f weites Blatt
Etrscheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags. 8 15.
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Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöche mich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
General⸗Anzeiger fü
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165. Jahrgang
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Gießener Anzeiger
ür Oberhessen
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Die deutsche Verwaltung in Russisch⸗polen.
a Die Errichtung einer deutschen Zivilverwaltung in Russisch⸗Polen ruft eine ganze Reihe schwieriger politischer 1 5 und wirtschaftlicher Probleme auf den Plan. Schon
5 die Ernennung des ehemalic en hannoverschen Regierungs- pPräsidenten und. späteren ultrakonservativen Abgeordneten v Brandenstein zum Verwaltungschef des besetzten Ge⸗ bietes hat manchen Streitpunkt hervortreten lassen. Zur Beruhigung solcher Sorgen mag aber dienen, daß Herr v. Brandenstein auch im Urteil seiner früheren innerpoli⸗ tischen Gegner ein hervorragender und bewährter Verwal⸗ tungsfachmann, ein außerordentlich geschickter Organisator it, und darauf, nur darauf kommt es vorläufig an. Politit wird jetzt, solange noch die Kriegsfurie über das alte Polen dahinbraust, nicht getrieben. Die allzukühnen Hoffnungen, die man zu Beginn des Krieges bezüglich Polens hegte, sind ja nicht erfüllt worden. Die erwartete Erhebung der polnischen Bevölkerung blieb aus. Als die österreichisch— ungarischen Generale in den Augusttagen zum ersten Male die russische Grenze überschritten, eröffneten ihre Aufrufe die Aussicht auf Befreiung Polens vom russischen Joche. Der begeisterte Zuzug junger Polen zum österreichischen Heer berechtigte zu dieser Hoffnung. Ebenso die anfängliche Widerstandslosigkeit des russischen Heeres. Aber dann warf Rußland alle nur verfügbaren Armeekorps nach Polen hinein. Die Stimmung schlug um. Die Polen wagten den Aufstand nicht. Rechts der Weichsel befinden sie sich ja noch heute so fest in den Krallen des russiscken Adlers, daß jeder Versuch des Abfalls als Wahnsinn erschiene. Aber auch im Linksweichsellande wissen die Polen nur zu gut, daß jede Beteiligung an politischen Umwälzungsbewegun⸗ gen als schwerster Hochverrat bestraft werden würde, wenn die alten Machthaber auch nur 8 wieder lämen.
4 Damit muß die neue deutsche Zivilverwaltung rechnen. Wir sind lediglich auf die Kraft unserer Waffen ange⸗ wiesen. Wir können uns heute mit den bisher russischen
5 Polen nicht in politische Gespräche darüber einlässen, ob ssie ein Pufferstaat oder ein„Reichsland“ oder ein Schutz- gebiet werden wollen, ob das allgemeine gleiche Wahlrecht die Grundlage ihres Staates werden könne, ob sie mit den Litauern oder besser diese mit den Letten zu einem ge⸗ sonderten deutsch⸗esthnisch⸗litauisch⸗lettischen Staatengebilde vereinigt werden sollen, und was der knifflichen völkischen f Gesichtspunkte mehr sind. Wir können, wie die Dinge jetzt nlaoch liegen, nur eines: den bisher russifizierten Polen klar und klarer machen, daß sie geographisch wie wirtschaftlich
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übrigen entfallen auf die Polen 74
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2 haben sie
Kohlen- und Eisenbergbau, die Hüttenindustrie und die Spinnerei, in Warschau die Metallbearbeitung, den Maschinenbau und die Zuckerfabrikation zu vorbildlicher Blüte In der polnischen Land⸗ und Forstwirt⸗ schaft, in Handel, Gewerbe und Industrie sind gewaltige Schätze 2
der Russe
heben. Glauben die Polen wirklich noch, daß ihnen dazu verhilft? Nur durch deutsches Kapi⸗ tal und deutsche Unternehmungslust hat das polnische
Aus dem Leben Anton von Werners.
Auton von Werner, dem greisen soeben verschiedenen Mei⸗ „ war vom Schicksal die hohe Aufgabe zuerteilt worden, ie große Zeit der Eini ae und der Reichsgründung im Bilde zu verewigen, und dieses Amt hat er in zahllosen Wer⸗ den, in der Darstellung der Hauptszenen und der führenden Heldengestalten, mit seiner starken Begabung und dem hin⸗ gebendsten Eifer erfüllt. Der Sohn des Tischlermeisters aus 6 kurt a. O., der Stubenmalerlehrling, der auf den Höhen . Menschheit mit Königen und Prinzen, mit den höchsten Sdaatsmännern und den Fürsten des Geeistes freundsckaftlich ver⸗ llehren durfte, hatte schon durch diesen„Roman seines Lebens“ ein pollgültiges Zeugnis abgelegt für die sieghafte Kraft seiner Persönlichkeit, die ihn alle Hemmnisse überwinden ließ. Frei⸗ lich aber lag ihm auch das Preußische und das Soldatische im Blute, denn er entstammte einer preußischen Adelsfamilie, und alle seine Vorfahren waren Offiziere gewesen bis auf feinen ..— 1 N15 110 N kriegen zum Ti hatte greifen müssen. Der schwä — S iFling, der ihm am 9. Mai 1843 geboren wurde, ssenbarte frühzeitig einen wahren Feuergeist und fing schon dritten Lebensjahre an, ganze Bücher vollzuzeichnen. Die e durchflog der rastlose Knabe und zeigte neben seiner stleriscken auch eine hohe musikalische Begabung, die ihm cks ganze Leben das Cello zu einem Lieblingsgefährten Aber die harte Notwendigkeit zwang ihn, zu einem tubenmaler in die Lehre zu gehen, und beim Farben⸗ üben, beim gesundheitsgefährlichen Bleiweißbeuteln, beim Schlev⸗ Leitern und Farbkübel mußte er eine schwere Zeit „bis schließlich auch im Stubenmalen sein Talent ang er schon als Lehrling, als der kleinste und Arbeiten der Gesellen leitete. Mit 16 Jahren durfte Berliner Akademie studieren, aber sem Ehrgeiz war 5 auf die Dekorationsmalerei gerichtet: den Ge⸗ anken, e rklicker Künstler zu werden, wagte er noch nicht fen, und erst als er eine Anzahl Arbeiten an den von hockberehrten Maler Adolf Schrödter in Karlsruhe ge⸗ hatte, wurde er durch dessen Lob und Ermunterung dazu t, den Pfad der„hohen Kunst“ emporzuklimmen. Als geniale Illustrator des deutschen Lieblingsdichters Scheffel
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vor Paris“ zu malen. Nun durfte er Deutschen Reiches stehen, dessen Geburt r verherrlicht hat, und Verkehr mit den Herben der Zeit. Diese 0 haben seine Laufbahn und den Gehalt seiner immer bestimmt und ihn zum malerischen Herold ilhelms und seiner Paladine gemacht. 0 Durch eine Petition der Berliner Künstler wurde der jugend⸗ liche Meister 1875 als Direktor an die Spitze der Berliner
kademie berufen, gerade, als er an dem Riesenwerk seines
Wirtschaftsleben in den letzten Jahren einen so starken Aufschwung genommen. Und diese Entwicklung wird durch die Befreiung Polens aus der russischen Gefangenschaft eine ungeheure und ungeahnte Höhe erreichen.
Damit werden aber auch unsere preußischen Ost⸗ provinzen eine wirtschaftliche Neu- und Wiedergeburt erleben. Denn hatten früher die deutsche und die russische Schutzzollpolitil den Ostmarken durch die Verschließung ihres natürlichen Hinterlandes, eben Russisch-Polens, das wirtschaftliche Vorwärtskommen erschwert, so eröffnen sich jetzt dem Handel und der Industrie Ostdeutschlands ganz neue Aussichten. Die alten deutschen Hansastädte an der Ostsee gehen einer großen Zeit entgegen und eine neue Aera deutscher Wirtschaftspolitik im Osten hebt an. Die Polen aber werden es nicht bereuen, zu dieser Entwick— lung beizeiten die Hand gereicht zu haben. Schon jetzt, der neuen deutschen Kriegsverwaltung gegenüber, bietet sich manche Gelegenheit.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Stimmungen in der russischen Armee.
Haß gegen England.
Armee⸗Oberkommando 8, 5. Jan.
Mir sind in der letzten Zeit ein paar Vorfälle bekannt geworden, die ein eigenartiges Streiflicht auf die Stimmun⸗ gen in der russischen Armee, besonders im Offizierkorps, werfen. Zwei Beispiele möchte ich hier weitergeben, weil sie vielleicht als Anzeichen gedeutet werden könnten, doch möchte ich dabei betonen, daß diese Anzeichen und Einzelerscheinun⸗ gen— so interessant sie auch alsMeilenzeiger auf einem Wege, den das russische Heer und die russische Volksstimmung mög⸗ licherweise einschlagen—, daß also diese Beispiele keineswegs zu allgemeinen Schlüssen vorläufig verführen dürfen. Die russische Fähigkeit, in einer gewissen Unordnung doch Ziele zu erreichen, trotz Volksstimmung, trotz aller Disziplinlosigkeit doch den letzten Zusammenbruch zu ver⸗ meiden, ist im Frieden schon außerordentlich gut ausgebildet, sie hat im Kriege oft zu für uns überraschenden Resultaten 1 weil wir den deutschen Maßstab an Zustände und Erscheinungen in der russischen Armee anlegten, die eben im Grunde schließlich nur russisch waren und deren Ausbleiben höchstens hätte verwundern können. Ich entsinne mich in diesem Zusammenhang des Vorwurfes der Feigheit, den man dem russischen Offizier machte, weil er nicht an der Spitze seiner Truppen stürmte. Nun ist es einfach russische Dienst⸗ vorschrift, am Flügel in der Reihe vorzugehen, eine Dienst— vorschrift, die übrigens Kriegserfahrung für sich hat. Man kann nicht annehmen, daß der russische Offizier dem unseren gleicht— das wäre auch peinlich genug für unsere Ueber⸗ legenheit gewesen, die ja nicht auf der Zahl beruht—, aber er tut nach seiner Tradition und nach seiner Vorbildung im allgemeinen seine Schuldigkeit. In der Front wird das jetzt auch überall anerkannt. Die Anschauungen in der Feuerlinie und mehrere Meilen hinter ihr sind übrigens meistens ver— schieden, aber für die Beurteilung scheint mir die Ansicht der vordersten Linie maßgebend zu sein.
Im Vorfelde von hatte man dem Gegner eine Waffenruhe bewilligt, um die beim letzten Angriff gefallenen Russen, die zu Tausenden zwischen den Stellungen umher⸗
Müller, welcher damals der eigentliche Regent der Akademie war, und ersuchte ihn, die Schlüssel zu nehmen und mit mir die Räume der Akademie zu besichtigen.„Aha,“ rief der joviale Herr etwas überrascht,„ich merke schon, man munkelt ja so was..., ich ließ ihn nicht weiter kommen, sondern wurde energisch. Das war meine feierliche Einführung als Akademie⸗ direktor.“ Der neugebackene Direktor sah noch so jung aus, daß bei seiner Antrittsrede ein Gast fragte:„Warum läßt denn der Direktor seinen Sohn für sich reden?“ Und als ihm ein. andermal Prof. Michael einen Kunstfreund ins Atelier führte, sagte dieser mit wohlwollender Herablassung:„Na, junger Freund, das muß Ihnen doch eine rechte Freude sein, so an dem Werk Ihres Meisters mitarbeiten zu dürfen,“ worauf Michael in höchster Verlegenheit stotterte:„Aber das ist ja der Herr Direktor.“ 1 Werner, den die Modernen später so heftig als rückständig und veraltet bekämpft haben, galt in den 7er Jahren selbst als„Umstürzler“, und Mommsen begrüßte ihn mit den scharfen Worten:„So, Sie sind also der Mann, der hier ber uns alles umstürzen will?“„Stürzen Sie nicht um, bauen Sie auf!“ riefen ihm die Kollegen von der Akademie eindring⸗ lich zu. Trotz des„revolutionären Naturalismus“, dessen man ihn damals anklagte, wufte aber Werner doch mit seinen hohen Auftraggebern gut auszukommen, denn eine tiefe Verehrung für den greisen Kaiser, den großen Kanzler, für den Kron⸗ prinzen Friedrich, für Moltke und die anderen Helden ließ ihn stets den rechten Weg und das rechte Wort finden. Der Kaiser z. B. verlangte mit seinem tiefen Sinn für Gerechtig⸗ keit, daß keiner von den verdienstvollen Generalen auf den großen Repräsentationswerken übergangen werde, und gab ge⸗ naue Anweisungen über die Uniformen. Wenn aber der Künst⸗ ler seinen Anordnungen nicht in allem folgen konnte, so meinte er wohl auch in seiner großartigen Bescheidenheit:„Ich habe Ihnen nur erklären wollen, wie ich es von meinem militärischen Standpunkt aus ansehe. Der künstlerische, das ist Ihre Sache, das müssen Sie besser wissen als ich.“. 5 Auch an humorvollen Bemerkungen ließ es der Kaiser nicht fehlen.„Sagen Sie mal,“ meinte er vor einer allegorischen weiblichen Gestalt,„Sie kennen doch Baden? Das Land meines Schwiegersohnes ist doch ein so reiches Land. Warum haben Sie die Badenia eigentlich hier so dürftig bekleidet, sie hat ja nicht mal Strümpfe an?“ Worauf Werner entgegnete:„Diese Damen tragen in der Regel keine Strümpfe. Euer Majestät.“ Während die meisten hohen Herrschaften den Maler bereitwilligst Porträtsitzungen gewährten, ist ihm dies nur ber einem sehr schwierig geworden, beim Fürsten Bismarck. Die ent⸗ scheidende Stelle, die er auf dem großen Gemälde der Kaiser⸗ proklamation einnimmt, verlangte genaues Studium. Werner hatte ihn ja in dem großen Augenblick selbst flüchtig skizzieren können; aber bei der Ausarbeitung des Werkes hatte der Kanz⸗ ler für Sitzungen keine Zeit, und der Maler konnte ihn nur gelegentlich, wenn er bei ihm zur Tafel geladen war, zeichnen. „Damit war aber,“ erzählt Werner,„für mein Bild immer noch nicht viel zu machen. Der Ablieferungstermin am 80. Ge⸗ burtstag Kaiser Wilhelms rückte immer näher, und ich wurde immer dringender. Die Frau Fürstin versprach ihr Möglichstes
5 8 die Siegessäule arbeitete. Sein Eintritt ins neue in 2 Jahre gewirkt, vollzog sich auf höchst Weise ging,“ so erzählt er selbst,„zum Kastellan
„Sckhopenhauer⸗Jahrbuches“.
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lagen, zu begraben. Die Vereinbarungen waren wie üb⸗ lich unter der Flagge des Roten Kreuzes geführt worden, die russischen Soldaten verließen ihre Laufgräben und be⸗ gannen mit Schaufel und Pionieraxt ihr Werk. Die Offi⸗ ziere, die sie beaufsichtigen sollten, kamen derweile— die
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Arbeit dauerte ein paar Stunden in die deuts 1 Schützengräben, wo sie als Gäste betrachtet wurden. Man lam ins Gespräch, das die meisten Russen fließend deutsch führen lonnten, und da äußerte sich eine geradezu haß⸗ artige Abneigung bei den russischen Offi⸗ zieren gegen England. Sie müßten Englands we⸗ gen ihr Blut vergießen, ihre Familien lassen, ihr Gut ver⸗ 8 lieren. In allen Variationen wurde dem Gedanken Aus⸗ druck gegeben, daß der eigentliche Feind des Frie⸗ dens und der Deutschen und Russen England undimmer wieder England wäre. Eine Anzahl der Gäste wollte übrigens, nachdem die Frist abgelaufen war, auf das Recht der Rückkehr nach den russischen Linien durchaus verzichten. Da aber das Abkommen unter dem 1 Schutz des Roten Kreuzes getroffen war, konnte selbstver⸗ ständlich an die indirekt angebotene Gefangen⸗ nahme nicht gedacht werden, so daß sich schließlich die merlwürdige Lage ergab, daß die russischen Offi⸗ ziere und Mannschaften, die sichergebenwoll⸗ 9 ten, mit höflicher Gewalt zu ihren Linien zurückgeschickt werden mußten. 133 Es ist sehr interessant, daß ungefähr zu der gleichen Zeit, da die russischen Ossiziere diese vernichtenden Urteile über den englischen Bundesgenossen fällten, eine große War⸗ 0 schauer Zeitung sich mit einem Ausspruch des Grafen 17 1 Witte, ehemaligen russischen Reichskanzlers, beschäftigte, der in ganz anderer Form zu demselben Ergebnis kam, wie die Herren im Schützengraben. Bei der eiligen Flucht von N Lasdehnen hatten die Russen in den Quartieren allerlek Dinge und Sächelchen, viele Briese und Zeitungen zurück⸗ gelassen. Neben einem Uhrmacherladen, in einer Stube, die verhältnismäßig gut in Ordnung war, fand ich neben nied⸗ lichen Liebesbriefen eines russischen Offiziers auch die sozu⸗ sagen neueste Warschauer Zeitung. Man glossierte da den kleinen Aussatz, den Graf Witte für das Sammelbuch:„Die militärische Macht Rußlands“ geschrieben hatte. Der Aufsatz hält die Entwickelung des Militarismus für den Frieden fördernd. Graf Witte meint, daß der 55 jetzige Konflikt bei einem Dreibund: Deutschland, Nuß 2 land, Frankreich, hätte vermieden werden können. Schließ⸗ 2 lich führt der fähigste und eifrigste Minister Rußlands der es vom kleinen Eisenbahnbeamten bis zum allmächtigen Reichskanzler gebracht hatte— aus, daß er es verstünde, daß Frankreich und England Krieg führten, für Rußland wäre es unverständlich. Rußland würde vielleicht ganz gern die Dardanellen besitzen wollen,— aber das würen Zukunftsträume. England würde allein den größ«⸗ 1 ten Vorteil vom Kriege haben. So wie sie lägen, ließen sich die Dinge nun nicht 19 5 ändern,— pfli 1 digst fügt dann Witte dazu, daß diese nun einmal geschaff; 1 Lage zur Zertrümmerung Deutschlands führen müsse. Na- türlich. Sonst dürfte der Aufsatz auch kaum in dem E schen Buche stehen. Sehr wichtig ist der Schlußsatz 25 kleinen Arbeit: Je später der Krieg begonnen worden wäre, 75
desto vorteilhafter wäre er für Rußland gewesen. N Der russischäpolnische Offizier hatte die
Stellen, die sich gegen England richteten und den Schluß satz mit Bleistift dick angestrichen. Die mit Waffen⸗
aus dem Atelier hinunter und sehe, wie sich aus dem vor der Tür haltenden Wagen der Arm der Frau Fürstin heraus⸗ streckt— die beiden mächtigen Kürassierstiefel ihres hohen Ge⸗ mahls mir entgegenreichend. Das war alles...“ Ein ander⸗ mal hinderte der„Reichshund“ Tyras den Meister, als er glück⸗ lich eine Porträtsitzung erhalten hatte:„Ich bin gewohnt, mit dem Malstock zu arbeiten. Als der Fürst, gefolgt von dem 5 Reickshunde, eintrat und den Stock in meiner Hand bemerkte, rief er mir zu:„Um Gottes willen, legen Sie den Stock weg Tyras springt Ihnen sonst an die Kehle!“ Recht angenehm für einen harmlosen Porträtmaler!“ 1 * 1 E. — Geheimrat Deussens 70. Geburtstag. Der Vertreter der Philosophie an der Kieler Universität, Geh. Rat Prof. Dr. Paul Deussen, begeht am 7. Januar seinen 70. Ge⸗ burtstag. Sein Geburtsort ist Oberdreis, Kr. Neuwied. Von 1869 5 bis 1872 war er Gymnasiallehrer in Minden und Marburg, dann bis 1800 Erzieher in russischen Familien in Genf, Aachen und Terny(Gouvernement Charkow), während er in dieser Zeit an der Genfer Universität Philosophie und Sanskrit und an der Tech nischen Hochschule zu Aachen Philosophie dozierte. Im Jahre 1881 trat Deussen in den Lehrkörper der Berliner Universität ein, wurde Michagelis 1887 Extraordinarius daselbst und folgte 1889 einem Rufe als Ordinarius nach Kiel. Der Gelehrte 5 ist Begründer der Schopenhauer⸗Gesellschaft und Herausgeber des 0 Professor Deussen nimmt unter den 1 deutschen Phllosophen der Gegenwart insofern eine Sonderstellung ein, als sein Lebenswerk einem sonst wenig bearbeiteten Spezial⸗ gebiete seiner Wissenschaft gilt. Das ist die indische lo⸗ sophie, der Deussen seit dem Jahre 1873, um seine eigenen rte zu gebrauchen,„35 Jahre hindurch die beste Kraft jedes Jahres und jedes Tages“ gewidmet hat. Im Jahre 1908 war die Reihe der Werke, in denen er Geschichte und System der indi⸗ schen Philosophie auf Grund umfassendster Kenntnis der Origi⸗ nalschriften darstellte, Deussens„Mission für Indien“ abgeschlof⸗ sen. In einer feierlichen Sitzung von Veda⸗Lehrern und Schü⸗ lern im Jahre 1893 unweit Kalkutta wurde Deussen feierlich vor aller Augen mit der heiligen Opferschnur umgürtet, eine Ehrung, die sonst wohl kaum je einem Europäer zuteil geworden ist. Von der Schönheit des schlichten Ausdrucks spricht der Kunstwart im ersten Januarheft:„Ab und zu ruht mein Auge aus auf dem schönen Wort„Gefallen“. Auch wenn noch dabei steht„fürs Vaterland“, verdirbt es mir nichts. Denn das kann man sagen, ohne dem Leser eine prahlerische Beurteilung aufzudrängen. Wie lauter Gotteswunder klingen diese Worte ins Herz:„Gefallen fürs Vaterland“, und noch schöner das einfache„Gefallen“. Schwer und doch trost⸗ voll, wie eine klare Pflicht, wie ein durchschautes Schick⸗ sal. Es gibt nichts, das mehr erschüttern und erheben zugleich kann. Wenn aber ringsum mit bengalischeemm Feuer die„Helden“ beleuchtet werden, zieht es mein Herz; zu den„Gefallenen“, und mir ist es, als liebte ich sie. Als forderten sie es, und als forderten sie es mit Recht. Wä end ich bei den„Helden“ und immer und immer wieder„Helden“ denke: sie haben ihren Ruhm gedruckt. Aber sie sind in Wirk⸗ lichkeit zu gut dazu, als daß man ihnen das antun müßte
zu tun. Endlich— drei oder vier Tage vor dem letzten Ter⸗ min— wird mir die Fürstin Bismarck gemeldet, ich stürze
Sie nennen sich nicht untereinander„Helden“. Man frage in 5 den Schützengräben nach: sie lachen darüber.“ 1 4
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