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Me durch solche? Anerbieten und Geschenk mehr fltönmingt als «rsreut worden wäre. Er verwarf den Plan und manchen an- wrnt.
Ter Sturm tobte mächtig und suhr durch die Baumkronen ltmd rüttelte an den Fenstern.
Rene trat in de» Garten und lauschte in die Nacht, die in dicken, sinstcren Schichten in de» Büschen lag. Bon ganz, ganz ferne konnte man das Branden der Mögen vernehmen. Er trat »»rück in das Minimer. Ihm wurde es unheimlich zumute und er gedachte der Sage» vom-Klabautermann und dem fliegenden Holländer.
Der alte, wuchtige Schrank im Zimmer mit all seinen Schnörkeln und Zierraten, das dünnbeinige Spinett und die hoch- lehniqc» Kirchenstühle gemahnten ja auch an alte Zeiten.
Als sich Rene zu Bett legte, wurde der Sturm eiti Rasen lund Stämmen der Winde. Tie Dachsparren knirschten und die Schindel» klapperten.
Das war eine Nacht. —
Am andern Morgen wanderte Rene mit Ar da und seede zum Strande, t,m die Folgen der Sturmslut zu besehen.
Der Deich hatte wacker ividerstanden. Hier und da hatten die schlingenden Wellen ein Stück Rasennabe herausgenagt, aber schon ivarcn Männer beschäftigt, die schadhaften Stellen aus- »»bessern.
Andere sammellett Daschenkrcbse oder kleine Aale, die in den Wasserlachen zurückgeblieben ivaren, und viele Weiber lasen angeschivemintc Holzslücke zusammen oder suchte» nach toerivolle- rem Strandgut
Die Sonne brannte heitz hernieder und der Wind schien alle Kraft in der vergangenen Nacht verausgabt zu haben. Jetzt lieh er die Flügel hängen, und die langsam zurückkehrende Flut zeigte nur schwache Wellenkräusel.
Seede Bahlsen und Arda und Rene setzten sich aus eine
Bank unweit des Fischerhasens.
Seede sagte: „Solch Sturm gleichs einem jähzornigen Menschen, der, von wilder Wut gepackt, sich austobt und hinterdrein sich über sich selbst wundert und Hann ganz klein und demütig wird. Wie viele jähzornige Menschen mag es wohl geben Und wieviel llnglück durch solche ungezügelte Leidenschaften sck>on herausbeschworen worden sein, lind doch gibt es ein so etnsaches
Mittel gegen diesen jähen, wilden Zorn."
Rene blickte erstaunt zu Seede, ttnd dieser suhr fort:
„Ich war als Knabe so jähzornig, datz ich in blinder Wut ergriff, was mir in die Hand kam, und damit zertrümmerte
ich wie ein Tobsüchtiger alles, ivas mich umgab. Und hinter
drein mutzte ich bitterlich weinen, und ich gelobte mir wohl tausendmal, mich zu bel/errschen. Aber tvie solche Selbstgelübde, die gegen eine heihe Leidenschaft sich richten, siird! Es l>alt Nichts. Ta sagte eines Tages ein alter, gütiger Lehrer in der Blindenanstalt zu Hamburg zu mir: „Wen hast du am liebsten aus Erden, Seede Bahlsen'?" „Meinen Bater," antwortete ich. „Und wen möchtest du niemals kränken'?" „Meinen Bater." „lind wenn der nun gesehen hätte, tote du jetzt gewütet hast'?" Da war ich zu Tode beschämt, lind der Lehrer fuhr fort: „Wenn dich wieder der Zorn packt, so denke an deinen Bater und tver dtr sonst am liebsten ist aus (|rbeii." Und ich habe es versucht. Noch tzwc, oder dreimal bin ich unterlegen, dann nicht mehr. Und wenn wich jetzt der Wilde, jähe Zorn mit sortreitzen tvill, da mutz ich an Arda denken, und verraucht ist alle Wut.",
Und Arda lächelte sein und sagte: „Soll es nicht so lein, dotz hie Frau den Mann erzieht und der Mann die Frau'? Wie bin ich glücklich, datz auch du, Seede, in mir etwas findest, denn du gabst mir so unendlich viel."
Rene wähnte wieder das Glück dicht an seitrer Seite, das volle, reine Glück, das den Dritten neidlos sich mit freuen und in seinem Herze» die guten Saiten erklingen läßt.
Und der Blinde erzäblte:
Das reine, wahre Glück, wie es nur Kinder und Liebende haben können, ist eine hehre Macht. Wie die taugoldenen Strahlen der Morgensonne gietzt es Frieden und Schmerzvergeftenheil aus Und sühri seine herrliche Schwester, die Hoffnung, in die Herzen der Menschen. Glück ist Hossnung und Hoffnung ist Glück, und der Mensch, der das Hosfen verlernt hak, steht am grausigen Abgrund des Todes und wird nie das Glück lchane».
Rene beichlotz, jetzt endlich die Frage vorzubringc», ob er Arda und Seede malen dürfe.
Beide erlaubten es ihm, und so zog er sein Skizzenbuch hervor und zeigte Arda die, aus der Erinnerung hingeworseuen Faustzeichnungen.
Arda sagte schalkhast: „Diese hier kenne ich sck>o», Herr Brtan."
Rene blickte vertoundert aus Arda und sie erklärte: „Als Sie gestern am Strand fasten, waren sie so vertieft, datz Sie mein Kommen »ickn hörten. Ick, wars einen Blick über Ihre Schulter uni das Buch und merkte, datz Sie stille Zwiesprache hielten mit der Göttin Kunst. Da habe ich mich leise davongemacht. Berzeihen Sie meine Neugier."
Und nun lachten die drel imi> Rene jagte: „Wenn ein Dichter kiendezvous mit seiner Muse hält, ist ei» Dritter wohl stets ein Störeniried. Doch ich habe es gern, wenn ich bcr meiner
Arbeit plaudern kann." Und nun enitoickelte er Arda und Seede selnen Plan zn seinem großen Bilde „Der bllndc Erzähler ami Meer", und die beiden lauschten, und als er geendet, zeigten ihre Züge tiefen Ernst.
Arda sagte: „Sie sollen einer der berülMlesten Maler der Gegenwart sein, Herr Brian. — Der Hafenmeister, der oft nach Hamburg und Berlin kommt, hat viel von Ihnen erzählt."
Rene machte eine verächtliche Handbewegnng und sagtet „Wer wägt den Ruhm und wer prägt den Ruhm'? Ich sage: Ruhm ist em Produkt dcs Zufalles. Wie viele Menschen wären nicht bei rühmt, wenn nicht durch eincu Zufall ihr Talent entdeckt und gefördert wäre. Wie viele Menschen könnten berühmt sein, wenn sich der Zufall ihrer elwas mehr erbarmte. Doch genug davon. Me sagen, ich sei berühmt. Bielleicht ist es so, vielleicht hat sich die Welt geirrt. —, Und nun zur Älrbeit."
Rene skizzierte nun Arda und Seede in den verschiedensten Akten, und am Nachmittage entwarf er im großen die Umrtsse zu seinem Bilde. ,
Am Abeiid schlenderte er wieder nach dein Freimast. Seed« hatte ihm versprochen, zu erzählen. Er stand nun von ferne und beobachtete den Blinden und .Arda, und die Stimmung wirkt« wieder mächtig aus ihn. Er wollte etliche Zeichnungen machet^ aber Seede erzählte so kunstvollendet und doch so schlickst und einfach, datz er wie alle andern Zuhörer hingerissen wurde stud alles um sich her vergaß.
Und der Blinde erzählte:
„Im rasenden Wettlaufe stürniten die Fluten den Deich hinap. Dann tänzelten und hüpften auf dem tosenden Wclkenkamme klein« Schnumhäuschen daher, und eine nrmächtige Woge erfahte sie mit ihrer wuchtigen Hand, und die Eitlen zerstoben ,n lausend Sprüh- trövfche» und legten sich wie Wafserschleier über den Damm. Und der mächtige Nord zerrte an dem Schleier und ritz ihn auf und nieder und schleuderte ihn in hundert Fetzen.den narrenden Menschen ins Gesicht. Die ganze Insel bebte und der Deich wankte in seinen Festeii.
Solch eine Nacht.
„Sie kommen, sie kommen," schrie einer draußen an der Mole, aber der Wind nahm das Wort mit fort mit schrillem Hohnlachen und die Wasser verschlangen gurgelnd seinen Schall.
Und das war gut. Was sollten die am Deich sich Hossnung machen? Zwei Stunden warteten sie. Zwei Stunden >var das große Boot hinaus an das Wrack, das am Risse klebte. — Zwei Stunden warteten sie, die Weiber mit stierem Blick und krummem Rücken, die Burschen stampfend und wirschend, die Kinder leise weinend, so starrten aUe nach der See.
„Sic komme» nicht wieder." Dje alte Barken sagte es müde. Die anderen schwiegen. Vierzehn Männer vom Ort in einer Nacht!
Und sie kamen nicht wieder. Stunden verrannen. Aus dem ichäumenden Gischt rang sich mühsam der Tag, ein fahler, grauer Tag. Noch immer polterte das Meer an die Weichen des Dammes. Doch der stand fest, und aus ihm die Witwen und Waisen der Hallig Ta fuhr ein Sonnenstrahl durch die geballten Wolken und hüpfte blitzschnell über die Wasser, er kletterte am schwarzen Rist empor und setzte sich oben fest wie eine Leuchte. Hundert Augen am Deiche folgten seinen Sprüngen, dann ivandten sie sich ab, vom Wachen müde, von Tränen naß. -
„Das Wrack ist versunken."
„Und die Unseren?"
„Sie kommen nicht wieder."
Die Weiber und Kinder und Burschen drängten zusammen, auch der von der Mole kam herein und keines sprach ein Wort.
Ob sie still beteten? Ob sie still fluchten? Wer kann das sagen? Solch stille Trauerseier sicht die Hallig.nicht seifen.
Die See gurgelte matter und schlaffer, sie war des Tobens satt. Nur hier und da paarien sich ungestüme Wellen noch zu wuchtigen Wogen.
Und eine der Wellen ward keck und sprang mitten unter die Weiber und legte ein Windel vor ihre Füße. Jhäe feuchte»/ züngelnden Arnie fuhren noch koseich über die nassen Fetzen, dann krochen sie zurück und scheu und schnell stürzten sie den Damn, hinunter', als fürchteten sie den Dank.
Den Dank? — Oder den Fluch?
Hnndert Augen blickten aus das Bündel, und drinnen regt« sichs, und ein Acrmchen wühlte sich durch die Decken und ein Händchen griff in die Lust, und ein Köpfchen schob sich, lservor, ein Köpfchen, umwirrt von triesenden, tiefschwarzen Haarsträhnen/ und ein dunkles Angenpaar wanderte fragend von einem Antlitz zum andern.
„Ein Kind."
„Gott weih, wie das am Leben blieb."
„Was soll uns der Balg?" sagte verzweifelnd die alte Barken, und ihre Stimme brach von der Wucht ihres Schmerzes. Mann und Sohn hatte ihr die Nacht gekostet. Sie wandte sich und ging den Tamm hinunter in ihre einsame Hütte.
Und andere solgien, Lästerworic murmelnd. Die Armen. Solch eine Nacht kann warme, treue Seelen veriinstern iFortsctzung folgt.)


