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— auch in feinem Herzen; sondern er hatte sie einem Kind zu- gewendet, das ihm zuweilen ein gutes Wort und ein wenig freundliche Duldung zukoinmen ließ, wenn er sich ihm und seinen Geschwistern zugesellte.
Es tvar Frühling, und des Pfarrers zweites, damals rttva elfjähriges Tüchterlcin hütete die jungen, mit gelbem Flaum bedeckten Gänschen im Grasgarien, als auch der „dicke Heinrich" dazukam, der erst sieben Jahre zählte.
Mit geheimnisvoller Miene sagte er, halb dem Pfarrtöchterlein, halb dessen Pflegebefohlenen zugewendet: „Aich woah eabbes !"Z Und als fick das erstere nicht begierig zeigte, sein Geheimnis zu ergründen, wiederholte er hartnäckig feine Rede: „Aich looaß eabbes", so lange, bis es ihn fragte, was er wisse.
„Aich kaas ueit gesaa,"-) erwiederte er verlegen, und als das Mädchen stärter m ihn drang, brachte er stotternd und mit dunkel rotem Kopf die Worte hervor: „Ei dou beast mein Sckmtz"?) Dann sprang er fort, und des Pfarrers Döchterlein lachte! Allein a»S Furcht, selbst ansgelacht zu werden, hat es damals niemand etwas von des „dicken Heinrich" Liebeserklärung gesagt. Bergessen hat es die Geschichte nicht. Und später, erst viel später, als es schon in den Jahren war, wo man sich mit gerührtem Lächeln in seine Kindheitserinnerungen versenkt, hat es dies Geheimnis preis- gegeben.
Das Leben ging weiter, um — sei es durch große, welterschnt- ternde Begebenheiten oder durch Schicksale einzelner Menschen und Familien — Neues an die Stelle des Gewesenen zu setzen.
Im Sommer 1806, als der Krieg ausgebrochen ivar, hat auch der BogelSberg und speziell das Dorf an der Nidder, dnrchmarschie- reiche Truppen gesehen und Einquartierung gehabt. Es waren Oesterreicher mit ihren süddeutschen Verbündeten ans dem Marsch nach Fulda, wo sie sich mit den Hannoveranern zu vereinigen gedachten. Doch der Zusammenschluß dieser auseinander zustrebenden Heere wurde durch die Schlagsertigkeit der Preußen vereitelt! Es kam zu den bekannten heißen Schlachten! lind wie sich inwlge der preußischen siege — nachdem schon der Ausbruch der Feindselig- keiten dem überlebten deutschen Bund den Todesstoß gegeben hatte
— die Länderkarte Deutschlands verändert hot, ist auch allbekannt.
Und während im Völkerleben — in welchem nur selten das Einzelleben in Betracht kommt — alles gärte. Throne stürzten, und ein großer Teil des einstigen Deutschlands sich von dem übrigen löste, sing auch ein Leben, das vom allergrößten Wert für eine zahlreiche Familie war, an, sich frühzeitig seinem Ende zuzuneigen Im Nachsommer erkrankte der Vater der in diesen Bilden« öfters genannten sechs Pfarrkinder — und starb im Januar 1808.
Sein Leben, das im Jahre der Befreiung von dem Joch Napoleons begonnen, aber dann von seiner Jugendzeit an unter dem Druck der Reaktion gestanden hatte, weil er als Student einer Burschenschaft angehört und kein Hehl daraus gemacht hatte, daß sein Herz für ein einiges, großes Vaterland glühte, dies Leben ging zu Ende, ehe das geeinte Deutschland erstanden war, und die einst versunkene Kaiserkrone mit erneutem Glanz Wilhelm des Ersten edles Haupt krönte.
So wie der Tod die Besiegelung eines jeden Erdenlebens ist, möge das Grab unter den uralten, hohen Linden am Eingang des Friedhofs, in welchem der Dahingeschiedene neben zlvei ihm voran- gegangenen Seelsorgern des Ortes gebettet wurde, das letzte unter den „Bildern aus dem Niddertal" bleiben. Unverändert liegt es auch heute noch vor jedem, der diesen Friedhof betritt, denn seit 1868 hat die Gemeinde keinen ihrer Pfarrer mehr zu Grabe getragen. Ein viertes Grab hätte auch keinen Platz mehr unter den Linden gesunden.
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Nur über einen der Geringsten derer, die einst zu diesem Dorf gehört haben, sei noch ein Nachwort gestattet.
Die Wittve des verstorbenen Pfarrers war mit ihren fünf noch unversorgten Kindern in die Stadt gezogen, als ihre ztveite Tochter erst vor der Kvnsirmatioir stand.
Mehrere Jahre später — an einem Sonntag — trug es sich zu, daß diese nach Friedberg kam und auf der Straße von einem jungen Mensche» begrüßt wurde, der ihrem Blick des Nicht- erkennens mit der Frage begegnete: „Ei, Fräulein, kennen Sie mich denn nicht mehr? Ich bin ja der dicke Heinrich!"
Nun erwiederte sie den Gruß des stattlich herangewachseneu jungen Burschen, der, wie er sagte, in Friedberg bei einem Schuhmacher in der Lehre stand: und es lag kein Grund vor, sich nicht über ihn zu freuen, denn er sah gesund und brav aus und lvav sehr anständig gekleidet.
Er hat sich dnrchzusetzen verstanden, der arme vernachlässigte Sohn des Bogelsbergs, als Bestätigung des im Bolksmund ge- bränchlicl>en Sprichworts: „Was ilves (irgendwie) en Kerl is, daS is en Bugelsbecger".
Möchte es ihm auch ferner gut ergangen sein und heute noch
') Aich woaß eabbes heißt: Ich weiß etlvas.
*) Aich kaas neit gesaa: Ich kanns nicht sagen.
s ) Ei dou beast mein Schatz: Ei du bist mein Schatz.
Aut gehen, wenn er noch unter den Lebendigen weilt! Möchte er rm eigenen Hause bei Frau und Kindern die Liebe gefunden haben» an welcher seine Kindheit so arm war!
Humoristischer.
* Falsche Diagnose. Sie war eine sehr romantische junge Dame, und als sie den jungen Maiur sah, dessen Gesicht mit Schmisse» bedeckt war, machte ihre Phantasie sofort weite Ausflüge. „Ich glaube, ich kann Ihr Geheimnis von Ihrem Gesicht ablesen," sagte sie träumerisch, „Sie haben einmal in Heidelberg studiert und sind gewiß ein deutscher Baron." Er aber schüttelte düster das Haupt. „Ich bin kein Baron, und ich habe nicht in Heidelberg studiert. Ick bin nur in der Friseurschule angestellt, in der die Schüler an mir üben."
* I h r e G e n n g t » u ii g. „Warum gibst Du eigentlich jedem Landstreicher, der des Weges kommt, zu essen? Sie arbeiten doch nie für Uns" fragte ein Mann seine Frau. „Nein," antwortete sie, „aber es macht mir doch viel Vergnügen, einen Mann eine Mahlzert essen zu sehen, ohne daß er an allem etwas ans» zusetzen hat."
* Aufs Wort befolgt. Ein Maurer ist angeklagt, einen Kollegen, mit dem er zusammen arbeitete, vom Gerüst geworfen zu haben. „Erzählen Sie mir, wie die Sache vor sich gegangen ist," sagt der Richter. „Ja, sehen Sie, Herr Richter, mein Kollege hatte mich beleidigt, und ich gerate immer leicht in Zorn, und so packte ich ihn beim Kragen und hob ihn hoch, und wie er uni« so schwebte, da schrie er: „Laß mich los, Du würgst mich, laß mich los!" Und da habe ich ihn losgelassen. . . ."
vüchertisch.
— H a n d b u ch d e r Kunstwissenschaft. Heransgegeben von Dr. Fritz Burger, Mümchen, in Verbindung mit den Univ.» Prosessoren Curtius-Erlangen, Egger-Graz, Hartmann-Straßburg, Herzseid und Wulfs-Berlin, Nenwirtb-Wien, Pinder-Darmstadt, Singer-Dresde», Graf Vitzthum-Kiel, Wackernagel-Leipzig, Weese- Beru, Willich und Oberbibliothekar Leidinger-Münchm. Mit ellva 3000 Abbildungen. In Lieferungen ü 1,50 Mk. (Akademische Verlagsgesellschait, Nenbabelsberg.i Lieferung 11: Burger Deutsche Malerei Hest 7. Diese neue Kunstgeschichte luit den Vorzug, daß sie sich mit den Problemen der Kniistwisstmschast in historischer wie künstlerischer Hinsicht nach ganz moderner Weise auseinandersetzt, geistvoll ohne Geistreichelei, klar und doch warmherzig, getragen von einem feinsten Empfinden für das Verborgenste in der Kunst. An der Hand hier zum übcnviegendeu Teil ganz neuen und überraschenden, wie auch geschmackvoll reproduzierten Ansclzanuiigs- materials werden auch dem Laien neue Weg« pnd Ziele auf dem Gebiete der künstlerischen Erkenntnis gewiesen. Die energievolle Wärme der Darstellung verfehlt nicht, in jedem Leser dauerndes Interesse zu erregen und den Willen — nachsühlend — das Kunstwerk mit allen den Bedingungen seiner Entstehung in sich gewissermaßen wieder zu erzeugen. Die vorliegende Lieferung bleibt hinter den srüheren glänzend aiisgestatteten nicht zurück in der Fülle des Interessenten und Schönen, das sie uns bietet. Burger, der verdiente Herausgeber der Kunstgeschichte, spricht über die bayerisch-österreichische Miniaturmalerei, in der sich jene Welt zu formen beginnt, aus der die Großen der deutschen Renaissance gewachsen sind. Da werden unbekannte Schätze deutscher Malerei Vor uns ausgebreitet, die nur wenige Augen wohl bisher in den Tresors der Bibliotheken zu scheu brkommeii haben. Mit scharfem Verständnis deutet der Kunstgelehrte die didaktisch-allegorische Spiu- tiiicrerei der Malerei des Mrttelallers. demoustriert ihre Künst- prinzipieu und beleuchtet ihre Weltanschauung, ihr Fühlen und Denken Das Werk nennt sich allzubescheiden Handbuch. Möge cS in recht viele Häirde kommen.
Silbenrätsel.
a, am, I», b, el, el, lia, per, gl», gr, gn, len, I, wo, »I, nl, kö, kö, ra. na, sei, tz.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen kü»i Wörter gebildet und derart iiiitereiiiander gesetzt wörden, daß die Anfangs» biichstaben von oben nach mite» und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein geselliges Vergnügen bezeichnen. Es bedeuten ober die einzelnen Wörter der Reihe »ach folgendes:
1. Ein Werkzeug.
2. Bcllebien Singvogel.
3. Uiiiriiehtbares Land.
4. Eine Nnliestäile
5. Sagenhaites Wesen.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer:
1. I) dz — l>5 ne 4 — e5 2. Db5-e8|K beliebig.
1. ... K e 4 — e 3: 2. I) b 5 — e 2f K beliebig.
3. 814 —dö, S d 4 — b 5 f und Matt.
3. S f 4 — e 0, S d 4 — e 6 t und Malt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS-Biich- und Steindruckerel, R. Lange, Gießen


