Vkkizierstöchtrr.
Ronian von Paul Grabetn.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ec war gut, das; jetzt wenigstens Astrid — natürlich ganz nn» dem Häuschen! — Kyllburg so mit Beschlag belegte, das; er sich nicht ivciter um sie kümmern konnte. so iand sie dann schließlich ihr Gleichgewicht wieder, und sie hatte nichts dagegen, als schließlich Astrid vorschlug, ihren kleinen StraKenbnniinel durch eine Tasse Tee bei Rasmussen abzuschließen.
der Konditorei war nicht mehr viel Platz Aber die drei sanden doch noch einen Ecktisch, wo sie ein ivenig für sich bliebe». Sr^ saßen sie nun schon ein Weilchen, als plötzlich wieder die Tür ging uub ein einzelner Herr eintrat — Heinz Keßler,
Diesmal hatte iich Gerda völlig in der Geivalt, und als Kyllburg auch letzt wieder mit einer gewissen, leisen Spannung zu ihr hinsah, da gewahrte er an ihr jene kühle Ablehnung, die er in gewissen Momenten an ihr kannte
Jni ersten Augenblick regle sich etwas wie eine geheime Freude in ihm. Es war ja lächerlich, aber er hatte in der Tat eine Art Eifersucht empfunden, vorhin, wie er die anscheinende Bcrwirrnng Gerda-s beim Anblick Keß er» bemerkt hatte. Also dieser durste sich doch nichts einbilden. Ihre Mienen jetzt wiesen ihn nur allzu deutlich in die gehörige Distanz zurück Aber wie er so Gerdas schönes, abweisendes Gesicht betrachtete, da kainen ihm plötzlich wieder andere Gedanken.
Diese so betonte Ablehnung — lag darin nicht vielleicht gerade etwas, was doch ausfallend ivar? Warum ein solcher Aufwand von Kraft? Hätte es nicht völlige Gleichgültigkeit auch getan?
Er kannte ja Gerda nur allzu gut. Gewiß, für jeden Dritten lag in ihren Menen wohl nichts anderes als eine gewisse leis-hochmütige, kühle Indifferenz. Aber ihm entging doch nicht das ganz leise Vibrieren der feinen Nasenflügel, und ei» kaum merkliches Flirren im Blick — die Anzeichen einer inneren Erregung und gewaltsamen Anspannung.
Warum aber das alles, wenn ihr der Mann da drüben wirklich gleichgültig war, wie sie cs sich den Anschein zu geben wünschte? Und, wie uin eine Antwort auf diese Frage zu suchen, glitt jetzt Ävllbnvgs Auge hinüber zu dem andern.
Heinz Keßler hatte sosort beim Eintreten die drei in ihrer Ecke bemerkt. Aber nichts in seiner Miene verriet es. Ein kurzes Umblicken in dem Raum, dann schritt er zu»« Fenster, >vo »och eilt kleines Tischen frei war, »ild ließ sich nieder.
Sein Eintreten hatte sofort eine geheime Aufregung in dem ganzen Cafe hervorgerusen. An allen Tischen ei» Köpfe« jusanimciistecken lind Wispern — er war erkannt. Aber er guittierle nicht einmal mit einem leisen Lächeln darüber.
Als gewahrte er die ihm gezollte Bewunderung gar nicht, gab er dem bedienenden Mädchen seine Allsträge, zog eilt kostbares, goldenes Etui hervor, entnahm ihm eine Zigarette und blickte dann, ven übrigen Gästen halb abgewandt, dlirch die große Spiegelscheibe des Fensters hinaus auf die Straße, auf der die Gruppen der Promenierenden sich lang« sain pvrübcrschobeil.
Gerda hatte die ersten Minuten ihre Augen gewaltsam von seinem Platz ferngehalten. Sie beteiligte sich am 6k« spräch der beiden andern, sogar mit einer gewissen gezwungenen Lebhaftigkeit, die Kyllburg abermals als etwas Be« fremdliches empfand. Und er fühlte ganz richtige ihre 6k« danken drehten sich in der Tat aufgestört um den eben Er« schienenen.
War sein Kommen Absicht oder Zusall? Und Ivar es das erstere — dann, ja was bezweckte er dann damit? Wer sie war, das sah er dvch nun Wenn er neulich abends etwa noch im Zweifel hätte sein können, heute, wo Kyllburg mit ihnen ging, i» Unifqrm, heute war doch jedes Verkennen der Sikliation ausgeschlossen Er sah, sie gehörte »ur ersten 6k« sellschast. Und dennoch suchte er sich ihr zu nähern. Was be« deutete das?
In geheimer Erregung hob sich Gerdas Brust. Das 6k- rede der Frau Brencken fiel ihr plötzlich wieder ein, von den Skandalgeschichten ieincrivegen in Berlin — angeblich in den besten Kreisen. SoUte er vielleicht wagen —?
Aber nein, der Gedanke mar ja zu absurd. Im Bewußb- sein ihrer Unnahbarkeit ließ sie diese Möglichkeit gleich wieder fallen Aber dann blieb doch bloß noch das andere, daß er —
Lächerlich aber auch das! Er, der Schauspieler, und sie, die Tochter eines aktiven Offiziers! Und so aus den ersten Blick. Aber trotzdem — in ihm war Künstlerblut — leicht entflammt. Und er setzte sich schnell hinweg über soziale Schranken. Also vielleicht doch — l
Und der Gedanke kreiste immer »weiter in ihr. Eine Span« »nng wuchs in ihr heran, iminer stärker. So absurd es war, aber es hätte sie interessiert sesizustellen, ob sie recht ahnte oder nickt. Und da sandte sie ihren Blick doch hinüber zu dem Fenster und ließ ihn beobachtend ans Keßler ruhen, der noch immer zum Fenster hinausblickle.
Aber ganz unvermittelt wandte er plötzlich den Kops ihr zu. Als hatte er ihren Blick cinvsilnden und wußte sofort, von wem er kam. Und wie so für einen Moment sein Auge das ihre traf, da zerriß jäh der Schleier über dessen stahl- grauem Spiegel. Ihr war's, als blickte sie ans eine dunkle Wetterwand, die für einen Pulsschlag lang ein ausflammcn- des Lohe» zerriß. Wie geblendet schloß sie die Auge».
Sie ward dann in plötzlichem Umschwtlng ihrer Stimmung sehr schweigsam. Kyllburg entging es nicht, und er neigte sich zu ihr:
„Sie sagen ja gar nichts mehr, Fräulein 6krda?"
In seinem Ton lag etwas Beunruhigende», Forschendes.
Sie wich seinem Blick aus.


