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diskutierten die Ereignisse, wie sie sie lasen, und srenten sich, wenn sie am nächsten Posttag ihre politischen Prophezeiungen bestätigt fanden.
Auch die größten und bcstiusormierten Journale vermochten ihnen nicht zu sagen, ob der Krieg auebrechen würde oder nicht. Bald waren sie pessimistisch, bald oplimistisch gesinnt. Bald hieß es, die Serben geben nach und wollen mit Wien direkt verhandeln, bald, die Serben wollten Oesterreich- Ungarn vor das Tribunal eines europäischen Schiedsgerichtes schleppen.
„Der Teufel soll sich mit den Zeitungen auskennen," polterte Franz. „Ich sag' dir was, Desi. Mir wird die .G'schicht' zu dumm. Nächstens nehm' ich meine Dragoner und reit' hinüber. Mag da kommen, was da will. Mich juckt's in der Faust, im Arm, im ganzen Leib — Himmels- Herrgott, bis jetzt waren wir nur bessere Straßenaufseher. Einmal, einmal. . . sollten sie uns hinüberlassen . . ."
Und wie er dastand, fest auf seinen starken Beinen, die Kappe weit hinten im Genick, die Muskeln an den Armen strassend und streckend, war er das Vorbild gesunder, männlicher Kraft. Seine grandiose Unbekümmertheit erregte fast den Neid Desiders, der grüblerischer, sensitiver war, mehr in der Innen- als in der Außenwelt lebte.
Er sprach mit dem Freunde fast gar nicht mehr von .Helene. Immer tiefer verschloß er ihr süßes Bild in seine Seele, und nur in Stunden, da er ganz allein und einsam war, holte er es hervor und betete zu ihm wie zu einer Rel- liqnie. Wenn er auch nie darüber sprach, er sehnte den Krieg ebenso herbei wie Franz, nicht etwa wie dieser aus dem Ueber- schuß seiner Kraft heraus, sondern weil er ihn als die einzige Erlösung für sich ansah. Bis jetzt sah er neben seiner Pflicht immer jenes Bild — immer, immer ... es machte ihn weich, verträumt und trieb ihn dann wieder zu bitteren Selbstanklagen, die ihm die Freude am Dienst vergällten.
Von alledem spürte Franz nichts. Seit den, Nachmittag, an dem Olga ibm ihre Liebe ins Gesicht geschrien, hatte er sich längst wieder seine Ruhe zurückgezwungen. So schön das Weib war, so beseligend sein Besitz sein mußte, für ihn war Olga Grekow unerreichbar. Kismet! Warum sollte er sich das Leben erschwere», indem er sich mit dem lieben Gott herumzankte? Der wollte nicht, daß er sich der Liebe dieser schönen Frau erfreute — gut, so gab er also nach Es war zwar schad', Himmelherrgott — es war sogar sehr schad'. . und trotz aller leichtfertigen Lebensphilosophie gab's ihm im Herzen doch einen Riß, wenn er an sie dachte. Jetzt, da er überdies noch wußte, daß sie ihn wirklich und ehrlich liebte, daß sie die Sehnsucht ihrer starken Frauenseele an ihn gehängt hatte... jetzt kam es ihm mehr als einmal recht boshaft vom Schicksal vor, daß es zwischen ihm und diesem Weibe eine so hohe Scheidewand ausrichtete. Aber — er war Soldat, gewöhnt zu gehorche» — Kismet!
Er vermied es, sie zu sehen, aber nicht aus Furcht, sondern aus Rücksicht für sie. Einmal trat er zufällig in den Hof seines Hauses hinaus, als sie im Garten spazieren
e . Bleich und schmal war das schöne Gesicht, die blauen -n lagen tief in de» Höhlen und waren gerötet vorn heimlichen Weinen. Er wollte sich rasch verstecke», aber sie hatte ihn schon über den niedrigen Zaun erblickt und kam auf ihn zu.
„Franz," sagte sie leise, „Franz!"
Und reichte ihm die Hand über das Gitter hinüber. Wohl oder übel mußte er sie ergreifen, aber sie hielt ihn nun mit beiden Härchen. So standen sic ein, zwei Minuten einander schweigsam gegenüber, und der Olga begleitende Posten schaute verwundert auf diese Szene.
Endlich gelang es Franz, sich loszumachen.
„Frau Gräfin, Fassung," sagte er. „Der Posten schaut ja herüber."
„Sie fürchten sich bloßzustelleu..."
,^Jch? Mich kennen meine Leute. Mer Sie, Frau Gräfin — Sie... 1"
Da ließ sie mutlos seine Hände fahren und trat zurück. Seitdem ging er nur in den Hof hinaus, ivenn er sie in ihrem Zimmer wußte.
Drüben in Slubovizja verzehrte sich Ray vor Ungeduld!. Weder entschied es sich, ob der Krieg erklärt wurde, noch rührten sich die bosnischen Behörden, die Gräfin nach Sarajevo zu bringen. Und der verhaßte Lohnsperg lebte auch nochi
Mvst Hektar Ray Ivar ein Mann der Skrupellosigkeit.
Mochte hinterher geschehen, was da wollte^ er beschloß, Racovac zu überfallen, um Olga zu befreien. !.
Bier Uhr morgens. Franz war eben von einer Nacht- Patrouille heimgekehrt und gerade dabei, sich einen heißen Tee zu brauen, ehe er sich niederlegte. Da erklang's >vie fernes Schießen — lang anhaltend rnw heftig, einen wirklich ernsten Kampf verratend.
„Himmelherrgott!"
Und fuchsteufelswild fuhr Franz in den Dolma». Draußen gellte schon das Marmsignal durchs Dorf... Nicht einmal den guten, heißen Tee vergönnten sie ihm! Ms er ans seinem Zimmer sprang, stand Desider bereits vor der Tür, im Begriff, die Feldbinde umzuschnallen.
Immer ärger wurde das Schießen und zog sich langsam, aber stetig näher ans Dorf heran.
„Wer ist denn da draußen?" rief Desider seine Unteroffiziere an.
„Der Nagy, Herr Oberleutnant, dürst's sein."
„Warum schickt er denn keine Melhung?!"
Aber da kam der Dragoner schon herangejagt.
„Nachrichtenpatrouille Zugführer Nagy, fünfhundert Schritte von Bitkovici von überlegene» Kräften, die über den Fluß kamen, angegriffen, zieht sich langsam aus Racovac zurück." So lautete die Meldung.
„Also vonvärts, Kinder!" ries Desider.
„Wenn s' uns aber dösmal wieder für an Narr'n hatten, nachher gengan wir übcri über die Drina!" drohte der Korporal Huber und schüttelte die Faust nach Slubovizja hinüber.
Franz blieb im Dorf zurück.
„Weißt du," sagte er zu Desider, „ich Hab' so eine Ahnung in mir, als wenn die Schießerei dort hinten nuv den Zweck hätte, uns wieder aus dem Dorf hcrauszulocken. Mir schwant so ujas, als wollte der gelbe Fuchs, der Ray, die Gräfin herausholen."
Desider marschierte mit seinen Strafuni ab, und Franz kehrte in sein Zimmer zurück, um sich seinen Tee fertig zy kochen. Aber es stand in den Sternen geschrieben, daß ihm dieser Genuß für heute versagt bleiben sollte.
Denn plötzlich krachte draußen ein Schuß, ganz dichj hinter dem Hause. Und noch einer — und ein dritter. Das war der Posten, der den Garten des Hauses bewacht«, in dem Olga Grekow untergebracht war.
Den Browning in der einen, den blanken Säbel in der anderen Faust, stürmte Franz hinaus, duckte sich aber sofort nieder, als ihm zwei, drei Kugel» cntgegenpsiffen. Den Posten sah er nicht, erst als dessen Gewehr anfblitzte, erkannte er, daß er sich hinter einem Gebüsch gedeckt hatte.
„Wie kommen denn die Kerle hier mitten ins Dorf?" fragte sich Franz.
Aber cs blieb ihm keine Zeit zur Uebcrlegung. Deutlich unterschied er, wie zahlreiche dunkle Gestalten sich ans das Nebenhans zuschlichen.
„Also, gilt's doch der Frau!"
Und mit kühnem Satz svrang er über den Zaun: ehe die Gegner sich von ihrer Ucberraschung erholt hatten, lag er schon neben dem Posten und feuerte seinen Browning ab. Zwei dumpfe Wehlaute bewiesen ihm, daß er getrosten hatte. Aber die herandrängcnden ließen sich nicht aushaltcn. Ihrer zwanzig wohl kamen sie sprungweise heran. Znm Laden war keine Zeit mehr.
(Fortsetzung solgt.)
ver Natechismus von VIleam junior.
in.
Als jedoch deutsche Seesiege zu häufig wurden, mußte England seine törichten Behauptungen ausgeben und eingestehen, daß drei Kreuzer durch ein einziges Unterseeboot zerstört waren.
Fragen Wie denkt man darüber, daß die Deutschen sich der Zeppeline bedienen?
Antwort: Das ist geradezu ein Verbrechen.
Frage: Wieso?
Antwort: Nun, weil die andern Nationen keine Zeppeline haben.
< Frage: Aus keinem anderen Grunde?
Antwort: Doch, wenn z. B. friedliche Bürger in einer bo» lagerten Festung bleiben, so müssen sie sich natürlich darauf aw saßt machen, daß auch sie unter Umständen ein tödliches Geschoß treffen kann. Nun erbeben diese Nichtkämpfer ein Zetermordch bei der Vorstellung, daß eine Bombe ans einem Zeppelin sie treffen könne, offenbar well sie lieber durch Kanonen oder Granate» sterben.


