Ausgabe 
19.12.1914
 
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Nr. 298 Zweiter Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieSietzener ZamillenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich b-igelegt, das Kreisblatt für den Krtis Kietzen" zweimal wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

W. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhesjen

Samstag, \9. Dezember

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiräls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäitsslelle «.Druckerei: Schul- straße7. Geschäitsslcllc u.Berlag:sE>öI,Schrist- lcitung: «E112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Nriegsbriese aus dem Westen.

Don nnserm Kriegsberichterstatter.

fttnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Auf dem Kriegsschauplatz au der belgischen Küste.

Auf dem Zcebrügge-Kanal.

G ro ß es H a u p t q u a r t i e r, den 15. Dez.

Als wir uns morgens um 8 Uhr an einer der zahlreichen An­legestellen der vielverzweigtcn Wasserstraßen Brügges versammel­ten, um die Fahrt nach der Seeküste anzutrcten, war cs noch schwarze, trübe Nacht. Kurzsichtig glotzten die fahlen Lichter der daienanlagcn durch den sein nicderstaubenden Nebelregen. Pünkt­lich mit dem Schlage der Uhr lichtet das kleine FlaggschiffNemo", ehenials eine elegante Jacht des Königlich Belgischen Jacht-Klubs, die Anker und beginnt lautlos und flink dem Meer zuzuglerien. Bald schlägt uns die erste Nordseebrise ins Gesicht: und nun lüften sich auch in der Ferne die schwarzgrauen Vorhänge und die Türnw von Brügge grüßen hinter uns her. Tie Vaterstadt Memlings, die Stadt der zierlicheir Spitzen und der schönen Frauen, die sich da­mit schmücken müssen, ist selbst in dieser düsteren Beleuchtung ein klingendes Märchen, das seine lächelnde Verträumtheit nicht ver­lieren kann. Leise und verschlafen summt über die Giebel das Lied der Glockenspiele, als ob es die Bürger in festen Schlummer wiegen wolle, damit sie nichts hören von dem Kriege, der so nahe an ihren Toren lärmt und wütet.

Ein scharfer Signalpfiss, der schrill in der Weite verhallt, zer­reist die Stimmung und ruft uns in die Gegenwart zurück Rasch nähen sich ein Beiboot, das uns in kurzem ?lbstande gefolgt ist. Sern Führer erhält den Befehl, die Wasserstraße von Wracktrüm­mern zu säubern, welche hier und da an den schnurgradc ver- lausenen Uferböschungen angetriebcn sind. Tie Reste eines bei der Beschießung Zeebrügges durch die englische Flotte gesunkenen Schisses, die ersten Spuren des Krieges, denen wir hier begegnen. Hier treibt ein zerbrochenes Boot kieloben, dvN das Dach und die Wände einer Kajüte. Das Beiboot bleibt zurück und wir sehen es emsig hin- und herkreuzcn, um die Arbeit auszwführen.

In dem flachen Marsckstande, dessen Ucbersicht nur durch dünne Baumzeilen und vereitlzeltes Weidengestrüpp beeinträchtigt wird, erhebt sich plötzlich, wie mit einem Ruck dem Erdboden entstie­gen. der Riesenstummel des Kathedralturnies von Lisscwcghc. Ein Wahrzeichen der Schisser, welches jahrhundertelang den Seglern als Wegweiser gedient hat, in dieser Beziehung ein Verwandter desgroßen Michels" von Hamburg. Eine Straße kreuzt hier, über eine Drehbrücke lausend, den Kanal. Die slüchtendcn Belgier hatten diesen wichtigen Ucbergang dadurch uichrauchbar gemacht, daß ste die nötigsten Bestandteile des Bewegungsmechanismus ent­fernt hatten. Unsere Seeleute ließen sich abll nicht verblüffen. Sie schickten einen Taucher in den Kanal, der die fehlenden Telle rasch znsammensand bis auf eine Lasche. Da aber zu dieser das Gegen­stück bereits geflinden war, so nmrdc eine Ordonnanz mll letzteren in die Stadt geschickt imb das verlorene Eisenglied nachgeschmicdet. Binnen eines Vormittags war die Brücke wieder gebrauck^sähig. .Zuerst mußte sie von deutschen Matrosen bedient werden, die sich hierzu, wie zu allen den andern vielseitigen Aufgaben, welche ihnen her Krieg stellt, sehr gut anschickten. Bald aber fanden sich dis geflüchteten belgischen Brücken- und Schleusenwärter wieder ein. Tic belgische Regierung hat zwar ihren ehemaligen Beamten streng verboten, in deutsche Dienste zn treten. Da sre ihnen aber nichts bezahlt und die Leute lebeit Müssen und da die deutsche Ver­waltung den sehr schlecht bezahlten Leuten die Gehälter nach deut­schem Beispiel ausgebcsscrt hat, so melden sich jetzt die belgischen Angestellten vollzählig auf ihren ehemaligen Plätzen. Sie tun überall an den flandrischen Wasserwegen wieder Dienst, vorerst selbstverständlich unter deutscher Aussicht.

Uebergens hätte die Störung der Drehbrücke für uns wenig zu bedeuten gehabt, denn wir verfügen über hinlänglich viele DUfsbrücken, die sehr sinnreich gebaut sind und der Geistesgegen­wart unserer Marine ein glänzendes Zeugnis ausstcllen Es sind Schiffsbrücken mit drehbarem Mittelglied: Ein tragsähiges Schiff steht als Turchgangstor quer in der Mitte der Brücke und kann im Augenblick, wo die Wasserstraße geöffnet werden soll, mll Stricken beiselle gezogen werden. Diese Oeffnung macht sehr wenig Umstände und die Tragfähigkeit der Brücke entspricht allen Bedürfnissen, die sich aus großen und eiligen Truppenvcrschie- bungcn ergeben.

Der Krieg hat uns so manches gelehrt und hat, was manchem allen Seebär schwer elngehen wird, unsere Mallosen, >vo es Not war, sogar mit Lust Landratten werden lassen. Wll sahen ihrer «inen Zug an den Deichen längs dem Kanal Jnsanteriestellnngeni mll einem Eifer und einer Geschicklichkell ansbauen, als ob alle die frischen inngen Kerlchen verkleidete Pioniere seien. Taber sangen sic ihre munteren Seemannslieder, daß der Sand im Takt von den geschwungenen Schippen flog.

Weihnachten und der Nrieg.

Ms England uns den Krieg erkläll hatte, schrieb mll ein Freund:Das ganze Christentum erscheint einem wie ein Hohn, wenn inan an das ,/lllerchrisllichsll" England denkt. O Eng­land, du Ausgeburt von Trug und Heuchelei."

Btttcrer Schmerz hatten dem Freunde diese Wolle ausg»- preßl mir aber gingen sie noch, bohrten und bohrten.

Ja, wie besteht unser Christenglaube vor den weltzertrüm- mernden Ereignissen unserer Tage, so fragte ich mich immer wieder.

Das Weihnachtsfest rückt näher, unsere Gedanken wandern un­aufhörlich zu den Unsrigen, hie da draußen im Osten Und SSelten als treue Hut stehen gegen di« Feinde. Können sie das Clwistfest fellrn aus den blutigen Schlachtselbern, das Fest des Lebens mitten unter den grausamen Werkzeugen des Todes?

Mit diesen quälenden Gedanken schlief ich eines Abends ein und bald umfing mich ein wunderlicher Traum, durch den mll Antwort werden sollte auf mellte Fragen.

Ich lläumte: ich war allein ans weiter, versckneller Flur: alles bunte, frohe Leben war wie weggesogt. Mich, fror und ein Gefühl namenloser Einsamkeit legte sich mir auss Herz. Ich wußte, heull ist Weihnachtsabend und ein heißes Verlangen über­kam mich nach Freunden, nach guten, verstehenden Menschen. Vor mir tauchte eine Swdt auf: doll wußte ich liebe Freunde. Ich eilte dorthin, schon erkannte ich eines der mll vertrauten Häuser. Ich stand davor, ich läutete die Glocke schrlll tönte der Laut durch die nächtliche Stille schlürfende Schritte näherten slch gewiß die alle Magd. Wie würde sie staunen, mich so ver­lassen hier zu finden. Die Tür wird langsam geöffnet ein kalter Hauch weht mll entgegen das ist nicht dll Magd, die mll öffnet, das ist das Gerllpr mll Stundenglas und Hippe das ftft der Tod! Entsetzt fliehe ich von dannen dort um die Ecke wohnen meine besten Freunde ich rase ich zerre wie wild an der Klingel und wllder das Gleiche.

W o ich auch klopfe, es öffnet kein Freund, der Sensenmann tritt mir entgegen, ruhig, selbstverständlich, ohne Mitleid und ohne Hohn. ^

Ta packt muh das Grausen. Ich stürze soll: bald liegt Me Swdt hinter mll, ich bin wieder allein in der Nacht, allein in der Natur, die in ihrem weißen kühlen Leichentnche mir nichts zu bieten l>at als die Botschaft vom ©terbcn und Vergehen, O, mein Gott," cuse ich verzweifelt ans, wozu schaffst du Leben,

Je mehr wir uns Zecbrügge nähern, desto öfter sehen wir tiefe Granatlücher in der Uferböschung und im benachballen Gelände. Das fleine Fischerdorf war mit seinen winzigen, kaum zur menschlichen Bewohrmng geeigneten Hütten, die verstreut im sumpfigen Wiesenlande stehen, so unbedeutend, daß man cs aus älteren Karren von Belchen kaum erwähitt findet. Ta baute König Leopold II., der so viel für sein Land geschaffen hat, den Kanal, der Brügge deir unmittelbarcu Zugang zum Meere wieder crössnell. Man sagte damals, Brügge, die alte Königin der Nordsee, die nordische Nebenbuhlerin Venedigs, sollte sich' wieder zu der Handelscmpore entwickeln, die sie war, che die erzürnte Hansa ihr Kontor in der Mitte des 16. Jahrhunderts nach Ant­werpen verlegte und damit den Niedergang Brügges besiegelte. Tas wäre ein romantischer Plan gewesen. Aber der Unterneh­mer des Kongostaates war kein Romantiker, der einen 15 Kilo­meter langen Wasserlvcg, acht Mller llef und so breit wie der Suezkanal, der gcwalttge neuzeitliche.Hafeuanlagen und eine Mole von fast zweieinhalb Kilometern Länge, die allein 58 Millionen Franken gekostet hat, der alles dies aus dem Nichts des Dünensandes heraufwachsen ließ, nur weil ihn das Glockenspiel des verschlafenen Brügge gerührt und wehmütig gestimmt hätte. Nachträglich betrachlet, sieht das alles so aus, als habe diese Anlage ihre wohlberechncte Bedeutung in dem seit Jahrzehnten erwogenen Rriegsplan unserer Feinde gehabt. Tenn der Handels­verkehr ist in dem einsamen Hafen weder von selbst gekommen, noch hat man ernstliche Anstrengungen gemacht, ihn zu rufen. Dagegen waren die großalligen Anlagen im gegebenen Augen­blick für eine englische Landung ganz wie geschaffen. Und nun ist es ein grausamer Treppenwitz der Weltgeschichte, daß die Eng­länder, nachdem sie zn spät gekommen sind und Zcebrügge in den Händen der Deutschen sahen. die ihnen so einladend hingestellte Ehrcnpforll zur belgischen Küste selbst zerschossen haben.

Tie englische Flotte, die ans verhältnismäßig große Nähe herangekommen war, hatte die deutschen Küstenwachen durch erne recht plumpe Kriegslist zu täuschen versucht. Sie war aber recht­zeitig gesichtet worden, und der erste dicke Brummer, der ein­schlug, kam nicht überraschend. Er richtete als Blindgänger in der Brandmauer eines Bürgerhauses wenig Schaden an. Bald aber eröffnetot die Engländer Schnellfeuer. Fünfviertel Stun­den lang war es unmöglich, die Einzelschüsse zn unterscheiden. Tas Gedröhn der platzenden Eiscnkolosse war fürchterlich, aber der angellchtcte Schaden stand in keinem Verhältnis zu dem Munitionsauswand. In die Fabrikanlage der Rombacher Hütte, die doch keinem kriegerischen Zwecks diente, sind eine Anzahl Volltreffer hineingesandt worden, offenbar in der ausgesproche­nen Absicht, die deutsche Industrie zu schädigen. Dagegen ist das protzige Palasthotel, das englischem Kapital rmd englischem Ge­schmack seine Entstehung verdankt, sorgsältig geschont worden.

Gleiche Rücksicht gegenüber den belgischen Bundesgenossen haben die Engländer aber nicht geübt. Am! schwersten sind-die Ein- wobner betroffen worden, die vertrauensvoll in ihren Häusern am Strande wohnen geblieben waren, da ihnen die Deutschen nichts la­ten und sie sich seitens der blltischen Verbündeten einer solchen Nie­dertracht nicht versehen hatten. Einigen von ihnen, die llotz dev Warnung durch die deutsche Besatzung ihre Wohnungen nicht ver­lassen wollten, sind die Dächer über dem Kovie zusainmenge- brochen. Der erste Tote war der Steuermann eines holländischen Schisses, der, ahnungslos am Strande ruhend, von einem Granat­splitter getroffen wurde, der ihm den Schädel spaltlle. Schließ­lich flohen die EinwoAner, wie wahnsinnig vor Angst schreiend, durch das Snmpfland aus Brügge zn, wo sie die Schreckensnachricht verbreiteten, daß John Bull, der angebliche Freund und Bundes­genosse, die belgische Küste beschieße und daß Zecbrügge in Flam­men stehe. Den Zeebrüggern wird der englische Besuch unvergeß­lich bleiben, und das Denkmal, das einige von ihnen nach ihrer Rückkehr einem von einem Bolltrefser zerllssenen Pferde gesetzt haben, dürste mit seiner grimmigen Grabschrfft dem britischen Na­tionalstolz wenig schmeicheln.

Unsere Mallnemannschasten haben bei der Beschießung eure großartige Kaltblütigkeit gezeigt. Ein kaum 18jähriger Mallose, der während des ganzen Bombardements ungedeckt an der Küste Posten stand, hat versucht, die englischen Granaten zu zähleck.Bis aus 115 war ich gekommen, als es aber dann losging, unsero Salven, die ganzen Brellseiten aus einmal, und die Teuselsdinger bald nah, bald weit llngs um mich einschlugeu, habe ich es guf- gcsteckt. Ich habe mir nur noch gedacht, daß die Engländer viel überflüssige Munition haben müssen und daß sie sehr schlecht schießen. Wir hätten das besser gemacht."

Ein Obermaat war mll einigen Leuten auf der Mole, um einen Karren mit Kohlen zu holen, als die ersten Schüsse den Ärückcnsteg zerstöllen.Kinder, llef ich", so erzähll er,bringt euch schnell in den Unterständeir in Sicherheit." Er selbst wollte noch draußen bleiben, um durch das Fernglas die Zahl der englischen Schisse sest- zustellen.Was meinen Sie, was mll meine Leute sür eine Äntwoll

wozu rufst du uns Erdenkender ins Sein, wenn Bernichtung

der Sinn und das Ende von allem ist? Was soll uns das

Christfest, wenn Christus uns nicht zum Verkünder des Lebens, sondern des Todes wird? Zerschmettert warf ich mich auf die hartgefrorene Erde: Da packte mich eine feste Hand und als

ich aufblickte, stand eilte jener Lichtgestalten vor mll, wie wir

sic aus der Bibel als Engäl kennen, sah mich flammenden Auges an und sprach:Du Narr, du kleinMüttges, knrzsichüges Men­schenkind, wann wirst du lernen, in das Wesen der Dinge zu blicken, statt dich immer nur mit der Schale zu begnügen? Wann wirst du mit Geistesaugen schauen, statt dich mif deine blöden, äußeren Sinne zu mrlassen? Folge Mll." Und der Engel nahm mich bei der Hand und hieß mich in die Welle blicken. Er blies über die Schneefläche und siehe, der Schnee schmolz vor seinem Hauche und zarte, grüne Felder kamen zum Vorschein.

Er fühlle mich in den Wald imb zeigte mll an Büschen und Bäumen verborgene Knospen, die durch W tut erftost und Not des Frühlings karrten, ltnd dann hieß er mich aufblickenj zu chen Sternen. Mt der Hand berührte er meine Allgen. Mir war, als sänken dichte, verhüllende Nebel und meine Seele erschauerte vor den Wundern, die sich ihr offenballen. Ich schaute das Leben der Moleküle und Mome, ich erkannte Kräfte, die mir bis dahin nicht einmal dem Namen nach bekannt waren und ich sah im Lanzen gros^n Weltoiraum diese Kräfte im Kleinsten und tm Gewaltigsten lebendig willen.

Keimen sah ich, Entstehen und Vergehen in ewigem Wechsel. Furchtbaren Kampf Weltenuntergang und .Aufdämmern neuer Welten durfte ich staunend ellebcn.

Dämonen sah ich am Werke, aber Lichtgestalten durcheilten die Lüfte und bllämpftoi siegreich die SchreckenSgewaldcu.

Und ich sah die Herrlichkeit der Sonnen und Gestirne, geordnet und eiwgereiht nach ewigen Gesetzen. Ich sah ft« sich schwingen in ewigem, göttlichen Reigen und Hölle sie jauchzend lobpreisen dieHarmonie der Sphären".

Und dll Nebel sank, fest faßte dll Engel meine Hand und ich fühlte mich entrückt in eine andere, höhere Welt. Meine Angen schlossen sich, überwältigt von den Gehllmnissen des Le­bens, die sich mll Hill offeirbarten. Als ich abll die Angen wieder ausschlug, da war die Fülle dll Gesichte verschwunden und nur das Erhabenste stand vor mll. Die Muttoe des Hei­landes erblickte ich, das Haupt'umgeben von leuckftcndem Sternen- kranze, dll Magen voller Milde, abll auch voll unergründlichen

gegeben haben?, das könnte ich nun doch nicht verlangen, daß sie vor mir ausllssen! Tja, was blieb mir da übrig, da sind wir dann miteinander znrückgegangen, hübsch langsam und mit dent Kohlenkarren, damit die Engländer nicht denken sollen, daß sich Seiner Majestät blaue Jungens bor ihren dicken Brummerck fürchten."

Und als ob der Tod dem answiche, der ihn verachtll, dll ganz höllische Eisenhagel hat uns nicht einen einzigen Mann, nicht einmal einen Verwundeten gekoslll. Das ist angesichts der außerordentlichen Munilionsverschwendnng der englischen Flotte und bei der Nähe, in der sie sich ausgestellt hatte, fast ein Wundll. Uebrigens haben die Engländer wirklich,recht wenig gilt geschossen. Mehrere ihrll Granaten haben den Wassllturm getroffen, an dessen Erhalt als Einschießziel dem Feinde selbst am meisten gelegen sein mußte. Unsere Stellungen sind von keinem Geschoß auch nur be­rührt worden, obwohl anzunehmen ist, daß sie den Engländern ganz genau bekannt waren. Dll Granaten haben da, wo sie einschlngen, eine fürchterliche Ranch- und Gaswolke llzeugt, die ringsum dll ganze Nachbarschast schwefelgelb gesärbt hat, als ob sie ein Maler getüncht hätte. Ein verhältnismäßig großer Teil der Effenlolosse ist nicht zur Entzündung gekommen, sondern ist als Blindgänger am Wege liegen geblieben.

Und da die Zusainmenschießnng einiger Fischerhütten und das Attentat auf Leben und Eigentum der Bürger eines verbündeten Staates auch bei den heutigen, stark hcrabgeminderten Ansmüchen desseebeherrschenden Albions" kaum als eine große Ruhmestat angesehen werden dürste, so wird die englische Press« den Tag voir Zecbrügge schwerlich als ein zweites Trasalgar anpreisen können. SB. Schenermann.

Kriegsberichterstatter.

Aur Stadt und Land.

Gießen, 19. Dezember 1914.

**DieAbgabevonSteuererklärungen. Ob­wohl in der Aufforderung selbst genaue Angaben darübest enthalten sind, wer nach der allgemeinen ösfentlichen Aufi- forderung zur Abgabe von Steuererklärungen verpflichtet ist, scheinen doch noch und insbesondere bei den Steuerpflich--' tigen mit Kapitalvermögen über die Erklärungspflicht Zweifel zu bestehen. Nach den Gesetzen, die Vermögenssteuern und die Gemeindeumlagen betr., sind die Steuerpflichtigen mit Kapitalvermögen zur Abgabe einer Bermögens- erklärung verpflichtet, wenn sic zum erstenmal mit Kapitalvermögen in der Gemeinde veranlagt werden und dieses Vermögen mindestens 3000 Mk. beträgt, und ferner, wenn sie bereits mit Kapitalvernwgen veranlagt sind, aber Las Kapitalvermögen gegen die seitherige Veranlagung sicht um mehr als 3000 Mk. vermehrt hat. Verpflichtet ist so­nach zur Abgabe einer Vcrmögenserklärung nicht, wer be­reits mit Kapitalvermögen veranlagt ist und gegen die seit-i herige Veranlagung keine Vermögensvermehrung von mehr! als3000Mk. erfahren hat. Wertverminderungen auff Kapitalvermögen bedingen, wie dies übrigens selbstverständ­lich ist, eine Erklärungspflicht nicht. Ergehen beson-- der« Aufforderungen der Vorsitzenden der Veranlagungsj-t kommissionen zur Abgabe von Steuererklärungen an den ein­zelnen Pflichtigen, dann ist allerdings der Aufgesordertr zanst Abgabe der Erklärung verpflichtet.

** Ritter des Eisernen Kreuzes: Polizeisevgk. Neiser II. aus Limburg, Obergefr. im Res.--Fußart.-> Regt. 3. Uffz. d. R. Robert Laue aus Limburg. Gefr. Heller aus Herboru. Ingenieur Karl Schäfer aus Weil- burg, Ufsz. d. R. bei der 2. Ersatz-Komp, des Pion.-Bat. 3.' Res. Karl Dreht, Inf.-Mögt.81, aus Braunfels. Reserve­jäger Friedrich Hofmann, Fägerbat. 11, aus Dorlar.. Landwirtschastslechrer und TieMuchtinspektor H. Schmidt ans Oppershofen, Inf.-Regt. 116. Karl Michel, Wachtin, im Art.-Regt. 61 und Gust. B i n din gs Hans, Usszj. inr. Dvag.-Rogt. 23, aus Unter-Widdersheim. Musksttier Kurt. Günther aus Friedberg-Faullbach, Inf.-Regt. 168. Husar Karl Kratz aus Ruppertenrod, HusSKegt. 13. Pion.-UffA. d. R. H>einr. Schmidt >aus Weilburg. Geometer Sommer aus Lauterbach, Gesr. d. L. im Pion-Regt. 25. Assessor Günther aus Schlitz, Leutn. im Feldart.-Regt. 69. Sorgte Wagner aus Zeilhard, Res.-Jnf.-Regt. 116. Ufsz. Justus Kahler aus Wangershaasen, Füs.-Regt. 39. Lehrer M. Grunewald aus Oberrosphe, Ufsz. im Landw.-Regt.83. Kriegsfreiwilliger Jäger-Gesr. Helmut Schreiner aus Dillenburg. Vizefeldwebel Heinz aus Wetzlar, Pionier-

Geheimnisse auf mich gerichtet. Ihr zur Rechten Christus, das sleischgewordcne Leben, die Kraft ewigen Werdens und unaus- hörtichll Erneuerung und zu chrll Linken dll Tod. Ernst sprach Maria,dll Muttll des Lebens", zu mir: Durch tiefe Sehnsucht und inneres schauen hast du mich und meinen gött­lichen Sohn erkannt, so llkenne nun auch den Tod als das, was ll in Wahrheit ist Er ist dll Bote Gottes, dll die schwlle Pflicht hat, Bestehendes zu znstören, um Neues llstehcn zu lasten. Euch Mnschenkindll loszulösen ans lieb gewordenem Le­ben, um Euch neuem Leben und neuen, ungeahnten Entwick- tnngen z-uzusühren. Ob ll den einzelnen abruft in dll Blüte d« Jagend odll nach mühsamem und doch reichem Leben, ob ll sic rust aus dll Ajrbett des Friedens oder ob et die Edelsten dll Bölkll wie eben setzt auf dem Felde der Ehre dahinrafft wie volle Garben immer dürft Ihr untll seinem Kusse, dll Euch scheidet von dem Erdenlebeir, llschanernd eine ?lhnung enrptzndcn von dll Herrlichkeit dessen, das an Euch soll ge-> offenbaret wllden.

Uebll die hunklen Wasser dll Trübsal führt 'dll sMe Bote Euch ins Gefilde dll Seligen zu den Quellen des Lebens. Frettnh geleitet er Euch nur bis ans Tor ewiges Leben gibt Euch heute wie einst, der von sich sagen durfte:Ich hin dll Weg, die Wahrhett und das Leben."

Mt dies« Erkenntnis müßt Ihr Euch begnügen: den Vater sÄbll könnt Ihr nur ahnen, nicht erschanen, so lange noch Erdenstaub Eure Blicke trübt.

Vom Geiste geleitet abll weidet Ihr ihn dlleinst llkennen als den Urquell olles Seins, als die Kraft, von welcher alle übvigcn Kräfte des Wettälls ihre Gesetze empsangen, als den Unllgründlichen, von welchem das Werden und Vllgohen, das Böse und das Gute als Ursache und Wirkung, als Antrieb und Vollendung dem Lebst singeordnet wurden. Wo immll Eu« Vllständnis nicht ausrercht, ordnet Euch willig ein als Werk­zeug des Höchsten und misset, daß Ihr Mitwirken dürft zu h«r- lichcn ewigen Zielen.

Ms sie also sprach, sah ich von neuem in weitem Kreise den ewigen Reigen leuchtender Stllne, und Scharen von Engeln umschwebten Maria, die Mutto: des Lebens und sangen:

Herr Gott, du bist unsere Zuflucht sür und sür. Ehe denn die Bllgc wurden und die Erde uird die Welt geschaffeir wurde, bist du Gott von Ewigkctt zu Ewigkeit."