das Londoner Blatt folgerichtiger Weise doch auch für ein etwaiges Luftbombardement Lon⸗ dons gelten lassen müssen.

Aus dem Reiche.

Die Höchstpreise. Berlin, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die über Höchst⸗ preise für Erzeugnisse der inländischen Kartoffeltrocknerei und der Kartoffelstärke⸗ Fabrikation erlassene Ver⸗ ordnung des Bundesrats enthält eine Bestimmung, daß die Höchstpreise sich bei Verkäufen, die eine Tonne nicht übersteigen, um 0,60 Mark für den Doppelzentner erhöhen. Diese Bestimmung ist durch eine neue Verordnung mit Wirkung ab 15. Januar wie folgt abgeändert worden: Bei Verkäufen von Kartoffelflocken, Kar⸗ toffelschnitzeln, die fünf Tonnen nicht übersteigen, und bei Ver⸗ käufen von Kartoffelwalzmehl, trockener Kartoffelstärke und Kar⸗ toffelstärkemehl, die eine Tonne nicht übersteigen, erhöhen sich die Höchstpreise um 0,60 Mark für den Doppelzentner. Bei Verkäufen, die fünf Kilogramm nicht übersteigen, gelten die Höchstpreise nicht. *

Berlin, 12. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die italie⸗ nische Handelskammer für Deutschland mit dem Sitz

Gieszener Stadttheater. Weh' dem, der lügt. Lustspiel von Franz Grillparzer.

Man leistete gestern abend im Stadttheater nach einer gewissen Spanne befriedigten Rückschauens auf das Erreichte wieder ein⸗ mal herzhafte, frische Arbeit. Und das Wohltuendste dabei war, daß man keinen Augenblick im Zweifel sein konnte, daß sie mit den richtigen Mitteln am geeigneten Objekt vollzogen wurde. An Grill parzers Komödie der Lüge wagt man sich gemeinhin auch bei großen Bühnen nur nach vorsichtigen Erwägungen, und um so höher zu bewerten ist der zugreifende Schneid, mit dem Direktor Steingoetter den Stier bei den Hörnern gepackt hat und die Rücksicht auf das Budget erst hinter dem Willen rangieren ließ, den Versprechen der Abonnementseinladungen nachzukommen. Die Erkenntlichkeit für dies letztere Zugeständnis kam übrigens in einem erfreuli en Besuch zum Ausdruck, neben dem ideellen so auch den praktischen Gegenwert mit sich führend. 8 2

Grillparzer hat glücklicherweise nicht versucht, aus seinem Stoff ein Drama zu machen, obschon derselbe doch alle Möglichkeiten dazu in sich birgt, und der verwilderte Geschmack zur e zeit des Stückes geradezu dazu herausfordern mochte, den Konflikt i 5 Wahrheit und Lüge statt mit dem Kochlöffel mit dem 8 zu lösen. Daß Grillparzer in seiner Auffassung des Gegen⸗ 5

wie in so manchem n seinen Zeitgenossen den Weg abgelaufen hat, beweist übrigens die Tatsache, daßWeh' dem⸗ der lügt bei seiner ersten Aufführung in Wien einen Durchfall i selten gesehenen Dimensionen erlebte, was bekanntlich in erster inie dazu beitrug, den empfindsamen Dichter der Oeffentlichkeit lange Zeit gänzlich zu entfremden. Nun, die Anschauungen haben sich inzwischen in über fünfundsiebzig Jahren delt, und es gibt Leute, die das dam! auf dem Haus⸗ schlüssel begrüßte Stück heute zu den klassischen Lustspielen unserer mit diesen Höhepunkten leider nur mäßig gesegneten Literatur zählen. Aber es muß ja nicht notwendig rubriziert werden. Sicher ist jedenfalls, daß Grillparzer die Hand des Meisters zeigt, wo s gilt, jeder doch so naheliegenden Blasphemierung eines sittlichen Prinzips aus dem Wege zu gehen, und wo er eben dieses Prinzip trotz seinem abstrakten Charakter mit unnachahmlicher Liebens⸗ würdigkeit und Grazie als fast greifbares Motiv durchscheinen läßt. Nirgends eine Beleidigun, listen, nirgends eine Rach giebigkeit gegenüber der Versuchung, im Mönchsgewand hinten belehrenden und den Verstand schärfenden Tendenzen herzulaufen. Und wie leicht böte doch die auf fünf lange g desWeh' dem, der lügt

des Gewissens auch des zartesten Mora⸗

irgendwelche bürgerliche oder oder zu einer mehr oder minder kteresfanten Kapu⸗ 2 von alledem. Ueber die inneren Konflikte, die in 0 schlummern, gleitet Gri

F Pn von vornherein vermeidet er 5 au

Akte verteilte uns. ige Widerle Gelegenheit 1 Eendeden 1

dem Widerspruch zwischen der Wirklichkeit und der Be⸗

N

und wenn es gleichwohl zu dem Resultat kommt, daßman das Unkraut nicht ausrottet, und daß dies auch nichts verschlägt, wenn nur der Weizen drüberwächst, dann ist der Weg dahin jedenfalls heiterer und erfreulicher, als über die Klippen spitzfin⸗ diger Doktrinen. Daß es bei alledem nicht ohne einige Bie⸗ gungen abgehen kann, ist kaum verwunderlich; nur die Mau⸗ serung des Bischofs vom Fanatiker zum verstehenden Menschen und die seines Neffen vom dünkelhaften Schwachkopf zum Apostel der Entsagung verzeiht man 2 Das Komödienidyll mit seiner enen, nie überheblichen Verspottung unserer sich noch mit Bär und Auexochs herumschlagenden Vorfahren und seinen altfränkischen Späßen hat jedenfalls am Ruf von Grill⸗ parzers reiner, poetischer Erscheinung gültigen Anteil.

Wie schon eingangs festgestellt, war die gestrige Aufführung nach Form und Inhalt hochwertig. Weh dem, der lügt, und wir wollen nicht übertreiben: Für unsere Verhältnisse wohl durchwe⸗ das Höchstmaß des Erreichbaren. Aber auch größere Verhältnisse könnten ihre helle Freude daran haben. Das Spiel steht und fällt mit dem Küchenjungen Leon. Ferdinand Steinhofer unterzog sich dem geistigen Akrobatenstück seiner Darstellung mit einer be⸗ merkenswerten Elastizität. Dem einheitlichen Charakter der Figur versetzt die Wandlung der Situationen gar manchen Rippenstoß. Steinhofer aber stand sest auf seinen Füßen und brachte es fertig, daß man auf den abenteuernden Ritter von der Küchenschürze Stein und Bein schwor. Namentlich in den spielerisch⸗psychologisch so reizvoll behandelten Eulenspiegeleien im Hause Kattwalds er⸗ kannte man den verständigen und gewandten Künstler. Von dem Eulenspiegel hat der Leon übrigens das Ueberwiegen des Gefühls⸗ moments voraus, und auch hier, als Diener, Freund und Ver⸗ liebter, war seine Darstellung gleich lebenswahr. Marta Schild erschöpfte den Liebreiz des seinem reinen Herzen folgenden Grafen⸗ kindes Edrita vollkommen. Walter Dworkowski und Paul Schubert, der eine als Bischof, der andere als intmer noch eins trinkender, auf der Bärenhaut liegender Germane, boten Tüch⸗ tiges, und Hans Grosser⸗Braun schlug sich wacker mit der Rolle des unsicheren Kantonisten Atalus, des Bischofs Neffen, herum. Ausgelassene Heiterkeit erregte Clemens von Roggen⸗ hausen in der Tanzbärenerscheinung des Tölpels Galomir, dessen körperliche Entwicklung auf Kosten der geistigen vor sich ge⸗ gangen ist. Direktor Steingoetter machte mit seiner Regie, abgesehen von dem lebendigen Zug, der durch das Ganze ging, ein doppeltes Meisterstück: Trotz den beschränkten und teilweise un⸗ geübten Arbeitskräften, den unzähligen Verwandlungen und fünf Akten fiel der Vorhang kurz nach 11 Uhr zum letztenmal; und ferner stellte die Regie Bühnenbilder, die zum allergrößten Teil hinsichtlich Geschmack und Gediegenheit freudiges und berechtigtes Staunen erregten und verrieten, daß der Pinsel zu Nutz und Frommen unseres Fundus wieder lebhaft tätig gewesen ist.

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Gotthard Kühl 5.

Der zu Dresden verstorbene Maler Gotthard Kühl besaß zu⸗ gleich die hohe Achtung der Künstler und das Herz des Pu⸗ blikums ein Fall, der bekanntlich recht selten ist. Das Pu⸗ blikum erfreute sich an den Reizen der Winkel alter deutscher Städte, die er malte, an seinen charaktervollen Altmännerhäusern, an der feinen Stimmung der von ihm geschilderten Innenräume: die Maler aber sahen in Kühl einen besonders feinen Beobachter der Luft und Lichterscheinungen und schätzten seine Malerhand

in Berlin veröffentlicht in ihrem Januar⸗Monatsheft unter an⸗ deren zahlreichen Notizen, die den Handel der beiden Nationen interessieren, einen kurzen Rückblick auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands seit dem Ausbruch des Krieges und schließt auf Grund sachlicher Unterlagen folgendermaßen:Der Uebergang von dem normalen Gleichgewicht zu dem alsKriegs⸗ 1 anzusprechenden erfolgte dank der tadellosen und esunden industriellen und kommerziellen Organisation Deutsch⸗ ands, der patriotischen Mitarbeit aller Klassen und den weisen gesetzlichen Verfügungen ohne Schaden. Es ist gewiß kein Opti⸗ mismus, anzunehmen, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse Deutsch⸗ lands, trotz der vielfach gestörten Handelsbeziehungen mit dem Auslande, sich bis zum Ende des Krieges durchaus zufrieden- stellend erhalten werden.

a Die Hindenburgspende. ein, 12. Jan. DerBerl. Lokalanzeiger meldet: Die Mitglieder des Vorstandes des Deutschen Städtetages begeben sich nach dem Osten, um Generalfeldmarschall v. Hindenburg persönlich die Spende des Deutschen Städtetages zu überreichen.

2 Straßburg(Els.), 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) Einem in der Straßb. Post erschienenen Gemeinderatsbericht aus Dieden⸗ hof en zufolge, werden im Sinne der jüngst ergangenen bekannten Erlasse durch Ministerialverfügung die Ortsbezeichnungen Beaure⸗ gard, Varages, Briquerie, Gassaon, Crsévecoeur, Cròèͤve⸗Frescaty und Schloß Jeannot, alle im Kreise Diedenhofen gelegen, durch deut sche Ortsnamen ersetzt werden.

Saarbrücken, 12. Jan. In der heutigen Stadtverord⸗ netenversammlung machte Oberbürgermeister Mangold Mitteil. von dem Beschluß einer geheimen Sitzung des Kollegiums, wona aus städtischen Mitteln 10000 Mark zur Hindenburg spende bewilligt wurden.

Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrit stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.) 5 Die Verwertung der Küchenabfälle.

Im Interesse der dringend notwendigen Ergänzung unserer Futterstoffe haben manche Stadtverwaltungen bereits Maßnahmen getrossen, daß die verwertbaren Küchenablälle gesammelt werden. Ob dies auch bier geolant ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedensalls könnten die Hausfrauen ihrerseits sich der Sache an⸗ nehmen. Es ist schon in manchen Haushaltungen üblich, daß z. B. das Milchmädchen den Küchenah fall, soweit er sich als Schweine futter eignet, mitnimmt. Man führe das allgemein ein Wo mehrere Haushaltungen in einem Haufe wohnen, mag die Frau 85 Besitzers die Sache organisieren. Abnehmer werden sich schon nden.

5 Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 11. Januar 1915.

Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen 1 E e ½ Kg. 8696 Pg. Kälber 7 Kg. Schlachtgw. 8885 P, 80-84 Schweine/ 1 8085 I 90106

Getreidepreise in Mann he im

Weizen 100 Kg. 60.00 00.00 Dt. Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Mt.

Brotpreise in Gießen:

Schwarzbrot 2 Kg. 64 Pfg.

hoch. Kühl nahm unter den modernen Malern eine besondere Stellung ein. Er hatte sich entschlossen auf den Boden der Freilicht⸗ malerei gestellt, die ihn während seiner Pariser Studienzeit in seinen Bann gezogen hatte; dabei aber hatte er sich immer ein ftisches Gefühl für Farbigkeit erhalten, wie es sonst in dieser Gruppe von Malern nicht häufig ist, und besonders war es ein keckes, warmes Gelb, das er liebte, und um das er zuweilen seine Bilder geradezuherumzubauen schien. In der Wahl seiner Stoffe verstand Kühl sich an Momive zu halten, die des Inter⸗ esses nicht ermangelten, ohne daß er deshalb doch der geschwätzigen

Studienzeit in München, wo der aus Lübeck gebürtige Kühl von

bildermode, die damals in den Münchener Malerwerkstätten herrschte, etwas anstecken, 1879 kam er nach Paris, und er hat einmal mit knappen, kernigen Worten ausgesprochen, wie ihm doch ziemlich angst und bange zumute wurde, als er das erstemal von der 7 des Montmatre herab das millionenköpfige Paris zu seinen Füßen liegen sah. Damals kam ihm so recht zum Bewußk⸗ sein, daß jeder Einzelne nicht mehr als eine Ameise in diesem wimmelnden Haufen sei, wenn er es nicht zu eigenen, besonderen Leistungen und Taten bringe. Sich hierzu zu schulen, wurde Kühl Lebensaufgabe, und er hat i unerschütterlicher Strenge gegen sich fehlen lassen. Neben dem Einflusse der modernen Pariser Malerei waren es dann verschie⸗

gültige Gepräge und den letzten Schliff gaben.

Als Kühl 1888 wieder in München festen Wohnsitz nahm, war sein künstlerischer Charakter vollendet. Sieben 5 später wurde er nach Dresden berufen. Er war der ersteModerne, der in das Stilleben der Dresdener Kunst eintrat. Energisch und doch versöhnlich, modern, aber nicht fanatisch hat er für die Neu⸗ gestaltung des Dresdener Kunstlebens bedeutend zu wirken ver mocht. Besonders als Leiter der in ganz Deutschland hochangesehe⸗ nen Dresdener Kunstausstellungen hat er Vorzügliches geleistet, und eine an Talenten reiche, verehrungsvoll an dem Meister hängende Schülerschar, die sich lange in der GruppeDie Elbier zusammenfand, legt Zeugnis von seinen vortrefflichen Eigenschaften als Lehrer ab. Wo Kühl in deutschen Kunstausstellungen erschien, war er auf den ersten Blick erkennbar. Eine gesunde Lebensfreude sprach aus allen seinen Schöpfungen. Er war kein Künstler von leidenschafts vollem Temperamente, keiner von jenen, deren Schöp⸗ fungen aus gärender Mystik hervorgehen mit klaren Augen sah er in die Welt, malte lieber trauliche deutsche Städte usid Bauwerke, als Landschaften, für die er wenig Interesse hatte, versenkte sich mit Liebe in die charakteristische Erscheinung eines alten Schiffers oder einer derben, lachenden Dirne, folgte mit beinahe verliebtem Pinsel dem Rieseln und Schweben des Lichtes auf mattroten Ziegelfliesen und wurde nicht müde, den Zug der kräftigen Pfeiler der Augustusbrücke über das zitternde Elbwasser wieder und wieder zu schildern. Gesundheit und frohe stille Lebens⸗

Der schwedische Forscher Nordenskjöld ist von Südamerika in Kristiania angekommen. Die Expedition, die der For⸗ scher in Begleitung seiner Gattin unternommen hatte, dauerte

dianerstämme, die Menschenfresser sind.

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Mittwoch, 15. Januar 19¹⁵

Weißbrot 2 g. s UI.

Novellistik falscher Genremalerei verfiel. Nur während seiner

1870 bis 1879 verweilte, ließ er sich zeitwelse von der Gens.

es hierbei so wenig an Fleiß, wie an

dene Reisen nach Holland, die seinem malerischen Stil das end.

lust sind die schönsten Merkmale seiner malerischen Schöpfungen. Berlin, 13. Jan. Aus Kopenhagen wird gemeldet? 5

zwei Jahre und führte zu wichtigen Entdeckungen in unbekannten Gegenden Südamerikas. Der Forscher entdeckte u. a. neue In⸗

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