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tl* sanft auf einen Sessel niedergleiten. Dann ging er mit festem, schnellem Schritt hinaus.
Einen Moment starrte sie ihm nach. Dann sprang sie auf und stürzte hinter ihm drein. Ms sie aus die Diele' Kiuauskam, siel a'rad hinter ihm die Haustür ins Schloß, Bor ihr stand der Wachtposten, und aus seinem Gewehr blitzte das Bajonett.
(Fortsetzung folgt.)
warum amerikanische Milliardäre arbeiten.
I» dem vor kurzem erschienenen dritten Teil seines Deutschen Lausbuben in Amerika" (Verlag Robert Lutz, Stuttgart) schließt Erwin Rosen seine amerikanischen Erinnerungen ab*), dieses köstliche Buch voll sprudelnden Humors und modernster Abenteurer- Romantik, dessen hohe Auslageziffern beweisen, mit welcher Freude «S von der deutschen Lesewelt entgegengenommen wurde. Erwin Rosen schildert im dritten Teil seine Erlebnisse, die ihn u. a. als eine Art Räuberhauptmann mit einem geheimnisvollen Schiff voll Wasfc» nach Venezuela führten (was beinahe sehr übel abgelaufen wäre), mit derselben Frische und packenden Anschaulichkeit, die den beiden ersten Teilen ihren großen Erfolg sicherten. Daneben aber zeigt er sich als einen der besten Schilderer amerikanischen Wesens: seine Kapitel: „Neuyork und die Neuyorker" und ,,Tie sogenannte Amerikanerin" gehören zum vortrefflichsten, was >e in dieser Art geschrieben wurde. Mit Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung veröffentlichen wir im folgenden einige Seiten aus dem Buche, die uns die amerikanische „Religion der Arbeit" zeigen, diese unfaßbare Arbeitsfreude, die uns Europäer immer nneder vor neue Rätsel stellt und neue Triumphe bestaunen läßt. Erwin Rosen schreibt:
Der Dollar regiert über das Land und regiert noch härter im intensiven Neuyork. Doch was bei dem Neuamsterdamcr etwas unendlich Grobes, simpel Geldgieriges, abstoßend Häßliches war, hat sich bei seinem Nachkommen von heutzuatge zu einen, großartigen Glaubensbekenntnis an Arbeit, Leistung, Tätigkeit verfeinert, vergrößert, veredelt. Das bloße Geldverdienen ist zu einem Hohelied der Arbeit geworden. Ter Neuyorker kämpft beileibe, nicht nur um den Dollar, um reich zu werden, sondern der Kampf an und für sich ist »hm Notwendigkeit, Pflicht, Stolz, Liebe. Derjenige, der nicht mehr in der Arbeit steht, ist ihm em Nichts, eine Rull. Der hat sein Bestes wcggegcben und ist eine Drohne, die essen magund schweigen. Der hat nicht mehr mitzureden und
g e»» er Millionen besäße. Es gibt in dieser Stadt der reicheren eute fast gar keinen oder gar keinen Reichen, der sich aufs Altenteil fetzte, uni sich seines Goldes in Ruhe zu erfreuen. Die weltbekannten Milliardäre, die sich mit größerem Recht vielleicht als mancher Fürst, Herrscher nennen könnten, arbeiten in ihren Bureaus in der Finanzstrabe Wallstreet gerade so viel und angestrengter vieljeicht als der arme Arbeiter irgendwo in einem Weltwinkel, der mit großausgerissenen Augen von diesen Milliarden liest und sich unter ihren Besitzern glückssreudige Genießer vorstcllt, erstaunliche Geldprotzen, die im Golde wühlen ynd vom Golde schlemmen.
In Wirklichkeit arbeiten diese Leute schwer und überlassen in geduldiger Amcrikancrart das Genießen und Verschwenden ihren Frauen und Töchtern. Die mögen sich mit Brillanten behängen und englische Herzoge heiraten und in ihren, Kreise der oberen Vierhundert Tollheiten von wahnsinnigen Gastmählcrn und uner- börten Verschwendungsorgien ersinnen. Er, der Herr des Geldes, bleibt aus freiem Willen sein Knecht. Ihm ist am wohlsten, wenn er von seinem Schreibttsch aus in einem menschenabgeschlossenen Lrivatkontor die Telegramme in die Wett hinausjagt, die Entscheidungen trifft, die Pläne ersinnt, die die ungeheure Macht des Geldes in arbeitende Bewegung treiben. Sie sind ost genug und am meisten in ihrem eigenen Lande die Geißeln der Menschheit aenannt worden, diese überreichen amerikanischen Milliardäre, die in ihrer gigantischen Brutalttät, ihrer übernienschlichcn Gold- «fnsamkeit, ihreni Druck aus die große Masse der Menschen eine der eigentümlichsten Erscheinungen amerikanischer Art bilden. Sie gehören zu den Unbegreiflichkeiten der Welt. Der eiserne Wille, die enorme Intelligenz, der unheimliche Wagemut, der Hunderte, Lausende von Millionen zusammenrafff, ganz gleichgültig, ob aus ehrlichem oder unehrlichem Wege, und die Zustände vor allem, in denen diese Napoleoniden des Goldes überhauvt möglich sind, erscheinen als etwas nahezu Unfaßbares. Tie Widersprüche in ihrem Leben und Wirken sind unlöslich. Ein Rockeseller — ein armer, schwer magenkranker Mann, der sich von Milch ernähren muß — verfolgt mit eiskalter Grausamkeit jeden Petroleumproduzenten, der sich seinem Willen nicht fügt, und macht mit voller Uebcrlcgung Taufende von Menschen, die ihm im Wege stehen, zu Bettlern. Des Sonntags aber leitet der gleiche Mann eine Sonntagsschul klaffe und predigt jungen Männern Frömmigkeit und christliche Liebe. Ein Rätsel. Es wäre lächerlich, da an Heuchelei zu denken, denn Heuchler haben ihre Zwecke, und der Pctroleumkönig ist schon
*1 Der deutsche Lausbub in Amerika lMemoirenbibliothek Serie 7 Band, Robert Lutz in Stuttgart). Preis gebunden
in den allerersten Jahren seines kaufmännischen Lebens so reich geworden, daß er wahrlich Heuchelei nicht nöttg hatte.
Ein Carnegie schenkt de» Armen der Welt etwas nnn Uffoßcs. Gute Bücher. Die Bibliotheken, die seinen Millionen ihre ^z.stenz verdanken, schießen wie Pilze empor in den groben Städten. Wo in der Welt auch nur ein tapferer Mann einen, Menschen das Leben rettet und dabei selbst zugrunde geht oder an seiner Gesundheit schwer geschädigt wird, da ist helfend und tröstend der Carnegie- schatz snr Lebensretter da; viele Millionen von dem einstigen Stahl- könig der selbstlosen Tapferkeit gewidmet. Ter arme Arbeiter, der dem ertrinkenden Mädchen nachspringt und seine Selbstlosigkeit mit dem Leben bezahlen muß, hinterläßt Frau und Kinder. Hier springt Carnegie ein, ob die Tat nun in Amerika geschehen ist oder in Europa, in England, Frankreich, Deutschland, in Japan oder Australien. Und diese Carnegicgesellschaft hat sich nicht etwa auf ein kleinliches Schema festgelegt und verteilt Pfennige, sondern sie gibt Kapital, aus daß die Witwe sich selbst Helsen kann. Die durchschnittliche Spende beträgt 3000 Mark, kann jedoch, je nach den Verhältnissen, eine Höhe von .',0000 Mark erreichen. Ter gleiche Mann sedoch, der in warmem Mitfühlen für wertvolle Menschen sorgen will, hat als amerikanischer Stahlkönig ein verruchtes System der Arbeilerausbeutung geschaffen, das jeden sozial denkenden Menschen aus das tiefste empören muß. Er ließ nicht nur auf Akkordlohn arbeiten — das „Du erhältst bezahlt, was du dir verdienst!" ist ein gesundes Prinzip —, sondern er erfand ein« sehr seine neue Nuance. Er verlangte von den vielen Taufenden von Arbeitern der vielen Stahlwerke ein« Mindestleistung im Akkord und zwar eine so hoch bemessenc Mindestleistung, daß der Arbeiter eine versäumte Minute gar nicht nachholen konnte. Und über den Arbeiter stellte er den Aufseher. Nicht etwa den altmodischen Aufseher, der halb technisch leitet und halb polizeilich in Ordnung hält, sondern den modernen amerikanischen Carnegie- ausseher: den „Hetzpeitschenmann"! Ten Treiber, den Hetzer, der die Mindestleistung herausprefsen mußte und — zusammen mtt dem Arbeiter „flog", wurde sie nicht erreicht. Diese eiskalte kaufmännische Berechnung ergab ein vorzügliches Resultat. Tic Stahlarbeiter schwitzten sich die Seele aus dem Leib und gaben jeden geschlagenen Tag von den dreihundert Arbeitstagen des Jahres alles her, was an Kraft in ihnen war. Natürlich bezogen sie Hobe Löhne auf diese Weise und waren sehr zufrieden. Taß aber ein solcher Arbeiter im Älter von fünfundvierzig Jahren ein vöttig zerrüttetes menschliches Wrack war und überhauvt nicht mehr arbeiten konnte — das wußte der Arbeiter vorläufig noch nicht, und Herrn Carnegie war es sehr gleichgültig.
Das eine, daS für Amerika und die Amerikaner charakteristisch, im Neuyorker potenziert, im Milliardär verungehcuerlicht ist:
Tie heillose Freude an der Arbeit!
Nichts anderes kann diesen armen reichen Milliardär erklären, der im Golde fast erstickt und sich doch abrackert his zu feinem Todestag: nichts anderes diesen Neuyorker, der arbeiten muß, ständig arbeiten, im Lausschrittempo arbeiten, weil er sonst krank werden würde. Es ist, als Hab« sich rasffnierte Schöpserkraft einen Spezialwitz für Amerika und die Amerikaner ausgcdacht: sie hat rns amerikanische Gehirn einen für ihre Evoluttonszwecke sehr praktischen neuen männlichen Ehrbegriff gelegt!
Die Ehre deS Mannes liegt in seiner Arbeit.
Hörst du zu arbeiten auf, so wirst du ehrlos!
Niedriges Geldhasten Ivird zu hoheni Ehrbegriff und großem Lebensideal, lind man sottte diese fürchterlich zufamniengewürselte Stadt des Geldes und ihre dahinhastendeu Mensche» nicht kulturlos schelten. Mir ist mein Arbeitshasten in Neuyork eine uirbeschreib- iich freudige Eriunerung und es will mir scheine», als hätte dieses Vorwärtszavveln von Tag zu Tag große Aehnltchkeit mit etwas Schönem gehabt: Begeisterung! Und wenn ich von devl unglücklichen Tollar-Neuyorker lese, den das furchtbare Arbeits- rad seiner freudlosen harten Stadt unerbittlich, vorlvärts und immer vorlvärts treiben sott, dann denke ich lacheich an die frischen Gesichter und das frohe Wesen dieser angeblich so bedauernswerten Leute. Ich habe nirgends so viel Frohsinn im täglichen Arbeitslebeu angetroffen, so viel Freude an der Arbeit, so v-iet Güte im überbürdeten Menschen. . . Wenn ein armer Teufel in einem der Riesenrestaurants Neuyorks um Arbeit vor- frägt, so wird ihm einer der geplagten Leiter ganz gewiß drei Minuten schenken und als einsache Selbstverständlichkeit ihn an- hören — in Pen entsprechenden Riesenrestaurants von Beilin oder Paris würde man den Kuckuck dergleichen tun!! Das ist nicht etwa ein ganz vereinzeltes, sondern nur ein besonders merk- würdiges Beispiel! Dieser hastende, eilende, schreckliche, rasende Arbeitsroland von Neuyorkcr hat immer ein wenig Zeit und immer ein Ivenig Giite für das übrig, was man dein „lieben Nebenmenschen zu nennen pflegt. Man merkt das au, schritt und Tritt. Der berüchtigte pollesman gibt einem in liebenswürdigster Weise über alle inöglichen und unmöglichen Tinge Auskunft: der reiche Kaufnwnn empfängt ohne iveiteres einen gänzlich Unbekannten, wenn dieser mir einen halbwegs verittlnf- ttgen Zweck seines Besuches anzugeben weiß: dm Nachbar m der Bar oder im Restaurant hat immer Zeit übrig für eine Liebeus- Würdigkeit, einen praktischen Hinweis, eine Verbindlichkeit einem ihni völlig Fremden gegenüber. Das ist wieder effrer jener


