SÜLiBÜ
Samstag, oeit 4. Jul?
Wriber-Kegiment.
Roman von OSkar Klaußmann.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Die Beamten kamen herein, und Geheimrat Kersten schleppte sich mühsam bis auf die Estrade, um sich hier am Tische niederzulassen. Es mußten unter allen Umständen die nötigen Befehle -Wgeben werden, um das Bergwerk möglichst rasch wieder betriebsfähig zu machen. Schon die Nachtschicht mußte mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. Mußte die festeren Teile des Fließes herauszuschaffen suchen, damit der Querschlag bald wieder benutzt werden konnte.
Dann mußten die Aufzeichnungen betreffs der Arbeiter, die beim Rettungswerke geholfen hatten, und der Nachtschichter gemacht werden, und Kersten erklärte Dora:
„Du mußt fort. Wir brauchen das Zechenhaus, das Aufschreiben muß stattfinden."
Graf Klinter kam herein, und auf den Wunsch Kerstens führte er Dora hinaus. Willenlos und stumm folgte sie ihm.
„Ich null nach dem Knappschastslazarett," sagte Dora, »,und niich nach dem Befinden der Kranken erkundigen/'
,/Jch begleite Sie," erklärte Graf Klinter, „wenn Sie gestatten; ich will sehen, ivas aus den Bewußtlosen wird."
Die Menge draußen fing an, sich zu verlaufen. Das Zechenhaus füllte sich mit Arbeitern, die vom Rettungsmerke kamen oder die bereit lvaren, zur Nachtschicht einzufahren. Die Sanitätskolonne räumte die Betten aus dem Zechen- hause und brach draußen ihre Zelte ab.
Das Auto mußte sehr langsam fahren, denn die ganze Chaussee >var voll Menschen. Auch die Straßen in Dorotheenhof waren von Menschenmassen blockiert, und überall sah man Gerettete, umgeben von Gruppen von Verwandten und Freunden, die die dem Tode Entronnenen nach Hause geleiteten
Das Knappschastslazarett, ein Komplex von stattlichen Gebäulichkeiten, eine Krankenheilanstalt, wie sie kaum eine Großstadt aufzmveisen hat, lag draußen inmitten eines Parkes. Jenseits Dorotheenhof konnte der Wagen schneller ^hren, und es war neuneinhalb Uhr abends, als Dora und Graf Klinter vor deni Portal des Vernxiltuugsgebäudes hielten.
Der Portier wollte Schwierigkeiten machen und behauptete, er dürfe niemand einlassen. Er entschloß sich aber doch, den wachhabenden Offizier herbeizuholen, und dieser meldete die Anwesenheit Doras und des Grafen Klinter deni Chefarzt, der den Eintritt gestattete und selbst kam, um die Besucher zu empfangen.
„Es geht den Kranken besser, sie sind sänitlich zuni Bewußtsein gekommen, aber noch schwach und etwas verwirrt. Fn wenigen Tagen aber iverden sie genesen sein. Schlimme «kolgen aber werden bei keinem Zurückbleiben."
Der Chefarzt geleitete Dora und den Grafen Klinter über mehrere Höfe bis zu dem Pavillon, in dem die Mauken lagen.
Die Stationsschwester meldete, daß der Bergrat Spal» ding lebhaft nach dem Grafen Klinter verlangt habe.
Der Chefarzt ging selbst zu dem Kranken und kam nach einiger Zeit zurück.
„Gehen Sie nur hinein, Herr Graf," sagte er, ,mnd beruhigen Sie ihn. Sie wissen besser Bescheid über die Rettuna als ich. Der Patient Ivill hören, >vie es int Bergwerk steht.
Als dann Graf Klinter an das Bett des Freundes trat, waren die Augen Werners schon wieder hell, und mit einem matten Lächeln reichte er dem Freunde die Hand.
„Nun verdanke ich Ihnen mein Leben!" ries Werner. „Wie steht es um die Eingeschlossenen?"
„Alles gerettet, alles in Ordnung, niemand zu Schaden gekommen Sie und ihre fünf Begleiter werden in wenigen Tagen gesund sein."
„Es ging dicht am Tode vorbei", berichtete Werner; „es müssen aus dem Brandfelde Gase heraus gedrungen sein. Durch den Einbruch des Fließes muß irgendeine mtifi mf Gebirge sich geöffnet haben, aus der die Gase hervorkamen. Wie sind Sie zu uns gekommen?"
Graf Klinter mußte mit kurzen Worten erklären. wie er dos Rettungswerk vollbracht. Dann weigerte er sich aber tpeit^r zu sprechen und erklärte:
„Sie dürfen sich nicht aufregen. Ich muß auch hinaus. Fräulein Buchwald wartet draußen. Sie kam. um sich irach Ihrem Befinden zu erkundigen."
„Sie ist gekommen", sagte Werner lächelnd; „danken Sie ihr vieltausendmal von mir. Sie ist gekommen!"
Graf Klinter eilte hinaus und fand Dora im Wartezimmer allein.
Mit Erstaunen hatte Werner das plötzliche Verschwinden des Freundes bemerkt. Nach kurzer Zeit aber ging die Tür wieder auf, und in den matt erleuchteten Raum trat eine Person. Werner hörte das Rauschen eines Kleides.
,Mer ist da?" fragte er matt.
„Ich bin es, Dora Buchwald", flüsterte eine Stimme neben seinem Bett.
„Dora!" ries Werner mit glückseligem Lächeln.
Eine weinende Frauengestalt kniete an seinem Bette nieder. Mühsam hob Werner den schmerzenden Kopf und blickte in die tränenverschleierten, leuchtenden Augen Doras.
,1Dora, geliebte Dora!" sagte langsain und feierlich Werner und legte seinen Arm um den Hals Doras
Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen und Tränen, bis Graf Klinter erschien und sie mahnte, den Kranken allein zu lassen.
15. Kapitel.
Die weiteste Umgebung von Dasburg bis hinunter nach Neuenburg ist in Aufregung, und Tausende von Menschen.


