Ausgabe 
24.12.1914
 
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Nr. 302 Drittes

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener ^amilienbläller" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelcgt, das XreisblaN für den Kreis Eießrn" zweimal wöchentlich. Dielandwirtschastlichen Jett fr«-«»" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt * 64 . Jahrgang Donnerstag, 24 . Dezember 19J4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhesjen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unrversitcüs - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriltleitung,Geschältsstelleu.Druckerec: Schul­straße 7. Geschältsstelle ».Verlag: ^»Köl,Schrill leilung: e-^112. Adresse lür Drahtnachrichten: Anzeiger Äteßen.

heilige Haine der welttriegr.

Ern beherzigenswerter Vorschlag.

Der Vorschlag, den der Direktor an der königlichen Gärt­nerlehranstalt zu Berlin-Dahlem gemacht hat, verdient die weitgehendste Beachtung. Es wäre schon, wenn er in allen Städten und bis in die kleinsten Dorfgemeinden hinein zur Verwirklichung gebracht würde. Ja, gerade in den letzteren läßt er sich noch am allerleichtesten erfüllen und deshalb sollte der Vorschlag durch ZellunHen überall hin verbreitet werden. Wir hoffen, daß die Gemeindcräte schon während der Kriegszeit der Angelegenheit praktisch näher treten. Es han­delt sich um ein würdiges und dauerndes Denkmal für die tapferen Helden dieses Krieges. Der Vorschlag von Direktor Lange hat den Vorteil, etwas wirklich Schönes, etwas Daust erndcs und dabei nicht einmal Kostspieliges zu sein.

Lange rät, in jeder Gemeirrde für jeden aus ihr im Kriege Gefallenen eine Eiche zu pflanzen. Diese Eichen zw- sammengcstellt auf irgend einem besonders hübsch gelegenen Punkte in der Nähe des Ortes würden dann ein beliebtes Wallfahrtsziel für die kommenden Generationen bilden. Sie könnten festlichen Zusammenkünften und Veranstaltungen dienen, sie könnten ein bleibender Ort der Weihe sein, der mit dem Seelenleben der Gemeinde, mit den bedeutendsten Schicksalen des Ortes inniast verwüchse.

Es ist auch ein echt deutscher Gedanke. Wir werden an die heiligen Haine der Germanen erinnert; ihnen war ja auch Donars Eiche besonders heilig. Wir wollen gewiß an diese alte deutsche Tradition nicht anknüpfen im Sinne einer Wi^erbelebung überwundener Religionssormen. Tie Götter, denen einst in den heiligen Haine» geopfert wurde, sind als Sinnbilder unserer religiösen Vorstellungen gewiß nicht mehr zu brauchen aber dae fromme Stimmung, mit der unsere Altvorderen ihre heiligen Haine betraten, die andächtige Empfänglichkeit ihres Gemütes, mit der sie sich dem geheimnisvollen Rauschen des Waldes, dem wunderbaren Treiben und Blühen der Natur Hingaben, das darf auch in der heutigen Generation noch wach gehalten werden. Und so läßt sich in anderer Form das Denken der hwltigen Zeit mit dem Fühlen der alten noch verknüpfen. Die Pietät zu den längst vergangenen Geschlechtern unserer Vorfahren wird sich mit dem ewig lebendigen Natursinn der Deutschen und mit der weihevollen Dcrnlliarkeit für die Hüben des jetzigen schweren Krieges verschmelzen.

Wir brauchen ja auch geraüezu eine neue Form des Denkmals. Würden wir neben die Kriegerdenkmäler von 1870, die meistens in Stein und Metall die Germania oder den deutschen Adler darstellen, und die Namen der Ge­fallenen sesthalten, wieder ähnliche Denkmäler stellen, so würde das langweilig wirken, so Ivürde die Gleichförmigkeit sowohl die alten ulle die neuen Denkmäler in ihrer Wirkung aufs Gerrrüt entwerten. Man hat ja deshalb schon nach neuen Formen für die Ehrung B^marck-' gesucht. Es war ein glücklicher Gedanke, dem ehernen Kanzler die Feuertürme auf den deutschen Höhen zu errichten. Auch das eine pietätvolle Anlehnung an fromme Gebräuche unserer Altvorderen! Man kann aber natürlich auch diese Türme jetzt nicht etwa den Opfern des Krieges zu Ehren verdoppeln. Also irgend eine neue Zorn, muß gefunden werden. Die heiligen Eichenhaine scheinen da tvirllich die bestmögliche zu sein.

Ganz neu ist auch dieser Gedanke nicht, Erinnerungs- bäumc zu pflanzen. Wir haben schon an vielen Orten Kaiser- ober Friedens- oder Bismarcklinden, >vic haben schon Eichen gepflanzt zur Erinnerung au die Befreiungskriegszeit, Tiese Mume aber stehew entweder inmitten der ttzemeinden, so daß der Gedächtnishai» des Weltkrieges doch wieder etwas ganz anderes und neues wäre und in seiner Stimmung keineswegs durch jene Einzelbäume gedrückt werden tonnte.

Der welhnachtsbaum ein Geschenk veuischlands an

Geste reich.

^as herrliche Bild der treueste» Gcmeinschast und Waffen- brüdersckast, das die jetzt vereint Schulter an Schulter in Polen kämvfenden deutschen und österreichisch-ungarischen Lruppen bieten, findet in dieser Weihnachtszeit sein schönstes Svmbol in dem Lichlcr- baum der beiden Nationen als c,n echter licbvertrauter Volksbrauch, eigen ist Tie gleichen Grundlagen der Kultur in Deutschland und Oesterreich kommen auch in dieser ganz gleichen Feier deS Weih- nachtssestes zum Ausdruck, während alle anderen Völker irch in wichtigen Dingen von ibnen unterscheiden. Der Engländer kennt lein Weihnachten ahne Mistel und Plumvudding, der Franzoie beschert erst zu Neujabr ein. dem Italiener stt Weihnachten m erster Linie ein kirchlicher Feiertag; sie alle haben uns den WcchnachtS- baun, nur als eine ivunderliche Merkwürdigkeit abgeguckt und zün­den die Lichter mehr als eine Spielerei an. Nur in Tcupchland und Oesterreich-Ungarn Hai der WeihnachtsbLnin seine Wurzeln tief ins Volksgemüt eingegraben und prahlt mit fernem Hellen Glanz den beiligsten Sinn der frohen Botschaft in die Herze». Deutichland ist es gcweseii, daS dem stammesverwandten Nachbar­lande den Weihnachtsbauui geschenkt hat. Im 18. Jahrhundert findet man von dieser Sitte in der Doppelnwnarchic noch nicht die geringste Spur. Ein Bild des Schönbrunner -vchlostes z. «.. das die das Ehristfest völlig ersetzende Nikolo-Bescherung unter Maria Theresia darstellt, gibt eine einsache Gabendarrcichiing wie der ohne jed,-n Lichter- und Baumesschmuck. Erst nach den Be­freiungskriegen, als der Weihnachtsbanm voll Preutzen und Sachicn aus durch ganz Deutschland getragen wurde, breitete er seine leuch­tenden Zweige auch über die Grenzen nach den österreichischen Lan­den hin. Wie die eingehenden Untersuchungen von a.r. E. M. Kronteld in seineni Werk über den Weihnachtsbaum erwieien haben, ist der erste historisch beglaubigte Christbanm von der Erzherzogin Henriette, der Gemahlin des Erzherzogs Karl, in ihrem Palais an der Sellerstätte in Wien aufgestellt worden, Tie Erzherzogin, eine geborene Prinzessin von N a s s a u - W e i l b n r g , brachte den schönen Brauch aus ihrer Heimat mit und iührte ihn 181 < am Diener Hofe ein. Der Kaiser Franz, »er als FestgMl den Weih­nachtsabend bei dem Sieger von Aspern verbrachte, war so^ent zückt davon, daß er sich nun auch selbst einen solchen lieben <ye|t zeugen ans dem winterlichen Walde zu Weihnachten in die S)ot- bürg bringen ließ. Aber diesBeispiel von oben" genügte noch nicht, uni den Christbaum beim Volle beliebt zu machen. Reichs­deutsche, die nach Wien kamen, wollten dir heiniische sitw nicht missen und verschafften sich unter Mühen einen Baum. _ So er­zählte der berühmte Wiener Maler Rudolf v. Alt, daß lein aus Franksurt stammender Vater in demselben Jahre 1 Hl7den eilten Weihnachtsbanm nack> Wien brachte". Aber dieser Weihnachtsbaum, dessen bunte Farbenhelle sich dein Malcrauge des Küaben aus ewig

Oder aber, wo die letzteren außerhalb der.Gemeinde schon an einem schönen Platze stehen, läßt fitfji Manzlos und sinn­voll der kleine Eichenhain um sie herum gruppieren. Jeder Baum in diesem Haine würde dann den Namen eines Ge­fallenen sesthalten, würde im Fall des Ausgehens durch einen netten jederzeit ersetzt werden können, würde den Familien einen Ersatz bieten sür das fehlende Grab, um ihr liebevolles Andenken äußerlich zu betätigen tind ans dem Rauschen des Haines würde der ganzen Gemeinde eine ergreifende Mahnung zu Vaterlandsliebe und Pflichterfül­lung entgegenllingcn sür alle Zeiten. Dr. Strecker.

An» StaSt unv tanv.

Gießen, 24. Dezember 1914.

** Ritter des Eisernen Kreuzes: Gefreiter E. Daube, 1. Garde-Res.-Regt,, Gefr, Fr. Heinrichs, 1. Garde-Res.-Regt., beide aus Frankenberg. Gefr. Joh. Berk aus Sontra, Jägerbat. 11. Vcrpflegungsofsizier beim Feldart.-Regt. 51 Bürgermeister Bickel aus Borken. Gesr. Wilh. Schenk aus Braunsels, Pion.-Bat. 11. Leutn. d. R. H. Haas aus Limburg, Ins.-Regt. 29. San.-Ufsz. Joachim Meyer aus Diez, Jnf.-Regt. 160. Divisionspsarrer Sub­regens Wolf aus Limburg. Landsknrmmann Uffz. Wilh. Zulauf von Grebenhain. Oberjäger (Berwaltungssuper- numerar) Ferdinand Lehnen, Jägerbat. 14, aus Wetzlar. Cand. med. Erich Stein, Kriegsfreiw. beim Jagerbat. 11, aus Ehringshausen. Lehrer A. Grunewald, Landw> Uffz. im Jnf.-Regt. 83, aus Oberasphe. Gefr. Io Hs. Ha­bicht von Engelrod. Lizewachtm. Hans Vollmöller beim Stabe der 5. Kavalleriedivision, aus Lauterbach. Major L e ß » e r und Hauptmann Domizlaff (1. Klasse), Jns.-Regt. 168, in Butzbach, lljfz. d. R. Karl Staubach aus Sllen-Buseck, Postbote in Gießen (wurde gleichzeitig zum Vrzefeldwebel befördert).

** ©in zweiter hessischer .« r i c g s t a z a r c tt- ug. Ter Landesverein vom Roten Kreuz hat sich ent- chlossen, einen zweiten Hilfslazarettzng aus- zurusten. Er wird dazu instand gesetzt durch das Anerbieten unserer ev ang elisch en Landes kirche, die Mittel da­zu durch Kollekten aufzübringen. Infolgedessen ist ungeord­net worden, daß sämtliche K i r ch e n o p f c r, die an den Feiertagen, an Silvester, Neujahr und in den Kriegs­betstunden im Januar eingehen, für diesen Zweck verwendet werden. Nach dem großen Erfolg, den zu Anfang des Krieges die Kollekte für das Rote Kreuz erzielte, darf man hoffen, daß auch die für den Lazarettzug nötigen Mittel ohne Schwierigkeiten zusammenkommen werden. Haben wir dock, inzwischen durch die Erfahrung gelernt, wie sehr das Los unserer Verwundeten gerade durch mangelhafte Trans- portmillel erschwert wird, und wir hegen alle den dringen­den Wunsch, alles zu tun, um sie vor weiteren Schädigun­gen ihrer Gesundheit zu bewahren- Die Beschaffung weiterer Lazarettzüge ist darum dringend nötig und eine vater­ländische Aufgabe. Gaben dafür werden auch außer in den Gottesdiensten von den Pfarrern entgegengenommen.

Von anderer Seite wird uns zu demselben Gegenstand noch geschrieben: Der Gedanke des Großh. Oberkonsisto­riums, die evangelischen Gemeinden Hessens möchten ge­meinsam die Mittel zu einem Hilsslazarettzug auf­bringen, ist, wie es scheint, auf einen sehr fruchtbaren Boden gefallen. So sind z. B. allein in Großen-Linden, Ivie man hört, über 600 Ml- für diesen Zweck in wenigen Tagen zusammengekommen. JÄier, der die bisher übliche Art des Eisenbahntransportes der Verwundeten an den Bahnhöfen kennen gelernt hat, wird nur das Eine bedauern, daß der glückliche Gedanke erst jetzt auftaucht. Aber wenn auch, die Zeit, auf diese Weise manchem für das Vaterland Verwundeten das Leben zu erhalten, äst- noch nicht vorbei. Gebe jeder dazu, was und wie er kann.

einprägte, fand sonst wenig Beachtung. Allgemein wird in der Ueberlieserüng hervorgehoben, daß es der große.Schausvieler Lein« rich Anschütz gewesen sei, der deni Christbanm; in Oesterreich die Bahn gebrochen habe. Anschütz, dem der Ehristbäum auS der Sitte seiner lausitzischen Heimat her notwendig zur Weihnachtssreude ge­hörte, kam 1821 nach Wien und fand hier zu seinem Erstaunen daß man vvn Christbeskherimg und Weihnachtsbaum noch gar nichts wußte. Mit großer Mühe verschaffte er sich von einem Bauern auS der Umgegend einen Baum, den er nun putzte und mit Lichtern erhellte. Schubert war sein Gast an diesem Weihnachtsabend, dessen Feier in ganz Wien das größte Auffehen erregte.Ich war eine bekannte Persönlichkeit," erzählt Anschütz in seinen Erinnerungen, meine Einkäufe und Anstalten sielen aus, csti Freundeskreis, der die Vorbereitung meiner Mysterien mit Interesse beobachtete, batte nichts Eiligeres zu tun, als meinem Beispiel noch in demselben Jahre zu folgen, und ich kann wirklich sagen, daß inein Eintritt in Wien nicht wenig dazu beigetragen' hat, das Christfest so schnell in allgemeine Aufnahme zu bringen, denn schon im nächsten Win­ter wurden sörniliche Waldungen nach Wien geschleppt." In den kleinbürgerlichen Kreisen Wiens war die Weihnachtsranne noch in den 30er Jahren etwas Ungewöhnliches, nach 1848 aber war sie überall durchgedrungen und ist heute den Wienern so altvertraut wie den deutschen Landen, in denen sie zuerst aufgestellt wurde. Nach Ungarn brachte den Baum ebenfalls eine deutsche Prinzessin, Maria Dorothea, die Gemahlin des Erzherzogs Joses, die 1819 in Budavest den ersten Christbaum ansteckte. Nach 1840 ivurde die Sitte auch hier populär. Nach "-Mähren und Böhmen, nach Salzburg »nd Graz wurde der Christbauni in den 40er Jahren eingeführt, nach Tirol kam er kurz vor 1863. Seit dem letzten halben Jahrhundert aber hat sich der Weihnachtsbaum in allen auch den entierntesten Teilen der Doppclmonarchie eingebürgert, war schon in den 60er Jahren in Galizien und Polen gebräuchlich und ist so mit der deuffchen Kultur weit in die slavischen Gebiete gedrungen,

Lebereckt Hühnch ens^W ei h nach t e n. Unter den Dichtern, die den Schönheits- imd Stimmnngsgehält wtserer deut­schen Weihnachtsfeier am reinsten ansgeschöpft haben, steht neben Theodor Swrm H e in ri ch Seide l, der Schöpfer des imsterb- lichcnLebereckil Hühnchens, dieses Urbildes der Bescheidenheit und Zufriedenheit, an erster Stelle, Wolfgang H. Seidel erklärt in seiner schönen Biographie seines Vaters dieses'Vorwalten der Wcih- nachtsstimmung in seinen Schrillen mit Recht daraus, daß diese Weihnachtsstimmung die Gruiidslllionnng seines ganzen Lebens war. Wie sein Leberecht Hühnchen, in dem der Dichter sich selbst ge­zeichnet, suchte und fand er ja auch in den Dunkelheiten des Du­lcins stets den freudigen Lichtschimmer der Hoffnung, und die höchste Aufgabe seines Lebens und jeincr Kunst loar es ihm, die Licht- kräfie des Guten zu offenbaren und die Niedrigkeit der Welt durch Liebe zu übernnriden. Den Winterfrühling hat er das Weihnachts-

** Geistliche Musikauffürun g. Am 3,Weih­nachtsfeiertag abends 5 Uhr wird in der Sbadtkirche eine Geistliche Musikanfführnng veranstaltet wer den, zu der besonders auch unsere Verwundeten eingeladen sind. Außer den beiden C h o r s ch u l e n unter ihren Leitern, den Herren Organisten O. Görlach und Habicht, werden Frau Landgerichtsrat Schenk und .Herr Geh. Kirchenrat I). Krüger, beide unter uns musikalisch bewährte und geschätzte Kräfte, mitivirken. Unsere schönsten Weihnachts­lieder werden dabei die Gemeinde erfreuen.

** Stadttheater. Aus dem Theaterbllrecm schreibt man uns: Die erste Abonnementsvorstellung nach den Feier tagen findet am Dienstag den 29. Dezember?' statt und bringt das neue Vvlkslu st spielDer sMagbaum" vvn Hei» rich Lee. Das Werk, das bereits in Berlin, Frankfurt, Wies baden (Hoftheater) seine Probe glänzend bestanden hatte, ist jüngst auch in .Heidelberg und am Oldenburger Hof theater mit großem Erfolg anfgeführt worden.. Der Bei sasser führt uns in die Biedermeierzeit, deren Milieu und Charaktere er mit großer Liebe und Plastik schildert, gleich zeitig spielt der damalige Gegensatz von Nord und Süd in ergötzlicher Weise nril herein.Ter Schlagbaum" darf in gewissem Sinne als aktuelles Werk gelten, schildert er ooch die Kämpfe um das Zustandekomme» des Zollvereins, der die Voraussetzung der späteren deutschen Einheit bildete. In der Neuheit, die unter der Regie von Direktor Stein g o c t t e r sorgfältig vorbereitet ivird, wirkt säst das gesnnile Personal mit.

** Konzert im Philosophcnwald. Das schon

neulich von uns erwähnte Konzert unsererKrieg s - frei w il l i g e n-K a p e ll e" sindet bei ganz neuem Pro­gramm am zweiten Feiertage, nachmittags 4 Uhr, im Phll- losophenwalde statt. Ta es zweifelhaft ist, ob noch weitere Konzerte stattnnden, ist es eine Pflicht der Tunkbarkeil, rast regster Besuch der Veranstaltung den wohltätigen Spieler» zeigt, >vie sehr die Bürgerschaft ihre Leistungen und Bem hnilgeu anerkennt. Besonders sei nochmals darauf liiiigewiese», daß der gesamte Erlös an Einnahme, zur Unterstützung bedürftiger Hinterbliebenen g c s a l l e u r r Angehöriger unserer Flotte dient. Ter Besuch des Konzerts bedeutet also eine Betätigung patriotischer Dankbarkeit.

** Dcr Turnverein von 1846 hält am zweiten Feiertag, nachmittags V-5 Uhr, in der Turnhalle der Siadt- knabenschulc eine schlichte Weihnachtsfeier mit Be- schenkung seiner Jugendturner ab. (Näheres s. Anzeige.)

** Ter Geldverkehr mit Kriegsgefange­nen. Postanwcisungsbeträgc an deutsche Kriegs­gefangene in Rußland werden nach einer soeben ergangenen amtlichen Erklärung der russischen Postverwaltnng unbe­anstandet aus gezahlt. Es empfiehlt sich Hiernack'. Geld an deutsche Kriegsgefangene nicht nur nach Ruß- land, sondern auch nach Frankreich und England -- allge mein nur durch Postanweisung zu versenden, da dieser Weg zweifellos der sicherste ist,

** Reutenquittungsformulare. Die Landes Versicherungsanstalt des Grobherzogtums Hessen ersucht uns, ihre Rentenempfänger darauf hinzuweisen, daß die Rentenguittungssormnlare künftig nicht mehr ans Ansordern direkt übersandt loerden, sondern in den Land« gemeinden bei den Großh. Bürgermeistereien und in den Städten bei den zuständigen Polizeirevieren erhältlich sind. Ein direkter Versand sindet somit nur noch an die außerhalb« des Großherzogtums wohnenden Rentenempfänger statt.

"Die Wei hn a chts feri en für unsere sämllichen Schulen beginnen heute und dauern 14 Tage.

" Das Hauptsteueramt ist am ersten Weih nachtsfeiertage, dem 25. Dezember, von 1112 Uhr-

fest einmal genannt, das Fest, an dem wiederaufleuchtet an Güte

des Herzens und Freude der Seele, was vielleicht längst erloschen icknen.Ick ging nach Licht und nicht nach Brot,", dies Wort eüics seiner Briefe ivar ein Motto seiner Lebenswanderung, nick wo hätte er da lieber Halt machen können im Kreislauf das Jahres als an dem Tage, da das Lickt der Welt zu uns gekommen ist. Schon mit der Nußernte begannen seine Weihnachtssrenden, denn dann hangle er sür die Blaumeksen, die in seinen schönen Weiü- nachtsinärchcn als flinke Boten alle .Kinderwünsche nach dem Weil, nachtslandc bringen, Walnüsse an Fäden itnf und brachte ihnen eine Vorausbescherung von Sonnenblnmensamen dar. Er stihlte sich als eins der seltenen Sonntagskinder, die genau den Weg wissen in jenes wunderbare und von ihm so reizend beschriebene Wunderland der Christherrlichkeiten,in dem es Streuzucker schneit und in der Tiese eines angenehm duftenden Gebirges^ die feinste Vanlllenschokolade gewonnen wird." Ter Schmuck des Baumes ivie das Anzündcn der Lichte war sein ureigentümliches Hansvaterrecht. das ihm kein anderes Mitglied der Famkljc streitig machen durfte, und ivenn er einmal gesagt har, daß jeder Mensch den eigenen Christbanm für den schönsten ans der ganzen Welt halte, so machte er jedensalls von dieser Regel keine Ausnahme, Beim Schimückeu hatte er seine besonderen Grundsätze, von denen er nie abging. Tie Lichter mußten aus reinem Bienenwachs bestehen: mit Ver­achtung sprach er von dem-bleichen Kumilvachs, das nach 5 Minuten kein Rückgrat mehr habe undwie-ein betrunkener Jockey an» dein Zweige sitze."Und es soll mich Leute geben." sagte er dann wohl nnt bedenklichem Kopffchütleln,die Stearinkerzen gebranchen und dem Baum Lichthaltcr in den Stanün bohren. Die Welt ist voll Unvernunft, mein Sohn!" Schöne Tinge ans Schokolade und Zuckerwerk, blankgeriebene Aepsel, bunte Netze, Papierketten und Glaskugeln landen eine lustige Wohnstatt in dem grünen Ölezweig: auch Lametta rieselte in blinkenden Wellen hernieder. Gegen fünft« liche Blumen, gegen Watteschnee und Wnchsengel aber Halle er eine große Mneigung, wie er auch das Auftreten des Weihnachtsniannes als eines Erschreckers und Belohners der Kinder nickt leiden mochte. Es schien ihni, als würde mit solch gewaltiamen Mitteln die zarte Phantasie der Kleinen vergewaltigt. Ten Baum zündete er steic- mit einem Lichte des Christbairme» vom vorigen Jabre a», nutz diesen Träger der heiligen Wcihnachtsslamuie bcivahrte er Ja ln stir Jahr in einer Perlmutterschalc auf. Während der Bescherung vslegte ein von ihm mit großer Sorgrolt zusammengestelltei- Jnl Ilavv ins Zimmer zu stiegen, und ivenn dann die Lichter allmäbliü' verloschen, wemr schon im Nebcnzimrncr der Abendbrotlisch. gedecki wurde, ging er mit den Kindern durch die Straßen, um fremde Weihnacktsbäumc zu besehen,Tann horte er nickt auf, die »»,»- derbarste» Tinge 5 » erzählen, bis wir, lautlos.durch den Sckncg Lichterfeldes staviend, irgendivo einen Lichterichei» auiblitzen sähe» und mm mit ihm stehen blieben und an der Freude unbekanntcl. Leute, so gut wir es konnten, teilnahmen."