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die zu er stillen waren, hatte mau sie erfüllt. Sie konnte , sich ziemlich frei in dem Hause bewegen, konnte in den ' Garten hinausgchen oder die Fenster ihres Zimmers öffnen. Nur -die Posten mit ausgepflanztcm Bajonett, die sie im Garten, vor ihrer Türe, vor ihren Fenstern sah, erinnerten sie daran, daß sie eine Gefangene war und bewacht wurde.
Aber ste dachte gar nicht daran, zu entfliehen. Sie saß stundenlang verborgen hinter den Kattnnvorhüngcn ihrer Fenster und wartete. Wartete darauf, daß Franz zu ihr käme. Und sie, das stolze, hochmütige Weib, lernte das Weinen, als sie sah, daß er nicht kam. Wie oft ging er am Hause vorüber, streifte es mit gleichgültigem Blick, aber nie trat er ein. Wie oft vernahm sie, wenn sie im Garten frische Luft schöpfte, sein gesundes, fröhliches Lachen. Einmal sah sie ihm zu, wie er seinen getreue» Bernhardiner im Schnee herumhetzte. Ihre großen blauen Angen stillten sich mit Tränen — sie wurde unglücklich, sie, die Gräfin Olga Gre.kow!
Tausend Pläne faßte sie, um ihn zum Kommen zu zwingen. Sie wollte sich krank stellen. Dann wieder wollte sie ihm politische Geheimnisse verraten. Und die tausend Pläne verwarf sie wieder. Ein Tag uni den andern ging hin, ohne daß sie ihrer Sehnsucht Ziel erreichte. Und wenn man sie erst abholte, um sie in Sarajevo vors Gericht zu stellen, dann war ja alles verloren.
Sie wollte sich nicht einsperren lassen. Sie wollte frei sein, um ihrer Liebe leben zu können. Ost malte sie sich die nknnft in goldenen Farben und lullte sich selber in eine» raum von Glück und Hoffnung. War sie erst frei, dann warf sie alles hinter sich, alles — mochten sie in Petersburg tun, was sie wollten. Die Liebe dieses Mannes wog ihr die ganze Welt auf.
Und in einer solchen hoffnungssreudigen Stimmung faßte sie einen Entschluß. Sie wollte ihn zu sich bitten lassen, wollte ihm osfen, ohne Rückhalt ihre Liebe gestehen und all das, was sie erhoffte und erträumte. Sie schickte also ihre Dienerin zu ihm herüber mit der Bitte, ihr eine Unterredung zu gewahren.
Gleichmütig folgte Franz der Aufforderung. Allerdings, als er ihr gegenüberstand, als er in das bllciche, durchs den Kummer noch verschönte Antlitz blickte, da bekam sein Stolz einen fühlbaren Ruck. Das war nicht das hochsahrende, hochmütige Weib, das er in seiner Erinnerung hatte, sondern eine demütig bittende Frau.
„Sie haben mich rufen lassen, Frau Gräfin", sagte er und bemühte sich, seiner Stimme einen möglichst ruhigen Klang zu geben. „Womit kann ich Ihnen dienen?"
Sie amwortete nicht gleich. Schwer atmend strich sie sich die in die Stirne fallenden Haare zurück und blickte ihm forschend in das gesunde, gebräunte Gesicht. Aengstlich suchte sie darin eine Miene, in der der Widerschein ihres eigenen Gefühls glänzte. Aber sie suchte vergeblich. Er wandte den Blick nicht ab, wie damals^ da er auf der Fahrt von Palez mit ihr auf dem Wagen saß, sondern sah ihr ruhig und grade entgegnen. Das Bewußtsein, jetzt der Stärkere zu sein, machte ihn noch stärker.
„Was wünschen Sie, Frau Gräfin?" wiederholte er höflich und kalt.
Mühselig rang sie sich die Worte ab.
„Ich bitte um Entschuldigung, Herr Oberleutnant," sprach sie endlich, „daß ich Sie belästige, allein ich möchte Sie bitten, mir zu sagen, was mit mir eigentlich werden soll."
„Ich bedauere. Ihnen das nicht sagen zu können", lautete seine Antwort. „Ich weiß es selbst nicht."
„Man wird mich anklagen, vor ein Gericht stellen?"
„Frau Gräfin, ich wiederhole Ihnen, daß ich nichts hierüber weiß. Ich habe nur den Befehl, Sie hier bis auf weiteres in Gewahrsam zu halten."
„Sie möchten mich wohl gern fort haben von hier?"
Unter den langen seidenen Wimpern brannten ihre Augen auf ihn.
„Es ist mir peinlich," erwiderte er gelassen, „den Gefängniswärter einer Dame von Ihrem Range spielen zu müsse». Und dann wird unseren armen, ohnehin so angestrengten Leuten der Dienst nur noch erschwert."
„Ah!"
Ihre seinen, weißen Hände verkrampsten sich in ihr Taschentuch. Für einen Moment schien es, als wollte ihr alter Stolz Ivieder hervorbrechen, aber in der nächsten Minute sank sie leise ausschluchzend auf einem Stuhl zusammen^
Franz stand steif aus demselben Fleck und biß, die Zähne
zusammen. Es ist Komödie, wie damal», sagte er sich. Komödie, nichts als Komödie! Mer dennoch begann sein Herz
zu schlagen, wild und heiß.
„Kann ich gehen, Frau Gräfin?" fragte er.
Sie antwortete nicht, aber ihr Schluchzen wurde stärker und erschütterte ihre Glieder. Er wartete »och ein paar Augenblicke, dann machte er eine gemessene Verbeugung und wandte sich zur Tür.
„Franz!"
Wie ein Lasso kam der Schrei hinter ihm drein geschnellt und riß ihn herum. Etwas war darin, was ihn znrückhielt.
Sie war aufgesprungen und hielt sich mühsam am Tisch« aufrecht. Tie Tränen, die ihr die Wangen herabströmten, versuchte sie nicht zuräckzuhalte», und flehend streckte sie den einen Arm nach ihm ans.
„Franz, gehen Sie nicht so von mir!" rief sie. „Sonst, ich schwöre es Ihnen, mach' ich ein Ende mit mir. Ich ertrage es nicht langer!"
„Frau Gräfin, es hat doch keinen Zweck..." murmelte er.
„Welchen Zweck soll es denn haben?" schrie sie in ihrer Erregung. „Welchen Zweck? Glauben Sie denn, ich will mir meine Freiheit von Ihnen erschleichen? Wenn Sie alle Ihre Soldaten wegschicken, alle Türe» aufreißen, gehe ich nicht fort. So begreifen Sie doch endlich! Ich ersehn« mir doch nichts anderes, als hier bei Ihnen gefangen zu sein. Durch das Fenster kann ich Sie sehen. Ich kann Ihre Stimme hören... Franz, Franz, ich liebe Sie ja!"
Komödie, Koinödic, redete er sich in einem fort vor. Sie versucht es jetzt von der tragische» Seite.
Sie las ihm die Gedanken von seiner finster zusammengezogenen Stirn ab.
„Sie glauben mir nicht... Sie wollen mir nicht glow ben," rief sie, verzweifelt die Hände ringend. „Können Sie denn nicht vergessen?"
Gerade mit diesen Worten hatte sie seiice empfindlichste Stelle getroffen. Er trat einen Schritt zurück.
„Nein!" sagte er hart.
Wieder sank sie zusainmen.
„Sic rächen sich grausam," flüsterte sie. „Können Sie denn nicht verzeihen? Wie Sie immer Ihre Pflicht tun und stolz darauf sind, so tat ich damals meine Pflicht! Sie ivaren mir fremd, gleichgültig wie alle die Männer, die ich bis dahin kennen gelernt habe. Ich glaubte. Sie würden mir auch zu Diensten sein wie diese Schwächlinge alle. Und eben deshalb, weil Sic es nicht taten, iveil Sie der Stärkere blieben — eben deshalb liebe ich Sie ja! Franz, können Sie denn nicht begreifen, daß eine Frau wie ich nur einen Mann lieben kann, zic dem sie ansblicken muß?"
„Was nützt das alles, Frau Gräfin? Jetzt ist es zu spät."
Seine Worte klangen nicht mehr kalt und abweisend, sonder» die Bitterkeit, die in ihm ansstieg, schlug durch. Hätte sie damals so gesprochen, welche Seligkeiten hätte» sich ihm geöffnet! Nun war das Tor zugefallen, sie stand drüben, er herüben und...
Ah was! Er reckte sich hoch auf. «
„Frau Gräfin," sagte er, und wider seinen Willen klang seine Stimme weich, säst zärtlich. „Es ist besser für uns beide, wir beenden diese Unterredung. Was geschehen ist, können wir nicht mehr ändern..."
Aber da hing sie schon an ihm.
„Ja, wir können es," stieß sie hervor. „Wir können, wir werden es ändern. Jetzt zur Verräterin an der Sache zu werden, der ich dienen mußte, widerstrebt mir, und dann? Ste würden mich noch mehr verachte» ... nein, nein, hören Sie mich an!" flehte ste, als er sich sreimachen wollt«. „Aber dann, Ivenn der Krieg vorbei ist, wenn wir beide wieder uns selbst gehöre», dann lassen Sie mich zu Ihnen komme», als Frau, als Geliebte, als Dienstmädchen . . . Ich will's büßen, was ich verbrochen habe. Büße ich denn nicht schon jetzt? Und ich will dich lieben, wie nie noch ein Weib einen Manns geliebt hat... so höre mich doch, Franz — Franz..."
Mit einem Ruck riß er sich los. Welchen Kamps mit sich selbst ihn das gekostet, das wußte nur Gott allein.
„Ich darf Sie nicht anhören, Frau Gräfin," sagte er. „Wenn Sie ruhiger sein werden, glauben Sie mir, werden Sie es selbst zuacbe». Zwischen uns muß alles aus sein/t , „Nein — nein," gellte sie.
Da hob er die Fassungslose aus >vie ein Kind und lteH


