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Arda tat diese tiefe Ruhe unendlich wohl. Ihr war, als tauchten Erinnerungen ihrer frühesten Kindheit in ihrer Seele empor, als habe sie diese jetzige Stunde vor unsagbar langer Zeit schon einmal erlebt.
Aber die Erinnernngen klärten sich nicht, sie blrcben per« schleiert und dunkel. .
Unendliches Weh überkam sie, ein lähmendes Gesühl de» Vcrlassenscin».
Das Heimweh.
Und das Heimweh packte sie niit fast unwiderstehlicher Gewalt, und der Gedanke, Scede Bahlsen nicht so bald tviedcr zu sehen, seine sanfte Stimme sogleich bücht wieder zu hören und von Reue auf immer geschieden zu sein, ivirkte >vie ein grober, körperlicher Schnierz auf sie.
Sie sprang auf und eilte aus dem Park.
Menschen wollte sie sehen. Leben, buntes, pulsendes Leben, das ihre Gedanken umfängt, und airdere Wege leitet.
Sie ging am Bahnhof Ritzebüttel vorüber, aui Wasserturm vorbei und durch die Anlagen und schritt dann ans dem Deiche ain Schlcuscnpriel rüstig aus.
Hier war wenigstens Sckmtteu und gelinder Wind.
Hinter dein Mastenwalüe des SchiffcrhafenS ragten zwei riesige schwarze Schornsteine hervor, die Feuerschlüude eines Äns- landsdampjers der Hamburg-Amerika-Linie.
Arda überschritt die Drehbrücke und lieb sich bann vom Menschenstrom mit nach dem Hafenkopf leiten, ,oo der Ozean- riese sestgemacht hatte.
Es mochte gerade am Bahnhof ein Extrazug mit Auswanderer» von Hamburg angekommen sein, denn aus dem langen Zollgebäudc und den Wartesälen der Hamburg-Amerika-- Linie schob und drängte sich eine Flut von Menschen.
Magere Rosse zogen die kleine Gepäckbahn, die mit Koffern und Körben überladen loar, die Böschung hinauf bis zum Hasenkopf.
Arda drängte sich durch die müstig zuschauenden Menschen bis an die Trepp«, die zum Ladeplatz hinabsührte.
Em Polizist ivieS sie nach der oberen Plattform, deiin auf den Borplatz des AnlegegchüiteS dürfen nur Mitreisende und Beaiiite.
Da lag nun der Koloss mit Riesentauen an den iouchtigeu, tiefversenkten, eisernen Knöpfen gefesselt, in träger Ruhe, und seine Planken scheuerten an der Zementmaucr.
Eine eigculümliche Atmosphäre, ein Gemisch von Teer und Maschinendunst, umgab daS Riesenhaus, das Taiiscnde von Menschen zu fassen vermag.
Arda, vbivohl am Meere ausgewachsen, hatte »och nie einen uiodernen lleberseedanipfer in solch uiiinittelbarer Nähe gesehen, und so inast sic gleich vielen anderen mit staunenden Blicken das Schiff.
Sic lchiite am Geländer und blickte bald auf das Deck des Schiffes, bald auf den Vorplatz unter ihr. Am Achterdeck des Dampfers arbeitete der Dampfkran mit fieberhafter Hast. Die Kette glitt stotternd über das Zahnrad und das leere Gepäcknetz rasselte schnell auf den Vcrladeplatz. Zehn, zwanzig Hände griffen zu und breiteten es aus, dann iourden die Gepäckstücke darauf- gesctzt, das Netz darumgeschlungen und verknüpft.
„Ahoi!" rief der Lademeistcr, und haspelnd knackte die Kette über das Zahnrad zurück. Der Niesenarni des Kranes drehte sich, die Hundertzentnerlast schwebte über dem Ladeloch, dann rasselte sie in die Tiefe, in den unersättlichen Schifssbauch hinab.
Die Zivischendccker ivarcn schon an Bord des Daiilpfers. Sie hatten sich ihr Plätzchen in dem dunstigen, düsteren ii»d niedrigen Raum des Zwischendecks gesichert und lehnten nun an der Ree- liiig,> um einen letzten Abschicdsblick auf das Heimatland zu werfen Harte, entschlossene Gesichter ivaren unter ihnen, Men- schein die dem Heimatbodeii trotzig den Rücken kehrten, iveil er Ihne» nicht geivährtc, ivas für sie Lebensglück bedeutet, Menschen, die von dem Lande jenseits des Ozeans eine neue Welt erwarten, die >oie ein Füllhorn Glück in Fülle über sie schütten soll.
lFortsetzung folgt.)
vermischtes.
bk. Ein Engländer über den Niedergangde^ Pariser Geschmackes. Seit vielen Jahrzehnten hat Paris eine last nnbesirltlene Herrschaft in alle» Geschiuackslragen über Europa ansgeiibt, und uoch heute ist diese ans vielen Gebieten nocfi beiuatze »»verändert volhanden, so z. B. in der Frauenniode. Drei ernsthnste Nebenbuhler, so führt nun ein Engländer in der.Times* aus, sind der sraiizösischen Hauptstadt erivachsen, und aus einigen Gebieten habe» diese jungen Nebenbuhler die alle Herrscheriii schon gestürzt. Es sind dies München, Wien niid Berlin. Wen» ein Engländer über die Iranzösisch« Hauptstadt ein solches Urteil sästt, lohnt cs sich ivohl, zu hören, ivortn er de» Niedergang des Pariser Geschmackes „nd de» Ansschivung der genannten drei Städte erblickt. Er sührt Tatsachen an, ohne nach den Gründe» zu sragen. Aus München und seine Künstler stimmt er geradezu ein begeistertes
Loblied an, und der .Münchener Etil*, fo sagt er, .beginnt schon Europa zu beherrsckfen. Er hat dabei die bildenden Künste »nd da» Kunstgewerbe im Ang« ,i»d sühA aiich einige Beispiele (auherhalb Mlünchen») an, Tie GeschniackSherrschait in der Diode beginnt nach seinen Ausführungen W>en a» sich ,i, reigeit; Wien hat d e Kühnheit „nd.Sniartheil*, ivegen derer Parts berühmt ivar, auherdem aber die Krail der Jugend, und nirgends in ganz Europa macht inan seht solche Stoffe und solche Kleider wle in Wien l Berlin, der dritte ii» Bunde dieser erfolgreichen Nebenbuhler von Paris, erscheint dem Engländer ivedcr als dlc Stadt einer neuen Kunst, itoch als die einer neuen Diode, sie ist vielmehr das Bindeglied zivischen den Schöpinngcn Münchens und Wiens und den, Welthandel. Dabei iveist der Engländer daraus hi», dah in Berlin jüngst eineAusstellung staitgeiunden Hai die bewiesen Hai, das, dir deiilfche Diode vo,i der sranzösischei, „iiabhängig fein kann. Wenn Paris so »ach und nach verlieren sost, was es lange besehen hat, ivas tritt bann an dessen Stelle? De,» Engländer schciiit es. als ob Paris anstelle der Geschmackrher,schalt in Kunst» „nd Modelragen die aus deni Gebiete mechauischer Erfindungen bekommen soll: nicht mir Fluginaschiucn, sonder» nilch andere Maschinen iverden von Franzosen crsoniic» und eriolgrcich ansgeinhrt. .Ter prosaische Dcuische glänzt in Dingen knii'lterischer Phantasie, der teinperamentvolie Franzose in denen kalter, incchantscher Er- si»d»ng* — in diese Worte saht der Engländer seine Aussührnngen zlisaii»!,«».
* Ihr Grund. Pfarrer: „Es sreut mich, zu sehen, daiz Sic so regelmässig unfern Abendgottesdienst besuchen, Mrs, Wrowii." „Ja, sehen Sie, mein Mann ärgert sich iinmec, weine ich so spät abends ausgehe, und da tue ich es gerade."
vüchrrtisch.
— Neuer schein »ngenderUn iversalbiblrothek, Nr. 5681.—5683. Der Säugetierorganismus und seine Leistungen. Pon Pros. ,Dr. Ernst Th. v. Brücke. Zweiter Teil. 23. Band der Bücher der Naturwissenschast, herausgegeben von Pros. Dr. Siegmund Günther. Mit 3 Tafeln und 28 Zeichnungen iut Text. 1. und 2. Teil zusammen in einem Le inen- band l.75Mk., in Leder mit Goldschnitt oder Halbperaameitt 2,50 Mark. Inhalt: Die allgemeinen Eigenschaften der Nerven. Die Leistungen der Muskulatur. Das zentrale Nervensystem. Der Tonus. Die autonomen Nerven. Der verlängerte Mark. Das Grosj- hirn. Die Sinnesorgane. Der Bestibularapparat. DaS Gehörorgan. Das Sehorgan. Die Wechselwirkung der Organe diirch innere Sekretion. Namen- »nd Sachregister des l.u. 2. Teils. — Nr. 5684. Ein wunderliches Eiland. Novelle. Bon Fedor Sommer. — Nr. 5685. Höger u p. Erzählung. Bon John Brinckma». jHerausgegcben von Heinrich Bandlow. — Nr. 5686. Bayreuth. Gesaminelte Aussätze. Bon Richard Wagner. Hecansgegebeu Und eingeleitct von Georg Richard SPtnife. Mit zwei Abbildungen und zwei Plänen In Leinen 60 Pf. In lull: Einleitung. Bayreuth.
1. Schkusjbcricht über die Umstände und Schicksale, tvelche die Ans- sührnng des Bühnenfestsviels „Der Ring des Nibelungen" bis zur Gründung von Wagner Vereinen begleiteten. 2. Das Bühncusest- spielhaus in Bayreuth. K»ndgebuugeii: I.Ajn die geehrteu Borstände der Richard Wagner Bercine. 2. Entiourf lveröffentlicht mit oen Statuten des Patronatvereinst. AuS den Bayre>ither Blättern: Ein Rückblick aus die Bühnenscstspiele des Jahres 1876. — Nr. 5087 — 5689. Eine abenteuerliche Reise. Roman. Bon Andre Lichte,iberger. Einzige autorisierte Uebersetznng aus dem Französischen von Alsred Kadcrlc. i Nr. 5690 F i r in a M u t f i. Bon L. Schenuaun. Heitere Schilderungen aus dem Geschästsleben. Erstes Bändcl>cn. Inhalt: Der neue Buchhalter. Der alte Buch- Ivaltcr. Sonntagsruhe. Der Ausgleich. Die gute Partie. Ein gute« Werk. Das neue Kassabuch. Neujahr im Ha,isc Murks. Murks ans dem Ball. Patrioten. Das Hochzeitsgeschenk.
Kreujrfltfel.
In die Felder »ebenstehender Figur find die Buchstaben a a a i a &, c c, dd, ee, gg» g g, h h, i i i i, k k, 1 1 I | I I 1, n n n n, o o o o, a s s s s, derart einz»tragen, dah die senkrechten »»d wagerechten Reihen gleichlautend solgendeS ergeben:
1. Spartaiiiscb«» König.
2. Frühere Münze.
3. Tient zur AuSschinückung von Porzcüan.
lAnflösung in nächster Runinier.)
Auslösung des Rätsels in voriger Nummer: Kegel, Egel.
Redaktion: k. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Untoersiläts-Buch- und Steindruckerei, R, Laug«. Sieb«.


