Nn den Akern der Drins.

Noman aus der Zeit der Annexion von Ernst Klein. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

9. Kapitel.

Bo» Vitkovici her jagte ein Dragoner in gestrecktem Galopp auf Racovac los. Spät ain Abend war's, und die beiden Offiziere rauchten gerade ihre Nachtmahlszigarren, als der Soldat vor ihr Haus sprengte. Sie stürzten beide hinaus, als sie ihn von drinnen hörten.

Der Mann war atemlos. Und die vorgeschriebene Form seiner Meldung vergaß er auch in seiner Ausregung.

Herr Oberleutnant," stieß er hervor,nicht weit von Bitkovici ist eine Bande von ungefähr dreißig bis vierzig Manu dabei, über die Drina zu gehen."!

Durch das schlafende Dorf gellte das Alarmsignal. Fünf Minuten später standen die Strafuni marschbereit da, und die Dragoner trabten herbei.

Franz saß auf. Er und Desider hatten sich schnell geeinigt.

Itch reite auf Bitkovici zu", sagte Franz,werde dir

K n rechtzeitig Meldung schicken. Teufel was ist denn

?"

Um die Torfstraße bog ein zweiter Dragoner herum. Er kam augenscheinlich von Süden her.

Bor den Offizieren parierte er sein dampfendes Pferd, daß es sich ans den Hinterfüßen aufbäumte, und über­reichte Desider eine geschriebene Meldung.

Zugführer Nagy meldete, daß von deul am rechten Ufer der Drina, etwa 1000 Meter oberhalb Slubovizja gelegenen Orte Bukovica, eine Bande von ungefähr zwan­zig Mann sich dem Flusse nähere, augenscheinlich in der Absicht, ihn zu überschreiten.

Was ist denn los?" fragten sich die Offiziere ver­wundert.

Am Ende ist der Krieg erklärt," meinte Franz,und die wissen das früher als wir."

Was kümmert uns das," rief Desider,Sie kommen und sie sollen uns bereit'finden. Kinder," wandte er sich an seine Leute,wir haben da von zwei Seiten Meldung erhalten, daß die Serben im Anmarsch sind. Fetzt geht's Gott sei ^Dans, endlich los!"

Die Strafunt und die Dragoner brachen in nicht enden- hwllendes Hurra aus. Efghi Hassan schrie nicht mit, aber ui seinen schwarzen Augen begann es zu funkeln.

Er blieb im Ort zurück mit seinen fünf Gendarmen zund mit fünfzehn Strafunt, während Franz mit seinem Zug nach tinks davonjagte und Desider mit seinen Leuten rm. Laufschritt nach der anderen Seite hin abbog. Vorsichtig stellte der alte Soldat rings um den Ort Wachen auf, um von allen Seiten sicher zu sein. Er selbst ernannte sich

zum Wachtposten am Eingang des Dorfes, von wo aus er joas gegenüberliegende User überblicken konnte. Gelassen hüllte er sich in seinen Mantel, setzte sich guf einen Meilen­stein und legte das Gewehr auf die Knie. Und wartete.

Schweigend standen oben am lichten Nachthimmel die Sterne; kein Laut war ringsum hörbar. Es war, als schwebe der Frieden über das schlafende Land und hielt seine seg­nende Hand darüber, daß kein Lärmen es störe. Efghi Hassan, der in seiner Art ein Philosoph war, dachte an den Gegensatz zwischen der friedlichen Stille jetzt und dem freu­digen Jubel, mit dem vor wenigen Minuten die Soldaten in den Kampf gezogen waren. Hinaus in die dunkle Nacht, in die Gefahr. Efghi Hassan zuckte als Philosoph die Ach­seln und gedachte des Kismets, des Schicksals, das unab­änderlich jedem Menschen vorherbestimmt ist.

Drüben, im feindlichen Orte, kein Laut. Kein Licht an den Fenstern. Waren denn alle Bewohner mit den Komi- datschis mitgezogen? Und er lauschte, ob er nicht aus der Ferne etwa einen Schuß vernahm. Aber nichts nichts. Hätte Esghi Hassan nur einen Schinrmer von Poesie be­sessen, so hätte er die Atemzüge der schlafenden Erde hören müssen. >

So verrann eine Stunbe eine zweite. Noch immer saß Efghi Hassan aus seinem Meilenstein und wartete. Plötzlich fuhr er auf:

Aus Slubovizja kam langsam und schwerfällig ein Wagen durch de» Schnee gerollt, hielt auf den Fluß zu und fuhr ohne Zögern über das Eis. Kein Zweifel, er kam auf Racovac zu... wie ein Falk spähte der alte Gendarm dem Gefährt entgegen. Und als es näher kmn, erkannte er, daß zwei Menschen daraus saßen, ei» Mann und eine Frau, armselige, in Lumpen gehüllte Bauern.

Halt!"

Mit zitternder Hand hielt der Bauer die kleinen, zotti­gen Pferde an.

Wer seid Ihr?"

Und das Gewehr schußbereit im Arm, trat der Gen­darm an den Wagen heran. Seine Pfeife schrillte durch die Nacht, und gleich Harauf standen die Gendarmen und di« Strafuni im Kreis um die Fremden. Die waren zwei alte Leute, die sich vor Angst und Kälte ganz zusammen­krümmten.

O, Gospodin," antwortete der Bauer in flehendem Tone,wir sind arme, unglückliche Leute. Ich bin Mirko Mirkovich aus Orovica drüben in den Bergen. Und das ist die Marja, meine Frau. Wir wollen nach Kraljevopolje, wo meines Vaters Brudersohu ein kleines Anwesen hat. Diese schrecklichen Komidatschis haben gar so schrecklich gehaust bei uns. Alles haben sie uns weggenommen, alles. Und gestern . . ." Der Schmerz verschlug ihm die Stimme.

Na, was war gestern?" fragte Efghi Hassan gleich­mütig.

Gestern haben sie uns unsere Traga, unser Kind, un­seren Sonnenschein . . . erlaßt mir das, Gospodin. Sie