WM - Nr. 41

Bffintrstödjtrr.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Am anderen Bormittag ivar Peterscn erschiene», und die üblichen Formalitäten waren mit Veit Eltern Astrids er­ledigt. Der Neuverlobte war dann gebeten worden, zu Tisch zu bleiben. Nun kamen auch Edith und Gerda hinunter zu dem jungcil Paare.

NlauS Petersen ivar beim ersten Begegnen mit Gerda doch etwas betreten. Aber Astrid lyilf mit ihrem glücklichen Frohsinn auch über diese Klippe hinweg.

AlS Gerda sich dem neuen Schwager mit einem leisen Lächeln in den Neigen näherte und ihm die Rechte bot: Alles Glück, öm Peterscn," da umfaßte Astrid die beiden gleichzeitig und rief:

Herr Peterscn! Macht doch keine Dummheiten, Kin­der. Du sagt ihr hübsch, als Schwägerin und Schwager, und gebt euch einen Kuß, auf gute Verwandtschaft wie sich'S gelört."

Petersen lächelte etwas gezwungen, aber Gerda ging auf Astrids Ton ein. Es war ja das Richtigste so. Sie bot dem neuen Schwager unbefangen den Mund:

Also, dann auf gute Freundschaft, Klaus V Und der feste Händedruck, mit dein sie dies Wort be­siegelte, Ivar cbrlich gemeint. Da war auch er über diesen Moment hinweg, vor dem er heute den ganzen Morjgen noch ein lebhaftes Unbehagen rinpsunden hatte. Und nun e"i't konnte er sich seiner allerliebsten blonden, kleinen Vrairt recht erfreuen.

* . *

Am nächsten Sonntag empfing das Brautpaar. Es ging il» henningschen Hause zu wie in einem Taubenschlag. Auch Kyllburg kam und Till» Brencken, Astrids beste Freundin, um zu gratulieren.

Tilly umarmte die Braut mit großem Gefühlsaufwand, konnte es sich aber doch nicht versagen, ihr dabhi leise ins Ohr zu raunen:

Du ich war ja einfach platt! Wir haben ja alle immer gedacktt. Petersen würde sicki mal mit Gerda verloben."

AHer an Astrids unverwüstlicher Laune glitt auch das ab. Lachend erwiderte sie:

. >Fa es kommt bisweilen anders ,als ihr klugen Leute denkt. Man muß doch auch mal fikr kleine lieber- raschungen sorgen nicht?"

Aber auch für Gerda, die Tilly nun begrüßte, hatte diese eine kleine Liebenswürdigkeit:

Und denk dir nur, Gerda, das wird dich ja sicher inter­essieren Keßler kommt her, für längere Zeit."

Gerda zog sich das Herz freudig zusammen. Doch sie sah der anderen gelassen in das heimlich beobachtende Auge. Leichthin sagte sic:

./So - aber was will er denn hier? Er wird doch nicht etwa ein Engagement an unserer Hof- und Staatsbühne an­genommen haben, der Unglücksmensch?"

Wo denkst du hin! Als Gast der Prinzessin kommt er her. Aufs Schloß zu ihr. Was sagst du nun? Er tvird seinen Urlaub hier verleben. Es gefällt ihm hier so gut- denk nur, Gerda hier bei uns, in unserem Krähwinkel! Ist es nicht zum Lachen? Kannst du dir das erklären?"

Gerda fühlte, wie auch Kyllburgs Augen jetzt auf ihr ruhten Aber die Sticheleien der Freundin verstärkten nur noch ihre Beherrschung.

,H'a da hast du recht eine richtige Kateridee, Nun, Künstler haben ja manchmal absonderliche Passionen."

Die haben sie wirklich!" gab Tilly mit eigener Beto­nung zurück. Bohrte doch noch in ihr der Aerger, daß Keßler neulich mit Gerda als einziger der jungen Damen getanzt hatte.

Wollen Sie schon tvieder fort, Herr Kyllburg?"

Gerda wandte sich dem Adjutanten zu, der jetzt ausstand. Er hatte nur seiner Pflicht genügen wollen, doch nun litt eS ihn nicht länger hier.

Allerdings, Fräulein Gerda, ich wollte"

/,'Bleiben Sie doch noch, lieber Kyllburg," rief da aber Herr von Henning herüber.Ich habe nachher etwas Dienst­liches für Sic."

Wie Herr Oberstleutnant befehlen."

Dann kommen Sie mit, mir ein bißchen helfen die Blumen arrangieren."

Gerda, die aufgestande» war, bat ihn mit einem leisen Blick. Sie wollte sich den kleinen Bosheiten Tilly Brenckens entziehen.

Stets zu Ihren Diensten," versicherte er und folgte ihr in den Wintergarten, wo Gerda nun die reiche Fülle der dargebrachtcn Blumen zu einem geschmackvollen Arrange­ment ordnete.

Eine Weile war er ihr stumm behilflich, obwohl ihm die Worte auf der Zunge brannten . Endlich aber brach er das Schweigen. Er mußte sprechen.

Fräulein Gerda!"

Sie blickte auf.

habe ich wenigstens noch Freundesrechte an Sie?"

Ihre Brauen zogen sich ein wenig zusammen.

Warum fragen Sie mich das? Sie wissen es doch."

Es ist mir doch zweifelhaft geworden nach so manchem."

Lieber Herr Kyllburg ersparen Sie uns beiden das sagen Sie ehrlich: Was wollen Sie von mir?"

Er rang mit sich. Dann brack> er los:

Warnen muß ich Sie."

Warnen? Mich vor wem?"

Bor sich selbst, Fräulein Gerda."

Herr Kyllburg!" Sie setzte die Kristallvase, die sie gerade in der Hand hatte, hart auf den Tifch.