Einzelbild herunterladen

erwähnt keine Trophäen anderer Art, was im allgemeinen die Sieger tun. Das Commnniaue beschränkt sich auf eine unbestimmte Versicherung, daß der deutsche Triumph allgemein sei. Ter Zweck derartiger Fanfaren ist zu klar, als dal; man sich die Mütze geben müßte, die europäische Meinung zu lehren, wem gewisse,ihastcrc »nd treuere Berichterstatter zur Verfügung stehen. Die Deutschen möch­ten diese Meinung zu ihren Gunsten umstnnnren, aber cs gelingt ihnen schlecht, und sie täuschen sich, wenn sie glauben, sich als Sieger ausgcben zu können. Sie wurden in Wirklichkeit von Eicchanow aus gegen ihr Gebiet zurückgedrängt, und die russischen Truppen, die ihnen auf den Fersen sind, haben bereits ihren Fuß aus deutsches Gebiet gesetzt, eine Tatsache, die das deutsche Haupt- guarlier selbst zugegeben hat,

Postanwcisungsverkehr der Kriegsgefangenen zwischen Deutschland und Rußland.

Berlin, 19, Dez, (Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, Auf Grund einer uns aus Kopenhagen zugegangcnen Mitteilung haben wir in der Nr, 310 vom 13. d, M, die Nachricht gebracht, daß das Dä­nische Rote Kreuz in Kopenhagen die Ueberweisung von Geldern an deutsche Kriegsgefangene in Rußland nicht mehr vermitteln könne, da die russische Regierung die Auszahlung von Geldern an Kriegsgefangene allgemein untersagt habe. Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite, daß Post­anweisungen, die von Deutschland auS direkt an deutsche Kriegsgefangene in Rußland zur Absenkung gelangen, neuerdings wieder zugelassen sind, nachdem die russische Postverwaltung der Eröffnung des Postanweisungsverkehrs der Kriegsgefangenen zwischen Deutschland und Rußland zugestinrmt hat.

Berliner Blätter über die Lage.

Berlin, 22. Dez, Der gestrige Tagesbericht der deut­schen Obersten Heeresleitung enthält, wie dieK r e u z z t g." erklärt, einen ebenso bedeutsamen wie erfreulichen Bericht über die Kriegslage im Westen:

De Enttäuschung über das Scheitern aller Angriffe möge nicht nur für den Generalissimus der Franzosen, dessen Tüchtigkeit und soldatische Tugenden auch dem Feinde Respekt abnötigten, sondern namentlich für die französische Regierung und das fran­zösische Volk sehr groß sein, da sie besonders auch schmerzlich be­troffen seien von dem Scheitern des russischen Massenangrifsfs aus Deutschland,"

In derDeutschen Tageszeitung" heißt es zu dem Bericht der Obersten Heeresleitung:

Wenn I o s f r c von Verstärkungen spricht, die die große Regsamkeit seiner Truppen begründen und erhöhen sollten, so wolle man nicht untersuchen, in welchem Maße etwa solche Ver­stärkungen erfolgt sein könnten. Me wirklichen Gründe dieser Reg­samkeit liegen wahrscheinlich in russischen Hilferufen und in dem Zusammentritt der französischen Kammer, der man um jeden Preis einen gelungenen Sieg mit Aussicht aus weiteren Er­folg bieten wolle,

Dic Kämpfe an der belgischen Küste.

Berlin, 22. Dez, Meldungen verschiedener Blätter zufolge, schreitet der deutsche Ängriff gegen Nieu- p o r t fort. Das schlechte Wetter beeinträchtigt die Operatio­nen, Die Verbündeten halten noch im allgemeinen ihre Stellungen. Im Walde von Houthulst wrdersetzen sich die Deutschen mit großer Hartnäckigkeit dem Vorrücken der Ver­bündeten,Allgemeen Handelsblad" meldet, daß Zee- brüg ge und Hey st von englischen Schiffen aufs neue bombardiert worden ist. Im ganzen wurden einige dreißig Schüsse abgegeben, die die deutschen Truppen nicht beant­worteten. Das Spiel der Scheinwerfer war deutlich sicht­bar, Gestern gegen Mittag fuhr ein englisches Ge­schwader in Schlachtordnung bei Zeebrügge vorbei, aber außerhalb des Bereiches der deutschen Kanonen.

Dic Regelung der belgischcu Kontributionen.

Brüssel, 21. Dez, (WTBt Nichtamtlich) Ueber die erfolgte Regelung der belgischen Kontributionen erhalten wir folgende Darstellung:

Die am 19, Dezember gefaßten Beschlüsse der Landtage der neun belgischen Provinzen, die der Bevölkerung Belgiens vom Ge- neralgouvcrneur auserlegte Jahreskontribution von 480 Millionen Francs durch die Ausgabe von Schatzscheinen aufzubringen, erledig­ten eine Reihe wichtiger Fragen, Bisher waren Kontri­butionen einzelnen Städten auferlegt. Mehrere Kontributionen konnten überhaupt nicht oder nur zum Teil bei­getrieben werden, wo eine Finanzierung möglich war und erfolgte, war sie sehr verschiedenartig. Die vielsältige Kapitalbeschaffungsart war geeignet, Verwirrung in den Kapitalmarkt zu bringen. Es erschien ferner nicht gerechtfertigt, daß dic Kontributionen nur den Städten auserlegt waren, während das wohlhabende s l a ch e L a n d davon verschont blieb. Eine Vereinheitlichnng der Kontributionen und ihre Auferlegung auf das ganze Land war daher geboten. Den Weg einer Staatsanleihe oder der Begebung von Schatzscheinen durch das Land Belgien wollte die deutsche Verwaltung schon aus völker­rechtlichen Rücksichten nicht betreten. Darum wurde der Weg ge­wählt, die Kontribution den neun Provinzen aufzuerlegen und sie für die Ausbringung des Betrages solidarisch haftbar zu machen. Bei den Verhaiwlungen mit den Vertretern der deputation per­manente zeigte sich deren Bestreben zum Entgegenkommen und selbsteinegewisseGeneigtheitzursachlichenMit- arbeit, Namentlich fand der Vorschlag der deutschen Verwal­tung, die Kontributionen durch Schatzscheine aufzubringen, die von einem alle größeren belgischen Banken umfassenden Konsortium zu übernehmen und vckn der neu zu schassenden Notenbank zu be­geben sind, Verständnis bei den Vrovinzvertretcrn, Sie begrüßten es offenbar, daß dem Lande eine unmittelbare Belastung gegen­wärtig erspart bleibt und die Deckung der Schatzscheinc ans die Friedcnszeit übertragen wird. Mit diesen Verhandlungen Wurde dic Regelung der Requisitionen verbunden. Die Re­quisitionen ivurden bisher mit Bonds bezahlt, deren Einlösung der Zeit nach Friedensschluß Vorbehalten war. Nunmehr sollen dic Requisitionen durch Barzahlung beglichen werden. Besondere Beachtung erforderte die Frage der Bezahlung der in Amwerpen, Gent und an anderen Stapelplätzen des Landes Vorgefundenen Wa­renvorräte, über die die Rohstofsabteilung des Kriegsministeriums verfügte. Die belgischen Eigentümer werden volle Bezahlung r die Waren erhalten, sobald sie in Deutschland emgctrofsen und nach ihrem Werte abgeschätzt sind, Dese Bezahlung soll in einer Weise erfolgen, daß währeicd des Krieges eine Geldübcr- lragung von Deutichland nach Belgien nicht stattzusinden braucht.

Es ist gewiß freudig zu begrüßen, daß es gelungen ist, mitten rm Kriege neun Provinziell andtage zusammen zu- berufen und sie zur Annahme des Vorschlages dar deutschen Regierung zu bestimmen. Die Art und das Ergebnis der Lösung der Kontrchutionen- und Rcqnisitionenfragen wird in gleicher Weise den Forderungen der Sieger "wie der Leistungsfähigkeit des Landes und seiner Verfassung gerecht und bringt in seine schwierigen toirtschaftlichen Verhält­nisse die dringend benötigte Ordnung,

Deutsche für Erdarbeiten in französischen Sümpfen.

Paris, 21, Dez, (Ctr, Frkft.) DerMatin" erzählt mit der an ihm gewohnten Gefühlsroheit, daß 125 k r i e g s - gefangene Deutsche, die im ehemaligen Karmeliteo- kloster in Briom in der Auvergne eingcsperrt sind, zu Erd­arbeiten in den Sümpfen von Ennezat und Lalluat abkonw mandiert sind. Der Boden, so meint das Blatt, sei zwar

feucht, aber die Deutschen seien reichlich genährt, was inan den französischen Gefangenen in Deutschland ebenfalls wünschen möchle. DerMatin" ist also trotz seines Zynismus offenbar doch davon überzeugt, daß seine Denunziation die Deutschen nicht veranlassen wird, nun auch französische Kriegsgefangene zu Sklavenarbeiten in gesundheitlich gcsähr lichcn Sümpfen zu verwenden.

Der Schwätzer Churchill.

Berlin, 22, Dez. In einem Beileids-Tele­gramm des Marineministers C h u r ch i l l an den Bürger­meister von Scarborough heißt es:

Die Flotte ist enttäuscht, daß die Mssetäter ungestraft ent­kommen sind. Sie wartet aber mit voller Geduld eine günstige Gelegenheit ab, und diese würde sicher kommen. Nichts beweise so sehr die Effektivität des von der britischen Flotte ausgcübten Druckes als dieser wahnsinnige Haß des Feindes gegen England. Dieser Haß sei ein Gradmesser für die Furcht des Feindes. Welche Taten die deutsche Flotte auch aussührcn werde, der Name Scar- borough werde sie brandmarken,

Deutsche Flieger über Calais.

Amsterdani, 21. Dez, (Ctr. Fkft.) DieTimes" meldet aus Calais: Am Sonntag warf ein deutscher Wasserfliegcr zwei Bomben aus Calais. Es wurde kein Schaden angerichtet,

Schiffbruch

eines englischen TrnppciitransportdampferS?

Berlin, 21, Dez, (Priv.-Tel.) DasBerliner Tage­blatt" meldet aus Rom: Die bei Livorno an den Strand geschwemmten englischen Helme werden immer zahlreicher. Es sind schon über 40; außerdem sahen Fischer auf dem Meere bei der Insel G o rgo n a Hunderte und Aberhuuderte englische Soldatenhelme treiben. Ebenso wurden Rettungs­gürtel angespült. Es handelt sich also offenbar um den Schiffbruch eines englischen Truppentransportixnnpsers,

Zur Schlacht bei den Falkland-Jnseln

(WTB.) Berlin, 21, Dez, (Nichtamtlich.) Aus Buenos-Aires eingetroffenen Meldrmgen zufolge sollen nach zuverlässig erscheineirden Berichten des Blattes Prensa" folgende mglische Schisse an der Schlacht am 8. Dezember teilgenommen haben:Jnvincible",In­flexible",Canopus",Carnar" (?),Cornwall",Krnt", Glasgow" undBristol". Nach einem weiteren Bericht ans derselben Quelle soll eine größere Anzahl Offiziere und Mannschaften der Besatzung derGneisenau" gerettet sein.

Die österreichische Kriegsanleihe.

Wien, 21, Dez. (WTB, Nichtamtlich.) Ae Grntztch- lungen auf die Kriegsanleihe haben einen sehr guten Erfolg: Es ergaben sich bis jetzt 800 Millionen Kronen, die der Finanzuerwaltung bereits zugekommen sind.

Frankreich annektiert Tunis?

Rom, 21. Dez, (Ctr. Frkft.) Gerüchtweise wird die Annektion von Tunis durch Frankreich als be­vorstehend bezeichnet.

Eine NcutralitätSverlctzung Griechenlands?

Konstantinopel, 21. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Terdschuman i Hakkikat" erfährt, Griechenland habe die Erlaubnis erteilt zur Errichtung von Stationen für drahtlose Telegraphie auf der kleinen Insel Fan ar bei Mytelene imb im Hafen von Mudros auf der Insel Lemnos, von denen die Engländer und Franzosen Nutzen ziehen. Die englischen Geschwader bedienten sich des Hafens von Sygri aus Mytelene als Nahrungsmitteldepots. Das Blatt betont, daß dies eine Verletzung der Neu­tralität sei.

Der Krieg im Orient.

Koustantinvpel, 21, D^, (W.B, Mchtamtlich) Wie das BlattTuran" erfährt, hat der Araber Häuptling Jln Soud eine Streitmacht von etwa 6000Reitern, dav- cmter 3000 Meharisten, ausgerüstet und sie in der Richtung nach Bassorah entsandt, damit sie zum türkischen Heere stoßen. Er selbst soll mit der Hauptmacht seiner Stämme demnächst nach dem Jemen abgehen. Ein anderer mDch- ttger Häuptling, Nedschd ibn Resid, hat gleichfalls eine bedeutende Streitmacht ausgerüstet Er wartet nur den Befehl der türkischen Regierung ab, um ins Feld zu ziehen

Dic Leipziger Mission in Englisch-Ostafrika.

L e i t> i i fl, 21. Dez. (WTB, Nichtamtlich.) Von dem Ar- beitsselde der Leipziger Mission unter den Kamba in Englisch-Ostafrika, dessen im Juni beschlossene llebergabc an die englische Mission noch nicht ausgeführt werden konute, waren seit Kriegsausbruch kein« Rackwichteu mehr gekommen Jetzt sind Briefe vom 31, Oktober cingetroffen. Die Missio­nare merkten dort von der Unruhe des Krieges kaum etwas, sie konnten ihre Arbeit ungestört verrichten. Nach einer vor­übergehenden Stockung machte auch die Beschaffung von Le­bensmitteln, deren Preis um 15 Prozent stieg, keine Schwie­rigkeiten Die Bank in Mombassa wurde bei Kriegsbeginn geschlossen, ohne daß vorher die Guthaben abgehoben werdeu konnten. Die Missionare mußten sich daher sehr einrichten, sie hoffen aber auch in Zukunft das nöttgste Geld beschaffen zu können. Mit den in Deutsch-Ostafrika arbeitenden Leip­ziger Missionaren istjedeVerbindungabgebrochen

Die französischen Eisenbahnen im Krieg.

Im Anfang war das Chaos", so charakterisiert der französische Berichterstatter des LondonerDaily Graphic" die Zustände auf den französischen Bahnen zu Beginn des Krieges, Und wenn sich auch in militärischer Hinsicht die Ver­hältnisse inzwischen ein wenig gebessert haben, so dauert doch für die Beförderung von Privatpersonen und Güter das Chaos noch an. Es grbt keinen Fahrplan, keine Schrrell- züge, keine Schlaft vagen und keine Speisewagen; ja wenn inan irgend wohin fahren will, kann man dies nur nach der Erledigung unzähliger verwickelter Formalitäten mit einem besonderen Erlaubnrsschein tun. Und doch ist das Eisenbahn­fähren jetzt auch wieder sehr vereinfacht. Man braucht sich keine Sorgen über den Fckhrplan zu machen, wenn man nach Epernay fahren will. Ans einen telephonischen Anruf bei der Ost-Bahn wird mitgeteilt, daß der erste Zug zwei Minuten nach Mitternacht abfahrt, und daß in Zwischen­räumen von je 6 Stunden weitere Züge folgen, die auf jeder Station halten. .Wie lange die Züge fahren, weih nienmnd.

Der Berichterstatter, Mr, Gordon Smith, der während eines zehnjährigen Aufenthaltes in Deutschland dessen Eijenbahnverhältnisse kennen gelernt hat, schildert nun eine

Fahrt von Paris nach Epernay, die sonst der Mbendschnell-

;ug in 2H« Stunden mit begnemem Speisewagen znrüttlegt.

Wir brauchten gerade acht Stunden für die Entsernnng von 137 Klm., sichren also mit einer Slunüeiigeschwindigkeft von 17 Klm. Ein Radsalircr tvürde die Hälste der Zeit gebraucht haben. An jedem Fenster der Wagen klebte ein Zettel:Dic Reisenden incrbcn gewarnt, beim Befahren der Brücket, von Chalisert, Jsles- lcs-Villenoy und Armrntiöres die Köpfe herauszubeugen," Diese Brücken waren von den Engländern bei ihrem eiligen Rückzug zer­stört worden und die sranzösischen Pioniere haben Hilfsbrücken bauen müssen. Vor der großen Marncbriicke bäit der Zug: dann be­ginnt er sie langsam zu übcrkriechen. Das Gcdälkc ächzt und stöhn! and wir haben das Gefühl, als sollten wir jede» Augenblick über das zerstörte Geländer in den 15 Meter unter uns dahinslrömenden Fluß stürzen. Doch die Brücke hält. Alle 500 Meter taucht am Bahndamm ein Wachtseuer ans, bei dessen Schein die Bajonette der Posten blitzen. Auf den Stationen fragt kein Sck>afftier »ach den Fahrlarlen: dasür sehen wir Wachen mit aufgepilanztem Bajonett, Im Wartesaal schläft eine halbe Kompagnie aus einem Strohlager und anstelle des Stationsvorstehers mit seiner weißen Mütze waltet ein Hauptmann als Stationskommandant des Dienstes, Aus den Nebengleisen stehen nicht wie sonst Wagen mit Kohlen und Gütern aller Art: wir sehen Krankenwagen vom Noten »kreuz, Munitions­wagen, flache Loren, von denen sich im Halbdunkel die Umrisse von Geschützen und Lafetlen ablieben, und mehrere Züge mit Truppen ziehen aus dem Nebengleise vorbei. Einmal erreicht der Zug dic Schncllzugsgeschwindigkeit" von 30 Klm., dann kriecht er wieder mit 5 Klm, Geschwindigkeit dahin. Wiederholt liegen wir über eine Viertelstunde in Tunnels: Dampf und Rauch dringen durch die Ritzen der mangelhaft gebauten Wagen in unseren Raum, Doch niemand beklagt sich;es wird schon eine Ursache habe», daß wir warten müssen: es ist ja Krieg", Ms wir ans dem Bahnhof wm Tormans auf 10 Minuten halten, dringt Kanonendonner an unser Ohr, Unwillig fahren mehrere Schläfer einpor.Hören Sie, man beschießt Reims!" Das ist alles: dann drehen sie sich aus dic ändere Seile und schlafen weiter. Endlich heißt es:Epernay! Mles aus- steigen!" Wir räkeln uns, die Ofsiziere schnallen Fernstechcr, Re­volver und Säbel um, und wir verlassen nach achtstüicdiger Fahtt den Zug,"

Wie sehr sttcht dieses Bild von den Zuständen in Deutschland ab, wo auch während der Mobilmachung der Personenverkehr aufrechterhalten werden konnte, und wo seit Monaten tviedcr Schnellzüge mit Speise- und Schlaf­wagen nach allen Richtungen verkehren und die Güter­beförderung wie im Frieden geregelt ist. Hat doch um nur dieses Beispiel zu erwähnen Berlin wie alle Fahre auch diesmal ganze Güterzüge voll Weihnachtsbäume aus Mitteldeutschland und aus dem Osten erhalten.

Ariegsbriefe auz dem Westes.

Bon unserm Kriegsberichterstatter,

flluberrchttgler Nachdruck, auch auszugsweise, »er b o t«-

Die belgische Bäöerküste im Kriege.

Großes Hauptquartier, 19, De».

Das Küstengebiet von Knocke, dem ersten Otte westlich der holländischen Grenze, bis Lomtartzyde, dem dicht vor der User ge­legenen, von unserer Marine erstürmten Dorfe, ist eine nach zivei 'Seiten geöffnete Kampfessront: Im Norden längs dem Meere harren wir des Angriffs dewEngländer, über deren LandungsRänc die Belgier soviel zu erzählen wußten, als der Krieg begann, bis sie jetzt in schmerzlicher Enttäuschung die Hoffnung mehr und mehr zu verlieren begonnen haben. Im Westen steht der Krieg längs der User. Während wir hier die Entwicklung bis zu dem Augen­blicke, den w i r wählen werden, ruhig abwarten können, rennen sich die Franzosen, angepeiffcht von ihren um unser Vordringen gegen den Acrmelkanal ängstlichen englischen Verbündeten, immer wieder, wenn auch mit sichttich ermattenden Kräften, die Köpfe blutig.

Das ist das Kriegstheater, das ich in diesen Tagen nach allen Mchtungen dnrchwandett habe. Da die Engländer ja immer wie­der versichern, wir hätten die Dünen längs der ganzen Küste mit Kanonen gespickt, so kann ich diese Angabe ans sich beruhen lassen und brauche vczn der diesbezüglichen Tättgkeft unserer Truppen nichts zu berichten. Dazu wird wohl später einmal Anlaß sein. Desto lieber erzähle ich von dem, was ich von nnsern Feinden be­obachtete, Wenn bei Ebbe das Meer im Sonnenschein weft hinaus erglänzet, dann sieht man von Knocke, und bei gutem Wetter schon von Zeebrügge aus die glatte Flut mit schwarzen Punkten, den Kaviarkörnern eines Seeungctüms oergleichbar, ziemlich dicht be­streut. Das sind die Minenfelder, die unsere Feinde nach der neutralen Zone des holländischen Fahrwassers hin angelegt haben. Leider ist dies Bemühen recht minderwertige Arbeit ge­wesen. Bei jedem hohen Seegange reißen sich die Minen los und werden teils an die Küste angeschwemmt, teils treiben sie, als eine auf Jahre hinaus unabsehbare Gefahr für die friedliche Schiff­fahrt, nach der offenen See hinaus. Denn im Gegensatz zu unseren Seeminen, die im Augenblick, wo sic sich trotz sorgfältiger Ver­ankerung losreißen würden, (was so gut wie ausgeschloffen ist), unter Gewähr unscharf werden, behalten die englischen und ftan- zösischcn Minen ihre Entzündbarkerl auch wenn sie sich von der Ankerkettr befreien.

Wft besitzen darüber ein cmsgreStzges Stud-iermraterüK, wel­ches uns jeder Sturmgang beschert. Dann kommen die Minen an die Küste angetrieben bei Knocke z. B, hat man sie schon zu Dutzenden gesunden und werden von unseren Küstenwachen fcstgestellt und später, soweit wir nicht die sehr kostspielige Spreng­ladung zu besonderen Zwecken für uns verwenden, gesprengt. Hierfür hat man ein sehr einfaches Verfahren. Das Mineu- kommando verfügt über einen Berliner Autvonrnibns, bei' früh« die Leipziger Straße entlang fuhr, jetzt aber gute Kriegsdienste tut. Der nimmt dic angetrnchene Wine an ein langes Schlepptau und fährt, unter der Deckung des benachbarten Deiches, in einem Teinpo los, welches zu Hause die freundliche Aufmerksamkeit jedes Schutzmanns wecken würde, Ae Mine fängt an, über den Strand zu hüpfen und bald darauf geht sie donnernd fti die Luft.

Sehr zu ihrem Mißvergnügen bekommen aber die neutnckn Holländer auch ihr Teil von diesem unwillkommenen Strandgut ab. Wiederhott sind sie durcheine schwere Stanmabe" an der Küste alarmiert worden, die sich dann als das Gedröhn der bei hoher See gegen ihren Sttand antreibenden englischen und fran­zösischen Seeminen heransgeftellt hat Die in .Holland sitzenden englischen Zecttuigsbcrichterstatwr ängstigen dann ihre nervösen Landsleute mit spaltrnlcmgen Sensatcowstelegraninien über See­gefechte an der belgischen Küste.

Nun könnte es den Engländern wohl so paffen, wenn sie die bösen Geister, welche sie durch ihre Minenstremmg-sen. jetzt los werden Tönntm, denn uns sind sie wirklich ntzcht im Wega, Aber wir sorgen durch zeitgemäßen Ersatz dafür, haß die lieblichen Beete der Minrnselder lückenlos wcfterblühen. Und unsere Minen reißen sich nicht los. Unter Garantie nicht!

Es wird mir ein unvergeßlicher Anblick sein, wie der Leip- ziger-Straßen-Antobus mit einer Miiwnladnng am Strande er­schien, Junenraum und Verdeck waren besetzt inft einer Anzahl altgedicnter Seebären, Vorne neben dem Fahrer hatte man eine und hinten unter der Wendeltreppe zum Dach noch drei Seeminen ausgcladen. Sie waren, so gefährlich die Sache beim Gedanken an die zentnerschweren Sprengladungen sein mochte, nochun- geschärst" und daher ganz harmlos. Einige der Leute packten die schwarzen Riesenbirnen an und trudelten sie wie leere Weftisässer über den Strandwrg, Wenn di« Minen freilichgeschärft" sind, dann Gnade Gott allem, was in ihr Bereich kommt. Ich batte die seltene Gelegenheit, während des mehrtägigen Aufenthaltes auf diesem Kriegsschauplatz die Wirkung einer hochgehenden deutschen Secminr zu beobachten und iverdc darüber später berichten, nun» das hier im Gange befindliche Kapitel der Kämpfe abgeschlossen sein wird. ANe die Bäder längs dem Strande, die sich sonst durch ihre größere oder geringere Vornehmheit anscheinend so ejsersüchtig voneinander zu unterscheiden bestrebt waren, bieten jetzt denselben öden Anblick dar. Ales, was vordcni der heiteren Lust sorgloser,