Ausgabe 
(11.1.1915) 8. Zweites Blatt
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Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Familienblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Areis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

* 1

8

Montag, M. Januar 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul-

straße 7. Geschastsstelle u. Verlag: S 51, Schrist a

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Kriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. 5 Ancerechtigter Nachdruck, auch aus zugstveise, verboten.) Im bombardierten Dirmuiden. l Großes Hauptquartier, am 5. Jan. Schon in Brügge hatten wir erfahren, daß der hinter der Mer stehende Feind in den letzten Tagen teils eine merkwür⸗ dige Angriffslust, teils aber auch eine bei seinen furchtbaren Verlusten wohlbegreifliche Zurückhaltung zeige. Als wir daher aushrachen, um bis nach Dixmuiden, das heißt in die vorderste nordwestlichen Kamyffront, zu gelaugen, war es für ganz ungewiß, was uns der Tag an Erlebnissen bieten würde. Aber überall wurden wir gewarnt und ermahnt, uns vorher ge⸗ nau über die nröglichen Wege und besonders darüber zu erkun⸗ digen, ob ein Vordringen auf der von uns brabsichtigten Route

angängig fei. 8 was in der vlämischen Form Thorhout, das

Linie der

Gehölz, der heilige Hain des Donnergottes Thor, bedeutet, lud Orgelklang aus dem gewaltigen, weit über die heutigen Ver⸗ ältuisse des stillen Landstädtchens emporragenden Dome zur 7 se ein. Im K schimmer knieten die Einwohner, meist Frauen, und wohl mehr als die Hälfte von ihnen in Trauerklei⸗ dern; und zwischen ihnen sah man betende deutsche Soldaten aller Waffengattungen, aller Bundesstaaten ja ich glaube fast, aller

Bekenntnisse. a 5.* Auf grundlosen Wegen immer weiter gegen die Sumpfrinne der Yser vordringend, mußte man den Eindruck gewinnen, als ob man sich vom festen Lande rettungslos in die endlose Wüstenei eines Urwaldmorastes verirrte, in diesen Pfützen und Seen die Straßen sich wie kaum erkennbare und mehr und mehr in 8 Tiefen versinkende Furten aus breiweichem Kot ver⸗ oren. Es ist so viel über das überschwemmte westbelgische Kriegs-

gebiet worden. Aber was für ein hoffnungsloser, mei⸗ 7 es ist, in dem sich hier, gleichzeitig gegeneinan⸗

der und gegen das Versinken in grundlosen Modder ringend, Mil⸗ lionenheere seit Wochen gegenüberstehen, das glaubt man erst, ja davon kann man sich überhaupt erst einen Begriff machen, wenn man es selbst gesehen hat. Man wundert sich fast, daß man noch einen Baum oder gar ein Haus sieht, und glaubt, man müsse es * Augenblick erleben, daß alles im großen Schlickmeere unter⸗ geht. 5 Schon waren in einigen stark mit Einquartierung belegten Törfern die Bewohner genötigt, den Verkehr mit den Nachbar⸗ häufern durch schmale Brücken aus Stämmen und Brettern auf⸗ rechtzuer halten. 55 1 der 15 7 10 mittage ten, einen ungewohnten ick. Langsam, Schritt für St wateten die bis an die Fesseln im Schlamm versinkenden Rosse fürbaß Wunderbar ist nur noch, daß in einem Gel unsere Munitionskolonnen ihren Dienst bewäl⸗ igen können. Aber es gelingt ihnen. Ich habe leichte Kolonnen, Front schon sehr genähert waren, gesehen, deren Räder bis fast an die Nabe im Schmutz quatschten und die dennoch vor⸗

wärts kamen. diesen Wegen im Ueberschwemmungsgelände bringt jedes das steclen bleibt, unsern rückwã Verbindungen Ge⸗ und kann einen Weg stundenlang verstopfen Darum fuhren umsere beiden Kraftwagen auf weiten Umwegen bis zu dem letz⸗ ten Platze, der mit dem Wagen überhaupt noch zu erreichen war. Hier hielten wir inmitten von Bauernhäusern, die von schweren Granaten furchtbar zerstört waren, und hinter einer Kirche, von der nur noch drei ausgebrannte und schrecklich zerschossene Mau⸗ ern standen. Bis hierher hatte der Feind noch vorgestern mit 2 Geschütz gefeuert. Wir verließen unsere langsam im 1 versinkenden Wagen und kamen in mäßiger Deckung bis an eine Wegkapelle, wo Pioniere damit beschäftigt waren, ihren gefallenen Kameraden die Gräber zu schmücken. 1 Offiziere, 5 hier begegnen, gaben uns die letzten Verhaltungsmaß⸗

Die Straße, die von hier in mehr als zwei Kilometer Länge bis nach Dix muiden sührt, liegt völlig frei vor dem großen⸗ teils parallel mit ihr verlaufenden französischen Schützengraben, der stellenweise nur dreihundert, höchstenfalls vierhundert Meter von ihr entfernt ist. Jede Bewegung, die sich hier zeigt, begrüßt der Feind mit einem ungeheuren Schnellfeuer. Das sollten wir bald erfahren. Denn sofort, nachdem wir aus der Deckung der letzten ren merten Hausmauer herausgetreten waren, schwirrten die ersten Flintenkugeln an unsern Köpfen vorüber. Bald verein⸗ 8 1 5 bald wie summende Wespenschwärme, wobei nur eines auf⸗ l e sie alle links von uns abgingen.

3 m kein zu günstiges Ziel zu bieten, lösten wir uns in eine aufgeschlossene Kette auf und gingen in Abständen von etwa zwan⸗ zig Schritt hintereinander. Oft auch mußten wir von Baum zu Baer vorwärts springen, wenn das Schnellfeuer drüben zu arg murde, obwohl die dünnen und großenteils schon von Granat⸗ seuer umgebrochener Bäume wenig Deckung boten, ihr herabgeschla⸗ . Geäst aber für das schnelle Vorwärtskommen ein beträcht⸗

ches Hindernis war. Der vorletzte Mann mußte sich immer von Zeit zu Zeit umsehen, ob der letzte noch heil war. So ging es iden zu, bis wir uns in der Nähe des zerstörten Bahn⸗ s für einen Augenblick sammelten, da uns nun der letzte und ge ichste Teil der Wanderung bevorstand.

Der Bahnübergang befindet sich nämlich auf dreihundert Me⸗

wvpöllig ungedeckt im rechten Winkel des feindlichen Schützen⸗ ens. Die Franzosen haben eine Anzahl genau eingerichteter sestgestellter Gewehre vorbereitet, welche sie in der Richtung der 1 aden Bahngeleise losdrücken, sobald sich auf diesen etwas

regt. ollten wir sogleich selbst erfahren. Jeder sah zu, daß er vie möglich durch dieses unheimliche Schußgebiet hin⸗ Wie die Eichhörnchen hüpfte einer nach dem andern 5 t mehr auf Eile, als auf Wahrung der Hal⸗ . cht. Und hinter jedem pfiffen die Kugeln her. Aber wir Lam lid hinüber und konnten, da wir uns gleich darauf zwischen den Trümmern der Häuser befanden, den Eindruck haben, ir in Deckung zu sein, wenn auch die Flintenschüsse aus lungen ununterbrochen weiterknackten In war das, wie wir bald erfahren sollten, eine Täuschung. bald ferner klatscht

5

nden h.

Stück der

hoch.

aus dunklem Marmor und schimmerndem Alabaster gemeißelten Hochaltares lassen es vermuten. Ob von dem berühmten Lettner, von den Gemäldeschätzen etwas gerettet sein mag? Das Trümmer⸗ seld gibt keine Antwort, und eintönig klingt das Peng! Peng! der gegen die noch stehenden Wände klatschenden Flintenkugeln über den toten Ort.

Dirxmuiden ist tot, ist ein Grab alter Kultur, rührender als eine nach Jahrtausenden aus der Erde gegrabene Stätte der an⸗ tiken Welt. Denn hier fühlt und sieht man noch überall das An⸗ denken an lebende Menschen, deren Hausrat über den Weg gestreut ist, deren liebster Besitz halbverkohlt im Regen verkommt, ohne daß jemand ein Stück zu retten vermag.

Eine Ahnung von dem Vexlust gab mir die Untersuchung des Archives, welches ich halbverschüttet in den Ruinen des Rat⸗ hauses auffand. Tief in das Mittelalter hineinreichende Hand⸗ schriften auf Büttenpapier und Pergament lagen da, von den platzenden Granaten versengt, zerrissen, durcheinandergewühlt, im Regen aufweichend. Da war ein Briesfwechsel, den im Beginne des G5. Jahrhunderts ein Kaufmann in Calais in deutscher Sprache mit dem Rate der Stadt Dixmuiden geführt hatte. Da lagen Magistratsakten aus der Blütezeit der Hansa, Rechnungs⸗ lhücher bis in das 14. Jahrhundert zurück, Abschriften huma nistischer Gelehrsamkeit, wissenschaftliche Juwelen bedeutender und fesselnder Art. Aber, so gern man Zeit und Stunde vergessen hätte, es war nicht der Augenblick, sich in ihnen zu vertiefen. Denn ununterbrochen war das Feuer des Feindes gerade auf den Marktplatz und das ehemalige Rathaus gerichtet, und jede Sekunde konnten die wankenden Mauern einbrechen.

Kein Wesen war zuerst in den Trümmerstraßen zu sehen. Und doch hatte die Stadt ein starkes unterirdisches Leben. Hunderte von Augen waren, während wir scheinbar einsam durch die von Geschossen durchschwirrten Straßen wanderten, auf uns gerichtet. Und zuweilen trat aus einem ganz übereinander geworfenen Haufen von Balken und Steinen plötzlich ein Posten, warnte uns und zeigte uns, welchen Weg wir gehen mußten. Denn es gibt in dieser wüsten Trümmerstadt Striche, wo die feindlichen Gewehr geschosse unausgesetzt so hageldicht schwirren, daß jeder ein Kind des Todes ist, der sich nicht vorsieht.

Wiederum an solch einem unentwirrbaren Trümmexhaufen hielten wir. Hier war die Wohnung des Kommandanten. So ent⸗ setzlich der Schutthügel von außen dreinsah, so behaglich war es in den Höhlenkammern in seinem Innern. Bis zu dreiviertel Höhe waren einige Zimmer des Erdgeschosses eines reichen Hauses stehen geblieben. Der Schuttkegel darüber ergab durch Aufhäufung von Sandsäcken und Aufschüttung von Erde einige Sicherheit gegen platzende Granaten. Lichter und Lampen verbreiteten in allen Räumen und Kammern ein mild und friedlich schimmerndes Licht, in welchem die aus den zerstörten Häusern zusammengetragenen kostbaren Möbel noch einmal ihre Jahrhunderte alte Pracht ent⸗ falteten. Eingelegte vlämische Barockschränke, hier als Deckenstütze verwendet, Empire⸗Mahagonitischchen mit vergoldeten Bronzeguß⸗ zieraten. Eine uralte Spieluhr schlug alle Stunden denselben Choral:Wer nur den lieben Gott läßt walten. Aber wenn ein⸗ mal die Türe geöffnet wurde und das graue Tageslicht von außen eindrang, dann hörte man wieder das endlose, zwecklose und doch so bösartigePeng! Peng! der einschlagenden feindlichen Flintenschüsse. 8 9 5

Ein Tunnel, teils unterirdisch, teils quer durch Haus⸗ und Zimmerwände gebrochen, führte zu dem Artillerie⸗Beobachtungs⸗ stande. Von hier übersah man das Kampfesgelände. Ganz dicht liegen sich die beiden feindlichen Schützengräben gegenüber. An. einer Stelle sind sie sich auf kaum 30 Meter genähert. Die vom Hochwasser gewaltig aufgeblähte Yer bildet die Grenze. Jenseits sah man die Franzosen, meist Marineinfanteristen, sich ziemlich sorglos hinter ihren Schützengräben bewegen, was sie um so un⸗ bekümmerter konnten, als von uns das wilde Geknall des Feindes nicht beantwortet wurde. 5 1

Ich habe nun Schützengräben auf der ganzen Westfront, von der Schweizer Grenze bis an die belgische Nordsee gesehen. Aber etwas Aehnliches, wie die Stellungen längs der Yser, gibt es nicht. Die Gräben liegen hier tief unter dem Wasserspiegel des Flusses und die Folge ist, daß sie ständig voll Wasser laufen. Nicht in Erdreich, sondern in schwabbelnden Brei sind sie eingeschnitten, und ständig läuft das Wasser in ihre Sohle. Deshalb sind sie mit Faschinen ausgelegt, unter denen man dauernd ein Bächlein rauschen hört, ohne in dem ewigen Gewehrseuer sehr poetisch ge⸗ stimmt zu werden. Alle paar Schritte weit sind Senkgruben aus⸗ gehoben, in denen sich die Flut ansammelt, um von den Insassen der Schützengräben unermüdlich, bei Tag und Nacht, ausgeschöpft zu werden. 5 5 55

Hier kam ich bis in die vorderste Stellung. Und was ich da fand, das ist des Erzählens wohl wert.. Leute, die einer Lage. wie sie ungemütlicher nicht gedacht werden kann, aller Unbilden des Krieges lachen und nur den einen Wunsch haben, doch die Zurück⸗ haltung, welche ihnen eine kluge, menschensparende Skrategie auf zwingt, bald ein Ende habe, daß man ihnen gestatten möge, den ihnen seit Wochen so nahe gegenüber liegenden Feind anzugreifen. Dabei liegen die Leichen der bei den wiederholten, dicht vor un⸗ seren Stellungen unter furchtbaren Verlusten zusammengebrochenen Angriffen gefallenen Franzosen unbestattet vor den Schützengräben. und wenn man vorsichtig den Kopf für einen Augenblick über den Rand der Schutzwehr hebt, sieht man Haufen von stillen toten Män⸗ nern mit schwarzen Gesichtern und in den blauen französischen Män⸗ teln. Grausig ist das zu sehen, und doch ist es unmöglich, die Ge fallenen in dem ständigen Feuer des Feindes in Gräber zu betten.

Als ich aus dent Schützengraben in dem seltsamen unterirdi⸗ schen Maulwurfsgange zurückkehrte, der unter Straßen und Häu sern, durch Keller, Zimmer und Köchen und einmal sogar unter dem triefenden Bette eines Kanals hindurchführt, bereitete der Feind uns eine Ueberraschung, welche nicht ganz unerwartet kam. Er be⸗ gann die Trümmer von Dixmmiden mit schwerem Geschütz zu bom⸗ bardieren. 5* 5

Die erste Granate, die ganz plötzlich in einem Trümmerhaufen nahe bei uns einschlug, machte ein Getöse, als ob die Welt ver⸗ sinken wollte. Man gewöhnt sich auch daran.Alles in die Unter⸗ stände! tönte ein Befehl, dann rissen mich einige Offiziere mit in die unterirdische Wohnung des Kommandanten. Dort haben wir drei Stunden lang den Lärm angehört, jeden Augenblick ge⸗ wärtig, daß ein Volltreffer bei uns einschlug. Einmal erbebte die Erde, da war das Nebenhaus getroffen worden und brach krachend über unseren Häupten zusammen.Jetzt sagte der Komman⸗ dant, da schlug wieder eine Granate ein.Jetzt bald näher, bald ferner. Und zwischendurch sang die altflämische Uhr alle Stun⸗ den ihren schicksalsergebenen Choral:Wer nur den lieben Gott läßt walten!. 8 l i

Da der Gescheitere schließlich nachgibt und es nicht abzusehen war, wie lange das Bombardement noch währen würde, so haben wir Dirmuiden schließlich mitten im Granatfeuer verlassen. Rechter Hand, linker Hand, das Einschlagen der Geschosse, das Dröhnen zusammenstürzender Mauern. 2 g

Als wir aus dem Bereiche des Artilleriefeuers hinaus waren, erlebten wir den Beginn der deutschen Gegenaktion. Unsere 21⸗

ch] Zentimeter⸗Mörser machten die feindlichen Artilleriestellungen still.

Batterie um Batterie wurde zugedeckt und schwieg. Das war so packend, daß man beinahe vergaß, noch mitten im Bereiche des französischen Infanteriefeuers zu sein, daß man der rings um die Köpfe schwirrenden und pfeifenden Geschosse beinahe vergaß, wenn man mit dem Fernglas feststellen konnte. daß wir wieder

e 5 einen Treffer genau in die feuerspeienden Schlünde der Franzosem 5 geworfen hatten. Dann wurde es drüben in den Artilleriestellungen f still. Nur aus den Schützengräben des Feindes schoß man uns 43 noch eine Ehrensalve nach, als wir nahe den Trümmern von Eessen 5

waren, die uns vorläufig Deckung boten.

Hier beglückwünschten uns die Offiziere, die uns am Morgen Verhaltungsmaßregeln gegeben hatten, zu der guten Rückkehr. Tas ganze tolle Feuer des Feindes hatte uns nicht einen einzigen Ver- wundeten gekostet. Freilich war das fast ein Wunder zu nennen, wenn man den Aufwand an Geschossen bedachte Bald darauf keuchte der Kraftwagen südwärts, mühsam den sesten Straßendamm gewinnend. Wir fuhren mit abgeblendeten Lichtern durch den nebeligen Abend, denn wir kamen ganz dicht an einer feindlichen Artilleriestellung vorbei, wo wir am Tage nicht durchgekonnt hätten und selbst im Dunkel sehr vorsichtig sein mußten, um die Aufmerksamkeit nicht auf uns zu lenken.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Aus Stadt und Cans Gießen, 11. Januar 1915.

Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Reservist Theodor Baum, Inf.-Regt. 167, aus Wittelsberg.

Musketier Hans Spöhrer. Juf.-Regt. 117, aus Darmstadt. Unteroffizier Aug. Bodenste in, Landw.⸗Res.⸗Regt 116, aus Darmstadt. Landwehrmann Karl Keiner, Landw.-Juf. Regt. 116, aus Werdorf. Unteroff. d. Res. Aug. Weber, Res. Inf. Regt. 83, aus Weilburg. Oberarzt Sanitätsrat Dr. Weidinger, Kriegslazarett-Abteilung 2 des 18. Armeekorps, aus Wallau Landsturmmann August Ott, 3. Landsturm-Bataillon Darmstadt, aus Dotzheim. Kriegsfreiwilliger Abiturient Otto Holzapfel aus Stockheim. Ersatz-Res. Heinr. Rohrgaß aus Zeilbach. Landwehrm. Ludw. Wacker, Landw.-Juf.- Regt. 87, aus Rodheim b. Hungen. Reservist und Jorstwart 3 Hermann Troß, Res.-Regt. 116, aus Geiß⸗Nidda. 5 *

* Ritter des Eisernen Kreuzes: Kriegsfretw. 17jähr. Schmiedelehrling Peter Mahr von Wörrstadt. Gefr. und Richttlanonier Hermann Seip p aus Ober⸗Bessin⸗ gen. Sanitätsrat Dr. Loeb aus Limburg, Oberstabs- und Regimentsarzt im Res.⸗Inf.⸗Regt. 222. Fahrer Bernhard Werner aus Braunfels. Obergefr. Johann Zöller aus Cisenbach, im Stabe des Res.-Fußart.⸗Regts. 9. Gepäck⸗ träger auf Station Bad-Nauheim Johannes Hahn von Nieder-Mörlen. Lehrer Emil Will aus Rodheim v. d. H. Uffz. d. R. Bernhard Müller aus Kirchgöns, Inf.-Regt. 168. Dragoner Hrch. Emrich aus Bleichenbach. Vizefeldev. Fritz Tasch aus Atzbach, Inf. Regt. 167. Uffz. Friedrich Sturm und Leutn. d. R. Lehrer Armbrecht aus Alten⸗ lirchen. Oberarzt bei der 39. Inf.⸗Div. Dr. med. Hermann Henze aus Kirchhain. Felddivisionspfarrer der 17. Re- Div. Alexander Wessel aus Frankenberg. Leutn. d. R. Gerichtsaktuar Eduard Gies aus Neustadt. 1

Das Soldatenheim im Café Ebel erfreut fich, nachdem die in der Weihnachtszeit beurlaubten Verwundetei* wieder hierher zurückgekehrt sind, recht guten Zuspruchs. Dankbar werden namentlich die zum Schreiben von Briefen eingerichteten behaglichen Ecken benutzt. Auch von den vielerlei Gesellschaftsspielen wird eifrig Gebrauch gemacht. Zu dem reichen Vorrat von Zeitungen und Zeitschriften ist nun auch die große offizielle Verlustliste hinzugetreten. Auch die Angehörigen des Landsturms nebst ihren Angehörigen sind im Soldatenheim stets willkommen. Nach dem Vorbild des Gießener Soldatenheims sollen nun auch in verschsedenen anderen Städten, u. a in Marburg und Heidelberg, solche Einrichtungen geschaffen werden. Beiträge zu den Kosten der Unterhaltung des Soldatenheims werden, woran wir an dieser Stelle nochmals erinnern, von der Geschäfts- stelle des Gießener Anzeigers enrgegengenommen. 1

* Unsere Regimentsmusik im Kriege. Viel⸗ fach ist die Ansicht verbreitet, daß die Angehörigen der Regimentskapellen sich während des Kampfes hinter der Schlachtfront aufhalten und mit den kriegerischen Opera- tionen wenig oder gar nichts zu tun haben. Demgegenüber sei festgestellt, daß die Hoboisten mit den übrigen Unteroffi⸗ zieren und Mannschaften in den Schützengräben liegen, allerdings nicht an den Bajonettangriffen teilnehmen, son⸗ dern statt dessen als ausgebildete Krankenträger bei den Abtransport der Verwundeten mithelfen und dabei sehr oft selbst verwundet werden. Dabei sei besonders eines Vorfalles erwähnt, der den Angehörigen unserer ak⸗ tiven Regimentskapelle besondere Ehre macht: Bei einem Gefecht war ein Offizier unseres Regiments gefallen. 3 Musiker der Kapelle erhielten den Befehl, zusammen mit dem Burschen des Offiziers den letzteren aus dem Feuer zu 1 holen. Bei Ausführung des Befehls blieben zwei der betr. Musiker verwundet liegen, während es dem dritten Musiken (einem Serganten) und dem Burschen gelang, den Offizier glücklich hinter die Front zu bringen.(Der Bursche des Offiziers hat inzwischen für diese Tat das Eiserne Kreusg erhalten.) So tun auch unsere braven Musiker, die in Frie⸗ denszeiten sehr oft für die nötige Unterhaltung und Zer⸗ streuung gesorgt haben, draußen in Feindesland treu wie alle anderen Soldaten ihre Pflicht und machen von ihren Instrumenten meist nur dann Gebrauch, wenn das Regiment kurze Zeit zur Erholung und Ruhe aus der Schlachtfront zurückgezogen wird.

Kreis Lauterbach. a

id. Lauterbach, 10. Jan. Die Sammlungen für das Rote Kreuz und andere Zwecke der Kriegsfürsorge werden hier eifrig betrieben. Für den Lazarettzug, für den die evangelischen Gemeinden des Landes sammeln, wurde eine Haussammlung ver⸗ anstaltet. Für die Marine gehen fortgesetzt Geldbeiträge, die 100 Mk. bereits überstiegen haben, und andere Liebesgaben ein. Ein zum Besten des Roten Kreuzes veranstaltetes Wohltätig- keitskonzert sand viel Beifall.

Kreis Wetzlar. 5

w. Wetzlar, 9. Jan. Das in den Räumen der hiesigen Unteroffizierschule untergebrachte Neservelazarett mit einer Belegschaft von 450 500 Verwundeten wird demnächst auf⸗ gelöst. Die Kaserne wird mit dem Landsturmbataillon velegt, da es gilt, die Stadt von der fortgesetzt starken Einquartierung zu entlasten.*

b. Betzdorf, 9. Jan. Am 1. Sept. v. Is. wurde Scheuerfeld das fünfjährige Kind eines Bahnarbeiters von eine