Weitzer-Kegiment.

Kotnan von Oskar Klauhmann.

Wachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Inan Schotteluis schrieb sehr kifrig Postkarten. Auch rau Wolf, die Wirtschafterin Werners, erhielt eine solche arte mit einem Gruß und mit der Adresse der Frau Schot- telius in Berchtesgaden. Die kluge Frau Wolf wußte, was sie zu tun hatte: Sie mußte einen Bericht nach Berchtes-, gaden schicken, einen möglichst interessanten Bericht. Bei die­sem kaui es natürlich auf etwas Ueber)reibuug nicht an; nur interessant mußte er sein, denn Frau Schottelius liebte den Klatsch. In dem Briefe, den sie an Frau Schottelius schrieb, stand es klipp und klar:

Unser Herr Bergrat ist fetzt von Frau Glover ganz und gar mit Beschlag belegt lvorden. Sie holt ihn immer znm Spazierenreiten ab und bringt ihn daun Ivieder nach hause zum Frühstück. Selbst unfern Dienstmädchen ist es schon ausgefallen, wie Frau Glover den Herrn Bergrat eigentlich am Seile führt und mit ihm macht, Ivas sie will. Die Männer merken ja nichts. Deshalb ist auch der Herr Bergrat jetzt immer so außerordentlich vergnügt und fühlt sich wahrscheinlich sehr wohl in der Gesellschaft der Frau Glover."

Dieser Brief entsprach ja einigermaßen den Tatsache», aber nicht vollständig: Erstens vcrinied es Frau Wolf, mit­tzuteilen, daß Graf Klinter immer der Dritte bei den Reit­partien war, und daß Frau Glover nicht etiva allein den Bergrat abholen kam. Dann übertrieb sie sehr stark, denn nur zweimal hatten früh Gras Klinter und Frau Glover den Bergrat abgehott, und ein aiiderinal waren sie mit ihm gemeinsam vom Spazierritt zurückgekommen: sonst trennten sie sich vorher, und der Bergrat kam allein nach Hause. Auch war Frau Wolf eine sehr schlechte Bcobachterin, lvenn sie angab, daß der Bergrat sehr vergnügt sei. Im Gegen­teil, er ivar recht sorgenvoll, denn die Sache in der Justinus- Grube kam ihm nicht geheuer vor. Das Thermometer, das im Querschlag eingebaut worden ivar, stieg in den ersten drei Tagen langsam, aber stetig. Darauf allerdings trat ein Stillstand ein, und dann fiel das Thermometer wieder, und zlvar sehr schnell. Eine Beruhigung brachte das aber für Werner nicht. Das Feuer, das sich im Innern des Berg­werks dem Querschlag genähert hatte, ging vielleicht einen andern Weg. v

Aber Frau Wolf tvollte ja gar nicht die Wahrheit be­richte», sondern nur Interessantes, und so begnügte sie sich mit den Andeutungen, die auch bei Frau Schottelius den Glauben Hervorrufen mußten, daß in den vierzehn Tagen, in denen sie mit Dora von Hause abwesend war, Werner und Frau Glover ohne ihre gegenseitige Gesellschaft nicht hätten leben können.

Jedenfalls war Frau Schottelius über den Brief der Frau Wolf sehr erfreut. Sie schrieb ihr ein paar kurze Dän- keszeilenfür alle die interessanten Nachrichten", was na­türlich eine neue indirekte Aufforderung an Frau Wolf war, zu berichten".

Am Abend des nächsten Tages saßen Dora und Frau Schottelius im Garten des Hotels und tranken ihren Tee schweigend, denn ihre Blicke gingen immer wieder nach den Bergen hinüber, auf deren.Felsen- und Schneeflächen die letzten Töne des Abendrots allmählich verblaßten.

Was »lögen sie wohl jetzt zu Hanse machen?" begann Frau Schottelius, gerade als das elektrische Licht im Gar­ten aufging. { . . .

Es geht wohl alles seinen gewohnten Gang," entgeg- nete Dora:es liegt ja keine Veranlassung zu irgendwelchen Aenderüngen vor,"

Aenderungen können in wenigen Tagen eintreten," warf Frau Schottelius hin:unser ganzes Leben besteht cnis Aenderungen, aus Enttäuschungen, aus FrrtÜmern, und immer gibt cs etwas Neues, selten aber etivas Gutes."

Mit dieser pessimistischen Bemerkung tvollte Frau Schet» telius ihre Nichte beeinflussen und sie empfänglicher machen für den Samen des Mißtrauens und der Kränkung, den sie jetzt in ihre Seele zu legen gedachte.

Ich habe heute einen Brief von einem Bekannteit aus Dasburg bekommen," sagte Frau Schottelius:dort hat die abscheuliche Klatschsucht schon wieder ein neues Thema. Man fängt schon an, sich den Kopf zu zerbrechen, wann die nächste Verlobung stattfindet. An eine solche scheint man in eln- geweihten Kreisen sicher zu glauben."

Dora wußte, daß jetzt eine Bosheit kam. Sie kannte ihre Tante zu genau! Wenn diese mit den Augen gerade an ihrer nicht allznkurzen Nase entlang sah, dann plante sie Böses, dann legte sie gewöhnlich den Zünder an die Mine, die sie zum Auffliegen bringen wollte.

So iverden schon wieder von der Klatschsucht Ehen ge­schlossen?" ,

Ja," antwortete die Tante,diesmal aber scheint man der Klatschsucht denn doch Nahrung genug gegeben zu haben, und es handelt sich um eine Frauensperson, die unnahbar schien und die schon viele Körbe ausgeteilt hat: um Frau Glover. Die Leute hatten doch recht, die da sagten, es würde schon einmal der Richtige kommen, und dieser Richtige ist der Bergrat Spalding. Er und Frau Glover stecken immer­fort zusammen, machen gemeinsame Ausritte, und man zwei­felt nicht, daß nächstens die Verlobung zustande kommt, die natürlich die Eingeweihten nicht überraschen wird. Frau Glover ist immer noch eine sehr stattliche und schöne Frau, und wen» ich daran denke, wie Spalding' vor ihr stand, als er ihr damals im Mnsikverein vorgestellt wurde und sie ihm die Hand zum Kusse reichte, wenn ich daran denke, wie er ganz sprachlos schien vor der Erscheinung der sehr hüb­schen Frau, will es inir nicht einen Augenblick zweifelhaft