i#drtü im aktiven Slitrttl verübt worden ist. Auf Grund der Brsehls-Sammlung des Indischen Armeekorps dürfen jedoch solche Urteile nur gegen solche Personen gefallt werden, die schuldig befunden wurden:
i) Grober Verstöße gegen Person oder Eigentum von Bewohnern des Landes, nach 8 41 des Indischen Armee-Gesetzes, d) Einbruch in ei» Haus zwecks Plünderung, oder Plündern, sei eS nach (a) oder nach 8 25 (j) desselben Gesetzes, c) Plündern als Posten oder auf Wache usw,, nach 8 26 (cl des Indischen Armee-Gesetzes, ckf Unehrenhaftes Betragen, nach 8 31 des Indischen Armee- Gesetzes,
2. Offiziere, die ein summarisches Gcncralkriegsgericht berufen, sollen stetS dafür sorgen nach 8 98 (11 (c), daß, wenn der llrteilspruch auf körperliche Züchtigung lautet, die Prozeßakten »hnen zur Bestätigung zugesandt werden. Mit Ausnahme der ,''rflllf, in denen die Ueberweisung in berechtigter Berücksichtigung der Erfordernisse deS Dienstes nicht ausführbar ist, sollen alle solche Fälle dem Gcneralauditeur des Indischen Armeekorps unterbreitet werden, zwecks Vortrags vor der Bestätigung,
3. Körperliche Züchtigung, aus Grund des 8 24 (2) des Indischen Armee-Gesetzes, soll auf die Fälle beschränkt bleiben, in welchen sich Personen Vergehen laut oben erwähnten Absatz (1) zu schulden lammen ließen,
4. Körperlicktz: Züchtigung darf nicht in Gegenwart von brr- tischen oder anderen europäischen Truppcir oder Zivilisten vollzogen werden.
5. Nach der Ansicht des Armcckrpskommandanten sollte Raub in diesem Lande sehr streng bestraft werden: die verhängte Strafe sollte deshalb nicht unter der Höchststrafe blechen,
6. Ein Exeinolar dieses Befehls soll im Besitz jedes britischen Offiziers der Artillerie und der indischen Formationen im Indischen Armeekorps sein. Ein Exemplar soll bei jedem Kriegsgericht, daS unter indischem Militärgesctz in dem Armeekorps abgehalteu wird, vorhanden sein,
W, E, O'Leary, Oberst,
Stellvertretender Generaladjutant, Indisches Armeekorps, Uebereinstimmend haben nicht nur die Berichte und Meldungen deutscher Truppen, sondern auch manche von und erbeutete Aufzeichnungen des Feinds; festgcstellt, welch' grausamen Plünderungen bisweilen französische Ortschaften durch Angehörige der verbündeten Armeen ausgesetzt waren, Daß das _ französische
Heer selbst daran nicht schuldlos war, ist durch mehr als ein Aktenstück dargetan worden. Auch die Engländer haben es nicht verstanden, sich in dieser Hinsicht die Hände rein zu halten. Am schwersten mögen sie durch die Ausschreitungen ihrer indischen Truppen belastet sein.
Daß es an solchen Ausschreitungen nicht fehlt, daß Fülle von Raub und Plünderung vorgekonimen sind, ja, daß Posten und Wachmannschaften daran beteiligt ivaren, erweist das vorstehende vertrauliche Memorandum sMUiie Offiziere des indische» Armeekorps, Die Ausschrei^Mcu muffen schwer gewesen sein, sollen sie die hier getro^Mni Maßnahmen einigermaßen begreiflich emMchun lassen^Mn, eS handelt sich um uichis (Vrin :
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britischer oder europäischer Truppcn^WMjrvllisten darf die Prügelstrafe nicht vollzogen werden! Was im Verborgenen geschieht, belastet das Gewissen dieser Kulturträger nicht. Insgeheim waltet über den indischen Truppen die Knute und vor den Augen der Welt spielt England die Rolle des Retters vor preußischem Militarismus,
Rriegrdriese aus dem Osten.
B»n unserem zum Ostheerc entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter NackHruck, auch auszugsweise, verboten.)
Durch Ostpreußen nach Mlawa.
Bilder, Stimmungen und Begebenheiten,
Armee-Oberkommando 8, 25, Dez, Orteisburg.
In dem Rieseirzimmer, in dem ich übernachte, hat vormals ei» Jäger gewohm, die Wände bangen voll Geweihen und Jagd- bildcrn, von der einen Wand sicht ein kunstgerecht auSgestopucr Clchtopf unter mächtigen Schaufeln in den bänmrrigcn Raum, den eine sehr dünne hohe Stearinkerze mit zittrigem Licht füllt. Ae Wände und der Schrank, viele von den Bildern und Bildchen haben merkwürdige Flecken, Wie ich sch genau auch he, bemerke ^ich, daß das Zimmer von Gelvehrkugrln dnrchsiebt ist. Die Schechen sind ernenrt, Nur an einem der drei Fenster hat man da-S zerschossene GlaS im Rahmen gelassen. Drei kreisrunde, ziemlich glatte Löcher, sonst ist die Scheibe unversehrt. Ae Russen haben auf ihrem Rückzug damals von der Straße in alle Häuser hiuemgcschossen, in allzuviel war es ja nicht möglich, denn der größere Teil der Stadt lvar ein Trümmerhaufen, Eine Krkgcl hat die beiden Schechen hübsch glatt durchschlagen. ist durcki die Spindentnr gegangen, durch ein dickes tannenes Hutbrctt, I>at die Oberwand des Schrankes durchbohrt und ist schließlich in ein Ocldild gegangen, das an der Wand hing. Mitten in dem Gesicht einer sehr seinen und lieben alten Anne, in der Tracht des beginnenden 19. Jahrhunderts, sitzt die russische schwarze Kugclspur,
Das Gebäude gegenüber ist völlig ausgebrannt, durch dir sckwvrzumzackten Fenstcrhöhleu stiebt der Schnee, Ter österreichische Kamerad und ich, die wir zusammen hier in Masuren siiercn, stehen jeder an einem Fenster und blicken hinaus, bis wir vlötzlich jeder ans Kommando Mütze und Gummipelerino greisen und aus der sprechenden Stille des Zimmers in das stimm,« Sckuirctreibei, der Ruincnstadt flüchten,
Ter Teil des Städtck>eils, durch den wir zunächst gehen, ist der unbeschädigte. Hier ist fetzt die lHauvtgeschästsstraßc, kleine, alte, einstöckige Häuser, die mit dem Giebel nach der Straße stcl en, sind unbeschädigt geblieben. Es ist lebhaftes Kauten und Verkaufen, die polnische Sprache und jder polnische Eindruck überwiegen. Es gibt >oie in allcit diesen Städten dicht hinter der Front vor allem Wollsachen, Konserven, Zigarren, iZi garet teil und wie in allen diesen Städten kann man kein« einzige anständige Zigarette austrciben und eine schlechte Kerze kostet 30 Pfennig, Ae Läden haben sich nach Bedürfnis ver- legt. Ein Papiergeschäft ist in den Laden eines Schneiders, der längst geflohen oder gefallen ist, gezogen. Neben dem Schreib- ravier und den Kalendern, die schon in großer Anzahl bereit liegen, sind noch ansehnliche Vorräte von Militärmützen und Hosenstoffen auf dem Boden, Eine Drogerie ist in einen Schn- stcrtaden gezogen. Die Apotheke Iwt ein halbniedergebrmrntes Gebäude mit Notdach versehen und sich nach Art der „Stores" in Wild-West-Amerika eingerichtet, SllleS ist aus frischem, uicht gestrichenem Tannenholz gezimmert, olles steht eng und fast lustig beieinander. Eine qualmige Petroleumlampe erhellt den Laden nicht sehr erheblich,
Air gehen weiter in die Ruincnstraßen hinein. An den Eckhäusern, di« bis ein paar Fuß über der Erde von den Granaten zerfetzt worden sind, ist ost die Eckchand noch ein
paar Meter hock» ziemlich unbeschädigt, der Gasarm ist dort wie sonst angcschraubt und das ganze einstige Haus dient so eigentlich nur noch als Latcrnenhaller für die Straßenbeleuästung, Klugerweise sind eben nur die nolwendigstcn Ausräumnngs- arbeitcn vorgeiwmmen worden: ein paar Sprengungen von übcr- hängenden Gebäudeteilen und Forträumcn von Schutt, 70 Prozent der Häuser sind cingcäschert.
In unserem HauS, in das wir zurückkehrcn, ist In den unteren Räumen ein fcfjr gutes Lokal, Der Bürgermeister, der Apotheker, die „Spitzen" dm Städtchen nehmen dort ihren Abend- schoppcn. Just wie sonst auch. Sie sprechen davon, daß man min den alten verhutzelten und schmutzigen Stadtteil am See wunderschön neu wieder aufbauen könne und daß Ortclsburg eine ideale Stadt werden würde.
Am nächsten Tag sehe ich mir den Eisenbahnzug an, den die Russen im November zusammengeschossen haben. Eine starke russische Kavallericvblcilung mit Artillerie war durch die Wald- aebicle vorgcbrochen und war bis zur Stelle gekommen, wo die Bahn nach Allenstein die Ortelsburger Provinzstraßc kreuzt. Der Zug nach Allenstein halte auf der Fahrt die Station Schwcn- tainen passiert, der Zugführer hasste noch trotz des Einbruchs der Russen durchzukommen. Aber die russische Kavallerie entwickelte außergewöhnliche Energie, Sie stellte ihre Kanonen auf die Straße aus, sperrte außerdem den Uebergang über die Straße durch aufgelegte Schwellen, Ans 150 Meter gaben die russischen Geschütze den ersten Schuß ab.
Ich sah den zusaminengeschossenen Zug, Schon der erste Schuß hatte die Maschine unbrauchbar gemacht, Dicht über den Rädern saß ein mächtiges Loch, alles Gestänge war wie dünnes Rohr zerbrochen und zcrbogen. Die furchtbare Wirkung der Granaten aus Eisenziel war geradezu, lote zum besonderen Beispiel vordemon- striert, Kleingewehrfeuer hatte dann die anderen Wagen durch- sicbt, ein paar Granaten ivaren noch in Abteile zweiter Klasse gefahren und in die Packwagen, die völlig ausgebrannt waren, Tie Leute, die aus dem brennenden Zug auf die Felder slüch- tctcn, wurden sofort von der Kavallerie nicüergchauen, gleichgültig ob es Frauen oder Männer waren. Wer in der Nähe des Zuges wartete, blieb Derfrjlmt. Alle Polster wurden anfgerissen, ob Wertsachen darunter verborgen wären, alle Habseligkeilen in großer Eile durchsucht und durchplündert, lleberall sah ich noch die leeren großen Pappkartons, die zerbrochenen Flaschen, brschmutzie Photographien, zerrissene Briese ans dem Felde, Ehe die Russen ihre PlünderungSarbeit zu Ende führen konnten, slog vom Waldrand her der schrille Pfiff einer Patronckle. Mit größter Elle saß »um auf, die Artillerie hieb auf die Pserde und alles sauste die Straße nach Tombrowa zurück, Deutsche Kavallerie rückte an, und der deutsche Gegenstoß, der die cingedrungcne Arnrcc, deren Kavallerie sich hier „betätigt" hatte, bis über Mlawa hinaus warf, setzte ein.
(Schluß folgt.)
Brandpfeile einst und jetzt.
Uralte, längst verschollene Waffen leben in diesem Kriege wieder auf: wie der alte Pfeil als Fliegerpseil wieder auf- erstanden ist und als sehr gefährliche Waffe gilt, sucht m<rn im Luftkriege auch Brandpfeile anzu wenden, die gegen Luftschiffe und Flugzeuge ähnlich starke Brandwirkung aus- üben sollen, wie die Granaten beim Kampfe im Felde. Uralt ist der Brandpfeil wirklich, denn schon die Antike kannte ich, und machte ausgiebigen Gebrauch von dieser Waffe: die Perser hatten ihn unter Lerxes, die Griechen hatten ihre Phropheroi astoi, die Römer ihren Maleolus, Die klassische Zeit des Brandpseils aber war die Zeit vor dem Siege der weittragenden Feuerwaffen, und in den Kriegen jener Jahrhunderte taten Brandpfeile fürchterliche Wirkung, Daher nimmt ihre Beschreibung in den alten kricgstechinischen Werken einen breiten Raum ein, M. v, Lichtcnberg, der in „Schuß und Waffe" die alten Brandpfeile in einer kurzen, gehaltvollen Skizze behandelt, unterscheidet hauptsächlich drei Arten, nämlich solche Brand- pfeile, bei denen der Brandsatz zwischen Spitze und Fiederung angebracht war, solche, "die am Ende Eisenbehälter mit Brandsätzen trugen: außerdem sind die BrandpfeiLe der Naturvölker zu erwähnen: die Brasilindianer hatten früher Brandpfeile, deren Spitzen mit brennender Baumwolle umwickelt waren. Im Jahre 1418 kündete ein Kölner Meister an, daß er fünferlei „Feuerbolzen" machen könne, und zwar solche gegen Strohdächer, andere gegen Lehmdächer, eine Art, die Hotz in Brand setzt, solche, die sich.erst eine gewisse Zeit nach dem Abschüsse entzünden und endlich solche mit griechischem Feuer, Was fiir Brandsätze man zur Glanzzeit der Drandpfeile verwendete, darüber haben sich auch eine Menge Angaben erhalten. Die Hauptstoffe waren, ähnlich wie beim Schießpulver, Salpeter, Kohle und Schwefel; mit Hilfe von Branntwein wurde hieraus ein Teig geknetet, der in einen Barchentsack kam. Durch diesen stieß inan den Pfeil hindurch, dann fdjfnürtc man den Brand sack gut zu und überzog ihn mit Oel, Harz und Schwefel, Zuweilen war auch Bernstein in den Brandsätzen: so erbat 1454 Hans von Jenue vor Könitz vom Rate zu Danzig Stoffe für Feuergeschosse, darunter Schwefel, Pulver und Bernstein, In der Freiburger Universitätsbibliothek ftudet sich eine handschriftliche Feuerwerkervorschrift aus dem Jahre 1432, die folgende genaue Borfchrift für Brandpfeile enthalt: „Nimm 5 Pfund Salpeter, 1 Pfund Schwefel, 1/2 Pfund Kohle, stoß dies in einem Mörser wohl durcheinander und tu oleum bencdictum (Kardobenediktenkrautöl) und Branntwein dazu, mache dann einen Teig daraus, klebe den, soviel du für nötig hälft, an den Pfeil und trockne ihn im Ofen, Danach nimm ihn heraus, schabe ihn zu länglich runder Form, überzieh ihn mit einem sauberen Tuch, bewinde ihn mit starkem Faden und tränke ihn in Schwefel und Harz," Brandpfeile erforderten natürlich etwas andere Einrichtungen als gttvohnlich Pfeile; die Fiederungen bestanden aus unverbrennbarem Stoff, wohl immer Metall, und ebenso hatten die Armbrüste, mit denen man Feuerpfeil« schoß, ein eisengefüttertes PßeWager, Mit solchen Brand- pfellen rüsteten sich die alten Heere gewöhnlich gut aus; 1431 führte das kurfürstlich brandcnburgisch Heer gegen die Hufsiten unter 10 000 Pfeilen trn ganzen 800 Feuerpfeile mit sich, und Landgraf Balthasar von Thüringen hatte 1386 5000 Feuerbotzen zur Beschießung von Kassel, Die Wirkung der Drandpfeile ist für jene Zeit sehr hoch anzu- schlagen: man konnte die Pferde der feindlichen Kavallerie mit ahnen scheu machn, man konnte Schiffe beschießen und in Brand setzen, ja ganze Ortschaften und Festungen bis auf den Grund niederbrennen. Die Berner brannten 1337 die Burg Rorberg durch Drandpfellc bis auf den Grund nieder; 1446 geriet bei der Belagerung von Soest durch Braudpfeilr ein großer Teil der Stadt in Brand, 1345 wurde Langensalza durch Drandpfeile ganz niedevgebrannü Die Abwehrmittel, nasse Tücher, Wasser und Sand, waren gegen große Mengen solcher Brandpfeile unwirffam, und so konnte das Rechbergsche Schloß, das die Truppen der Städte Augsburg, Lindau, Meiningen, Kaufbcuren und Kempten belagerten, durch eine viertägige Beschießung mit Brand- pfeilen zur Uebergabc gezwungen werden. Die Feuerwaffen verdrängten allmählich die Brandpfeilc immer mehr; im 17. Jahrhundert spielten sic noch eine Rolle, im 18. aber verschwanden sie. Jetzt leben sie in vielgestaltiger, oft allerdings erheblich abweichender Form wieder auf. Gegenwärtig gibt es in mehreren Ländern patentierte „Brand- Pfeile" für den Lustkrieg, solche, die gegen Fahrzeuge in der Lust vom Boden aus geschleudert werden, wie auch, solche,
die als Fallbombcn aus der Luft geworfen werden. Manche darunter haben Vorkehrungen, die, wie die Widerhaken der alten Pfeile, das Geschvß in der Wunde feslhalicn sollen.
Es gibt solche mit sorgsam ausgeklügelten Zündungen, die manometrisch in bestimmter Höhe ausgelost iverden, und solche mit Zeitzündern, Die deutschen Reichopatentc 260403, st 252 628 und 255 066 betreffen beispielsweise moderne Brand- , Pfeile. Die Firma Krupp — das sei als letztes Beispiel angeführt — ist Inhaberin des österreichischen Patentes 0 37 408, das vor sechs Jahren einen solchen modernen Brand- ,- Pfeil schützte.
Au» Stadt und Land,
Gießen, 30. Dezember 1914.
** Der Kalender für das Jahr 1915 wird mit der heutigen Ausgabe unseren Abonnenten in Gießen und mit der Samstagsnummer den Beziehern aus dem Lande zugestellt werden. Der Entwurf oes künstlerisch ivertvollcii Blattes stammt von Maler Lange-Debekam imd nimmt in sinnvoller Art auf das große Zeitgeschehen Bezug, Während in den Zwickeln des durch eine romanische Dreiteilung aufgelösten Raunres noch die Drachen des Krieges ’ lauern, wird im Mittelfeld von St, Michael der Feind bezwungen. Hoffen wir, daß die Idee des Künstlers ihren Rückhalt in den komnicnden Tatsachen findet, und daß dem Kriegsiälendcr recht bald das Datum des Sieges und Friedens eingezcichnet werden kann,
*
**33on der Lande?nniversität. Die Ucberstcht über die Frequenz der Universität Gießen in diesem Semester zeigt folgende Zahlen: Im vorigen Semester waren im ganzen 1448 Studierende aufgeführt. Davon gingen 373 ab, so daß 1075 verblieben. Jni laufenden Semester kamen neu hinzu 139. Mit Einschluß der Hospitantinnen »nd Hörer beträgt die augenblickliche Frequenz 1248. Aus Hessen stammen davon 786. Die Zahl der Studentinnen ist 26.
Mit 315 Immatrikulierten steht die medizinische Fakultät an der Spitze. Die Gesamtsumme der im Militärdienst Stehenden ist ungefähr 900.
** Vortragsabend zum Be sten des „Soldatenheimes". Herr Karl Höckcr-Fried- b e r g ist Schüler der Hoffchauspieler Seiliug (München 1 und Faber (Frankfurt). Seine ernsten Darbietungen atmen tiefes Empfinden und fanden den ungeteilten Beifall der Verwundeten. — Herrn Willy Werner Göttigs heitere Kunst dürfte hier genügend bekannt sein. So ist zu erwarten, daß der Abend genußreich sein wird, — Der Vorverkauf findet bei Ernst Challicr, Ncucnweg, statt: der Abend beginnt um 8 Uhr pünktlich. Wir machen iviederholt ans den am Montag, den 4. Januar jm griMn Hörsaal der Universität stattftndenden Vortrags abe n d anfmerffam,
** Sa a l b au v e re i n. Wie aus dein Anzeigenteil ersichtlich ist, findet die ordentliche Generalversammlung des Saalbauvcreins heule abend 6 Uhr statt,
** Beschränkter Silvesterurlaub. In Ergänzung der Bestimmuugcu des Generalkommandos des 18, Armeekorps über die Silvesterfeier erhalten die Mannschaften ain Silvestertag ebenfalls auch nur einen außerordentlich beschränkten Urlaub, der sich iücht über Mitternacht hinaus erstreckt,
** Vom Schisport. Der Schiklub Sauerland meldet aus Winterberg andauernden Schueefall bei minus 2 Grad Celsius. Die Schibahn ist gut.
Landkreis Gießen.
O Ettingshausen, 29. Dez, TaS Eiserne Kreuz erhielt Vizeieidwebel Karl J1 ii h 11 von hier i>» Jns.-Regt 168,
2, Komp, Bisher erhielten unsere im Felde stehenden Gen>einde- gliedcr 3 Eiserne Kreuze und eine Tavfirkcüsineüaille.
X @ro6tn»!Bu(eif, 30. Dez, In dein bereits seit Mitte August im Frhrl, v, Nordcck zur Nabenauschen Sckiloß zu Großen- Bnscck, Kreis Gießen, ciiigerichtetcii Schloß-Lazarett, dessen Leitung der Stabsarzt Dr, med, G eng nag et und die AIice-Vereins-Sck>wcstcr Berta' B ü ch s l c r , welcher eine Anzahl vom Alice-Frauen-Verein anSgcbildete Helferinnen zur Seite stehen, übernommen haben, befinden sich augenblicklich 35— 40 Verwundete, die vom westlichen Kriegsschauplatz cingctroffen sind. Während der Schloßherr, der Großh, Kammerjnnker Dr, jur, Ludwig Freiherr von Nordcck zur Rabenau, als Oberleutnant im Hess, Garde-Drag.-Regt, im Felde stehend sich bereits vor einiger Zeit daS Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeits-Medaille erwarb, ivird die Oberaufsicht des Lazaretts durch sein« Mutter, Freifrau Auguste v, Nordeck zur Rabenau, gesührt, deren zweiter Sohn, Freiherr Karl, als Fliegerbeobachter- Ofiizier cbcnsallS auf dem westlichen Kriegsschauplatz steht. Ein weiteres Mitglied der Freiherr!. Familie, der Großh. Kanimerhcrr und HaupMiaml Frecherr Hugo v, Nordeck zur Rabenau, starb bereits ansang September in der Nähe des Mrirnekanals an der Spitze seiner Kompagnie den Heldentod fürs Vaterland,
X Weickartshain, 80. Tez, Dein Bah»l>oisa»sscher Ferdinand Schäfer hier wurde vom Kai'er das Erinnerungszeichen fiir Löjahrig« Dienstzeit verliehen.
Kreis Lauterbach.
O Bermutsharn, 28. Dez. Schwer betroffen durch den Krieg wurde die Familie des Johannes Muth III,, hier. Der älteste Sohn und ein Schwiegersohn sind in den westlichen Kämpfen schon gefallen: der zweite Sohn wird vermißt,
Kreis Friedberg.
h. Butzbach, 29, Dez, Me Butzbach-Licher Eisenbahn-Gesellschaft hatte im letzten Betriebs- jahr 1914 abermals einen Verlust von 18358 Mark zu verbuchen. Das vor 10 Jahren eröffnete Unternehmen hat bisher noch keine Dividende verteilen können. Sein ursprüngliches Kapital von 550000 Mark ivurde im Laufe der Jahre auf 1867 000 Mark erhöht. Die Verluste erreichten die Höhe von 211976 Mark. Als vor zwei Jahren eine Sanierung des Betriebes erfolgte, durch die u. a, der Zinsfuß der sich im Besitz der betmligten Gemeinden befindlicher, 1554000 Mark Obligationen von 4 auf 2,75 Prozent ermäßigt wurde, glaubte inan der Bahn eineit besseren Betriebsnutzen sichern zu können. Doch erwiesen sich die Hvffuuirgen als trügerisch. Denn in beiden Jahren arbxitete man abermals mit einem Verlust, der im ersten 7617 Mark und jetzt im zweiten Jahr 18358 Mark betrug, zusammen 25 975 Mark,
r, Bod-Nanheim, 29, Dez, Heute in den Frühsluilden brach in der in der Viktoria-Augusta-Straße gcletiencn B i l I a „Ticlemann", deren Besitzer sich zurzeit aus Reisen befindet, ein umfangreiches Schadenfeuer aus. Die gesamte J»ueu- cinrichtung der Villa, die mit 70000 Mk, gegni Brandschaden versichert ist, wurde teils durch Feuer, teils durch Wasser säst ver 1 nichtet. Nach der sofort eingeleiteten lliitersuchniig wurde Einbruch mit B r ä 11 d st i s t ii n g iestgestellt, Ten Brand haben die Einbrecher jedenfalls angelegt, um ihre Spuren zu ver


