Ausgabe 
(9.1.1915) 7. Zweites Blatt
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal wöchenilich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erscheinen monatlich zwennal.

Kann Amerika ohne das deutsche Kali auskommen?

Eine ernste Sorge bewegt die Landwirtschaft der Vereinigten Stagten Sie bedarf, wie bekannt, zur Düngung der Ackerflächen großer Mengen deutschen Kalis, und zwar wird die Ausfuhr an ali aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten auf rund eine viertel Million Tonnen jährlich anzusetzen sein. Gerade um die letzige Jahreszeit, wo sonst Schiffsräume ausreichend zur Verfügung stehen, pflegt die Kaliausfuhr nach den Vereinigten Staaten ein⸗ zusetzen. In diesem Jahre liegen nun die Verhältnisse ganz außer⸗ gewöhnlich. Deutsche Schiffe befahren bekanntlich zurzeit das Welt⸗ meer nicht: allein selbst wenn amerikanische Schiffe in den deut⸗ schen Häfen eintreffen würden, um Kali zu holen, so würden sie, wie 425 versteht, nur unter ganz bestimmten Bedingungen dies für ihr Land so kostbare Düngemittel erhalten. Denn es liegt auf der Land, daß Deutschland die Ausfuhr von Kali nach den Vereinigten Staaten nur unter der Voraussetzung erlauben würde, daß von amerikanischer Seite uns enksprechende, gleichwertige Gegenleistun⸗ gen geboten und zugesichert werden... Unter diesen Umständen beschäftigt man sich in Amerika viel mit der Frage, ob man sich nicht etwa das benötigte Kali auf andere Weise, unabhängig von Deutschland, verschaffen kann. Es scheint sich auch wirklich auf den ersten Blick ein Weg zu. bieten, auf dem dieses Ziel erreicht werden könnte, indem man nämlich das Kali aus der Asche des Holzes gewinnt. Dieser Gedanke wird in der zu Chikago erscheinenden FachzeitschriftHardwood Re⸗ cord auf seine Ausführbarkeit hin erörtert. Die Gewinnung des Kalis aus der Holzasche ist ein primitives, in der Geschichte wohl bekanntes Verfahren. Die ersten amerikanischen Ansiedler nutzten den Holzreichtum, den sie an der Atlantischen Küste der Neuen Welt von den Neuenglandstaaten bis nach Nordkarolina fanden, in dieser Weise aus; in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts wurde sogar Asche aus Holz in großem Maßstabe nach England verfrachtet, und dieses Ausfuhrgut brachte damals 30 bis 49 Dollar für die Tonne ein. Auch die Neger in den Ver⸗ einigten Staaten warfen sich mit Vorliebe auf diesen beliebten Er⸗ werbszweig, und so verbreitete er sich weiter nach dem Süden und auch nach dem Norden, nach Kanada. Da das Holz in den großen Wäldern Nordamerikas ehemals jedermann frei zur Verfügung stand und zu dem Aschenhandel kein Anlagevermögen gehörte, wur⸗ den gewaltige Holzmengen verbrannt und zu Asche verwandelt. Heute liegen aber die Dinge ganz anders. Das amerikanische Holz⸗ fachblatt rechnet damit, allein aus den amerikanischen Holz⸗ abfällen, die zurzeit unausgenutzt blieben, jährlich 50 000 Tonnen Asche gewinnen zu können; ferner aus Sägespänen jährlich 500 000 Tonnen Asche und die gleiche Menge aus. dem Brennholze, so daß im ganzen über eine Million Tonnen Asche zur Verfügung ständen. Hiermit wäre der Bedarf von 250 000 Tonnen Kali im Jahre zwar nicht ganz, wohl aber zu mehr als drei Fünfteln gedeckt. Auf den ersten Anblick scheinen diese Ausführungen nicht ganz unwahr⸗ scheinlich; wenn man aber die zuverlässigen Angaben der chemi⸗ schen Analyse der Holzasche heranzieht und dann ausrechnet, wie viel Holz in Wahrheit verbrannt werden müßte, um das ausfallende Kali zu ersetzen, so kommt man zu ganz ungeheuerlichen Ergeb⸗ 1 Es ergeben nämlich 100 Kilogramm trocknen Tannenholzes

Gramm Asche mit einem 1 l von 23,6 Prozent(also fast einem Viertel), während 100 Kilogramm tenholz nur 570 Gramm Asche mit einem Kaligehalt von 14 Prozent liefern. Das Tannenholz bietet mithin für die Kaligewinnung die gün⸗ stigere Möglichkeit. Eine Tonne Tannenholz liefert rund 200 Gr. Kali; 250000 Tonnen Kali erfordern daher eine Menge von 125 000 000 Tonnen Tannenholz. Was bedeutet diese Zahl? Wenn man diese Holzmenge sich auf die Eisenbahn verladen vor⸗ stellt, brauchte sie eine Tragfähigkeit von 10 Tonnen für Holz für den Güterwagen vorausgesetzt, 12¼ Millionen Wagen! Fragt man, wie groß der Wald sein müßte, der diesen Riesengüterzug voller Holz beladen sollte, so hat man ihn auf etwa 120 Millionen Tannenbäume zu nen. Das wäre ein Wald, der ungefähr eine Fläche von 12000 Quadratkilometern, also etwa die Fläche von Mecklenburg⸗Schwerin bedecken würde.

Zur Herstellung und Gewinnung des Kalis aus Holzasche müßten sich also die Vereinigten Staaten entschließen, geradezu riesenhafte Waldbestände zu opfern. Dazu gehörte zunächst eine ge⸗ waltige Organisation, die samt den dazu nötigen Einrichtungen erst geschaffen werden müßte. Außerdem aber bedeutete das Verbrennen von so viel Holz eine schmähliche Raubwirtschaft und eine nie wieder gut zu machende Schädigung des amerikanischen Waldbestan⸗ des, der durch den sonstigen Holzbedarf für Papiererzeugung, Essi säuregewinnung, Tischler⸗ und Bauholz schon stark beansprucht ift. Müßte doch ein volles Zweihundertfünfzigstel des gesamten Holz⸗ standes der Vereinigten Staaten dem Kaliverbrauche eines einzigen Jahres zuliebe in Flammen aufgehen, wobei noch zu beachten bleibt, daß der kommerziell wirklich ausnutzbare Waldbestand der Staaten 2 ist als ihr gesamter Holzstand. Der Vorschlag des amerikanischen Fachblattes, das deutsche Kali durch Kali aus Holz⸗ asche zu ersetzen, ist demnach als Utopie zu bezeichnen. Wenn der amerikanische Landmann aus dem Boden weiter Korn gewinnen will, ist und bleibt er auf die Einfuhr des deutschen Kalis an⸗ gewiesen, und Deutschland hat es in der Hand, Bedingungen für die Kaliausfuhr stellen zu können.

Aus dem riegstagebuch einer dame.

49 Eine kürzlich bei 12 Verwandten in Darmstadt an⸗ 'mmene Dame aus Singapore, Frau E, die Gattin eines vielen Jahren dort ansässigen Großkaufmanns, schil⸗

uns in lebhaften Farben ihre mannigfachen Erfahrun⸗ e seit Beginn des Krieges, aus 98 man 1 um deutli eh kann, in welch unerhörter Weise dasperfide Albion sich auch im fernen als den geborenen der Welt betrachtet:

Die icht von der Kriegserklärung des Reichs an Rußland kam bereits am Sonntag, den 2 st, nach

gapove, und am Tag darauf wurde allen die

gegeben. Als Gestellungsplatz für alle militärpflichtigen Deutschen wurde Tsingtau bestimmt und gleichzeitig wurde ihnen in Aus⸗ icht gestellt, daß sie Gelegenheit 1 5 15 8 55 deut⸗

schen Dampfer

reisefertig halten sollten.

1 so sahen sich die Herren nach einer anderen Reisegelegen⸗ 5. Au

dh bot An

Far f eine Zu⸗ n 6. August die inzwischen jede deutsche 1 alle. 51 5 i ärung im neutralen, nichtenglischen, Hafen 1 so blieb den Herren als letzter dusweg int i einem holländischen Mall⸗Dampfer nach Java, von wo

man dann versuchen wollte, nach Tsingtau zu Die Ein⸗ daha auf dem holländischen DampferRumphius nach Batavia Krxfolgte denn auch, und man hoffte schon am 10. August von Gelegenheit zur Weiterfahrt mit einem Dampfer der Java⸗ nach Schanghai zu finden. Ta 11 5 plötzlich kurz des Dampfers eine englische In santerie-Abteilung

mit der

ö 165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

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mit aufgepflanztem Seitengewehr an Bord, die alle Deutschen er⸗ mittelte und gefangen setzte. Sie wurden als Kriegsgefangene ab geführt. Allgemeine Empörung unter ihnen erregte es, als be kannt wurde, daß sie es dem holländischen Kapitän zu danken hätten. noch im letzten Moment von dem Dampfer heruntergeholt zu sein. Dieser hatte so wurde glaubwürdig erzählt den Chef-Police⸗ Officier benachrichtigt, daß er 32 dienstpflichtige Deutsche an Bord habe, die über Batavia nach Schanghai und von da nach Tsingtau wollten er wolle sie aber lieber nicht mitnehmen. Man kann daraus die Gesinnung und Sympathie vieler Holländer im fernen Lande beim Ausbruch des großen Weltkrieges erkennen. Nach der Ueberrumpelung der Deutschen auf derRumphius nahm die Holl. Mail überhaupt keine deutschen Passagiere mehr ohne ausdrückliche Erlaubnis der englischen Regierung auf. Viele junge deutsche Wehr- pflichtige, die sonst keine Verpflichtungen fesselten, hatten es ver⸗ standen, gleich nach der Kriegserklärung auf kleinen Küstendampfern abzureisen nach Tsingtau soll aber keiner gekommen sein. Die meisten dürften noch immer auf verschiedenen Plätzen von Süd⸗ Indien sitzen, aber einem kleinen Teil ist es auch gelungen, sich auf Holländischen Mail⸗Dampfern nach Europa unerkannt durch⸗ zudrücken und dann nach Deutschland zu gelangen. Mit welchen unendlichen Mühen und Lebensgefahren dies erreicht wurde, kann man sich kaum denken, denn wohl jeder holländische Mail⸗Dampfer ist schon seit Beginn des Krieges von französischen und englischen Kriegsschiffen aufgefangen und zur Aufspürung deutscher Militär⸗ pflichtiger nach irgend einem feindlichen Hafen gebracht worden.

Doch kehren wir wieder zu den festgenommenen Deutschen in Singapore zurück. Ihre Behandlung war im Anfang eine ver⸗ hältnismäßig anständige und liberale. Der damalige stellver⸗ tretende Gouverneur tat alles, um den Deutschen entgegenzu⸗ kommen. Es wurde auch von England die Erlaubnis gegeben, den auf Ehrenwort freigelassenen Deutschen auch freien Handel zu gestatten und ihre Geschäfte weiterzuführen. Der Verkauf von deutschen Waren, auch von oder durch englische Firmen, wurde dagegen streng verboten. Geradezu unerträglich aber waren die fortgesetzten Hetzereien in den Tageszeitungen und die ständigen, zugunsten Englands gefälschten Kriegsnachrichten. Das hatte zur Folge, daß viele Engländer, die bisher ganz freundschaftlich mit den Deutschen verkehrten, jetzt ganz offen ihrem Haß gegen alles Deutsche Ausdruck gaben. Dieser Haß steigerte fig sogar soweit, daß die Mitglieder des englischen Chricil⸗Clubs sich zusammen⸗ taten, um den Deutschen Klub zu zerstören, der eins der schönsten Gebäude in Singapore sein eigen nannte. Der An⸗ griff auf das Klubhaus wurde nur durch das tatkräftige Ein⸗ greifen des stellvertretenden Gouverneurs vereitelt.

Eine große Freude verursachten den Deutschen in Singapore die großartigen Erfolge derEmden, die trotz aller Bemühungen nicht verheimlicht werden konnten. Die Engländer aber packt neben der Wut auch bald die Furcht. Sie befürchteten, daß die Deutschen mit derEmden durch drahtlose Telegraphie in Verbindung stehen könnten und die Schmähungen und Hetzereien in den Blättern wurden immer ärger. Man verdächtigte uns auch, daß wir die Eingeborenen, die hauptsächlich Mohammedaner sind, aufhetzen würden es war inzwischen auch der englischen Regierung bekannt geworden, daß von Anfang des Krieges an in den Moscheen für den Sieg der deutschen Waffen gebetet worden war. Von der Regierung wurden alsbald Maß⸗ regeln gegen die Verbreitung günstiger Nachrichten für die Deut⸗ schen getroffen und den Indiern wurde von Anfang an nur in Ausnahmefällen eine Rückkehr nach ihrer Heimat(Britisch⸗Indien) oder eine Abreise von dort gestattet.

Das Eintreten der Türkei in den Krieg gegen den Drei⸗ verband wurde nur ganz allmählich bekannt gegeben, und nun begann die Deutschenhetze mit erneuter Gehässigkeit und Gemein⸗ heit. Die Deutschen wurden in den Blättern alle als Spione ver⸗ dächtigt und geflissentlich die Nachricht verbreitet, daß die Eng⸗ länder in Deutschland schlecht behandelt würden. Die Folge war denn auch, daß am 24. Oktober mittags 12 Uhr der Befehl kam, daß um 2 Uhr nachmittags alle Deutschen sich bereit zu halten hätten, um nach St. Johns⸗Island als Gefangene übergeführt zu werden. Den Frauen und Kindern wurde gnädigst noch ihre Frei⸗ heit gestattet. Der Aufenthalt in den sog. Pestbaracken war der denk⸗ bar unangenehmste. Ohne Moskitonetze, ohne Wassergelegenheit und allen sonstigen Notwendigkeiten mußten unsere Männer in dem mit Stacheldraht umzäunten Lager auf unsauberen Pritschen Platz nehmen, wo es bei der tropischen Hitze von Ungeziefer wimmelte. Nur rohes Fleisch und rohe Kartoffeln wurden ihnen überlassen, für die Zubereitung mußte jeder selber sorgen, und zwar auch die der ersten Gesellschaft e in Gegenwart der indis Sol⸗ daten, die jeder Engländer sonst nur mit Verachtung betrachtet. Die förmliche Schaustellung der Deutschen den indischen Soldaten gegenüber war überhaupt eine Handlungsweise, über die au

die verständigen Engländer bedenklich den Kopf schüttelten. Ers später wurde es einigen der Bessergestellten gestattet, ihre chinesi⸗ schen Boys zur Bedienung und gereitung Essens mit auf⸗

zunehmen. deutschen Frauen gegenüber hatten sich die englischen Behörden bisher möglichst korrekt benommen. Am 31. Oktober aber wurden sie auf direlte Weisung aus London ausgewiesen, und es wurde ihnen nur eine kurze Frist zur Ordnung des Allernotwen⸗ digsten gewährt. Die Männer durften ihre Frauen noch kurz einmal sehen und dann wurden die meisten nach Bangkok geschafft, wo ste auf deutschen Mail⸗Dampfern aufgenommen wurden. Der Schrei⸗ berin dieser Mitteilun gelang es, trotz vieler Widerwärtigkeiten noch verhältnismäßig schnell nach Europa und nach Deutschland zu langen, und eine besondere Freude war es ihr, daß sie alles was flüssig gemacht werden konnte, nicht in englischen Papieren, sondern in Gold mit nach Deutschland brachte und durch Umwechslung dem deutschen Interesse zuzuführen in der Lage war. Als zu Anfang August nur Deutschland und Rußland im Krieg waren, wurde uns von den Engländern in Singapore ganz offen ihre volle Sympathie ausgesprochen, und es soll auch, wie man be⸗ stimmt versicherte, dort in der Kathedrale und den anderen eng⸗ lischen Kirchen für die deutschen Waffen gebetet worden sein. Im ugenblick, da der Krieg mit England bekannt wurde, geschah natüür⸗ lich das Umgekehrte. Die Bedächtigen da draußen im fernen Süden hatten aber gleich geahnt, der ganze gewaltige Krieg nur ein Werk der deutschfeindlichen Politik lands sei. Es war daher auch erfreulich, daß dank dieser richtigen Erkenntnis noch alle deutschen Handelsschiffe rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden

konnten.

Das Hochwasser.

h. Vom Main, 8. Jan. Die anhaltenden Regengüsse führen] Peter

dem Main seit einigen Tagen ganz bedeutende Wassermengen zu, die noch fortwährend im Steigen begriffen sind Leider hat das * der Stadt Frankfurt se einen bedeutenden

chaden zugefügt. In der vergangenen Nacht drangen die Fluten, von einem schweren Weststurm unterstützt, in die ausge⸗ pumpten Flußbecken der Arbeitsstelle der Alten Brücke. In wenigen

die] Augenblicken war der große Raum von den tosenden Wassern ge⸗ füllt. Alle in ihm enthaltenen Maschinen und unzähligen Arbeits⸗

geräte liegen unter den Fluten begraben. Auch an den Abbruchs⸗ stellen der Brückenpfeiler mußte die Arbeit eingestellt werden, da auch hier die Ueberflutungsgefahr immer drohender wird. Bei der Durchfahrt durch die Brücke blieb heute früh ein großer Lastkahn an dem Pfeiler hängen und konnte bisher nicht flott gemacht werden. Die Schiffahrt ist dadurch völlig gestört.

Samstag, 9. Januar 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Schweres Hochwasser führt auch die Nidda zu Tal. Ihre Ufer⸗ niederungen sind bereits weithin überflutet. m. Hungen, 8. Jan. Infolge der anhaltenden Nieder⸗ schläge der letzten Tage ist die Horloff am unteren gang des Städtchens über die Ufer getreten und hat die Gärten und das Wiesengelände auf weite Strecken überschwemmt. Auch einzelne Häuser stehen im Wasser

Marburg, 8. Jan. Infolge der anhaltenden Regen⸗ güsse der letzten Tage ist die Lahn und die Ohm aus den Ufern getreten. Das Lahntal und nördlich der Stadt. sowie das gesamte Ohmtal von Kirchhain nach Schweins⸗ berg und weiter bilden einen großen Sec. Einige Ortschaften ind völlig umflutet. a

südlich

Vermischtes.

Vulkan⸗ Ausbruch auf Hawaii. Der Ausbruch des Vulkans Mauna Loa, der nach mehr als einem Jahr⸗ hundert von seinem Schlummer erwacht ist und feine Flammen bis hoch in den Himmel hineinsteigen ließ, hat die Bewohner von Hawaii mit furchtbarem Entsetzen erfüllt. Wie Berichte aus Honolulu melden, wurden die Insulaner geradezu von einer Panik befallen, denn sie glaubten, daß die große Göttin des Feuers, Pele, beleidigt worden sei und nun schreckliche Rache nehme. Aus diesem Grunde veranstalteten sie feierliche Pilger⸗ fahrten zu dem Krater und Ohia⸗Beeren, um den Zorn der Göttin zu besänftigen und die Strafen vom Lande abzuwehren. Inmitten dieser seltsamen Zere⸗

obachtungen, denn was die Eingeborenen so sehr erschreckte, war für die modernen Gelehrten von höchstem Interesse. Auf die Kunde von dem Ausbruch des Vulkans eilten verschiedene Natur⸗ sorscher herbei, unter ihnen Prof. L. A. Jaggar, der der Leiter der Station des Massachubetts⸗Instituts für Technologie am Rande des alten Vulkans Kelauea ist. Nach Jaggars Ansicht gehört der Ausbruch des Mauna Loa zu den interessantesten Eruptionen der jüngsten Zeit; er war von ausßerordentlicher Stärke und beträcktlicher Tauer.Die erste weiße Rauchsäule, so teilt er mit, wurde kurz vor vier Uhr nachmittags bei Pahala beob⸗ achtet, sie wuchs mit reißender Schnelle von der Nordseite des Mauna Loa⸗Gipfels empor; dann folgten vier andere Säulen, und als die Nackt kam, waren diese Dampfströme glänzend er⸗ leuchtet von dem hellgelben Licht, das von der Lava darunter ausging. Es war ein großartiges Schauspiel von atemberau⸗ bender Macht, an dem man sich umsomehr erfreuen durfte, als kein Schaden anerichtet wurde.

Eingesandt.

(Für Form und t aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Wie stellt man auf die einfachste und billigste Weise ein vor⸗

züglich schmeckendes und bekömmliches Kartoffelbrot dar? Zu einem Geback Brot von 50 Laiben à 4 Pfund nehme man bis zu 20 Pfund Kartoffeln. Diese werden ungeschält ge- waschen, im Backofen während der Backzeit gequellt, darnach so beiß wie möglich mit einem stumpfen Besen durch eine Seile oder ein Sieb geschlagen, was bei heißen Kartoffeln rasch von statten geht. Die Schalen bleiben zurück, und wenn noch etwas Kartoffel- reste mit übrig bleiben, so hat das nichts zu sagen. Das durch- geschlagene Kartoffelmebl, das aber jetzt nicht mehr zu heiß sein dark, verareist man mit etwa 100 Gramm trockener dese in einem halben Schoppen Wasser, läßt es etwa 3 Stunden stehen und nimmt das Ganze beim Brotsäuern dazu. Nach etwa 7 Stunden wird der Teig gemacht. Vorstehendes Rezept ist billig und gut, es muß nur jeder Bäcker ab- und zutun und ausprobieren, was für seinen

Ofen, sein Mehl und deraleichen am vorteilhastesten ift. 2

Spielplan des Gießener Stadttheaters.

Sonntag, den 10. Januar, nachmittags Uhr, bei Volks⸗ preisen:Colberg. Ende 6 Uhr. Abends Ur, bei kleinen Preisen:Als ich noch im Flügelkleide. Ende nach 10% Uhr. Dienstag, den 12. Januar, abends 8 Uhr(8. Dienstag-Abonnements⸗ Vorstellung, bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt):Weh' dem, der lügt. Lustspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Ende gegen 11 Uhr. Freitag, den 15. Januar, abends 8 Uhr(außer Abonnement, bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt): Vaterländischer Abend in Ernst und Scherz von Prosessor Marcell Salzer. Ende gegen 10 Uhr. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 334 Uhr, bei Volkspreisen:Der Schlagbaum. Ende nach 6 Uhr. Abends 7/ Uhr, bei kleinen Preisen:Wie einst im Mail. Ende 104 Uhr.

B.KBBBB Märkte.

Gießen, 9. Jan. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Piund 1,00 1,15 Mk.: Hühner⸗ eier 1 Stück 1314 Pfa., 2 Stück 00 Pig.: Enteneier 1 St. 0 Pfg. 2 St. 00 Pig.; Gänseeier 1 St. 0-0 Pfq., 2 St. 00 Pfg.: Käse das Stück 78 Pig. Käsematte 2 Stück 60 Pfg.: Tauben das Paar 1,001,40 Mk., Hühner das Stück 1,00 2,50 Mt., Hahnen das Stück 1,00 2,50 Mk., Enten das Stück 2,503,00 Mk., Gänse das Pd. 65 75 Pag.; Welsche 45 Mk.; Ochsenfleisch das Vid. 86 96 Big., Rindfleisch das Pfund 90 94 Pfa., Kuhfleisch 890 Pfg., Schweine⸗ fleisch das Pfund 8020 96 Pig, Kalbfleisch das Pid. 80 8. Pisg., Hammelfleisch das Pfund 7090 Pfg.; Kartoffeln 100 Kilo 7% Mk., Weißkraut das Stück 1020 Pig. Zwiebeln der Ztr 12,00 15,00 Mkt.: Milch das Liter 22 Pfg.: Aepfel der Zentner 1520 Mk.; Birnen das Piund 1215 Pfg., Nüsse 100 Stück 4050 Pig. Marktzeit von 8 bis 2 uhr.

II Marburg, 8. Jan. Für das Jahr 1915 sind die Märkte wie solgt bestimmt: Krammärkte: 2. Februar, 25. März, 3. Mai, 2. Juli, 28. September, 19. Nopember, 31. Dezember; Schweme⸗ märkte: 18. Februar, 15. April, 17. Juni, 8. Jult, 12. Auaust, 14. Oktober, 25. November; Vieh- und Schweinemärkte: 11. März. 27. Mai, 2. September; Pferdemärkte: 18. März, 14. September.

Standes amts nachrichten. Sietzen..

Aufgebote: 8 5. Johann Wilhelm Blaß, Großh.

Finanzassessor, mit Anna Gertrud Rupert, beide in Gießen. Eheschließungen: Januar 2. Heinrich Mootz, Feldwebel in Friedberg(Hessen), mit Philippine Winkelhaus in Gießen. Heinrich Backes, Korbmacher Landwehrmann, in Randerath, Kreis Geilenkirchen, mit Nn Margareta Hellenbrandt in Beek, Kreis Geilenkirchen.

Geborene: Dezember 26. Dem Handlungsgehilfen Wilhelm Hermann Weis ein Sohn, Wilhelm Wernhard Engelbert. 31. Dem Schreibgehilsen Emil Heinrich Boller ein Sohn. Dem Bahnarbeiter Georg Schwindt eine Tochter, Ottilie Anna Katharina. Dem Kaufmann Isidor Rothschild ein Sohn, Erwin. uar 1. Dem Handlungsgehilfen Johannes Erdmann Karl Marth ein Sohn, Hermann August Adolf. 2. Dem Stein⸗ drucker Emil Bürck ein Sohn, Emil Johannes Ernst. 2. Dem Kaufmann Philipp Jakob Theodor Vaubel ein Sohn. 6. Dem

usierer Heinrich Peter Schmidt eine Tochter, Else. 22 Sterbefälle: Dezember 30. Bettchen Strauß, geb. Katz. 52 Jahre alt, Schanzenstraße 22, Januar 3. August Wilhelm

opferten der erzürnten Göttin heilige

monien unternahmen die Vulkanologen ihre wissenschaftlichen Be⸗